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Eine Analyse zur Wortbildung innerhalb der Sportberichterstattung

Neologismen und ihre Funktionen in der Berichterstattung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in den Boulevardzeitungen TZ und BILD

Magisterarbeit 2008 104 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I Begriffsbestimmungen
1. Der Begriff Neologismus
1.1 Der zeitliche Aspekt bei Neologismen
1.2 Neubedeutung als Neologismus
1.3 Neologismus versus Okkasionalismus
1.4 Möglichkeiten der Bildung von Neologismen
1.5 Zusammenfassung
2. Besonderheiten der Pressesprache
2.1 Textkonstitution von Zeitungstexten
2.2 Intentionalität von Zeitungstexten
3. Sportsprache als Sondersprache
3.1 Differenzierung der Fußballsprache
3.2 Besonderheiten der Sprache der Sportberichterstattung
4. Wortbildung in Pressetexten

II Untersuchung und Analyse
1. Untersuchungsprofil: Vorgehensweise, Probleme und Schwierigkeiten
2. Komposition
2.1 Besonderheiten bei der Bildung der Komposita
2.2 Funktionen der Komposita im Text
2.2.1 Funktionen der Komposita mit einem Buchstabenwort als Erstglied
2.2.2 Funktionen der Komposita mit einem Eigennamen als Bestandteil
2.2.3 Funktionen der Komposita mit metaphorisch gebrauchtem Bestandteil
2.2.4 Funktionen der Komposita, die eine Alliteration der Bestandteile aufweisen
2.2.5 Funktionen der Kopulativkomposita
2.2.6 Funktionen der Sonderkomposita
2.2.7 Funktionen der Verben
3. Derivation
3.1 Besonderheiten bei der Bildung der Derivate
3.2 Funktionen der Derivate im Text
3.2.1 Funktionen der Präfigierungen
3.2.2 Funktionen der Suffigierungen
4. Die Zusammenbildungen und ihre Funktionen im Text
5. Konversion
5.1 Besonderheiten bei der Bildung der Konversionen
5.2 Funktionen der Konversionen im Text
6. Affixoidbildung
6.1 Besonderheiten der Affixoidbildungen
6.2 Funktionen der Affixoidbildungen im Text
6.2.1 Funktionen der Präfixoidbildungen
6.2.2 Funktionen der Suffixoidbildungen
7. Kurzwortbildung
7.1 Besonderheiten bei der Bildung der Kurzwörter
7.2 Funktionen der Kurzwörter im Text
8. Die Zusammenrückungen und ihre Funktionen im Text
9. Kontamination
9.1 Besonderheiten bei der Bildung der Kontaminationen
9.2 Funktionen der Kontaminationen im Text
9.2.1 Funktionen der Kontaminationen in Überschriften
9.2.2 Funktionen der Kontaminationen mit einem Personennamen
9.2.3 Funktionen weiterer Kontaminationen
10. Die Kunstwörter und ihre Funktionen im Text
11. Bedeutungsveränderung
11.1 Erläuterungen zu den veränderten Bedeutungen
11.2 Funktionen der Bedeutungsveränderungen im Text
11.2.1 Funktionen der Bedeutungsveränderungen: Substantive und Adjektiv
11.2.2 Funktionen der Bedeutungsveränderungen: Verben
12. Zusammenfassung der Ergebnisse und abschließende Bewertung Schluss

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der untersuchten Neologismen

Verzeichnis der untersuchten Zeitungsartikel

Einleitung

„Sport ist die wichtigste Nebensache der Welt“, lautet ein geflügeltes Wort. Dass Sport nicht nur wichtigste Nebensache, sondern auch Hauptsache sein kann, hat sich in Deutschland während der Fußballweltmeisterschaft 2006 gezeigt. Dieses sportliche Ereignis gehörte zu den gesellschaftlich wichtigsten dieses Jahres. Dabei war es nicht nur auf die Fußballfans und die sportlichen Akteure beschränkt, sondern zog sich bis in die Bereiche Politik und Wirtschaft. In ganz Deutschland wurde diskutiert und kommentiert und zwar nicht allein über die Spiele und die deutsche Mannschaft, sondern auch über die Wirkung dieses Ereignisses auf die Stimmung in Deutschland und die Bedeutung dessen für den Wirtschaftsaufschwung. Von einem neuen Wir-Gefühl war die Rede, von Deutschen, die wieder Pathos zeigen und stolz sind auf ihr Land. Einen wichtigen Einfluss auf die öffentliche Diskussion der Fußballweltmeisterschaft 2006 und die positive Stimmung und Euphorie, die sich in ganz Deutschland ausbreitete, hatten die Medien. Gerade auch Zeitungen nahmen Teil an der öffentlichen Diskussion und unterstützten diese. In den Sportteilen der Zeitungen war fast ausschließlich über dieses Fußballereignis zu lesen.

Diese Arbeit befasst sich mit der sprachlichen Analyse zweier dieser Sportteile. Der zentrale Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sind Neologismen, die im Zuge der Sportberichterstattung zur Fußball-WM 2006 in den Boulevardzeitungen BILD und TZ gebildet wurden. Die BILD-Zeitung ist die auflagenstärkste Tageszeitung Deutschlands. Sie erreicht über 11 Millionen Menschen in ganz Deutschland. Die TZ dagegen ist eine Münchner Boulevardzeitung, die von über 300.]000 Menschen täglich gelesen wird. In der hier vorliegenden Analyse der Sportteile geht es auf der einen Seite um die Frage nach den Wortbildungsmöglichkeiten im Deutschen. Einerseits stellt sich hierbei die Frage nach der Häufigkeit der jeweiligen Wortbildungsart in den untersuchten Texten, andererseits sollen die Besonderheiten, die bezüglich der unterschiedlichen Bildungen auffallen, herausgestellt werden.

Darüber hinaus wird versucht, die Gründe der auftauchenden Phänomene zu analysieren. Allerdings soll es hier nicht um eine reine Wortschatzuntersuchung gehen, da Wörter in Kommunikationsprozessen immer auch unterschiedlichste Funktionen übernehmen (vgl. Jesensek 1998: 12). Daher stellt sich in dieser Arbeit zugleich die Frage nach den Funktionen, die die untersuchten Neologismen in der Berichterstattung zur Fußballweltmeisterschaft übernehmen. Es soll schließlich der Zusammenhang zwischen Wortneubildung und Textintention aufgezeigt werden. Inwieweit stützen die hier untersuchten Neologismen die Textabsichten und welche Wirkungen werden dadurch beim Leser erzielt. Im Schluß soll zumindest ansatzweise versucht werden, festzustellen, inwieweit die Berichterstattung auf die Stimmung in Deutschland Einfluss genommen hat.

Im ersten Teil dieser Arbeit werden einige Begrifflichkeiten und Besonderheiten, die sich aus dem Untersuchungsgegenstand ergeben, erläutert und definiert. Dieser Teil beschäftigt sich mit dem Begriff Neologismus, mit den Besonderheiten der Presse- bzw. Sportsprache sowie mit der Literaturlage zu Wortbildung in Pressetexten. Der zweite Teil der Arbeit wendet sich der Analyse der untersuchten Neologismen zu. Dieser Teil gliedert sich nach den verschiedenen Wortbildungsarten und ihren Funktionen im Text. Abschließend werden die Ergebnisse dieser Untersuchung zusammenfassend dargestellt und bewertet.

I Begriffsbestimmungen

1. Der Begriff Neologismus

Die Definitionen des Begriffs Neologismus sind in der Fachliteratur sehr verschieden. Da Neologismen der Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sind, kann es nicht ausbleiben, einige Fragen hinsichtlich der Bestimmung von Neologismen zu klären, um dadurch eine grundlegende Bestimmung des Begriffs zu erreichen.

1.1 Der zeitliche Aspekt bei Neologismen

Ein wesentliches Problem bei der Bestimmung von Neologismen liegt im zeitlichen Aspekt. Ab wann lässt sich bei einem Wort von einem Neologismus sprechen und ab wann ist diese Bezeichnung nicht mehr möglich? Was macht ein Wort zu einem neuen Wort? Diese Fragen nach dem Zeitpunkt der Neuheit eines Wortes sind sehr schwierig zu klären. Trotzdem müssen für diese Arbeit, die sich mit Wortneubildungen beschäftigt, Kriterien zugrunde gelegt werden, nach denen ein Wort als neues Wort zu klassifizieren ist. Teubert (1998: 132) definiert Neologismen als „bisher in Texten oder Wörterbüchern nicht belegte lexikalische Ausdrücke“. Ebenso sieht Barz (1998: 16) „fehlende Lexikalisiertheit“ als ein bedeutendes Kriterium für Neologismen. Barz (1998: 17) weist aber auch darauf hin, dass die Lexikalisiertheit eines Wortes schwierig festzustellen ist.1 Eindeutig ist aber, dass ein Wort sobald es im Lexikon verzeichnet ist, nicht mehr als Neologismus gelten kann (vgl. Kinne 1996: 342).

Daher gilt für diese Untersuchung: Ein Wort ist dann neu, wenn es nicht in den verwendeten Wörterbüchern verzeichnet ist. Für diese Untersuchung wurden die zwei Standardwörterbücher Duden (62006) und Wahrig (82006) sowie das Wörterbuch der Fußballsprache (Burkhardt 2006) verwendet. Da es sich bei der Fußballsprache um eine Sondersprache handelt, wurden außerdem bei einigen Zweifelsfällen drei Personen, die mit dem Fußball und seiner Sprache vertraut sind, bezügliche der Neuheit bestimmter Wörter befragt.2

Die genaue Vorgehensweise sowie Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, werden bei der Vorstellung des Untersuchungsprofils (Punkt II 1.) noch genauer erläutert.

1.2 Neubedeutung als Neologismus

Nach der vorläufigen Festlegung, die beim zeitlichen Aspekt von Neologismen getroffen wurde, würde eine neue Bedeutung eines Wortes bzw. ein Bedeutungswandel nicht unter den Begriff Neologismus fallen, da das Wort an sich bereits im Lexikon verzeichnet ist. Über die Frage, ob bzw. ab wann eine Neubedeutung als Neologismus gewertet werden kann, herrscht in der Literatur Uneinigkeit.

In dieser Arbeit wird ein Wort, dessen Bedeutung sich verändert hat, als Neologismus gewertet. „Auch bereits in Wörterbüchern und Texten belegte lexikalische Ausdrücke können Neologismen sein, wenn neben vorhandenen Bedeutungen eine neue Bedeutung tritt oder ein bisher monosemes Wort neuerdings polysem zu einem Homonym wird.“ (Teubert 1998: 135) Dies ist vor allem für diese Untersuchung interessant, wenn man auch einen neuen metaphorischen Gebrauch eines Wortes unter dem Aspekt der neuen Bedeutung berücksichtigt. Gerade bei der Fußballsprache und insbesondere der Sprache der Sportberichterstattung kommt der Metapher ein hoher Stellenwert zu (vgl. Dankert 1969). In dieser Untersuchung wird somit ein bereits im Lexikon verzeichnetes Wort mit einer Bedeutung, die noch nicht im Lexikon verzeichnet ist und auch von den von mir befragten Sprechern als neu beurteilt wurde, als Neologismus gewertet.

1.3 Neologismus versus Okkasionalismus

Häufig wird in der Literatur zwischen den Begriffen Neologismus und Okkasionalismus unterschieden. Als Okkasionalismen werden Wörter bezeichnet, die kurzweilig sind und aus einem spontanen Bedarf heraus gebildet werden.3 Diese Wörter gehen nicht ins Lexikon ein, da sie keinen dauerhaften Bestand in der Sprache haben. Nach Kinne (1996: 347) fehlen Okkasionalismen Kriterien, wie „Usualisierung, Akzeptierung, Lexikalisierung und somit Integration“ in die Allgemeinsprache. Diese Kriterien sind für einen engen Neologismusbegriff bestimmend. Aus Sicht eines Lexikographen, der über den Eintrag eines Wortes ins Lexikon entscheiden muss, ist diese Unterscheidung durchaus relevant.

Für die hier vorliegende Untersuchung allerdings greift diese Definition von Neologismen im engeren Sinne nicht. Ob ein Wort nur situativ und einmalig gebildet wird oder ob ein neu gebildetes Wort länger Bestand hat und als neues Lexem Aufnahme ins Wörterbuch erfährt, kann nur rückblickend geklärt werden. Folglich kann diese Unterscheidung erst zum Tragen kommen, wenn ein Wort nicht mehr neu ist (vgl. Teubert 1998: 134). „Jeder Neologismus ist in seiner Ur- bzw. Entstehungsphase zunächst ein Okkasionalismus“ (Kinne 1996: 346). Daher muss die Unterscheidung zwischen einem okkasionellem und einem usuellen Gebrauch von neuen Wörtern in dieser Studie unberücksichtigt bleiben.4 Dies erscheint auch sinnvoll, da gerade Okkasionalismen in Texten – und dies gilt besonders für Pressetexte der Boulevardpresse – relevante und stilistische Funktionen übernehmen (vgl. Elsen 2004: 21). In dieser Untersuchung sollen unter anderem diese Funktionen der Neologismen in den untersuchten Texten herausgestellt werden.

Gerade in der Sprache der Fußballberichterstattung bleiben wohl die meisten Wörter Einmalbildungen. Allerdings etablieren sich häufig innerhalb der Fußballsprache Neubildungen, die ein bestimmtes herausragendes Fußballereignis bzw. einen besonderen Fußballspieler bezeichnen. So ist zum Beispiel der Phraseologismus Das Wunder von Bern als Bezeichnung für das Finale bei der Weltmeisterschaft 1954 nicht erst seit dem gleichnamigen Kinofilm jedem ein Begriff. Und auch Bomber (der Nation) ist noch immer ein bekannter Spitzname für den mittlerweile nicht mehr aktiven Fußballspieler Gerd Müller.5

1.4 Möglichkeiten der Bildung von Neologismen

Für die Bildung von Neologismen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen die eher selten auftretende Neuschöpfung von Wörtern, die bereits erwähnte Neubedeutung eines Wortes, die Neuentlehnung eines Fremdwortes sowie die Neuwortbildung. Allerdings wurde in dieser Untersuchung keine Neuentlehnung gefunden. Diese Möglichkeit bleibt daher bei der hier geltenden Definition von Neologismen unberücksichtigt. Bereits in die deutsche Sprache übernommene Wörter, die durch Wortbildung verändert werden, sind als neues Wort beim jeweiligen Wortbildungstyp verzeichnet (Chef-Scout = Komposition). Die deutsche Fußballsprache, wie Burkhardt (2006: 7) betont, steht nur unter einem sehr geringen Einfluss des Englischen. Daher ist der Anteil der Entlehnung insgesamt sehr gering.

Am häufigsten werden Neologismen durch die im Deutschen zur Verfügung stehenden Wortbildungsarten gebildet. Die verschiedenen Wortbildungsarten werden im zweiten Teil der Untersuchung noch genauer definiert. Die für das Deutsche häufigsten Wortbildungsarten sind die Komposition und die Derivation. Dabei gehören für Teubert (1998: 135) Derivate und Komposita nicht zu den Neologismen, wenn ihre Bedeutung regelhaft ist. Diese Abgrenzung kann von Interesse sein, wenn es um die Aufnahme eines Wortes ins Lexikon geht. In der vorliegenden Untersuchung allerdings liegt der Schwerpunkt auf der Bildungsweise und den Funktionen der Neologismen. Daher werden hier auch Ableitungen und Zusammensetzungen mit regelhafter Bedeutung zu den Neologismen gezählt, wenn alle anderen Kriterien greifen.

Phraseologismen und Wortgruppenlexeme werden nicht berücksichtigt, da sich nach Abschluss der Untersuchung hier keine relevanten Ergebnisse ergaben. Die gefundenen Phraseologismen wurden meistens von den Sprechern der Sportsprache als nicht neu eingestuft (Raum zumachen, unter Beschuss nehmen) Bei den Wortgruppenlexemen ergaben sich keine Auffälligkeiten, da die Sprache der Sportberichterstattung anders als die Sportsprache, in der es um die Festhaltung von Regeln geht, wenige Fachtermini und vor allem wenige neue Fachtermini aufweist.

1.5 Zusammenfassung

Als Neologismus werden in dieser Untersuchung Neuschöpfungen und Neuwortbildungen gezählt, die entweder eine neue Form oder eine neue Bedeutung oder beides gleichzeitig aufweisen. Für diese Untersuchung bedeutet das, dass diese Wörter noch nicht in den verwendeten Wörterbüchern aufgenommen sind und außerdem von den befragten Sprechern der Fußballsprache als neu eingestuft wurden.6 Orthographische Abweichungen bleiben unberücksichtigt, unterschiedliche Schreibweisen werden als Varianten eines Lexems betrachtet.

2. Besonderheiten der Pressesprache

In dieser Untersuchung werden Neologismen betrachtet, die innerhalb der Berichterstattung der beiden Boulevardzeitungen BILD und TZ gebildet wurden. Daher ist es unerlässlich, vorerst einige Besonderheiten der Pressesprache zu erläutern, um damit auch die Besonderheiten des Korpus genauer einzugrenzen. Als Grundlage wurde hier vor allem das Standardwerk von Lüger (21995) zur Pressesprache verwendet. Dabei gehe ich hier aufgrund des zugrunde liegenden Korpus nur auf die Besonderheiten der Zeitungssprache ein.7

2.1 Textkonstitution von Zeitungstexten

Zunächst soll aufgezeigt werden, welche besonderen Faktoren für die Konstitution von Zeitungstexten und damit auch für Texte der Sportberichterstattung in den Printmedien gelten. Betrachtet man die Kommunikationssituation, so lassen sich laut Lüger (21995: 46) vier typische Merkmale herausarbeiten. Zum einen sind Zeitungstexte öffentlich. Das heißt, die Anzahl der Kommunikationsteilnehmer – sieht man von sprachlichen Schwierigkeiten oder politisch bedingten Einschränkungen ab – ist im Grunde unbegrenzt.

Des Weiteren geschieht die Kommunikation über ein Medium, die Zeitung (vgl. Lüger 21995: 46). Die periodisch erscheinende Zeitung stellt somit die Vermittlungsinstanz zwischen Journalisten auf der einen Seite und den Lesern auf der anderen Seite dar. Die in dieser Studie untersuchten Zeitungen BILD und TZ erscheinen täglich außer sonntags8. Aufgrund dieses regelmäßigen und periodischen Erscheinens werden beim Leser bereits bestimmte Kenntnisse vorausgesetzt, die dieser durch vorangegangene Artikel zur selben Thematik bereits erlangt haben sollte (vgl. Lüger 21995: 47). Dies ist durchaus relevant für die Textkonstitution von Zeitungstexten und gilt auch für die Sportberichterstattung. In der Fußballberichterstattung werden vor allem häufig Spitznamen für bestimmte Fußballspieler kreiert, die dann in den darauffolgenden Zeitungstexten ohne zusätzliche Bemerkung verwendet werden (Prinz Peng für Lukas Podolski; vgl. BILD 28. Juni 06, S. 39).

Ein weiteres Charakteristikum der Zeitungssprache ist Indirektheit. Lüger (21995: 46) hebt hier die räumliche Entfernung von Journalisten und Lesern hervor, wodurch „keine gemeinsame Kommunikationssituation von Sender und Empfänger“ vorliegt.

Dies bedingt das vierte Merkmal, das Lüger (21995: 46) als Einseitigkeit der Kommunikation bezeichnet. Da die Kommunikation nur in eine Richtung erfolgt, kann der Leser nicht direkt auf das Gesagte bzw. Geschriebene reagieren. Zeitungstexte wollen nicht selten Wertung vermitteln, sie wirken oft meinungsbildend und manipulativ. Dies wird sich auch in dieser Untersuchung für viele hierfür herangezogene Texte herausstellen. Daher ist der Aspekt der Einseitigkeit der Kommunikation für diese Arbeit von Bedeutung. Bestimmte Sachverhalte werden in Zeitungstexten oftmals als Tatsachen dargestellt, obwohl sie durchaus aus mehreren Blickwinkeln betrachtet werden können. Dabei spielt für die Darstellung auch die Sprachwahl des Journalisten eine große Rolle, wie diese Untersuchung im zweiten Teil noch genauer zeigen wird. Der Leser kann zur Darstellung in Zeitungstexten keine Fragen stellen. Er hat nur die Möglichkeiten das Gesagte als wahr hinzunehmen oder die Darstellungen eines Zeitungstextes zu verneinen. Als Reaktion bleibt allein die Möglichkeit, einen Leserbrief zu schreiben, deren Veröffentlichung aber ebenso in der Hand des jeweiligen Zeitungsverlages liegt.

2.2 Intentionalität von Zeitungstexten

Ein weiterer Aspekt, der die Gestaltung eines Zeitungstextes beeinflusst, ist die Intentionalität. Hiermit ist die Zielsetzung bzw. die Absicht, die ein bestimmter Text verfolgt, bezeichnet. Aus dieser Zielgerichtetheit eines Textes ergeben sich bestimmte sprachliche Mittel, die vom Schreibenden je nach beabsichtigter Textintention angewandt werden. Nach Lüger (21995: 51) zeigt sich die Intention eines Textes sowohl durch die inhaltliche Gliederung als auch durch die Verwendung bestimmter lexikalischer und syntaktischer Mittel. Hierzu zählt unter anderem die Verwendung von Neologismen.

Aus dieser Theorie der Intentionalität von Zeitungstexten leitet Lüger (21995: 66ff) fünf verschiedene Typen der Textintention (Textklassen) ab, die er in einem weiteren Schritt nach Textsorten differenziert (Lüger 21995: 77ff). In dieser Untersuchung ist vor allem interessant, ob die Intention eines Textes insbesondere durch die verwendeten Neologismen unterstützt wird. Daher geht es hier nicht um eine problemorientierte Darstellung der Einteilung von Textsorten und Textklassen. Von Interesse ist vielmehr die allgemeine Funktion eines Textes, dessen Wirkung auf den Leser und die sprachlichen Mittel, die zur Erreichung dieser Ziele eingesetzt werden. Dabei ist die Einteilung, die Lüger vornimmt, ein geeigneter Ausgangspunkt. Er selbst betont aber, dass diese Einteilung sicherlich idealisiert ist und gerade in der Boulevardpresse oft verschiedene Textfunktionen vermischt werden (Lüger 21995: 75/76). Dabei will diese Arbeit auch nicht den Textbegriff problematisieren, obwohl es von Bedeutung ist, an welcher Stelle ein Neologismus verwendet wird, da sich daraus unterschiedliche Funktionen des neuen Wortes ergeben. Ob ein Neologismus folglich in einer Textüberschrift, in einer Zwischenüberschrift oder einer Bildunterschrift verwendet wird, ist bezüglich seiner Funktion durchaus relevant. Allerdings ist hier nicht von Interesse, ob hierauf der Textbegriff anwendbar ist. Hier nun ein kurzer Überblick über die Einteilung, die Lüger bezüglich der Textintentionen vornimmt:

- Kontaktorientierte Texte

Kontaktorientierte Texte wollen auf ein bestimmtes Informationsangebot aufmerksam machen und das Interesse des Lesers wecken. Dies wird laut Lüger (21995: 80) durch visuelle Mittel, besondere sprachliche Präsentation und durch die Wahl bestimmter Inhalte erreicht. Lüger sieht dies als die zentrale Funktion der Titelseite an. Im Innenteil einer Zeitung nehmen vor allem die Textüberschriften und Schlagzeilen diese Funktion ein.

- Informationsbetonte Texte

Informationsbetonte Texte wollen in erster Linie Tatsachen übermitteln und Ereignisse ohne Kritik, ohne Wertung und ohne meinungsbildende Elemente darstellen. Die Informationsvermittlung steht also im Vordergrund solcher Texte, ist aber in dieser idealisierten Form kaum möglich.

- Meinungsbetonte Texte

Meinungsbetonte Texte verfolgen primär das Ziel, den Leser von einer bestimmten Bewertung eines Ereignisses, eines Verhaltens oder einer Handlung zu überzeugen. Der Text will somit bezüglich der dargestellten Sache die Zustimmung des Lesers erreichen (vgl. Lüger 21995: 69). Sie sind in ihrer Darstellung tendenziös (vgl. Knobbe 1997: 9), häufig sogar manipulativ und verwenden viele persuasive Mittel. Gerade in der Sportberichterstattung ist dies die häufigste Textintention.

- Auffordernde Texte

Auffordernde Texte wollen in Form der Aufforderung direkt auf das Verhalten bzw. die Handlungsweise des oder der Adressaten einwirken. Die Abgrenzung von auffordernden

Texten und meinungsbetonten Texten ist mitunter schwierig (vgl. Lüger 21995: 70), soll hier allerdings nicht weiter problematisiert werden, da es in dieser Arbeit um Tendenzen geht, die ein Text einnimmt.

- Instruierend-anweisende Texte

In diesen Texten wird der Leser instruiert, in einer bestimmten Situation eine bestimmte Handlung zu vollziehen. Diese Textintention und die sich daraus ergebenden Textsorten sind für die Sportberichterstattung nicht zu berücksichtigen und hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

In dieser Arbeit soll zwischen primär informationsbetonten und primär meinungsbetonten Texten unterschieden werden, wobei dabei differenziert wird, ob diese Texte persuasiv bzw. manipulativ wirken oder eher unterhaltende Funktion aufweisen (vgl. Elsen 2004: 106). Als kontaktorientierte Texte werden Überschriften gewertet, die meist die Funktion des Leseanreizes aufweisen.

3. Sportsprache als Sondersprache

Die Sportsprache zu definieren und zu klassifizieren erscheint schwierig, besonders da es wenig geeignete und vor allem kaum neue Literatur zum Thema gibt. Aus dem Jahr 1953 stammt die Begriffsdefinition von Bues (1953: 22), die allerdings als eine Grunddefinition immer noch aktuell ist: „Sportsprache ist die Sprache, die die Sportgemeinde bei dem Sport und in Gesprächen usw. über den Sport verwendet.“ Dabei zählt Bues (1953: 22) zur Sportgemeinde sowohl die Sportler selbst als auch die Sportwarte und -lehrer, die Trainer und Schiedsrichter sowie die Sportberichterstatter und die Zuschauer. Bues grenzt weiterhin die Sportsprache von der Gemeinsprache ab und klassifiziert die Sportsprache als „eine Sondersprache (im weiteren Sinn)“ (1953: 23). Allerdings muss hier der Begriff Sportsprache noch genauer differenziert werden. So spricht Dankert (1969: 1) von der Sportsprache zwar auch von einer Sprache mit „besondere[m] Wortschatz“, grenzt diese aber noch weiter ab:

Sie wird einerseits gegen den Sportjargon abgesetzt, der zwar einmal als Quellbereich für die Sportsprache mit in Betracht gezogen, aber unter ganz anderen Bedingungen gesehen wird. Andererseits wird die Sportsprache deutlich abgesetzt von der Sprache der Sportberichterstattung, von der man annimmt, dass sie ihr eigenes Vokabular entwickelt habe, das höchstens kurzfristig und peripher für die „eigentliche“ Sportsprache relevant wird. (Dankert 1969: 2)

Dies gilt auch für die einzelnen Teilbereiche der Sportsprache, wie z. B. für die Fußballsprache, die Tennissprache oder die Turnersprache. Dankert (1969: 5) betont, dass diese Teilbereiche nicht synonym zu setzen sind mit der Sportsprache allgemein. Trotzdem kann man, wie Gerneth et al. (1971: 208) feststellen, Begriffe finden, die fast in allen Teilbereichen benutzt werden (Team, Trainer, Titelverteidiger u.ä.). Allerdings ist dies eine kleinere Menge an Begriffen, die nicht die Besonderheit einer Teilsprache der Sportsprache, wie z. B. der Fußballsprache, ausmachen.

3.1 Differenzierung der Fußballsprache

Im Bereich der Fußballsprache unterscheidet Dankert (1969: 21) drei sprachliche Bereiche. Dies ist zum einen die Fachsprache des Fußballs, zu der unter anderem die Regelsprache gehört, zum anderen der Jargon, den die Fußballspieler und die Fußballinteressierten sprechen. Dabei sieht Dankert durchaus Schwierigkeiten diese beiden Bereiche eindeutig voneinander zu trennen. Er legt eine breite Übergangszone zugrunde, die er mit dem Begriff Fachjargon bezeichnet (vgl. Dankert 1969: 42). Die spezifische Sprache der Sportberichterstattung, der dritte sprachliche Bereich, bezeichnet er als erweiterten Fachjargon. Auch hier muss von Überschneidungen der einzelnen Bereiche ausgegangen werden. Ein Berichterstatter wird immer auch Wörter benutzen, die aus dem Bereich der Fachsprache, des Fachjargons sowie des Jargons selbst stammen. Meist wird diese Vermischung der sprachlichen Bereiche in der Fußballberichterstattung sehr bewusst eingesetzt, um eine bestimmte Wirkung beim Leser zu erzielen. So kann sich der Leser einerseits als Experte fühlen, der der Fachsprache mächtig ist, andererseits fühlt er sich durch die Verwendung von Begriffen aus dem Jargon direkt angesprochen. Genauso sind die Übergänge aus der Sprache der Fußballberichterstattung in die anderen Bereiche fließend. Brandt (1979: 173) betont, dass der Sprache der Sportberichterstattung die Funktion zukommt zwischen „der trockenen, emotionsfreien Terminologie und Ausdrucksweise der Fachsprache und dem slanghaften Jargon“ zu vermitteln. Burkhardt (2006: 5) betont vor allem, „wie reich und speziell der Wortschatz dieser Sportart inzwischen geworden ist und wie schwer verständlich selbst Fußballberichte für Nichteingeweihte sind“. Dies unterstreicht noch einmal den sondersprachlichen Charakter der Fußballsprache.

Grundsätzlich gibt es also drei unterschiedliche Sprachvariationen innerhalb der Fußballsprache: die Fachsprache, der (Fach-)Jargon sowie der erweiterte Fachjargon, der die Sprache der Fußballberichterstattung darstellt. Für all diese Variationen gelten bestimmte sprachliche Merkmale, die fließend ineinander übergehen.

In dieser Untersuchung ist besonders die Sprache der Sportberichterstattung von Bedeutung. Daher soll nachfolgend unter Bezugnahme auf die Besonderheiten der Pressesprache auf die Eigenheiten der Sprache der Sport- bzw. Fußballberichterstattung in der Zeitung eingegangen werden. Insbesondere liegt das Augenmerk hierbei auf sprachlichen Merkmalen.

3.2 Besonderheiten der Sprache der Sportberichterstattung

Als wichtig bei der Betrachtung der Sprache der Sportberichterstattung ist festzuhalten, dass sie vor allem auf der Textebene und im Bereich des Wortschatzes Besonderheiten aufweist (vgl. Brandt 1979: 160)10. Ebenso beschäftigt sich folglich diese Arbeit mit den Besonderheiten innerhalb dieser Bereiche.

In jeder Zeitung gibt es einen speziellen Teil, der sich mit den Ereignissen des Sports befasst. Zur Fußball-WM 2006 gab es in der BILD-Zeitung einen eigenen Teil, der sich nur mit diesem sportlichen Ereignis befasste, und auch in dem Sportteil der TZ war zumindest auf den ersten Seiten fast ausschließlich über dieses Fußballereignis zu lesen.11 Dem Sportressort kommt somit eine große Bedeutung innerhalb der Zeitungen zu und es trägt nicht „unerheblich zu ihrem Verkaufserfolg bei“ (Knobbe 1997: 24)12. Im Zusammenhang damit steht ein wichtiges Phänomen der Sportberichterstattung. Über ein Sportereignis wird meistens nicht nur an einer Stelle berichtet, sondern es wird häufig unter verschiedenen Aspekten in mehreren Artikeln betrachtet (vgl. Brandt 1979: 167f). So wird in den hier untersuchten Texten das Finalspiel Italien-Frankreich in der TZ vom 10. Juli 2006 in drei Berichten aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt. Der Bericht „Bravo, Italia!“ (S. 29) stellt das Spiel an sich, mit all seinen wichtigen Ereignissen in den Vordergrund. In „Das war hässlich!“ (S. 30) wird der Fußballspieler Zinedine Zidane und seine Rolle in diesem Spiel, nämlich sein Foulspiel, besonders hervorgehoben. Ein dritter Zeitungstext „Pomp, Pathos, Peinlichkeit – Beckmann eben ...“ (S. 30) kommentiert dagegen die Rolle des Fußballkommentators Reinhold Beckmann bezüglich dieses Spiels. Diese facettenreiche Beleuchtung eines Sportereignisses ist meist verbundenen mit verschiedenen Textintentionen.

Die wichtigsten Textfunktionen innerhalb der Sportberichterstattung sind das Informieren, also die Vermittlung von Fakten, dann die Wertung, die immer auch auf eine Beeinflussung des Lesers abzielt, sowie die Funktion der Unterhaltung des Lesers (vgl. Knobbe 1997: 24). Bei den hier untersuchten Texten, ist die Funktion der reinen Information äußerst selten. Die meisten Texte sind primär meinungsbetont, sie wirken persuasiv oder unterhaltend. Dass informationsbetonte Texte selten auftreten, hängt sicherlich damit zusammen, dass die BILD- Zeitung wie auch die TZ der Boulevardpresse zuzuordnen sind. Die Artikel der Boulevardpresse sind in ihrer Aufmachung und in ihren Formulierungen an sich schon aufdringlicher, als dies bei sogenannten seriösen Zeitungen der Fall ist (vgl. Lüger 21995: 33).

Allerdings ist ein weiterer Grund für die geringe Anzahl informationsbetonter Texte sicherlich das Thema Sport, das im Unterschied zu politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Nachrichten in der Zeitung viel mehr auf die Funktion der Wertung und Unterhaltung ausgerichtet ist.13 Im Grunde gibt es im Sportteil einer Zeitung heute kaum noch reine Spielberichte, wie sie z. B. Dankert noch in seiner Untersuchung heranzieht.14 Dies zeigt sich auch bei den für diese Untersuchung herangezogenen Texten. Meist wird bereits vorausgesetzt, dass der Leser das jeweilige Spiel gesehen hat. Die Artikel handeln dann nur noch von bestimmten Ereignissen in einem Spiel, von Grundstimmungen oder von besonders guten oder auch schlechten Leistungen. Viele Artikel berichten über bestimmte Personen, bereiten auf kommende Spiele vor, meist wertend und meinungsbildend.

Aus den für die Sportberichterstattung typischen Textfunktionen und insbesondere aus dem Anspruch der Texte, den Leser unterhalten zu wollen, ergeben sich bestimmte stilistische Besonderheiten. Die Problematik, die sich für den Sportjournalisten ergibt, liegt in der Tatsache, dass er es „im Grunde mit sich immer wiederholenden Tatbeständen zu tun hat“ (Brandt 1979: 177). Der Journalist muss somit versuchen, das jeweilige Spiel bzw. das sportliche Ereignis als einzigartig und besonders darzustellen. Er sollte weiterhin versuchen, die Dynamik eines Spieles im Text angemessen zu realisieren. Dies führt zu einem Stil in der Fußballberichterstattung, der von einer Hyperbolik und von Superlativen gekennzeichnet ist (vgl. Dankert 1969: 65ff). So ist in einem Artikel, der den Spieler Lukas Podolski charakterisiert, eben nicht nur von einem Doppelpack 15 die Rede, sondern von einem Super- Doppelpack (Bild 28. Juni 06, S. 3). Und Michael Ballack wird nicht nur als Kapitän bezeichnet, sondern als Klasse-Kapitän (Bild 10. Juli 06, S. 1). Auch bei den verwendeten Vergleichen und Metaphern kommt diese Hyperbolik zum Ausdruck (Torwartgigant, Elferkiller, Luftkampf).

Metaphern und Metonymien sind ein weiterer Aspekt in der Sprache der Fußballberichterstattung. Dankert (1969: 59) betont hierbei die Monotonie der Metaphern. Diese festen Metaphern werden in der Berichterstattung häufig zur Wortneubildung verwendet. Der Journalist versucht dadurch der Monotonie der Sportberichte zu entfliehen. In der Fußballsprache sind gerade Begriffe aus den Bereichen Krieg und Kampf (Bayern- Bomber, Halbfinal-Duell), aber auch aus den Bereichen Märchen und Mythologie (Zauber- Zwerge, WM-Giganten) und aus anderen Bildfeldern zu finden. Ebenso häufig sind Bildungen mit gängigen Metonymien, die meistens ebenso gebräuchlich sind, wie Dankert (1969) dies bei den sportlichen Metaphern sieht.16

Ein weiteres Mittel, der Monotonie der Sportberichte zu entfliehen, ist laut Brandt (1979: 177) „die sprachliche Variation“. Vor allem Eigennamen werden durch Umschreibungen ersetzt (vgl. Burkhardt 2006: 8). Im Bezug auf die Neologismen ist dies häufig verbunden mit einer zusätzlichen Information (Gerd MüllerBayern-BomberEx-NationalstürmerRekord- Torjäger, TZ 23. Juni 06, S. 34).

An diesem Beispiel aus der TZ lässt sich eine weitere Besonderheit innerhalb der Sportberichterstattung darstellen. Brandt nennt es „die historische Einordnung“ (1979: 169). Häufig werden sportliche Ereignisse oder Personen der Gegenwart mit sportlichen Ereignissen oder Personen der Vergangenheit in Verbindung gesetzt und verglichen. In diesem Zeitungstext geht es um den Vergleich des sportlichen Erfolges von Gerd Müller mit dem bei dieser Weltmeisterschaft herausragenden Spieler Michael Klose. Dieser Vergleich mit Vergangenem hängt ebenso mit der „Sucht nach Rekorden“ (Brandt 1979: 170) und der Suche nach dem Superlativ zusammen.

Die Frage nach den Besonderheiten der Sportberichterstattung innerhalb der Zeitung kann eine Betrachtung der besonderen Rolle des Sportjournalisten nicht ausschließen. Der Sportjournalist tritt häufig als Experte auf, der auf grundlegendes Wissen zurückgreifen kann.

Er verwendet häufig Zitate, die seine Meinung über ein Ereignis stützen, er kommentiert nicht nur das Geschehen, sondern meint auch die Gedanken und Gefühle der handelnden Personen zu kennen (Brandt 1979: 171). Gerade in der Boulevardpresse ist die Stellung des Sportreporters stark mit bestimmten Stilelementen verknüpft. So „strebt vor allem der ‚Bild‘- Redakteur eine den Uneingeweihten oft frappierende Verbrüderung zwischen Sportler, ‚Bild‘- Redakteur und ‚Bild‘-Leser an“ (Dankert: 1969: 53). In der Boulevardpresse werden zur Schaffung dieser Intimität vor allem Jargon-Wörter verwendet, wobei häufig eine zusätzliche Steigerung dieser bereits meist schon expressiven Wendungen auftritt (vgl. Dankert 1969: 56)17. Diese Erweiterung des Vokabulars ist eng verbunden mit der Bildung von Neologismen.18 Neben der Funktion der Informationsvermittlung bestimmter sportlicher Ereignisse tritt somit vor allem in der Boulevardpresse die Funktion der Vermittlung zwischen den einzelnen Sportlern und dem Leser (vgl. Dankert 1969: 54).

Im zweiten Teil dieser Arbeit werden die Mittel und Besonderheiten der Sprache der Sportberichterstattung bezüglich der Funktionen der Neologismen in dem untersuchten Korpus herausgearbeitet.

4. Wortbildung in Pressetexten

Bezüglich der Literatur, die sich mit Wortbildung in Pressetexten beschäftigt, stütze ich mich für diese Untersuchung hauptsächlich auf Matussek (1994), Jesensek (1998), Peschel (2002) sowie Elsen (2004).

Matussek (1994) stützt sich in ihrer Dissertation auf ein Korpus von Presseberichten, die sich mit dem Störfall im Atomreaktor Biblis im Jahr 1988 befassen. Bei Matussek werden ausschließlich neu gebildete Substantive untersucht. Die größte Gruppe sind Substantivkomposita. Matussek teilt die Wortneubildungen ihrer Untersuchung in unauffällige, auffällige und extrem auffällige Neubildungen ein. Auffälligkeit bedeutet in diesem Zusammenhang das Maß, „in dem der zu erwartenden Bedeutung eines komplexen Lexems vom Kontext entsprochen oder entgegengewirkt wird“ (Matussek 1994: 38). Allerdings ist die Einteilung in diese Kategorien nicht immer nachvollziehbar. Trotzdem behandelt es einen interessanten Aspekt bei Wortneubildungen. Daher wird auch in dieser Untersuchung in Bezugnahme auf die Definition von Matussek (1994: 38) teilweise von auffälligen Bildungen gesprochen. Matussek betont hauptsächlich die textuellen Funktionen der Wortneubildungen: Textzusammenfassung und Textgliederung.

Peschel (2002) interessiert sich in ihrer Studie vor allem für nicht-usuelle Wörter (2002: 11). Allerdings legt sie hierbei keine genauen Auswahlkriterien fest, nach denen ein Wort als Neologismus oder Okkasionalismus gezählt wird. Peschel (2002) untersucht sowohl Neologismen in der Presse als auch in der Literatur. Als Grundlage für die Untersuchung innerhalb der Pressesprache zieht sie Texte aus den Zeitungen ZEIT, DER SPIEGEL, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, FRANKFURTER ALLGEMEINE, STERN und RUHR- NACHRICHTEN der Jahre 1996-2000 heran. Dabei betrachtet sie nicht alle Wortneubildungen, sondern geht nur auf bestimmte Kompositabildungen, bestimmte Derivationen und auf Kontaminationen ein. Dabei geht es einerseits um den Einfluss des Textes auf die jeweilige Wortneubildung, andererseits aber auf die Beteiligung der Wortneubildung an der Textkonstitution. Komposita übernehmen ihrer Meinung nach vor allem die Funktion der Wiederaufnahme eines Themas (vgl. hierzu textbildende Funktion bei Matussek). Neben der Referenzfunktion vieler Komposita weist Peschel aber auch deutlich darauf hin, dass viele Komposita in Pressetexten wertend und beeinflussend auf den Textgegenstand Bezug nehmen (stilistische Funktion).

Jesensek (1998) stützt sich in ihrer Untersuchung nur auf Pressetexte, die der Textsorte Kommentar zuzuordnen sind. Bezüglich der untersuchten Okkasionalismen verfolgt sie vor allem die Frage, inwieweit diese „als Mittel bzw. Instrumente zur Erreichung von kommunikativen Zielen und zur Einwirkung auf den Rezipienten fungieren können“ (Jesensek 1998: 13). Sie stellt dabei fest, dass die meisten Okkasionalismen in ihrem Korpus unauffällige Bildungen sind. Sie werden somit vom Leser nicht unbedingt als neu wahrgenommen (vgl. Jesensek 1998: 157). Sie sieht zum einen textuelle Funktionen der Okkasionalismen: Textverflechtung und Benennung. Auf der anderen Seite berücksichtigt sie eine pragmatisch-stilistische Verwendung von Okkasionalismen, hierbei handelt es sich meist um auffällige Bildungen, die expressiv und emotionalisierend wirken (vgl. Jesensek 1998: 156ff).

Elsen (2004) untersucht Neologismen in verschiedenen Varietäten des Deutschen. Unter anderem analysiert sie Vorkommen, Bildung und Funktionen von Neologismen in der Zeitungssprache (Elsen 2004: 102-118). Ihrer Studie liegen die Artikel der ersten drei bzw. vier Seiten der ZEIT und der Süddeutschen Zeitung vom 8. August 2002 zugrunde.

Insgesamt wurden 509 Neologismen gefunden und hinsichtlich Wortbildungsart sowie Textfunktionen analysiert. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Neologismen in primär informierenden Texten referentielle und textuelle Funktionen zukommen (z.B. Benennungsfunktion, Informationsverdichtung, textbildende Funktion), während es auf der anderen Seite in persuasiven bzw. unterhaltenden Texten viele originelle und expressive Neologismen gibt, die Wertung vermitteln und den Leser beeinflussen wollen.

Alle vier Untersuchungen beschäftigen sich ausschließlich mit Texten der politischen Berichterstattung. Trotzdem sind die Ergebnisse, die sich für die Funktionen der Wortneubildungen im Text ergeben, häufig auch hinsichtlich der Sportberichterstattung zutreffend. Auch hier sind die Funktionen der Neologismen übergreifend in referentielle, textuelle und stilistische Funktionen einzuordnen. Ich werde in meiner Arbeit an geeigneter Stelle auf diese vier Untersuchungen zu Neologismen in Pressetexten Bezug nehmen.

II Untersuchung und Analyse

1. Untersuchungsprofil: Vorgehensweise, Probleme und Schwierigkeiten

Diese Arbeit beschäftigt sich mit Neologismen, die im Zuge der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland in der Boulevardpresse gebildet wurden. Als Textgrundlage wurden Artikel der BILD-Zeitung (28 Artikel) und der TZ (40 Artikel) herangezogen, die in einem Sonderteil zur WM bzw. im täglichen Sportteil zu diesem Ereignis veröffentlicht wurden. Es konnten dabei nicht alle Ausgaben berücksichtigt werden, da es sich schwierig gestaltete, im Nachhinein an das Material zu gelangen. Allerdings lassen sich auch so aussagekräftige Ergebnisse erzielen. Aus den vorhandenen Ausgaben der beiden Zeitungen wurden willkürlich Artikel ausgewählt. Dabei wurde darauf geachtet, dass bei beiden Zeitungen jeweils ungefähr gleich viele Neologismen (BILD: 224 Neologismen; TZ: 206 Neologismen) untersucht wurden. Dass der Textanteil in der TZ größer ist als in der BILD-Zeitung, lässt darauf schließen, dass in der BILD-Zeitung gehäufter Neologismen gebraucht werden. Nicht berücksichtigt wurden übersetzte Nachrichten aus der ausländischen Presse, da diese bei Übersetzung keine eindeutig im Deutschen gebildeten Neologismen aufweisen. Auf die Betrachtung von Neologismen in Interviews wurde ebenso verzichtet, da diese Wortbildungen nicht unmittelbar der Sprache der Sportberichterstattung zuzurechnen sind. Allerdings wurden Wortneubildungen berücksichtigt, wenn sie in Zitaten innerhalb der untersuchten Artikel auftraten. Hierbei hätte sich eine Trennung schwierig gestaltet. Außerdem werden gerade solche Zitate von den Journalisten bewusst ausgesucht und häufig nach Bedarf verändert (vgl. Dankert 1969: 54). Nicht berücksichtigt wurden in der TZ Artikel über andere sportliche Ereignisse. Außerdem wurden Anzeigen sowie reine Ergebnistabellen, wie sie im Sport üblich sind, ausgespart. Nach diesen Kriterien ergab sich die Auswahl der untersuchten Artikel. Eine Übersicht über alle Artikel findet sich im Anhang (ab S. 99). Daran angeschlossen sind alle untersuchten Texte in Kopie, so wie sie in der jeweiligen Zeitung veröffentlicht wurden.

Diese Artikel wurden von mir nach Wörtern mit Neuheitswert durchsucht, in einem zweiten Schritt mithilfe der Wörterbücher geprüft und dann in ihrer Wortbildungsart bestimmt. Dabei ist mir bewusst, dass die Auswahl der betrachteten Wörter von mir subjektiv nach dem Neuheitswert eines Wortes vorgenommen wurde.19 Zwar habe ich mich bemüht, nicht nur eindeutig neue Wörter zu berücksichtigen, sondern ebenso unauffällige Bildungen aufzunehmen20, trotzdem bleibt die Möglichkeit bestehen, dass hierbei der ein oder andere Neologismus nicht einbezogen wurde. Allerdings halte ich diese Fehlerquote für sehr gering, da die untersuchten Artikel mehrmals unter verschiedenen Aspekten der Wortneubildung betrachtet wurden. Angesichts der Menge der untersuchten Wörter (insgesamt 423 Wörter) ist diese Fehlerquote vertretbar, da trotz dessen wohl keine grundsätzlich anderen Ergebnisse zu erwarten wären.

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich in der genau anderen Richtung. Ob ein Wort wirklich neu ist, ließe sich im Grunde nur durch ein sehr umfangreiches Textkorpus und eine großangelegte Befragung von Sprechern der Fußballsprache bestimmen. Allerdings ist das in dieser Untersuchung nicht möglich. Daher greife ich in dieser Untersuchung auf die zwei Standardwörterbücher Duden (62006) und Wahrig (82006) zurück. Da es sich bei der Fußballsprache um eine Sondersprache handelt, verwende ich außerdem ein Fußballwörterbuch (Burkhardt 2006), das gerade für diese Untersuchung, bei der es um Neuwortbildungen in der Pressesprache geht, geeignet erscheint, da hier selbst auf Pressetexte zur Erlangung der Einträge zurückgegriffen wurde (unter anderem auch auf Einträge in der BILD-Zeitung). Außerdem werden, wie bereits erwähnt, zumindest drei Sprecher befragt, die mit der Sondersprache des Fußballs und der Sprache der Fußballberichterstattung vertraut sind.

Da die Auswahl der Einträge in ein Lexikon von bestimmten lexikographischen Arbeitsweisen beeinflusst sind, ist das Fehlen eines Wortes im Lexikon kein hinreichender Beweis für seine Neuheit (vgl. Elsen 2004: 22). Ebenso kann die Meinung der Fußballexperten nur bedingt verallgemeinert werden, da es durchaus Sprecher geben kann, die den Neuheitswert eines Wortes anders beurteilen. Allerdings ist eine größer angelegte Sprecherbefragung gegenüber dem zu erwartenden Ergebnis als nicht gerechtfertigt einzustufen. Die Tatsache, dass gelegentlich ein Wort in dieser Studie als Neologismus gezählt wird, das nach Auffassung eines Sprechers nicht als neu bewertet wird, ist mir bewusst. Meiner Meinung nach lassen sich aber trotz des begrenzten Untersuchungsprofils für diese Studie durchaus eindeutige Aussagen über Neologismen und ihre Funktionen innerhalb der Sportberichterstattung der untersuchten Zeitungen zur Fußball-WM 2006 treffen.

Insgesamt wurden nach dieser Methode 423 Neologismen gezählt. Davon waren 374 Substantive, 32 Verben, 17 Adjektive. Andere neu gebildete Wortarten kamen in dem untersuchten Korpus nicht vor.

Tabelle1: Verteilung der Neologismen auf die Wortarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zu berücksichtigen ist, dass in dieser Untersuchung types und nicht tokens gezählt wurden. Die 423 Neologismen verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Wortbildungsarten.

Tabelle 2: Verteilung der Neologismen auf die Wortbildungsarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die einzelnen Wortbildungsarten, ihre Verteilung auf die Wortarten, die Besonderheiten in der Bildung und die Funktionen der jeweiligen Neologismen werden in der folgenden Analyse genauer erläutert. Am Ende werden die Ergebnisse noch einmal zusammengefasst und übergreifend dargestellt.

2. Komposition

Die Komposition ist die häufigste und produktivste Wortbildungsart im Deutschen (vgl. Elsen 2004: 23). Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Komposita auch in dieser Untersuchung am häufigsten auftreten. Bei der Komposition werden mindestens zwei Wurzeln zu einem Wort zusammengesetzt. Dabei gibt es bestimmte Untergruppen, die es zu unterscheiden gilt. Die Determinativkomposita bilden im Deutschen die größte Gruppe. Hierbei wird das Zweitglied (Determinatum) durch das Erstglied (Determinans) semantisch näher bestimmt. Wortart, Genus und Flexion des Gesamtausdrucks legt das Determinatum fest, der Wortakzent liegt auf der ersten Silbe (Bilderbuch Buch mit Bildern ). Beim Kopulativkompositum (auch Koordinationskompositum) werden mindestens zwei gleichwertige Elemente zusammengefügt, die anders als beim Determinativkompositum kein determinierendes Verhältnis aufweisen. Die einzelnen Glieder sind semantisch gleich gestellt, das heißt, die Konstituenten sind theoretisch in ihrer Reihenfolge umkehrbar. Überdies liegt der Wortakzent nicht zwingend auf dem ersten Wortbestandteil (nasskalt nass und kalt ) (vgl. Donalies 22005: 52ff; Fleischer/Barz 1992: 45).

Des Weiteren sind bei der Komposition das Possessivkompositum, das Reduplikativkompositum und das verdeutlichende Kompositum zu unterscheiden. Da diese nicht in dem hier untersuchten Korpus auftreten, sind sie nur der Vollständigkeit halber angeführt.

Schwierigkeiten treten bei der Einteilung der Verben auf. Verben des Typs eislaufen, spritzgießen sind zu den Komposita zu zählen, treten aber in diesem Korpus nicht auf. Verben mit eindeutigen Präfixen wie be-, ver- oder ent-, die nur in Ableitungen vorkommen, werden zu den Präfigierungen gezählt (verpokern). Große Uneinigkeit herrscht in der Literatur bezüglich Bildungen mit Adverbien bzw. Präpositionen (vgl. hierzu Donalies 1999: 123ff). In diesem Korpus werden die Adverbien heran-, los-, raus-, rein- und weiter- zur Verbbildung benutzt. Da die Adverbien in ihrer Funktion als Erstglied einer Verbbildung keine Veränderung in ihrer Bedeutung erfahren haben, zähle ich diese Verben alle zu den Kompositabildungen. Die Einteilung der Verben in Partikel- bzw. Doppelpartikelverben, wie sie in der Literatur oft empfohlen wird, erscheint mir hier nicht als sinnvoll, da die Kriterien der Abtrennbarkeit und Betonung keine eindeutigen Ergebnisse liefern (vgl. Elsen 2004: 34). Die Funktionen der Verben, die hier als Komposita klassifiziert sind, werden unter Punkt 2.2.7 einzeln betrachtet.

[...]


1 Barz (1998) nimmt hier Bezug auf Helfrich, U. (1993): Neologismen auf dem Prüfstand. Ein Modell zur Ermittlung der Akzeptanz französischer Neologismen. Wilhelmsfeld.

2 Ich danke hierbei Hanns Franke, Tobias Jäger und Benedikt Kraus für ihre hilfreiche Unterstützung.

3 Für den Begriff Okkasionalismus werden in der Literatur daher gleichbedeutend die Begriffe Einmalbildungen, Augenblicksbildungen, Gelegenheitsbildungen, Spontanbildungen und Ad-hoc-Bildungen verwendet.

4 Barz (1998: 17) verwendet für diese weitere Definition von Neologismen auch den Begriff Wortneubildung. In dieser Arbeit sind diese Begriffe nach endgültiger Definition gleichgesetzt.

5 Vgl. hierzu den Artikel „Klose kann meinen WM-Rekord knacken“ in der TZ (23. Juni 06, S. 34), in dem es heißt: Gerd Müller (60), der Bomber der Nation.

6 Barz (1996; 1998) hat darauf hingewiesen, dass die Zuschreibung eines Neuheitswertes vom jeweiligen Sprecher nicht völlig objektiv getroffen werden kann, sondern dass diese Entscheidung immer auch von subjektiven Einflüssen abhängt. Dies sollte bezüglich der Befragung der Sprecher innerhalb dieser Untersuchung berücksichtigt werden.

7 Der Begriff Pressesprache ist ein sehr weitgefasster Begriff, der viele unterschiedliche Formen der Presse zusammenfasst. Er ist insofern nicht eindeutig, da er eine Homogenität der verschiedenen Ausformungen wiederspiegelt, die es in Wirklichkeit nicht gibt (vgl. Elsen 2004: 102).

8 Sonderausgaben sowie Ausgaben der Zeitung BILD am Sonntag wurden für diese Untersuchung nicht berücksichtigt.

9 Da der Sportteil zur Fußball-WM 2006 in der BILD-Zeitung keine Seitenzahlen aufweist, wurde dieser für dieUntersuchung von der ersten bis zur letzten Seite durchgezählt. Dies ergibt die Seitenangaben in dieser Arbeit.

10 Dies betont auch Knobbe (1997: 14f) in seiner Arbeit. Er legt nahe den Begriff der Sportsprache, der seiner Meinung nach irreführend ist, da er ein breiteres Spektrum einer Sprache zugrunde legt, durch den Begriff der Sportfachlexik zu ersetzen.

11 Einzig Kommentare zu den Doping-Vorwürfen gegen den Radrennfahrer Jan Ullrich waren im Korpus auf den ersten Seiten der TZ zu finden. Allerdings wurde auch über dieses Thema meist erst am Ende des Sportteils ausführlicher berichtet.

12 Vgl. hierzu Fußnote 25 bei Brandt (1979: 166), der hier unterschiedliche Studien anführt, die den Anteil des Themas Sport in verschiedenen Medien und auch verschiedenen Zeitungen untersucht haben. Für die BILD- Zeitung ist hierbei ein Wert zwischen 7,92 % und 12 % angeführt.

13 Vgl. hierzu auch Dankert (1969: 121ff; 146ff), der einerseits den kämpferischen Stil der Sportberichterstattung betont, auf der anderen Seite aber auch eine Tendenz sieht den Sport in seiner spielerischen Leichtigkeit auf unterhaltsame Weise darzustellen.

14 Der Einfluss der Medien, wie Fernsehen und Radio, ist enorm angestiegen. Heute besitzt fast jeder Deutsche einen Fernseher bzw. ein Radio. Dies mag erklären, warum den reinen Spielberichten in der Zeitung heutzutage keine Bedeutung mehr zukommt. Bei der Untersuchung von Dankert (1969) war die Verbreitung des Fernsehens noch nicht so vorangeschritten. Daher der größere Anteil an Spielberichten. Hier hat somit auch ein Wandel bezüglich der Aufgaben der Zeitungen stattgefunden.

15 Doppelpack bezeichnet ‘zwei Tore desselben Spielers in einem Spiel’.

16 Vgl. hierzu z. B. die Einträge Ecke, Elfmeter und Fußball bei Burkhardt (2006). Diese Begriffe stellen gängige Metonymien in der Fußballsprache dar.

17 Dankert spricht hier von der „Tendenz zu einem Hyperjargon“.

18 Dankert (1969: 56) gibt hierbei zu bedenken, dass Neologismen nur belegt werden könnten, wenn man den gesamten Wortschatz, der in der Kommunikation über Fußball verwendet wird, betrachten könnte. Auf diese Problematik, die auch diese Untersuchung betrifft, wurde bereits im ersten Punkt hingewiesen.

19 Die Schwierigkeit, die sich aufgrund der subjektiven Auswahl ergibt, ist bei Barz (1996; 1998) beschrieben und wurde bereits erwähnt.

20 Unter anderem wurden Wörter wie Team-Kollege, Titelgewinn, emotionsgeladen, Zusammenspiel u.a. wegen einem Eintrag im Wörterbuch wieder aus der Untersuchung entfernt.

Details

Seiten
104
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640226696
Dateigröße
784 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v119676
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,5
Schlagworte
Eine Analyse Wortbildung Sportberichterstattung

Autor

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Titel: Eine Analyse zur Wortbildung innerhalb der Sportberichterstattung