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Die Rote Armee Fraktion - Ein Überblick

Essay 2007 9 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhalt:

1 Einleitung

2 Die Hintergründe zur Entstehung der RAF
2.1 Der 02. Juni 1967
2.2 Die Kaufhausanschläge
2.3 Die Baader-Befreiung und die Gründung der RAF

3 Die Rote-Armee-Fraktion

3.1 Die Ziele und Struktur der RAF

3.2 Die erste RAF-Generation...

3.3 Die zweite und dritte RAF-Generation

3.4 Die Auflösung der RAF..

4 Resümee

5 V erwendete Literatur

1 Einleitung

„Ohne die Rote Armee aufzubauen, können die Schweine alles machen, können die Schweine weitermachen: Einsperren, Entlassen, Pfänden, Kinder stehlen, Einschüchtern, Schießen, Herrschen. Die Konflikte auf die Spitze treiben heißt: Daß die nicht mehr können, was die wollen, sondern machen müssen, was wir wollen.“1

Mit diesen Worten von Gudrun Ensslin wurde die Rote Armee Fraktion (RAF) 1970 offiziell. Einzelne terroristische Personen vereinigten sich zur gefährlichsten Organisation der Nachkriegszeit Deutschlands. Zwischen den Jahren 1970 und 1998 versetzte die RAF über drei Generationen hinweg die deutschen Bürger mit gewaltsamen Angriffen und Attentaten in Angst und Schrecken.

Gerade in der heutigen Zeit sind Politik und Medien geprägt durch die Präsenz terroristischer Anschläge und deren Bekämpfung. Die RAF ist ein Beispiel dafür, dass Terror auch endlich sein kann.

Dieses Essay geht auf die Gründe für die Entstehung der RAF, den Übergang der drei Generationen und das Ende der RAF ein. Dabei werden zudem die Ziele und Struktur der Organisation näher beschrieben. In einem abschließenden Resümee werden diese Ziele der RAF ihren Erfolgen gegenüber gestellt und auf das Handeln des Staates in Bezug auf den Terror eingegangen.

2 Die Hintergründe zur Entstehung der RAF

2.1 Der 02. Juni 1967

Die 60er Jahre waren in vielen westlichen Ländern durch Studentenbewegungen bestimmt. Ihre Proteste richteten sich gegen den Vietnamkrieg, die veralteten Strukturen in Schulen und Universitäten und speziell in Deutschland gegen die unaufgearbeitete nationozialistische Vergangenheit.

Als am 02. Juni 1967 der persische Schah Reza Pahlevi nach Deutschland geladen wurde, war dies für viele ein Zeichen dafür, dass die Bundesrepublik faschistische Herrschaftsstrukturen unterstützte. Besondere Wut zogen jedoch die Sicherheitsvorkehrungen auf sich, die an „polizeistaatliche Praktiken“2 erinnerten. So wurden oppositionelle Perser ohne begründete Rechtsgrundlage festgenommen und ganze Abschnitte der Autobahn eigens für den Diktator gesperrt.

Gegen Mittag traf der Schah in Berlin am Schöneberger Rathaus ein. Hunderte Protestanten wurden von der Polizei und so genannten „Jubel-Persern“ (Agenten des iranischen Geheimdienstes Savai) bewacht. Nach dem „Schah, Mörder“- Rufe laut wurden und einige wenige Farbeier flogen, schlugen die Schah- Anhänger brutal und wahllos auf die Studenten ein. Blut floss und die Demonstration wurde auseinander getrieben.

Beim abendlichen Besuch des Schahs der Deutschen Oper versammelten sich die Studenten erneut. Als der Schah und seine Frau die Oper betreten, werden wiederholt Sprechchöre laut. Vereinzelte Steine verfehlen ihr Ziel um Längen, doch scheint dies für die Polizei ausreichend, um einen Schritt weiter zu gehen: „Nehmen wir die Demonstranten als Leberwurst, dann müssen wir in die Mitte hineinstechen, damit sie an den Enden auseinanderplatzt.“3, so Polizeichef Duensing über die „Leberwurst-Taktik“.

Zahlreiche Studenten werden verletzt, wehrlos zu Boden geschlagen und verhaftet. Die Eskalation erreicht ihren Höhepunkt als Polizisten auf den 26jährigen Romanistikstudenten Benno Ohnesorg treffen, ihn zu Boden ringen und ein Schuss folgt. Die Kugel trifft Ohnesorg am Kopf und verletzt ihn lebensgefährlich. Der verantwortliche Polizist Kurras wird in einem anschließenden Prozess freigesprochen. Er sagt aus, der Schuss habe sich aus Versehen gelöst. In Deutschland folgt ein „Wendepunkt im Denken und Fühlen vieler“4.

2.2 Die Kaufhausanschläge

In dieser Zeit der Polarisierung lernen sich Gudrun Ensslin und Andreas Baader kennen. Zusammen mit Thorwald Proll, Horst Söhnlein und selbst gebauten Brennsätze im Gepäck fahren sie von München nach Frankfurt am Main. Eine Unterkunft finden sie bei einer Bekannten. Am Abend präparieren sie die Sprengsätze in den Kaufhäusern „Kaufhof Schneider“ und „Kaufhof“, die an der hiesigen Einkaufstraße Zeil liegen. Kurz vor Mitternacht am 02. April 1968 geht ein Warnanruf bei einer Feuerwache ein. Kurz darauf fangen die Häuser an zu brennen. Der Schaden beläuft sich auf über 500.000 DM.5

Bereits zwei Tage später werden alle Täter festgenommen. Nach dem Prozessbeginn am 14. Oktober 1968 gesteht Gudrun Ensslin die Tat und gibt als Grund an, die Aufmerksamkeit auf den Völkermord an den Vietnamesen wecken zu wollen und der herrschenden Gleichgültigkeit demgegenüber zu begegnen.6 Die Journalistin Ulrike Meinhof nimmt während der Zeit des Prozesses Kontakt zu Gudrun Ensslin auf. Es folgen mehrere, beinahe bewundernde Artikel über die Täter. Horst Mahler wird Sympathisant dieser Gruppe, während er Andreas Baader als Rechtsanwalt zur Seite steht.

Im Juni 1969 werden die Angeklagten mit der Auflage sich regelmäßig bei der Polizei zu melden, freigelassen. Im Bewusstsein, dass es jeder Zeit wieder zu einer Festnahme kommen kann, fliehen Ensslin, Baader, Proll und Söhnlein vorerst nach Paris. Als im November 1969 das Bundesgerichtshof die Revision verwirft und das Urteil der dreijährigen Zuchthausstrafe rechtskräftigt wird, trennen sich ihre Wege. Während Söhnlein und Proll sich freiwillig der Polizei stellen, tauchen Baader und Ensslin unter. Ihr Unterschlupf bei Ulrike Meinhof führt sie zurück nach Berlin. Im ständigen Kontakt mit Horst Mahler bereiten sie ihr gemeinsames Leben im Untergrund weiter vor.

Bei einer Verkehrskontrolle am 04. April 1970 wird Andreas Baader wegen Brandstiftung erneut festgenommen.7

2.3 Die Baader-Befreiung und der Weg in den Untergrund

Kurz nach der Verhaftung Baaders beginnen die Vorbereitungen für seine Befreiung. Der Plan und dessen Umsetzung verlief wie folgt: Mahler überredet den zuständigen Gefängnisleiter, er müsse den Gefangenen für eine Materialsichtung in das Zentralinstitut für Sozialfragen Ausgang gewährleisten. Denn Baader arbeite zusammen Ulrike Meinhof an einem Buchprojekt mit dem Thema „rückständige Jugendliche“. Eine Sichtung Baaders sei demnach dringend notwendig. Trotz Bedenken willigt der Gefängnisleiter ein.

[...]


1 http://www.rafinfo.de/archiv/raf/rafgrund.php (Gudrun Ensslin am 05. Juni 1970; ein Auszug aus „Die RAF aufbauen!“).

2 Aust „Baader Meinhof Komplex“, S. 49.

3 Aust, „Baader Meinhof Komplex“, S. 51.

4 Aust, „Baader Meinhof Komplex“, S. 53.

5 Vgl. Pfister, „Die Rote-Armee-Fraktion“ ,S. 18.

6 Vgl. Aust, „Baader Meinhof Komplex“, S.69.

7 Vgl. Pfister, „Die Rote-Armee-Fraktion“, S. 18 ff.

Details

Seiten
9
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640232765
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v119592
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,3
Schlagworte
Rote Armee Fraktion

Autor

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