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Schweden am Vorabend des Großen Nordischen Krieges

Hausarbeit 2003 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politische Entwicklungen in Schweden im 17. Jahrhundert
2.1. Wirtschaft und Ostseehandel
2.2. Reichsrat und Reichstag
2.3. Zentralverwaltung
2.4. Fazit

3. Auseinandersetzungen um die Stellung im Ostseeraum
3.1. Der Beginn der schwedischen Expansion im Baltikum
3.2. Der Erste Nordische Krieg
3.3. Fazit

4. Karl XII. von Schweden
4.1. Das Einteilungswerk
4.2. Die Reduktionspolitik
4.3. Die geheime anti-schwedische Koalitionsbildung
4.4. Fazit

5. Abschließende Beurteilung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Situation Schwedens am Vorabend des Großen Nordischen Krieges. Die Frage nach der Ausgangsposition des Landes und deren Zusammenhang mit dem Ergebnis dieses Krieges soll dadurch in Ansätzen beantwortet werden. Das Thema umfasst dabei den groben zeitlichen Rahmen des 17. Jahrhunderts. Da es sich hier um ein sehr breit gefasstes Spektrum an Ereignissen, Entwicklungen und Personen handelt, werde ich mich nur auf die für die Fragestellung relevanten Aspekte beschränken. Demnach beginne ich im zweiten Kapitel mit einer Skizzierung der politischen Entwicklungen im Schweden des 17. Jahrhunderts, wobei ich besonders auf die Wirtschaft und den Ostseehandel, den Reichsrat und Reichstag und die Zentralverwaltung eingehe.

Im dritten Kapitel werden die Auseinandersetzungen im Ostseeraum aus schwedischer Sicht behandelt. Dazu erläutere ich den Beginn der schwedischen Expansion im Baltikum und den Verlauf sowie das Ergebnis des Ersten Nordischen Krieges.

Anschließend beschäftigt sich das vierte Kapitel mit der Person König Karl XII. und dem Schwerpunkt seiner Politik, dem Einteilungswerk. Über die Darstellung der damit zusammenhängenden Reduktionspolitik Schwedens gelange ich schließlich zur Darstellung der geheimen anti-schwedischen Koalitionsbildung.

Das fünfte Kapitel bildet die abschließende Beurteilung, in der ich zu den vorher angeführten Punkten Stellung nehme.

Aufgrund des eher allgemeinen Charakters dieser Arbeit, habe ich jeweils ein ‚Fazit’ an das Ende jeden Kapitels gesetzt, um so eine größere Orientierung zu bieten und Zwischenergebnisse festhalten zu können.

Bei der Zusammenstellung der Literatur habe ich besonders auf Aktualität und Ausgewogenheit der Titel geachtet. Peter Ericsson liefert die umfangreichste und konkreteste Darstellung aus der Sicht Schwedens, so dass ich mich im vierten Kapitel überwiegend auf ihn beziehe. Zernacks Aufsatz in der Historischen Zeitschrift bot einen umfassenden Überblick über Schweden im 17. Jahrhundert, was durch die ‚Geschichte der skandinavischen Länder’ von Kan gut ergänzt werden konnte.

2. Politische Entwicklungen in Schweden im 17. Jahrhundert

Der Staat Schweden und seine politische Macht waren im 17. Jahrhundert abhängig von einem effizient funktionierenden Militärsystem[1]. Von der Regierungszeit Gustav II. Adolfs bis zu Karl XII. standen immer wieder Heeresreformen, die durch die jeweiligen Kriegssituationen erforderlich waren, im Mittelpunkt der schwedischen Innenpolitik. Zu den wichtigsten militärischen Veränderungen gehörte das erste Einteilungswerk (indelning) unter der Herrschaft Gustav Vasas von 1611 bis 1632. Darin waren mehrere Reformen zusammen gefasst, die den Rossdienst des Adels, die Bauernaushebung und die Werbung ausländischer Söldner und Landsknechte betrafen. Trotz dieser wohl durchdachten militärischen Organisation konnte die schwedische Armee zu dieser Zeit noch nicht als „stehendes Heer“ bezeichnet werden. Die Differenzen zwischen der bäuerlichen Landwehr, den angeworbenen Söldnertruppen und den Expeditionstruppen waren zu groß und ließen sich nur schwer zugunsten einer einheitlichen Armee überwinden[2]. Die vorhandenen unterschiedlichen Truppen hatten allerdings den Vorteil, dass sie äußerst flexibel einsetzbar waren.

Im Dreißigjährigen Krieg, in den Schweden unter Gustav Vasa 1625 eintrat, erzielte diese Heeresorganisation besondere Erfolge. Der Kriegseintritt sollte ein weiteres Vordringen der deutschen Truppen zur Nord- und Ostsee verhindern und damit dem Verlust der schwedischen Vormachtstellung im Ostseeraum zuvorkommen[3]. Als Schweden am Rhein und der oberen Donau 1631/32 siegte, wurde Gustav Vasa zum „mächtigsten Herrscher Europas“[4], dessen Militärreform Früchte getragen hatte.

Ab 1644 wurden die schwedischen Kriegsziele durch den Regentschaftsrat mit dem königlichen Kanzler Axel Oxenstierna an der Spitze eingeschränkt: Die Herrschaft im Ostseeraum sollte gesichert werden, während von weiteren Eroberungen in Deutschland Abstand genommen wurde. 1648 wurde Schwedens Großmachtstellung durch den Westfälischen Frieden am Ende des Dreißigjährigen Krieges offiziell: Schweden erhielt Vorpommern mit Stettin, Rügen, Usedom, Wollin, Wismar, Bremen und Verden. Die schwedischen Besitzungen reichten nun bis unmittelbar an die Südgrenze Schleswig-Holsteins[5].

2.1. Wirtschaft und Ostseehandel

Zu den wichtigsten schwedischen Exportgütern zählten Eisen, Kupfer und Teer. Sie machten 80 bis 90 % des schwedischen Exports im 17. Jahrhundert aus[6]. Um eine positive Handelsbilanz erzielen zu können, wurden diese Rohstoffe auf den für Schweden so günstig gelegenen Wasserwegen verschifft. In den Ostseehäfen unter schwedischer Herrschaft wurden indes hohe Zölle auf die importierten Waren aus den Nachbarländern erhoben. Dies galt als sichere Einnahmequelle für Schweden, stellte für die betroffenen Staaten jedoch erhebliche Nachteile dar:

„Die schwedische Zollbarriere wurde so [...] zu einer wirklichen Handelsbarriere, von der trotz der zeitweise steigenden Frequentierung der schwedischen Ostseehäfen gesprochen werden muss.“ (ZERNACK, Nordosteuropa, S. 134)

Dementsprechend wuchs die Missgunst der benachbarten Länder gegenüber Schweden. Besonders Russland litt unter der so verfolgten schwedischen Repressionspolitik. Die nördliche Handelsroute über den russischen Hafen Archangelsk versuchte die schwedische Regierung immer wieder zu behindern oder sogar zu zerstören, um einer verminderten Frequentierung ihrer eigenen Handelsplätze entgegen zu wirken[7].

Im Zuge des Fortschritts im Bergbau, der in Schweden gegen Ende des 16. Jahrhunderts zu beobachten war, konnte das Land seine Waffenherstellung vorantreiben und optimieren. Außerdem profitierte Schweden von den Einwanderungsbewegungen, die wiederum neues Kapital ins Land brachte. Auch der beschleunigte Anstieg der Bevölkerungszahl zwischen 1620 und 1720 von 900 000 auf fast 1,5 Millionen Einwohner ist ein Indikator für den wirtschaftlichen Aufschwung, den das Land in dieser Zeit erlebte[8].

2.2. Reichsrat und Reichstag

Die politische Verwaltung Schwedens gliederte sich in Reichsrat und Reichstag. Die vier Kurien, die den Reichstag bildeten, setzten sich aus Bürgern, Bauern, Adligen und Geistlichen zusammen. Den Mitgliedern des Reichstages wurde ein Mitspracherecht für Entscheidungen in Politik- und Glaubensfragen gewährt, wobei die genaue Festlegung ihrer Arbeitsweise im Jahre 1617 erfolgte. Die Mitglieder des Reichsrates dagegen gehörten dem Hochadel an. Der Reichsrat blieb – wie in Dänemark auch - das Hauptorgan zur Ausübung politischer Macht[9].

[...]


[1] ZERNACK, Klaus: Nordosteuropa. Skizzen und Beiträge zu einer Geschichte der Ostseeländer, Lüneburg 1993, S. 229.

[2] Ebd., S. 233.

[3] KAN, A. S.: Geschichte der skandinavischen Länder (Dänemark, Norwegen, Schweden), Berlin 1978, S. 65/66.

[4] Ebd., S. 66.

[5] Ebd., S. 67.

[6] KAN, S. 67.

[7] KIRBY, David: Northern Europe in the Early Modern Period. The Baltic World 1492-1772, S. 240.

[8] KAN, S. 67.

[9] PLOETZ, S. 1045; KAN, S. 72.

Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640233908
ISBN (Buch)
9783640233991
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v119814
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Geschichtswissenschaften
Schlagworte
Schweden Vorabend Großen Nordischen Krieges Kriege Moskauer Reiches

Autor

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