Lade Inhalt...

Textsorten. Klassifikations und Differenzierungskriterien

Seminararbeit 2008 15 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Textsorten- eine Begriffsklärung

Definitionen

Welche Textsorte liegt vor?

Klassifikationskriterien nach Linke

Differenzierungskriterien nach Brinker

Die Terminologische Drei-Ordnung

Textsorten im schulischen Unterricht

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Texte begegnen uns in unserem alltäglichen Leben. Es sind die unterschiedlichsten Sorten von Texten, mit denen wir in Schule, Beruf und in den Medien konfrontiert werden. Doch können wir immer eindeutig sagen, um welche Sorte es sich handelt? Und nach welchen Kriterien entscheidet sich die Zuordnung eines Textes zu einer bestimmten Sorte?

Diese und weitere Fragen sollen in der vorliegenden Arbeit behandelt und geklärt werden. Dabei werden vor allem die textlinguistischen Ansätze von Linke/ Nussbaumer/ Portmann und Brinker eine Rolle spielen, weshalb auch die Bücher „Studienbuch Linguistik“ von Angelika Linke, Markus Nussbaumer und Paul R. Portmann und „Linguistische Textanalyse“ von Klaus Brinker vorrangig Verwendung finden werden.

Zunächst soll der Begriff ‚Textsorte‘ und seine Definitionen behandelt werden. Hierbei werden nur die Gebrauchstexte im Mittelpunkt stehen. Die literarische Gattungslehre mit den sog. Großgattungen Epik, Lyrik und Dramatik wird sich deshalb nicht im Zentrum nachfolgender Betrachtung befinden, sondern nur zeitweise anklingen. Im Anschluss daran werden verschiedene Kriterien besprochen, die zu einer Zuordnung zu einer bestimmten Textsorte führen können. Nach der genaueren Betrachtung einiger im Alltag verwendeter Textsorten, wird die Vermittlung von Textsortenwissen in der Schule thematisiert.

Textsorten- eine Begriffsklärung

Die Auseinandersetzung mit dem Begriff ‚Textsorte‘ erfordert unweigerlich auch die Thematisierung des Terminus ‚Text‘. Was ist ein Text und wann ist ein Text ein Text? Dieser Frage ist die sprachwissenschaftliche und textlinguistische Forschung schon häufig auf den Grund gegangen. Die wohl häufigste Antwort auf die Frage nach einem typischen Erkennungsmerkmal eines Textes ist die Aneinanderreihung inhaltlich aufeinander bezogener Sätze. Doch reicht dies bei weitem nicht aus, um eine konkrete Definition formulieren zu können. Ein integrativer Textbegriff, der sowohl dem sprachsystematischen als auch dem kommunikationsorientierten Ansatz gerecht wird[1], könnte laut Brinker wie folgt aussehen:

„Der Terminus „Text“ bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert.“[2]

Diese allgemeinen Bedingungen, die einen Text zu einem Text werden lassen, werden in der Textlinguistik unter dem Begriff der Textualität zusammengefasst. Nun kann man einen konkreten Text aber auch nicht nur als Realsierung eben genannter Bedingungen ansehen; viel mehr ist jeder Text auch ein Repräsentant einer bestimmten Textsorte, womit wir zu dem eigentlichen Kern dieser Auseinandersetzung gekommen sind.[3]

Definitionen

Der Begriff ‚Textsorte‘ ist in der Forschung nicht einheitlich definiert. Drei mögliche Definitionen sollen im Folgenden näher betrachtet werden. Zunächst soll Brinkers Worterläuterung genannt werden:

„Textsorten sollen […] als komplexe Muster sprachlicher Kommunikation verstanden werden, die innerhalb einer Sprachgemeinschaft im Laufe der historisch-gesellschaftlichen Entwicklung aufgrund kommunikativer Bedürfnisse entstanden sind.“

Diese Definition rückt die kommunikative Funktion von Textsorten in den Mittelpunkt, womit ihre fundamentale Bedeutung für die kommunikative Praxis deutlich wird.[4]

Als Bedingung für die Zuordnung zu einer Textsorte nennt Brinker außerdem das Vorhandensein komplexer Muster. Auf diesen Aspekt stützt sich vorrangig die Definition von Linke[5]: Textsorten sind „Gruppen von Texten, die sich durch bestimmte Bündel von Merkmalen auszeichnen“.[6] Auch Ulla Fix bespricht den Begriff ‚Textsorte‘ und kommt bezüglich der Worterläuterung zu einem ähnlichen Ergebnis: „Unter einer Textsorte ist […] eine Klasse von Texten zu verstehen, die einem gemeinsamen Textmuster folgen“.[7] Als Textmuster ist hier laut Fix „eine Anweisung mit prototypischen Elementen und Freiräumen“[8] zu verstehen, die kennzeichnend für eine bestimmte Textsorte ist.

Alle drei Begriffserklärungen weisen den Aspekt der Muster auf, nach denen ein Text kategorisiert werden kann. Doch welche Kriterien nun genau zur Zuordnung zu einer bestimmten Textsorte führen und welche Aspekte bezüglich der formalen wie inhaltlichen Gestaltung eine Rolle spielen, sollen nun im Folgenden näher betrachtet werden.

Welche Textsorte liegt vor?

Es gehört zu unserer Intuition, dass wir Texte spontan kategorisieren und sie einer Gruppe gleichartgier Texte zuordnen können. Die Zuordnung zu einer bestimmten Textsorte erfolgt also fast rein intuitiv.[9] Doch einen wichtigen Aspekt diesbezüglich merkt Ulla Fix in ihrer Abhandlung an: Dieses sog. Textmusterwissen muss vorhanden sein und so können wir nur mit Textsorten umgehen, die uns auch geläufig sind und mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden.[10]

Doch welche konkreten Kriterien helfen uns bei der Kategorisierung? Welche textlinguistischen Ansätze diesbezüglich gibt es?

Klassifikationskriterien nach Linke

Laut Linke sind die sog. Textsortenmerkmale auf den verschiedensten Analyseebenen von Sprache anzusiedeln.[11] Dabei wird zwischen textintern und textextern unterschieden.

Zunächst sollen die textinternen Kriterien eine Rolle spielen und hier ist eingangs die lautlich-paraverbale (bzw. graphische) Ebene zu nennen. Bereits nach drei mit nur halbem Ohr vernommenen Sätzen können wir entscheiden, ob wir gerade die Nachrichten oder noch die Morgenpredigt im Radio hören. Das liegt zum Einen an der unterschiedlichen Vortragsweise der beiden ‚Texte‘ und zum Anderen auch an der Gestaltung. Im schriftsprachlichen Bereich stellen Handschrift vs. Maschinenschrift vs. Druck eine Parallele diesbezüglich dar.

Ein weiteres Kriterium ist die Wortwahl. Dies ist so zu verstehen, dass man z.B. anhand der verwendeten Adjektive erkennen kann, ob es sich um eine Heirats- oder Stellenanzeige handelt. Auch fachspezifische Termini können einen Hinweis auf die Textsorte liefern. Manchmal reichen auch bestimmte ‚Schlüsselwörter‘ wie z.B. „starke Niederschläge“ oder „Staugefahr“, um eine Zuordnung treffen zu können.

Die Art und Häufigkeit von Satzbaumustern kann ebenfalls eine Zuordnung ermöglichen. Dies ist allerdings ein Kriterium, was einem Leser oder Zuhörer nicht gleich bewusst auffällt. Man liest oder hört einen Text im Ganzen und achtet intuitiv vorrangig auf den Inhalt anstatt auf die Art und Weise, wie der Inhalt zusammengefügt ist. Doch kann es einleuchtend sein, dass bei komplexen Satzgefügen oder Fachtermini kein Märchen oder Liebesbrief vorliegt.

Ein weiteres Kriterium befasst sich mit eben angesprochenem Inhalt, auf den mal als Rezipient besonders achtet. In Bezug auf Themenbindung und Themenverlauf hat ein jeder in Hinblick auf eine bestimmte Textsorte auch bestimmte Erwartungen. Bei einer wissenschaftlichen Abhandlung geht man davon aus, dass ein Thema unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet wird; ein privater Brief an einen Freund darf dagegen von einem Thema zum anderen wechseln.

Das Thema selbst ist gleichermaßen ein Kriterium und dies wird daran deutlich, dass einige Textsorten nach ihrem Thema benannt sind. Man denke nur an Abenteuer- bzw. Historische Romane, Geburtsanzeigen und Liebeslyrik.

Bezüglich der textinternen Kriterien stellt Linke noch ein weiteres vor: das Textstrukturmuster. Hiermit ist die sog. Makrostruktur bzw. textsorten-spezifische Gliederungs- oder Baustruktur eines Textes gemeint, welche die wesentlichen Bestandteile und deren Anordnung festlegen. Beispielsweise erwartet man bei einem aristotelischen Drama aufeinanderfolgende die Exposition, die aufsteigende Handlung, den Höhe-und Wendepunkt, die fallende Handlung und schließlich die Katastrophe.

[...]


[1] Vgl. Brinker, Klaus (2005): Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. 6., überarb. und erw. Auflage. Berlin. (Grundlagen der Germanistik; Bd.29).S.138.

[2] Brinker (2005), S.17.

[3] Vgl. Brinker (2005), S.138.

[4] Vgl. Brinker (2005), S.138.

[5] Trotz der Verwendung nur eines Autorennamens sind alle drei Autoren Linke, Nussbaumer und Portmann gemeint. Diese stilistische Anpassung dient nur der Leserfreundlichkeit.

[6] Linke, Angelika/ Nussbaumer, Markus/ Portmann, Paul R. (2004): Studienbuch Linguistik. 5., erw. Auflage. Tübingen. (Reihe Germanistische Linguistik; Bd.121). S.278.

[7] Fix, Ulla (2008): Texte und Textsorten. Sprachliche, kommunikative und kulturelle Phänomene. Berlin. S.26.

[8] Ebd.

[9] Vgl. Linke u.a. (2004), S.278.

[10] Vgl. Fix (2008), S.24/25.

[11] Vgl. Linke (2008), S.278.

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640219735
ISBN (Buch)
9783640551941
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118538
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
Textsorten Textlinguistik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Textsorten. Klassifikations und Differenzierungskriterien