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Am Rande der Wahrnehmung - Sexueller Missbrauch

Die Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen

Seminararbeit 2008 25 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition von Sexuellem Missbrauch
2.1 Wie kommt es zu sexueller Gewalt?
2.2 Strafbarkeit vor dem Gesetz

3 Die Folgen des sexuellen Missbrauchs

4 Bildungsarbeit mit Jugendlichen
4.1 Aufklärung
4.2 Über Gefühle reden und Nein sagen lernen
4.3 Spielerisch verstehen – Spielerisch entdecken
4.4 Wie kann man sich schützen?

5 Es ist passiert
5.1 Wie soll man damit umgehen, sexuell missbraucht worden zu sein?
5.1.1 Hilfen – Interventionsmaßnahmen
5.2 Wie geht man damit um, wenn man zum Verbündeten „erwählt“ wurde?
5.2.1 Verhaltensregeln

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Es ist statistisch erwiesen, dass jede dritte bis vierte Frau in ihrer Kindheit oder später sexuell missbraucht wurde. Dabei ist allerdings auch zu erwähnen, dass es viele Überlebende der Kriegs- und Nachkriegszeit gibt und zu dieser Zeit sexuelle Gewalt sehr häufig vorkam. Bei Männer und Jungen gibt es noch keine greifbaren Zahlen. Das liegt daran, dass die Dunkelziffer nicht zu schätzen ist. Es besteht eine hohe Hemmschwelle beim männlichen Geschlecht, über solche Vorkommnisse zu sprechen. Momentan wird geschätzt, dass jeder 7. Junge zum Opfer wurde. Vermutlich wird aber die tatsächliche Zahl nicht viel geringer sein als bei Mädchen.

Kinder, Jugendliche, Männer und Frauen müssen für dieses Thema - welches nur am Rande der Wahrnehmung abläuft - sensibilisiert werden, deshalb habe ich es zum Gegenstand dieser Seminararbeit gemacht. Was ist sexueller Missbrauch? Wie sehen die Möglichkeiten und Effekte der Aufklärung zu sexuellem Missbrauch aus? Da Sexueller Missbrauch häufig im nahen sozialen Umfeld, durch Tanten, Nachbarn, Brüder, Lehrer usw. geschieht, liegt mir sehr viel daran, dieses Thema anzugehen.

Zuerst möchte ich sexuellen Missbrauch definieren, damit klar ist, mit welchem Gegenstand sich diese Arbeit beschäftigt. Danach möchte ich kurz auf die Folgen eingehen, um ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie schrecklich eine solche Erfahrung sein kann. Dies alles soll als Einführung für das eigentliche Thema dienen: Wie kann man mit Jugendlichen zu diesem Thema arbeiten? Es werden Wege gezeigt, was zu diesem Thema in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen getan werden kann. Danach folgen kurzgefasst einige Ratschläge und Interventionsmaßnahmen um einen Anhaltspunkt zu geben wie reagiert werden sollte, falls es bereits zur sexuellen Gewalt kam oder diese noch besteht.

2 Definition von Sexuellem Missbrauch

Sexueller Missbrauch zeichnet sich durch einen großen Altersunterschied, dadurch das Macht demonstriert wird und durch eine bewusste Grenzverletzung gegenüber dem Kind bzw. dem Jugendlichen aus.

Sexuelle Gewalt ist geplant, gut vorbereitet und dem Täter im vollen Bewusstsein. Der Täter erfindet Ausreden, die sein Handeln legitimieren sollen. Ein weiteres Kennzeichen ist, dass die Forderungen und Handlungen gegen den Willen des Kindes geschehen. Die Kinder werden zur Geheimhaltung genötigt, etwa durch das Einreden von Schuldgefühlen oder der Androhung von Gewalt.

Handlungen sexueller Gewalt sind

® bei leichtem Missbrauch

- Voyeurismus, wenn ein Kind heimlich beobachtet wird
- wenn sich das Kind vor dem Täter ausziehen muss oder sich derjenige auszieht und von dem Kind erwartet, dass dieses ihn nackt anschaut
- obszöner Wortschatz gegenüber dem Kind oder Jugendlichen
- gemeinsames Porno schauen
® bei weniger intensivem Missbrauch
- sexualisierte Küsse
- wenn Mädchen oder Jungen an den Genitalien berührt werden, meist erst zufällig, irgendwann dann ganz offensichtlich
- wenn der Täter vor dem Kind mastrubiert

® bei intensivem Missbrauch

- Nötigung zum Berühren oder Vorzeigen von Geschlechtsteilen
- vor dem Täter mastrubieren müssen oder der Täter mastrubiert vor dem Kind

® sehr intensiver Missbrauch

- Nötigung zum Geschlechtsverkeh Zwang zu Fellatio oder Cunnilingus (oral), Vergewaltigung (vaginal, anal)
- Zwang zur Prostitution
- Kinder für pornographische Zwecke nutzen, z.B. Pornofilm drehen, obszöne Photos

Eine sexuelle Gewalttat kann einmal passieren oder kann sich regelmäßig wiederholen. Wenn das zweite der Fall ist, wird sich die Intensität der Übergriffe von Zeit zu Zeit steigern. Es muss dabei keine körperliche Gewalt zugefügt werden.

Der Täter kann jedermann sein, es lässt sich kein Täterbild festmachen. Viele Übergriffe finden im näheren sozialen Umfeld statt, weniger oft passiert es durch einen Fremden.

Es muss nicht notwendigerweise ein großer Alterunterschied bestehen, z.B. kann ein Jugendlicher von einen etwas älteren oder stärkeren Jugendlichen genötigt werden, sexualisierte oder sexuelle Handlungen zu vollziehen.

2.1 Wie kommt es zu sexueller Gewalt?

Die Motive der Täter sind völlig unterschiedlich.

Die verbreitetste Theorie befasst sich damit, dass der Täter eine (abnorme) Begierde hat, welche er unter anderem mit der Macht die er verspürt, wenn er sein Opfer „benutzt“, stillt. “...Denn dem Täter geht es in erster Linie nicht um sexuelle Befriedigung. Es geht um den Missbrauch von Macht durch die sexuelle Gewalt. Die Sexualität wird als Mittel, sozusagen als „Waffe“ benutzt, um Macht auszuüben. Sexueller Missbrauch ist nicht eine gewalttätige Form von Sexualität, sondern eine sexuelle Form von Gewalttätigkeit.“[1] Dabei „...geht es um die Instrumentalisierung des Kindes zur Befriedigung von Bedürfnissen des Täters.“[2] Auch die Demütigung die vom Opfer empfunden wird, ist ein erwünschtes Ziel des Täters, es vermittelt dem Täter das Gefühl von Stärke.

Eine andere Hypothese geht davon aus, dass die Täter sexuellen Missbrauch aufgrund eigener negativer Erlebnisse ausüben, welche ihre sexuelle Gewaltbereitschaft fördern. Zu diesen Vorbelastungen gehört unter anderem, dass sie selbst als Kind missbraucht wurden, Vernachlässigung in der Kindheit erfahren haben, das schwierige familiäre Verhältnisse vorherrschen usw.

Sexuelle Gewalt wird auch als Ausdruck von Neid erwogen. Dies bedeutet der Täter zerstört und entwertet das Leben des Kindes aus Missgunst an dessen Lebhaftigkeit.

Ein weiteres Phänomen: Bei Eltern kann es passieren, das die körperlichen Grenzen verschwimmen. In ihrem Bewusstsein besteht das Gefühl: Das Kind ist mein Fleisch und Blut. Es gehört mir.

Das eine sexuelle Gewalttat nicht affektiv geschieht, konnten Oerter und Montada, mit Bezug auf Untersuchungen diverser Autoren, feststellen. Sie zeigen auf, dass „... vor allem Kinder missbrauchbrauchsgefährdet [sind], deren Familien – offenbar schichtunabhängig – vielfältige Belastungsmerkmale (Alkohol- und Drogenmissbrauch, Gewalt, psychische Vernachlässigung und/oder übertriebene Strenge) aufweisen. ... [Da] liegt der Gedanke nahe, das potentielle Täter derartige Konstellationen gezielt ausnutzen und sich mit raffinierten Strategien in das Vertrauen von Kindern einschleichen, die in der Familie zu wenig Schutz und Fürsorge erfahren.“[3]

„Die Täter sorgen sehr zielgerichtet dafür, dass Mütter oder Väter keine Ahnung davon haben, was sich vor ihnen abspielt.“[4] Der Täter versucht sein Opfer in ein Netz von Abhängigkeiten und Schuldgefühlen zu verwickeln. Kinder sind naiv und unschuldig, sie wissen nicht immer was unrecht ist.

Für den Verdacht auf sexuellen Missbrauch gibt es keine eindeutigen Anzeichen. Aber es bestehen Indikatoren-Kataloge welche Anhaltspunkte geben können. Falls eine Veränderung im Verhalten eines Kindes oder Jugendlichen feststellbar ist, sollte man dem auf jeden Fall nachgehen. Wichtig ist ein offenes Bewusstsein dafür, dass es für den auffallenden Wandel aber auch ganz andere Auslöser und Gründe geben kann.

Für sexuelle Gewalt gibt es keine Entschuldigung!

2.2 Strafbarkeit vor dem Gesetz

Die folgende Sammlung soll auf einen Blick die anwendbaren Gesetze zu sexuellem Missbrauch aufzeigen.

Es gibt eine große Bandbreite an Rechten die Kindern und Jugendlichen zugesprochen werden.

Durch das BGB und das StGB können zivilrechtliche Schutzmaßnahmen eingefordert werden.

Mögliche Folgen für den Täter können eine Freiheitsstrafe, Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche sowie der Entzug des Ungangsrechts sein.

Rechte von Kindern und Jugendlichen

- Artikel 1 GG „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
- Artikel 2 (2) GG „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“
- Artikel 19 der UNO Konvention der Kinderrechte
Gewalt gegen Kinder wird definiert „als physische oder psychische Gewalt, Verletzung oder Missbrauch, ... Ausbeutung (inklusive sexueller Ausbeutung) und sexueller Missbrauch“
- Artikel 19 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes „Schutz vor Gewaltanwendung, Misshandlung, Verwahrlosung“
- Artikel 34 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes „Schutz vor sexuellem Missbrauch“
- Artikel 2 (1) GG „Jeder hat das Recht auf freie Persönlichkeit, soweit es nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen ... das Sittengesetz verstößt.“
- Artikel 5 GG „(1) Jeder hat das Recht seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern... (2) Dieses Recht findet seine Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zur Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“
- Artikel 13 der Verfassung des Landes Baden-Württemberg „Die Jugend ist gegen Ausbeutung und gegen sittliche, geistige und körperliche Gefährdung zu schützen.“

[...]


[1] Gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen 1993: 13

[2] Handeln statt Schweigen 2006: 10

[3] Oerter, Montada, 1995: 1010

[4] Handeln statt Schweigen 2006: 32

Details

Seiten
25
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640232369
ISBN (Buch)
9783640232574
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v119766
Institution / Hochschule
Hochschule Ravensburg-Weingarten
Note
1,7
Schlagworte
Wahrnehmung Missbrauch Bildungsarbeit Jugendliche Sexueller Missbrauch Soziale Arbeit Eltern Familie Familienarbeit Sozialpädagogik Sexualität Sozialarbeit

Autor

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Titel: Am Rande der Wahrnehmung - Sexueller Missbrauch