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Die spätmittelalterlichen Wüstungen unter besonderer Berücksichtigung des Kreises Lippe

Hausarbeit 2008 11 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wüstungsforschung als interdisziplinäre Wissenschaft
2.1 Disziplinen und Methoden
2.2 Kategorien und Periodisierung

3. Spätmittelalterliche Wüstungen in Lippe
3.1 Charakteristika
3.2 Ursache
3.3 Wiederbesiedlung

4. Zusammenfassung

5. Literatur

1. Einleitung

Dieser Essay beschäftigt sich mit der Wüstungsforschung im Allgemeinen und den spätmittelalterlichen Wüstungen in Lippe im Speziellen. Aufgrund des beschränkten Umfangs dieser Arbeit, können viele Ansätze und Erkenntnisse lediglich kurz im Kern erfasst werden. Jedoch dienen die umfangreichen Literaturangaben dazu, das Einarbeiten in diesen Forschungskomplex zu vereinfachen.

Zuerst sollen die wissenschaftlichen Disziplinen und deren Beitrag zur Wüstungsforschung kurz vorgestellt und eine mögliche Kategorisierung und Periodisierung gegeben werden. Im Anschluss daran geht es darum, die spätmittelalterlichen Wüstungen näher zu beleuchten. Hierzu werden die Themen Lage, Größe, Verteilung, Ursachen und die Wiederbesiedlung der Wüstungen dargestellt.

Erwähnt sei noch, dass aufgrund regionaler Unterschiede die Untersuchung auf den Raum Lippe beschränkt ist und sie sich nur mit dem spätmittelalterlichen Wüstungsprozess beschäftigt. Zwar war dieser ein europäisches Phänomen, doch „jedes Land hat eben individuelle naturgeographische Voraussetzungen, die sich mit spezifischen historischen, insbesondere wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und territorialgeschichtlichen Situationen verbinden“[1], weshalb die Wüstungsvorgänge in einzelnen Regionen durchaus unterschiedlich verlaufen konnten.

2. Wüstungsforschung als interdisziplinäre Wissenschaft

2.1 Disziplinen und Methoden

An der Erforschung von Wüstungen beteiligen sich verschiedene wissenschaftliche Disziplinen. Hier sind die Geschichtswissenschaft, die Archäologie und die Geographie zu nennen. Die Geschichtswissenschaft, insbesondere die Mediävistik, beschäftigt sich dabei vorrangig mit der Auswertung schriftlicher Quellen, wie Urkunden, Klosterbüchern und historischen Karten. Dahingegen widmen sich die Siedlungsarchäologie und die historische Geographie primär den näheren örtlichen Begebenheiten, die sie mit fachspezifischen Methoden untersuchen. Hier sind die Luftbildarchäologie, die Durchführung und Auswertung von Bodenanalysen, geophysikalische Messung und das hinzuziehen weiterer naturwissenschaftlicher Methoden (u.a. Phosphatkartierung, Radiokarbonmethode, Pollenanalyse)[2] zu nennen.

Die Zusammenarbeit der Wissenschaften ist in diesem Forschungsgebiet elementar, da sich die einzelnen Disziplinen gegenseitig in ihren Thesen stützen oder widerlegen können. Beispielsweise kann es vorkommen, dass in Urkunden oder Heberegistern Ortschaften aufgeführt wurden, um die weiterhin bestehenden Herrschaftsansprüche auf diese Gebiete deutlich zu machen, obwohl diese Siedlungen bereits seit längerer Zeit wüst lagen, was durch archäologische Funde gezeigt werden konnte.[3] Somit ergibt sich bei der interdisziplinären Betrachtung eine andere Datierung, als bei der reinen Auswertung der schriftlichen Quellen.

Das Ziel der Wüstungsforschung ist die Erforschung regionaler Wüstungen und überregionaler Wüstungsprozesse und soll dazu dienen, „landschaftliche Vorgänge, wie Regression[4], aber auch Progression [...]“[5] transparent zu machen.

2.2 Kategorien und Periodisierung

Die Kategorisierung der spätmittelalterlichen Wüstungen hat sich im Lauf der Forschung ständig weiterentwickelt. Ein erstes Schema für die Unterscheidung der Wüstungen und somit auch eine begriffliche Unterscheidung lieferte Kurt Scharlau 1933. Er trennte die Begriffe Ortswüstung und Flurwüstung, wobei beide Wüstungsarten jeweils partiell oder total sein können. Als totale Wüstung definierte er das gemeinsame Auftreten einer totalen Ortswüstung mit einer Flurwüstung.[6]

Aufgrund neuer Erkenntnisse und Forschungsansätze musste Scharlaus Definition überarbeitet werden. Dies veranlasste Gerhard Henkel dazu, Scharlaus Wüstungsschema zu erweitern. Zunächst führte er eine neue Wüstungsart ein: Die Bergwerks-/Gewerbestättenwüstung oder Industrie-wüstung. Des Weiteren kam hinzu, dass neben der Unterscheidung von Art und Ausmaß, auch die Dauer in Henkels Schema berücksichtigt wurde.[7] Somit ergab sich folgende Tabelle[8]:

[...]


[1] Jäger, Helmut, Historische Geographie, Braunschweig 1973, S. 85.

[2] Näheres bei Bergmann, Rudolf, Quellen, Arbeitsverfahren und Fragestellungen der

Wüstungsforschung, in: Siedlungsforschung. Archäologie-Geschichte-Geographie 12 (1994), S. 43ff. und Henkel, Gerhard, Stand und Aufgaben der modernen Wüstungsforschung, in: Natur- und Landschaftskunde in Westfalen 11 (1975), S. 104.

[3] Bergmann, Quellen, S. 37.

[4] Phase, in der die Anzahl der wüstgefallenen Siedlung der Anzahl der Neugründungen

überwog. Antonymisch dazu: Progression.

[5] Jäger, Historische Geographie, S. 18.

[6] Henkel, Stand und Aufgaben, S. 97-99.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

Details

Seiten
11
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640225835
ISBN (Buch)
9783640227372
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v119081
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,0
Schlagworte
Wüstungen Berücksichtigung Kreises Lippe Ostwestfälische Landesgeschichten

Autor

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Titel: Die spätmittelalterlichen Wüstungen unter besonderer Berücksichtigung des Kreises Lippe