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Männlichkeit in Benjamin von Stuckrad-Barres "Soloalbum"

Seminararbeit 2008 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Männliche und popmännliche Verhaltens- und Handlungsweisen der männlichen Hauptfigur in Benjamin von Stuckrad – Barres „Soloalbum“
2.1. Der Bezug der Hauptfigur zu Sexualität und seine Beziehung zu Frauen
2.2. Männlicher Körperkult
2.3. Männliches Dominanzstreben

3. Schlussbetrachtung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Thema Männlichkeit in Benjamin von Stuckrad – Barres Roman „Soloalbum“.

Dabei beschränke ich mich auf männliche und popmännliche Verhaltens- und Handlungsweisen der männlichen Hauptfigur. Zunächst gehe ich darauf ein, welchen Bezug die Hauptfigur zu Sexualität und welche Beziehung sie zu Frauen hat, um zu zeigen, welchen Stellenwert Sex in seinem Leben hat und welche Funktion die Frau im Fokus dieses Mannes zu haben scheint.

Anschließend befasse ich mich mit dem männlichen Körperkult der Hauptfigur. Ziel hierbei ist, zu zeigen, welche Rolle das äußere Erscheinungsbild in Bezug auf die Männlichkeit einnimmt und inwiefern es männliches Verhalten und Männlichkeit beeinflusst und konstruiert.

Abschließend befasse ich mich dann mit männlichem Dominanzstreben, was als eine natürlich vorhandene und durch die männlichen Gene bedingte männliche Grundeigenschaft anzusehen ist. Auch hier ist das Ziel zu zeigen, inwiefern diese Eigenschaft bei der männlichen Hauptfigur ausgeprägt ist und wie sich dieses Dominanzstreben konkret äußert.

Die zentrale Fragestellung, welche der Erarbeitung zugrunde liegt, lautet: „Inwiefern ist das Verhalten der männlichen Hauptfigur als männlich anzusehen und welche Hauptursache liegt seinem Verhalten und seinem Handeln zugrunde?“

Das Ziel, welches ich mit der Erarbeitung der Thematik verfolge, ist, in klaren Zügen grundlegende Merkmale und Eigenschaften von Männlichkeit der Hauptfigur herauszufiltern und diese anhand von Beispielen genauer zu verdeutlichen.

2. Männliche und popmännliche Verhaltens- und Handlungsweisen der männlichen Hauptfigur in Benjamin von Stuckrad – Barres „Soloalbum“

2.1. Der Bezug der Hauptfigur zu Sexualität und seine Beziehung zu Frauen

In der Regel ist der Mann vor allem an „sexuellen Eroberungen“ (W. Connell, 1999, S. 87) interessiert. In Benjamin von Stuckrad - Barres „Soloalbum“ werden gewisse männliche Verhaltensweisen bezüglich des Umgangs beziehungsweise (bzw.) der Funktion der Frau im Fokus des Mannes anhand des Hauptcharakters sehr deutlich. Während der Beziehung mit seiner Ex – Freundin Katharina, beschäftigte er sich weitestgehend nur mit anderen Frauen. So gesteht er gleich zu Anfang auch: „Ich habe Sie betrogen, ich habe mich anderweitig umgeschaut, mich nicht um sie gekümmert, schubweise dann wieder sehr – jedenfalls war es nie ganz zu Ende.“ (Stuckrad - Barre, 2007, S.16) Des Weiteren habe er „während der Zeit mit Katharina […] verschiedentlich an Soloprojekten gearbeitet. Die heißen Isabell, Susanne, Katinka zum Beispiel“ (ebd., S.25). Aus diesen Zitaten geht deutlich hervor, dass die Hauptfigur während seiner Beziehung mit der Frau, für die er nach der Trennung plötzlich „diese nie gekannte Zuneigung und Verbundenheit“ (ebd., S.16) empfindet, mehrfach fremdgegangen ist und seine sexuellen Bedürfnisse versucht hat, bei anderen Frauen zu befriedigen. Er war sich dessen bewusst, eine Freundin zu haben und nutzte dies als Chance, sich neben seiner eigentlichen Beziehung mit anderen Frauen einzulassen. So sagt der Verlassene selbst: „Als es mit Katharina noch lief, war die Faszination, die von ihr ausging, groß. Da hatte ich eine Homebase und konnte in Ruhe herumstreunen und –küssen“ (ebd., S.25). Auffällig ist auch, dass er nach dem Ende der Beziehung diesbezüglich einen vollkommen anderen Standpunkt vertritt. Er sagt, dass er oft hört, dass viele Männer sich nach dem Ende einer Beziehung zunächst einmal mit anderen Frauen vergnügen, und dass ihm nichts ferner liegen würde (vgl. Stuckrad - Barre, 2007, S. 25). Jedoch ändert er seine Meinung ziemlich schnell, da er befürchtet, er könnte vielleicht nie wieder „richtigen Sex haben“ (Stuckrad - Barre, 2007, S. 112). So kommt es, dass er mit seinem Freund Alf in den Puff geht (vgl. Stuckrad - Barre, 2007, S. 114) um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Angekommen im Freudenhaus, geht er mit einer Frau mit, bei der ihm als erstes auffällt, dass sie „große Titten“ (Stuckrad - Barre, 2007, S. 115) hat. Anknüpfend an diese Feststellung, fällt ihm auf, dass die Frau „auch sonst ganz hübsch ist“ (ebd.). In dieser Situation wird deutlich, dass die Hauptfigur die Frau lediglich als Lustobjekt betrachtet, da zunächst eine deutliche Reduzierung auf das Körperliche, nämlich die Brust der Prostituierten, erfolgt. Um sich selbst interessanter zu machen und seine Erfolgschancen bei Frauen zu vergrößern, lügt er sie unter anderem auch an. Man kann hierbei auch von männlichem Imponiergehabe sprechen. Somit versucht er bei den Frauen besser anzukommen um sie anschließend auszunutzen. „Ich sehe immer zu, daß ich Erstsemesterdamen anspreche, denen kann man alles erzählen, und sie haben sehr große Augen und denken, das sein nun aber aufregend hier. Sie haben noch keinen Vergleich, und das nutzt man dann eben aus“ (Stuckrad - Barre, 2007, S. 118). Dieses Verhalten bestätigt sich, als er eine Frau namens Nadja kennenlernt. Er zeigt sich nicht sonderlich beeindruckt von ihr und bemerkt: „Wenn man das D in der Mitte wegläßt, heißt sie Naja“ (ebd., S. 121). Sein eigentliches Desinteresse an Nadja als Mensch und Individuum bekundet er, indem er meint, dass sie sehr uninteressant sei und dass er sie in manchen Situationen am liebsten sofort loswerden möchte (vgl. Stuckrad - Barre, 2007, S. 181). Er nutzt sie aus um seine sexuellen Bedürfnisse wenigstens mit irgendeiner Frau befriedigen zu können. Es stehen also auch bei dieser Frau wieder rein sexuelle Aspekte im Vordergrund. „Das Ficken mit ihr macht nicht sonderlich viel Spaß, aber der wenige Spaß ist angesichts der monatelangen Totalflaute natürlich immer noch kosmisch“ (Stuckrad - Barre, 2007, S. 181). Natürlich hat jeder Mann in gewisser Weise ein individuelles Idealbild einer Frau vor Augen, an dem man sich bei der Partnerauswahl orientiert. Dieses Idealbild setzt sich meistens aus dem Charakter und der äußerlichen Erscheinung zusammen. Dass Nadja äußerlich nicht den Vorstellungen der Hauptfigur entspricht, wird klar, als er sagt: „Sie hat kleine Titten, ist dann aber mittig sehr fett, das ist also schon mal genau verkehrt herum“ (ebd.). Obwohl Nadja in keiner Weise dem Idealbild von Frau der Hauptfigur entspricht, benutzt er sie trotzdem, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen und nutzt sie demzufolge aus. Nadjas Figur missfällt ihm so sehr, dass er entscheidet, erst mit ihr zu schlafen, sobald es dunkel ist und er sie nicht mehr sehen kann (vgl. Stuckrad - Barre, 2007, S. 182). Zudem beschließt er während des Geschlechtsverkehrs an Katharina zu denken, da diese im Gegensatz zu Nadja seine Idealvorstellung von einer Frau verkörpert, was ihm jedoch erst nach der Trennung richtig bewusst wird. So beschriebt er Katharina auch als „die Schönste, die Beste“ (Stuckrad - Barre, 2007. S. 81). Er findet Nadja nicht nur hässlich, sondern ist auch der Ansicht, sie sei eine „abartig dumme Frau“ (ebd., S. 183).

Sex spielt im Leben der männlichen Hauptfigur eine primäre Rolle, was deutlich wird, als er sagt: „Ich denke wirklich oft und gerne an Sex […]“ (ebd., S. 182). Da er seine sexuellen Bedürfnisse nicht immer mit einer Frau befriedigen kann, onaniert er oft. Deutlich wird dies aus Zitaten wie: „Ich denke den ganzen Tag daran, wenn ich nicht gerade onaniere […]“ (ebd., S. 47) oder „[…] onaniere in den Dünen, das macht großen Spaß“ (ebd., S. 128). Er ist der Meinung, dass das Onanieren „ja immer zu kurzfristiger Klarsicht“ (ebd., S. 192) führt. Der Sexualtrieb der Hauptfigur, welche aus diesen Beispielen sehr deutlich hervortritt, ist in diesem Zusammenhang als eine weitere männliche Verhaltensweise anzusehen, welche genetisch bedingt in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten kann. Bei der Hauptfigur scheint der Akt der Selbstbefriedigung schon zu einer fest eingespielten Verhaltensweise geworden zu sein. Sogar an bestimmten Orten bzw. in bestimmten Situationen kann er nur an Sex denken und lässt sich von seinen Trieben steuern. So hat er sogar während seines Urlaubs nichts anderes im Kopf, als Sex. Eine der ersten Dinge die er nach seiner Ankunft auf der Insel in Angriff nimmt, ist, Kondome zu kaufen, was ihm ratsam erscheint (vgl. Stuckrad - Barre, 2007, S. 128). Während seines Urlaubs lernt er eine Frau kennen, mit der er auch Sex hat. Er schildert die Situation wie folgt: „Wir liegen dann morgens am Strand unter einer Schaukel und ficken ein bißchen. Ficken ist ja wirklich vollkommen schwierig, wenn man es monatelang nicht getan hat“ (Stuckrad - Barre, 2007, S. 129). Durch seine Ausdrucksweise, womit ich vor allem auf das Wort ‚Ficken‘ verweisen möchte, wird bestätigt, dass es sich bei dem Geschlechtsverkehr in keiner Art und Weise um einen Akt der Liebe handelt. Es geht ihm meistens nicht darum irgendwelche Gefühle zu entwickeln, sondern einfach seine männlichen Triebe zu befriedigen und sich somit auch in seiner infrage gestellten Rolle als Mann bestätigt zu fühlen. Außerdem drückt er durch die häufige Verwendung des Begriffs seine Gleichgültigkeit für die Frau als Individuum aus. Im Fokus der Hauptfigur stehen hierbei, wie von Männern allgemein angenommen wird, körperliche Interessen und die Befriedigung der eigenen Sexualtriebe. Mit einer solchen Einstellung wird die Frau in den Augen des Mannes schlichtweg als Lustobjekt angesehen. An einer Stelle im Text spricht er davon, wie bestimmte Männer in den Osten fuhren, um dort „Prollweiber zu ficken“ (Stuckrad – Barre, 2007, S. 58) und „flachzulegen“ (ebd.). In gewisser Weise schafft er durch die Geringschätzung der Frau durch seine Ausdrucksweise eine Hierarchie, in der der Mann an der Spitze und die Frau darunter steht, da die Frau, wie bereits erwähnt lediglich Mittel zum Zweck ist. So sagt er auch selbst: „Denn natürlich geht alles wieder nur ums Ficken. Mir ja auch, aber man muß das ja verschleiern, wegen Bildung, Herkunft, Kinderstube“ (Stuckrad - Barre, 2007, S. 58). Diese Hierarchie liegt, so wie das Interesse an sexuellen Eroberungen, in den Genen des Mannes begründet (vgl. W. Connell, S. 66). Oft spricht die Hauptfigur sehr abwertend über Frauen, die ihn in keiner Weise ansprechen. Eine seiner bereits erwähnten Soloprojekte während der Beziehung mit Katharina heißt Susanne. Auch sie entspricht seiner Idealvorstellung von einer Frau nicht. Er beschreibt sie als „recht häßlich“ (Stuckrad - Barre, 2007, S. 25) und meint, sie habe „überhaupt keinen Selbstrespekt“ (ebd.), was er natürlich nur begrüßen kann, da er sie somit leicht steuern und für seine Zwecke ausnutzen kann. Das bedeutet im Klartext, dass diese Frau für ihn als Mann, ideale Grundvoraussetzungen bietet, um ausgenutzt zu werden. Er selbst sagt auch, dass Susanne „nichts für draußen“ (ebd., S. 25) sei, was impliziert, dass sie in seinen Augen ausreicht, um mit ihr zu schlafen, jedoch in der Öffentlichkeit und im Freundeskreis nicht vorzeigbar erscheint. Somit ordnet er sie sich unter und es entsteht eine Hierarchie, in der er sich an die Spitze setzt. Auch denkt er sehr abwertend über Frauen, mit denen er keinen Sex hat, die ihm aber irgendwie in gewisser Weise missfallen. Eine Frau in einem Laden beschreibt er, oberflächlich, wie es Männer nachgesagt wird, als eine „hagere Häßliche mit Brille und Schwitzflecken auf dem ausgeleiertem T-Shirt“ (ebd., S. 26). Äußerst abwertend stellt er daraufhin fest: „Ich denke mal, wenn die Dienst hat, geht der Umsatz der Bude sofort um 80% zurück“ (ebd.). Auch an diesem Beispiel wird deutlich, dass die Hauptfigur eine Hierarchie erzeugt, in der die Frau unter ihm steht. Diese abwertende Haltung vertritt er jedoch nicht allen Frauen gegenüber. Neben Frauen, die seiner Ästhetik und seiner Idealvorstellung einer Frau widersprechen, wie „fette Frau(en) mit unrasierten Beinen“ (Stuckrad - Barre, 2007, S. 83), gibt es auch solche, die er als begehrenswert ansieht. Deutlich wird dies, als er von einer Freundin seines Freundes Alf spricht. Sie scheint seiner Idealvorstellung einer Frau mehr zu entsprechen und bemerkt, dass sie „zweifellos grandios“ (ebd., S. 75) aussieht. Seine Begeisterung äußert sich zudem darin, dass er einen „Ständer“ (ebd., S. 77) bekommt. Durch die sexuelle Erregung wird im Prinzip das verkörpert, was die männliche Hauptfigur in dieser Situation im Hinterkopf hat. Auch hier ist es natürlich wieder der Gedanke an Sex. Dass die Hauptfigur äußerst forciert auf Sex ist, wird im Laufe des Romans immer wieder bestätigt. Als er von einer Marktforscherin angesprochen wird, sieht er „an ihrer engen Hose die Ränder der Unterhose durchschimmern“ (ebd., S. 101). Immer wieder zeigt sich die Fixiertheit auf den Körper der Frau als Lustobjekt. Auch bei einer Kartenlegerin namens Simone, die er später kennenlernt, erfolgt eine deutliche Reduzierung auf das Körperliche. „Simone hat eine große Wohnung und große Titten. Ich hatte noch nie eine Frau mit so großer Wohnung und so großen Titten. Ich hätte das aber gerne mal, beides“ (ebd., S. 176). Er bringt es auch auf den Punkt, als er sagt: „Ich weiß nicht, was sie will, aber ich will Sex“ (ebd., S. 176). Später verabredet er sich dann noch mit einem weiteren Soloprojekt, das er während seiner Beziehung mit Katharina am Laufen hatte. Ihr Name ist Isabell und er beschreibt auch sie, genauso wie Nadja, als „sehr dumm“ (ebd., S. 173). Der Anlass, sich mit dieser Frau zu verabreden, ist prinzipiell auch der gleiche wie bei Nadja. Er ist der Ansicht, dass er unter Leute muss, „auf eine Frau, sozusagen“ (ebd., S. 172).

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640221585
ISBN (Buch)
9783640230044
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118864
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Germanistik
Note
2,7
Schlagworte
Männlichkeit Benjamin Stuckrad-Barres Soloalbum Geschlecht Maskerade

Autor

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