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Analyse der Illustration des „Pfister-Drucks“ des Ackermanns von Johannes von Tepl

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 21 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Überlieferungen des Pfister Drucks

Beschreibung der Bilder des Pfister Drucks:
Abbildung 1
Abbildung 2
Abbildung 3
Abbildung 4
Abbildung 5

Bezug der Bilder zum literarischen Werk des Ackermanns
Bild der Illustration
Bild der Illustration
3.Bild der Illustration
4.Bild der Illustration
5.Bild der Illustration

Spannungsbogen der Bilder

Einordnung der Bilder in die„ Todesdrastik im ausgehenden Mittelalter“

Resümee

Literaturverzeichnis:

Einleitung

In der folgenden Arbeit werde ich mich mit den Abbildungen der ersten Druckausgabe des „Ackermanns“ von Johannes von Tepl beschäftigen. Zu Beginn der Arbeit werde ich mich mit der Überlieferung und Entstehungsgeschichte beschäftigen, die aufgrund der geringen Erforschtheit nur wenig Raum einnehmen soll. Diese Illustrationen aus der Zeit von 1500 werde ich im ersten Schritt in ihren Details analysieren und in Bezug zum Text des Werkes setzen. Zunächst werde ich eine detaillierte Bildbeschreibung machen, um den Zugang zu den Bildern herzustellen sowie bestimmte Details später besser interpretieren und analysieren zu können. Dabei soll herausgearbeitet werden, wie die Abbildungen den Text des „Ackermanns“ kommentieren, ergänzen und auslegen und ob bzw. inwieweit sie über die Textstellen hinausgehend eine eigenständige Botschaft haben. Besonderes Augenmerk werde ich dabei auf jene Textstellen richten, die einen direkten inhaltlichen Bezug zu den Abbildungen der Pfister–Illustration haben. In einem weiteren Schritt werde ich den Spannungsbogen der Illustrationen herausarbeiten. Dabei möchte ich untersuchen, warum die Bilder in einem festen Gestaltungsmuster hergestellt wurden, dabei jedoch einige aus diesem Muster herausfallen. Anschließend werde ich in einem kurzen Kapitel die Todesdarstellungen der Pfister-Illustration in Todesabbildungen der Zeit einordnen.

Überlieferungen des Pfister Drucks

Der Druck des Ackermanns von Johannes von Tepl wurde durch den Drucker Albrecht Pfister durchgeführt. „ Er wird als der -Clericus Conigatus- identifiziert, der zwischen 1448 und 1460 als Sekretär des Domsangmeisters und Dompropstes Georg I. von Schaumberg und danach als Schreiber am Bamberger Lehenhof bezeugt [ist]und vor dem 13. April 1466“[1]verstarb.

Pfister gilt wie auch Gutenberg als einer der ersten, die mit der Drucktechnik arbeiteten und den Grundstein für den heutigen modernen Buchdruck legten. Pfister war bevor er als Drucker auftrat weitgehend unbekannt.

„ Man nahm an, dass er einer jener zahlreicher Briefmaler gewesen sei, die, dem Namen nach meist unbekannt zahlreich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts auftauchten, um in der handwerksmäßigen Ausübung der jungen Holzschnittkunst zu einer Zeit, wo der großen Masse der des Volkes geistige Anregung und Unterhaltung in der Hauptsache durch die Bildersprache zufloss, eine lohnende Beschäftigung zu finden “[2].Der Textstoff erfreute sich in der Zeit vom 15. bis in das 16. Jahrhundert hinein allgemeiner Beliebtheit, was sich in der großen Anzahl der „ Überlieferung in 16 Handschriften und 15 Drucken zeigt“[3]. Der Ackermann wurde von Pfister in zwei Ausgaben gedruckt. Von der ersten Auflage ist nur noch das „ Wolfenbütteler Original ohne Holzschnitte“ erhalten. Das heißt, dass die übermittelte Illustration des Ackermanns uns heute nur noch aus der zweiten Pfister Ausgabe überliefert wird. Wer der Künstler war, der die Vorlage der Holzschnitte gestaltete, ist leider nicht vollkommen klar. Der von mir zitierte Zedler, wollte die Entstehung der Bilder Pfister selbst zuschreiben. Jedoch geht man heute davon aus, dass die „ Drucke von einer ausgewiesenen Nürnberger Werkstatt stammen, […][ die] stilistisch teilweise von Blockbuchholzschnitten etwa zur Apokalypse inspiriert“[4] sein könnten.

Beschreibung der Bilder des Pfister Drucks:

Abbildung 1

Die erste Abbildung wird geprägt durch einen Rahmen. Dieser Rahmen besteht aus der Abbildung zweier Säulen, die die Decke eines scheinbar großen Raumes stützen. Beide Säulen stehen auf den Decksteinen einer Mauer, die den unteren Teil der Bildbegrenzung darstellt. Zwischen der Mauer und den Decksteinen, die den Fußboden eines großen Raumes darstellen, verläuft eine abgerundete Zierleiste. Seitliche Begrenzungen des Bildausschnitts sind die zwei achteckigen Säulen, die mit der gleichen Zierleiste enden. Auf dieser Säule liegt ein Stück Mauer, welches sich zu einem Querträger hin verbreitert. Dieser Querträger stellt den oberen Bildrand des Druckes dar. Diese beschriebenen Mauerstücke sind mit pflanzenartigen Ornamenten bestückt.

In dem mit angedeuteten Steinfliesen belegten Raum sind im Vordergrund ein kleines Kind, ein Erwachsener, sowie ein wenig hinter dem Erwachsenen versteckt ein weiteres, jedoch schon etwas größeres Kind zu sehen. Alle drei Personen blicken auf einen Sarg, der unverschlossen ist. In diesem Sarg liegt eine, in ein helles Tuch gewickelte Leiche auf einer Unterlage aufgebahrt. Die beiden vorne stehenden Personen sind dunkel gekleidet, was vermutlich auf Trauerkleidung schließen lässt. Auch sind der Erwachsene sowie das größere Kind im Hintergrund um den Kopf herum verhüllt. Der Erwachsene, welcher den Ackermann darstellt. deutet mit seinem Finger auf das vor ihm stehende Kind. Mit der anderen Hand vollführt er eine Gestik, die einem Schwur gleichkommt. Die gleiche Handbewegung macht auch das vor ihm stehende Kind. Auf einem Podest erhöht, sitzt der Tod wie ein König auf dem Thron. Er trägt, genau wie die anderen Personen im Vordergrund, keine Schuhe. Er selbst ist bekleidet mit einem Umhang, der mit einer Brosche zusammengehalten wird. Unter diesem Umhang scheint er nackt zu sein. Sein Körper besteht aus einem Skelett, welches nur ganz dünn mit Haut überzogen scheint. Der Kopf ist trotz der Lebendigkeit der Figur ein Totenschädel. Auf diesem trägt er eine prunkvolle Krone. In der Hand hält er anstatt einer Sense eine Hacke und eine Schaufel. Der Tod sitzt unter einem Baldachin, welches oben mit Ornamenten ausgestattet ist, die den Schmuck an den Säulen des Raumes aufnehmen und den Bildausschnitt begrenzen. Dieser Baldachin nimmt eine sehr dominante Stellung in dem Bild ein, sodass er bis an die Kassettendecke des Raumes heranreicht. Er ist mit bogenartigen Innendecken, die Kirchendecken nachempfunden sind, ausgestattet. Der Hintergrund des Raumes ist dunkler gehalten.

An der rückwärtigen Wand sind drei Fenster eingelassen, die es dem Betrachte ermöglichen in die Weite des Landes zu sehen. Dabei ist der Blick frei auf ein Dorf, mit einer Kirche und einer mit Bäumen angedeuteten Landschaft. Nach links hin scheint sich der Raum zu erweitern. Dieser Teil des Raumes ist von der Wandfarbe insgesamt heller gehalten.

Abbildung 2

Auch dieses Bild wird wieder, wie schon das vorherige an den Seiten durch die achteckigen Säulen begrenzt. Wie auch schon im vorherigen Bild ist der Bildabschluss nach oben hin der Querbalken, der durch zwei zulaufende Stücke Mauerwerk getragen werden. Diese tragenden Mauerstűcke sind wie in der vorherigen Illustration durch zwei dreiblättrige Ornamente geschmückt.

Im Unterschied zum vorherigen Bild ist der untere Abschluss des Bildes kein Mauerstück sondern auf der linken Bildseite der mit Steinfliesen belegte Boden des Raumes und auf der rechten Seite der entfernte Fußboden, der nun wie ein Blumenbeet aussieht , auf dem Blumen mit hängenden Köpfen und verwelkte Pflanzen zu sehen sind. Auf der linken Seite des Bildes sind fünf Personen zu sehen. Die erste im Vordergrund stehende Figur stellt den Papst dar, der seine „ Tiara“ von seinem Kopf genommen hat. Dahinter in der Reihe steht der König mit seiner abgenommenen Krone. Dahinter aufgereiht der Bürger, der auf der Abbildung durch seinen Hut gekennzeichnet wird. Hinter den drei, im Vordergrund stehenden Personen sind zwei weitere Männer zu sehen, die von den Hüten her eher zu den ärmeren Schichten der Bevölkerung zu zählen sind. Die Gruppe der Männer schaut trauernd in dieselbe Richtung. Hinter den fünf Männern, steht der Ackermann, den man an seiner schwarzen Trauerkleidung erkennen kann, die ihn bis auf sein Gesicht und seine Arme und Hände verhüllt. Der Ackermann ist dem Tod zugewandt, der jedoch im Gegensatz zu der ersten Abbildung nur erhöht auf einem Podest und nicht unter einem Baldachin sitzt. Auch ist im Gegensatz zur ersten Illustration des ersten Bildes die Figur des Todes nur noch ein Skelett und hat weitaus weniger menschliche Züge, als in der Abbildung zuvor. Gleichermaßen wie in der ersten Illustration ist der Tod mit einer Königskrone abgebildet und mit einem edlen Umhang bekleidet, der mit einer Brosche zusammengehalten wird. Auffallend ist, dass die Todesfigur mit dem Finger auf den Ackermann zeigt und er einen leicht grinsenden Gesichtsausdruck hat. Der Hintergrund des Bildes ist wieder eine sehr dunkle Rückwand des Raumes, in die drei bogenförmige Fenster eingelassen sind, die den Blick auf ein Dorf freimachen. Auf der linken Seite des Bildes erweitert sich der Raum. Man kann auf ein bogenartiges Fenster blicken, welches eine säulenartige Mittelstrebe hat, die sehr stark verschnörkelt ist. Auch durch dieses Fenster blickt man in die Landschaft, die von einem angedeuteten Baum, sowie einem Haus geprägt wird. Die getäfelte Decke des Raumes, ist der Übergang zur oberen Bildbegrenzung durch den Querträger, der auf den verschnörkelten Säulen der Seitenbegrenzung lastet.

Abbildung 3

Da dritte Bild unterscheidet sich im Aufbau wesentlich von den zwei vorhergehenden Illustrationen, da das Bild nicht einen Raum, sondern eine Aktion im Freien darstellt. Das Bild stellt von unten her betrachtet eine Wiese dar, auf der viele Menschen stehen. Zwei Menschen im direkten Vordergrund sind von der Todesfigur mit der Sense niedergemäht worden. Die Todesfigur holt mit seiner Sense schon ein weiteres Mal aus und klettert über die niedergemähten Menschen, die so aussehen, als wären sie gerade aus dem Leben gerissen worden, indem sie von der Sense kopfüber zu Boden gerissen wurden. .Die Todesfigur stellt den Mittelpunkt des Bildes dar. Die Figur ist vollkommen nackt dargestellt worden als ausgemergelte Menschengestalt, bei der man die Rippen und die Knochen sehen kann. Der Kopf hat nur noch das Aussehen eines Schädels. Im Gegensatz zu den anderen Illustrationen, ist die Todesgestalt nicht prunkvoll, wie ein König, sondern als nackte Gestalt dargestellt. Jeweils links und rechts von der der Todesgestalt sind zwei Gruppen von Menschen zu sehen. Die Person im Vordergrund der Gruppe zur Rechten des Todes läuft auf Gehhilfen. Dieser Mann ist von der Kleidung her dem Bürgertum zuzuordnen. Weiter im Hintergrund ist eine Frau mit einem weißen Kopftuch zu sehen, die die Hände gefaltete hat und in sich gekehrt ist, da sie wahrscheinlich betet. Dahinter erblickt man zwei stehende Männer. Der vordere Mann trägt einen Hut und hat die Hände zum Gebet gefaltet. Etwas versteckt dahinter ist ein Mann mit Glatze zu sehen. Diese Gruppe soll scheinbar für die Gruppe der Alten und Kranken stehen, die vom Tode (noch nicht) beachtet werden. Links von der Gestalt des Todes und den Verstorbenen ist eine weitere Gruppe von Menschen zu sehen. Diese Gruppe besteht aus fünf Personen. Im Vordergrund ist ein Kind, welches sich von den Toten und der Todesgestalt gezielt abwendet. Auch der Rest der Gruppe wendet sich gezielt von der Todesgestalt und den Toten ab. Die Menschen sind relativ gut gekleidet und schauen sorgenvoll in die gleiche Richtung. Diese Gruppe soll wahrscheinlich für die Gruppe der jungen, im Leben stehenden Menschen stehen. Auffällig ist die Parallele der beiden nach links beziehungsweise nach rechts am äußersten Rand stehenden Männer. Der auf der rechten Seite auf Gehilfen Gestützte hat große Ähnlichkeit mit der Person auf der linken Seite. Nur ist dieser jünger und vitaler. Hinter den im Vordergrund stehenden Menschengruppen und der Todesfigur steigt die gezeichnete Wiese zu einem Hügel an. Im Hintergrund auf der Spitze des Hügels ist auf der rechten Seite eine weitere Todesfigur zu sehen. Sie sitzt auf einem ungesattelten Pferd mit einem gespannten Bogen in den ein Pfeil eingelegt ist, der zum Abschuss bereit ist. Dieser Pfeil ist auf die beiden Reiter gerichtet, die links oben im Bilde zu sehen sind. Bei den beiden Personen handelt es sich um einen jungen Mann, sowie eine junge Frau. Beide sind gut gekleidet. Im Hintergrund des Bildes eine Burg oder ein Schloss zu sehen. Auffällig in diesem Bild ist die Darstellung des Todes als Jäger und Sensemann.

[...]


[1] Kiening, Christian: Schwierige Modernität: der“ Ackermann des Johannes von Tepl“ und die Ambiquität historischen Wandels, München 1998, S. 519

[2] Zedler, G.. Die Bamberger Pfisterdrucke und 36 zeilige Bibel, Mainz 1911, S.79

[3] Kiening, Christian: Schwierige Modernität : der“ Ackermann des Johannes von Tepl“ und die Ambiquität historischen Wandels, München 1998, S. 35

[4] Ebd.S.99

Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640241705
ISBN (Buch)
9783640245338
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120374
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Seminar für deutsche Philologie Göttingen
Note
2,0
Schlagworte
Analyse Illustration Pfister Ackermanns Johannes Tepl Hauptseminar Mediävistik

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