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Das Doppelgängermotiv in der Romantik anhand E.T.A. Hoffmanns: Die Elixiere des Teufels

Seminararbeit 2007 26 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Romantik
2.1. Etymologische Bestimmung
2.2. Zeitgeschichte und Epochenbestimmung
2.2.1. Die Frühromantik (1790-1801)
2.2.2. Die Hochromantik (1801-1815)
2.2.3. Die Spätromantik (1820-1850)
2.3. Philosophie
2.3.1. Fichte: Ich-Philosophie
2.3.2. Schelling: Transzendentaler Idealismus
2.3.3. Schlegel: Ästhetische Subjetivität
2. 4. Literatur und Ästhetischer Diskurs
2.5. Psychologie
2.6. Mesmerismus

3. Das Motiv des Doppelgängers
3.1. Antike und Neuzeit
3.3. Romantische Variationen

4. E.T.A. Hoffmann und Die Elixiere des Teufels
4.1. Biographische Notiz
4.2. Inhalt der Elixiere
4.3. Medardus und seine Doppelgänger
4.3.1 Psychologie der Elixiere
4.3.2. Zeitgeist der Elixiere

5. Schluss

6. Literatur

1. Einleitung

„Das romantische Ich ist keine rettende Enklave, auf der man sich in Sicherheit bringen könnte.“[1]

Lange vor der Etablierung der Psychologie kam es in der deutschsprachigen Literatur zu einer intensiven Auseinandersetzung mit problematischer Identität. Insbesondere das Motiv des Doppelgängers wurde zur Beschreibung wahnhafter Zustände und verunsicherter Ich-Wahrnehmung in der romantischen Literatur häufig verwendet. Doch lassen sich auch Zeitgeist und Lebensgefühl der Romantik anhand schauerlich schöner Romane wie die Elixiere des Teufels von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann herausarbeiten.

In einem ersten Schritt wird auf die Epoche der Romantik im Allgemeinen eingegangen. Dazu gehören eine Epochenbestimmung und die kurze Beschreibung wichtiger philosophischer, wissenschaftlicher und geistesgeschichtlicher Strömungen. So der Ich-Philosophie von Fichte, des Mesmerismus, die Stellung Künstlerpersönlichkeit in der Romantik und so weiter.

In einem zweiten Schritt wird das literarische Doppelgängermotiv in seiner Vielfalt vorgestellt.

Schließlich soll anhand Die Elixiere des Teufels von E.T.A. Hoffmann eine Analyse des Doppelgängermotivs in der Romantik unter Berücksichtigung psychologischer und geistesgeschichtlich-philosophischer Momente vorgenommen werden. Die Frage, welche dieser Interpretation zugrunde liegt, ist die nach der romantischen Identität, also auch nach der Selbsterfahrung in Zeiten gesellschaftlichen Wandels.

2. Die Romantik

Die Romantik bezeichnet eine kulturelle Epoche Europas, welche im ausgehenden 18. Jahrhundert beginnt und sich bis weit in 19. Jahrhundert erstreckt. Besonders stark ausgeprägt war die Romantik in der deutschen Literatur.

2.1. Etymologische Bestimmung

Der Begriff Romantik lässt sich zurückführen auf das französische Wort >roman<. >Roman<, die romanische Volkssprache wurde im 17 Jahrhundert in Abgrenzung zur Gelehrtensprache Latein verwendet. Daraus entwickelte sich die literarische Gattung der >Romanze<, welche sich primär mit Artusstoffen beschäftigte. Diese meist sehr idealisierenden Erzählstücke wurden auch als romantisch bezeichnet. Aus dem Adjektiv >romantisch< entwickelte sich die Bezeichnung >romanhaft< und letztlich also der >Roman< als Gattung. Diese Gattungsbezeichnung umschrieb Ende des 18. Jahrhunderts eine unwahrscheinliche, phantastische und übertriebene Erzählerhaltung.[2]

Allgemein bezeichnet >romantisch< in Abgrenzung zum Klassizismus das Wunderbare, Unendliche, Phantasievolle und eine Distanzierung zum Alltag. All diese etymologischen Bedeutungen von >romantisch< finden sich mehr oder weniger offensichtlich im Begriff >Romantik< und in der Geisteshaltung der Romantik als Epoche wieder.

2.2. Zeitgeschichte und Epochenbestimmung

Eine Epochenbestimmung ist immer mit Schwierigkeiten verbunden, denn letztlich sind die Übergänge fließend und es ist durchaus nicht so, dass die Menschheit eines schönen morgens erwacht und kollektiv beschließt nun eine neue Epoche einzuleiten. Die „Ansicht einer insgesamt ablaufenden [...] >romantischen< Bewegung [wird] der Komplexität der Verhältnisse kaum gerecht.“[3] Es handelt sich vielmehr um eine Gemengelage unterschiedlicher Ereignisse. Im Falle der Romantik lassen sich als wichtige Einflussnehmer viele solche Begebenheiten nennen. So auf politischer Ebene die französische Revolution, die Beendigung der Schreckensherrschaft Robespierres, die Auflösung des Deutschen Reiches, die europäische Neuordnung nach Napoleon I. durch den Wiener Kongress. Die Anfänge der industriellen Revolution fallen in die Zeit der Romantik. Erfindungen wie etwa die des Dampfschiffs, der Photografie, die Entdeckung der Elektrizität und so weiter verändern das Leben der Menschen maßgeblich. Außerdem gerät die ständische Ordnung ins Wanken. Dank der Aufklärung gerät der Mensch in den Mittelpunkt des Interesses. Sie lehrt, der Mensch sei selbstbewusst und vor allem selbstverantwortlich und fähig vernünftig zu handeln. Wodurch die Ordnung als gottgegeben nicht mehr wahrgenommen werden kann.

Kurz gesagt, es handelt sich um eine Zeit tiefer existentieller Unsicherheit angesichts der Konfrontation mit einem Wandel des Weltbildes auf so gut wie allen gesellschaftlichen Ebenen gleichzeitig. Teilweise wird dieser Umbruch gar als Sinnverlust und als Bedrohung der eigenen Identität erlebt. Eine Situation, in der sich alles im Wandel befindet, eröffnet aber auch die Möglichkeit zur Neuorientierung und zum Experiment.

In der historischen und germanistischen Fachliteratur wird die Romantik zeitlich von etwa 1790 bis 1850 gefasst. Dabei werden drei Phasen unterschieden: die Früh-, die Hoch- und die Spätromantik.[4] In der Zeitraumbestimmung sind sich die Quellen jedoch uneinig. Die hier verwendete Bestimmung orientiert sich an dem Romantik-Handbuch, herausgegeben von Helmut Schanze.[5]

2.2.1 Die Frühromantik (1790-1801)

Die Frühromantik, auch Universalromantik genannt, ist eine Zeit des Aufbruchs und des Experimentierens. In dieser Zeit öffnen sich neue Möglichkeiten des künstlerischen Schaffens, des miteinander Lebens und des Umdenkens. Der Jenaer Kreis trat für die Beteiligung der Frauen am gesellschaftlichen Leben, für freie Liebe und ein neuartiges Kunstverständnis ein. Zu diesem Kreis gehörten unter anderen Friedrich Schlegel, Friedrich Wilhelm Schilling, Ludwig Tieck und Novalis.

In der Literatur wurden Einflüsse von Märchen, Mythen und Legenden auch aus der nichtdeutschsprachigen Literatur bemerkbar. Die Jenenser begannen viele Erzählungen zum Beispiel aus dem Englischen oder dem Italienischen zu übersetzten und dem geneigten Publikum anzubieten.

2.2.2. Die Hochromantik (1801-1815)

In der Hochromantik kam es zu einem gesteigerten Nationalgefühl, weswegen diese romantische Phase auch als >Nationalromantik< bezeichnet wird. Mit dem Faible für alles Germanische ging eine Rückbesinnung auf das Volksgut an Märchen, Erzählungen und Liedern einher. Teilweise wurde wieder in Altdeutsch geschrieben und das Heilige Reich Deutscher Nation wurde zum größten Sehnsuchtmoment. In dieser Zeit treten der oft betonte Konservatismus und die starke Fixierung auf die goldene Vergangenheit der Romantik deutlich hervor. Wichtige Vertreter der Hochromantik sind unter anderen Ludwig Achim von Arnim, Clemens Brentano und die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm.

2.2.3. Die Spätromantik (1820-1850)

In der Spätromantik kommt es erneut zu einer Verschiebung der Themen. Im Mittelpunkt des Interesses steht nun die >Nachtseite< der menschlichen Seele. Psychologische Momente und Schauergeschichten erhalten Einzug in die Literatur. Als wichtige Vertreter der Spätromantik gelten unter andern E.T.A. Hoffmann und Joseph von Eichendorff.

2.3. Philosophie

Die Epoche der Romantik umfasst eine Vielzahl auch in ihrer Haltung recht unterschiedlicher Denker, Künstler, Literaten, Philosophen, Mystiker, Mesmerianer, Okkultisten und Ärzte. Verbunden wird mit der Epoche vor allem ein übersteigerter Subjektivismus, die Sehnsucht nach dem Universellen, die Idealisierung der Vergangenheit, das Schwelgen in derselben und ein starkes Interesse an der >Nachtseite< des Lebens.

2.3.1. Fichte: Ich-Philosophie

„Alles mögliche Bewußtseyn, als Objectives eines Subjects, setzt ein unmittelbares Bewußtseyn, in welchem Subjectives und Objectives schlechthin Eins seyen, voraus; ausserdem ist das Bewußtseyn schlechthin unbegreiflich. Man wird immer vergeblich nach einem Bande zwischen dem Subjecte und Objecte suchen, wenn man sie nicht gleich ursprünglich in ihrer Vereinigung aufgefasst hat.“[6]

Im Mittelpunkt von Johann Gottlieb Fichtes (1762-1814) kritischem Idealismus steht die Frage nach der Erkenntnisfähigkeit des Menschen. Nach Fichte kann sich diese Erkenntnis nur aus dem Bewusstsein ableiten. Jegliche Empirie lehnt er schlicht ab. Für ihn spielen auch Erfahrungen keine Rolle. Damit grenzt er sich klar von dem „Kantschen Ding-an-sich-Begriff“[7] ab. Nach Fichte existiert keine objektive Welt außerhalb des subjektiven Bewusstseins. Alle Erkenntnis entspringt dem Verstand, oder wie Fichte sagt, dem Intellect. Dabei erscheint die dingliche Welt als Produkt der eigenen Bewusstseinstätigkeit. „Sämtliche scheinbare Objekte sind weiter nichts als vom denkenden Ich gesetzte Nichtichs.“[8] Damit wird das denkende Ich letzter und einziger Bezugspunkt der Philosophie Fichtes, weswegen sie auch Ich-Philosophie genannt wird.

Innenschau, nicht die Auseinandersetzung mit der Umwelt zeigt bei Fichte die Seele und kann zur Verbündung mit der Ewigkeit führen.[9] Statt der Unabhängigkeit der Ganzheit der Person treten aber Isolation und Rückzug. „An die Stelle von kommunikativen Verbindlichkeiten, die sonst die Einheit der Person und ihre Handlungsfähigkeit sichern, tritt ein radikaler Anspruch auf Selbstverwirklichung, der Identität anstrebt, doch Desintegration und Fragmentierung erzeugt.“[10]

[...]


[1] Schwarz 1993, S. 212

[2] Vgl.: Kremer 2003, S. 40

[3] Schanze (Hg.) 1994, S. 65

[4] Vgl.: Schanze (Hg.) 1994, S. 31ff

[5] Kremer hat die Epoche weitaus früher angesetzt von 1770 bis 1830. Sein Argument ist, dass sich so mit größerer Trennschärfe hinsichtlich den Übergangsphasen in neue Denk- und Literaturstile arbeiten lasse.

[6] Johann Gottlieb Fichte [1797] In: Manfred Frank (Hg.) 1991, S. 20

[7] Krauss 1930, S. 21

[8] ebd.

[9] Günter Schulte, in: Sloterdijk (Hg.) 1996, S. 13ff

[10] Schwarz 1993, S. 78

Details

Seiten
26
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640240333
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120042
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – für Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Doppelgängermotiv Romantik Hoffmanns Elixiere Teufels Seminar

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