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Zur soziologischen Anthropologie des Menschen

Von den Geschlechtsrollen und ihre Differenzierung über
 Paarfindung, Werben, geschlechtliche Liebe zu Familie und Ehigkeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 40 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Geschlechtsrollen und ihre Differenzierung
2.2 Aussagen von MARGARET MEAD
2.3 Kulturelle und geschlechterspezifische Unterschiede
2.4 Der Faktor „Kind“ zwischen den Geschlechtsrollen
2.5 Anatomische Unterschiede von Mann und Frau
2.5.2 Pubertät
2.5.3 Die Körperhaltung bei Mann und Frau
2.5.4 Die Entwicklung der geschlechterspezifischen Reize
2.5.5 Lernen
2.6 Soziale Polarisierung der Geschlechter
2.6.2 Die Frau und die Familie in der modernen Gesellschaft
2.6.3 Die Emanzipation der Frau

3 Paarfinden, Werben und geschlechtliche Liebe
3.2 Heterosexuelle Partnerwahl und Verhaltensmuster des Werbens
3.3 Sexualmoral
3.4 Sex und Partnerbindung
3.5 Sexualsignale
3.6 Abweichende sexuelle Präferenzen

4 Familie und Ehigkeit
4.2 Die Ehe als soziale Regulierung der Geschlechterbeziehung
4.3 Prostitution
4.3.2 Definition
4.3.3 Mögliche Gründe

5 Zusammenfassung

6 Persönliche Rekapitulation

7 Bibliographie

8 Autoren- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Was ist Humanethologie?

Ethologie, oder auch Verhaltensforschung, beschäftigt sich mit den Untersuchungen der Verhaltensformen bei Lebewesen. Sie ist ein Teilgebiet der Biologie, das sich mit der Erforschung des artspezifischen tierischen Verhaltens beschäftigt. Methoden und Ergebnisse werden auch auf das menschliches Verhalten übertragen, wobei man dann von der Humanethologie spricht.

IRENÄUS EIBL-EIBESFELDT definierte die Humanethologie folgendermaßen: „Die Humanethologie kann als Biologie menschlichen Verhaltens definiert werden. Forschungsziel ist die Erhellung der einem Verhalten zugrunde liegenden physiologischen Wirkungsmechanismen, die Aufdeckung der durch das Verhalten erfüllten Funktionen und damit jener Selektionsdrucke, denen das betreffende Verhalten seine Existenz verdankt, und schließlich die Erforschung der Verhaltensentwicklung in Ontogenese, Phylogenese und Kulturgeschichte, wobei die Frage nach der Herkunft der ein Verhalten motivierenden, auslösenden, steuernden und koordinierenden Programme im Brennpunkt des Interesses steht. Die Humanethologie geht von den in der tierischen Verhaltensforschung (Ethologie) entwickelten Konzepten und Methoden aus, passt diese jedoch an die Erfordernisse an, die sich aus der Sonderstellung des Menschen ergeben. Insbesondere übernimmt sie auch die in den Nachbardisziplinen Psychologie, Anthropologie und Soziologie entwickelten Arbeitsmethoden. […]“ (aus „Die Biologie des menschlichen Verhaltens

– Grundriß der Humanethologie“ - IRENÄUS EIBL-EIBESFELDT).

2 Die Geschlechtsrollen und ihre Differenzierung

Die Rollenverteilung in einer ehelichen oder eheähnlichen Partnerschaft war schon bei den Naturvölkern zu erkennen. So ist, bis in unsere heutige Zeit, eine Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau begründet. Einige Aufgaben sind jedoch geschlechtsbezogen. So ist die Frau durch ihre physikalische Anatomie an die Aufgabe des Stillens der Kinder gebunden. Dadurch benötigt sie Schutz durch ihren Mann. Daraus entstanden schon in der frühen Menschengeschichte die unterschiedlichen Betätigungsfelder der Geschlechter. Grob zusammengefasst war die Frau für die Kinderaufzucht und die Nahrungszubereitung zuständig. Hingegen waren die Pflichten des Mannes die Nahrungssuche und der Schutz der Familie vor Eindringlingen und diversen anderen Bedrohungen. Durch diese frühe Arbeitsteilung entwickelten sich die Geschlechter anatomisch unterschiedlich. So besteht bis heute ein Unterschied zwischen den Geschlechtern im Muskelanteil, in der Knochenstärke und in der Wahrnehmung im Gehirn.

2.2 Aussagen von MARGARET MEAD

MARGARET MEAD schrieb 1935 in ihrem Buch „Sex and Temperament in Three Primitive Societies”, dass der Mensch ungeprägt geboren wird und durch die Gesellschaft seine Aufgaben vermittelt bekommt. Weiterhin schrieb sie, dass die Persönlichkeitsmerkmale von Mann und Frau so leicht mit dem Geschlecht verbunden sind, wie die Umgangsformen, die Kopfbedeckung oder die Kleidung die man trägt:

„[…] all the personality traits which we have called masculine or feminine are as lighty linked to sex as are the clothing […]“ (aus „Sex and Temperament in Three Primitive Societies” - MARGARET MEAD). Diese Behauptungen werden jedoch bestritten. Ein gewichtiges Argument gegen MARGARET MEADS Behauptung ist die enge Bindung von Mutter – Kind seit dem Auftreten der Säugetiere. 1949 änderte MARGARET MEAD ihre zu stark formulierte Behauptung in dem Werk „Male and Female“. In diesem Buch wies sie darauf hin, das die Geschlechteridentität biologisch determiniert sei („core gender identity“). In den weiteren Ausführungen ist zu erkennen, dass sie damit Charakteristika des Verhaltens meint. Sie spricht dabei von einer natürlichen Disposition des Temperaments von Mann und Frau. MARGARET MEAD führt das Beispiel der amerikanischen männlichen Bevölkerung an: Die amerikanische Gesellschaft böte heute nur noch selten den Männern emotional befriedigende Rollen an. Vielmehr stehen heute häusliche Tugenden im Vordergrund, die weibliche Charakteristika aufweisen: z.B. Geduld, Ausdauer, Beständigkeit. Dies versetzt die amerikanischen Männer in eine schwierige Lage, da sie kein Mittel mehr haben für ihre biologisch vorgegebene, aggressive Beschützerrolle. Weiterhin wird auch der Wunsch nach individueller Tapferkeit eingeschränkt. Daher schlägt M. MEAD die Umstrukturierung der Gesellschaft vor, um die natürlichen Bedürfnissen des Mannes zu befriedigen.

M. MEAD sieht starke Schwierigkeiten in jeder Gesellschaft, die das natürliche Temperament eines Geschlechts entgegen der Anlage in die Richtung des anderen Geschlechts biege.

F. SALZMANN schrieb 1979 dazu, dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau nur durch physisches Training bewirkt werden. Nicht die stammesgeschichtliche Anpassung, sondern die Kultur würde die Geschlechterrollen prägen und definieren.

2.3 Kulturelle und geschlechterspezifische Unterschiede

Innerhalb des geschlechtsrollenspezifischen Verhaltens kann man zwischen geschlechtstypischen und geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen unterscheiden.

Geschlechtstypisch sind Verhaltensweisen, die beide Geschlechter vorweisen, jedoch unterschiedlich häufig. Dies wird bei dem Beispiel Aggression sehr deutlich: So ist nicht zu leugnen, das Männer und Frauen aggressiv sind, aber Männer aufgrund ihrer historischen Rolle als Jäger und Beschützer, deutlich aggressiver.

Geschlechtsspezifisch sind Verhaltensweisen, die auf ein Geschlecht beschränkt sind. Daraus kann man spezifisches männliches und weibliches Verhalten schlussfolgern. Schon in entfernter Vergangenheit waren die Männer für das Jagen der Beute, das Verteidigen der Gruppe bzw. territoriale Verteidigung und für das Vertreten der Gruppe verantwortlich. Hingegen konzentrierten sich die Aufgaben der Frauen auf die Versorgung der Kinder, die Führung des Haushaltes und das Sammeln von Feldkost (z.B. Gemüse, Wurzeln, Früchte). Im weiteren Verlauf der Geschichte begann, wie o.g., die Arbeitsteilung von Mann und Frau. So wurden bei der Feldarbeit die schweren Aufgaben dem Mann zugesprochen (z.B. Feld roden) und die leichteren Aufgaben der Frau (z.B. Pflanzung und die Pflege der Pflanzen). MARJORIE SHOSTAK sah darin eine Parallele zu der Gesellschaftsordnung und schrieb 1981 in ihrem Buch „Nisa, Life and Words of a !Kung Woman”, durch Beobachtungen der !

Kung – Gesellschaft, die einer frühzeitlichen menschlichen

Gesellschaft noch sehr ähnelt, dass Männer öfter einflussreiche Stellungen in der Gesellschaft besetzen als Frauen, z.B. Sprecher der Gruppe oder Heiler. M. MEAD schrieb 1949 dazu, dass in jeder bekannten Gesellschaft, die Männer das Bedürfnis nach Erfolg haben. Männer können jedoch auch Tätigkeiten von Frauen übernehmen, wie Kochen oder Weben, aber nur wenn diese Tätigkeiten von der Gesellschaft als eine adäquate Tätigkeit angesehen werden. Wenn dies der Fall ist, werden diese Tätigkeiten auch als bedeutend definiert. Im Gegensatz dazu werden jene Tätigkeiten von Frauen ausgeübt, so werden sie weniger gewürdigt. Ein Beispiel hierfür bieten die ENGA in Neuguinea. Bei diesem Volk erlangen die Männer durch den zeremoniellen Austausch von Schweinen gesellschaftlichen Status und Wohlstand. Die Schweine werden von den Frauen aufgezogen und gepflegt. Würde eine Frau die Schweine tauschen wollen, so würde ihr dies auch gelingen, jedoch ohne dabei einen gesellschaftlichen Status zu erlangen.

2.5 Der Faktor „Kind“ zwischen den Geschlechtsrollen

Bisher wurde immer die Beziehung zwischen Mann und Frau versucht darzulegen, ohne dabei die Folgegeneration, die Kinder, zu betrachten.

Der Faktor „Kind“ wurde in den Frauenbewegungen oft negativ dargestellt. Viele Frauenbewegungen hatten Ansätze für einen gewissen Extremismus in der Kinderfrage. So gab es einige Frauen, die Kinder und die damit verbundene Pflege und Aufzucht als größten Unterschied zwischen Mann und Frau sahen. Diese Abwertung der traditionellen Frauenrollen bedeutet, dass Frauen sich dem Ideal der Männer unterwerfen und damit letztlich die männliche Dominanz, von der sie loskommen wollen, zementieren.

Die meisten Untersuchungen über Unterschiede im Verhalten der Geschlechter wurden bei Neugeborenen gemacht. So sind männliche Neugeborene unruhiger als weibliche Neugeborene und im Alter von 3 Jahren ist eine höhere Aktivität bei den männlichen Kindern zu verzeichnen. Männliche Kinder sind im Alter von 2 Jahren bis 2½ Jahren wesentlich aggressiver in ihren Taten und Worten als gleichaltrige weibliche Kinder. Weiterhin belegt eine Studie an nordamerikanischen Schulen, dass von 279 Schulkindern, eindeutig die Mädchen hilfsbereiter sind als die Jungen. Auch bei fortschreitendem Alter ist zu erkennen, das Jungen wesentlich aktiver sind als gleichaltrige Mädchen. So entfernen sich Jungen öfter und weiter von einem Spielplatz, ihrem Elternhaus und ihren Eltern als Mädchen. Damit beweisen sie Unabhängigkeit.

Ab dem 8. Lebensjahr erwiesen sich Mädchen ängstlicher als Jungen. Dies spiegelt sich auch in der Kontaktfreudigkeit bei Fremden wieder. Jungen spielen im Alter von 12 – 24 Monaten vergleichsweise mehr mit Fahrzeugen und untersuchen öfter die Einrichtung als Mädchen. Schon im Alter von 4 Jahren haben die Jungen eine höhere Rangstellung und imponieren mehr. Hierzu ist aber zu sagen, dass Mädchen ebenfalls eine Rangstellung einnehmen. So ist z.B. die Tochter der Erzieherin oder der Lehrerin höher im Rang als andere gleichaltrige Mädchen. Dies wird als „abgeleiteter Rang“ definiert.

Ab dem 11. Lebensjahr sind die verbalen Fähigkeiten der Mädchen stärker ausgebildet und die Mädchen sind im Allgemeinen auch gehorsamer und befolgen Vorschläge von Erwachsenen öfter als gleichaltrige Jungen. Hingegen ist die räumliche Orientierung bei Jungen in diesem Alter wesentlich besser.

Im Vorschulalter neigen beide Geschlechter zu gleichgeschlechtlichen Spielpartnern. Dies ist mit einer gewissen Scheu vor dem anderen Geschlecht zu erklären. Erst mit Eintritt in die Pubertät ändert sich dieses Verhalten.

2.5 Anatomischer Unterschied von Mann und Frau

Es gibt grundlegende anatomische Unterschiede zwischen Mann und Frau. So besitzt der Mann einen kräftigeren Knochenbau (z.B. Schultergürtel) der ihm zu größeren Kraftleistungen beim Jagen (Werfen, Pfeilschiessen, Ringen) oder bei einem Kampf befähigte. Weiterhin ist der Mann durch längere Beine und eine Art Eingelenkung der Oberschenkel in den Hüften, was sie zu einem höheren Krafteinsatz und zu einer schnelleren Fortbewegung im Gelände befähigt. Außerdem ist der Mann statistisch größer als die Frau, was für das Imponier- bzw. Drohverhalten förderlich ist. Auch die verbesserte Übersicht bei der Jagd wird darin begründet. Zudem besitzt der Mann ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen und ein besseres Gehör, was ihm wiederum Vorteile bei der Jagd bringt. Die Frau hingegen besitzt einen Vorteil durch ihr XX – Chromosom, was ihr Blutkrankheiten und Farbblindheit erspart. Folglich ist die Frau auch weniger anfällig für Infektionskrankheiten. Dadurch, dass die Frau nicht selber jagen musste, entwickelte sie andere Fähigkeiten, die sie für ihre Tätigkeiten benötigte. So entwickelte sich das Sprachzentrum bei der Frau in beiden Gehirnhälften und ermöglicht ihr eine größere Sprachbegabtheit und eine größere

Lernfähigkeit. Weiterhin ist die Frau in der Lage, mehrere Aufgaben zur selben Zeit zu verrichten, was sich bei den Männern auf der Jagd als hinderlich erweisen würde. Statistisch ist auch bewiesen, dass die Sterblichkeitsrate bei Männern im Gegensatz zu Frauen höher ist. Die Unfallrate bei Frauen ist ebenso geringer, was darauf zurück zu führen ist, dass Frauen weniger risikobereit sind als Männer. So erklärt sich folglich auch die höhere Lebenserwartung.

In Mitteleuropa unterscheiden sich Männer von Frauen wie folgt:

Frauen sind im Durchschnitt 10cm kleiner und 10kg leichter als gleichaltrige Männer. Die Muskelmasse beträgt bei Männern ca. 35kg und bei Frauen 23kg. Dadurch ist die relative Kraftleistung bei Frauen geringer, was auf die unterschiedliche chemische Zusammensetzung der Muskelfasern zurück zu führen ist. Frauen besitzen 30% - 40% weniger Muskelkraft als Männer. Dies ist auch der Grund, warum im Sport nach Geschlechtern unterschieden wird.

Weitere anatomische Unterschiede sind im Grundumsatz der Frau zu erkennen. Ihrer ist niedriger als der des Mannes. Die Unterschiede manifestieren sich z.B. in dem O2

– Aufnahmevermögen der Lunge, die Anzahl an roten Blutkörperchen pro cm³, die Lungenkapazität, die Unterschiede beim Herzvolumen, Herzgewicht, Blutzusammensetzung und Atmungstechnik.

Dies sind ebenfalls Gründe für die Gruppenverteidigung, für die Jagd und die leichte aggressive Erregbarkeit des Mannes.

Frauen hingegen lernen schneller sprechen und haben einen größeren Wortschatz. Sie schreiben im Durchschnitt auch längere Aufsätze mit einer größeren Anzahl an verschiedenen Worten als Jungen.

Das weibliche Gehirn, im Gegensatz zum männlichen Gehirn, ist durch eine weniger hemisphärische Spezialisierung geprägt. Damit ist der „corpus callosum“, der Teil des Gehirn, der beide Hemisphären miteinander verbindet, größer als beim

Mann. Besonders im hinteren Teil, welcher für die visuelle Informationsverarbeitung zuständig ist. Durch die Aufteilung des Sprachzentrums im weiblichen Gehirn auf beide Hemisphären, sind Frauen bei Verletzungen am Hirn weniger gefährdet ihr Sprachzentrum zu verlieren. Bei Frauen befindet sich die Bewegungssteuerung in der linken vorderen Hemisphäre, beim Mann in der linken hinteren Hemisphäre. Dadurch können Frauen besser verbale, als auch nonverbale Signale wahrnehmen. Die Sprache befindet sich bei beiden Geschlechtern in der ungefähren Mitte der linken Gehirnhälfte.

Die Sprache ist für die Frau ein soziales Kommunikationsmittel, für den Mann hingegen ein Mittel für analytisches Denken. Die Sprache von Mann und Frau unterscheidet sich im syntaktischen Aufbau voreinander. G. ATTILI und L. BENIGNI formulierten dazu 1979 folgenden Satz: „Frauen verwenden eine Reihe von nichtverbalen Kommunikationsmitteln. Dies passt genau zu dem, was wir als

„natürliche Rhetorik“ ihres sprachlichen Verhaltens definierten. Wir können also sagen, dass Frauen Pathos und Überzeugungskraft einsetzen, indem sie an die Gefühle appellieren, während Männer Logos, Überzeugungskraft auf der Basis von logischer Argumentation anwenden.“

Wenn es jedoch um Wiedererkennen von geometrischen Figuren und Raumlagen geht, sind die Männer den Frauen voraus. Forschungen haben ergeben, dass Männer mit niedrigem Testosteronspiegel ähnlich gute Fähigkeiten besitzen wie Frauen.

Hingegen haben Männer mit hohem Testosteronspiegel haben mehr Erfolg im Beruf. Wenn es jedoch um die Wahrnehmung einer Änderung der räumlichen Anordnung von Objekten geht, sind Frauen besser. Sie besitzen ein besseres Objektgedächtnis, was auf die Sammeltätigkeit in ferner Vergangenheit zurückzuführen ist. Weiterhin ist die Feinmotorik der Frauen besser ausgeprägt. Auch wenn es um die Arbeit geht, gibt es geschlechtliche Unterschiede. So ist Frauen die Arbeit mit Anderen wichtig, hingegen ist Männern bei der Arbeit wichtig, etwas „geschaffen zu haben“.

Diese grundlegenden Unterschiede zeigen sich auch bei Störungen. So kommt es öfter bei Männern zu Autismus, Hyperaktivität, Dyslexia und Stottern. Zudem neigen Männer auch mehr zu Gewaltverbrechen. Frauen hingegen neigen oft zu Depressionen und Hysterie.

2.5.2 Pubertät

Viele der geschlechtstypischen Unterschiede manifestieren sich erst in der Adoleszenz (Pubertät).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Geschlechtstypische Unterschiede zur Zeit der Adoleszenz. Nach I. Eibl – Eibesfeldt (2004).

Die Tabelle zeigt einige Beispiele für die unterschiedliche Entwicklung von Jungen und Mädchen während der Adoleszenz. Die in dieser Zeit sozialbezogenen Interessen der Mädchen äußern sich im Wunsch nach Kontakt mit Mitmenschen und in der Geborgenheit der Gruppe. Die wichtigsten Probleme für Mädchen, in dieser Zeit, sind persönliche, zwischenmenschliche und familiäre Probleme.

Die Jungen hingegen beschränken ihre sozialbezogenen Interessen auf macht- und stärkeorientierte Probleme. So sind für sie die schulischen und finanziellen Probleme primär.

Daher bilden junge Mädchen exklusivere Freundschaften als gleichaltrigen Jungen, d.h. ihre Dyaden und Triaden sind Dritten gegenüber geschlossener. Jedoch neigen Mädchen über einen längeren Zeitraum zu ihren isolierten Dyaden zurück zu kehren. Die Jungen sind dagegen weniger exklusiv. Ihnen fällt das soziale Zusammenspiel leichter, da sie sich öfter in Kampf- und Wetteiferspielen messen. Folglich werden auch Neulinge schneller in die männliche Gruppe integriert. Ein Resultat daraus ist die größere Gruppenbildung. L. TIGER schrieb 1969, dass der Drang nach einer größeren Gruppenbildung auf stammesgeschichtlich entwickelte Disposition zurück zu führen ist. Sie ist eine Art Anpassung an ein gemeinschaftliches Kämpfen und Jagen. Die Mädchen hingegen sind an kleinere Gruppen orientiert, bilden aber gesellige größere Spielgruppen. Grundlegend ist aber zu sagen, dass man (weibliche) Geselligkeit nicht mit (männlicher) Freundschaft gleichsetzen kann.

2.5.3 Die Körperhaltung bei Mann und Frau

Die Körperhaltung der Geschlechter unterscheidet sich deutlich voneinander. Charakteristisch ist für Männer die breitbeinige Art zu stehen. Weiterhin sitzen sie sehr oft mit gespreizten Beinen da und breiten ihre Arme aus. Dies ist ein typisches Zeichen für Dominanz. Frauen hingegen zeigen genau das gegenteilige Verhalten bei ihrer Haltung. Sie sitzen nicht breitbeinig dar und strecken ihre Arme nicht aus. Sie geben sich dezenter, im Verhalten weniger dominant. Das Vorschieben des Oberschenkels bei einer Frau, empfinden wir, als typisch weiblich. Vieles der Haltung wird durch Erziehung gefördert. So werden Mädchen und junge Frauen ermahnt, wenn sie breitbeinig dasitzen oder gewissermaßen rumlümmeln. Bei reiferen Frauen hingegen ist zu beobachten, dass sie sich ungezwungener verhalten; sie sitzen oft wie Männer da. Ein möglicher Grund ist die hormonelle Vermännlichung nach Eintritt in die Menopause.

MARIANNE WEX beschriebt 1979, dass Männer mehr besitzergreifendes Verhalten zeigen als Frauen, z.B. den Arm um die Schulter oder die Hüfte des Partners legen.

2.5.4 Die Entwicklung der geschlechterspezifischen Reize

Die Grundlage jedes Handelns ist ein Reiz. Sozusagen der Reizschlüssel als Reaktionsindikator. Frauen sind in der Lage, feine und sehr stark verdünnte Geruchsstoffe in der Luft wahr zu nehmen, z.B. Moschussubstanzen. Hingegen können Männer nur in starker Konzentration Geruchsstoffe wahrnehmen. Der Grund ist die Riechschwelle, welche bei einer Frau zusätzlich noch durch den monatlichen Zyklus variiert. Der Eintritt in den Zyklus hat zudem noch Auswirkung auf die akustische Reizwahrnehmung.

Zum Zeitpunkt des Follikelsprungs ist die Riechschwelle niedriger und die Östrogengaben haben ebenfalls einen Einfluss auf die Riechschwelle.

[...]

Details

Seiten
40
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640240876
ISBN (Buch)
9783640244874
Dateigröße
710 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120143
Note
1,8
Schlagworte
Anthropologie Menschen Ethologie Verhalten Körpersprache Geschlecht Pubertät Mann Frau Kind Reiz Sozial Familie Ehe Gesellschaft Emanzipation Partner Werben Moral Sex Signale Geschlechterbeziehung Prostitution Mensch

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