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Der Mittelstand im Prozess der Globalisierung

Eine Bestandsaufnahme im Sommer 2008

Seminararbeit 2008 29 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition des industriellen Mittelstands
2.1 Quantitative Definition
2.2 Qualitative Definition
2.3 Zusammenspiel quantitativer und qualitativer Mittelstandskriterien
2.4 Kritische Betrachtung

3 Externe Herausforderungen der Globalisierung
3.1 Wirtschaftspolitisches Umfeld
3.1.1 Deutsche Mittelstandspolitik
3.1.2 Politische Entwicklungen
3.2 Konjunkturelle Situation im Kontext gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen
3.2.1 Konjunktur zur Jahresmitte
3.2.3 Konjunkturelle Erwartungen
3.3 Ökologisches Umfeld
3.3.1 Rohstoffverknappung
3.3.2 Klimawandel

4 Interne Herausforderungen an die Unternehmensführung
4.1 Personalpolitik im demografischen Wandel
4.1.1 Folgen für den Mittelstand
4.1.2 Personalpolitische Maßnahmen
4.2 Globale Wachstumsstrategien in internationalen Märkten

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse der spezifischen Herausforderungen des deutschen Mittelstands im Wirkungsgefüge aktueller nationaler und globaler Märkte. Das Ergebnis der Arbeit ist eine Bestands- aufnahme des Mittelstands im Prozess der Globalisierung im Sommer 2008.

Zunächst werden in Kapitel zwei die Unterschiede der kleinen und mittleren Unternehmen zur Gruppe der Familienunternehmen genannt. Die definitorische Abgrenzung wird sodann einer arbeitsfähigen Operationalisierung unterzogen.

Das Kapitel drei befasst sich mit der Analyse der externen Herausforderungen und deren Auswirkungen auf das Makroumfeld des Mittelstands. Im Blickpunkt steht das wirtschaftspolitische Umfeld, mit der Frage nach der Notwendigkeit einer Mittelstandspolitik und die Bedeutung gegenwärtiger politischer Entwicklungen. Die konjunkturelle Situation wird im Kontext gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen betrachtet. Daneben werden die Wirtschaftsaussichten auf das kommende Jahr dargestellt. Aus ökologischer Sicht werden mit der Rohstoffverknappung sowie dem Klimawandel die zurzeit wichtigsten externen Einflussfaktoren auf die Gewinnlage des Mittelstands diskutiert.

Das Kapitel vier stellt dagegen die internen Herausforderungen und deren Auswirkungen auf die Unternehmensführung in den Mittelpunkt der Betrachtung. Die Personalpolitik steht dabei im Rahmen des demografischen Wandels. Nach der Darstellung der Folgen für den Mittelstand erfolgt die Betrachtung personalpolitischer Maßnahmen, mit denen dem drohenden Fach- und Führungskräftemangel sowie des notwendigen Wissenstransfers zwischen den Generationen entgegengewirkt werden kann. Ferner wird gezeigt mit welcher globalen Wachstumsstrategie auch mittelständische Unternehmen in internationalen Märkten wachsen können.

Kapitel fünf schließlich fasst die Erkenntnisse der einzelnen Einflussfaktoren zu einem Gesamtergebnis zusammen.

2 Definition des industriellen Mittelstands

Der industrielle Mittelstand als solcher ist eine abstrakte und je nach Art und Spannbreite der Definition eine sehr heterogene und vielfältige Größe. Obwohl die Begriffe kleine und mittlere Unternehmen (KMU), mittelständische Unternehmen und Familienunternehmen in der Praxis häufig synonym verwendet werden, besteht für den Wirtschaftsbereich des Mittelstands keine einheitliche Definition (vgl. IFM MANNHEIM 2008). Der Mittelstand hat aber eine sowohl quantitative als auch qualitative Ausprägung, welche zu zwei verschiedenen Definitionsansätzen in der Literatur führt (vgl. WOLTER/HAUSER 2001).

2.1 Quantitative Definition

Der quantitative Ansatz setzt sich mit der Gruppe der KMU pragmatisch, d. h. auf der Grundlage statistischer Kennzahlen, auseinander. Typischerweise wird die Mitarbeiteranzahl, der Jahresumsatz oder die Bilanzsumme als quantitatives Merkmal herangezogen.

In Deutschland bekennt man sich zu einer flexiblen Auslegung des Mittelstandsbegriffs (vgl. BDI 2008a). Gleichzeitig orientiert man sich aber an der Definition des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM Bonn), bei der sich die Gesamtheit des Mittelstands aus allen KMU mit weniger als 500 Beschäftigten respektive 50 Millionen Euro Jahresumsatz zusammen setzt. Dabei zählen Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten respektive weniger als 1 Million Euro Jahresumsatz zu den kleinen und solche mit zehn bis 499 Beschäftigten bzw. einem Jahresumsatz von 1 Million Euro bis unter 50 Millionen Euro zu den mittleren Unternehmen (vgl. IFM BONN 2008a).

Dagegen benutzt die Europäische Union (EU) weniger den Begriff Mittelstand, sie spricht vielmehr von KMU und unterteilt diese noch mal in Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen. Ein Unternehmen wird dann als KMU betrachtet, wenn es nicht mehr als 250 Beschäftigte hat und entweder nicht mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftet oder eine Bilanzsumme von weniger als 43 Millionen Euro aufweist (vgl. EU-KOMMISSION 2003a).

2.2 Qualitative Definition

Den meisten qualitativen Definitionen ist gemeinsam, dass sie auf die enge Verbindung zwischen dem Unternehmen und dem Eigentümer abstellen, d. h. sie ziehen als weiteres erklärendes Merkmal die Eigentümerstruktur bzw. Konzernunabhängigkeit mit hinzu. Demnach zählen auch Unternehmen, bei denen Eigentums- und Leitungsrechte in der Person des Unternehmers vereint sind, zum Mittelstand. Die Eigentümerführung wird nach den Operationalisierungskriterien des IfM Bonn als gegeben angesehen, wenn bis zu zwei natürliche Personen oder ihre Familienangehörigen mindestens 50 Prozent der Anteile eines Unternehmens halten und diese natürlichen Personen der Geschäftsführung angehören (vgl. IFM BONN 2008b). Die in diesem Zusammenhang auch als Familienunternehmen bezeichneten Unternehmen zählen wie die KMU zum Mittelstand, unterliegen jedoch keinen Größengrenzen und sind ausschließlich qualitativ definiert (vgl. ausführlich WALLAU/KAYSER 2001, S. 43 f.).

Dieses Unabhängigkeitskriterium spiegelt sich auch in der Definition der EU wieder, die neben den o. g. quantitativen Kriterien auch die weitgehende Unabhängigkeit der Unternehmen verlangt (vgl. EU-KOMMISSION 2003a). So dürfen sich KMU nicht zu mehr als 25 Prozent im Besitz eines größeren Unternehmens befinden, welches selbst die Definition der KMU nicht erfüllt. Auch nach der Definition des IfM Bonn müssen die Unternehmen konzernunabhängig sein (vgl. IFM BONN 2008a).

2.3 Zusammenspiel quantitativer und qualitativer Mittelstandskriterien

Beim Verständnis des Mittelstands reichen quantitative Kriterien allein nicht aus (vgl. HAUSER/WOLTER 2007, S. 7 f). Vielmehr wird der Mittelstand durch den personengeprägten Zuschnitt der Unternehmen charakterisiert (vgl. WALLAU 2006, S. 13). Dies macht die Erweiterung des quantitativen Rasters durch strukturelle Merkmale erforderlich. Zentrales Merkmal stellt hierbei die Einheit von Unternehmensleitung und Eigentum dar.

Dies hat zur Folge, dass der Mittelstand je nach Art der Eigentumsverhältnisse oft auch in drei Gruppen untergliedert wird. Die erste Gruppe stellt die klassischen mittelständischen Unternehmen dar, in denen der Manager auch der Inhaber oder ein Mitglied der Eigentümerfamilie ist. Ein weiterer Teil der KMU wird von angestellten Managern geleitet, ist aber nicht konzerngebunden. Mit der Gruppe drei verbleiben schließlich noch die konzerngebundenen KMU. Diese unterscheiden sich jedoch i. d. R. deutlich von den beiden anderen. Strategische Entscheidungen werden von einer möglicherweise räumlich getrennt sitzenden Konzernleitung im Interesse der Gruppe entschieden, die nicht unbedingt mit den Interessen des Unternehmens übereinstimmen. Im Gegenzug haben abhängige Unternehmen Zugang zu den Betriebsmitteln der Unternehmensgruppe und sind hinsichtlich der Investitionen in einer besseren Position als konzernunabhängige KMU. Allen drei Unternehmensgruppen ist gemeinsam, dass sie maximal 500 Beschäftigte haben dürfen (vgl. BMWI 2007, S. 10 f.).

2.4 Kritische Betrachtung

Legt man die Definition des IfM Bonn zu Grunde, so zählen 99,7 Prozent der Unternehmen in Deutschland zu den KMU (vgl. IFM BONN 2008c). Darf bei einer solchen Größendimension aber wirklich von einer real existierenden Gruppe mittelständischer Unternehmen gesprochen werden oder handelt es sich nur um eine wählerwirksame Begriffsbildung aus der Politik und den Medien? So gesehen wäre dann jegliche Wirtschaftspolitik automatisch Mittelstandspolitik, eine Mittelstandsforschung würde sich als eine Unternehmensforschung entpuppen und ein Mittelstandsbeauftragter als Unternehmensbeauftragter fungieren (vgl. ZEW 2008). Vielmehr scheint es sinnvoll die branchen- spezifischen Unterschiede mit in die Betrachtung einzubeziehen und eine Segmentierung eher nach konkreten Fragestellungen vorzunehmen.

3 Externe Herausforderungen der Globalisierung

Turbulente und tief greifende nationale und internationale Veränderungen stellen den industriellen Mittelstand täglich neu vor massive unternehmerische Herausforderungen. Einige dieser Trends und Prozesse wie beispielsweise die Globalisierung haben ihren Ursprung bereits in den neunziger Jahren und setzen sich kontinuierlich weiter fort. Umso dynamischer werden die Folgen der Globalisierung, wie etwa die Rohstoffverkappung oder auch der Klimawandel, das Umfeld des Mittelstands in den nächsten Jahren verändern.

3.1 Wirtschaftspolitisches Umfeld

3.1.1 Deutsche Mittelstandspolitik

Mittelständische Unternehmen haben in jeder Marktwirtschaft eine zentrale volkswirtschaftliche Bedeutung. Vor allem die deutsche Volkswirtschaft ist kaum wie eine andere durch KMU geprägt. Auf sie entfallen 38,3 Prozent aller Umsätze und 65,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Ihr Anteil an den Auszubildenden beläuft sich auf 82,7 Prozent. An der Nettowertschöpfung der Unternehmen halten sie einen Anteil von 47,2 Prozent (vgl. IFM BONN 2008c). Aus diesem Grund wird in der Wirtschaftspolitik der Begriff Mittelstand gerne und häufig gebraucht. Egal ob vom „Motor für Beschäftigung und Wachstum“ die Rede ist oder als „Rückgrat der sozialen Marktwirtschaft“ bezeichnet, ist er Ziel vielfältiger Förderaktivitäten und gilt als Hoffnungsträger von Beschäftigungspolitik, aber auch Wachstums- und Innovationspolitik (vgl. BDI 2006a, EU-KOMMISSION 2003b).

Der Konsens darüber, dass ein ökonomisch gesunder Mittelstand eine tragende Säule der sozialen Marktwirtschaft darstellt, sollte sich konsequenter Weise in geeigneten wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen widerspiegeln. Mit Blick auf die sich verschärfenden nationalen und internationalen Herausforderungen durch die Globalisierung stellt sich jedoch die Frage, ob die Wirtschaftspolitik in Deutschland dem herausragenden Stellenwert mittelständischer Unternehmen auch wirklich gerecht wird.

„In der sozialen Marktwirtschaft muss dafür gesorgt sein, dass Risiken, Mühen und Chancen der unternehmerischen Tätigkeit in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen, damit sich genügend Menschen finden, die das Wagnis der Selbstständigkeit und unternehmerischen Verantwortung eingehen (…).“ Eine sinnvolle Mittelstandspolitik muss ihre Hauptaufgabe darin sehen, den Mechanismus eines freien Marktes zu erhalten und gleichzeitig für sozialen Ausgleich zu sorgen, so haben Ludwig Ehrhard und Alfred Müller-Armack vor mehr als drei Jahrzehnten die Voraussetzungen für den Schritt hin zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit definiert (vgl. ausführlich EHRHARD/MÜLLER- ARMACK 1972, S. 268 f.).

Die Ergebnisse des deutschen Mittelstandsbarometers belegen jedoch, dass die in der Vergangenheit aufgebauten wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischen Hemmnisse auch heute noch für den Mittelstand hinderliche Rahmenbedingungen darstellen. Neben der Steuer- und Abgabenbelastung gibt es nur einen weiteren Faktor, den KMU ähnlich stark belastend empfinden wie die staatliche Bürokratie und Regulierung. Jedoch hat sich aber auch keine der anderen abgefragten Rahmenbedingungen in den letzten Befragungsrunden so kontinuierlich in der Bewertung verbessert wie der Faktor Bürokratie (vgl. LINGENFELDER/STADLER 2008, S. 10 f.). Demzufolge kämpft der Mittelstand aber noch immer mit den Folgen des sozialstaatlichen Interventionismus vergangener Tage. Angesichts des steigenden Reformdrucks auf Grund der globalen Herausforderungen erscheint daher eine Rückbesinnung auf die soziale Marktwirtschaft im Sinne einer „Freude am Unternehmertum“ fördernden Politik, so wie sie von Ludwig Ehrhard verstanden wurde, notwendiger denn je.

3.1.2 Politische Entwicklungen

Die stützende Rolle des Mittelstands für die wirtschaftliche Stabilität wird mittlerweile von allen politischen Parteien erkannt und hervorgehoben, wenn gleich die Konsequenzen daraus für das jeweilige Regierungshandeln unterschiedlich sind (vgl. STROTHMANN 2006, S. 89 f.). Jedoch lassen alle politischen Diskussionen erkennen, dass es heute mehr um den Weg und die Richtung von Reformen geht.

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Details

Seiten
29
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640225545
ISBN (Buch)
9783640238217
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118998
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,3
Schlagworte
Mittelstand Prozess Globalisierung Unternehmensführung

Autor

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