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Zur Bedeutung und Einfluss der jüdischen Bevölkerung auf den deutschen Fußball zwischen der Jahrhundertwende und 1938

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 20 Seiten

Gesundheit - Sport - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Rolle der Juden in der deutschen Gesellschaft (1900 bis 1938)
2.1 Bemerkungen zur Emanzipation der jüdischen Bevölkerung
2.2 Entwicklung der Gesellschaftliche Stellung zwischen 1900 und

3. Jüdischer Sport in Deutschland
3.1 Makkabi
3.2 Sportbund Schild
3.3. Jüdischer Sport in Deutschland nach

4. Fußball und Juden
4.1 jüdische Fußballvereine & Vereine mit jüdischem Umfeld im süddeutschen Raum
4.1.1 Mannheim
4.1.2 Ulm
4.1.4 Würzburg
4.1.5 Stuttgart
4.1.6 FC Bayern München
4.2 Walther Bensemann und der Kicker

5. Schlussbetrachtung und Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

Der Fußball nimmt innerhalb der Sportwelt eine überragende Stellung ein. Seinen Siegeszug starte der Fußball im 19. Jahrhundert in Groß-Britannien und verbreitete sich schnell auf der gesamten Weltkugel. Im späten 19. Jahrhundert wurden die ersten Fußballvereine in Deutschland gegründet und zur Jahrhundertwende folgte der DFB als Dachverband. Diesem Verband gehörten bei seiner Gründung im Januar 1900 bereits 86 Vereine an (www.DFB.de). In den folgenden 100 Jahren entwickelte sich der deutsche Vereinsfußball zu einer internationalen Marke mit dem Branchenführer FC Bayern München. Neben den Cluberfolgen etablierte sich auch die deutsche Nationalmannschaft in der Weltspitze und gewann jeweils dreimal die Fußball WM und die Fußball EM1.

Eine schwarze Zeit erlebten der Fußball und sein Dachverband während des dritten Reiches. Diese Zeit und die Rolle des DFB ist erst vor kurzem von Nils Havemann ( Fußball unterm Hakenkreuz , 2005) im Auftrage des DFB aufgearbeitet und dokumentiert worden. Der Umgang mit jüdischen Fußballern in Deutschland spielt dabei keine unerhebliche Rolle. Die Juden waren, ebenso wie die anderen Konfessionen, natürlich auch im Sport zu finden und nach Hitlers Machtergreifung die größten Leidtragenden. In den ersten Jahren des 3. Reiches wurden sie systematisch aus den nicht-jüdischen Vereinen verdrängt und viele suchten Zuflucht in jüdischen Vereinen wie der Makkabibewegung oder dem Schild. Im Jahre 1938 wurden diese Vereine aufgelöst und den Juden somit jegliche Möglichkeit unter Vereinsbedingungen Sport zu treiben genommen.

Nicht nur jüdische Sportvereine hatten mit Problemen zu kämpfen. Probleme bekamen auch Vereine mit einem jüdischen Umfeld. Als Beispiel sei hier der FC Bayern München angeführt, der lange Jahre unter der Führung von Kurt Landauer2 stand. Landauer war Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Während der NS-Zeit mussten die Bayern um ihre Existenz kämpfen und wurden von der Stadtverwaltung München in vielen Sportfragen zugunsten des 1860 München benachteiligt (Schulze-Marmeling S. 70 ff.).

Juden fanden sich nicht nur in Führungspositionen. Der Gründer der Sportzeitschrift Kicker war Jude (Schulze-Marmeling S. 82.) und unter den ersten deutschen Nationalspielern fanden sich ebenfalls Juden.

Der Autor stellt sich nun folgende Frage: Hatte die jüdische Bevölkerung einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des Fußballs zwischen der Jahrhundertwende und dem Jahr 1938?

Damit dies beantwortet werden kann, muss der Frage nachgegangen werden welche gesellschaftliche Stellung die Juden in dieser Zeit innehatten und wie sich diese veränderte. Des Weiteren ist es notwendig die Frage zu beantworten, wie diese Juden in Deutschland im Sport eingebunden waren. Abschließend wird die Frage nach dem jüdischen Sport in Deutschland und nach dem Ende des 3. Reiches gestellt.

Zu Beginn der Arbeit wird ein Blick auf die gesellschaftliche Stellung der Juden in Deutschland zwischen 1900 und 1938 geworfen. Anschließend werden die jüdischen Sportstrukturen und die Einbindung der Juden in nicht-jüdischen Vereinen betrachtet und auf den Fußball bezogen. Zum Ende der Arbeit wird ein Überblick über den jüdischen Sport in Deutschland skizziert und kurz dargestellt wie er sich seit dem 3. Reich entwickelt hat.

2. Rolle der Juden in der deutschen Gesellschaft (1900 bis 1938) Die Frage nach der jüdischen Rolle in der deutschen Gesellschaft lässt sich nicht so ohne weiteres beantworten. Immerhin wird hier ein Zeitrahmen von ca. 40 Jahren be trachtet. Innerhalb dieser 40 Jahre wechselte die Monarchie unter Kaiser Wilhelm II

über die Weimarer Republik zu einer nationalsozialistischen Diktatur unter Adolf Hitler. Um die gesellschaftliche Stellung der Juden nach der Jahrhundertwende zu skizzieren, werden zuerst einige Bemerkungen zur jüdischen Emanzipation im 18. und 19. Jahrhundert angebracht, da diese große Veränderungen (zumindest im rechtlichen Sinne) für die Juden brachten.

2.1 Bemerkungen zur Emanzipation der jüdischen Bevölkerung

Die jüdische Emanzipation beschreibt den Weg der Juden in die gesellschaftliche Gleichberechtigung. Dieser Vorgang fand in ganz Europa auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichem Erfolg3 statt.

Die jüdische Geschichte ist vor allem eine Geschichte der Diskriminierung und Verfolgung. Ihren Höhenpunkt erreichte diese Geschichte mit dem Holocaust4. Die Juden wurden als Fremde angesehen und sie hatten unter rechtlichen Einschränkungen zu leiden5 (Hecht S. 30/32; Ebeling/Birkenfeld S. 164).

Hier stellt sich die Frage warum die Juden als Fremd empfunden wurden. Ein möglicher Grund ist in der Lebensweise der Juden zu finden. Sie lebten gettoisiert und nach eigenen religiösen, sozialen, rechtlichen und kulturellen Regeln (Hecht S. 30; www.juden.de). Diese Regeln bestimmten auch das Selbstbildnis der Juden als eine Nation ohne Staat. Anfeindungen der nicht-jüdischen Umgebung verstärkte höchstens dieses Identitätsgefühl (Hecht S. 31). Erst im Laufe der Aufklärung, der Emanzipation und der Akkumulation wurde diese Identität in Frage gestellt und hinterfragt (Hecht S.31). Dies war eine direkte Folge des erwachenden europäischen Nationalbewusstseins (Strauss S. 185), die sich auch auf die jüdische Bevölkerung ausstrahlte. Ein erster Schritt zu rechtlichen Gleichstellung erfolgte 1812 in Preußen, in diesem Erlass wurden den Juden ein Leben als gleichberechtigte Bürger ermöglicht und ihnen Berufsfreiheit zugesichert. Dies war jedoch nur bedingt der Fall, z.B. hatten Juden keinen Zugang zu Lehrberufen oder dem Beamtentum (www.juden.de). 1848 erfolgte der nächste große Schritt innerhalb der Emanzipation (Spiegel in Schulze- Marmeling S. 9) und 1871 erfolgte schließlich die juristische Gleichstellung in Deutschland (Hecht S. 34).

An diese jüdische Emanzipation wurden jedoch Forderungen gestellt, die zur Folge hatten, dass sich das Selbstbild der Juden änderte. Sie sahen sich nicht mehr als Nation ohne Staat, definiert durch ihre Religion, sie sahen sich vielmehr als Deutsche jüdischer Konfession. Die Gleichberechtigung forderte also einen Bruch mit der eigenen traditionellen Lebensweise (Hecht S. 32/33). Binnen der Gesellschaft wurden den Juden aber weiterhin viele berufliche, wirtschaftliche und kulturelle Steine in den Weg gelegt. Des Weiteren war die jüdische Emanzipation immer ein Gegenstand der öffentlichen Diskussion und somit lief die soziale Integration der rechtlichen Integration zuwider (Hecht S.33 und S.34). Antijüdische Vorurteile verschwanden deshalb nie aus der nichtjüdischen Gesellschaft, sie wurde nur modifiziert (Hecht S. 33). Wurden die Juden vor der Emanzipation aufgrund ihrer Religion angegriffen, führte man nun ihre angeblich schädliche Wirkung auf das Wirtschafts-, Gesellschaftsund Kulturleben ins Feld (Hecht S. 33). Diese neuen Vorurteile wurden durch die aufkommende Scheinwissenschaft der Rassenlehre noch untermauert und der Rassenantisemitismus ersetzte soziologische durch biologische Kategorien (Hecht S. 35). Neugegründete antijüdische Parteien bedienten sich dieser so genannten wissenschaftlichen Sicht und dies hatte zur Folge (Hecht S. 35), dass die Juden, trotz rechtlicher Gleichstellung, sich freiwillig als Menschen degradierten und in ihre als bereits überwunden geglaubte gesellschaftliche Stellung wieder zurückkehrten (Hecht S. 37). Somit kann die Emanzipation als gescheitert angesehen werden (Hecht S. 37; Zimmermann S. 205).

2.2 Entwicklung der gesellschaftlichen Stellung zwischen 1900 und 1938

Die Juden standen einerseits unter einem massiven Anpassungsoder Assimilationsdruck (Hecht S. 37), andererseits wurden sie weiterhin von der Gesellschaft gemieden (Hecht S.37). Dies machte sie besonders anfällig für antisemitische Äußerungen und ließ die Juden an ihrer Identität zweifeln (Hecht S.37). Dieser Zustand sollte in den folgenden Jahren ihr Leben bestimmen. Des Weiteren war man sich innerhalb des deutschen Judentums nicht einig wie die gesellschaftliche Gleichstellung dennoch erreicht werden sollte und man unterstützte sozialistische und konservative Parteien gleichermaßen (Zimmermann S. 203).

Das Ende des ersten Weltkrieges und die Gründung der Weimarer Republik sollte den Juden wieder Hoffnung auf eine positive Zukunft geben (Hecht S. 72). Diese begründete sich vor allem darin, dass viele Juden es als ihre Pflichterfüllung (Hecht S. 55) ansahen, in diesen Krieg zu ziehen. Sie erhofften sich durch die Demonstration von Loyalität, Patriotismus und Opferbereitschaft ihre gesellschaftliche Gleichstellung zu erreichen (Hecht S. 55/56). Diese Hoffnungen wurden während des Krieges jedoch nachdrücklich zerstört und so projizierten die Juden ihre Vorstellungen und Wünsche auf die nachfolgende Republik (Hecht S.71-73). Dass diese Hoffnungen durchaus berechtigt waren begründete sich durch eine massive politische Beteiligung am Aufbau der neuen Republik6 (Hecht S. 74).

[...]


1 Die deutsche Frauennationalmannschaft hat folgende Erfolge vorzuweisen: einmal Weltmeisterin und sechsmal Europameisterin. Dazu Erfolge bei den Olympischen Spielen (www.DFB.de)

2 Landauer war von 1913 bis 1933 und von 1947 bis 1951 Präsident des FC Bayern (Schulze-Marmeling S.60 und S. 75)

3 als Musterbeispiel einer gelungen Anpassung gelten z.B. die Niederlande. Die Juden genossen dort bereits seit Ende des 16 Jhd. einige Freiheiten. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts errangen die Juden die volle Staatsbürgerschaft (2. September 1796) (Schulze-Marmeling S. 391-393; Zimmermann S. 201).

4 Der Holocaust bedeutete für ca. 72% der europäischen Juden den Tod (Schnabel in Ebeling/Birkenfeld S. 168)

5 z.B. in der Berufswahl. So waren Juden vor allem im Handel und Kreditwesen tätig (Hecht S. 31)

6 vgl. Anmerkung Hecht S. 77

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640215621
ISBN (Buch)
9783640215782
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118371
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Insitut für Sportwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Bedeutung Einfluss Bevölkerung Fußball Jahrhundertwende Kultur- Perspektive

Autor

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