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Die Stadtentwicklung in Budapest

zwischen sozialistischem Erbe und westlichem Vorbild

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 20 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

Inhalt:

I. Einführung

II. Historische Stadtentwicklung

III. Das sozialistische Erbe – Was nach der Wende übrig blieb

IV. Neue Handlungsansätze

V. Die heutige Stadtstruktur

VI. Vergleich mit westlicher Stadtentwicklung-Rückkehr nach Europa?

VII. Fazit

VIII. Literaturverzeichnis

I. Einführung

Budapest ist eine der bevölkerungsreichsten sowie wirtschaftlich und kulturell bedeutendsten Metropolen Mitteleuropas. Hervorgegangen aus der bis dahin selbständigen Städte Buda, Pest und Óbuda (Altbuda) hat sich die Hauptstadt wegen ihrer günstigen geographischen Lage zum überragenden politischen, administrativen und kulturellem Schwerpunkt Ungarns entwickelt und unterhält aufgrund ihrer Brückenfunktion zwischen Ost und West vielfältige Beziehungen zu den wichtigsten europäischen und außereuropäischen Zentren.

Wie keine andere Stadt Ungarns ist Budapest eine Metropole der Gegensätze. Einerseits prägen topographische Kontraste das Stadtbild: Die Flussterrassen des Budaer Berglandes stehen der flachgewellten Pester Ebene gegenüber. Andererseits zeichnen sich hier große sozialräumliche Disparitäten und eine zunehmende Differenzierung der Lebensverhältnisse breiter Bevölkerungsschichten ab.

Der Zeitpunkt der Wende 1989 verschärfte diese Situation zusätzlich und änderte die Rahmenbedingungen sowohl politisch, gesellschaftlich als auch ökonomisch. Auch das Stadtbild hat sich seit der Transformation gewandelt: Budapest ist ein Beispiel des Übergangs von einem staatlich dominierten Wohnungswesen zu einem von Privateigentum geprägten Wohnungsmarkt (Kovács und wießner, 1999). In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob mit dem Eintritt in die EU und der Übernahme westlicher Wirtschafts- und Wertesysteme jetzt auch Prozesse der westlichen (hauptsächlich europäischen) Stadtentwicklung in Budapest stattfinden, oder ob die Stadt einen eigenständigen Entwicklungspfad beschreitet.

Die vorliegende Ausarbeitung soll anhand eines Überblickes über die historische Stadtentwicklung, die neuen Handlungsansätze nach der Wende und die Auswirkungen der Privatisierung staatlicher Wohnungen versuchen, diese Fragestellung näher zu beantworten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1; Quelle: www.budapestinfo.hu, Stand: Mai 2007

II. Historische Stadtentwicklung

Budapests Aufstieg zur Metropole wurde erst mit der Stadtgründung 1873 eingeleitet. Bereits zu dieser Zeit entstanden erste Stadtentwicklungspläne als Grundlage für den zukünftigen Ausbau. Diese teilen die Stadt in die z. T. heute noch bestehende Stadtstruktur der inneren und äußeren Zone geschlossener Bebauung, Erholungs- und Mischgebiete. Weiterhin sind hier Festlegungen, wie beispielsweise die minimale Größe der Grundstücke, die maximale Gebäudehöhe sowie Baumaterialien getroffen, die eine geordnete bauliche Entwicklung garantieren sollen (Wießner, 2004).

Bis zum Ersten Weltkrieg nimmt die Einwohnerzahl rapide zu. Budapest zählt am ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit Berlin zu den am schnellsten wachsenden Städten Europas. Der ländliche Charakter der Stadt schwindet und wandelt sich zu dem einer modernen Metropole. Die Hauptphase des Wohnungsbaus ist in der Zeit zwischen 1890 und 1900 einzuordnen (siehe Abb.2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Zuge der Neubebauung verbessern sich die Wohnungsausstattungen, so verfügen 1901 81% der Wohnungen über einen Wasseranschluss (zum Vergleich: 1881 waren es lediglich 25%). Doch von der Verbesserung der Wohnbedingungen profitieren nicht alle Bevölkerungsgruppen. In Mietshäusern führen beengte Wohnverhältnisse zu beachtliche sozialen Spannungen, weshalb der Stadtrat zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Programm zum sozialen Wohnungsbau beschließt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die 1908 errichteten kommunalen Arbeitersiedlungen können das Wohnungsproblem jedoch nicht lösen. Aus diesem Grund erfolgt parallel mit dem Bau der Fischerbastei und des Parlamentsgebäudes (Abb.3) (Kluczka und Ellger, 1999) sowie dem Ausbau der Vorortbahnen die erste Welle der Suburbanisierung in die ländlichen Vorte

Budapests (Kovács und Wießner, 1999).

Abb.3 , Quelle: eigenes Foto

In der Zwischenkriegszeit sind im inneren Stadtbereich eingeschossige Gebäude weitgehend verschwunden und einer geschlossenen Bebauung mit vier- bis fünfgeschossigen Gebäuden gewichen (Kovács und Wießer, 1999).

Mit dem Friedensvertrag von Trianon (1920) werden 70% des ungarischen Territoriums und 2/3 der Bevölkerung in die Nachbarstaaten (u.A. Rumänien, Jugoslawien) eingegliedert. Für Budapest bedeutet das zwar einen enormen Bedeutungsverlust, gleichzeitig lassen sich viele Flüchtlinge in der Hauptstadt nieder und „die Bevölkerung explodiert in nie gekannten Ausmaßen“ (vgl. Kluczka und Ellger, S. 12). Budapest wird zum bestimmenden Element der Siedlungsstruktur Ungarns (Burdack et al., 2004) und die Lage auf dem Wohnungsmarkt verschärft sich erneut. Viele Menschen leben in Notquartieren, Kellern oder Eisenbahnwaggons. Der Wohnungsbau konzentriert sich damals auf den Bau kleiner Notwohnungen (Einzimmer-Wohnungen ohne jeglichen Komfort), wohingegen der Bau größerer Mietshäuser zurückgeht. Teilweise erfolgt sogar eine soziale Abwertung gründerzeitlicher Wohnquartiere, weshalb besser gestellte Gruppen in stadtnahe Erholungsräume ausweichen und sich die Wohnbebauung in bevorzugte Gebiete verlagert.

Bis zum Zweiten Weltkrieg weisen die städtebaulichen und sozialräumlichen Entwicklungen vielfältige Gemeinsamkeiten mit anderen Großstädten Europas auf und folgen somit der Tradition der „europäischen Stadt“ (gründerzeitlicher Bevölkerungsanstieg, Städtewachstum, Kriegszerstörungen) (Kovács und wießner, 1999).

Während des Zweiten Weltkrieges musste Budapest starke Zerstörungen hinnehmen: 86% des Gebäudebestands sind beschädigt. Aus diesem Grund konzentrieren sich städtebauliche Maßnahmen zunächst auf die Räumung der Ruinengrundstücke und aber auch auf einen Wiederaufbau (Kovács und wießner, 1999).

Nach dem Zweiten Weltkrieg trennen sich die Strukturen der europäischen Städte als Folge der Teilung Europas in unterschiedliche politische und wirtschaftliche Systeme (Kovács und wießner, 1999). Die kommunistische Regierung versucht ab 1947 eine sozialistische Gesellschaft nach sowjetischem Vorbild zu organisieren, die Hauptstadt liegt dabei im Zentrum des Interesses (Kluczka und Ellger, 1999). Marktwirtschaftliche Ordnungsprinzipien im Wohnungsbau treten zurück und der Staat wird bestimmender Akteur in der Stadtentwicklung. Das Wohnungswesen erfährt zur Zeit des Sozialismus eine neue Bedeutung und dient der Schaffung gleichwertiger Lebensbedingungen und der Beseitigung der Unterschiede im städtischen Lebensniveau (Burdack et al., 2004). Allerdings werden Investitionen in Wohnungsbau und Infrastruktur reduziert, um den Ausbau der Schwerindustrie voranzutreiben (Kovács und wießner, 1999).

Die 50er Jahre beginnen mit einer territorialen Vergrößerung des Stadtgebietes: 7 umliegende Städte und 16 Dörfer werden eingemeindet (Dövényi und kovács, 2005), Bevölkerungszahl und Flächenreserven steigen demzufolge erneut.

Nach der Kollektivierung der Landwirtschaft kommen beschäftigungslose Landarbeiter nach Budapest. Die Wohnungssituation ist zu diesem Zeitpunkt derart angespannt, dass der Staat höhere Investitionen für den Wohnungsbau bereitstellt und sich der Schwerpunkt des Wohnungsbaus zu größeren Wohnanlagen, meist an der Peripherie der inneren Stadt (siehe Abb.4 und 5), verlagert (Kovács und Wießner, 1999).

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Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640221080
ISBN (Buch)
9783640227006
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118750
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,0
Schlagworte
Stadtentwicklung Budapest

Autor

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Titel: Die Stadtentwicklung in Budapest