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Biokraftstoffe - Eine Chance auf Wohlstand für die Entwicklungsländer oder eine Verschärfung des Nord-Süd-Konfliktes?

Seminararbeit 2008 19 Seiten

Politik - Klima- und Umweltpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffe
2.1 Biokraftstoffe
2.1.1 Biomasse
2.1.2 Arten von Biokraftstoffen
2.1.3 Energiebilanz und Verwendung
2.2 Nord-Süd-Konflikt

3. Brasilien. Wirtschaftliche Entwicklung durch Biokraftstoffe.

4. Entwicklungschancen für die Dritte Welt

5. Einfluss der Produktion von Biomasse auf die Nahrungsmittelproduktion und die Preise für Nahrungsmittel

6. Fazit – Nachhaltigkeitsgebot für den Einsatz von Biokraftstoffen

7. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Oft hilft ein Blick in die Vergangenheit um für die Zukunft wichtige Erkenntnisse zu gewinnen:

„Der Kraftstoff der Zukunft wird aus Büschen am Straßenrand, aus Äpfeln,
Unkraut oder Sägespänen hergestellt" – Henry Ford, 1925 (FTD 2008)

Damit war Henry Ford seiner Zeit weit voraus. Nicht zuletzt das Automobil ist für die herausragende Bedeutung von Öl-basierten Treibstoffen verantwortlich. Heute steht das Automobil sinnbildlich für den zentralen Aspekt eines wesentlichen Elementes des industriellen Wirtschaftens: der Mobilität.

Biokraftstoffe werden aus Pflanzen, aus Pflanzenteilen oder biologischen Abfallprodukten gewonnen. Der Einsatz von Biokraftstoffen ist eine umweltpolitische Maßnahme um die Treibhausgasemissionen zu senken. Die Beimischung von Biokraftstoff zu konventionellem Diesel oder Benzin soll die Mobilität weniger umweltschädlich machen.

Mobilität ist die Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung und damit für gesellschaftlichen Wohlstand. Dabei beruht sie heutzutage zu großen Teilen auf dem Einsatz von Öl als Energielieferant. Eine Ergänzung zu konventionellen Ölprodukten, um Mobilität zu gewährleisten, sind biogene Kraftstoffe.

Diese wenigen Zeilen lassen das Dilemma bereits erahnen. Mobilität ist Grundlage für Wohlstand. Ein Wohlstand der heute zum größten Teil in den Industriestaaten vorherrscht und auf dem Einsatz von konventionellem Öl beruht. Gleichzeitig sind die Industriestaaten dem Umweltschutz verpflichtet, um natürliche Ressourcen für nachfolgende Generationen zu erhalten. Der Einsatz von biogenen Kraftstoffen kann zu dieser Schonung beitragen, da er Mobilität bei einem geringeren Verbrauch von Ölprodukten und bei geringerem Schadstoffausstoß gewährleistet. Da Öl ein sich in naher Zukunft verknappender Rohstoff ist, ist eine Ergänzung durch biogene Produkte sinnvoll.

Biogene Kraftstoffe als landwirtschaftliche Produkte sind ebenfalls Güter die nur in einer begrenzten Menge produziert werden können. Verknappt sich die Menge, wird der Preis steigen.

Biokraftstoffe bilden in diesem Sinne ein Spannungsfeld zwischen Wohlstand und wirtschaftlicher Entwicklung, Umweltschutzaspekten und der Versorgung mit Nahrungsmitteln.

In den Industriestaaten ist dieses Spannungsfeld weniger wahrnehmbar. Durch relativ hohe Einkommen und der subventionsbedingten Überproduktion, zum Beispiel in der Europäischen Union, sind Lebensmittelpreise relativ niedrig. Preisschwankungen auf dem Weltmarkt fallen so in Europa kaum ins Gewicht. Bei einem Brotpreis von rund 2 Euro entfallen gerade 10 Eurocent auf den Rohstoff Getreide (FNR 2008a: 7). Für die Entwicklungsländer sieht eine solche Rechnung zweifelsohne anders aus. Hier hat der Preis für Getreide oder andere Grundstoffe für Nahrungsmittel einen weit gravierenderen Einfluss, da die Löhne sehr niedrig sind. Schon geringe Preisänderungen bei den Rohstoffen können die Nahrungsmittelpreise vervielfachen.

Es stellt sich daher die Frage, wie das Spannungsfeld aufgelöst werden kann. Lange Zeit wurden wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand als Gegensatz zu Umweltschutz empfunden. Die Entwicklung des Umweltschutzgedankens zu einer Wirtschafts- und Industriebranche hat in der neueren Entwicklung in den Industrieländern zu wirtschaftlichem Wachstum und damit steigendem Wohlstand geführt. Ein früher angenommener Gegensatz existiert offenbar in den Industrieländern nicht mehr.

Daher nehme ich an, dass sich dieser scheinbare Gegensatz auch für die Entwicklungsländer auflösen lässt. Es bleibt an dieser Stelle die Frage, ob und inwiefern die Nahrungsmittelproduktion in Konkurrenz zur Produktion von biogenen Kraftstoffen steht.

Verstärkt die Produktion von biogenen Kraftstoffen den Konflikt zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern? Oder enthält die Produktion von biogenen Kraftstoffen Entwicklungsmöglichkeiten für die Länder der Dritten Welt?

Anhand des Beispiels von Brasilien werde ich in dieser Arbeit aufzeigen, welche Entwicklungschancen biogene Kraftstoffe bieten und wie sich der scheinbare Gegensatz zwischen Nahrungsmittelproduktion und der Produktion von Biokraftstoffen auflösen lässt.

Dazu werde ich zuerst wichtige Begriffe aus dem Bereich der Biokraftstoffe und den Nord-Süd-Konflikt definieren. Anschließend werde ich am Beispiel Brasiliens deutlich machen, wie die Produktion und der Einsatz von Biokraftstoffen zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen kann. Im Folgenden werde ich dann die Chancen für die Entwicklungsländer darstellen, die sich aus der Produktion von Biokraftstoffen ergeben. Da biogene Kraftstoffe ein vor allem landwirtschaftliches Produkt sind, werde ich abschließend den Einfluss der Biokraftstoffe auf den Nahrungsmittelpreis untersuchen.

2 Begriffe

In diesem Abschnitt widme ich mich der Definition der zentralen Begriffe dieser Arbeit. Eine Definition ist aus mehreren Gründen notwendig. Im Bereich der Biokraftstoffe stehen viele Begriffe nebeneinander, insbesondere die verschiedenen biogenen Kraftstoffe selbst, daher ist eine Abgrenzung zwingend notwendig.

Der Nord-Süd-Konflikt ist sehr umfassend und stellt ein zentrales Thema dieser Arbeit dar. Daher werde ich abschließend diesen Begriff näher bestimmen.

2.1 Biokraftstoffe

Biokraftstoffe sind Kraftstoffe die auf der Basis von Biomasse hergestellt werden (vgl. Hennicke/Fischedick 2007: 57). Biokraftstoffe können verschiedene Aggregatszustände haben. Aufgrund der Vielzahl von Biokraftstoffen werde ich, nachdem ich den Begriff Biomasse näher erläutert habe, auf die verschiedenen Arten von Biokraftstoffen eingehen und anschließend die Besonderheiten von Biokraftstoffen der sogenannten zweiten Generation erklären.

2.1.1 Biomasse

Biomasse ist ein Energieträger, der aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Sie liegt in unterschiedlichen Formen vor. Man kann die holzartige Biomasse von der aus „Rückständen aus Land- und Forstwirtschaft, Industrie und Kommunen“ (Hennicke/Fischedieck 2007: 57) unterscheiden. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit des direkten und gezielten Anbaus von Energiepflanzen wie Raps oder Mais. Man kann damit zwei große Bereiche bilden, in denen Biomasse anfällt. Zum Einen durch den gezielten Anbau in Form von Energiepflanzen und der Nutzung von Baumbeständen, zum Anderen fällt Biomasse im Bereich des Abfalls an. Zu diesem Bereich zählen die biologischen Abfälle an jedem Punkt der Verwertungskette. Dies umfasst somit benutzte Kaffeefilter genauso wie Pflanzenreste die nicht zur Produktion von Nahrungsmitteln genutzt werden.

Schon heute steht eine große Anzahl von Techniken zur Verfügung um aus der Biomasse nutzbare Energieträger in flüssiger, fester oder gasförmiger Form zu machen. So kann die Biomasse sowohl zur Strom- und Wärmeerzeugung als auch im Kraftstoffbereich eingesetzt werden (vgl. Hennicke/Fischedick 2007: 57).

Das Potenzial der Biomasse als erneuerbare Energie ist groß, da Biomasse in jedem land- und forstwirtschaftlichen Bereich hergestellt werden kann und auch im Abfallbereich anfällt. Primär muss jegliche Biomasse aber im land- bzw. forstwirtschaftlichen Bereich erzeugt werden. Daher wird sie begrenzt von dem insgesamt land- bzw. forstwirtschaftlich nutzbaren Boden.

2.1.2 Arten von Biokraftstoffen

Es gibt viele verschiedene Arten von Biokraftstoffen, beginnen wir mit dem reinen Pflanzenöl als Biokraftstoff. In Deutschland wird hauptsächlich Rapsöl verwendet, aber auch Soja- und Palmöl sind möglich (vgl. FNR 2008b: 15f). Hergestellt wird Pflanzenöl mit zwei unterschiedlichen Verfahren. Bei der Kaltpressung handelt es sich um ein Verfahren, dass sowohl im industriellen Maßstab als auch dezentral in landwirtschaftlichen Betrieben oder Genossenschaften genutzt werden kann. Die Ölsaat wird gereinigt und durch mechanischen Druck zu Öl gepresst. Die Schwebstoffe werden entfernt und es entsteht neben dem Öl ein sogenannter Presskuchen, der für Tierfutter verwendet wird. Bei der sogenannten zentralen Ölgewinnung werden die vorbehandelten Ölsaaten bei Temperaturen bis 80°C ausgepresst. Es kommen auch Lösungsmittel zum Einsatz um die Ausbeute zu maximieren. Allerdings enthält das Öl so mehr Schwebstoffe als bei der Kaltpressung. Daher muss das Öl raffiniert werden um Speiseölqualität zu erreichen. Auch bei diesem Verfahren entsteht als Nebenprodukt Tierfutter (vgl. FNR 2008b: 16).

Ein weiterer Biokraftstoff ist Biodiesel, dieser wird aus Pflanzenöl hergestellt. Dazu wird in einem chemischen Verfahren mithilfe von Methanol und einem Katalysator das Pflanzenöl umgeestert und anschließend aufgespalten. Dabei entsteht aus dem Pflanzenöl und Methanol Fatty Acid Methylester (FAME, Fettsäuremethylester) beziehungsweise, wenn Rapsöl verwendet wurde, Rapsölmethylester (RME). Als Nebenprodukt entsteht durch die Abspaltung Glycerin, das in Lebensmittel-, Pharmaindustrie und in der chemischen Industrie Verwendung findet (vgl. FNR 2008b: 20f).

Bioethanol wird aus der Vergärung zucker-, stärke- und cellulosehaltiger Pflanzen gewonnen. In Europa und den USA sind dies hauptsächlich Mais und Getreide. Als Nebenprodukt entsteht die sogenannte Schlempe, sie ist als Futtermittel und in Biogasanlagen einsetzbar. Der so entstandene Kraftstoff ist nur in Otto-Motoren einsetzbar (vgl. FNR 2008b: 27).

Methan aus Biogas ist ein eher exotischer Kraftstoff. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass mit Gas betriebende Fahrzeuge an sich bereits eine Ausnahme im Straßenbild darstellen. Biogas wird durch die Vergärung von Gülle und Mais-Silage hergestellt. Das so entstandene Biogas enthält aber noch wesentliche Anteile an Kohlenstoffdioxid und Schwefelwasserstoff, die in weiteren Verfahren entfernt werden müssen. Das fertige Biogas ähnelt in seiner chemischen Struktur dem herkömmlichen Erdgas sehr stark (vgl. FNR 2008b: 30).

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640241163
ISBN (Buch)
9783640244997
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120242
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Biokraftstoffe Proseminar Internationale Umweltpolitik biogene Treibstoffe Brasilien Entwicklungsländer

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