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Die konflikthafte Pluralisierung der Liebe

Sexuelle Entfaltungsmöglichkeiten Jugendlicher heute

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 15 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Wurzeln der sexuellen Verunsicherung

3 Faktoren der sexuellen Entwicklung
3.1 Die Einstellung der Eltern
3.2 Freie Medien und Freie Liebe
3.3 Die Bedeutung der schulischen Sexualerziehung

4 Möglichkeiten der sexuellen Identifikation
4.1 Das Ausmaß der sozialen Kontrolle
4.2 Die Bedeutung der kirchlichen Institutionen
4.3 Regionale Medien als Plattformen der sexuellen Entfaltung

5 Schlussbetrachtungen

6 Bibliographie

7 Webliographie

1 Einleitung

Der Titel dieser Arbeit, einem Essay von Thomas Gebel entnommen[1], spiegelt die Möglichkeiten der heutigen Sexualität ebenso wieder wie die Probleme. Die Rolle der Sexualität in der Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit war stets eine essentielle und ist es natürlich auch heute noch. Zu verschiedensten Zeiten der Menschheitsgeschichte und in verschiedensten Gesellschaften nahm die Sexualität alle möglichen Rollen ein. Von der Todsünde, als gottlos und verwerflich betrachtet, bis zum geheiligten Ritual des Erreichens der wahren Göttlichkeit hat sie eine jede Rolle schon einmal gespielt und spielt sie in allen Kulturen.

Ziel dieser Arbeit ist nun, die wichtigsten Faktoren der sexuellen Entfaltung Jugendlicher und junger Erwachsener in unserer heutigen, weitgehend säkularisierten und von Massenmedien umworbenen Gesellschaftsform zu beschreiben und dabei ein besonderes Augenmerk auf die diesbezüglich divergierenden Entwicklungshorizonte in urbaner und ländlicher Umgebung aufzuzeigen.

Das erste Kapitel beschreibt grundlegende Änderungen von in unserer vom Christentum geprägten Gesellschaft bisher etablierten Wertvorstellungen in den letzten Jahrzehnten und berücksichtigt dabei auch aktuelle Aspekte wie die Bedeutung von Geschlechtskrankheiten und Verhütung. Im darauf folgenden Teil der Arbeit werden existentielle Faktoren der sexuellen Entwicklung eines Menschen aufgezeigt, wobei ein Schwerpunkt auf familiärer und schulischer Erziehung liegt, aber auch die Bedeutung der Medien nicht außer Acht gelassen wird. Der dritte und letzte große Abschnitt beschäftigt sich ausschließlich mit den prägnant unterschiedlichen Dispositionen für die sexuelle Entfaltung in Stadt und Land.

2 Die Wurzeln der sexuellen Verunsicherung

Normative Regelungen im Bereich des Sexualverhaltens variieren nicht nur zwischen verschiedenen Gesellschaften, sondern auch innerhalb einer solchen. In Deutschland und anderen westlichen Ländern ist dies seit dem Zweiten Weltkrieg verstärkt zu beobachten. Der Wohlfahrtsstaat, das Fernsehen und der schleichende Niedergang der kirchlichen Autoritäten scheinen maßgeblich an der sexuellen Verunsicherung[2] der heutigen Jugend beteiligt.

„Die Verwirrung, die heute im sexuellen Verhalten […] herrscht, ist daraus entstanden, dass die gesellschaftlichen Orientierungen pluralistischer […] geworden sind[…].“[3]

Seit Jahrhunderten in verschiedenen Stärkegraden etablierte Wertsysteme, die traditionelle Institutionen wie zum Beispiel die Ehe als monogame Lebensform, oder Heterosexualität als absolut und alternativlos darstellten, sehen sich im ständigen Konflikt mit dem in den Menschen erstarkenden Drang nach freier Entscheidung über die individuelle Lebensgestaltung.

Der Versuch, eine klare Grenze zwischen „alter“ und „neuer“ Sexualmoral zu ziehen, ist a priori zum Scheitern verurteilt. Die traditionell etablierten Vorstellungen einer Sexualmoral, die vorehelichen und unehelichen Geschlechtsverkehr verurteilt, sind zwar im Untergang begriffen, doch sind einige „alte“ sexuelle Tabus wie das des Ehebruchs auch heute noch in weiten Teilen der Bevölkerung unakzeptiert. Zwischen der heutigen Elterngeneration und der Jugend klafft in Punkto Sexualität häufig ein Abgrund, der auch in den stark unterschiedlichen Lebensbedingungen begründet liegt. So war die Jugend der heutigen Elterngeneration eine des Krieges beziehungsweise der Nachkriegszeit, die Institution der Ehe schien die einzig passable Beziehungsform zu sein. Das Land musste wieder aufgebaut werden, das Wirtschaftswunder forderte geregelte Verhältnisse. Heute, im Zuge der Globalisierung, werden Mobilität und Unabhängigkeit zunehmend wichtiger. Hinzu kommt der Einfluss durch die Massenmedien, die, von erotischen Inhalten hier einmal abgesehen, auch ungekannte Einblicke in fremde Kulturen gewähren und damit althergebrachte, westliche und christlich geprägte Wertesysteme in Frage stellen.

Einen wichtigen Beitrag zur Verunsicherung im sexuellen Bereich liefert auch die Problematik im Bereich der Empfängnisverhütung. Spätestens mit der Patentierung der Anti-Baby-Pille wurde neben der gesellschaftlich wichtigen Geburtenregelung auch die promiske Lebensführung wesentlich vereinfacht. Die Menschen begannen sich vor ungewollten Schwangerschaften sicher zu fühlen, was durch das sich nun nach und nach ändernde Sexualverhalten auch zu einer gravierenden Zunahme der Ansteckungen mit Geschlechtskrankheiten – speziell AIDS - führte. Dies erreichte in den Achtzigern seinen Höhepunkt, woraufhin der Siegeszug des Kondoms als Mittel zur Kontrazeption und Ansteckungsschutz seinen Anfang nahm.

Dessen Erfolg und den daraufhin sinkenden Zahlen der AIDS-Neuinfektionen ist es zu verdanken, dass sich die Jugendlichen heute bereits wieder gefährlich sicher fühlen, geht es um die Ansteckungsgefahr mit sexuell übertragbaren Krankheiten. So verhüteten im Jahre 1998 nur 39% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne festen Partner mit Kondomen. Davon wiederum benutzten sie nur 52% aus Gründen der AIDS-Prävention[4], was wiederum auf mangelnde Aufklärung und Unwissenheit und Unsicherheit im Bereich der Empfängnisverhütung zurückzuführen ist, glaubt man den einschlägigen Studien, wie zum Beispiel der von Bettina Nickel[5].

3 Faktoren der sexuellen Entwicklung

Art und Richtung der sexuellen Entwicklung Jugendlicher ist von vielerlei Parametern abhängig. Die wichtigsten Einflüsse gehen heutzutage von den Erfahrungen der Eltern, von dem schulischem Umfeld, den Gleichaltrigen und nicht zuletzt den Medien aus. Auf all diese soll in diesem Kapitel eingegangen werden. Zunächst beschäftige ich mich mit den prägenden Einflüssen des Elternhauses.

3.1 Die Einstellung der Eltern

Da die elterliche Erziehung einen gewichtigen Einfluss auf die Sexualorientierung Jugendlicher haben kann, soll an dieser Stelle auf die Bedeutung elterlicher Erfahrung und speziell deren religiösen Hintergrunds eingegangen werden, auch um die Komplexität der elterlichen Sexualerziehung zu verdeutlichen.

Hier möchte ich mich auf den Einfluss des Christentums beschränken, das in nahezu allen westlichen Kulturkreisen die prägende Religion ist. Die jahrhundertealte repressive Sexualmoral des Christentums, geprägt von Dogmen, die nur die Begriffe gut und schlecht definieren, ist stark von der Institution Kirche geprägt worden[6], die bis in die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in weiten Teilen Deutschlands die Menschen ideologisch beeinflusste. Ist nun die Erziehung, die die Elterngeneration genoss, von dieser Sexualethik, die allen Erkenntnissen über das Verhalten des Menschen grundsätzlich zuwiderläuft“[7] geprägt, kann dies empirisch nachweisbare Folgen auf die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben.

[...]


[1] Gebel, Thomas . Krise des Begehrens. Theorien zu Sexualität und Geschlechterbeziehungen im späten 20. Jahrhundert. Verlag Dr. Kovac, Hamburg : 2002. S. 56

[2] Christensen, Prof. Dr. H.T.. Sexualverhalten und Moral. Eine kulturvergleichende Untersuchung. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg : 1971. S.9

[3] Christensen, Prof. Dr. H.T.. Sexualverhalten und Moral. S.9

[4] Nickel, Bettina et. Al. Einfluss neuer gesetzlicher Regelungen auf das Verhütungsverhalten Jugendlicher und junger Erwachsener. BZgA, Köln : 1995. S.51ff.

[5] Nickel, Bettina et. Al. Einfluss neuer gesetzlicher Regelungen auf das Verhütungsverhalten Jugendlicher und junger Erwachsener. BZgA, Köln : 1995. S.51ff.

[6] Seiß, Rudolf. Sexualerziehung zwischen Utopie und Wirklichkeit. Eine kritische Hinterfragung der Fortschrittsgläubigkeit. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn : 1973. S.21

[7] Comfort, Alex. Der Aufgeklärte Eros. Plädoyer für eine menschenfreundliche Sexualmoral. Szczesny Verlag, München : 1968. S. 54

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640215690
ISBN (Buch)
9783640217328
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118489
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – Fakultät 1 Geisteswissenschaften Fachbereich Erziehungswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Pluralisierung Liebe Erziehung Sexualität Erziehungswissenschaft Lehrer Kulturwissenschaft Ost West TU Berlin

Autor

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