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Körpersprache: Ein Überblick über angeborene, erworbene und kulturelle Aspekte

Hausarbeit (Hauptseminar) 1995 12 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Definitorische Abgrenzung der Körpersprache
II.1. Mimik
II.2. Blickverhalten
II.3. Gestik
II.4. Körperhaltung und interpersonelle Distanz

III. Angeborene und erworbene Anteile der Körpersprache

IV. Kulturelle Differenzen in der Körpersprache

V. Zusammenfassung und Bewertung

VI. Bibliographie

I. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit soll die menschliche Körpersprache unter verschiedenen Aspekten untersucht werden. Nach dem Versuch einer definitorischen Abgrenzung der Körpersprache, soll im nächsten Kapitel dargestellt werden, daß ein Teil der nonverbalen Kommunikation zwar angeboren ist, ein anderer Teil aber erst im Laufe der Entwicklung eines Menschen erlernt werden muß. Daß dies in unterschiedlichen Kulturen verschieden aussehen kann, soll dann im folgenden Kapitel gezeigt werden. Abschließend soll eine kurze Bewertung der Bedeutung.

II. Definitorische Abgrenzung der Körpersprache

Bevor in dieser Arbeit auf die verschiedenen Aspekte der Körpersprache eingegangen wird, ist es erforderlich die verschiedenen Teilgebiete der menschlichen Kommunikation festzuhalten und dann die Elemente, die zur Körpersprache gehören zu beschreiben.

Den meisten Menschen fallen zum Thema Kommunikation Begriffe ein, wie Stimme, Blickverhalten, Mimik oder Gestik. Ellgrin nennt darüber hinaus noch Körperhaltung, interpersonale Distanz, räumliches Verhalten, den Gang, Geruch, Körperwärme und Tastempfinden. Weiter weist er auf Merkmale mit Signalcharakter hin, die zum Beispiel zu Selbstdarstellung oder Definition der eigenen Identität dienen. Er meint damit beispielsweise den glänzenden Tisch des Managers und dessen riesigen Sessel.1 Diese durchaus zur nonverbalen Kommunikation gehörenden Merkmale sollen hier aber nicht weiter erläutert werden, da sie sich im Laufe der Kommunikation kaum verändern lassen.

Es sollen nun einige Begriffe näher erklärt werden:

II.1. Mimik

Mit Mimik werden die sichtbaren Bewegungen der Gesichtsoberfläche bezeichnet. Hierfür hauptverantwortlich sind etwa zwanzig Muskeln.2 Bemerkenswert dabei ist, daß außer dem Kaumuskel fast alle Muskeln des menschlichen Gesichtes nur für die Mimik zuständig sind.

Für die Mimik sind hauptsächlich drei Gesichtsbestandteile verantwortlich: Die Augen, die Augenbrauenregion und der Mund.

Da eine detaillierte Beschreibung der Ausdrucksvarianten der genannten drei Gesichtsbereiche (so wie es Molcho versucht hat) den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden, möchte ich nur auf einige Besonderheiten eingehen, die ich für erwähnenswert halte. So zeigt zum Beispiel Molcho, daß für die Mimik der Augen nicht nur die Blickrichtung, die Intensität des Blickes und die Größe der Augen entscheidend ist, sondern auch die Größe der Pupillen. Die Pupillenweitung verändert sich nicht nur bei verschiedenen Lichteinflüssen, sondern auch bei Gefühlseindrucken. "Sie(die Pupillen)werden größer, wenn der Mensch etwas sieht, das er begehrt, ihm angenehm ist oder ihn interessiert. Auch Gedankenströme verursachen diese Wirkung: In der Konzentration auf eine Person oder eine Sache weitet sich die Pupille. Da die Erweiterung der Pupille mit einem positiven Gefühl verbunden ist, wirken Menschen mit großen Pupillen auf uns sympathischer, anziehender."3

Die Augenbrauenregion korrespondiert häufig mit den Augen. So zum Beispiel beim weiter unten noch beschriebenen Augengruß. Darüber hinaus können die Brauen taktgebend, unterstreichend, punktuierend, fragend, nach Worten suchend oder gesprächsregulierend sein. Sie können auf der Zuhörer-Seite in einem Gespräch Zustimmung, Skepsis Verneinung und ähnliches andeuten.4

Zum mimischen Verhalten des Mundes möchte ich exemplarisch das Lächeln herausgreifen. Spontan würden die meisten Leute Lächeln wahrscheinlich als Zeichen des Behagens beschreiben. Dies ist aber in den meisten Fällen anders:"So ist das Lächeln wahrscheinlich seltener ein Ausdruck der Freude, sondern häufiger ein unspezifisch positives partnergerichtetes Signal, das lediglich den sozialen Kontakt sicherstellt."5 Eine weitere Funktion kann sein, den negativen Anteil einer Mitteilung zu mildern.

So bleibt zusammenfassend für das Lächeln, wie für die gesamte Mimik festzuhalten, daß sie sich einerseits durch einen hohen Informationsgehalt auszeichnet, andererseits aber keineswegs eindeutig, sondern im Gegenteil häufig mißverständlich ist.

II.2. Blickverhalten

Das Blickverhalten wird hier getrennt von der Mimik behandelt, da die Mimik allgemein und damit auch die der Augen im Besonderen eher mit emotionalen Vorgängen gekoppelt ist, während das Blickverhalten enger an kognitive Prozesse gebunden ist.6 Natürlich gehört aber das Blickverhalten zur Körpersprache.

So gibt es zum Beispiel Aufschluß über die Bereitschaft zur Aufnahme von Information. Jemand, der den Gesprächspartner häufig anblickt deutet damit an: "Ich höre dir zu." Dieses Verhalten kann reziprok wirken, das heißt, es kann zur Folge haben, daß der Gesprächspartner die häufigen Blicke erwidert. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß Schüler diese Möglichkeit ausnutzen, in dem sie bewußt den Lehrer anschauen und so Aufmerksamkeit heucheln, obwohl sie mit den Gedanken irgendwo im Schwimmbad oder bei der Freundin sind.

Vermehrte Blickzuwendung kann jedoch auch kompensatorisch wirken, in dem sie in unangenehmen Situationen beim Gegenüber vermehrte Blickabwendung auslöst. Passiert die nicht, kann es durch bedrohliches Anstarren zu Aggressionen kommen. Ein typisches Beispiel für bewußtes Aneinander-Vorbeischauen ist häufig in Aufzügen zu beobachten. Nachdem man sich kurz wahrgenommen hat schaut man uninteressiert auf den Etagenanzeiger oder in eine Ecke, da es bei Aufrechterhalten des Blickkontaktes wegen des eingeengten personalen Raumes sonst zu Aggressionen kommen könnte.7

Zusammenfassend kann man festhalten, daß auch das Blickverhalten in bedeutendem Maße zur kommunikativen Interaktion beiträgt. Darüber hinaus kann es über den momentanen kognitiven Belastungszustand eines Gesprächspartners informieren.

[...]


1 Ellgrin, H.: Nonverbale Kommunikation, S. 20f in Körpersprache in der schulischen Erziehung.

2 Ellgrin,: a. a. O., S. 22.

3 Molcho, S.: Körpersprache, S. 116f.

4 Ellgrin: a. a. O., S. 24.

5 Ellgrin: a. a. O., S. 24.

6 Ellgrin: a. a. O., S. 27.

7 Vgl. Molcho: a. a. O., S. 118f.

Details

Seiten
12
Jahr
1995
ISBN (eBook)
9783640215430
ISBN (Buch)
9783640215492
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118373
Institution / Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln – Institut für Sportpädagogik
Note
1,7
Schlagworte
Körpersprache Aspekte Seminar Rhetorik Unterrichtskompetenz Lehrer kulturelle Unterschiede

Autor

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