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Zu: Die neuen Kriege von Herfried Münkler, 2002

Rezension / Literaturbericht 2003 10 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Was ist neu an den neuen Kriegen?

3 Kriegsführung, Staatsbildung und der Dreißigjährige Krieg

4 Die Verstaatlichung des Krieges und ihre Folgen

5 Die Ökonomie der Gewalt in den neuen Kriegen

6 Der internationale Terrorismus

7 Militärische Interventionen und das Dilemma des Westens

8 Fazit

Conrad Philipp

conrad.philipp@web.de

Auf Grundlage des Buches „Die neuen Kriege“ von Herfried Münkler

1 Einleitung

Krieg ist nicht mehr das was er einmal war. Statt stehender Heere auf dem Schlachtfeld sind es heute Warlords, marodierende Söldnerbanden, Kindersoldaten und international agierende Terrornetzwerke die gegeneinander oder gegen Staatssysteme antreten.

Herfried Münkler, Professor für Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, beschreibt in seinem Buch „Die neuen Kriege“ die strukturellen Veränderungen von dem klassischen Staatenkrieg des 18 – 20 Jahrhundert, zu den „neuen Kriegen“ des 21.Jahrhunderts.

Er nähert sich dem Thema von verschiedenen Seiten, in insgesamt 6 Essays.

2 Was ist neu an den neuen Kriegen

Klassische Staatenkriege sind durch eine weitgehende Einhaltung von Rechtsakten, wie Kriegserklärung und Friedensschluss, und einer klaren Unterscheidung von Soldat und Zivilist gekennzeichnet. Sie wurden immer unter dem Kalkül von Kosten und Nutzen geführt und entschieden sich in großen Schlachten, auf dem offenem Feld.

Die „neuen Kriege“ folgen nicht diesen Regeln. Statt großer Heere kämpfen Partisanenkrieger. Es sind leicht bewaffnete Splittergruppen, die einer entscheidenden Auseinandersetzung ausweichen, weil sie dieser kräftemäßig nicht gewachsen wären. Was den Staatenkrieg gekennzeichnet hat, fehlt den „neuen Kriegen“: die Entscheidungsschlacht.

Das Gewaltmonopol der neuen Kriege besitzt nicht länger der Staat, sondern es liegt in den Händen privater Kriegsunternehmer. Diese führen Ihren Krieg aus ideologischen und wirtschaftlichen Gründen. Militärische Gewalt wird zum Zweck der Selbsterhaltung ausgeübt.

Sie streben keine Beendigung des Konfliktes an, sondern lassen ihn endlos dauern. Das hat natürlich ökonomische Gründe. Solche Kriegsökonomien leben von Plünderungen, Sklavenarbeit und dem Handel unter der Anwendung von Gewalt. Die zivile Bevölkerung ist das Opfer dieser exzessiven gewalttätigen Einschüchterung. So verschwimmen die Grenzen zwischen Erwerbsleben und Gewaltanwendung. Der Krieg wird zur Lebensform: „War is buisness“ – und seine Akteure profitieren mehr vom Kriegszustand als vom Frieden. Aus diesem Grund sind Friedensprozesse in solchen Konflikten nur selten erfolgreich.

Für Stabilität und Frieden einer Region ist die Staatenbildung von essenzieller Bedeutung. Ein Staatsbildungsprozess findet internationale Unterstützung und Anerkennung. Warlords reklamieren die Attribute von Staatlichkeit für sich und Nutzen die wirtschaftlichen Unterstützungen sowie den ungehinderten Zugang zu internationalen Märkten, um Ihre Macht auszudehnen. Zur eigenen Machtsicherung greifen die Warlords auf Jugendliche, sogenannte Kindersoldaten, zurück. Jugendliche besitzen ein geringes Risikobewusstein und werden durch ihre relative Anspruchslosigkeit zu einem billigen und effektiven Instrument der Gewaltanwendung. Kindersoldaten treten in den Dienst Ihres Herrn, weil Elend, Arbeitslosigkeit und Erniedrigung Ihr Leben bestimmte. Erst durch den Besitz einer Waffe werden sie respektiert und gefürchtet. Daraus entwickeln sich Allmachtsphantasien, welche Ausdruck in Vergewaltigung und perversen Verstümmelungsaktionen finden.

Der Krieg wurde zunehmend privatisiert und kommerzialisiert. Neben Kindersoldaten greifen die Kriegspartein zunehmend auf Söldner zurück, die gegen Geld morden und zu einer weiteren Entgrenzung der Gewalt beitragen.

Die Herausbildung der „neuen Kriege“ hängt unmittelbar mit der Neuordnung der Welt nach dem Zerfall der Sowjetunion zusammen. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind die einzig verbliebene Hypermacht. Derzeit existiert eine asymemmetrische Weltkonstellation, durch die es keinem Staat dieser Erde möglich ist, die USA in einem klassisch-symmetrischem Krieg zu besiegen. Anders ist es, wenn man diese asymmetrische Konstellation mit Strategien der Asymmetrisierung bekämpft. Der Partisanenkrieg und Terrorismus bildet die Grundlage für die asymmetrische Strategie der „neuen Kriege“.

3 Kriegsführung, Staatsbildung und der Dreißigjährige Krieg

Die symmetrische Kriegsführung hängt eng mit der Verstaatlichung eines Territoriums zusammen. Wenn der Staat das Gewaltmonopol in seinen Händen hält, besitzt er die Möglichkeit, territoriale Grenzen zu ziehen. Diese gewährleisten eine Unterscheidung von Krieg- und Friedenszustand. Der Staat legt Freunde und Feinde fest. Es erfolgt eine klare Unterscheidung zwischen Soldat und Zivilist. Diese fanden Ihren Ausdruck in der Haager Landkriegsordnung (1907) und des Genfer Abkommens zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegszeiten (1949). Durch verschiedene Rechtsakte wurde der Krieg nach Regeln geführt und organisiert, was die Gefahr ziviler Massaker deutlich reduzierte. Mit der Finanzierung eines stehenden Heeres durch Steuerabgaben wurde der Militärapparat vom zivilen Leben getrennt. Wuchernde Kriegsökonomien, wie sie in den „neuen Kriegen“ anzureffen sind, wurden verhindert.

Die klaren Grenzen zwischen Militär und Zivil, Krieg und Frieden verwaschen sich in den „neuen Kriegen“. So besitzen diese Konflikte keinen erkennbaren Beginn (Kriegserklärung) und ebenso wenig kein definierbares Ende (Friedensschluss). Vielmehr schwelen sie vor sich hin und beginnen irgendwie und enden irgendwann.

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638180139
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11992
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Politik
Note
1 (volle Punktzahl)
Schlagworte
Kriege Herfried Münkler

Autor

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