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Grundzüge der totalitären SED-Diktatur in der DDR

Seminararbeit 2008 18 Seiten

Politik - Politische Systeme - Historisches

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Merkmale des totalitären Systems nach Carl Joachim Friedrich und Zbigniew Brzezinski
2.1 Grundzüge der totalitären SED – Herrschaft

3 Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in Grundzügen
3.1 Die Vorgeschichte
3.2 Die Krise
3.3 Die Folgen

4 Das Scheitern der DDR – das Scheitern der SED
4.1 Oppositions- und Bürgerbewegung in der DDR
4.2 Wahlmanipulation 1989
4.3 Innerparteiliche Opposition

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Alles in der DDR geschehe "mit dem Volk, durch das Volk und für das Volk". "Arbeite mit, plane mit, regiere mit". Dieser angeblich wichtigste Artikel in der DDR-Verfassung sollte die Richtlinie für die theoretische und praktische Arbeit der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) sein. Doch in fast allen gesellschaftlichen Bereichen sah sich die DDR-Bevölkerung an einen erheblichen Mangel an Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ausgesetzt. Die oberste Maxime für die Machtelite in der DDR war nicht die demokratische Selbst- und Mitbestimmung für alle Bürger sondern die eigene Herrschaftssicherung und der Erhalt der politischen Stabilität. Um dieses Machtverhältnis durchzusetzen übte die SED eine bürokratische Herrschaft aus, in der ihr Führungsanspruch nicht in Frage gestellt werden durfte. Grundrechte wie die Meinungs- und Pressefreiheit, das Briefgeheimnis oder das Recht auf Privatsphäre wurden den Bürgern zwar offiziell gewährt, konnten jedoch nicht ausgelebt werden. Es lassen sich bei der Betrachtung des Herrschaftssystems einige Parallelen zum im Allgemeinen als totalitär anerkannten nationalsozialistischen Deutschland finden.

In diesem Zusammenhang wird im ersten Teil dieser Hausarbeit ein Blick auf die bekannte Totalitaritätskonzeption von Carl Joachim Friedrich und Zbigniew Brzezinski geworfen. Danach wird in Grundzügen erläutert, in wie weit nach diesem Totalitaritätskonzept die DDR während der Ulbricht-Ära als totalitär bezeichnet werden kann.

Im folgenden Teil dieser Ausarbeitung wird der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in Grundzügen erläutert. Hierbei handelt es sich um die erste Massenerhebung im Machtbereich der Sowjetunion und ist eines der Schlüsselereignisse, die den Gang der deutsch-deutschen Geschichte bis zur Einheit 1990 maßgeblich mitbestimmt hat. Zudem wird ersichtlich, welche Auswirkungen eine Herrschaft wie die der SED-Diktatur auslösen kann.

Das Konfliktpotential und der Reformdruck im eigenen Land stiegen jedoch auch nach diesem Ereignis sukzessiv an. So kam es 1989 zu der Bildung von Oppositionsgruppen, in denen sich verschiedene Gesinnungen vereinten und die versuchten Veranstaltungen zu organisieren, in denen es möglich wurde, sich kritisch zu äußern. Parallel zu diesen Bürgerinitiativen formulierten immer mehr DDR-Bürger öffentlich ihren Protest. Die Zahl der Demonstrationen und ihrer Teilnehmer, die sich gegen die SED-Herrschaft richteten, nahm weiter zu. Eine Verkettung verschiedener Ereignisse führte dann im November 1989 zu der erzwungenen Grenzöffnung und dem späteren Niedergang des SED-Regimes.

Diese Thematik wird im letzten Teil dieser Hausarbeit in Grundzügen beschrieben. Alle Unterpunkte dieser Ausarbeitung wurden nur in Grundzügen erläutert, aus dem einfachen Grunde, da sonst der Rahmen dieser Hausarbeit gesprengt werden würde.

2 Merkmale des totalitären Systems nach Carl Joachim Friedrich und Zbigniew Brzezinski

Die Totalitarismuskonzeption von Carl Joachim Friedrich erzielte im wissenschaftlichen Bereich die wohl größte Breitenwirkung. Friedrichs Standartwerk „Totalitarian Dictatorship“ entstand in Zusammenarbeit mit Zbigniew Brzezinski im Jahre 1956.[1]

Dem Strukturmodell von Carl Joachim Friedrich und Zbigniew Brzezinski liegt die Überzeugung zugrunde, dass totalitäre Diktaturen den älteren Formen der Autokratie ähneln, jedoch historisch neuartig - sui generis sind, da sie sich der Industriegesellschaft des 20. Jahrhunderts angepasst haben. Die faschistischen, kommunistischen und totalitären Diktaturen verfügen über mehr Ähnlichkeiten untereinander als zu jeglichem anderen Regierungssystem.

Friedrich und Brzezinski gehen davon aus, dass diese Regime eigendynamisch und aus den politischen Situationen resultieren, jedoch nicht bewusst entwickelt wurden.

Eine von verschiedenen politischen Gruppierungen unterschiedlich umgesetzte gesamtgesellschaftliche Krise war hierfür die Voraussetzung, da sich die historischen Vorbedingungen und Zielsetzungen unterschieden.[2]

Die kommunistische Bewegung präsentierte sich als Befreier eines unterdrückten Volkes von einem bestehenden autokratischen Regime. Die Weltrevolution des Proletariats wurde angestrebt, so die Zielsetzung der Kommunisten. Die faschistische Bewegung entstand als Reaktion auf die kommunistische Herausforderung, mit dem Ziel der imperialen Vorherrschaft einer bestimmten Nation oder Rasse über die Welt bzw. eine bestimmte Region.[3]

Totalitäre Systeme dienen also laut Friedrich und Brzezinski dazu, im Auftrag einer ideologisch motivierten Bewegung eine übermächtige Kontrolle aufleben zu lassen. Beruhend auf Organisationen und Methoden, welche mit Hilfe moderner technischer Gerätschaften entwickelt wurden. Um einer neuen, nach den Idealen dieser Bewegung geformten Massengesellschaft Platz zu schaffen, muss die bestehende Gesellschaft zerstört werden.[4]

Diese neu geschaffene Gesellschaft entspricht einer totalitären Diktatur, die sich wiederum laut Friedrich und Brzezinski durch sechs Merkmale auszeichnet. Das sogenannte Sechspunkte-Syndrom beinhaltet folgende Aspekte:

1. Eine offizielle Ideologie, an die sich alle in der Gesellschaft Lebenden zu halten haben. Sie umfasst lebenswichtige Aspekte des Menschen und lehnt gleichzeitig die bestehende Gesellschaft radikal ab.
2. Eine einzige Massenpartei, welche hierarchisch und oligarchisch aufgebaut ist und von einem Einzelnen, dem totalen Herrscher geführt wird. Meistens ist diese Partei der Staatsbürokratie übergeordnet oder mit ihr verflochten.
3. Ein Terrorsystem, bestehend aus Partei- und Geheimpolizeikontrolle. Diese richtet sich nicht nur gegen „Feinde“ des Regimes sondern auch gegen willkürlich bestimmte Gruppen in der Bevölkerung.
4. Ein Monopol der Kommunikationsmittel, welches die Kontrolle über Presse, Funk und Film in die Hände von Partei und Staat legt.
5. Ein Waffenmonopol – Anwendung von Kampfwaffen bei der politischen Führung.
6. Eine zentralgelenkte Wirtschaft – Zentrale Überwachung sowie Lenkung der gesamten Wirtschaft durch bürokratische Koordinierung zuvor unabhängiger Wirtschaftskörper.[5]

Friedrich und Brzezinski sprechen von einem erwiesenen totalitären System wenn alle Merkmale dieses Strukturmodells gegeben sind. Die vergangenen Autokratien grenzten sich hiervon ab, da niemals ein Regime diese Kombination von Merkmalen aufweisen konnte. Schon die Grenzen der Technologie verhinderten die Erlangung wirksamer Monopole (Waffen und Kommunikation). Die Voraussetzung für Totalitarismus, eines demnach historisch neuartigen Phänomens, sehen Friedrich und Brzezinski in der modernen Technologie sowie dessen Fortschritt.[6]

[...]


[1] Friedrich, C. J.; Brzezinski, Z.: Totalitarian Dictatorship and Autocracy. In: Backes, U.; Jesse, E.(Hrsg.): Totalitarismus, Extremismus, Terrorismus. Leverkusen 1984 S. 71

[2] Friedrich, C. J.; Brzezinski, Z.: Die allgemeinen Merkmale der totalitären Diktatur. In: Jesse, E. (Hrsg.): Totalitarismus im 20. Jahrhundert. Eine Bilanz der internationalen Forschung, Bonn 1996 S. 225f

[3] a.a.O. S. 229

[4] a.a.O. S. 226

[5] a.a.O. S. 230f

[6] a.a.O. S. 231ff

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640228355
ISBN (Buch)
9783640230303
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v119174
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Politikwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Grundzüge SED-Diktatur

Autor

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