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Soziale Ungleichheit - Wie wird soziale Ungleichheit in Medien dargestellt?

Bachelorarbeit 2008 37 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist soziale Ungleichheit?
2.1. Definitionen des Begriffes soziale Ungleichheit
2.2. Arten sozialer Ungleichheit
2.3. Dimensionen sozialer Ungleichheit
2.4. Klassenkonzeption von S. Ossowski
2.5. Ursachen sozialer Ungleichheit

3. Die Medientheorie
3.1. Das Verhältnis von Systemtheorie und Massenmedien
3.2. Die Realität der Massenmedien
3.2.1. Realität und Realitätsverdopplung
3.2.2. Nachrichten/Berichte, Werbung, Unterhaltung
3.3. Zusammenfassung

4. Inhaltsanalyse
4.1. Definition und Theorie der Inhaltsanalyse
4.2. Gütekriterien und Probleme
4.3. Das methodische Vorgehen
4.3.1. Phasen einer Inhaltsanalyse
4.3.2. Der Prozess der Kodierung
4.3.3. Die Kategorisierung
4.3.4. Explizite und implizite Argumente
4.3.5. Stilmittel
4.4. Zusammenfassung

5. Auswertung der Ergebnisse
5.1. Die Zeitung „Das Parlament“
5.2. Der Kodierplan
5.3. Auswertung

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der heutigen modernen Gesellschaft ist der Begriff soziale Ungleichheit keine Seltenheit mehr. Sie hat ihren Ursprung schon sehr früh in der Geschichte und ist heute nicht mehr wegzudenken. Soziale Ungleichheit ist eine gesellschaftliche Konstruktion, die sich immer durch zwei Ausprägungen definiert: auf der einen Seite stehen diejenigen, die in irgendeiner Art und Weise sozial benachteiligt sind und auf der anderen Seite die, die einen Vorteil aus dieser Benachteiligung ziehen. Beispiele für soziale Ungleichheit sind unter anderem die Bildungsungleichheit, die Einkommensungleichheit, die Geschlechterungleichheit oder auch Ungleichheiten von Arbeitsbedingungen oder Gesundheitschancen. Die Liste könnte beliebig fortgeführt werden, denn soziale Ungleichheit ist in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft zu finden.

Um den Begriff der sozialen Ungleichheit begrifflich eingrenzen und formulieren zu können, muss es Elemente geben, die dieses Phänomen permanent beobachten und seine Ausprägungen kommunikativ verbreiten. Diese Elemente beziehungsweise Systeme – wie sie der Soziologe Niklas Luhmann benennt – sind die Massenmedien. Zu den Massenmedien zählen Presse, Hörfunk und Fernsehen sowie das Internet, wobei letzteres immer mehr an Bedeutung gewinnt. Massenmedien informieren die Gesellschaftsmitglieder über ökologische, soziale, wirtschaftliche und politische Abläufe und Zusammenhänge und tragen dazu bei, dass alle Gesellschaftsmitglieder über den gleichen Status an Wissen über ein bestimmtes Phänomen verfügen.

Ziel dieser Arbeit ist es nun, folgende Frage zu beantworten: Wie wird soziale Ungleichheit in Medien dargestellt? Das heißt, es soll untersucht werden, wie Massenmedien soziale Ungleichheit reflektieren und diese als reales Phänomen der Gesellschaft zu vermitteln.

Für die Beantwortung der Fragestellung, wird die Arbeit in vier Teile gegliedert.

Zuerst wird der Begriff soziale Ungleichheit erläutert und in seinen Dimensionen, Arten und Ursachen dargestellt. Das zweite Kapitel beschäftigt sich eingehend mit der Medientheorie von Niklas Luhmann, wobei kurz Bezug genommen wird zur Systemtheorie, die das „Medium“ als System definiert und seine wichtigen Eigenschaften erklärt. Desweiteren erfolgt eine Analyse der Realitätsvermittlung durch Medien sowie die Darstellung der einzelnen Programmbereiche der Massenmedien. Das dritte Kapitel befasst sich mit der Inhaltsanalyse, die als Untersuchungsmethode für Massenmedien sehr gut geeignet ist. Im letzten Kapitel erfolgt die die Auswertung ausgewählter Zeitungsartikel der Zeitung „Das Parlament“ des Jahrgangs 2007, um die Frage nach der Darstellung von sozialer Ungleichheit in Massenmedien verdeutlichen zu können.

2. Soziale Ungleichheit

Der Begriff soziale Ungleichheit ist ein wesentliches Merkmal unserer Gesellschaftsstruktur, wobei es jedoch Unterschiede hinsichtlich Ausmaß und Erscheinungsbild geben kann. Um eine umfassende Definition und Erläuterung des Begriffes soziale Ungleichheit zu erhalten, wird Literatur von Stefan Hradil, Jürgen Schiener und anderer Autoren benutzt. Die Werke „Soziale Ungleichheit in Deutschland“ und „Sozialstruktur Deutschlands im internationalen Vergleich“ dienen dabei als Basisliteratur, welche durch Literatur der anderen beiden Autoren ergänzt und vertieft wird.

Das folgende Kapitel gibt zusammenfassend eine Begriffsdefinition sozialer Ungleichheit wider und stellt ihre Dimensionen, Arten und Ursachen dar.

2.1. Definition

Soziale Ungleichheit bezeichnet „Lebensbedingungen, die es Menschen erlauben, in ihrem alltäglichen Handeln allgemein geteilte Ziele eines ‚guten Lebens‘ besser als andere Menschen zu erreichen“ (Hradil 2004: 195). Zu diesen Lebensbedingungen zählen beispielsweise Arbeitsbedingungen, Vermögen oder der Bildungsgrad einer Person. Unter ‚gutem Leben‘ ist der Besitz von Gesundheit, Sicherheit, Wohlstand oder Ansehen zu verstehen. Daraus ergibt sich, dass soziale Ungleichheit dann entsteht, wenn Menschen Vor- oder Nachteile hinsichtlich der oben genannten Merkmale gegenüber anderen Menschen haben. Diese Vor- und Nachteile ergeben sich entweder aus der Knappheit von Gütern, dadurch dass bestimmte Gesellschaftsmitglieder eine größere Menge dieser Güter zur Verfügung haben als andere oder aufgrund der gesellschaftlichen Position und sozialen Beziehung von Gesellschaftsmitgliedern (vgl. Hradil 2004: 195f.). Grundsätzlich kann gesagt werden, dass der Besitz von wertvollen Gütern die Lebensbedingungen des Einzelnen erhöht.

Darüber hinaus werden über die Verteilungen dieser Güter Lebensumstände sowie Lebenschancen der Menschen mitbestimmt (vgl. Klein 2005: 227). Somit bewirken die jeweiligen Lebensumstände und die damit verbundenen Lebenschancen des Einzelnen eine Besser- oder Schlechterstellung gegenüber anderen Gesellschaftsmitgliedern in der jeweiligen Sozialkategorie. Das heißt, soziale Ungleichheit hat enormen Einfluss auf das Leben beziehungsweise die Lebensführung der einzelnen Gesellschaftsmitglieder, denn sie bringen einerseits Reichtum und Wohlstand mit sich, andererseits Armut und Elend (vgl. Hradil/Schiener 2001: 16). Dies führt nicht selten zu Konflikten derjenigen Gesellschaftsmitglieder, die von einer Schlechterstellung betroffen sind, und mit einer öffentlichen Anprangerung ihrer Misere dieses Ungleichgewicht zu verbessern versuchen.

2.2. Arten sozialer Ungleichheit

Hradil unterscheidet zunächst zwischen zwei Arten sozialer Ungleichheit (vgl. Hradil 2004: 196): zum einen führt er die Verteilungsungleichheit an, die sich durch eine ungleiche Verteilung eines wertvollen Gutes in der Bevölkerung definiert. Als Beispiel benutzt Hradil die Einkommensverteilung. Zum anderen unterscheidet er die Chancenungleichheit, wobei es um die Chancen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe geht, innerhalb dieser Verteilung besser beziehungsweise schlechter als andere vergleichbare Gruppen abzuschneiden. Ein Beispiel hierfür sind Frauen, die im Berufsleben hinsichtlich der Einkommenserzielung schlechter gestellt sind als Männer. Hradil betont, dass Verteilungsungleichheiten nicht zwangsläufig mit Chancenungleichheiten verknüpft sein müssen, das heißt, eine Verstärkung von Verteilungsungleichheiten, wie zum Beispiel bei der Zunahme von Bildungsabschlüssen, hat nicht unbedingt eine Verstärkung von Chancenungleichheiten zwischen in- und ausländischen Kindern zur Folge.

Neben den oben genannten Ungleichheiten führt Hradil die Termini der legitimen sowie der illegitimen Ungleichheit ein, die er mit den Begriffen Gerechtigkeit beziehungsweise Ungerechtigkeit übersetzt (vgl. Hradil 2004: 196):

Legitime Ungleichheiten, die als rechtmäßig gelten, finden sich zum Beispiel bei der Einkommensverteilung in Bezug auf die Ausübung unterschiedlicher Berufe. So erzielt ein Fabrikarbeiter beispielsweise ein geringeres Einkommen als ein Angestellter im Bankwesen, was als legitim und rechtmäßig angesehen wird (siehe Kapitel 2.4.).

Illegitime Ungleichheit kann mit dem Begriff Unwürdigkeit oder auch Unrechtmäßigkeit übersetzt werden. Ein Beispiel für illegitime Ungleichheit ist extreme Armut, wie sie häufig in den Ländern der Dritten Welt vorgefunden wird.

2.3. Dimensionen sozialer Ungleichheit

Es gibt eine Vielzahl von Erscheinungsformen sozialer Ungleichheit (vgl. Hradil/Schiener 2001: 31), weshalb eine Einordnung in Dimensionen unerlässlich ist. Die Erscheinungsformen werden zu Kategorien zusammengefasst, und als Dimensionen bezeichnet. Hradil differenziert zwischen zwei verschiedenen Dimensionen sozialer Ungleichheit, die sich parallel zum Veränderungsprozess von Gesellschaften fortentwickelt haben (vgl. Hradil 2004: 198ff.): die klassischen und die neuen Dimensionen.

Die klassischen Dimensionen definieren sich durch Besitz, Einkommen, Vermögen, Macht und Sozialprestige. Diese Dimensionen finden ihren Anker hauptsächlich in vorindustriellen Gesellschaften, frühen Industriegesellschaften sowie fortgeschrittenen Industriegesellschaften. Die neuen Dimensionen hingegen, die sich während der Entwicklung zur postindustriellen Gesellschaft herauskristallisiert haben, konstituieren sich über die Begriffe Bildung und Wissen, Beruf, Berufsstatus sowie Lebensstile. Neben diesen Dimensionen, die sich vorrangig um den Beruf konzentrieren, finden sich immer mehr Ungleichheiten hinsichtlich des Geschlechts, des Alters sowie der ethnischen Zugehörigkeit. Mit diesen eng verknüpft sind Ungleichheiten hinsichtlich Arbeits- und Freizeitbedingungen, Infrastrukturgegebenheiten sowie Ungleichheiten bei Gesundheitschancen.

2.4. Die Klassenkonzeption von S. Ossowski

Um die Theorie sozialer Ungleichheit zu verstehen, ist es notwendig, sich mit der Klassenkonzeption des polnischen Soziologen Stanislaw Ossowski auseinander zu setzen. Er versucht zu analysieren, wie die vertikale Schichtenstruktur der Gesellschaft soziale Ungleichheiten mitbestimmt. Dabei nimmt er Bezug auf die Existenz von Klassen, stellt dem aber Formen von Klassenlosigkeit entgegen.

Zu Beginn führt Ossowski drei Konzeptionen von Klassenstrukturen an, die nachfolgend näher erläutert werden: die dichotomische Konzeption, das Gradationsschema und das funktionelle Schema (vgl. Abbildung 1: Ossowski 1962):

Abb. 1: Die Klassenstruktur im sozialen Bewusstsein

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ossowski, Stanislaw (1962): Die Klassenstruktur im sozialen Bewusstsein.

Der erste Typus der Vorstellung von Klassenstruktur ist die dichotomische Klassenkonzeption, welche 3 Varianten aufweist: „… first the relation of power, second the relation involving the exploitation of the labour of others and third the relation denoted by the expression ‘rich and poor or ‘haves and have not‘ (Ossowski 1963: 31). Erstens die Regierenden und die Regierten, wobei sich die Regierenden durch Macht und Autorität abheben von den Regierten, die Befehlen gehorchen müssen. Zweitens die Arbeitenden und die Arbeitgeber, die sich durch die Ausbeutung der Arbeitenden durch die Arbeitgeber auszeichnet, was sich wiederum auf die Macht- und Reichtumsverhältnisse zu Gunsten der Arbeitgeber auswirkt. Und drittens die Reichen und die Armen, die sich dadurch unterscheiden, dass die Reichen Eigentum und Vermögen besitzen und die Armen besitz- und mittellos sind (vgl. 1984: 75). Das dichotomische Klassenschema impliziert folglich immer zwei Hauptklassen, die Mittelklasse gilt als Gruppierung zweiter Ordnung (vgl. ebd.: 75). Zu betonen ist auch, dass ein Abhängigkeitsverhältnis der Klassen untereinander besteht, was somit gegensätzlich zum Gradationsschema steht.

Der zweite Typus ist das Gradationsschema. Hierbei stehen die Mittelklasse beziehungsweise Mittelklassen im Mittelpunkt, „…wobei die Stellung der anderen Klassen in Relation zu jener bestimmt wird“ (Ossowski 1984: 75). Das heißt, die Definition der einen Klasse ergibt sich aus ihrer Abhängigkeit von anderen Klassen, wobei Ossowski betont, dass es hierbei mehr um ein Ordnungs-, als um ein Abhängigkeitsverhältnis geht. Ossowski unterscheidet zwei Arten des Gradationsschemas: „…simple gradation and synthetic gradation“ (Ossowski 1963: 41). Bei der einfachen Gradation wird die Klassenstruktur an einem einzigen Kriterium orientiert. Ossowski benutzt hier das Beispiel Einkommen, welches in mehrere verschiedene Einkommensklassen eingeteilt werden kann (vgl. Ossowski 1984: 76). Das synthetische Gradationsschema erfasst eine ähnliche Rangordnung, impliziert aber mehrere Kriterien für ihre Bestimmung.

Der dritte Typus ist das funktionelle Schema: „In this conception a society is devided into a certain number of classes differing in accordance with the functions which they fulfill in social life“ (Ossowski 1963: 58). Das heißt, hierbei wird die Gesellschaft in bestimmte Klassen unterteilt, die sich aus der Stellung des Einzelnen im sozialen Leben ergibt. Im Unterschied zum dichotomischen Typus, bei dem sich antagonistische Klassen gegenüberstehen, und entgegen dem Gradationsschema, wo eine Rangfolge vorherrscht, agieren beim funktionellen Schema kooperative Gruppen miteinander (vgl. Ossowski 1984: 76).

Nach diesen Formen von Klassen haben sich, laut Ossowski, zwei Versionen von Klassenlosigkeit herauskristallisiert, die in der heutigen Gesellschaft zu erkennen sind (vgl. Ossowski 1984: 77f.).

Er nennt zum Einen das funktionelle Schema, welches auf gegenseitiger Unterstützung der Klassen beruht. Durch das kooperative Miteinander der Klassen werden die Klassengrenzen theoretisch verwischt und tragen so zu einer Verringerung von Ungleichheiten. Demgegenüber steht die Konzeption der egalitären Klassenlosigkeit nach amerikanischem Vorbild. Ossowski beruft sich hierbei auf die Chancengleichheit der Klassen. Er vertritt den Standpunkt, dass jeder Einzelne die gleichen Chancen im Beschäftigungssystem hat, unabhängig von Herkunft oder Status der Person. Es gilt lediglich, die jeweiligen Fähigkeiten für die Ausübung einer Beschäftigung zu besitzen.

Die Klassenkonzeption von Stanislaw Ossowski ist deshalb von Bedeutung, weil sie Auskunft über Formen von Klassen beziehungsweise Formen von Klassenlosigkeit gibt und die jeweiligen Gruppen beziehungsweise Klassen aufzeigt, die sich gegenüberstehen (vgl. ebd.: 74). Ossowski versucht mit seinem Klassenmodell weiterhin zu erklären, dass soziale Ungleichheiten nicht zwangsläufig auf Klassenunterschieden beruhen, oder durch diese entstehen, sondern auch durch andere Faktoren hervorgerufen werden.

2.5. Ursachen sozialer Ungleichheit

Soziale Ungleichheiten können aus verschiedenen Ursachen resultieren. Hradil versucht diese anhand der funktionalistischen Schichtungstheorie zu begründen (vgl. Hradil 2004: 200ff.). Diese Theorie entstammt in den Grundlagen von Talcott Parsons und wurde später von Kingsley Davis und Wilbert E. Moore weiterentwickelt.

Die funktionalistische Schichtungstheorie besagt, dass es notwendig ist wichtige Positionen in der Gesellschaft von unwichtigen Positionen zu trennen und hinsichtlich dieser Einteilung höhere Belohnungen für schwierige und wichtige Positionen zu geben, und geringere Belohnungen für weniger wichtige, einfache Positionen zu vergeben. Dies spiegelt sich vor allem im Bereich der Einkommensverteilung und dem damit verbundenen Ansehen wieder. Ein Beispiel dafür findet sich in der Politik (vgl. Burzan 2005: 37). Staat und Regierung sind wichtige Elemente für eine Gesellschaft und haben die Verantwortung, Regeln und Normen aufzustellen, durchzusetzen und wichtige Entscheidungen zu treffen. Für diese verantwortungsvolle Aufgabe bedarf es fähiger Menschen, die diese Aufgaben ausführen können und dafür eine angemessene Belohnung erhalten. Die funktionalistische Schichtungstheorie spricht hier von einer Legitimation sozialer Ungleichheit durch Leistung, welche notwendig für das Fortbestehen einer jeden Gesellschaft ist (vgl. Hradil 2004: 201). Das heißt, diejenigen, die eine hohe Bildung haben, können auch große, schwierige Aufgaben übernehmen, entgegengesetzt derer, die einen geringeren Bildungsgrad haben. Hier wird deutlich, dass sich soziale Ungleichheiten vor allen Dingen auf die Bildung, die daraus resultierende ungleiche Einkommensverteilung und das daraus entstehende Ansehen konzentrieren.

3. Die Medientheorie

„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“ (Luhmann 2004: 9). Niklas Luhmann beschreibt in seinem Buch „Die Realität der Massenmedien“, welches im nachfolgenden Kapitel als Basisliteratur dient, dass alles Wissen über die Welt durch Medien produziert, gleichzeitig aber auch manipuliert wird.

Um die Medientheorie zu verstehen, ist es wichtig einen Exkurs zu Luhmanns Systemtheorie zu machen und ihre zentralen Begriffe in den Gegenstand der Massenmedien einzubinden. Themenrelevante Begriffe der Systemtheorie, die auch auf die Theorie der Massenmedien angewendet werden, sind soziales System, Autopoiesis, Operation, Selbstreferenz und Fremdreferenz, System-Umwelt-Differenz und Kommunikation und sollen nachstehend erläutert werden.

3.1. Das Verhältnis von Systemtheorie und Massenmedien

Soziale Systeme besitzen die Eigenschaft „…ein autopoietisches, selbstreferentielles System, das sich in Differenz zu seiner Umwelt konstituiert“ zu sein (Baraldi u.a. 1999: 176). Autopoiesis heißt, dass sich soziale Systeme durch die Verwendung der eigenen Systemelemente selbst erzeugen, erhalten und organisieren. Luhmann versteht die Massenmedien als ein soziales System, die das Merkmal der Autopoiesis besitzen. Massenmedien erhalten und organisieren sich demnach durch ihr Systemelement Kommunikation, worauf später eingegangen wird. Selbstreferentiell bedeutet, dass sich Systeme durch ihre eigenen Beobachtungen auf sich selbst beziehen und ausschließlich mit systeminternen Elementen operieren (Baraldi u.a. 1999: 176). Bei den Massenmedien konstituieren sich systeminterne Elemente über Kommunikation, mithilfe derer die Massenmedien operieren. Unter Operation allgemein sind Prozesse zu verstehen, die Systeme für ihre Entstehung und ihre Erhaltung benötigen. Das heißt, Systeme operieren, indem sie sich durch das Benutzen ihrer eigenen Elemente reproduzieren und verändern (vgl. Baraldi u.a. 1999: 123). Demnach operieren Massenmedien durch Kommunikation, wenn jemand sieht, hört und liest (vgl. Luhmann 2004: 14).

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Details

Seiten
37
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640236640
ISBN (Buch)
9783640239566
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v119932
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Institut für Soziologie
Note
1,9
Schlagworte
Soziale Ungleichheit Medien Seminar Moderne Gesellschaften

Autor

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Titel: Soziale Ungleichheit - Wie wird soziale Ungleichheit in Medien dargestellt?