Lade Inhalt...

Hannah Ahrendt und Aristoteles

Antiker und moderner Politikbegriff im Vergleich

Hausarbeit 2007 14 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhalt

Einführung

Das politische Denken in der Antike: Der Politikbegriff des Aristoteles
Vorbedingung aristotelischen Denkens
Die griechische Polis
Das voraristotelische politische Denken
Der Begriff des Politischen bei Aristoteles
Das Ziel des Politischen
Die Polis als einzig politischer Raum

Der Politikbegriff Hannah Arendts
Politik als Handeln: Einführung in den Politikbegriff Hannah Arendts
Der politische Raum und die ihn konstituierenden Elemente
Das Handeln in Abgrenzung zum Herstellen und Arbeiten

Vom Verhältnis der Politikbegriffe Hannah Arendts und Aristoteles
Die Normativität des Politikbegriffs
Bezugnahmen Hannah Arendts auf Aristoteles
Die Kritik des Zoon Politikon
Spontanität als Element des Politischen
Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Schlusswort und Fazit der Untersuchung

Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur

Einführung

In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung wird mitunter die gesteigerte Bedeutung der Auseinandersetzung mit dem Werk Hannah Arendts vor dem Hintergrund der Terroranschläge vom 11. September 2001 betont. Oft liegt dabei, was durchaus nahliegend ist, der Schwerpunkt auf Arendts Hauptwerk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“. Dieses gestiegene Interesse an Hannah Arendt lässt es sinnvoll erscheinen sich auch mit ihrem anderen Hauptwerk, „Vita Activa oder Vom tätigen Leben“, verstärkt auseinanderzusetzen. Zu eben dieser Auseinandersetzung will die vorliegende Arbeit einen Beitrag leisten.[1]

Zweck dieser Untersuchung soll die Auseinandersetzung mit zwei in der wissenschaftlichen Publizistik zu findenden hesen sein. Die erste dieser hesen ist die Dolf Sternbergers gemäß welcher das Denken Hannah Arendts seinen Ursprung nicht, wie von ihr selbst in ihren Werken mitunter angedeutet, im platonischen sondern vielmehr im aristotelischen Denken hat. Die andere hese ist eine Lesart des arendtschen Denkens welche von Margaret Canovan stammt, und welche unter anderem auch von Richard J. Bernstein vertreten wird, nach der der Ursprung der politischen Philosophie Hannah Arendts nicht in ihrer Auseinandersetzung mit der antiken politischen Philosophie sondern in der Erfahrung des Totalitarismus liegt.[2]

Gewissermaßen als hese dieser Arbeit soll dabei versucht werden durch eine Gegenüberstellung des politischen Denkens Hannah Arendts mit dem des Aristoteles einerseits ein Urteil über die hese Sternbergers zur ermöglichen und zugleich aufzuzeigen, dass der Interpretationsansatz gemäß dessen das arendtsche Denken in dem der Antike wurzelt durchaus seine Daseinsberechtigung hat.

Zu diesem Zweck sollen im Folgenden die Politikbegriffe von Hannah Arendt und Aristoteles vorgestellt und ein Vergleich der beiden angestellt werden. Wie bereits angedeutet soll dabei der Schwerpunkt der Untersuchung bezogen auf Hannah A- rendt auf ihrem Werk „Vita Activa oder Vom tätigen Leben“ liegen.

Das politische Denken in der Antike: Der Politikbegriff des Aristoteles

Vorbedingung aristotelischen Denkens
Die griechische Polis

Eine wichtige Bedingung für das Politikverständnis in der Antike ist die Polis als politische Einheit welche sich in mannigfaltiger Weise von unserem heutigen Staat unterscheidet. Als Hauptmerkmal der Polis mag dabei gelten, dass das Schicksal des Einzelnen Bürgers deutlich enger mit dem der Polis verknüpft war, und wohl als direkter verknüpft empfunden wurde, als dies im modernen Staat der Fall ist. Diese

Verknüpfung findet ihren stärksten Ausdruck in den Hoplitenphalanxen welche aus den Bürgern der Polis rekrutiert wurden und damit die in der Polis getroffene Entscheidung über Krieg und Frieden direkt mit dem Leben bzw. Tod des Einzelnen verknüpfte. Ungeachtet dessen bleibt allerdings festzustellen, dass, wie noch näher auszuführen sein wird, das Politische im eigentlichen Sinn für die Griechen innerhalb der Polis statt fand und daher die Entscheidung über Krieg und Frieden nicht dem Politischen zuzuordnen ist sondern hier einfach ein Element einer besonders engen Verknüpfung von Polis und Bürger darstellt.[3]

Das voraristotelische politische Denken

Es wird nun vorab zu fragen sein, was denn das Politische für die Griechen im Allgemeinen war bevor eine Annäherung an den Politikbegriff des Aristoteles möglich ist. Wie im vorangegangenen Absatz bereits angedeutet war das Politische erst einmal jenes Handeln[4] welches auf die Polis, also auf die Gemeinschaft, ausgerichtet war und mithin als dem Gemeinwohl dienliches Handeln bezeichnet werden kann. Demnach ist nicht politisches Handeln per se auf den eigenen Nutzen ausgerichtet.

Die Sphäre des nicht Politischen, also der Haushalt, kann dabei allerdings durchaus ökonomischen Zwängen unterliegen.[5]

Der Begriff des Politischen bei Aristoteles

An dieser Stelle erscheint es nun geboten sich mit der Frage auseinander zu setzen, was nun eigentlich den spezifisch aristotelischen Politikbegriff im Gegensatz zu dem allgemeinen politischen Denken der Antike ausmacht.

Zu Grunde legen kann man an dieser Stelle die aristotelische Definition der Politikwissenschaft als Wissenschaft welche die „Frage nach dem Guten als Ziel des menschlichen Handelns und die Frage nach dem Guten als dem Ordnungsprinzip der Gesellschaft“[6] zum Gegenstand hat.[7]

Das Ziel des Politischen

Als höchstes Ziel des Handelns, und zugleich als höchstes Gut, wird dabei versucht Glückseligkeit zu erreichen. Diese hat zweierlei Kriterien zu erfüllen: Sie muss um ihrer selbst Willen zu erreichen versucht werden, darf also nicht dem Erreichen eines anderen Gutes dienen wie dies bei intermediären Gütern der Fall ist, und sie muss darüber hinaus allein in der Lage sein den Menschen zufrieden zu stellen.

Wie oben bereits angedeutet besteht für Aristoteles das Ziel des Handelns im Erreichen von Gütern. Für die Politik, welche wie dargelegt wurde ein auf die Gemeinschaft der Polis ausgerichtetes Handeln ist, bedeutet dies nun, dass ihr Ziel, sieht man an dieser Stelle von der Frage nach der Organisation der Polis welche sie, im Rahmen der Politikwissenschaft, auch zu klären hat ab, das Erreichen gemeinschaftlicher Güter, schlussendlich also das Erreichen des höchsten gutes für die Gemeinschaft, zu sein hat.[8]

[...]


[1] vgl. Meints, Waltraud: Im Schatten des Terrors. Zugleich ein Vorwort, in: Meints, Waltraud; Katherine Klinger (Hrsg.): Politik und Verantwortung. Zur Aktualität von Hannah Arendt, Hannover 2004, S. 7 - 13.

[2] vgl. Sternberger, Dolf: he Sunken City: Hannah Arendt's Idea of Politics, in: Social Research Jg. 44 (1977) I, S. 132 - 146, S. 133; vgl. Bernstein, Richard J.: Nicht Geschichte, sondern Politik: Ursprünge totaler Herrschaft, in: Meints, Klinger (Hrsg.): Politik und Verantwortung, a.a.O., S. 87 - 104, S.95.

[3] vgl. Meier, Christian: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen, Frankfurt a.M. 1980, S. 67 f.

[4] Das Handeln ist hier nicht im Sinne des arendtschen Begriffs des Handelns zu verstehen.

[5] vgl. ebd., S. 15 ff.

[6] Weber-Schäfer, Peter: Einführung in die antike politische heorie. Teil 2 Von Platon bis Augustinus, Darmstadt 1976, S. 37.

[7] vgl. ebd.

[8] vgl. ebd., S41.

Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640221622
ISBN (Buch)
9783640223510
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118898
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Hannah Ahrendt Aristoteles

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Hannah Ahrendt und Aristoteles