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Unterrichtsstunde: Reden statt schlagen – gemeinsam eine Lösung finden

Unterrichtspraktische Prüfung in dem Fach Deutsch

Unterrichtsentwurf 2006 22 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

1. Einbindung in die Unterrichtsreihe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Darstellung der Sache bezogen auf die Unterrichtsstunde

2.1 Soziales Lernen und Streitschlichtung

Konflikte sind ein ständiger Begleiter unseres Alltags. Der Umgang mit ihnen und Art und Ergebnis der Konfliktlösung entscheiden darüber, ob ein Konflikt als negativ oder positiv (bspw. wenn nicht einer als Sieger und der andere als Verlierer, sondern alle als Gewinner aus einem Konflikt hervorgehen), angesehen wird. Die Befähigung zur positiven Konfliktlösung muss frühstmöglich im Rahmen des „sozialen Lernens“ vermittelt werden.[2]

2.2 Kurze Sachanalyse des Bilderbuches „Sechs Krähen“ von Leo Lionni

Das Buch ist im Jahr 1988 im Middelhauve Verlag erschienen. Es beinhaltet 32 Seiten, auf denen Illustration und Text kombiniert werden. Leo Lionni gestaltet die Bilder dieses Buches collagenartig aus einer Mischung von Zeichnung, Kartoffeldruck und aufgeklebten Elementen aus unterschiedlichen Materialien.

Die Geschichte spielt in einem indischen Dorf. Ein Farmer, der sein Feld bestellt hat, ärgert sich über sechs Krähen, die seinen frisch gesäten Weizen wegpicken. Zur Abschreckung stellt er eine Vogelscheuche auf. Die Krähen erschrecken sich, doch als Gegenreaktion bauen sie aus Blättern einen Gespenstervogel, den sie zum Schrecken des Farmers über das Feld fliegen lassen. Der Streit eskaliert und die beiden Streitparteien greifen zu immer drastischeren Mitteln; der Farmer setzt größere Vogelscheuchen in sein Feld, die Krähen bauen größere Gespenstervögel. Die Eskalation des Konfliktes wird von der außen stehenden Eule beobachtet. Sie schreitet schließlich ein und bringt den Farmer und die Krähen auf die Idee, miteinander zu sprechen. Im Gespräch der Kontrahenten kommt es zur Verständigung und somit zu einer friedlichen Konfliktlösung.[3]

2.3 Szenisches Spiel

Das szenische Spiel ist ein Teil der Theaterpädagogik und wird im Deutschunterricht aufgegriffen als gestaltetes Vortragen beim mündlichen Sprachhandeln oder als Arbeit beim Umgang mit Texten. Als Methode wird das szenische Spiel in vielfältigen Bereichen des Deutschunterrichts genutzt, zum Beispiel beim „interpretativen Erspielen von Szenen eines Textes“, „beim Einüben bestimmter Sprechakte und Kommunikationsformen“, oder beim „Durchspielen von Verhaltensmöglichkeiten in Konfliktsituationen“[4]. Die Rollenspieldidaktik wurde schon sehr früh eingesetzt, um Konfliktsituationen aus dem Alltag der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen mit dem Ziel, soziale Situationen durchschauen und bewältigen zu lernen. Szenische Spiele haben immer einen Bezug zur Lebenswelt der Kinder.[5]

Neben dem Personenspiel haben sich verschiedene Spielmöglichkeiten in der Schule entwickelt. So beispielsweise auch das Puppenspiel. Es entlastet die Schüler davon, „den eigenen Körper zur Schau stellen zu müssen“. Vor allem das Spiel mit Stabpuppen ist leicht zu realisieren. Vielen Kindern fällt das Sprechen bedeutend leichter, wenn sie es über eine Puppe tun können.[6]

3. Didaktisch-methodische Überlegungen

3.1 Begründung des Themas

Aus aktuellem Anlass habe ich mich für den Aufbau und die Durchführung der vorliegenden Unterrichtsreihe „Reden statt schlagen – gemeinsam eine Lösung finden“ entschieden.

In unserem Schulprogramm ist verankert, dass es zu den zehn zentralen Zielen unseres Schullebens gehört, den Schülern „Wege zu einem friedvollen Umgang miteinander“[7] aufzuzeigen. Zudem wird an unserer Schule in naher Zukunft das Streitschlichterprogramm von Karin Jefferys - Duden eingeführt, in das alle Schuljahre involviert werden. Ziel ist es, dass die Schüler bzw. Konfliktparteien gemeinsam eine Lösung ihres Problems finden. Dies stellt eine hohe und komplexe Anforderung an die Kinder. Vor allem in den jahrgangsübergreifenden Lerngruppen 1/2 sollte diese Thematik bereits im Unterricht aufgegriffen werden, um die Schüler für die bevorstehende Aufgabe zu sensibilisieren.

Zudem halte ich es für äußerst wichtig, im Rahmen dieser Unterrichtsreihe neben den fachspezifischen und fächerübergreifenden Zielen ein soziales Ziel einzubetten. Die heterogene Zusammensetzung innerhalb der jahrgangsgemischten Lerngruppen bietet unter anderem den Vorteil, dass altersgemischte Schüler voneinander und miteinander lernen.[8] Dieses positive Lernklima des sozialen Miteinanders kann jedoch nur erreicht werden, wenn die Schüler die Chance haben miteinander zu kooperieren und zu kommunizieren. Vor allem in einem Unterricht, der durch das Prinzip der Individualisierung geprägt ist, indem in den Fächer Deutsch und Mathematik individualisierte Lehrgänge durchlaufen werden, um den Voraussetzungen eines jeden Kindes gerecht zu werden, muss großer Wert darauf gelegt werden, die Gemeinschaft und den Zusammenhalt der Gruppe und das soziale Miteinander zu stärken.

3.2 Didaktische Prinzipien des sprachlichen Handelns

Bartnitzky betont die Wichtigkeit, dass Unterrichtsreihen im Fach Deutsch den „Fünf Prinzipien der Didaktik des sprachlichen Handelns“[9] gerecht werden.

Die Unterrichtsreihe „Reden statt schlagen – gemeinsam eine Lösung finden“:

- ist thematisch dem Thema „sich streiten - sich vertragen“ zuzuordnen. Den Kindern sind zahlreiche Streitsituationen aus ihrer eigenen Lebenswelt bekannt (Situationsbezug);
- eröffnet den Schülern herausfordernde Situationen des sprachlichen Handelns (Sprachentwicklung);
- greift den sozialen Aspekts des „Miteinander und Voneinander Lernens“ auf, der insbesondere in dieser heterogenen Lerngruppe von großer Bedeutung ist (Sozialbezug);
- verdeutlicht den Schülern die Vorteile gemeinschaftlicher Konfliktlösungen und zeigt mögliche Konfliktlösungen auf (Bedeutsamkeit der Inhalte);
- regt die Kinder dazu an, auf der Meta-Ebene über ihr Sprachhandeln nachzudenken und zu reflektieren (Sprachbewusstheit).

3.3 Didaktische Entscheidungen für die Unterrichtsreihe und Unterrichtsstunde

Um den Schwerpunktzielen meiner Unterrichtsreihe gerecht zu werden, war ich bemüht, den Schülern zahlreiche Sprechanlässe und vielfältige Situationen des Miteinander Lernens zu bieten und ihnen zu ermöglichen, mit Texten und Medien umzugehen.

So liegen auch in der heutigen Stunde die Schwerpunkte in den Bereichen „Umgang mit Texten und Medien“ und „Mündliches Sprachhandeln“.

Um die Thematik „sich streiten – sich vertragen“ kindgerecht darzubieten, habe ich mich dazu entschlossen im Rahmen der Reihe Bilderbücher zu integrieren. Mir war bereits aus vorhergehenden Unterrichtsreihen bekannt, dass der handelnde, kreative und produktive Umgang mit Bilderbüchern einen hohen Motivationsanlass für die Schüler dieser Lerngruppe darstellt. Ich habe mich unter anderem (weitere Bilderbücher im Rahmen des Bücherbüffets) für das Bilderbuch „Sechs Krähen“ von Leo Lionni entschieden. Mir war bewusst, dass die Figuren (Farmer, Krähen) und die Handlungsräume (Indien, Weizenfeld) nicht aus der Lebenswelt der Kinder stammen. Dennoch befand ich den Inhalt des Buches für durchaus treffend. Der beschriebene Konflikt und dessen Eskalation umschreibt genau das, was den Schülern aus ihrem Alltag bekannt ist. Allein aus diesem Grund wird es den Schülern gelingen, den Transfer auf ihre eigene Lebenswelt anzustellen. Das Fungieren der Eule als Streitschlichter zwischen den beiden Konfliktparteien, sensibilisiert die Schüler zugleich für das Streitschlichterprogramm unserer Schule.

Den Abschluss des Buches bildet das Gespräch zwischen den Krähen und dem Farmer. Hier wird keinesfalls ein moralisch überdramatisiertes Ende dargestellt, sondern es findet ein Gespräch in mehreren Etappen (zunächst wütend – dann friedlich – dann freundlich) statt, das den Schülern den Ablauf eines möglichen Konfliktgespräches nahe bringt.

Meines Erachtens ist es sinnvoll, das Bilderbuch in zwei bis drei Unterrichtssequenzen zu bearbeiten. Dabei sollten die Schwerpunkte auf der Erschließung des Streits und des Konfliktgespräches liegen. Hier bieten sich zahlreiche Sprechanlässe. Kreative Schreibanlässe gehen aus dem Buch nicht hervor.

[...]


[1] vgl. Bartnitzky 2000, S.55.

[2] vgl. Schneider, Evelyn, 2006

[3] vgl. Lionni, Leo, 1988.

[4] vgl. Bartnitzy 2000, S.41.

[5] vgl. ebd.

[6] Spinner/ Bartnitzky, 2006, S.32.

[7] vgl. Schulprogramm der Melanchthonschule (Stand Nov. 2006)

[8] vgl. Ohse, 2006, S.7.

[9] vgl. Bartnitzky 2000, S.18.

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640237425
ISBN (Buch)
9783640239702
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120453
Note
1,3
Schlagworte
Unterrichtsstunde Reden Lösung

Autor

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