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IT-Investitionen in der Hotellerie

Seminararbeit 2005 52 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Aufgabenstellung und Zielsetzung
1.2 Thematische Abgrenzung und Disposition
1.3 Wirtschaftliche Situation auf dem Hotelmarkt
1.4 Nachfrage nach IT-Leistungen

2. Grundlagen
2.1 Informationstechnik
2.2 Investition und Finanzierung
2.3 Zeitpunkt der Investition
2.4 Vorgehensweise bei der Entscheidung

3. Anwendungsbereiche
3.1 Module eines ERP-Systems
3.1.1 Front Office
3.1.2 Back Office
3.1.3 Warenwirtschaft
3.1.4 Tagungs- und Bankettverwaltung
3.1.5 Restaurant Management System
3.2 Kommunikationsinfrastruktur
3.3 Schnittstellen

4. Software und Systeme in der Hotellerie
4.1 Micros-Fidelio Hotel Management System
4.2 Hogatex Hotel Management System
4.3 Protel Hotel Management Software
4.4 SIM Hotel (SAP)
4.5 HiPath Hotel (Siemens)
4.6 IBM Networking Services

5. Investitionen in Kommunikationsinfrastruktur
5.1 Hotel Allegra, Kloten
5.2 Lindner Hotel am Ku’Damm, Berlin
5.3 Domina Grand Media Hotel, Ljubljana
5.4 Gates, Berlin

6. Investitionen in ERP-Systeme

7. Rückblick, Wandel und Zukunftsaussichten

Literatur- und Quellenverzeichnis
Literaturverzeichnis
Fachzeitschriften-Verzeichnis
Websites-Verzeichnis
Sonstiges Verzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

"Ich erkläre hiermit an Eides Statt, daß

1. ich die vorliegende Arbeit selbständig und ohne Benutzung anderer als der angegebenen Hilfsmittel angefertigt habe,
2. die aus fremden Quellen direkt oder indirekt übernommenen Gedanken als solche kenntlich gemacht sind,
3. dieses Exemplar mit der beurteilten Arbeit übereinstimmt und
4. diese Arbeit bisher in gleicher oder ähnlicher Form keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegt und auch noch nicht veröffentlicht wurde."

Stuttgart, den 11. März 2005

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Antje Fydrich

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die rasante technologische Entwicklung macht auch vor der Hotellerie nicht halt. Der technologisch-versierte Gast von heute bucht das Zimmer mit Hilfe seines WAP- oder I-Mode-fähigen Mobiltelefons und checkt bereits vor Ankunft über sein PDA ein. Was im Moment noch wie Zukunftsmusik klingt, ist bereits morgen wieder Schnee von gestern, denn täglich werden neue Technologien erforscht und auf den Markt gebracht1.

1.1 Aufgabenstellung und Zielsetzung

Die Aufgabenstellung der vorliegenden Arbeit ist die Darstellung der Grundlagen und Anwendungsbereiche von IT-Infrastruktur in der Hotellerie. Das Untersuchungsziel ist es, herauszufinden wie und welche IT eingesetzt, und welche Wettbewerbsvorteile durch den Einsatz erreicht werden können. Zudem sollen Kernprobleme bei der Entscheidungsfindung in den relevanten Bereichen eines Hotels aufgezeigt werden.

1.2 Thematische Abgrenzung und Disposition

Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit begrenzt die grundlegende Ausführung von Investitionen und IT-Investitionen im besonderen, da eine all umfassende Darstellung des Wissensgebietes im Rahmen dieser Seminararbeit nicht möglich wäre. So beschäftigt sich die vorliegende Studienarbeit insbesondere nicht mit der näheren Beschreibung der verschiedenen Investitionsarten. Auch wird nicht auf Investitionen im Bereich des Internet eingegangen, da eine eigene Internetseite mit den üblichen Funktionen (Reservierung, Kontaktaufnahme etc.) heute als Standard angesehen werden kann.

Zur verständlichen Darstellung werden zunächst die wirtschaftliche Situation auf dem Hotelmarkt und die Nachfrage nach IT-Leistungen beschrieben, sowie die theoretischen Grundlagen und Basiselemente der IT, Investition und Finanzierung zusammenfassend dargestellt.

Im folgenden Teil der Arbeit sollen die Anwendungsmöglichkeiten von IT in der Hotellerie unter besonderer Berücksichtigung von ERP-Systemen vorgestellt und anschließend einige der Systeme kurz beschrieben werden.

Im fünften und sechsten Kapitel finden Sie Praxisbeispiele von Investitionen in IT. Ein Fazit und eine kritische Reflexion bilden das abschließende Kapitel dieser Seminararbeit.

1.3 Wirtschaftliche Situation auf dem Hotelmarkt

Die Zahl der Übernachtungen in Beherbergungsstätten in Deutschland war im Vergleich zu 2003 in den Monaten Juni bis September niedriger, zog dann im Oktober (0,2%) und November (2,5%) 2004 wieder leicht an.2 Laut Fachpresse wird 2003 als das wirtschaftlich schlechteste Jahr in der Geschichte des Gastgewerbes bezeichnet (Der Hotelier, 30.04.2004). Da der überwiegende Anteil der Hotels in Deutschland in erster Linie von Geschäftsreisenden abhängig ist, führt die Wirtschaftsflaute aufgrund eines zunehmenden Wettbewerbs und Preisdrucks zu massiven Kosteneinsparungen sowohl bei Unternehmen als auch bei Gästen. Aus einer höheren Zimmerauslastung leitet sich keine Entwarnung in Hinsicht auf die sehr angespannte Situation in den Unternehmen ab: es gibt keine analoge Erhöhung der Umsätze. Gründe dafür sind die Preisanpassung nach unten und die steigenden Betriebskosten.3

Die kontinuierlich rückläufigen Umsatz- und Auslastungszahlen in der Hotellerie haben sich vermindert. Im Sommer 2004 meldeten erstmals seit 2000 wieder mehr Betriebe steigende Auslastungszahlen und eine Umsatzsteigerung von 1,5%. Diese bessere Ausgangssituation zeigt sich auch in der Entwicklung des Investitionsverhaltens in der Branche: 23,5% der Hotels meldeten ein gestiegenes Investitionsvolumen, damit sank der Anteil der Betriebe mit rückläufiger Investitionsbereitschaft deutlich ab. Durch den konjunkturellen Aufschwung profitieren am meisten das Tagungs- und Kongressgeschäft.4

Diese Entwicklungen verdeutlichen die schwierige wirtschaftliche Situation auf dem Hotelmarkt und den zunehmenden Konkurrenzdruck. Der Preisdruck durch den Wettbewerb wächst, der Kunde möchte weniger zahlen, wird anspruchsvoller und möchte mehr Leistung für sein Geld. Das Kundenbedürfnis hat sich in den letzten Jahren geändert. Durch die steigenden Ansprüche der Gäste und den steigenden Wettbewerbsdruck steigt auch die Bereitschaft zur Instandhaltung.5 Was früher noch ‚nice to have’ war (in den Bereichen Multimedia, Service, Sicherheit, Ausstattung etc.) ist heute oft ein ‚must have’ geworden. Um die Ansprüchen der Kunden zu befriedigen, stehen in vielen Häusern dringende Investitionen an6. Auf der anderen Seite wächst der Druck, Kosten zu reduzieren. Hierbei spielen neue Technologien eine große Rolle. So ist die Einführung einer neuen Technologie nicht mehr länger nur Luxus, sondern zu einer überlebensnotwendigen Maßnahme geworden. Jedoch führen solche Investitionen nur zum Erfolg, wenn diese von Kunden und Mitarbeitern angenommen und voll in den Geschäftsbetrieb integriert werden.7

Trotz getrübter wirtschaftlicher Aussichten und einer Marktbereinigung, die sich oftmals schon aufgrund eines massiven Überangebotes ergibt, bietet der deutsche Hotelmarkt Chancen. Hierbei stehen unter anderem folgende Überlegungen im Vordergrund: zahlreiche günstige Angebote mit teilweise hohem Standard, an manchen Standorten ausgewogener Gästemix (Geschäftsreisende und Touristen), steigender Anteil ausländischer Gäste in Deutschland, teilweise sehr gute Infrastruktur im Bereich Messen, Tagungen und Kongresse, und ein im europäischen Vergleich günstiges Preis- Leistungsverhältnis sowie die Belebung des Inlandstourismus mit teilweise sehr hochwertigem Angebot. Dies bietet Potenziale insbesondere für Nischenprodukte und Budgethotels.8

Das Trendgutachten ‚Hospitality 2003/04’9 der Treugast beschreibt die Situation auf dem deutschen Hotelmarkt u.a. wie folgt:

- Unter der wirtschaftlichen Flaute leidet v.a. die Businesshotellerie.
- Gute Chancen für die Zukunft haben die Tagungs- und Kongresshotellerie, jede dritte Übernachtung in Deutschland resultiert aus dem Messe- und Kongressgeschäft, die Branche wird weiter wachsen.
- Durch den Preiskampf wird der deutsche Markt trotz des starken Euro auch für ausländische Tagungs- und Kongressveranstalter immer interessanter.
- Während der starke Euro die Nachfrage aus Amerika und Asien sinken lässt, setzt man die Hoffnung jetzt auf den Incomingtourismus aus China.

Das Marktvolumen für Investitionen liegt jährlich etwa bei 650 Mio. Euro, hinzu kommen ca. 50 Mio. Euro aus aufgelösten Rücklagen und 200 Mio. Euro aus der Auflösung von Instandhaltungsstaus.10

1.4 Nachfrage nach IT-Leistungen

Eine repräsentative Erhebung der Computerwoche11 zum Thema IT- Investitionen zeigt, dass in allen Branchen kleine und mittlere Betriebe, im Gegensatz zu Unternehmen mit Jahreseinnahmen von mehr als 25 Millionen Euro, an IT sparen, obwohl die IT-Budgets generell wachsen. Dies wird beeinflusst von den Prognosen zur konjunkturellen Entwicklung, welche in Deutschland mit 1,5% bis 1,8% unter dem weltweiten Niveau liegen. Im Dienstleistungsbereich lag im Jahr 2001 das Investitionsvolumen für IKT bei 14,1 Mrd. Euro, insgesamt lag es bei 20,6 Mrd. Euro deutschlandweit.12

Auf Platz eins der Prioritätenliste der Entscheider steht, unabhängig von der Branche, nach wie vor das Thema Kostensenkung. Von den Großunternehmen möchten 99,4% der Befragten dieses Jahr Geld für Hardwareaufwendungen und 93,5% der Befragten für Softwareaufwendungen ausgeben. Bei den kleineren Betrieben sind es lediglich 58,8% die in Hardware und 46,8% die in Software investieren möchten. In beiden Fällen steht Anwendungssoftware an Position eins der Einkaufsliste.

Im internationalen Bereich ist man offenbar überzeugter vom Business-Nutzen der IT: In anderen Ländern wird mit Hilfe der IT das Wachstum der Unternehmen in den einzelnen Branchen besser unterstützt, Wettbewerbsvorteile werden errungen und Innovationen vorangetrieben. In Deutschland ist dieses Vertrauen vor allem in kleineren Betrieben nicht vorhanden. Einig sind sich alle in folgendem Punkt: Neben der Erhöhung der Sicherheit sollen Prozesse mit Hilfe der IT verbessert werden. Wenn hiesige Unternehmen zu wenig Wert auf die Modernisierung ihrer Prozesse mit Hilfe der IT legen, geraten diese ins Hintertreffen.

Eine sehr ähnliche Situation findet sich in der Hotellerie. Insbesondere mittelständische Unternehmen haben unter der Kreditvergabepolitik der Banken zu leiden. Modernisierung hat auf dem hart umkämpften Hotelmarkt in Deutschland Priorität, die Kernbereiche umfassen jedoch die Segmente Außenanlagen und Zimmerausstattung mit klarem Abstand vor Sicherheitssystemen oder der Bereitstellung von WLAN. Zukunftsweisende Technologien durch IP-basierte Systemtechnik sind nur bei wenigen Hoteliers ein Thema.13 Durch fehlende Investitionen entstehen Investitionsstaus, auch oder v.a. im Bereich der IT. Diese führen dazu, dass nun in vielen Hotels EDV und Software kostspielig erneuert werden müssen.14

In der Hotellerie, einer stark konjunkturabhängigen Branche, steigt und fällt die Investitionsbereitschaft mit der jeweiligen Entwicklung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Deutlich mehr Hoteliers blicken heute wieder optimistischer in die Zukunft. Dadurch werden die Investitionsstaus hoffentlich aufgelöst werden. Die Schwerpunkte der Investitionsziele liegen in den Bereichen Inneneinrichtung, Ausstattung, Design (40%) und an zweiter Stelle Technische Einrichtungen (18%). Das Hauptaugenmerk liegt folglich auf Zonen, die der Gast sieht, hinter den Kulissen wird nur in das Notwendigste investiert. Vor allem in der Kettenhotellerie mit vier bis fünf Sternen leiden die Hoteliers unter hohen Investitionsanforderungen und massivem Wettbewerbsdruck15 16

Investieren macht Sinn: Wer den Trend verschläft, d.h. notwendige Neuerungen nicht durchführt und die Instandhaltung vernachlässigt, wird auf der Strecke bleiben. Folgende Punkte müssen bedacht werden: Wie viel soll investiert werden, zu welchem Zeitpunkt , mit welcher Absicht, welchem Konzept und - last but not least - mit welchen Mitteln soll die Investition finanziert werden?17

Wichtig für die Realisierung anstehender Investitionen ist es, schnell und flexibel auf die Veränderungen des Marktes zu reagieren und dies umsetzen zu können. Hoteliers müssen bestens informiert sein, um Trends aufgreifen und umsetzen zu können. Mehr denn je sind innovative Konzepte gefragt, die sich an den Wünschen und Vorstellungen der Gäste orientieren.

Eine Hot-Spot-Studie kommt zu nachfolgenden, interessanten Ergebnissen: mehr als 144 Millionen Geschäftsreisen finden derzeit pro Jahr in Deutschland statt. Bis Ende 2004 sollte der Studie zufolge die Hälfte aller Firmennotebooks WLAN-fähig sein, die Zahl der WLAN-Nutzer wird sich auf 33 Millionen verdreifacht haben. Für zahlreiche Firmen und Seminarveranstalter ist WLAN längst zum Entscheidungskriterium und einer Standard-Anforderung geworden, wenn es um die Wahl des Hotels geht. Aber auch für Hotels von drei Sternen an aufwärts gehört WLAN inzwischen zum Standard.18

Die neuste Marktstudie von Treugast und IBM sagt aus, dass momentan die Nachfrage der Hoteliers für neue IT-Anwendungen lediglich bei 30% liegt und nur 45% über innovative IT-basierte Einrichtungen verfügen. Diejenigen der Hoteliers die in naher Zukunft investieren wollen, werden voraussichtlich in Videoüberwachung, InternetConferencing und automatisierte Wareninventur investieren. Bereits getätigte Investitionen wurden hauptsächlich in den Bereichen Videoüberwachung, Quick-Check-In und EDV gestützte Haussteuerung getätigt. Es wird in die klassischen Bereiche investiert, welches für innovative Hoteliers einen Wettbewerbsvorsprung bedeutet. Dieser Vorteil wird allerdings in den nächsten Jahren wieder eingebüsst werden, wenn auch die anderen Hotels ihre Investitionsstaus aufgelöst haben.19

2. Grundlagen

2.1 Informationstechnik

Informationstechnik (IT) ist der Oberbegriff für die Informations- und Datenverarbeitung. Er beschreibt Verfahren zur Verarbeitung von Informationen und Daten (EDV), aber auch den Bereich der Telekommunikation. Die rasanten Fortschritte der IT-Technik haben in den letzten Jahrzehnten die Wirtschaft zunehmend geprägt. Deshalb wird es immer wichtiger, die Prozesse zur Erbringung von IT-Dienstleistungen (IT-Services) zu verbessern.20

IT als Wettbewerbsvorteil: Es gilt sich von der Konkurrenz klar abzuheben. Insbesondere durch neue Medien kann man momentan durch Unique Selling Propositions den Gast zum Wiederkommen überzeugen. Gerade hier ist schnelles Reagieren gefragt, da durch den rasanten Wandel Innovationen auch schnell zu einem Standard werden. Natürlich beeinflussen die neuen Medien auch das Buchungsverhalten der Gäste, so wird die Preistransparenz durch das Internet erheblich erhöht. Der Hotelier hat seinerseits die Möglichkeit sein Auslastung durch Internet-Auktionen o.ä. in buchungsschwachen Zeiten zu erhöhen.21

Der Leitfaden von HTNG rät den Hoteliers die entstehenden Kosten für IT klar nach dem Verursacherprinzip (Marketing, Zimmer, Betriebssystem, Infrastruktur, ...) aufzuteilen, die indirekten Kosten nicht zu vernachlässigen, klar zu trennen wo genau die Kosten entstehen (Hotel, Betreibergesellschaft, Zahlungen an Dritte, ...) und Annahmen zu treffen über Instandhaltungs-/ Erneuerungs-Kosten für das System. Auch im Bereich der IT müssen Hotels Rücklagen bilden um zukünftige Investitionen abzusichern. Nicht vernachlässigt werden darf die Bedeutung eines qualifizierten IT-Mitarbeiters, auch wenn diese Position von vielen Hotels aus Kostengründen noch mit unqualifizierten Mitarbeitern besetzt wird.22

Bei der Anschaffung eines neuen Systems sind nicht nur die direkten Kosten interessant, sondern v.a. auch indirekt entstehende Kosten. So ist die Beschaffung der Hardware in der Regel von der verwendeten Software abhängig und sollte darauf ausgerichtet sein.23 Es können erhebliche Folgekosten in Form von Wartung, Nachbesserung, Updates, Support und Schulungen entstehen. Auch bei der Lizenz für die Software sollte geprüft werden, ob es sich um eine einmalige Lizenzgebühr oder etwa um eine jährliche Belastung handelt.

2.2 Investition und Finanzierung

Laut Wöhe bezeichnet man als Investition ganz allgemein die Verwendung finanzieller Mittel. Mit jeder Investitionsentscheidung stellt sich zwangsläufig die Frage der Finanzierung, jede Investition muss gegenfinanziert werden. Unter Finanzierung versteht man die Bereitstellung finanzieller Mittel. Beide dienen dem Unternehmen als Mittel zum Zweck der Produktion von Gütern und Dienstleistungen. Hier stehen neben Sachinvestitionen (Ersatz-, Rationalisierungs- und Erweiterungsinvestitionen) auch immaterielle Investitionen (Lizenzen, Patente, ...) im Vordergrund.24

Investitionen gelten als heikle zentrale Entscheidungen im operativen Betrieb, da sie häufig langfristige strategische Bedeutung haben. Dies resultiert aus der Kapitalintensität, der langfristigen Kapitalbindung und somit der schweren Umkehrbarkeit von Investitionen. Eine Entscheidung wird weiterhin dadurch verkompliziert, dass neben den reinen ökonomischen Kriterien häufig weitere Gesichtspunkte (Gesetze, Machbarkeit, Interdependenzen) eine Rolle spielen.25

Bei IT-Investitionen muss man auf folgende Punkte achten: Investitionszyklus (im IT-Bereich wesentlich kürzer als in anderen Bereichen), Standort, Gästeklientel, Zimmerauslastung und Größe des Hotels, Folgekosten (Wartung, Schulung, Support, etc.), Stabilität, Zukunftsfähigkeit und Nachrüstbarkeit des Systems, Schnittstellen, außerdem sollten Design und Technik zum Hotel passen.26

Multimedia und Internet in aller Munde: Dies sind nur zwei Begriffe mit denen wir in der Gegenwart konfrontiert werden. Auch die Hotellerie muss sich rechtzeitig mit den neuen Möglichkeiten beschäftigen, die das Multimedia- Zeitalter bietet, um nicht vom technologischen Wandel und seinen gesellschaftlichen Auswirkungen überrollt zu werden. Die Notwendigkeit der Investitionen erklärt sich vor allem aus dem Überhang des Angebots, das touristische Angebot ist groß mit steigender Tendenz. Die Folge: Es muss permanent investiert werden um das eigene Angebot attraktiv zu halten und wettbewerbsfähig zu bleiben.27 28 Zwar nennen Hoteliers das Problem der Liquidität und Finanzierung bereits an dritter Stelle (nach Personalgewinnung und Vermarktung), jedoch steht bei den Maßnahmen die Qualitätssteigerung durch Sicherheitsmaßnahmen und Investitionen bereits an zweiter Stelle im Ranking.29

Wie nicht anders zu erwarten, waren die großen Hotels die ersten, die sich intensiv um die EDV-Einführung bemühten. Diese waren in der Lage, das für die Anschaffung von Hardware und Software nötige Kapital aufzubringen. Die Betriebe spekulieren offenbar auf Skalenvorteile: Je mehr Betten angeboten werden, desto geringer die Transaktionskosten. Damit diese Strategie aufgeht, muss natürlich die Auslastung steigen, diese lässt sich jedoch oft nur über den Preis herstellen. So kann zunehmender Preisdruck die Skalenvorteile zunichte machen.30 Die Anzahl der Beschäftigten am Empfang und in der Verwaltung macht aus betriebswirtschaftlicher Sicht Rationalisierungsbemühungen erforderlich und sinnvoll.31 Heute ist nicht mehr Personaleinsparung das Oberziel, sondern eine effektivere Abwicklung der betrieblichen Abläufe (dadurch ein besseres Betriebsergebnis) sowie die Befriedigung der Grundbedürfnisse eines Gastes und die Schaffung von Zusatzangeboten, um sich im Wettbewerb abzuheben.

Bei der Anschaffung von Hotelsoftware (inklusive der Hardware) handelt es sich um kostenintensive Investitionen. Der Anschaffungspreis sollte ausschlaggebend sein und ins Verhältnis zu den Anbieterleistungen gesetzt werden. In einer Kosten-Nutzen-Analyse sollten die einzelnen Leistungen der Anbieter dem Preis gegenüber gestellt werden.32

Allgemein muss bei Investitionen in der Hotellerie darauf geachtet werden, dass der Kostendruck durch Verknappung der Ressourcen (attraktive Grundstücke etc.) steigt, durch ein Überangebot an Hotelkapazitäten die Auslastung sinkt, und der Hotelbetrieb typischerweise ein stark risikobehafteter Betrieb ist.33

Nachfolgende Fakten34 führen zu einem Punkt der im Bereich der IT- Investitionen besondere Betrachtung verdient.

- Den Innovationen im IT-Bereich sind momentan (noch) keine Grenzen gesetzt, das rasante Entwicklungstempo der technologischen Neuerungen macht sich natürlich auch bei Hotelsoftware bemerkbar.
- Aufgrund des immateriellen Charakters von Software ist die Leistungsfähigkeit der Programme für potentielle Kunden teilweise schwer nachvollziehbar (auch bedingt durch die teilweise geringe Informationsmöglichkeit). Der Markterfolg eines Anbieters hängt also auch stark von seiner Überzeugungskraft ab.
- Es herrscht (nicht nur im Bereich Hotelsoftware) eine starke Firmenfluktuation. Rapides Wachstum der Branche ließ in den letzten Jahren kleinere Anbieter wie Pilze aus dem Boden schießen. Der Markt ist unübersichtlich.

[...]


1 Vgl. Zhou, Zongqing: E-Commerce & Information Technology in Hospitality & Tourism, New York: Thomson Delmar Learning, 2004, S. 10f, 191.

2 Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland, Tourismus Deutschland. http://www.destatis.de/indicators/d/tktou911.htm, [07.02.2005].

3 Vgl. AHGZ: Die große Trendwende noch nicht in Sicht, in: Allgemeine Hotel- und Gaststättenzeitung, Nr. 51/2004, 18.12.2004. http://www.ahgz.de/story/?story=412172286.

4 Vgl. Konjunkturbericht: Hotellerie Sommersaison 2004 der GBS. http://www.hoga- nordrhein.de/hotellerie/Default.htm, [03.02.2005].

5 Vgl. Treugast: Marktstudie Investitionsverhalten der deutschen Hotellerie, Vortrag vom 27.09.2004 im Rahmen des Investitionsforum Mittelstand der Hotellerie in Düsseldorf.

6 Vgl. Birke, Elke: Ende der Krise, in Hotelier-Deutschland. http://www.hotelier- deutschland.de/magazin/hotelgewerbe/328.shtml, [03.02.2005].

7 Vgl. Zhou, Zongqing: E-Commerce & Information Technology in Hospitality & Tourism, New York: Thomson Delmar Learning, 2004, S. 193.

8 Vgl. PKF Hotelexperts, Pressemitteilung Entwicklung des Hotelmarktes in Deutschland. (01/2005), [07.02.2005].

9 Vgl. Birke, Elke: Pressemitteilung Treugast – Ende der Krise. http://www.treugast.de/deutsch/index2.htm, [22.02..2005].

10 Vgl. Treugast: Marktstudie Investitionsverhalten der deutschen Hotellerie, Vortrag vom 27.09.2004 im Rahmen des Investitionsforum Mittelstand der Hotellerie in Düsseldorf.

11 Vgl. Witte, Christoph u.a.: Mittelstand geizt mit IT-Investitionen, in: Computerwoche, Heft Nr. 3, 21.01.2005, S. 1, 4, 30.

12 Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland: Fakten und Trends 2004. http://www.destatis.de, [07.02.2005].

13 Vgl. Renken, Claudia: Investitionen sind die Zukunft, in: Der Hotelier, Heft Nr. 10 vom 30.10.2004, S. 30ff

14 Vgl. Zwerg, Matthias: Die Entwicklung einer IT-Strategie, in: Top Hotel 11/2004, S. 90.

15 Vgl. Birke, Elke: Zukunftssicherung durch Investitionen: Teil 1, in: Der Hotelier, Heft Nr. 4, 23.04.2004, S. 28ff.

16 Vgl. Birke, Elke: Ende der Krise, in Hotelier-Deutschland. http://www.hotelier- deutschland.de/magazin/hotelgewerbe/328.shtml, [03.02.2005].

17 Vgl. Renken, Claudia: Investitionen sind die Zukunft, in: Der Hotelier, Heft Nr. 10 vom 30.10.2004, S. 30ff.

18 Vgl. Hot-Spot-Studie, in: Hotel und Technik, Ausgabe 06/04, http://www.hotel-und-technik.de/magazin/fachartikel/index.htm, [26.01.2003].

19 Vgl. Treugast: Marktstudie Investitionsverhalten der deutschen Hotellerie, Vortrag vom 27.09.2004 im Rahmen des Investitionsforum Mittelstand der Hotellerie in Düsseldorf.

20 Vgl. Wikipedia – die freie Enzyklopädie: Deutschland. http://de.wikipedia.org/wiki/Informationstechnik, (02.02.2005), [07.02.2005].

21 Vgl. Dettmer, Harald (Hrsg.): Tourismus 2 – Hotellerie und Gastronomie, Köln: Wirtschaftsverlag Bachem, 2000, S. 140f.

22 Vgl. HTNG: A Path to Achieving Next-Generation Technology for the Hotel Industry – White Paper. http://www.htng.org, (29.06.2002), [07.02.2005].

23 Vgl. Zwerg, Matthias: Die Entwicklung einer IT-Strategie, in: Top Hotel 11/2004, S. 90f.

24 Vgl. Wöhe, Günter: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 20., neubearbeitete Auflage, München: Verlag Franz Vahlen, 2000, S. 617ff.

25 Vgl. Wikipedia – die freie Enzyklopädie Deutschland. http://de.wikipedia.org/wiki/Investition, (25.01.2005), [07.02.2005].

26 Vgl. Renken, Claudia: Vom Fernseher zum medialen Multitalent, in: Der Hotelier, Heft Nr. 10, 30.10.2004, S. 48ff.

27 Vgl. Birke, Elke: Zukunftssicherung durch Investitionen: Teil 1, in: Der Hotelier, Heft Nr. 4, 23.04.2004, S. 28ff.

28 Vgl. Hertrich, Wolfgang: Jeder will sich ein Stück vom Kuchen abschneiden, in: Der Hotelier, Heft Nr. 4, 23.04.2004, S. 33.

29 Vgl. Konjunkturbericht: Hotellerie Sommersaison 2004 der GBS. http://www.hoga- nordrhein.de/hotellerie/Default.htm, [03.02.2005].

30 Vgl. AHGZ: Investitionsbereitschaft nimmt wieder zu, in: Allgemeine Hotel- und Gaststättenzeitung, Nr. 1/2005, 08.01.2005. http://www.ahgz.de/story/story=501173352.

31 Vgl. Schuh, Jürgen: Probleme und Erfahrungen bei der Einführung von EDV, in: Fortschritte in der Gastronomie und Hotellerie, Band 6, 1. Auflage, Hamburg: Behr’s, 1991, S. 7.

32 Vgl. Jaworski, Jerzy / Untch, Uwe: Die richtige Software für Ihr Hotel, in: Gastgewerbliche Schriftenreihe, Band 80, Bonn: Eigenverlag Interhoga GmbH, 1997, S. 11.

33 Vgl. Henschel, Karla: Hotelmanagement, München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, 2001, S. 259.

34 Vgl. Jaworski, Jerzy / Untch, Uwe: Die richtige Software für ihr Hotel, in: Gastgewerbliche Schriftenreihe, Band 80, Bonn: Eigenverlag Interhoga GmbH, 1997, S. 4ff.

Details

Seiten
52
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640241736
ISBN (Buch)
9783640245345
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120383
Institution / Hochschule
Fachhochschule Worms
Note
1,7
Schlagworte
IT-Investitionen Hotellerie

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