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Cervantes-Preis - Premio Miguel de Cervantes

Literaturpreise und Literaturwettbewerbe als Steuerungsinstrumente des Buchmarktes

von Jesus Wagner (Autor)

Hausarbeit 2007 34 Seiten

Buchwissenschaft

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einleitung

1. Namespatron: Miguel de Cervantes y Saavedra
1.1 Lebenslauf..
1.2 Bedeutung Cervantes’ Werkes
1.2.1 La Galatea
1.2.2 Novelas Ejemplares: Die Exemplarischen Novellen
1.2.3 Don Quijote
1.3 Cervantes im zwei Kontinenten

2. Cervantespreis

3. Nominierung

4. Die Jury

5. Verleihungszeremonie

6. Preisträger und Rezeption des Preises

7. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Cervantespreis platziert sich als eine literarischen Institution innerhalb eines, nach Bourdieus Theorie (1999) verwendeten Begriffs, literarischen Feldes, das sich über zwei Kontinente ausweitet, in welchen eigene Machtfelder herrschen. Dabei setzt die Konsolidierung des literarischen Feldes dessen Interaktion mit anderen Feldern durch ihre Instanzen bzw. Institutionen voraus.

Die Natur des Cervantespreises und dessen Beitrag zur Konsolidierung des hispanoamerikanischen literarischen Feldes bietet die Gelegenheit unter diesem theoretischen Rahmen die Hauptfunktionen des Preises, sowie dessen politische Instrumentalisierung zu beschreiben.

Die vorliegende Arbeit versucht aufzuzeigen, welche Funktionen im allgemeinen der Cervantespreis leistet, nämlich: eine soziale Funktion, indem durch ihn dem Preisträger symbolisches und ökonomisches Kapital zugesprochen, bzw. der Erwerb dessen ermöglicht wird; eine repräsentative Funktion als Selbstpräsentation der verleihenden Institutionen, sowie des Preisträgers, und eine kulturpolitische Funktion, indem die spanische Sprache und Literatur zelebriert, und die hispanoamerikanischen Kultur gepflegt wird.

Der Cervantespreis stellt somit ein unverzichtbares Instrument symbolischer Kulturpolitik dar, und ist Teil eines literarischen Feldes, dessen Achse Miguel de Cervantes y Saavedra und sein Werk, vor allem Don Quijote, verkörpern. Die Selbstpräsentation der verleihenden Institutionen, der Preisträger als Repräsentant der Institution, aber auch als unabhängiger Autor in seiner Dankrede, lassen die Bedeutung des Preises wieder erkennen, und drücken die Verhältnisse zwischen den beteiligten Instanzen aus.

Die Preisträger werden im Bezug auf den Namenspatron des Preises ausgewählt. Cervantes und sein Werk bilden den Pol dieses kulturellen Feldes, an den die daran beteiligten Schriftsteller und Instanzen sich orientieren. Cervantes Werk wird als Synonym für Sprache und Literatur gleichgesetzt, worin die höchsten kulturellen Ideale und universellen Werten sich ablesen lassen, die Spanien und Lateinamerika verbinden. Um diese Position, die Cervantes eingeräumt wird, nachvollziehen zu können, erscheint es notwendig, einen Überblick über sein Leben und Einfluss seines Werkes vorzustellen, soweit das im Rahmen dieser Arbeit möglich ist.

1. Namenspatron: Miguel de Cervantes y Saavedra

1.1 Lebenslauf

Das genaue Geburtsdatum Cervantes’ findet man in keiner Biographie oder keinem Werk über ihn. Damals wurde das Geburtsdatum generell nur bei Angehörigen der Königsfamilie festgehalten. Man vermutet, dass er am 29. September 1547, am Tag des Erzengels Michael, geboren wurde, da er auf den Namen Miguel getauft wurde (Vgl. Byron: 1984, S. 9; Siehe auch Dieterich: 1994, S. 11).

Er wurde als viertes von sieben Kindern einer verarmten adeligen Familie in Alcalá de Henares geboren. Seine Eltern waren Rodrigo de Cervantes, ein Wundarzt, und Leonor de Cortinas.

In dem Humanisten Juan López de Hoyos, dem Leiter der Höheren Schule, die Cervantes besuchte, fand er einen Freund und Förderer. Cervantes entdeckte seine Liebe für alles Geschriebene und begann selbst zu schreiben (Vgl. Dieterich: 1994, S. 12 ff.).

Das Jahr 1568 bedeutet den ersten großen Wendepunkt in seinem Leben. Denn er gerät an einem Dezembertag in ein Duell, in dem er seinen Gegner schwer verwundet und anschließend fliehen muss. Damit begann seine Wanderschaft als fahrender Ritter (Vgl. Franzbach: 1991, S. 6).

Die Gründe für dieses Duell sind unbekannt, es handelte sich vermutlich um gekränkte Ehre oder eine unangemessene Liebesbeziehung.

In Abwesenheit wird Cervantes dazu verurteilt, dass ihm öffentlichen seine rechte Hand abzuhacken sei und einer anschließenden Verbannung von zehn Jahren aus dem Königreich. Er flieht daraufhin nach Italien, wo die spanische Krone keine Rechtshoheit besaß, und tritt im Jahr 1569 als Kammerdiener in den Dienst des Kardinals Claudio Aquavivo (Vgl. Dieterich: 1994, S. 12-15 ff.).

Ein Jahr später tritt Cervantes in die in Neapel stationierte spanische Marine ein und wird Soldat. Als Soldat nimmt er am 7. Oktober 1571 an der berühmten Seeschlacht bei Lepanto teil, bei der die Spanier das Eindringen der Türken in den Mittelmeerraum verhindern. Obwohl er stark an Fieber erkrankt ist, will Cervantes »lieber kämpfend für Gott und seinen König sterben als unter Deck liegend abzuwarten« (ebd.).

Dabei erhält er zwei Schüsse in die Brust und verliert seine linke Hand, diese Schlacht war eine der wichtigsten Erfahrungen in seinem Leben. Es erfüllt ihn mit Stolz, dabei gewesen zu sein, und lässt Bilder daraus immer wieder in seine Werke einfließen. Sobald seine Verwundungen ausgeheilt sind, meldet er sich zum Feldzug nach Tunesien. Im Jahr 1575, gerade als Cervantes beginnt, seine Heimkehr zu planen, gerät er zusammen mit seinem Bruder in die Gefangenschaft algerischer Seeräuber, die fünf Jahre lang andauert (ebd.).

Cervantes plante mehrere Fluchtversuche, jedoch alle ohne Erfolg. Er wurde enttarnt. Dabei nimmt er die volle Verantwortung auf sich, obwohl er mit seiner Hinrichtung rechnen musste. Das verhalf ihm zu einer Sonderstellung unter den Gefangenen, für die er dichtete und denen er seine Kunst vorlas . Damit wurde er zu einem Anziehungspunkt für seine Schicksalsgefährten. Seine Tapferkeit und Zielstrebigkeit verschaffte Ihm sogar bei den Sklavenhaltern großes Ansehen. Am 19. September 1580 konnte Cervantes von dem Trinitariern Juan de Gil freigekauft werden. Am 24. Oktober trat Cervantes in Begleitung weiterer fünf Losgekaufter die Heimreise an (ebd.).

In seinem ersten Theaterstück Los tratos de Argel oder beispielsweise in den 40 Kapiteln des Don Quijote I verarbeitete er seine Erfahrungen aus der Gefangenschaft (Vgl. Dieterich: 1994, S. 14-25).

Die Freiheit [1] ist ein zentrales Thema in Cervantes Werken. Dies beschäftigte Ihn umso mehr, als er sie doch nicht nur einmal verlor. Es gibt auf Erde kein größeres Glück, das dem gleichkommt, die (verlorene) Freiheit wieder zu gewinnen, heißt es in Don Quijote I (Kap. 40). Jahre später in Dom Quijote II (Kap. 58) belehrt der Ritter seinen Knappen: » Die Freiheit Sancho, ist einer der wertvollsten Güter, die der Himmel dem Menschen gab. Alle Schätze, die die Erde einschließt und das Meer birgt, können nicht mit ihr verglichen werden. Für die Freiheit, wie auch für die Ehre kann und muß man das Leben wagen. Auf der andern Seite ist die Gefangenschaft, das Schlimmstes, was den Menschen widerfahren kann«. Die Umstände seines Lebens finden wir in seinem Werk wieder (ebd.).

Denn er war hoch verschuldet und die Enttäuschung seine Offizierslaufbahn (wegen seiner Behinderung) zu beenden war groß. So arm und verzweifelt, wie der Eifersüchtige von Extremadura, der exemplarischen Novelle, war Cervantes, der als letzten Ausweg die Auswanderung nach Übersee angesehen hatte. Er bewarb sich vergeblich um einen Staatsdienstposten, sich in den Wettbewerb des literarischen Lebens einzuschalten war eine Alternative, um die nackte Existenz zu sichern. So arbeitete er 1583 im Madrid am Schäferroman La Galatea und als Theaterautor (Vgl. Dietreich: 1994, S. 24-28 ff.).

Im Jahr 1584 heiratet er Catalina de Salazar y Palacios. Im selben Jahr gebiert sie ihm seine geliebte die Tochter Isabel. Gleich danach erscheint La Galatea. Cervantes nennt sich fortan Miguel de Cervantes y Saavedra. 1585-1587 versuchte er seinen Lebensunterhalt als Händler zu bestreiten (ebd.).

Im September 1587 wurde Cervantes zum Königlich Kommissar berufen, und beauftragt Getreide und Öl in Andalusien aufzukaufen. Keine einfache Aufgabe, wie sich herausstellte, da die Bauern nach einer schlechten Ernte zu den amtlich festgesetzten Preisen ihren Vorräte nicht verkaufen wollten. Die Verhandlungen Cervantes waren ohne Anwendung von Härte nicht erfolgsreich, und er wurde exkommuniziert. Dennoch blieb Cervantes weiterhin Aufkäufer, war aber mit den Umständen nicht zufrieden. So versuchte er 1590 wieder nach Südamerika zu gehen. Sein Gesuch um einen der vier offenen Posten, eine Kassiererstelle in Guatemala, wurde abgelehnt (ebd.).

1592 verpflichte er sich für den Schauspieldirektor Rodrigo Osorio sechs Komödien zu schreiben. Im Jahr 1594 wurde der Generalbeauftragte abgesetzt, und somit auch die Ihm unterstellten Kommissaren. Die amtliche Prüfstelle stempelte die Amtsführung Cervantes als einwandfrei, und nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit konnte er ein Amt als Steuereintreiber antreten. Bereits Ende der 80er Jahre hatte er sich von seiner Frau getrennt (ebd.).

Cervantes musste wegen Veruntreuung von Staatsgeldern 1597/98 und 1602 wiederholt ins Gefängnis. Das Missgeschick, von dem Cervantes in seiner Komödie Die Große Sultanin schrieb: Das Unglück segelt mit allen Winde. Gemeint war ein Teil der kassierten Beiträge zur Überweisung an die Staatskasse in Madrid, die er dem in Bankrott gegangen Bankier Simón Freire de Lima 1595 anvertraut hatte, welcher mit 60000 Dukaten floh. Bevor dieses Missgeschick aufgedeckt wurde, nahm Cervantes an einem Literatur Wettbewerb teil und gewann den ersten Preis. Gleich danach kamen die Zahlungsaufforderungen der Staatskasse wegen nicht abgeführter Steuergelder und Reklamationen wegen Rechnungslegung über Getreideeinkäufe der Jahre 1591 und 1592. Er konnte die hohe Kaution nicht bezahlen und saß vom Oktober 1597 bis April 1598 in dem königlichen Gefängnis von Sevilla ein.

Dort, wo er die Arbeit an seinem bedeutendsten Werk El ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha begann. Paradoxerweise machte das Gefängnis, das den Steuereinnehmer Cervantes festhielt, den Dichter Cervantes frei (Vgl. Dieterich: 1994, S. 26-35 ff.).

Im Jahr 1600 zog Cervantes endgültig von Andalusien weg. Seine Anwesenheit in Madrid war Notwendig, da er dort die Rechfertigung gegenüber der Forderungen der Obersten Rechnungshof betreiben musste. Außerdem wartete auf ihn die elternlos gewordene Familie, Schwester und Tochter, da seine beiden Eltern gestorben waren.

Mitte Januar 1605 kam Don Quijote in den Handel. Den Roman ließ der Madrider Verleger Francisco de Robles, dessen Vater La Galatea herausgebracht hatte, in der Druckerei des Juan de la Cuesta setzen. Das Buch wurde zum Erfolg. Bereits im April 1605 wurde in Lissabon von dem Verleger Jorge Rodríguez die erste Raubausgabe veröffentlicht.

Das war aber nicht alles, was Cervantes’ Erfolg trübte. Hinzu kam ein Kriminalfall, der sich zufällig vor seiner Haustür abgespielt hatte. Der Untersuchungsrichter zog Ihn und seine Hausgenossen in Verdach, da die im Haus lebenden alleinstehenden Frauen möglicherweise eine nicht sittliche Beziehung zu dem erstochenen Opfer gehabt haben konnten. Cervantes und seine ganze Familie wurden vorläufig festgenommen. Dies bestätigte Cervantes in seiner skeptischen Meinung von dem Rechtsvertreter. Von Zorn und Empörung geladen, schrieb er im Herbst 1605 die Novelle Der Lizenziat Vidriera, wo ein Richter heftig kritisiert wird. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Rivalität zu seinem ersten Feind Lope de Vega in Form der Verspottung, Kritik und Lob am meisten verbreitet. Beleidigende Briefe zirkulierten in allen Kreisen, und provozierten Cervantes, der ebensolche Stellungnahmen nicht scheute (ebd.).

Die Arbeit an die Exemplarischen Novellen hatte er schon begonnen. Gleich danach im Jahr 1607 begann er Don Quijote II.

Eine weitere Aufforderung des königlichen Rechnungshofs bekam Cervantes 1608, nämlich eine Abschlussabrechnung für das Jahr 1594 vorzulegen. Cervantes bewarb sich darum in das Gefolge des Grafen von Lemon aufgenommen zu werden, jedoch ohne Erfolg.

Die misslungene Auswanderung erlebte Cervantes zum dritten Mal. Er findet befreiende Worte dafür in seiner Reisen nach Parnaß (1614) (Vgl. Dieterich: 1994, S. 35-46 ff.).

Im Oktober 1609 starb die Schwester Andrea. Im Januar 1611 folgte die Schwester Magdalena, seine Lieblingsschwester (ebd.).

Den zweiten Teil von Don Quichote veröffentlichte er 1615. Dabei schrieb er zwischen Ende Juli 1614 und Februar 1615 38 von insgesamt 78 Kapiteln. Der Grund dafür, so rasch den zweite Teil von Don Quijote abzuschließen, war die Verbreitung einer von einem literarischen Freibeuter geschriebenen Fortsetzung des Don Quijote.

Trotz aller Enttäuschungen und Widrigkeiten arbeitete Cervantes unermüdlich und erfolgreich an seinem Werk. 1613 kam Cervantes' Novelas ejemplares (Exemplarischen Novellen) heraus.

1614 gab er die Reise nach Parnaß heraus. Zwischen 1607 und 1611 hatte er sechs Komödien geschrieben. Welchen er zwei weitere Komödien und acht Intermezzos hinzufügte, und stellte 1615 Acht Komödien und acht Zwischenspielen zusammen. Todkrank im Bett schreib er 1616 die letzten Zeilen von Persiles und Segismunda.

Parallel zur künstlerischen Betriebsamkeit, die von hitzigen Diskussionen über den Dichter geplagt waren, sind Zeichen zunehmender Förmlichkeit zu beobachten. Im Jahr 1609 war Cervantes Mitglied der Bruderschaft der Sklaven des Heiligsten Altarsakraments geworden. 1613 tritt Cervantes in den Dritten Orden des heiligen Franziskus ein. Don Quijote brachte ihm zwar den ersehnten Erfolg, aber er starb verarmt am 23. April 1616 in Madrid (Vgl. Dieterich: 1994, S. 46-55 ff.).

1.2 Bedeutung Cervantes’ Werkes

Eine Anordnung von Cervantes hinterlassenen Werken lässt eine Gliederung in drei ungleiche Gruppen zu: frühe Lyrik bis 1568, Theaterstücke, der Schäferroman La Galatea der Jahre 1580 bis 1583 und das Spätwerk das zwischen 1605 und 1617 in Buchform herausgebracht wurde (Vgl. Dieterich: 1994, S. 100).

Im folgenden werden aus jeder Gruppe Beispiele vorgestellt, die die Rolle seiner Werke in der Literatur bestätigen sollen.

1.2.1 La Galatea

Ein äußerlich am Schema des Schäferromans gehaltenes Werk, das zwischen 1581 und 1583 geschrieben wurde und 1585 in Alcala de Henares gedruckt. Das Werk lässt neoplatonische idealistische Züge anmerken, und enthält rund siebzig eingestreute Gedichte, in denen eine Anthologie aller möglichen Vers- und Strophen-Arten angeboten werden: Sonetten, Eklogen, Terzien, Quintillas, etc., und für die spanischen Lyrik charakteristischen Redondillas, Seguidillas, Coplillas und Villancicos. Dabei ist sein Realismus hervorstechend. Dieser Roman wurde nun Studienobjekt für Romanisten (Vgl. Dieterich: 1994, S. 101-102).

1.2.2 Novelas Ejemplares: Die Exemplarischen Novellen

Unter diesem Titel kamen 1613, zwölf von insgesamt fünfzehn Cervantes’ Novellen, heraus. Sie reflektieren Selbsterlebtes und die spanische Umgebung. Sie sind durch den lebensnahen Realismus geprägt. Die Sprache wird zunehmend einfacher, klarer, präziser. Cervantes selbst sieht sich als Einführer der Gattung der Kurzgeschichte in der spanischen Literatur. In seinem Vorwort vermerkt er, dass in Spanien verbreitete Novellen nur Nachahmungen ausländischer Vorlagen seien.

Die Exemplarität seiner Novellen drückt sich in zweierlei Hinsicht aus. Zum einen bieten sie eine vorbildliche Orientierung im moralischen Sinne, und zum anderen kann eine Vorbildhaftigkeit in Bezug auf die literarische Form angenommen werden. Allerdings lässt Cervantes in seinem Vorwort und durch seine Dialoge andeuten, dass es nicht darum geht, eine bestimmte Moral zu predigen, sondern dem Leser seine unausgefüllten Stunden interessant zu gestalten. Unterhaltung und moralische Unterweisung finden in den Exemplarischen Novellen zugleich ihren Ausdruck. Die Exemplarischen Novellen, die unten aufgeführt werden, sind neben Don Quijote, die meist gelesene Cervantes Werke (Vgl. Dierterich: 1994, S. 102-106).

Die Exemplarischen Novellen, Moralischen Novellen, Beispielhaften Novellen

La gitanilla (Das Zigeunermädchen)

El amante liberal (Der edelmütige Liebhaber)

Rinconete y Cortadillo (Rinconete und Cortadillo)

La española inglesa (Die englische Spanierin)

El licenciado Vidriera (Der Lizenziat Vidriera)

La fuerza de la sangre (Die Macht des Blutes)

El celoso extremeño (Der Eifersüchtige von Extremadura)

La ilustra fregona (Die erlauchte Scheuermagd)

Las dos doncellas (Die beiden Nebenbuhlerinnen)

La señora Cornelia (Das Fräulein Cornelia)

El casamiento engañoso (Die trügerische Heirat)

Coloquio de los perros (Zwiegespräch der Hunde)

Diese Novellen werden, wie der Name schon sagt, als beispielhaft bezeichnet, und unterscheiden sich von Boccaccios Novellen, Cervantes’ Vorbild, dadurch, dass die meisten nicht nur einen reinen unterhaltsamen Charakter haben. Das Moralisch-didaktische Lernziel bezieht sich in der Regel auf satirisch-realistische Milieustudien oder Liebesgeschichten. Sie wurden zu Quellen der Inspiration für viele Autoren z.B. Victor Hugo für seine Gestalt der Esméralda in Notre-Dame de Paris (1831) (Vgl. Franzbach: 1991, S. 22 - 23).

1.2.3 Don Quijote

Cervantes hatte die Absicht eine Satire gegen die Ritterromane zu verfassen, die sich zum mehrschichtigen, kunstreich verflochtenen Romanepos auswuchs.

Die Auseinandersetzung mit den Ritterromanen zieht sich durch beide Teile des Don Quijote, aber stärker, die vielfach variierten Themen von Liebe, Freiheit, Gesellschaft, und die immer wieder auflebende Diskussion über Literatur selbst. Erst Cervantes führte das Liebes Thema als Neuheit ein, und es wurde zum traditionellen Thema des Romans, da hier alle Figuren gegenwärtig waren, und nicht nur sporadisch auftraten.

[...]


[1] Dieses Thema bietet sich für den Vergleich der Cervantespreisträger unter einander und mit Cervantes selbst, wie z. B. Carpentier (1977), (Guillén (1976), J. C. Onetti (1980) u. a. Sowohl auf einer autobiographischen Ebene, als auf literarischer Ebene finden wir ähnliche Muster. (Vgl. Serrano-Vicente: Premios Cervantes; Una Literatura en dos continenetes: 1994, S. 41-65 ff.).

Details

Seiten
34
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640241149
ISBN (Buch)
9783640708932
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120239
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Buchwissenschaft
Note
2
Schlagworte
Premio Miguel Cervantes Literaturpreise Literaturwettbewerbe Steuerungsinstrumente Buchmarktes Cervantespreis

Autor

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    Jesus Wagner (Autor)

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