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Erving Goffmans Verknüpfung von Geschlecht und Interaktion

Referat (Ausarbeitung) 2007 16 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Die Interaktionsordnung

2. Das Geschlechtarrangement bei Goffman
2.1. Ausübung der Sozialisation
2.2. Geschlechterrollenstereotypen
2.3. Biologische Unterschiede und ihre Bedeutung

3. Der Vergleich mit traditioneller Rollenverteilung

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

„Schatz, kannst du die Kinder morgen in die Schule bringen? Ich habe einen Frisörtermin!“ „Auf keinen Fall, ich habe morgen ein Meeting, und das ist ja wohl wichtiger als deine Haare. Außerdem hast du eh den ganzen Tag nichts zu tun.“

Dies ist nur ein Beispiel wie Interaktion zwischen Mann und Frau stattfinden kann. Doch warum sprechen die beiden Geschlechter in dieser oder ähnlicher Art und Weise miteinander?

Erving Goffman, einer der populärsten Soziologen und besonders bekannt für seine Rahmenanalyse, die Theatermetapher oder die Spielanalogie, beschäftigte sich zum Ende seines Lebens besonders mit dem Gebiet der Interaktion. Da sich dieser Bereich als Untersuchungsgegenstand bisher als eigenständig zeigte, versuchte Goffman die Interaktion mit der Gesamtgesellschaft zu verbinden und stellte die Interaktionsordnung als eine „Wirklichkeit eigener Art“[1] dar. Er platzierte Männer und Frauen durch die Interaktion.

Das Ziel dieser Arbeit ist es zu veranschaulichen wie Goffman Interaktion und Geschlecht verbindet. Dazu soll zu Beginn eine Übersicht über Goffmans Interaktionsordnung gegeben werden, im Anschluss wird das Bild der Geschlechter nach Goffmans Auffassung vorgestellt und den Abschluss soll die Gegenüberstellung und Verbindung der beiden Themenbereiche bilden.

1. Die Interaktionsordnung

Zu Beginn der Interaktionsanalyse entsteht das Problem, dass die Untersuchung direkter Kommunikation in alltäglichen Zusammenhängen meist nur von kurzer Dauer, mit begrenzter räumlicher Ausdehnung und beschränkten Ereignissen stattfinden kann. Dabei gibt es „eine enge Verknüpfung zwischen den rituellen Eigenschaften der Personen und den Eigenheiten des Territoriums .[2] Dennoch kann man den Untersuchungsgegenstand bestimmen: Ereignisse, die im Verlauf und durch das Zusammensein von Leuten entstehen. Die Grundelemente dieses Verhaltens, sind Blicke, Gesten, Haltungen und sprachliche Äußerungen, die Leute ständig, ob gewünscht oder nicht, in die Interaktion-Situation bringen.

Goffman sagt, dass „der eigentliche Gegenstand der Interaktion nicht das Individuum und seine Psychologie ist, sondern eher die syntaktischen Beziehungen zwischen den Handlungen gleichzeitig anwesenden Personen.“[3]

Es gibt natürliche Interaktionseinheiten, die von der kleinsten Einheit, einem flüchtigen Mienenspiel, bis hin zu wochenlangen Konferenzen, (Interaktionsmonstren) führen können.

Die Beschreibung beginnt aus der Perspektive des Handelnden, um somit die Strukturen, die in einer Interaktion zwischen Personen entstehen und eigene Einheiten mit natürlichen Begrenzungen bilden, zu beschreiben.

We look within an act for the involvement it seems to express¸ we look to the

involvement for the regulations by which it is bound. And we look to these

regulations as a sign of what is owed to the gathering and its social occasion as

realities in their own right.[4]

Es entstehen kleine Räume der Interaktion, in denen die Personen durch körperliche Präsenz mit Anderen handeln. Diese bilden den Kern der alltäglichen Lebenswelt mit sozialen Situationen, in denen zwei oder mehr Personen mit Aufmerksamkeit, Anteilnahme und der Koordination ihrer Handlungen beteiligt sind. Sie bilden die formalen Bausteine im Alltag, in denen mit Anderen verkehrt wird. Dadurch unterwerfen wir uns bestimmten Verhaltensregeln, die im öffentlichen und im privaten Raum gelten.

Soziale Situationen zeichnen sich durch Präsenz aus, sie sind nur den „nackten Sinnen“[5] der Beteiligten zugänglich.

Sie setzen mit der gegenseitigen Aufmerksamkeit (response presence) ein und enden, wenn die vorletzte Person gegangen ist. In diesen Situationen sind die Personen bewegliche Einheiten (ambulatory units), die in ˛contact` mit anderen treten.[6]

Es gibt so genannte ˛Encounters` oder Zusammenkünfte, in denen ein kleiner Kreis von Teilnehmern zu ausdrücklich zugelassen Unternehmen zusammentrifft. Dies führt zu einem ˛gathering`: eine Konstellation der Beteiligten, die durch deren Einnahme einer räumlichen und sozialen Position innerhalb der Interaktion entsteht.

Somit ist die Interaktionsordnung ein Ergebnis von vollzogenen interaktiven Wechselwirkungen, sie ist kein wissenschaftliches Konstrukt, sondern ein Bereich, in dem Menschen leben.

Die gesamten Strukturen der Interaktion leben von Aufmerksamkeitszuwendungen und der Handlungsbeteiligung der anwesenden Personen. Allerdings sind Leute zu Gesprächen verpflichtet, wenn sie sich den Regeln der Etikette beugen. Wenn sie das nicht tun entfremden sie sich von der Interaktion, was als Verletzung aufgefasst werden kann. Diese Gesprächs-Zusammenkünfte von Menschen können auf einen gemeinsamen Brennpunkt der Aufmerksamkeit fokussiert sein, wobei sie von sprachlicher und nicht-sprachlicher Kommunikation dominiert werden.

In der sprachlichen Interaktion gibt es ein System von Praktiken, Konventionen und Verhaltensregeln. Diese dienen als Mittel um den Verlauf der Mitteilungen zu regeln und organisieren. Die Person steht dabei immer in einer Art von Sozialbeziehungen zu dem/ den Anderen.

Dabei werden verschiedene Techniken benutzt wie z.B. die Imagepflege. Das Image ist der soziale Wert, den man durch Verhaltenstrategien erwirbt. In einer Interaktion kann das Image positiv, neutral oder negativ bewertet werden, was immer Auswirkungen auf die eigene Person hat. Das Image soll als Bedingung des Anderen gewahrt bleiben, es ist aber nicht das Ziel der Interaktion.

[...]


[1] Erving Goffman, Interaktion und Geschlecht, Frankfurt/Main [u.a.] : Campus-Verl, 1994, S. 7

[2] Erving Goffman, Interaktionsrituale : über Verhalten in direkter Kommunikation (1. Auflage), Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1971, S. 7

[3] Ebenda, S. 8

[4] Goffman, Interaktion und Geschlecht, 1994, S. 33

[5] Goffman, Interaktion und Geschlecht, 1994, S. 35

[6] Goffman, Interaktion und Geschlecht, 1994, S. 36

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640226153
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v119288
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,0
Schlagworte
Erving Goffmans Verknüpfung Geschlecht Interaktion

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Titel: Erving Goffmans Verknüpfung von Geschlecht und Interaktion