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Umwelt- und sozialverträglicher Ferntourismus. Ethische Grundlagen

Das gebuchte Paradies, gutes Gewissen inklusive.

Fachbuch 2007 349 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhalt

I. Einführung
1. Persönlicher Zugang
2. Problemstellung
3. Danksagung

II. Grundlagen für eine praktische Reiseethik
1. Begriffsdefinition
1.1. Was ist Tourismus?
1.2. Was ist ein Tourist?
1.3. "Dritte Welt" oder "Entwicklungsländer"
2. Die historische Entwicklung des Tourismus
2.1. Die Anfänge des Reisens aus Neugierde
2.2. Die "Grand Tour" der Herrensöhne
2.3. Aristokraten als Pioniere des modernen Tourismus
2.4. Sozialrechtliche, wirtschaftliche und technische Neuerungen
als Voraussetzung für Massentourismus
2.5. Der Durchbruch des Ferntourismus
2.6. Aktuelle Trends: Der Post- oder Hybridtourismus
2.7. Der internationale Tourismus in Zahlen
3. Ferntourismus in Destinationen der Dritten Welt
3.1. Dimensionen des Dritte-Welt-Tourismus
3.2. Formen der Dritte-Welt-Tourismus
3.2.1. "SSS"-Tourismus
3.2.2. Besichtigungstourismus
3.2.3. All-inclusive-Tourismus
3.2.4. Kreuzfahrttourismus
3.2.5. Golftourismus
3.2.6. Kindersextourismus
3.2.7. Ökotourismus
3.2.7.1. Definitionen für Ökotourismus
3.2.7.2. Dimensionen des Ökotourismus
3.2.7.3. Besondere Probleme durch Ökotourismus
3.2.7.4. Spezialform Ethnotourismus
3.2.7.5. Beurteilung des Ökotourismus
4. Spezifische Probleme des Dritte-Welt-Tourismus
4.1. Ökologische Auswirkungen
4.1.1. Verkehr - der schmutzige Weg ins Paradies
4.1.1.1. Flugverkehr
4.1.1.2. Autoverkehr
4.1.2. Naturverbrauch für Infrastrukturmaßnahmen
4.1.3. Ressourcenverbrauch
4.1.4. Abfallbelastung
4.1.5. Gefährdung der Artenvielfalt
4.1.6. Tourismus als Umwelt-Retter?
4.2. Ökonomische Auswirkungen
4.2.1. Sickerquoten
4.2.2. Wirtschaftliche Abhängigkeit durch touristische Monokultur
4.2.3. Verschärfung sozialer Ungerechtigkeit
4.2.4. Verdrängung traditioneller Arbeitsformen
4.3. Soziokulturelle Auswirkungen
4.3.1. Konfliktpotentiale in der Begegnung zweier Welten
4.3.2. Die unterschiedlichen Lebenssituationen
4.3.3. Die unterschiedlichen Beziehungsauffassungen
4.3.4. Die tendenzielle Sittenlosigkeit der Touristen
4.3.5. Soziokultureller Wandel
4.3.6. Identitätsverlust
4.3.7. Folklorisierung
4.4. Politische Auswirkungen
4.4.1. Politische Stabilität statt Demokratie
4.4.2. Menschenrechtsverletzungen
4.4.3. Mittelbare Tourismusverbrechen: Vertreibungen
4.4.4. Unmittelbare Tourismusverbrechen: Zoo- und Sextourismus
5.
Tourismuskritik

5.1. Anfänge der Tourismuskritik
5.2. Die wichtigsten Phasen der modernen Tourismuskritik
5.2.1. Die elitäre Tourismuskritik
5.2.2. Die ideologische Tourismuskritik
5.2.3. Die ökologische Tourismuskritik
5.2.4. Die antikolonialistische Tourismuskritik
5.2.5. Die emanzipatorische Tourismuskritik
5.3. Kritik an den Kritikern
5.4. Neue Orientierungen der Tourismuskritiker
5.4.1. Etablierungserscheinungen
5.4.2. Ausstehende Korrekturen
6. Faktische Rahmenbedingungen des DW-Tourismus
6.1. Politische, wirtschaftliche, soziale Rahmenbedingungen
in den Entsenderländern
6.2. Rahmenbedingungen des Veranstaltermarktes
6.3. Internationale Rahmenbedingungen des Ferntourismus
6.3.1. Die Globalisierung der Reiseindustrie und ihre Folgen
6.3.1.1. Der Veranstaltermarkt
6.3.1.2. Der Flugmarkt
6.3.1.3. Der Hotelmarkt
6.3.1.4. Destinationenkonkurrenz
6.3.2. Internationale Tourismuspolitik
6.3.2.1. Die Akteure
6.3.2.2. Maßnahmen für einen nachhaltigen Tourismus
6.3.2.3. Kontraproduktive Maßnahmen: die GATS
6.3.2.4. Kritik
6.4. Nationale Rahmenbedingungen in Entwicklungsländern
6.5. Lokale Rahmenbedingungen in Entwicklungsländern
7.
Die individuellen Adressaten für eine praktische Reiseethik

7.1. Der Stoff, aus dem Touristen sind
7.2. Strukturelemente der Reisegruppensituation
7.3. Exkurs: Bildungstourismus und Völkerverständigung
7.4. Der europäische Reiseleiter
7.5. Lokale Reiseleiter
8. Theoretische Grundlagen für eine Ethik des Tourismus
8.1. Theorie der Ethik
8.2. Ethik im Zeitalter der Globalisierung
8.3. Egoismus versus Altruismus
8.4. Tourismusverknüpfte ethische Materien
8.4.1. Wirtschaftsethik
8.4.2. Umweltethik und ihre zentralen Positionen
8.4.3. Ethik des Naturschutzes
8.4.4. Ethik der Armutsbekämpfung
8.5. Theorie der praktische Ethik
9. Anforderungen an eine praktische Reiseethik für Touristen
9.1. Bedingungen für die Praktikabilität des Leitfadens
9.2. Rahmenbedingungen für aride Zonen
9.3. Die Prinzipien für ethisch verantwortungsvolles Reisen

III. Praktische Reiseethik
1. Vor der Reise
1.1. Selbsterkenntnis: Erfüllung aller psychischen und physischen Voraussetzungen
1.2. Informationsquellen
1.3. Wahl des Ziel
1.3.1. Menschenrechtsverletzungen
1.3.2. Selbstbestimmung der Bereisten
1.3.3. Öko-Sünder
1.4. Wahl der Reiseform
1.4.1. Massentourismus oder Individualtourismus?
1.4.2. Verkehrsmittel - eine Frage der Zeit
1.4.3. Mit welchem Unternehmen?
1.4.4. Alternative Anbieter
1.4.5. Entwicklungshilfe Projekttourismus?
1.5. Gezielte Vorbereitung – eine Gefahrenprävention
2. Während der Reise: Rücksichtnahme
2.1. Sozialverträgliches Verhalten
2.1.1. Zurückhaltung
2.1.2. Äußeres Auftreten: Kleidung, Umgangsformen
2.1.3. Fotografieren statt "Schießen"
2.1.4. Almosen geben mit Verantwortung
2.1.5. Umgangsformen - keine Selbstverständlichkeit
2.1.6. Medizinische Hilfe kann töten
2.1.7. Begegnungen - die Kunst der Langsamkeit
2.1.8. Geschenke und Versprechen
2.1.9. Aufklärung über den "Goldenen Westen"
2.1.10. Kritische Themen: Politik, Religion, Sexualität
2.1.11. Spezialproblem Korruption
2.1.12. Tabu Sex?
2.2. Verhalten hinsichtlich lokaler Wertschöpfung
2.2.1. Unterkunft und Reiseagentur
2.2.2. Verpflegung
2.2.3. Trinkgeld
2.2.4. Einkauf - die Kultur des Handelns
2.2.5. Spezialproblem Souvenirs
2.2.5.1. Verbotene Objekte
2.2.5.2. Fundgegenstände
2.3. Ökologisches Verhalten
2.3.1. Verkehrsmittel
2.3.2. Ressourcenverbrauch
2.3.3. Abfall
2.3.4. Hygiene
2.3.5. Naturschutzzonen
2.4. Notwehr-Rechte des Touristen
2.4.1. Aufdringlichkeit, Betrug, Kinderattacken
2.4.2. Beistandspflicht gegenüber Dritten
3. Nach der Reise

IV. Zusammenfassung

V. Abkürzungsverzeichnis

VI. Literaturangaben

VII. Lebenslauf des Autors

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Entwicklung des grenzüberschreitenden Welttourismus

Tabelle 2: Die größten Wirtschaftsbranchen der Welt

Der Trip ins Paradies, gutes Gewissen inklusive

Ethische Grundlagen des umwelt- und sozialverträglichen Ferntourismus.

I. Einführung

Nassara, donnez-moi un cadeau!

Ruf der Kinder in Agadez zu Weißen

1. Persönlicher Zugang

Mit Siebzehn brach ich erstmals alleine, nur mit einem Rücksack und einem alternativen Reiseführer bewaffnet, in die Fremde auf, um in der Ägäis das "Inselhüpfen" zu wagen. Allerdings befand ich mich damals nicht nur in Gegenwart zahlreicher mitteleuropäischer Touristen, sondern auch noch immer innerhalb der Europäischen Union. Wenige Jahre später ließ ich mich zu einer Reise in die algerische Sahara inspirieren, die mein Vater als Student Anfang der 60er-Jahre unternommen hatte. So verließ ich im Feber 1989 per Bahn, Fähre und Autostop erstmals den europäischen Kulturkreis und drang tief in die Sahara vor bis in die Tuareg-Oase Tamanrasset. Dabei kam ich - trotz geringster Französischkenntnisse - in den Genuss von Erlebnissen, Begegnungen und Erfahrungen, die mich für mein weiteres Leben nachhaltig prägten. Ich wurde gleichsam vom "Wüstenvirus" befallen, jener unstillbaren Sehnsucht nach der Sahara, die niemanden mehr loslässt.

Bereits im folgenden Winter zog es mich erneut in die größte Wüste der Erde, und abermals wagte ich einen beträchtlichen Schritt weiter über den mir vertrauten Kulturkreis hinaus: So betrat ich - nach der Durchquerung der Sahara per Autostop - erstmals Schwarzafrika und somit die so genannte "Dritte Welt"[1].

Alle diese noch von Naivität geprägten Erfahrungen - die Begegnung mit der Urlandschaft Wüste, mit den "geheimnisvollen" Tuareg, die in dieser kargen Welt scheinbar zu überleben verstehen, und mit der "unterentwickelten" Peripherie unserer globalisierten Welt, deren erfahrene Wirklichkeit sich so grundlegend von jener durch die Massenmedien vermittelten Schwarz-Weiß-Malerei unterschied - führten zu grundlegenden Erschütterungen meines Selbst-Bewusstseins. Doch nicht Ablehnung und Verdrängung, sondern eine unstillbare Lust ach Erkenntnis über und durch diese fremden Welten gedieh in mir gleichsam zur Berufung. Auf Anraten meines langjährigen Freundes und Mentors, des großen Afrika-Fahrers, Schriftstellers und Journalisten Günther W. Palm, dem ich in Algerien begegnet war, begann ich mich vorerst journalistisch mit den bereisten Ländern auseinanderzusetzen. 1992 wurde ich "professioneller" Reisender: Ich unterzog mich in Kalifornien einer Ausbildung zum Reiseleiter und arbeitete sechs Monate lang in den USA und in Kanada für die Schweizer Agentur "Sun Trek". Dem folgten immer häufigere Engagements beim mittlerweile größten österreichischen Anbieter von Abenteuer- und Bildungsreisen, "natur & reisen" (nunmehr "Kneissl Touristik") auf fast allen Kontinenten. Das stressvolle Karussell des professionellen Reise-Alltags drehte sich...

Als mich eines Tages im Schatten der engen Gassen des jemenitischen Bergdorfes Hajjara eine alte Frau ansprach und sich gegen Geld als Fotomotiv anpries, stürzte irgendetwas in mir zusammen. Was richte ich hier an? Haben wir das Recht, diese Menschen mit Kameras zu beschießen, ihre "romantischen" Dörfer zu überrennen, ihre Kultur "auszukaufen", ihr Wasser zu verbrauchen? Ist Tourismus und erst recht die Arbeit als Reiseleiter überhaupt verantwortbar?

Diese Fragen brannten sich mir in Kopf, Herz und Hirn, und sie ließen mich seither nie mehr los. Mit dem Vorhaben im Hinterkopf, anlässlich des Abschlusses meines Philosophiestudiums nach fundierten Antworten zu suchen, löste ich dieses ethische Problem bislang immer nur provisorisch. Im Wissen um die Tatsache, dass Massentourismus generell, insbesondere aber jede mir angebotene Tour auch ohne mich stattfinden würde, arbeitete ich weiterhin als Reiseleiter, doch nunmehr mit einem neuen Verantwortungsbewusstsein. Ich bereitete mich auf die jeweiligen Destinationen noch umfassender vor, diskutierte die auftretenden Probleme und täglichen Dilemmas mit vielen Kollegen und begann schließlich mit den konkreten Feldforschungen für die Diplomarbeit aus Philosophie. Dazu hatte ich mir ursprünglich vorgenommen, die Vertretbarkeit von Tourismus am Beispiel der nigerischen Tuareg zu untersuchen.

Dank der Anregungen meines Freundes, des Anthropologen und Schriftstellers Univ.-Prof. Andreas Obrecht, bemühte ich mich nach Abschluss meines Jus-Studiums um ein Stipendium des Wissenschaftsministeriums der Republik Österreich, um für meine Fragestellung vor Ort empirische Daten sammeln zu können. So verbrachte ich im Winter 1999/2000 sechs Monate in der Tuareg-Region Agadez mit der Untersuchung der dortigen Tourismusstruktur, den Hoffnungen der Bevölkerung und den Erwartungen der Urlauber. Die dabei erlangten Ergebnisse waren allerdings so umfangreich und teilweise so revolutionär, dass ich auf Anregung meines Betreuers, Herrn Univ.-Prof. Peter Payer, beschloss, sie im Rahmen einer Dissertation über "Nachhaltige Tourismusentwicklung bei den Tuareg" auszuwerten.

Damit fand ich allerdings wieder zu meiner ursprünglichen Fragestellung zurück: Ist Tourismus - insbesondere in Entwicklungsländern - vertretbar?

2. Problemstellung

Tourismusethik – das gibt’s?

Peter Koller

Tourismus ist überall. In jedem Winkel der Welt begegnet man mittlerweile jenen unverkennbaren Menschen mit der Kamera vor dem Bauch. Dieser Trend der Omnipräsenz des Homo touristicus geht weiter in der Art des "weiter, schneller, kürzer, öfter". Längst hat sich Tourismus zu einem der bedeutendsten Wirtschaftssektoren entwickelt, betreffend Umfang und Wachstum der internationalen Ankünfte als auch die dabei erzielten Umsätze. Teil II der Arbeit, der sich mit den Bedingungen und Anforderungen an eine Praktische Reiseethik beschäftigt, beginnt insofern - nach einer Erläuterung der Kernbegriffe im Kapitel 1 - mit der Darstellung der Entwicklung des Tourismus von Herodot bis zum Weltraumtourismus sowie der Dimensionen und Trends des heutigen Tourismus (Kapitel 2).

Trotz der weit verbreiteten Euphorie über die "weiße Industrie"[2], die als "Lokomotive für die Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts"[3] fungieren soll, machen sich neben allen wünschenswerten Effekten zunehmende negative Auswirkungen bemerkbar. Dabei hinterlässt das komplexe System des Internationalen Tourismus mit seinen zahlreichen Formen (Kapitel 3) sowohl global wie auch lokal in wirtschaftlicher, sozialer, politischer und umweltrelevanter Hinsicht insbesondere in den Ländern der Dritten Welt tiefe und höchst problematische Spuren (Kapitel 4) - ganz im Gegensatz zum landläufigen Allerwelts-Reiseethos der "grünen" Touristen: "Take only photographs, leave only footprints..."[4]

Sowohl wegen des enormen Umfangs des Phänomens Tourismus als auch wegen dessen gravierender Folgen erscheint die Forderung des Tourismuskritikers URRY nach der Etablierung von Regeln für einen "good tourist"[5], um die krassesten Auswirkungen individuellen Fehlverhaltens zu verhindern, nahezu banal. Handelt es sich dabei doch lediglich um typische Probleme der theoretischen aber auch der praktischen Ethik. Was liegt daher näher als anzunehmen, was der US-Philosoph PROSSER konstatiert, nämlich "that tourism is generating an increasingly intense ethical debate, focusing around several key issues".[6]

Dies gilt bis zu einem gewissen Grad tatsächlich, allerdings nur für den anglo-amerikanischen Sprachraum, wo sich die akademische Philosophie etwa seit Mitte der neunziger Jahre vereinzelt mit einer speziellen Ethik des Tourismus auseinandersetzt[7]. Die führenden philosophischen Lexika aus diesem Sprachraum beinhalten bereits Artikel zum expliziten Thema Tourismus[8]. Die umfangreichsten Analysen und Debatten zu dieser Problematik finden sich bislang jedoch im Internet. So hatte etwa 1998 die MCB University Press gemeinsam mit dem International "Journal of Contemporary Hospitality Management" eine umfangreiche virtuelle Internet-Konferenz zum Thema "Ethics in Tourism" veranstaltet[9].

Dieser Umstand erscheint mir ein Indiz dafür zu sein, dass die Problematik des Tourismus noch nicht wirklich in die Kernbereichen des Problembewusstseins der akademischen Philosophie vorgedrungen ist. Selbst im innovativen anglo-amerikanischen Raum, wo Fragen zur praktischen Ethik schon immer mit größerer Intensität behandelt wurden als im kantianisch geprägten deutschen Sprachraum, zählt die "Tourismusethik" noch nicht zu den ethischen Standardthemen. So findet man etwa in der umfangreichen Anthologie ”Ethics in Practice” aus dem Jahr 1997 das Wort "Tourism" oder sinnverwandte Begriffe nicht im Index[10].

Für den mitteleuropäischen Sprachraum hingegen scheint das oben angeführte Zitat von Peter KOLLER, Professor für Rechtsphilosophie und Rechtssoziologie an der Universität Graz, geradezu repräsentativ zu sein, soweit es die akademische Philosophie angelangt. Im "Almanach der praktischen Ethik" aus dem Jahr 1992 kommt weder der Begriff Tourismus noch ein sinnverwandter Begriff vor[11]. An Buchtiteln zum Thema "Tourismusethik" war in den gängigen Verbundkatalogen nichts auffindbar - ausgenommen zwei französische Essay-Sammlungen von Baratje[12], die jedoch von einem philosophisch geprägten Tourismusfachmann verfasst wurden und zudem weder im Buchhandel noch per Fernleihe erhältlich[13] sind. Darüber hinaus haben sich nur noch einige religiöse Vereinigungen mit dem Thema Tourismus aus explizit ethischer Perspektive beschäftigt[14].

Diese fundamentalen Berührungsängste der Philosophen mit dem Tourismus erscheinen mir symptomatisch, weil "typische" Philosophen lieber durch die ihnen vertraute Welt der Bücher reisen, als sich der konkreten Fremde auszusetzen. Dass nämlich nicht nur Immanuel KANT dem Reisen äußerst abgeneigt war, sondern dies auch für den modernen Philosophiestudenten noch zu gelten scheint, erkannte ich im Zuge meines ERASMUS-Aufenthalts an der Université de Caen, Normandie. Mein Ansuchen um Verlängerung des Stipendiums konnte vom Verantwortlichen aufgrund des reichlich vorhandenen Budget sofort genehmigt werden, denn kaum ein Student des Instituts hatte sich für ein Auslandsstudium beworben.

Die generelle Problematisierung des Tourismus ist so alt wie der Tourismus selbst: die erste adeligen Touristen wollten zumeist auch die ersten bleiben und wetterten dementsprechend gegen das nachkommende Fußvolk Auf wissenschaftlicher Ebene waren Tourismusfachleute wie KRIPPENDORF[15] und Journalisten wie JUNGK[16] jene Pioniere, die - wenn auch nicht explizit, so doch inhaltlich - die ethischen Aspekte des explodierenden Massentourismus thematisierten. Detailliert wird die Entwicklung der Tourismuskritik und ihre wichtigsten Formen in Kapitel 5 behandelt.

Zahlreiche Tourismuskritiker - vor allem aus dem Bereich der Medien und der NROs - neigen dazu, sich in wortgewaltiger Weise[17] auf die unterschiedlichen fatalen Tourismusfolgen einzuschießen und gegen die von ihnen zur Verantwortung gezogenen Touristiker und Touristen harsche Urteile zu fällen. Sie leiten sogleich auch umfassende, zumeist krasse Ver- und Gebote ab, wie etwa, den Tourismus überhaupt gleich abzuschaffen[18]. Weil es aber vielen dieser Analysen an einer hinreichenden Darstellung der komplexen Zusammenhänge des Systems Tourismus mangelt - wahrscheinlich gerade aufgrund dessen enormer Komplexität, agieren jene Kritiker letztlich mit der Effektivität eines "Rufers in der Wüste".

Den Vorwurf der Weltfremdheit müssen sich oft auch Philosophen aufgrund des Mangels an genauer Kenntnis der empirischen Fakten gefallen lassen. Klarerweise sind praktische Ethiker gegenüber Kollegen aus den empirischen Wissenschaften häufig im Nachteil und sind auf deren Hilfe angewiesen[19]. Dass überhaupt auf die Rahmenbedingung eingegangen wird, wäre ja bereits ein Fortschritt. So wurde ich selbst im Zuge meiner Studienerfahrung immer wieder mit der Weigerung von Philosophiestudenten und Professoren konfrontiert, sich mit den tatsächlichen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen, weil doch die grundsätzlichen Wertfragen noch nicht gelöst seien. Dabei wird allerdings übersehen, dass 1. diese "grundsätzlichen" Wertfragen auf der theoretischen Ebene a priori nicht lösbar sind und 2. die Frage nach dem richtigen Handeln auf der praktischen Ebene überhaupt nicht sinnvoll zu stellen ist, solange das Problem selbst noch gar nicht in seiner Komplexität erfasst wurde.

Dem soll somit in Kapitel 6 Genüge getan werden, wo die dynamische Struktur der beteiligten Elemente, also Konsumenten, Veranstalter, Politiker und betroffene Bevölkerung, auf den verschiedenen Ebenen, von lokal bis global, umrissen werden. Dort soll verdeutlicht werden, wie sich die Zwänge des modernen, liberalisierten Marktes zur Rationalisierung über den wachsenden Konkurrenzdruck in Gestalt von beschleunigten Konzentrationsbewegung innerhalb der Tourismusindustrie auswirken, während gleichzeitig der "Hybridtourist"[20] nach immer billigeren, jedoch aufwendigeren, immer kürzeren, aber häufigeren, immer weiteren, doch komfortableren Reisen fragt. Gleichzeitig werden auch auf der Ebene der internationalen Politik die Bemühungen um eine "nachhaltige Tourismusentwicklung" gleichzeitig von den wirtschaftlichen Liberalisierungsmaßnahmen (GATS, MAI etc.) desavouiert.

Diese Darstellung dient jedoch nicht nur dem Verständnis des Systems Tourismus, sondern liefert zugleich auch die fundamentale Legitimation für eine praktische Reiseethik, die sich an das Individuum richtet. Wird nämlich von zahlreichen Kritikern - nicht ganz zu Unrecht - an solchen Ansätzen beklagt, man könne die Struktur bedingten Probleme des Tourismus nicht durch die Schaffung eines "besseren Reisenden" lösen[21], so übersieht dieser Vorwurf zwei grundlegende Gegebenheiten:

Erstens weisen sowohl die aufgezeigten Probleme als auch die Trends darauf hin, dass sich der Tourismus strukturell erst am St. Nimmerleinstag in Richtung mehr Nachhaltigkeit entwickeln wird, weshalb es mir - als Reiseleiter wie als Tourist - sowohl als unbefriedigend wie auch als grundsätzlich verantwortungslos erschiene, die Hände einfach nur in den Schoß zu legen und eine "verantwortungsvolle Tourismusstruktur" zu fordern.

Zweitens ist Verantwortung in modernen komplexen Sozialsystemen niemals einem bestimmten Machthaber - etwa der UNO oder der TUI - eindeutig zuordenbar. Im Bereich der modernen Machttheorie und der Wirkungsanalysen spricht man heute vielmehr von "Einflüssen"[22].

Drittens ist es nicht zuletzt auch das konkrete Fehlverhalten von Touristen, das zu negativen Konsequenzen in den Entwicklungsländern führt und das somit - zumindest in organisierten Gruppenreisen - auch durch unmittelbare Kontrolle, Intervention und Aufklärung, also durch Übertragung von Verantwortung seitens des Reiseleiters, unterbunden oder wenigstens reduziert werden kann.

Diese Annahme ist falsch. Denn auch innerhalb der Gruppenreisen sind die faktischen Entscheidungsspielräume der zentralen Adressaten einer "Praktischen Reiseethik", nämlich der Reisenden - also der Touristen und ihres "Big Brother" der Reiseindustrie, des Reiseführers, beschränkt. Soziopsychische Einflüsse seitens der Gesellschaft spielen hier gleichermaßen eine Rolle wie die spezifische Situation der Gruppenreisenden. All dem muss das "Universalgenie" Reiseleiter mit Fingerspitzengefühl gerecht werden; schließlich ist er ja Dienstleister und nicht Sklaventreiber, wie Kapitel 7 aufzuzeigen versucht.

Damit verlasse ich vorerst das praktisch-analytische Feld und wende mich in Kapitel 8 den theoretischen Grundlagen der Tourismusethik zu. Weil eine "Theorie der Tourismusethik" bislang in der Literatur kaum erörtert wurde, bin ich gezwungen, auf unterschiedliche ethische Theorien zurückzugreifen, welche sich mit den spezifischen Problembereichen innerhalb des Systems Tourismus auseinandersetzen. Es sind: dies Theorien über die Ethik der Wirtschaft, der Umwelt bzw. der Natur und der globalen soziale Gerechtigkeit. Weil aber heute, im Zeitalter der Globalisierung, alle diese genannten Bereiche in einem "glokalen"[23] Zusammenhang stehen, wonach lokale Handlungen globale Auswirkungen haben und diese wiederum auf lokales Handeln zurückwirken können, sollten moderne Wertmaßstäbe im Sinne von "Weltethos"[24] nicht mehr allein auf der Wertebasis der westlichen Industriegesellschaft beruhen. Wie eine solche Ethik im Zeitalter der Globalisierung aussehen könnte, wird anhand der Gedanken des Münchner Globalisierungsexperten Ulrich BECK dargelegt[25]. Dem folgen einige Gedanken zu den theoretischen Grundlagen der praktischen Ethik.

Kapitel 9 schlägt wieder die Brücke zur Praxis, indem nach der Legitimation für eine praktische Reiseethik sowie nach den Bedingungen für deren wirkungsvolle Umsetzbarkeit gefragt wird. Dabei gehe ich grundsätzlich von der Ansicht LaFOLLETTEs aus, wonach das Böse in der Welt zumeist das Resultat von Unkenntnis und Unachtsamkeit sei[26]. Touristen besichtigen nicht aus Bosheit oder Arroganz halbnackt heilige Moscheen im Jemen, sondern weil sie gar nicht auf die Idee kommen, dadurch die dortigen Sitten zu verletzen. Insofern ist das zentrale Anliegen des II. Teils der Arbeit die Sammlung und Aufbereitung von Information zum richtigen i.S.v. ethisch verantwortungsvollen Verhalten auf Reisen.

Schließlich sollen kurz die Grenzen des Wirkungsfeldes einer solchen Handlungsanleitung ausgelotet werden: Zwar sind viele der typischen Situationen, mit denen Fernreisende - und vice versa die dortigen Einheimischen - konfrontiert sind, auf die meisten Entwicklungsländer-Destinationen übertragbar. Weil ich jedoch als Reiseleiter vor allem auf Erfahrungen in ariden Gebieten zurückblicken kann und diese Arbeit zudem auch als Beitrag für eine nachhaltige Tourismusentwicklung im Niger gedacht ist, sollen die wichtigsten Besonderheiten von regenarmen Reisedestinationen umrissen werden.

Den Abschluss des Kapitels 9 bildet - gleichsam als "Werte-Leuchtturm" - eine Zusammenfassung jener zentralen Prinzipien eines umwelt- und sozialverantwortlichen Tourismus, an denen sich Teil III der Arbeit orientieren kann. Hierfür das Rad neu zu erfinden erschiene mir als unnötig, da seit dem Umweltgipfel in Rio 1992 längst umfangreiche, gut fundierte Kriterien für eine "nachhaltige" oder "integrative" Tourismusentwicklung ausgearbeitet sind, die weitgehend auf den in Kapitel 8 diskutierten ethischen Grundlagen basieren.

Dem klassischen Argument von SINGER[27] für die ethische Pflicht zur Spende für Entwicklungsländer widerspricht Crocker mit dem fundamentalen Hinweis darauf, dass nicht die Tatsache der Existenz von Armut auf der Welt eine Expertenfrage sei, sondern die richtige Bekämpfung von weltweiter Armut. Wenn es nämlich nach SINGER ginge, sollten Touristen fleißig Geld an die armen Menschen im besuchten Land verteilen, um die große Not zu lindern. Dass damit erst recht Not geschaffen wird, indem funktionierende wirtschaftliche und familiäre Strukturen untergraben und neue Strukturen der Abhängigkeit von temporären Almosen geschaffen werden, ist nur ein Beispiel für die zahlreichen schwierigen Entscheidungssituationen, mit denen verantwortungsvoll Reisende (und erst recht verantwortungsvolle Reiseleiter) konfrontiert sind.

Darum liegt der Schwerpunkt des Teils III, für mich auch der zentrale Abschnitt dieser Arbeit, auf der Informationsvermittlung: Nicht mit deontologischen Normen zu moralisieren ist die Absicht, sondern systematisch jene Fragen aufzugreifen, mit denen der Fernreisende konfrontiert wird, und Entscheidungskriterien vorzuschlagen, mit denen Fehltritte umgangen werden. Weil es aber stets auch um Praktikabilität geht, wird insbesondere auch nach umfassenden Erwägungen eine Faustregel zur Orientierung aufgestellt.

In Anlehnung an die typische Chronologie einer Reise werden vorerst Fragen der grundsätzlichen Reiselegitimität behandelt: Warum, wohin und wie zu reisen ist vertretbar? Weil es für die meisten Entscheidungen wiederum auf hinreichende Informationen - etwa über die Lage der Menschenrechte im gewünschten Reiseland - ankommt, werden im Zuge der Erörterung von Informationsquellen zahlreiche hochwertige Internet-Adressen angeführt. Dem folgt die Diskussion des "richtigen Verhaltens" vor Ort, wobei wieder zwischen den drei Problembereichen der soziokulturellen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen unterschieden wird. Dass die Verantwortung des Reisenden nicht mit dem Betreten der eigenen Wohnung endet, soll Kapitel 3 verdeutlichen.

Ist Tourismus in Entwicklungsländer also vertretbar? Dass nicht das "ob" zählt, sondern das "wie", um mehr Nutzen als Schaden mit seiner Sehnsucht und seiner Reisekassa zu stiften, ist der zentrale Punkt, um den sich die praktische Reiseethik dreht, gleich einem perpetuum mobile. Denn endgültige Antworten gab es in der Begegnung mit der Fremde niemals, auch nicht im Zeitalter der Globalisierung, des Internets und des Radikalen Konstruktivismus[28], denn auch die scheinbare Homogenisierung der Welt durch MacDonalds, Blue Jeans und Donald Duck ist nur die Sichtweise westlicher Betrachter...

3. Danksagung

An dieser Stelle möchte ich meinen innigen Dank all jenen aussprechen, die mich im Verlauf dieser Arbeit unterstützt und gefördert haben. Allen voran bin ich meinen Eltern, Mag. Günther und Gerlinde Friedl, zu Dank verpflichtet, die mich zu meiner Arbeit stets ermutigt haben. Meine Mutter stand mir immer dann mit ihren Dolmetschfähigkeiten bei, wenn meine afrikanischen Französischkenntnissen an ihre Grenzen stießen. Der besondere Verdienst meines Vaters war die mühsame Korrektur der vorliegenden Arbeit. Seine große Geduld und Genauigkeit wie auch seine kritischen Anmerkungen waren mir von unschätzbarem Wert.

Mein ganz besonderer Dank richtet sich an meine Gefährtin und Ehefrau Christiane Schriefl, die mich während all meiner Forschungen begleitete, sei es unmittelbar an meiner Seite im Niger, sei es als perfekte Assistentin und Vertreterin in Graz. Ihre anregenden Diskussionsbeiträge und Ihre gute Kenntnis des Umweltvölkerrechts im Bereich des Tourismus verhalfen mir immer dann zur nötigen Distanz gegenüber der Tourismusmaterie, wenn ich vor lauter Wald die Bäume nicht mehr zu erkennen drohte.

Wann immer meine Gefährtin selbst im Ausland weilte, hatte meine Schwiegermutter in spe, Lisa Schriefl, stets einen gefüllten Kühlschrank und ein paar aufmunternde Worte für mich, wofür ich auch ihr an dieser Stelle meinen Dank aussprechen möchte.

Meinem Betreuer, Univ.-Prof. Dr. Peter Payer, bin ich besonders für seine Offenheit gegenüber der Themenwahl, für seine Geduld und seine Unterstützung in jeglicher administrativer Hinsicht verbunden.

Nach Nepal richte ich meinen besonders herzlichen Dank an meinen Freund, den Anthropologen, Soziologen und Schriftsteller Univ.-Prof. Dr. Andreas Obrecht, der mich für die Modernisierungsproblematik begeistert und zum Forschungsprojekt im Niger ermuntert hatte.

In der Republik Niger ist es mein lieber Freund Houché Ibra, Direktor von Tchimizar Voyage, der mir während meines Aufenthalts in Afrika in jeder Hinsicht beistand und mich selbst in den schwierigsten Momenten das Lachen lehrte. Seine Fröhlichkeit und sein Umgang mit Touristen sind für mich vorbildhaft.

Meinen Schatz an Erfahrungen als Reiseleiter verdanke ich meinem langjährigen Vorgesetzten und Freund, dem Prokuristen des Reiseveranstalters "Kneissl Touristik/natur&reisen", Walter Reischauer, der mich in die schönsten und interessantesten Winkel der Welt schickte, damit ich dort unseren Kunden Augen und Herzen öffne.

Abschließend darf ich all jenen meine Verbundenheit ausdrücken, die mich bei so zahllosen Gelegenheiten in vielerlei Hinsicht beim Fortgang dieser Arbeit unterstützt haben, die ich zwar nicht alle namentlich nennen kann, deren Freundlichkeit ich jedoch keinesfalls vergessen habe.

II. Rahmenbedingungen für eine praktische Reiseethik

1. Begriffsdefinitionen

Ein jeder reist und bedient sich der globalen touristischen Infrastruktur zum Sprung in exotische Länder, doch nur die wenigsten fühlen sich als Touristen[29], und so mancher meint, dem Tourismus entfliehen zu können, wenn er irgendwo bei einer Bar in Grand Popo, Benin, oder in New Delhi, Indien, untertaucht. Doch selbst im letzten Winkel der Dritten Welt bleibt er Tourist innerhalb des globalen Netzes der Tourismusindustrie. Was also ist nun Tourismus, was jenes sagenhafte Wesen "Tourist" - und wo auf der Welt liegt die Dritte Welt?

Dem näheren Verständnis dieser drei zentralen Begriffe dient dieses Kapitel, während andere in dieser Arbeit verwendete, gleichermaßen zu klärende Begriffe wie "praktische Ethik" in den entsprechenden Kapiteln zu behandeln sein werden[30].

1.1. Was ist Tourismus?

Eine Reise um den ganzen Erdball und in die entlegensten Winkel desselben (gehört) zu den alltäglichen Vorkommnissen.

Meyers Konversationslexikon, 1890[31]

Bereits im 19. Jahrhundert geisterte die Bezeichnung "Tourism" für die Aktivitäten der britischen Reisepioniere[32] durch den englischen Sprachraum. Im deutschsprachigen Mitteleuropa hingegen, wo man noch sehr lange vom "Fremdenverkehr" zu sprechen pflegte, fand das deutsche Pendant "Tourismus" erst nach dem Zweiten Weltkrieg Verbreitung.[33] Mit dem Wachstum des Tourismus wuchs allerdings auch die Vielfalt seiner Erscheinungsformen, weshalb man heute vergeblich nach einer klaren Begriffsdefinition sucht. Vielmehr warnt VAN HARSSEL sogar vor dem schwierigen und vielleicht gar irreführenden Vorhaben einer Generalisierung dessen, was Tourismus sei. "We lack a commonly accepted definition of tourism partially because of the complexity of tourist activity and partially because different interests are concerned with different aspects of tourist activity."[34]

Insofern kann man grob zwischen solchen Zugängen unterscheiden, die eher technisch-quantifizierend, phänomenologisch-analytisch, systemanalytisch, politisch oder psychologisch geprägt sind.

Tourismus als Maßeinheit definieren insbesondere offizielle Organisationen definiert, deren Interesse in der Präsentation möglichst beeindruckender Zahlen von Touristenankünften sei[35]. Die United Nation World Tourism Organisation (UNWTO) versteht Tourismus demnach als jede Form der Reise in der Dauer zwischen 24 Stunden und 364 Tagen. Damit werden die zahlenmäßig bedeutsamen Tagesausflüge nicht mitgezählt[36].

Ausgehend von dieser Definition kann das gesamte Tourismusaufkommen weiter nach geographischen Kriterien in "grenzüberschreitenden" bzw. "internationalen" Tourismus im Gegensatz zum Inlandstourismus - sowie nach Motiven in Vergnügungsreisen, Geschäftsreisen und Reisen zu sonstigen Zwecken (Studien-, Gesundheits-, Pilgerreisen etc.) unterteilt werden[37].

Sehr verbreitet, wenn auch ideologisch geprägt, ist die Differenzierung des Phänomens Tourismus nach dem vielfach unterstellten Grad der Verantwortung der Reisenden, in Verbindung mit der Konzentration ihres Auftretens. Demnach wird zwischen Massentourismus, Alternativtourismus und Sanftem Tourismus unterschieden[38]:

Beim Massentourismus werden organisierte Reisen zu einem meist billigen Preis und zumeist als "Pauschalarrangements" an eine große Anzahl von Menschen verkauft, die ihren Aufenthalt im Zielgebiet an einem infrastrukturell intensiv entwickelten Ort konsumieren.

Kennzeichen des Alternativtourismus war ursprünglich vor allen das Selbstverständnis der Rucksacktouristen, die sich "abseits der touristischen Trampelpfade" zu bewegen gedachten. Grob formuliert fallen heute unter diesen strapazierten Begriff fast sämtliche Reisearten, die äußerlich nicht dem Massentourismus entsprechen. Durch diese Begriffsinflation hat sich auch der ideologische Beigeschmack des "Alternativen" bis zur Unkenntlichkeit verdünnt[39].

Der Sanfte Tourismus[40], im anglophonen Raum als "alternativ tourism" geläufig, wird als die "umweltverträgliche und sozialverantwortliche" Reiseform verstanden. Wesentliche Kriterien sind ein hoher Erholungswert für den Touristen, eine optimale Wertschöpfung für alle am Tourismus Beteiligten, die Minimierung negativer Auswirkungen auf das soziale Gefüge, die Kultur und die natürliche Umwelt der bereisten Gebiete sowie die Selbstbestimmung der Gastgeber über Maß und Form ihres touristischen Engagements. Heute spricht man in diesem Zusammenhang eher von "integrativem"[41] oder "nachhaltigem"[42] Tourismus, wobei sich die jeweiligen Konzepte nur hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Gewichtungen und ihrer Verwirklichungsstrategien unterscheiden.

Einen eher phänomenologisch-analytischen Zugang zum Tourismus vertritt URRY: Demnach handelt es sich dabei um eine Freizeitaktivität im Gegensatz zur regulierten und organisierten Arbeit. Tourismus ist Ausdruck des Lebens in der modernen, urbanisierten Gesellschaft, "a marker of citizenship"[43], wobei Touristen ihre gewohnte Wohnstatt für eine beschränkte Zeit aus rein nicht-materiellen Gründen und mit der klaren Intention der Rückkehr "nach Hause" verlassen. In der besuchten Region sind zumeist "socialized forms of provisions", also entsprechende Infrastruktur- und Serviceangebote erhältlich, um dieser kollektiven Form der Ortsveränderung gerecht zu werden. Zudem ist Tourismus mit der Erwartung von "intense pleasure", mit dem Konsum von außergewöhnlichen sozialen Aktivitäten sowie grundlegend mit jener spezifisch touristischen Betrachtungsweise verbunden, die URRY anderweitig als den "Tourist Gaze" hinreichend analysiert hat[44]. Wesentlich mitkonstruiert wird diese touristische Perspektive durch Medien.

Für ein systemisches Verständnis von Tourismus, das auch den vielschichtigen ethischen Implikationen des Phänomens gerecht wird, plädieren BURNS[45] und JAFARI. Demnach ist Tourismus "a study of man away from his usual habitat, of the industry which responds to his needs, and the impacts that both he and the industry have for the host socio-cultural, economic and physical environments"[46]. Innerhalb dieses Systems bestehen Wirkungsgeflechte zwischen der touristischen Nachfrage und dem Destinationsangebot einerseits, der Organisation von Nachfrage und Angebot durch die Tourismusindustrie in Form von touristischen Produkten andererseits sowie auch zwischen den beiden strukturierenden Systemen, dem öffentlichen und dem privaten Sektor[47].

Gegen das verbreitete Verständnis von Tourismus als "Industrie" wendet THEOBALD ein, diese eingeschränkte Sichtweise übersehe das eigentliche Wesen des Tourismus als "social-economic phenomenon that acts both as an engine of economic progress and as a social force. (...) Tourism is more like a "sector" that impacts a wider range of industries."[48]

Der politischen Dimension des Tourismus gerecht zu werden versucht PETERMANN. Demnach ist Tourismus ein "transnationaler, gesellschaftlicher und ökonomischer Komplex. Seine Gestaltung und die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Gesellschaft gehören zu der Klasse von grenzüberschreitenden Politikfeldern"[49].

Demgegenüber steht die psychologische Betrachtungsweise von BERTRAM, der Tourismus als "Ausdruck einer Lebensform (versteht), die den Kampf um die materielle Lebenssicherung hinter sich weiß"[50], was daran zu erkennen ist, dass sozial benachteiligte Bevölkerungsteile eher zu den Reiseverweigerern zählen.

HENNIGS Zugang differenziert das Phänomen Tourismus noch weiter, wobei für ihn - neben der universellen Verbreitung - insbesondere das touristische Erleben fiktiver Räume, die hierfür vorgenommene Konstruktion einer fiktiven Wirklichkeit, sowie die sozialpsychologische Ähnlichkeit mit Ritualen, Spielen und Festen kennzeichnend sind[51].

Zuletzt sei noch das Verständnis BAUSINGERS erwähnt, dessen Ringen um einen Gesamtbegriff für diese bunte Welt des modernen Tourismus mit ihrem weit verzweigten Berufsnetz, ihren vielfältigen Zielorten, Verkehrsmitteln und Aufenthaltsformen, das Prädikat der "Grenzenlosigkeit"[52] hervorbrachte.

Fazit:

Tourismus wird als Maßeinheit, als soziales Phänomen, als Industrie, als individuelle Erfahrung, als dynamisches System oder schlicht als (post-)moderne Form der Muße par excellence verstanden.[53] Demnach bildet der Tourismus auf den "Landkarten des modernen Bewusstseins (...) ein merkwürdig unerforschtes Gebiet"[54], das zwar reich an Detailstudien zu diesem Thema ist, deren Ergebnisse bislang aber noch zu wenig in einem theoretischen Zusammenhang reflektiert werden.

1.2. Was ist ein Tourist?

...was für mich die Frage der Fragen ist:
die Natur der menschlichen Rastlosigkeit.
[55]

Bruce Chatwin

Der Anspruch, (Touristen) sollten eine fremde Welt objektiv erfahren, verkennt die Antriebe und Eigenarten des modernen Reisens.[56]

Christoph Hennig

Touristen gibt es scheinbar gar keine. Zu diesem Resultat kam etwa der Ethnologe Hans FISCHER aufgrund seiner Befragung von "Reisenden" in der Südsee, ob sie sich selbst als "Touristen" fühlten, was die meisten empört von sich wiesen[57]. Dabei wird offensichtlich, dass Tourist zu sein ein regelrechtes "soziales Stigma"[58] darstellt. Diesen Eindruck gewinnt man auch angesichts der langen Tradition von Schimpftiraden in der Literatur gegen dieses "minderwertige Wesen"[59] namens Tourist.[60]

Auch unbedarftere Beobachter als eben Touristen oder Literaten sind nicht gerade dienlich, wenn es um ein Verständnis des Homo touristicus geht. Die Tuareg-Bevölkerung des kleinen Bergdorfes Timia in der Republik Niger definiert etwa Touristen sinngemäß als Menschen, die meistens in Gruppen auftreten, eine Kamera vor dem Bauch baumeln haben, nach Souvenirs suchen und ständig in Eile sind.[61]

Generell stehen deskriptive Definitionen des "Touristen" in engem Zusammenhang mit dem jeweiligen Definitionspendants zum "Tourismus", sind also wenig ergiebig. Fruchtbarer als jene zumeist von offiziellen Organisationen angebotenen Beschreibungen sind die analytischen Betrachtungsweisen wie etwa die Typologie von COHEN. Je nach dem Grad der Tourismusentwicklung der Region, die ein Tourist bereist, unterscheidet er zwischen dem "organised mass tourist", dem "individual mass tourist", dem "explorer" und dem "drifter"[62]. SMITH kommt demgegenüber auf sieben Typen, deren Unterscheidung sich zusätzlich am jeweiligen Reisemotiv bzw. an der Struktur und Intensität der Beziehung zwischen dem Touristen und der bereisten Bevölkerung orientiert.[63]

Was nun das Innenleben des Touristen anbelangt, so hat sich die Wissenschaft bislang erstaunlich wenig damit beschäftigt. Es gibt zwar viele Ansätze, aber keine Theorie des Tourismus, in die man zum Beispiel Umfragen und Trendforschungen einordnen und evaluieren könnte. Der nachfolgende Versuch, der touristischen Triebfeder auf die Spur zu kommen, lehnt sich überwiegend an PILS[64] und HENNIG[65] an.

Zu einem der ersten Erklärungsansätze zählten ENZENSBERGERS Überlegungen zum Fluchtmotiv. Den Touristen treibe es demnach fort vom unmenschlichen Alltag der modernen Industriegesellschaft, hinaus in die Ferne und in die unberührte Natur, um dort seinen Wunschtraum nach Freiheit zu erfüllen. Dies sei als Antwort auf die Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft zu verstehen, weil jene Freiheit - in politischer Hinsicht - im Zuge der gescheiterten Revolution von 1848 versagt geblieben wäre. Zudem flüchte er vor den Einschnürungen der industriellen Welt, doch ist diese Flucht jedenfalls zum Scheitern verurteilt, weil die scheinbar heilen, idyllischen und harmonischen Welten selbst längst von der Industrie mittels "Normierung, Montage und Serienfertigung"[66] beherrscht seien: "Längst hatte sich (...) der Sieg des Tourismus als Pyrrhussieg erwiesen, längst war das Fernweh nach der Freiheit von der Gesellschaft, vor der es floh, in ihre Zucht genommen worden."[67]

Wenn auch die Suche nach dem "verlorenen Paradies" vom unangefochtenen Klassiker unter den Ansätzen zu einer Tourismustheorie als wichtiges Motiv erkannte wurde, bleiben dennoch wesentliche Fragen offen. So sei etwa die These, man müsste nur den Alltag erträglicher gestalten, um die Reiseträume einzudämmen, nach POMPL falsch, weil ENZENSBERGERS Ansatz auf einem eindimensional materialistischen Erklärungsmuster für Tourismus fuße. Sind es doch vor allem wohl situierte Bürger in gesicherten, angenehmen Verhältnissen, die besonders rege zu reisen pflegen, weshalb Massenwohlstand allein den Fluchtmotiven noch nicht den Wind aus den Segeln nehmen könne.[68] Im Gegenteil, die Tourismusintensität steht in starker Abhängigkeit von sozialer Bildung und sozialer Schicht. 1996 haben in Deutschland nur 20 % der Bauern eine Urlaubsreise unternommen, aber 57 % der Selbständigen und 63 % der Angestellten und Beamten. Auch betreffend die Pioniere unter den Touristen, die Adeligen des 19. Jahrhunderts, fragt PILS, wovor diese eigentlich flüchten mussten?[69]

Nicht sosehr als Flucht vor der Arbeitswelt, sondern eher einen "Urlaub (...) vom Leben selbst"[70] interpretiert POMPL den Tourismus. So konstatiert er aufgrund der Entwicklung in Beruf und Privatleben durch die wachsende Technisierung einen regelrechten Zwang zum lebenslangen Lernen. Permanent müsse man sich der wachsenden Komplexität der Realität im Verbund mit der zunehmenden Mobilität anpassen (man denke nur an die Wucherungen der Computerprogramme, die Informationsflut durch die Medien, die wandelnden Berufsanforderungen etc.), wobei sich die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend auflösen. Auch auf sozialer Ebene sei der Druck enorm gewachsen, weil der stabile Sozialisationsfaktor Familie durch lebenslange Identitätsfindungsprozesse verdrängt werde. Hinzu kommen die ständige, Medien vermittelte Konfrontation mit omnipräsenten globalen Risiken wie Tschernobyl, El Nino, Welthunger etc. Diese seien Teil jener, der Kultur der Moderne gleichsam immanenten Spannungen und Belastungen. Dies würde sowohl die andauernde Dominanz des Erholungsmotivs, als auch seine geänderte Erscheinungsform erklären: ”Nicht mehr Wiederherstellung der Arbeitskraft, sondern Distanzgewinnung zur stressgeplagten Existenz”[71] suche der heutige Tourist.

Der Verführungsansatz interpretiert den Touristen als manipuliertes Opfer der Werbungs- und Medienmaschinerie. So werde unter dem herrschenden Sozialisationsdruck vor allem gereist, um Prestige zu gewinnen. Einerseits steuern Menschen als Herdentiere jene Massenziele an, um dort solche Sportarten zu betreiben, die gerade "in" sind. Andererseits gebe es Menschen, die sich gezielt von der Masse abheben wollen und darum die "touristischen Trampelpfade" meiden, weil dies in ihren Kreisen mehr Renommee erziele. Hinter diesen Erklärungen steht freilich ein verächtliches Menschenbild, das auch dem verbreiteten Selbstbewusstsein des Touristen hochgradig widerspricht: Tourismus und Freizeit gelten als jene Sphären, in welchen man sich frei und ohne Zwang zu irgendwelchen Tätigkeiten entscheiden und selbstverwirklichen könne[72].

In eine ähnliche Richtung zielt auch die Sichtweise der Täuschung, wonach der Tourist in seinem Urlaub den Illusionen einer Scheinwelt aufsitze, in der die Erlebnisse inszeniert und somit bar jeder Authentizität seien. Wie in einem "Kokon"[73] treibe der Tourist durch die Urlaubswelt, die er als interaktives, dreidimensionales Video erlebe, ohne sich der dahinter liegenden Wirklichkeit stellen zu müssen. Dem ist entgegenzuhalten, dass Touristen nicht als Sozial- und Geschichtsforscher unterwegs sind, und dass selektive Wahrnehmung oder der Besuch einer Inszenierung durchaus als gängige Verhaltensmuster von Menschen verstanden werden. Niemand würde an Kino- oder Theaterbesucher den gegenüber Touristen gängigen Vorwurf erheben, sie würden hier gar keine authentische Wirklichkeit erleben[74].

Gleichermaßen ist es auch unbefriedigend, touristische Aufbruchsphänomene als Ausdruck gegebener Rahmenbedingungen wie wachsende Freizeit, erhöhtes Einkommen, internationale, infrastruktureller Erschließung und verbilligte Flugreisen zu deuten. Sind diese Feststellungen auch richtig, so liefern sie dennoch keine Erklärung für das Wesen des Homo touristicus.[75].

Demgegenüber erscheint SchulzeS Konzept der Erlebnisgesellschaft fruchtbarer : Während ein großer Teil der Bevölkerung in den westlichen Industriegesellschaften heute immer mehr von ökonomischen Zwängen und existentiellen Bedrohungen befreit sei, haben sich gleichzeitig die individuellen Wahlmöglichkeiten stark vervielfacht. Dadurch habe sich die Orientierung an materiellen Zielen hin zu subjektiven Prioritäten in Gestalt von Erlebnissen verlagert. Zwar bestehe auch weiterhin eine Fremdbestimmung im Arbeitsleben, doch werde der Bereich der Selbstverwirklichung, also des Verfolgens frei gewählter Ziele und Bedürfnisse, größer. Die Betonung der Individualität verbunden mit der Ausformung selbstbestimmter Lebensstile führt zu neuem Bewusstsein und zu neuen Bedürfnissen[76], wie insbesondere zum Erlebnis orientierten Reisen des "Post-Touristen"[77].

Die Lust am Reisen

Praktische Tourismusethik richtet sich insbesondere an den Touristen, weshalb die Frage nach seinem Wesen keinesfalls unbedeutend ist. Insofern sollte die Kategorie des selbstbestimmten Erlebnisses näher betrachtet werden: Was genau ist denn der Genuss am Reisen, was macht die Qualität der Erlebnislust aus, wo in der Seele des modernen Menschen ankern denn die positiven Beweggründe für das Reisen? Als Antworten dienen dabei vor allem die Konzepte der Horizonterweiterung, der anderen Zeit- und Körpererfahrung und der unkomplizierten Sozialbeziehungen.

Wer reist, verändert seinen Standpunkt, und eröffnet sich dadurch neue Eindrücke und Erfahrungen. Er vollzieht eine Horizonterweiterung. Nicht umsonst galt schon im Altertum die Reise als "angemessener Zustand für einen Philosophen"[78]. Auch ein Großteil unseres gegenwärtigen Wissens wurde erst durch Entdeckungen und Reisen gesammelt und systematisiert. Dabei spielte die Neugier die Rolle als Motor der Erkenntnis im weitesten Sinne. Dies gilt insbesondere auch für den Tourismus[79]: Zwar sind alle Winkeln der Welt und alle dort möglichen Erfahrungen längst durch die Massenmedien vermittelt, das reale Vergnügen des Sehens und Entdeckens vor Ort kann es jedoch nicht "wirklich" ersetzen.

Touristisches Erleben ist durch die Auflösung von Grenzen gekennzeichnet, was den Erlebnishorizont beträchtlich zu erweitern hilft. Alltagsroutine wird durchbrochen und ein anderes Zeitgefühl geschaffen. Außergewöhnliche Erlebnisse dienen gleichsam als Markierungen des Erinnerungserlebens und schaffen damit Zeitintervalle im Gedächtnis, seien dies arbeitsfreie Tage, Feste oder sei es eben Urlaub. Auch die touristische Ortsveränderung spielt eine derartige Rolle als Zeitmarkierung.

Die Körper- und Naturerfahrung ist im Urlaub anders. Während man sich in der Arbeitsphase auf das vorgegebene Ziel des Gelderwerbs konzentrieren muss, ist im Urlaub die Gelegenheit für intensiven sinnlichen Genuss gegeben. "Die Bereicherung der Sinneswahrnehmung zählt sicherlich zu den lustvollsten Erlebnissen beim Reisen."[80]

Einfache Sozialbeziehungen sind für den Urlaub markant, da hier - etwa am Strand, wo Chef und Dienstbote einander in der Badehose begegnen - die Hierarchien des Lebens weitgehend ausgeblendet sind. Weil touristische Beziehungen wegen des "daheim gelassenen" sozialen Alltagskontextes weniger komplex, dafür meist egalitär strukturiert sind, fällt es Reisenden leichter, mit einander Kontakte zu knüpfen. Dadurch entstehen neue Interaktionsnetze, deren größere Zwanglosigkeit charakteristisch ist; so bleibt etwaiges Fehlverhalten meist ohne Folgen, da die Kontakte von vornherein zeitlich begrenzt sind. Aufgrund dieser Leichtigkeit des sozialen Seins sind Kontakte zu anderen Touristen auch ein wichtiges Motive für den "richtigen Urlaub"[81], was angesichts der saisonalen Massenaufläufe an Stränden und auf Autobahnen offensichtlich wird. Daraus folgt aber auch, dass der "wohlgemeinte Versuch, die Reiseströme zu entzerren, weitgehend zum Scheitern verurteilt sein dürfte."[82]

Eines der wichtigsten sozialen Charakteristika der Urlaubssituation sieht HENNIG im hohen Grad der als solches empfundenen Freiheit und Unabhängigkeit. Wie im Karneval gilt im Urlaub als unausgesprochene Regel, das zu tun, was Spaß macht.[83]. Diese "Narrenfreiheit" finden ihren Ausdruck in der bewusst leger getragenen Kleidung. Zum anderen ist diese Grundhaltung eine der Ursachen für soziokulturelle Konflikte mit Einheimischen.[84]

In seiner Tourismusanalyse hat HENNIG die Reise als Fest[85] gedeutet. Dabei lehnt er sich an die populären Feste des Mittelalters an, bei denen die Aufhebung gewohnter Regeln, Bewegungs- und Zeitrhythmen und von Alltagszwecken den Ablauf der Feste wesentlich strukturierte. Diese Merkmale und die gepflegte nutzlose Tendenz zu Freiheit und Gleichheit sowie das veränderte Verhältnis zu materiellem Besitz und zu Geld lassen sich auch im Urlaub erkennen: Die im Alltag mühsam angesammelten materiellen Reserven werden oft hemmungslos und demonstrativ ausgegeben. Letzteres war übrigens auch der Fall bei Festen von Stammesgesellschaften wie des "Potlatchs" der Küstenindianer Nordwestkanadas[86]. Wie für solche Feste ist für den Tourismus die elementare Unterscheidung von Gewöhnlich-Alltäglichem und dem Außergewöhnlichen[87] konstitutiv. Viel sagend ist übrigens auch, dass sich der Niedergang der europäischen Festkultur parallel zur Entfaltung des modernen Reisens vollzog, weshalb nach HENNIGS Überzeugung der Tourismus viele Funktionen der Tradition des Feierns übernommen habe[88].

Auch das Verständnis von der Reise als Ritual - gleich jenen von Stammesgesellschaften oder dem Pilgertum - drängt sich auf: Für HENNIG[89] stehen Reisen, Ritual und religiöse Erfahrung in systematischer Beziehung, weil sie alle aus dem Bruch mit dem gewöhnlichen Leben herrühren, der gleichermaßen die Reise und das spirituelle Erleben kennzeichnet. Die Phasen der Übergangsrituale wie jene der Initiation sind formal auf Reisen übertragbar, die in Anlehnung an VAN GENNEPS Konzept der "rite de passage"[90] wie folgt ablaufen:

Die Trennung von der gewohnten Umgebung, die Unterwerfung unter neue Verhaltensregeln, die Tendenz der Mitreisenden zu Nähe und Gleichheit, die Schwächung der zurückgelassenen Identitäten, und schließlich die Rückkehr zur eigenen Gesellschaft, versehen mit einem neuen Status. Dies lässt sich speziell bei Pilgerfahrten nachweisen, die hinsichtlich ihrer Dimension nach wie vor bedeutsam sind. Allein der Wallfahrtsort Lourdes hat jährlich doppelt so viele Besucher wie das ganze Tourismusland Tunesien.[91] Das Erbe religiöser Pilgerfahrten kommt im modernen Tourismus vor allem bei Kunst- und Besichtigungsreisen zum Ausdruck: hier wurden Sehenswürdigkeiten durch Reiseführer[92] und frühere Reisende als bedeutend definiert, gleichsam "sakralisiert". Dabei wird durch das Kunstwerk eine höhere Realität verkörpert, weswegen hier die Authentizität des Kunstwerkes für den "Pilger" ebenso eine wichtige Rolle spielt wie die physische Nähe zu diesem. Durch die gemeinsame Erfahrung des Besichtigungsrituals wird zudem zwischen den "Pilgern" ein besonderer sozialer Zusammenhalt gestiftet[93]. Auffallend ist auch die Bedeutung von Reproduktionen in Form von Souvenirs, Bildbänden und Postkarten.

Die Erwirkung der Verwandlung des eigenen Ichs ist neben den "Pilgerreisen" zu Sehenswürdigkeiten auch für Reisen in Urlandschaften oder zu Naturvölkern ein grundlegendes Motiv. Hier geht es um Erlösung und Heilung für die moderne, "entwunderte" Seele mit Hilfe der als unberührt erachteten Natur, der besondere Kräfte und Heilwirkungen zugeschrieben werden. Dabei dienen die als "natürlich und einfach" betrachteten Naturvölker als real erreichbare Kontaktstellen der Natur selbst.[94] Diese Erwartung der Transformation der Identität und der inneren Erneuerung zeigt sich etwa in der Vorstellung vom "Wüstenvirus", wonach man nach dem Besuch der Wüste völlig verändert zurückkehre[95].

Ein ebenfalls zentrales Motiv für das Reisen ist die Realisierung von Phantasien und Träumen. Nicht von ungefähr sind Begriffe wie "Traumurlaub" oder "Südseeträume" geflügelte Worte und nicht von ungefähr zählen exotische Landschaftsbilder zu den wichtigsten Signalen der Urlaubswerbung. Die dahinter liegende Botschaft spricht eindeutig die Erfüllung geheimer Sehnsüchte an. Moderner Kultur- und Erlebnistourismus kommt also ohne Inszenierungen nicht mehr aus, um die Konsumentenerwartungen zufrieden zu stellen und die Phantasie und Vorstellungskraft des Touristen zu beflügeln[96].

Die fiktionale Seite des touristischen Erlebens war immer schon gesehen worden, "jedoch fast ausnahmslos als ein zu überwindender Defekt."[97] Die "unrealistische" Sichtweise der Touristen wurde - und wird - als moralischer Mangel gewertet. Dabei wird unterstellt, der Tourist könne und solle die fremde Wirklichkeit 'richtig' erkennen, werde aber durch den Egoismus und die Faulheit der Touristen verhindert[98]. Dieser Anspruch aber verkenne nach der Überzeugung HENNIGS die Antriebe und Eigenarten des modernen Reisens. "Schon immer ging es nur begrenzt um die Erkenntnis der Fremde. Vielmehr suchten Touristen die sinnliche Erfahrung imaginärer Welten, die Realität der Fiktion." Gerade weil der Tourist hofft, die kollektiven Phantasien vom Urlaubsparadies am Ziel der Reise wieder zu erkennen und deren Wahrheit auch zu erleben, werden "die Reiseerlebnisse zu diesem Zweck inszeniert und konstruiert."[99] Daraus erklärt sich auch, warum manche Touristen nach solchen Landschaften oder Straßenszenen Ausschau halten, die sie zuvor in Reisemagazinen wie "GEO" entdeckt hatten[100].

Insofern erscheint auch die Verbindung des Touristen mit seiner Kamera nahezu untrennbar: Das Foto schafft im nachhinein die Gegenwärtigkeit des Abwesenden, es erwirkt die Fixierung ungewöhnlicher Ereignisse, macht sie transportabel für den Heimweg mit dem Ziel, die Verlängerung der Reiseerfahrung in den Alltag hinein zu ermöglichen. HENNIG vergleicht darum Ferienbilder mit Ikonen, die zugleich mit der Erinnerung auch eine magische Präsenz jenes anderen Lebens liefern[101].

Zudem ist der Blick durch die Kamera wie das touristische Sehen insgesamt dem filmischen Sehen eng verwandt: dem Schnitt beim Film entspricht der Ortswechsel auf der Reise.

Die Nähe des Tourismus (wie auch des Films) zum Traum darf nicht unerwähnt bleiben. Für den Traum ist typisch, dass subjektive Kräfte die Realität ergreifen, sie mit Gefühlselementen aufladen und transformieren. "Der Überschluss an Symbolen, der sich in den Träumen zeigt, drängt nach Darstellung. Im Alltag hat er keinen Platz. Traditionelle Gesellschaften schaffen ihm Raum in Festen, Spielen, Ritualen, Kunst. Film, Fernsehen, Tourismus sind spezifisch moderne Bereiche für die im Alltag "überflüssigen" Gefühle und Symbole."[102]

Die Suche nach Traumwelten durchzieht alle Formen und Epochen der modernen Urlaubsreise, wobei die dabei gemachten Erfahrungen jenen ähneln, die durch manche Kunstgattungen - wie dem Film oder der Literatur - vermittelt werden. Die "Kunst des Reisens" besteht insbesondere darin, sich die Reise ganz nach seinen subjektiven Wünschen zurecht zu schneidern, um den subjektiven Lustgewinn zu maximieren. Insofern hat Urlaub in mancherlei Hinsicht sehr viel Ähnlichkeit mit der Arbeit eines Künstlers, wie etwa eines Maler oder Filmregisseurs. Der zentrale Unterschied für den Tourismus besteht darin, dass hier die gesamte Welt und vor allem die touristischen Einrichtungen als Szene dienen und man sich selbst gemäß seinem privaten Spielplan darin bewegt[103]. Doch während den anerkannten Kunstformen niemand den imaginativen Charakter vorwirft, steht diese Anerkennung für den Tourismus noch aus[104].

Fazit

Will man das Wesen des Homo touristicus auf den Punkt bringen, so muss dieses Ansinnen mit BURNS' Hinweis auf die gegenwärtige anthropologische Tourismusforschung aussichtslos erscheinen: Touristen haben einfach zu viele verschiedene Motivationen und sind in ein viel zu komplexes System eingebunden, als dass man sie zutreffend und zur Zufriedenheit aller Analytiker kategorisieren könnte[105].

1.3. Dritte Welt bzw. Entwicklungsländer

"Der Begriff der Dritten Welt ist oft hinterfragt und häufig missverstanden worden."[106] Grundsätzlich handelt es sich um eine Bezeichnung für Gruppen von Ländern im internationalen politischen und wirtschaftlichen System, für die bislang kein geeigneter Name gefunden wurde. Der Begriff ist dann problematisch, wenn den Mitgliedern dieser Ländergruppe eine strikte Homogenität unterstellt wird[107], und wenn dieser Begriff zudem nicht auf die bloß beschreibende Funktion beschränkt bleibt, sondern normativ, theoretisch oder strategisch überhöht wird. Derlei war auch ursächlich für die Diagnose vom "Ende der Dritten Welt"[108] anfangs der 90er-Jahre, als durch den Zerfall des Ostblocks die häufig unterstellte Aktionseinheit der Dritten Welt paralysiert worden sei.

Tatsächlich aber umfasste die DW schon immer strukturell heterogene Länder mit ungenügender Produktivitätskraftentfaltung, die sich zur Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen und politischen Ziele gegenüber dem "reichen Norden" und aufgrund gemeinsamer geschichtlicher Erfahrungen und Interessen politisch solidarisiert und in verschiedenen Aktionseinheiten lose organisiert hatten.[109] Die politische Gemeinsamkeit der DW-Länder wurzelte in der historischer Erfahrung der Kolonialzeit und vermittelte dadurch eine gewisse Interessensidentität und ein subjektives Zusammengehörigkeitsgefühl, was zur Gründung von Organisationen, wie der "Gruppe der 77" (1964)[110] oder der "Blockfreienbewegung" geführt hatte.[111]

Der Begriff stammt vom marxistisch orientierten Schriftsteller Frantz Fanon[112] und wurde 1949 in Hinblick auf die internationale Politik gegenüber den rechten, kapitalistischen Kräften kreiert, was mit der Vorstellung eines politischen "Dritten Weges" verbunden war. Tatsächlich mündete sie im Zuge des Kalten Krieges bald in die relativ unstrukturierte Blockfreienbewegung, die als Dritte Welt dem von den USA geführten kapitalistischen Westblock (Erste Welt) und dem von der Sowjetunion geführten kommunistischen Ostblock (Zweite Welt) gegenüberstand. Erst in 60er Jahren erhielt der Begriff seine mit wirtschaftlicher Unterentwicklung verbundenen Bedeutung, worauf er auf alle Entwicklungsländer ausgedehnt wurde[113]. Zeitweise wurden industriell nicht entwicklungsfähige Länder auch als “vierte Welt” etikettiert[114]. Für diese zur Zeit 47 Länder zählende Gruppe ist heute der Begriff LLDCs (Least Developed Countries) gebräuchlich.[115]

Der gebräuchlichste Begriff ist jener der "Entwicklungsländer", der jedoch seinerseits irreführend ist. So schloss er zeitweilig auch eine Reihe europäische Länder mit ein und verdeckte zudem den Umstand der stetigen "(Weiter)Entwicklung" der Industrieländer, wodurch sich infolge der hohen Geschwindigkeit dieses Wachstums die Lücke zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern unaufhaltsam vergrößert. Doch auch die Unterschiede innerhalb der Entwicklungsländer haben im letzten Jahrzehnt zugenommen. Einige Länder haben sich zu konkurrierenden politischen Entwicklungsländer-Subgruppen zusammengeschlossen, die sich teilweise überlappen: z. B. die OPEC, die AKP-Staaten, die durch die Lomé-Verträge seit 1975 mit der EU assoziiert sind, die Länder, die besonders unter Erdölpreissteigerungen, weltwirtschaftlicher Rezession und Naturkatastrophen leiden (MSACs) oder die so genannten Schwellenländer (NICs)[116].

Trotz aller Ungereimtheiten sind den Entwicklungsländern die folgenden wichtigsten wirtschaftlichen Merkmale mehr oder minder gemeinsam: niedriges Pro-Kopf-Einkommen, geringe Spar- und Investitionstätigkeit, geringes Kapitalaufkommen und geringe Arbeitsproduktivität, niedriger technischer Ausbildungsstand, mangelndes Know-how bei Unternehmern und Managern, deutliches Überwiegen des primären Wirtschaftssektors mit partieller Monoproduktion und mangelnde materielle Infrastruktur. Zumeist liegt auch eine hohe Auslandsverschuldung vor.

Hoher Geburtenzuwachs trotz hoher Kindersterblichkeit, generell geringem Gesundheitsstandard und geringer Lebenserwartung, die verbreitete Mangelernährung, hoher Analphabetismus sowie geringe Ausbildungsquote sind Gemeinsamkeiten der Entwicklungsländer auf sozialer Ebene.

Gemeinsamkeiten auf soziokultureller Ebene sind der nicht abgeschlossene Prozess der Nationalstaatsbildung, die geringe soziale Mobilität, die Dominanz traditioneller Strukturen sowie die geringe soziale Differenzierung.[117]

Zu den Entwicklungsländern zählt man mittlerweile etwa 170 Staaten, die vorwiegend auf der Südhalbkugel der Erde liegen, und in denen drei Viertel der Weltbevölkerung leben, aber nur 20 % der Weltwirtschaftsleistung erbracht werden.[118]

Zusammenfassend erscheint es mir sinnvoll, mich der Sichtweise von BURNS anzuschließen, wonach der Begriff der Dritten Welt "no worse or patronising than many other euphemisms that are used to describe poverty and underdevelopment."[119]

2. Die historische Entwicklung des Tourismus

Das Reisen ist also die Schule der Menschen-Kenntnis. In der Geschichte lernen wir nur die Todten kennen, auf Reisen hingegen die Lebenden.[120]

Franz Posselt, 1795

Seit wann und warum reisten Menschen einfach aus Vergnügen? Will man dem Anspruch des Praxisbezugs einer Reiseethik gerecht werden, so ist die historische Analyse des Reisephänomens eine Voraussetzung für dessen Verständnis. Erst dann wird etwa die Brüchigkeit jener gesellschaftskritischen Tourismustheorien offensichtlich, die das Reisen als eine unvollkommene Flucht aus der Industriegesellschaft deuten[121]. Die 3000-jährige Geschichte des Tourismus lässt erkennen, dass die Menschen ihrem elementaren Bedürfnis nach Reisen als Form der Kultivierung von Fernweh und Neugierde immer dann in großer Zahl nachgekommen sind, wenn gewisse strukturelle Voraussetzungen erfüllt waren[122]:

1. Tourismus entwickelte sich, sobald in einer historischen Epoche ein gewisser Wohlstand erreicht, eine ausreichende Infrastruktur entwickelt und ein damit verbundenes Mindestmaß an Bequemlichkeit gegeben war, zudem politische Stabilität und persönliche Sicherheit herrschte und das Reisen zudem auch eine gesellschaftliche Anerkennung erfuhr[123].
2. An Inhalten waren stets Natur, Exotisches und Aspekte des Alltagslebens im Interesse der Reisenden gestanden. Dagegen war die Begeisterung für Kunst und Geschichte stärker vom jeweils herrschenden, ideologisch oder pragmatisch geprägten Selbstverständnis einer Gesellschaft abhängig.

Somit variierten in der Tourismusgeschichte nur die Organisations- und Sozialformen des Reisens, verursacht durch technische Veränderungen und den wachsenden Wohlstand als deren unmittelbare und mittelbare Folgen. Bedingungen und Motive des Reisens haben sich als weitgehend konstant erwiesen.

2.1. Die Anfänge des Reisens aus Neugierde

Erste historisch fassbare Spuren eines Bildungstourismus sind im Ägypten des 15. vorchristlichen Jahrhunderts zu finden. So zeugen eigenartige persönliche Inschriften an den großen Pyramiden von Gizeh, der Sphinx und der Stufenpyramide von Sakkara von schriftkundigen Besuchern, Intellektuellen, die ihre Besichtigung mit einer Pilgerreise nach Unterägypten verbunden hatten. Somit liegt die Annahme nahe, dass die Bildungsreise ursprünglich aus der Wallfahrt hervorgegangen sei, weil auch Kunst selbst bis zum Beginn der Neuzeit im Dienst der Religion stand: Ein Heiligtum war also immer auch ein Kunstwerk. Zudem ermöglichte der institutionelle Rahmen einer Pilgerfahrt ein risikoärmeres, gesellschaftlich sanktioniertes Reisen.[124]

Erst ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich ein neuer "Tourismustrend", ausgelöst durch den ersten und wichtigsten Vertreter, Herodot. Der griechische Forschungsreisende hatte oft und gerne auch die "Sehenswürdigkeiten" der zu erforschenden Regionen gezielt besucht, etwa die Pyramiden in Ägypten. In seinen berühmten Berichten verband er die überlieferte Fülle von Einzelinformationen zu einem Gesamtsystem, wodurch die "Welt - auch jenseits der griechischen Ökumene - (...) grundsätzlich überschaubar wurde"[125]. Von nun an war das Reisen zumindest für Menschen mit entsprechenden Zeit- und Geldressourcen nur noch ein Problem der planenden Vernunft.

In der Zeit zwischen dem 3. und dem 1. Jahrhundert v. Chr. führte der wirtschaftliche Aufschwung des Römischen Reichs zu einem enormen Verkehrswachstum, erleichtert durch ein dichtes, gut konzipiertes Netz aus guten Straßen mit Rasthäusern, Pferdewechselstationen der kaiserlichen Post, einem gut entwickelten Gaststättengewerbe, einer Straßenpolizei, die für Sicherheit sorgte, aber auch durch regelmäßigen Schiffsverkehr. Hinzu kam die allgemein übliche Verwendung von einheitlichen Maßen und Gewichten von Schottland bis Mesopotamien und nur zweier Sprachen, nämlich Latein und Griechisch. Diese Perfektion der römischen Infrastruktur wurde in Europa annähernd erst wieder gegen Ende des 18. Jahrhunderts erreicht[126].

In der römischen Kaiserzeit zogen die ersten Kurorte Angehörige des Mittelstands an, die dort quasi ihre "Ferien"[127] verbrachten. Besonders populär unter den Angehörigen der Ober- und Mittelschicht war jedoch der Bildungstourismus in Griechenland, wohin es Zehntausende jährlich zog. Entsprechend dem griechischen Bildungsideal stand dabei das Interesse an Geschichte und Kunst im Vordergrund, während dem Land und seinen Bewohnern selbst in Abkehr von Herodots Reiseethik keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Die Routen, auf denen man von einem berühmten Monument zum nächsten "pilgerte", könnten der Reiseausschreibung moderner Veranstalter entnommen sein: von Athen über Korinth nach Sparta, zurück nach Olympia, Delphi und Athen. Die Hotels, Feinschmeckerlokale, Souvenirläden und Fremdenführer entlang der Reisewege bildeten als zusammenhängende touristische Infrastruktur einen wichtigen Sektor der regionalen Wirtschaft.

Bereits im 2. Jahrhundert nach Chr. hatte Pausanias den ersten, für solche Reisen konzipierten Griechenlandführer mit Informationen über Land, Leute und Sehenswürdigkeiten veröffentlicht.[128]

Außergewöhnliche, exotisch anmutende Natur- und Kulturphänomene fanden bereits schon im Altertum Beachtung, weshalb Ägypten als beliebtes Reiseziel diente. "In dieser Faszination für Ägypten, die sich in der Literatur und noch mehr im "ägyptisierenden" Kunststil der frühen Kaiserzeit äußerte, mischte sich die spontane Neugierde für das Fremde mit dem stillen Unbehagen an den Lebensbedingungen der eigenen verfeinerten, aber artifiziell gewordenen Stadtkultur."[129] Vom Volumen her übertraf die Reiselust der spätrömischen Kaiserreiche sogar jene des 19. Jahrhunderts.[130]

Mit der Christianisierung Roms begann die Ära der religiös motivierten Pilgerreisen nach Palästina, später auch nach Ägypten und Syrien. Erleichtert wurde dieses Reisen durch ein Netz billiger "Pilgerheime"[131], wodurch die Zahl der Pilger auch in der Spätantike - trotz sinkender Reisesicherheit und sinkenden Wohlstandes - weiter wuchs. Ein abruptes Ende fanden die römischen Orientreisen mit der ersten Arabisierungswelle in Syrien, Palästina und Ägypten (636-642).

Dass an den mittelalterlichen Pilgerreisen - etwa nach Santiago de Compostela - nicht nur arme Büßer aus Demut, sondern auch wohlhabende Menschen aus Vergnügen teilnahmen, um "fremde Länder, fremde Menschen und ihre oft merkwürdigen Schicksale kennen zu lernen", gesteht zumindest die Witwe Bath in Chaucers "Canterbury Tales" (1387)[132].

2.2. Die "Grand Tour" der Herrensöhne

Erst zu Beginn der Renaissance entstand ein neuer "Boom" des Bildungstourismus. In Anlehnung an das humanistische Leitbild hatte der italienischer Schriftsteller Castiglione das Bild des "uomo universale" entworfen: Dieser neue Mensch sei durch seine Begegnung mit der Antike umfassend gebildet, führe ein Leben in Harmonie mit der Welt und vermöge alles zu realisieren, was er nur wolle. Damit war in Abkehr vom Rittertum das neue Ideal des "Kavaliers" geschaffen, dessen Vollendung durch die Kavaliersreise der adelige Jungen Europas bewerkstelligt wurde. Dabei wurden eine akademische Grundausbildung erworben, durch Kontakte zur internationalen Adelsgesellschaft höfisch-weltgewandte Verhaltensweisen erlernt und zugleich Beziehungen für spätere Staatsdienste geknüpft. Darum waren Paris, Amsterdam, London und besonders auch Wien wichtigen Reiseziele[133].

Ein weiterer Aspekt dieser Reisen war Prestigeerwerb im Sinne einer "Ständischen Selbstdarstellung“: Um altes Herkommen, gegenwärtigen Machtreichtum und künftigen Herrschaftsanspruch zu demonstrieren und damit auch zu sichern, waren kostspielige, prunkvolle Auslandsreisen in Begleitung des Hofes in besonderer Weise geeignet[134].

Ein wissenschaftliches Fundament erhielt diese erzieherische Reiseform mit dem Aufkommen theoretischer Werke über diese Aktivitäten. In seinem Opus "De arte peregrinandi libri II" (1591) beschäftigte sich Hilarius Pyrckmaier aus Landshut erstmals mit Reisetheorie als einen eigenständigen Gegenstand gelehrten Bemühens. Doch fand sich dergleichen nunmehr häufig als Vorspann von Reiseführern oder wurde gar an Universitäten gelehrt. Duktus jener Überlegungen war, dass Reisen nicht nur dem Vergnügen dienen dürfen. Vielmehr setzten Reisen regen Fleiß im Studium der Allgemeinbildung und vor allem seelische und intellektuelle Reife voraus. Äußerst notwendig sei darum die intensive Vorbereitung zu Hause: "Man muss die zu sehende Sache schon vollständig aus der Beschreibung kennen (...)... Alsdann sieht man mer, und mit weit mer Vergnügen"[135]

Eher praktisch orientiert waren die präzisen Reiseführer, wie der 1600 erschienene Italienband "Itinerarium Italiae" von Franz Schott, dem ein epochaler Erfolg beschieden war. Für den organisatorischen und pädagogischen Ablauf waren die gelehrten Mentoren verantwortlich, die Vorläufer der Reiseleiter, welche die jungen Adeligen begleiteten.

Zum Erliegen kam die traditionelle Kavalierstour nach 1740. Wahrscheinlich brachten die Wandlung vom klassischen zum aufgeklärten Absolutismus und die damit verbundene Regierungspraxis zu viele politisch-soziale Veränderungen, denen die Kavalierstour als Ausbildungsmethode nicht mehr gerecht wurde. Zudem wurden in zahlreichen Fürstentümern aus finanzpolitischen Gründen vermehrt allgemeine Reiseverbote verhängt und so die Möglichkeit einer Reisepasszuteilung erschwert.[136]

2.3. Aristokraten als Pioniere des modernen Tourismus

Vom Alpinismus in einer Gegend sprechen wir erst dann, wenn die Berge um ihrer selbst willen bestiegen werden. Das geschieht nicht durch die einheimischen Hirten und Jäger, sondern durch Fremde, meist Gebildete.[137]

Adolf Gstirner, 1901

Bleibt auch der Bildungsaspekt weiterhin ein wichtiges Motiv des Reisens, so kommt gegen Ende des 18. Jahrhunderts die "wildromantische " Natur hinzu. Dieser neue Enthusiasmus insbesondere für die Schweizer Naturlandschaft wird vor allem Jean Jacques Rousseaus Roman "La nouvelle Héloise" (1759) zugeschrieben. Rousseaus Aufforderung "Retournons à la nature!" mahnte zur Rückkehr zum Einfachen und Natürlichen, hinaus aus den engen und künstlichen Städten. Dabei versprach die Flucht aus den Zwängen der überfeinerten Rokoko-Kultur in die herbe Ursprünglichkeit der Naturlandschaft innere Genesung und Stärkung[138]. Einen Hauch früher "postmoderner" Stimmung im Bürgertum ortet hier KABUSCHA: Hinter jenem Unbehagen an der Technisierung und "Vermassung" des städtischen Lebens stand die Interpretation von Zivilisation als "Denaturierung" des Menschen, dem man mit der Suche nach alten Wurzeln in der Geschichte und nach neuen Kräften in der Natur zu begegnen hoffte[139].

Gesteigert wurde dieser Trend durch die aufkeimende Romantik, die - in Abkehr von der humanistisch geprägten, disziplinierten Begegnung mit der Natur - den Vorrang des Erlebens vor dem Erkennen und Genießen oder dem Studieren postulierte. Als perfekte Reiseform wurde demnach das Wandern verstanden, weil diese langsame, den Raum gleichsam körperlich abtastende Fortbewegung durch Landschaft und Gesellschaft das Sammeln sinnlicher Erfahrung bei gleichzeitiger Reflexion ermöglichte. Aufgrund dieser romantisch geprägten Zugangsweise zur Natur gilt "Petrarca oft als "Vater des Alpinismus" - nur weil er über die Wanderung auf einen von Hirten längst begangenen "Schottermugel", den Mont Ventoux, einen gefühlsbetonten schriftlichen Bericht verfasste hatte."[140]

Dabei ist festzuhalten, dass in dieser Sichtweise bereits viele Elemente der "Selbstfindung des eigenen Ich in der Fremde als wichtigste Schule bürgerlicher Charakterbildung"[141] zum Ausdruck kommen: die neue "Kultur der Musse" als eine Art bildungsbürgerliche Emanzipation aus der alten kleinbürgerlich-handwerklichen Welt der Pflichten. Denn das Wandern spielte eine besondere Rolle, weil im "aufrechten Gang" jene neue bürgerliche "Haltung" zum Ausdruck kam: Nicht von oben herab, aus dem Kutschenabteil, galt es die Gesellschaft zu "er-fahren", wie es bürgerliche Wissenschaftsreisende und Reiseschriftsteller in ihrem "kulturellen Ghetto der noblen Lohnkutschen, der bürgerlichen Mittagstafeln und der akademischen Schreibtische"[142] zu tun pflegten, sondern von Angesicht zu Angesicht, quasi von gleich zu gleich, um soziale Wirklichkeit zu "er-gehen", wie es etwa Johann Gottfried Seume auf seinem "Spaziergang nach Syrakus"[143] praktiziert hatte.

Im völligen Gegensatz dazu stand die Begeisterung der englischen "Upper-class", deren Reisestil von luxuriösen Ansprüchen geprägt war, für die französische Riviera. Als Folge entstanden in der entlegenen Welt von Küstenfischern und Bergbauern Hotels und Kasinos, die die lokale Wirtschaft neu strukturierten und Landschaften und Mentalität der dort ansässigen Menschen veränderten. "Das 19. Jahrhundert schuf hiermit die Grundlagen für die ausgebildeten Urlaubslandschaften des wenig später anhebenden Massentourismus."[144]

2.4. Sozialrechtliche, wirtschaftliche und technische Neuerungen als Voraussetzung für Massentourismus

Der moderne Tourismus durchdringt die Welt und ist gleichzeitig eine Welt für sich.[145]

Hermann Bausinger

Mit der beginnenden Industriellen Revolution kam es in Europa auch zu grundlegenden Veränderungen im Reiseverhalten, da nunmehr die drei grundlegenden Voraussetzungen für den Take off des Massentourismus geschaffen wurden:

1. Zwischen den beiden Weltkriegen wurde der gesetzliche Jahresurlaub für Arbeitnehmer zur Regel;
2. Nach dem Zweiten Weltkrieg überstieg das Einkommen der meisten Arbeitnehmer die Lebenshaltungskosten soweit, dass beachtliche Geldmengen erübrigt, und zunehmend für Freizeit, Erholung und Urlaub aufgewendet werden konnten;
3. Der technische Wandel führte zum Siegeszug neuer Verkehrsmittel. Die Eisenbahnnetze wurden gegen Ende des 19. Jahrhundert immer dichter, Dampfschiffe liefen alle wichtigen Häfen der Welt an. Diese relativ billigen Massentransportmittel ermöglichten die Beförderung von immer mehr Menschen über immer größere Entfernungen mit immer höheren Geschwindigkeiten. "Damit veränderte sich die Struktur des Reisens überhaupt: Raum und Zeit, die bisher das Reisen bestimmt und behindert hatten, wurden durch die technischen Neuerungen unwichtig. Reisen verlor seinen alten Sinn als unterwegs sein, bedeutete ab jetzt schnelles Überbrücken von Zwischenraum, meinte ans Ziel kommen und büßte damit seine Rolle als Erlebnis und Leistung eigener Dignität ein."[146]

Bedingt durch wachsende Nachfrage nach Reisen entstand ein neues Gewerbe: das Reisebüro. Als Erfinder der modernen Pauschalreisen gilt der englische Tischler und Baptistenprediger Thomas Cook (1808 - 1892). 1856 veranstaltete er die erste Bahn-Rundreise durch Mitteleuropa als Pauschalarrangement mit Unterkunft, Verpflegung, Eintritten, Bankdiensten, Visa-Beschaffung und sprachkundiger Reiseleitung. 1865 eröffnete er in London das erste Reisebüro, dem bald weitere folgten, aus denen sich rasch eine expandierende Reisebüro-Kette entwickelte. 1870 bot Cook bereits Rundreisen durch Palästina und Ägypten an. Es folgten die Gründung einer eigenen Verkehrsbank, der Bau einer Ausflugsflotte auf dem Nil und die Errichtung eines Agenturnetzes in allen Teilen des Britischen Empires. Nicht von ungefähr steht auf seinem Grabstein "He made world travel easier"[147]

Cooks geniale Idee bestand darin, durch externe Organisation jene Eigenschaften zu ersetzen, die früher die Mitglieder der Upper-class als Ergebnis von Bildung und Milieu für Auslandsreisen mitbrachten: Sprachkenntnisse, kunsthistorisches und landeskundliches Wissen, geschliffene Umgangsformen und Anpassungsvermögen. Damit wurde zum einen das Reisen gleichsam demokratisiert, zum anderen aber auch zu einer standardisierten Ware: Ihre Qualität wird durch welt- und sachkundige Experten verbürgt, was dem Reisenden die Mühen und Risiken des individuellen Reisens erspart und ihm den Reisegenuss garantiert[148].

Im Reich der späteren "Reiseweltmeister" wurde 1863 in Berlin das Reisebüro "Stangen" gegründet, das vorerst nur Reisen auf den Spuren der "Grand tour" durch Frankreich und Italien anbot. Doch bereits 1878 konnte man die erste Pauschalreise um die Welt buchen, womit quasi die Ära der organisierten Fernreise eröffnet war[149].

Mochte man auch den einstigen aristokratischen Reisenden hinterher kutschieren, die moderne Bildungsreise war gegenüber der "Grand tour" waren doch grundsätzlich verschieden: Statt einiger Jahre war man nur die kurze Zeit eines Urlaubs unterwegs, und das nicht im Dienste der Bildung oder der Berufsvorbereitung, sondern aus Vergnügen am Reisen, an der Natur und an den Bildungsgütern. Zudem hatte sich der Kreis der Touristen auf Angestellte, Ärzte und wohlhabende Pensionisten erweitert. Vor allem aber hatte sich die Reiseethik grundlegend gewandelt: "Die lange Vorbereitung zu Hause (und) das aktive Studium unterwegs wurden ersetzt durch die belehrende Unterweisung des Reiseleiters und durch die Perfektion eines Programms, das keine bedeutende Sehenswürdigkeit ausließ."[150]

Um die geistige Kluft zwischen der zunehmenden Kundenzahl einerseits und ihrem niedrigen Bildungsniveau andererseits zu schließen, schrieb ein Koblenzer Buchhändler namens Karl Baedeker 1828 den ersten Band des nach ihm benannten "Handbuchs für Schnellreisende". Dem großen Erfolg seiner "Rheinreise von Mainz bis Cöln" folgten Reiseführer über alle europäischen und nahöstlichen Länder und das in allen wichtigen Sprachen. Für die "Baedeker" war und ist typisch die Fülle der detaillierten und zuverlässigen Information über Hotels, Verkehrsmittel, Ausflugsmöglichkeiten und Preise, die leicht verständliche Beschreibung von Sehenswürdigkeiten und deren touristische Gewichtung mittels "Baedeker-Sternen" sowie "Insider-Tips" für die naiven Reisenden, damit diese von gewitztem Servierpersonal oder Lohnbediensteten nicht betrogen werden[151]. Der inhaltliche Aufbau der Baedeker-Führer orientierte sich zumeist an den Eisenbahnrouten.

Im Verein mit diesen technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Veränderungen ging auch ein grundlegender sozialer Wandel einher. Demnach ist das Entstehen des modernen Massentourismus auch als Emanzipationsprozess zu verstehen. So bemächtigen sich immer mehr soziale Gruppen und Schichten des ehemaligen Privilegs der ”leisure classes”:

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts war die "Sommerfrische" nur für Beamte und Angestellte erschwinglich, wenngleich diesen der Zugang zu Bade- und Bildungsreisen aufgrund zeitlicher und finanzieller Restriktionen verwehrt blieb. Doch wurde ihrem Bedürfnis nach Natur schon bald durch die Erschließung der Alpen für touristische Zwecke Rechnung getragen. 1857 wurde in England mit dem Alpine Club[152] der erste Verein für alpine Gipfeleroberungen gegründet. Der Alpinismus blieb dann bis in das 20. Jahrhundert der in der Öffentlichkeit am stärksten beachtete Teil der touristischen Bewegung, im deutschsprachigen Raum getragen durch den großbürgerlich-nationalen Alpenverein.

Von entscheidender Bedeutung für die touristische Erschließung einer Region blieb allerdings weiterhin die Eisenbahn[153], mit dem beginnenden 20. Jahrhundert zunehmend das Automobil. Besonders für letzteres galt, dass es nicht nur als Mittel zur Fortbewegung, sondern auch als Instrument für eine Bewegung diente, die ihren Sinn und Genuss unabhängig vom Ziel in sich selbst trug. Wie zu Seumes Zeiten das bürgerliche Wandern beliebt war, so wurde mit dem Futurismus das Autofahren als Lebensform und gleichzeitig als reine Lust an der Fortbewegung salonfähig[154]. 1904 wurde die International Association of Automobile Clubs zur Förderung des grenzüberschreitenden Autotourismus gegründet[155].

Gegenüber diesen bürgerlichen Urlaubsfreuden entfaltet sich eine soziale Gegenbewegung der Arbeiterschaft. 1895 entstand in Wien unter Teilnahme von Karl Renner die proletarische Vereinigung der "Naturfreunde"[156].Um die Jahrhundertwende folgte die Wandervogel-Bewegung: Jugendliche aller Schichten und ab 1914 auch beiderlei Geschlechts erwanderten in den deutschen Großstädten gleichsam die Emanzipation von ihren Eltern[157].

Bis zum Ersten Weltkrieg war die Zahl der Urlauber auf etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung angewachsen, darunter überwiegend Angestellte und nur mit einem Zehntel die Arbeiter, denn sie hatten nur sehr wenig Urlaub. Das hohe Sozialprestige der Urlaubsreise spielte eine bedeutende Rolle, weshalb das Reisen zum gefestigten Standesbewusstsein der neuen Mittelschichten wesentlich beitrug[158].

Nach dem Krieg führten neue Sozialgesetze zu grundlegenden Veränderungen. In Frankreich führte die kurzlebige sozialistische "Volksfront"-Regierung Leon Blums 1936 erstmals das garantierte Recht auf bezahlten Urlaub bei gleichzeitig substantieller Anhebung der Löhne ein.[159] Im NS-Deutschland gründete das Propaganda-Ministerium die "NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude" (KdF), mit deren Hilfe erstmals ein politisch organisierter Volks- und Sozialtourismus entstand. Die kollektiv organisierten Reisen wurden in großen Mengen zu niedrigen Preisen angeboten. So kostete eine Seereise nach Norwegen rund 50 Reichsmark, was dem Wochenverdienst eines gelernten Arbeiters entsprach[160].

So wurde zum ersten Mal in der Geschichte den Angehörigen der unteren Einkommensschichten in größerem Umfang die Teilnahme am Tourismus ermöglicht. Die Resonanz auf die KdF-Reisen war so überwältigend, dass sich die Organisation "rasch zum größten Reiseveranstalter der Welt"[161] entwickelte. Rund 40 Mio. Reisen wurden zwischen 1934 und 1939 verkauft, mit der Folge, dass für diesen ersten deutschen Reiseboom "der Tourismus von einem Gewerbe in eine Industrie umgewandelt werden"[162] musste.

In die Zeit des "Deutschen Wirtschaftswunders" in den 50er- und 60er-Jahren[163], als Wirtschaft und Gesellschaft neuerlich elementare, strukturelle Veränderungen erfuhren, fällt die eigentlichen "touristische Explosion"[164]. Die zunehmende Industrialisierung, die beschleunigte Urbanisierung sowie die Erhöhung der regionalen Mobilität infolge der Motorisierung großer Bevölkerungsteile waren kennzeichnend. Zudem führte die Steigerung des Einkommens bei gleichzeitig wachsendem Tourismusangebot zur "Umleitung gesellschaftlicher Differenzierungs- und Prestigewünsche auf Konsumdemonstration und Symbole"[165]. Während im Zeitraum zwischen 1960 und 1990 der Anteil der Haushaltseinkommen, der für Nahrungs- und Genussmittel ausgegeben wurde, von 36,6 % ca. 20 % sank, stieg der Anteil der Freizeitausgaben von 9 auf 17 %[166] bzw. jener der Reiseausgaben von 1,7 % auf 4,3 %. All diese Phänomene, verbunden mit der Reduktion der Lebensarbeitszeit um 33 % in den letzten 50 Jahren[167] erzeugten den gegenwärtigen Massentourismus. Etwa 60 % der europäischen Bevölkerung verreisen jährlich, vor dreißig Jahren lag dieser Anteil noch bei 40 %[168].

Auch der jüngste UNWTO-Report "Changes in Leisure Time: The Impact on Tourism" beweist den grundlegenden Zusammenhang zwischen arbeitsfreier Zeit, Einkommen und Reisefreudigkeit. Er berichtet über die Anzahl der bezahlten Ferientage in den 18 wichtigsten Entsenderländern, die für 73 % Prozent der weltweiten Tourismusausgaben verantwortlich sind. Demnach haben die Österreich mit 43 arbeitsfreien Tagen die meiste Freizeit. Die deutschen "Reiseweltmeister" haben hingegen "nur" 35 freie Tage, die US-Amerikaner kommen 19 freie Tagen vergleichsweise wenig zum Reisen[169].

Dass bei all der vielen Freizeit auch weiterhin das frei verfügbare Einkommen, verbunden mit der Höhe des Bildungsgrades bzw. der sozialen Stellung für die Reiseintensität determinierend ist, zeigt sich anhand der jüngsten Daten für Österreich. So verreisen mindestens einmal pro Jahr 73 % der Hochschulabsolventen, 65 % der Beamten und 62 % der Angestellten[170]. Ähnliches gilt für Deutschland, wo 80 % jener Bürger verreisen, die über ein monatliches Haushaltseinkommen von mehr als 6000 DM verfügen, aber nur 40 % derer, die weniger als 1500 DM verdienen. Besonders wenig reisen Arbeitslose, Rentner, Arbeiter, Handwerker und ländliche Bevölkerung[171]. Etwa 30 % der deutschen Bevölkerung verbringen aus sozialen Gründen oder aus Zeitmangel den Urlaub daheim[172].

Angesichts der hohen Reiseintensität hatte die Bundesregierung aus Sorge vor einer negativen Leistungsbilanz Anfang der 80er-Jahre an die Bundesbürger appelliert, nur innerhalb Deutschlands zu verreisen. Solche Bemühungen sind inzwischen längst der Erkenntnis gewichen, dass Dienstleistungsexport der Reisezielländer auch höheren Import von Industriewaren (Hotelausstattung, Lebensmittel, Kraftfahrzeuge etc.) aus den Touristen-Entsenderländern erfordert. Seither toleriert die Bundesregierung in Berlin die Reisewut der Deutschen...[173]

2.5. Der Durchbruch des Ferntourismus

Je größer die Entfernung zum Reiseziel ist, desto höher belastet der Transportkostenanteil die Urlaubskassa und der dafür nötige Zeitaufwand das Zeitbudget. Erst die rasante Entwicklung des Flugverkehrs ermöglichte den Boom des jährlichen Sprungs der Massen über die Ozeane.

Pionier der Demokratisierung des Fliegens war zweifellos Josef Neckermann, der 1963 ins Fluggeschäft einstieg und mit seinem Prinzip "Großer Umsatz - kleine Preise" erstmals industrielle Methoden auf den Ferntourismus übertrug. Auf der Basis hoher Flugauslastungen bot er Pauschalreisen zu ungewöhnlich niedrigen Preisen an, etwa zwei Wochen Mallorca um 338 DM, was nicht ohne Folgen blieb. 1968 machten erstmals mehr Deutsche im Ausland als im Inland Ferien.[174] Heute ist Neckermanns Konzern NUR der drittgrößte Reise-Veranstalter Europas nach den Unternehmen TUI (D) und Airtours (GB).[175]

Weltweit vervielfachte sich die Zahl der jährlichen Auslandsreisen von 25 Mio. (1950) auf 285 Mio. Menschen im Jahr 1980. 1997 zählte man bereits 612 Mio. internationale Ankünfte, davon rund 180 Mio. in Entwicklungsländern. Das international wichtigste Reiseziel bleibt jedoch auch weiterhin die EU mit knapp zwei Drittel aller Ankünfte[176].

Den Titel der "Reiseweltmeister" tragen nach wie vor die deutschen Bundesbürger, die im Jahre 1996 rund 43 Mio. Auslandsreisen im Gegenwert von ca. 48 Mrd. US-Dollar unternommen haben[177], also mehr als alle US-amerikanischen Urlauber zusammen. Insofern sind die Deutschen die weltweit wichtigste Urlaubergruppe, weshalb es auch nicht überrascht, dass Europas größte Reisekonzerne in Deutschland ansässig sind. Demgemäß konzentriert sich auch das Gros der deutschsprachigen Fachliteratur und konsequenterweise auch diese Arbeit auf diesen Markt.

Tabelle 3 : Entwicklung des grenzüberschreitenden Welttourismus[178]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Analyse der Tourismusentwicklung in den 90er Jahren ergibt, dass parallel zur absoluten Zahl der Touristen auch die individuelle Reisehäufigkeit gestiegen ist. Ausschlaggebende Faktoren dafür waren das ökonomische Wachstum in diesem Jahrzehnt[179], der Wandel der allgemeinen Werte und Lebensstile[180], die Arbeitszeitverkürzung, die fortschreitende Urbanisierung, substantielle Innovationen im Transport- und Informationssektor sowie in der politischen Öffnung des Ostens und der Schaffung gemeinsamer Märkte[181].

Wird schon allein aufgrund der bloßen Wachstumszahlen offensichtlich, dass diese Entwicklung aufgrund quantitativer Kapazitätsgrenzen der Umweltgüter zwangsläufig ökologische, ökonomische und soziale Probleme aufwerfen muss, so wird die Reiseproblematik zusätzlich seit Anfang der 90er-Jahre durch fünf neue Trends des DW-Tourismus[182] verschärft:

- Der generelle Fernflugtourismus belastet die Umwelt durch wachsenden CO2-Ausstoß und den Natur zerstörerischen Verbrauch von energieintensiven Rohstoffen wie Aluminium für den Flugzeugbau;
- Der All-inclusive Tourismus schließt die Einheimischen von den Tourismuseinnahmen weitgehend aus;
- Im Fall des Kreuzfahrttourismus gilt dies sogar für die angelaufenen Länder selbst;
- Den Golftourismus kennzeichnet ein enormer Flächen- und Wasserverbrauch;
- Der boomende (Kinder-)Sextourismus basiert auf gravierenden Menschenrechtsverletzungen[183].

Nicht nur immer mehr und immer öfter, sondern auch immer weiter reisen Touristen, und gelangen dabei bis in die entlegensten Zonen der Welt. So wurde die Antarktis 1995 bereits von über 9.000 Touristen besucht[184], obwohl diese Region ökologisch höchst sensibel ist. Einen Weltraumurlaub kam man seit Anfang September dieses Jahres bei der Daimler-Tochter "Müller Tours" in Bremen buchen. Das Angebot beinhaltet die Teilnahme am Training im Kosmonauten-Ausbildungszentrum "Star City" in Moskau. Dort kann der Kunde wählen zwischen einem Schwerelosigkeitsflug in einer Iljuschin-76 oder einem Überschallflug mit einer MiG-25 bis an die Grenze der Atmosphäre, letzteres für 28.000 Mark[185]. Dass auch der erste Urlaub im All bereits konkret für Mitte des kommenden Jahres geplant ist und nicht erst in "mindestens zwanzig Jahren", wie MÜLLER 1997 gemeint hatte[186], resultiert aus den finanziellen Nöten der russischen Raumfahrt: für 300 Mio. Dollar wird der US-Amerikaner Dennis Tito zehn Tage in der Raumstation Mir verbringen.[187]

2.6. Aktuelle Trends: Der Post- oder Hybridtourismus

Der Post-Tourist weiß, dass Tourismus ein Spiel ist, in dem es keine Authentitzitätsvorgaben gibt.[188]

Heinz-Günter Vester

Was die Zukunft des Tourismus bringen könnte, versucht die höchst aufwendige "DELPHI-Studie" zu prognostizieren. Eine große Anzahl ausgesuchter Tourismusexperten wurde mittels vielschichtiger Interviews nach ihren Erfahrungen und ihren daraus resultierenden Prognosen befragt. Die jüngste Studie dieser Art[189] kam zum Ergebnis, dass in den nächsten 5 - 15 Jahre das Umweltbewusstsein unter der Weltbevölkerung bezüglich des befürchteten Klimawandels zunehmen würde. Allerdings führe dies keineswegs zum Ende des Wachstums der internationalen Tourismusströme. Vielmehr bewirke das steigende Bedürfnis nach intakter Umwelt und Natur auch eine stärkere Nachfrage nach entsprechenden Reiseprodukten, was gemäß der herrschenden Logik von Angebot und Nachfrage durch die Tourismusindustrie auch erfüllt werden würde.

Dass die Studie auf insgesamt 34 globale Trends im Angebots- und Nachfragebereich kam, indiziere die wachsende Differenzierung des Marktes. Dies führe zum fundamentalen Paradox des gegenwärtigen Tourismus, wonach der generelle Wunsch nach mehr Individualität unter den Reiseangeboten zum Massenphänomen werde. Auf welche zukünftigen Konsumentenwünsche muss sich also die Reiseindustrie einstellen, und welche Produkte werden daraus hervorgehen? Die wichtigsten Nachfragetrends, in der Reihenfolge ihrer Bedeutung, werden sein[190]:

1. Besseres und persönlicheres Service
2. Höhere Qualität bei gleichen Preisen
3. Mehr Gesundheitsbewusstsein im Urlaub
4. Mehr Komfort bei Transport und Unterkunft
5. Höhere Qualität der Erlebnisintensität und -außergewöhnlichkeit
6. Mehr Aktivität im Urlaub

Als Antwort darauf werden sich neben dem äußerst bedeutenden Business- und Konferenztourismus die großen Reisetrends in den vier Bereichen Bildung und Kultur, Events und Mega-Events, Unterhaltung und Action sowie Umwelt und Natur abzeichnen. Weil auch das Bedürfnis nach individueller Sicherheit in mentaler, sozialer und physischer Hinsicht weiter steigen werde, dürften die Konsumenten wieder mehr zu bereits Versuchtem tendieren und größere Orts- und Produkttreue entwickeln. Darum werde der All-inclusive-Tourismus wegen seiner Preisgarantie sowie der Erlebnispark-Tourismus wegen seiner Wetter- und Erlebnisgarantie weiter boomen[191].

Welche Art von Menschen steht hinter solchen Bedürfnissen? Welche gesellschaftlichen Veränderungen bewirkten diesen Trend zur Trendlosigkeit?

Nach SCHULZES Theorie der Erlebnisgesellschaft stelle die Abwehr existentieller Bedrohungen für die Mehrzahl der Menschen in den westlichen Gesellschaften heute keine elementaren Lebensprobleme mehr dar. Darum komme es in der Gesellschaft zur Neuorientierung der Grundeinstellung, fort vom Existenzaufbau und hin zum Erlebnis von Außergewöhnlichem, Intensivem udgl. als elementaren Wert[192]. Der dabei vollzogene Einstellungswandel in der Freizeit steht in enger Verbindung mit jenem in der Arbeitswelt, wonach in Abkehr von der protestantischen Arbeitsethik die Hinwendung zu einem generellen, an Freizeit orientierten Hedonismus bemerkbar macht. Urlaub wird somit nicht mehr als Kompensation der Schädigungen durch die Arbeitswelt, sondern als lustvolle Identitätserweiterung[193] betrachtet. Dahinter steht der neue Typ des Reisenden, der Hybridtourist.

Der Hybridtourismus, ein von ROTPART erstmals verwendeter Begriff[194], zeigt sich als eine postmoderne Weiterentwicklung des Alternativtourismus und ist durch eine größere Erscheinungsvielfalt vielschichtiger, heterogener, aber auch in sich widersprüchlicher Stile (z. B. Bildungs- und Sextourismus) während einer Reise gekennzeichnet[195]. Dieses Chamäleon ähnliche Phänomen kann als ein Ausdruck postalternativer Tourismusformen im Kontext des DW-Tourismus betrachtet werden. Reisen wird demnach im Sinn von Gegenkultur und "Aussteigen" verstanden, wie es sich in der Hippiebewegung und in Teilen des einstigen alternativen DW-Tourismus geäußert hatte. Während letzterer aber seinen bestimmenden Wert als Identität stiftende Leitlinie der Jugend-Subkultur verlor, zeichnete sich im Verlauf eines postmodernen Wertewandels eine vermehrte Hinwendung zu stark konsumorientierten, hedonistischen Freizeittätigkeiten ab. Wie früher die Hippiebewegung, so laufen nunmehr auch diese Aktivitäten auf die Konstruktion von Identität stiftenden Lebensstilen und damit auf die Entwicklung einer spezifischen Reisekultur hinaus[196].

LUGER interpretiert die Konsumhandlungen des neuen Touristen als Mittel seiner "Suche nach sich selbst". Der Konsum von Landschaft und Kultur, Gastfreundschaft und Erlebnissen werde "zur Identitätsarbeit, zu radikaler Sinnsuche, zur geplanten Komposition äußerer Umstände, um innere Wirkungen zu erzielen"[197], wobei das Ego stets im Zentrum steht. Im Zuge dieser Selbst-Suche mag der Hybridtourist, von OPASCHOWSKI als "Globetrotter" bezeichnet, zwar den Anspruch erheben, die "ganze Welt" sehen zu wollen, strebe aber in Wirklichkeit nur nach Sonne, Wärme und Exotik. "Globetrotter sind eigentlich nur für sich selbst da - und die ganze Welt als Kulisse."[198]

BURNS ortet hinter dieser Entwicklung die Bedeutung des Mythos der "Freiheit". Spezifisch für die Lebenswelt der wichtigsten Entsenderländer sei deren urbane, post-industrielle Umgebung, die durch die Abtrennung von Natur und Spiritualität gekennzeichnet sei. Dieses spirituelle Vakuum werde durch Tourismus kompensiert, der mit dem Freiheitsmythos als dahinter stehende Ideologie verknüpft ist. Nicht umsonst behauptet die US Travel Administration: "Tourism is The Perfect Freedom"[199].

Der idealtypische Ausdruck des hybridtouristischen Phänomens sind für HENNIG die künstlichen Ferienwelten[200], wo "Mickey Maus (...) neben Christoph Kolumbus (steht)"[201].Mit jährlich 200 Mio. Besuchern sind diese künstlichen Ferienwelten längst das wichtigste Reiseziel weltweit. Allein Disney World empfängt rund 30 Mio. Besucher pro Jahr, mehr als doppelt so viele wie die spanische Costa Brava und die italienische Adria zusammen. Zudem sind diese Besucher äußerst treu, denn die Zahl der Mehrmals-Besucher ist ungewöhnlich hoch[202].

HENNIG erklärt sich diese Attraktivität mit der für die Moderne typischen Suche nach dem Unverfälschten, die aber häufig im "Paradox der inszenierten Authentizität"[203] ende. In Reaktion auf die Erfahrung, dass das "Ursprüngliche" im Zuge der Modernisierung aller Lebensbereiche unwiederbringlich verloren ist, erwartet man sich dafür um so mehr ein perfektes Produkt mit perfekter Unterhaltung und perfektem Service bei perfektem Wetter.

Für diesen Bedeutungswandel der Authentizität spielt die Entfaltung der Mediengesellschaft eine wichtige Rolle. War nämlich der Anblick einer bekannten Sehenswürdigkeit in den fünfziger Jahren noch ein eindrucksvolles Erlebnis gewesen, so genügt dies den immer TV-, Internet- und reiseerfahreneren Konsumenten längst nicht mehr. Parallel dazu beruht der Erlebnistourismus auch auf einer rapiden Intensivierung des Marketings. Da der traditionelle Besichtigungstourismus nicht mehr lukrativ genug war, lockte die Branche die Reisenden zunehmend mit kostenträchtigeren sportlichen und nächtlichen Aktivitäten oder Einkaufserlebnissen. Daraus haben sich neue touristische Wahrnehmungsmuster entwickelt, ohne dass die bisherigen völlig an Bedeutung verloren hätten[204].

Touristen sind heute nicht mehr auf bestimmte Erfahrungsmodi - Kunst, Unterhaltung, Sport, Essen - festgelegt, sie wollen die Urlaubswelt in ihrer Gesamtheit "erleben". Dabei brechen die Grenzen zwischen den kulturellen Sphären auf, insbesondere jene zwischen "hohen" und "niedrigen" Kulturformen. Allerdings lässt sich diese Diagnose auf die postmoderne Befindlichkeit generell übertragen, was insbesondere in der Form des "Erlebnis-Shoppings" zum Ausdruck kommt.

Die West Edmonton Mall in Alberta, Kanada, ist mit jährlich rund 10 Mio. Besuchern nach Disney World und Disneyland die drittgrößte touristische Destination des amerikanischen Kontinents. Neben 828 Ladengeschäften, 110 Restaurants und 19 Theatern laden dort ein Wasser-Vergnügungspark, ein überdachter See mit einer Replik des Großen Barriere-Riffs und fünf U-Boote zum Erlebnisshopping ein.[205].

Die modernen Tourismustrends kann man mit einer Kurzbeschreibung des postmodernen Lebensstils resümieren. Dieser umfasst expressives Verhalten (Konsum-, Freizeit- und Reisegewohnheiten), interaktives Verhalten (z.B. Mediennutzung), kognitives Verhalten (Selbstidentifikation und Wahrnehmung der sozialen Welt) und eine evaluative Dimension (Werte und Einstellungen, etwa hinsichtlich des Wahlverhaltens)[206]. Tourist zu sein ist heute keine Frage des Urlaubs mehr, weil auch der Alltag selbst immer stärkere Züge des touristischen Erlebens annimmt (man denke an die große Freiheit von äußeren Zwängen oder an den häufigen Wechsel von Beziehungen[207] und Identitäten). "Das normale Leben, wenn es ein gutes Leben sein soll", schreibt Zygmunt Bauman, sollte ein "ständiger Urlaub" sein, denn "der Tourist wurde zum "Muster, an dem jegliche Praxis gemessen wird."[208]

2.7. Der internationale Tourismus in Zahlen

Ein klares Bild von den Dimensionen des internationalen Tourismus zu entwerfen ist keineswegs einfach, weil es an der Grundvoraussetzung für eine moderne empirische Wissenschaft mangelt, den genauen Daten! Die meisten Zahlenangaben der internationalen Organisationen wie UNWTO oder WTTC sind bloß Schätzungen, weil die Grundlagen für die notwendigerweise "extrem komplexen"[209] Berechnungen fehlen. Zahlen der Ankünfte, der Gästebetten und der Übernachtungen werden nicht einmal in Europa nach standardisierten Maßstäben erfasst, geschweige denn in Entwicklungsländern[210]. Zudem wird der zahlenmäßig um vieles bedeutendere Inlandstourismus in den internationalen Zahlenangaben überhaupt nicht berücksichtigt. Wenn aber nicht einmal die Ausmaße des Tourismus klar sind, dann steht es um die Erfassung der positiven und negativen Auswirkungen auf Bevölkerung und Umwelt noch viel schlechter[211]. Die folgenden Zahlenangaben dienen somit ausschließlich einer allgemeinen Orientierung.

657 Mio. Menschen hatten 1999 eine Auslandsreise unternommen, 3,25 % mehr als 1998 und 700 % mehr als 1960. Gezählt wurden alle Ankünfte von Personen, die eine Grenze überschritten und mindestens eine Übernachtung tätigten[212]. Dabei decken sich in hohem Maße die wichtigsten Entsenderegionen und die wichtigsten Zieldestinationen. Bereits 200 Mio. Ankünfte (30%) entfallen auf die vier wichtigsten Zieldestinationen, nämlich Frankreich (71,4 Mio. Besucher/plus 2 %), Spanien (51,9 Mio./plus 8,8 %), USA (46,98 Mio./plus 1,3 %) und Italien (35,8 Mio./plus 2,9 %)[213].

Was bereits überwältigend klingt, wird noch durch die Tatsache überboten, dass der internationale Tourismus vom Inlandtourismus volumenmäßig um das 10-fache übertroffen wird[214]. Dies gilt neuerdings in besonderem Maße für den Tourismus in Entwicklungsländern wie etwa in Indien und China, wo als Folge von Urbanisierung, Verwestlichung und ökonomischem Wachstum unter den sozialen Ober- und Mittelschichten eine grassierende Reisefreudigkeit zu beobachten ist[215]. Somit wird das gesamte jährliche Tourismusaufkommen auf etwa 5 Mrd. Ankünfte geschätzt[216].

Den Touristen sitzt das Geld bekanntlich locker in der Tasche, weshalb das internationale Tourismussystem mittlerweile als die größte Industrie der Welt betrachtet wird. Dies geht aus dem Vergleich der weltweiten Umsätze der fünf größten Wirtschaftssektoren im Jahr 1998 hervor[217].

Tabelle 4: Die größten Wirtschaftsbranchen der Welt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieses Umsatzvolumen von rund 500 Mrd. US-Dollar bei einem jährlichen Wachstum von ca. 3 Prozent[218] entspricht etwa einem Drittel des Wertes aller international gehandelten Dienstleistungen[219]. Bei 5 Mrd. weltweit gezählten Touristenankünften wurden schätzungsweise über 3,5 Billionen US $ umgesetzt. Das entspricht etwa einem Zehntel des globalen Bruttonationalprodukt[220].

Weltweit dürften etwa 200 Mio. Menschen oder 9 Prozent aller Arbeitnehmer direkt in der Tourismusindustrie (einschließlich Hotels und Gaststätten) beschäftigt sein, womit diese auch als größter Arbeitgeber gelten kann. Aufgrund der Verflechtung verschiedener Branchen mit der Tourismusindustrie dürfte etwa jeder sechste Arbeitsplatz vom Fremdenverkehr abhängig sein[221].

Bis 2020 prognostizieren die UNWTO-Auguren 1,6 Mrd. internationale Ankünfte (4,3 % pro Jahr) bei jährlich plus 6,7 % an Einkünften[222]. Sämtliche Annahmen setzen ein jährliches Wachstum der Weltwirtschaft von 3 % voraus. In Anbetracht solcher Zahlen drängt sich zweifellos die Frage auf: "Will tourism in the future perhaps even be the engine which drives the world economy of the 21st century?"[223]

Wie gewagt solche Visionen sind, bewiesen die verzweifelten Aufschreie im dominanten Sektor der Pauschalreisen, weil erstmals seit Jahren die Nachfrage stagniert. Für die Monate Januar bis Mai 2000 wurden 2,4 % weniger Reisen gebucht als im Jahr zuvor[224].

3. Ferntourismus in Destinationen der Dritten Welt

Tourismus ist wie Feuer: Man kann seine Suppe damit kochen. Man kann aber auch sein Haus damit abbrennen.[225]

Asiatisches Sprichwort

In den siebziger Jahren zählten Fernreisen, insbesondere solche in die Dritte Welt, noch zu den seltenen Ausnahmen. Heute hingegen ist der Sprung ins exotische Urlaubsdomizil zu einem selbstverständlichen Teil des bunten Reiseangebotes geworden. Leider genießt der Tourismus in außereuropäische Länder mehr mediale Aufmerksamkeit, als es dem tatsächlichen Reiseaufkommen entspricht: Tatsächlich findet sich in den meisten Entwicklungsländern bislang nur relativ wenig Fremdenverkehr[226]. Mehr als 70 % aller touristischen Auslandsreisen führen nach Europa und nach Nordamerika: Allein die französischen Loire-Schlösser haben höhere Besucherzahlen als ganz Indonesien, und Florenz empfängt dreimal so viele Gäste wie Tunesien oder Indien.

Dieses Bild vermitteln auch die Vorlieben der "Reiseweltmeister": 1999 unternahmen 80,1 Mio. Deutsche eine Reise ins Ausland, davon 7,2 % nach Österreich, 34,6 % ans Mittelmeer und nur 6,9 % zu Fernzielen. Von den 28 Mio. deutschen Mittelmeer-Urlauber hatten sich nur 8 % für nordafrikanische Länder entschieden. Und unter den 5,5 Mio. deutschen Fernreisenden flogen 39 % zu nordamerikanischen Zielen (bzw. 2,7 % von allen deutschen Auslandsurlaubern) und 17 % in die Karibik (bzw. 1,2 % insgesamt)[227].

Ähnlich liegen auch die österreichischen Reisetrends : Von den 5,9 Mio. Auslandsreisen im Jahre 1996 führten 9 % (536.000) in außereuropäische Länder, und davon lediglich zwei Drittel (360.000) in die Dritte Welt. Die Topziele des DW-Tourismus mit 80.000 Urlaubern (1,3 %) befinden sich ebenfalls in der Karibik, die zwölf Jahre zuvor erst 4.000 Österreicher besucht hatten[228].

Im internationalen Vergleich noch magerer fällt die finanzielle Bilanz der Entwicklungsländer aus, da auf sie weniger als 5 % der weltweiten Tourismuseinnahmen entfallen: So erwirtschaftet zum Beispiel Nepal, die wichtigste Trekking-Destination im Himalaja, mit seinen Urlaubern gerade 2 % der Wertes, der in Österreich durch Fremdenverkehr umgesetzt wird[229].

Dennoch ist ein klarer Reisetrend zu DW-Ländern festzustellen: Seit 1970 ist deren Anteil am internationalen Tourismusaufkommen von 10 auf knapp 30 % gestiegen. 1999 wurde die Dominikanische Republik bereits als "Mallorca der Karibik"[230] zu Spottpreisen auf dem Markt angeboten. Neben diesem Reiseaufkommen aus den Industrieländern ist zudem auch in zahlreichen Entwicklungsländer selbst ein starkes Wachstum eines Binnentourismus festzustellen, weil auch die dortigen Eliten das Reisevergnügen für sich zu entdecken beginnen[231].

3.1. Dimensionen des Dritte-Welt-Tourismus

Fundierte Statistiken existieren für den Tourismus nicht. Gilt diese Tatsache aufgrund uneinheitlichen Berechnungsmethoden und Definitionen schon in westlichen Ländern, so beruhen die Zahlenangaben für viele Entwicklungsländer überhaupt nur auf Schätzungen und Schönfärbereien[232]. Noch gravierender ist dieses Problem, wenn es Aussagen zu den ökonomischen Folgen des Tourismus betrifft[233]. Sind auch die folgenden Zahlenangaben zu ausgewählten Ländern nur mit Vorsicht zu genießen, so lässt sich daraus doch ein ungefährer Eindruck gewinnen.

Zu den neun wichtigsten DW-Destinationen zählten 1996 China (27 Mio.), Mexiko, Hongkong, die Türkei, Malaysia, Thailand, Singapur, Südafrika und Indonesien, wobei letzteres knapp 4,5 Mio. internationale Ankünfte verzeichnen konnte[234]. Wie unterschiedlich der Ferntourismus innerhalb der DW verbreitet ist, zeigt sich etwa am Beispiel des südamerikanischen Kontinents, der insgesamt weniger Besucher empfängt als Thailand und Malaysia zusammen[235]

Auch was das Wachstum anbelangt, konnte China im vergangenen Jahr ein beachtliches Plus von 7,9 % an internationalen Ankünften aufweisen. Weitere Boom-Destinationen waren Kuba (plus 29 %) und Brasilien (plus 45 %), die nordafrikanischen Staaten Ägypten (plus 40 %), Tunesien (plus 12 %) und Marokko (plus 12 %) ferner Jordanien (plus 14 %)[236] und Südafrika (plus 7 %). Zu den großen Verlierern zählte Puerto Rico (minus 10 %).[237]

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Länder des afrikanischen Kontinents, die sich in drei Kategorien aufteilen lassen: Die wichtigsten Destinationen sind dabei Tunesien, Marokko und Ägypten, die 75 % der gesamten deutschen Ankünfte auf sich vereinen[238] ; dann folgen relativ gut entwickelte Destinationen wie Südafrika, Kenia und Tansania. Andere afrikanische Länder wurden bisher wenig besucht, weisen jedoch neuerdings die höchsten Zuwächse bei den Ankünften auf: So wuchs der Tourismus im vergangenen Jahr im Niger um 90 % auf 36.000 Ankünfte, in Sambia um 26 % auf 456.000, in Simbabwe um 17 % auf 2,32 Mio. und in Angola um 11 % auf 58.000[239].

Die Relativität dieser Zahlen beweist auch das Beispiel des Niger: Entgegen den UNWTO-Angaben berichtet das Nigerische Tourismusministerium für 1999 von 55.000 Ankünften[240]. An zahlenden Pauschaltouristen befanden sich davon in der wichtigsten Tourismusregion, Agadez, nur an die 2000 Personen. Offensichtlich ist jedenfalls, dass für den Staat die Tourismuseinnahmen angesichts der sinkenden Einkünfte aus dem wichtigsten Exportgut, Uranerz, immer wichtiger werden[241].

Ein markantes Beispiel einer sehr jungen, zahlenmäßig erfolgreichen Tourismuspolitik bietet Kuba: Spielte der Fremdenverkehr vor zehn Jahren mit jährlich 340.000 Ankünften auch aus ideologischen Gründen eine weitgehend untergeordnete Rolle, so musste mit dem Zerfall der sozialistischen Wirtschaftsgemeinschaft COMECON eine Neupositionierung der kubanischen Wirtschaft vorgenommen werden, um die damals herrschende Wirtschaftskrise abzufedern. Heute ist der Tourismus mit 1,4 Mio. Ankünften (1998) und zweistelligen Wachstumsraten das dritte Standbein der kubanischen Wirtschaft neben Landwirtschaft (Zucker, Tabak) und Biotechnologie[242].

3.2. Formen des Dritte-Welt-Tourismus

Traumwelten können wir heute (im TV) zwar jederzeit erleben. Den Traum aber in seiner sinnlichen Wirklichkeit zu erfahren: diese Möglichkeit bietet vor allem das Reisen.[243]

Christoph Henning

In den Industriestaaten gilt "Tourismus als populärste Form des Glücks; (...) wie das Ein- und Ausatmen, gehört das Verreisen zu den Selbstverständlichkeiten der menschlichen Existenz."[244]. Damit dieses Glück auch vollkommen ist, bedarf es allerdings gewisser Rahmenbedingungen. Die wichtigste unter diesen ist zweifellos eine perfekte Organisation: 80 % der Fernreisenden verlassen sich dabei auf ihren Reiseveranstalter[245].

Als zweite Bedingung spielt die jeweilige Form der Fernreise eine große Rolle. Demnach wird ein enger Zusammenhang zwischen der jeweiligen Reiseform und bestimmten sozialen Kriterien angenommen, wenn es dazu auch noch keine hinreichend aussagekräftigen empirischen Untersuchungen gibt[246]. Auf einige dieser Zusammenhänge wird in den folgenden Erläuterungen hingewiesen werden.

Neu innerhalb des DW-Tourismus ist das gestiegene Bedürfnis der Reisenden nach Aktivitäten, wodurch der traditionelle Strandtourismus ("SSS-Tourismus") langsam an Bedeutung verliert.; auch nach Naturgebieten und Destinationen mit sauberer Umwelt ("Ökotourismus") wächst die Nachfrage; generell ist ein gestiegenes Interesse an "exotischen" Orten und Kulturen festzustellen[247], ausgelöst durch das breite Angebot an TV-Dokumentationen ("Universum"), Filmen ("Traumschiff"), Reisemagazine ("GEO Spezial") und neuerdings auch durch Reality-Shows wie die "Expedition Robinson".

3.2.1. "SSS"-Tourismus

Der Anspruch, Touristen sollten eine fremde Welt objektiv erfahren, verkennt die Antriebe und Eigenarten des modernen Reisens.[248]

Christoph Henning

Zwei Drittel des gesamten Welttourismus konzentrieren sich auf die großen Sonnenküsten des Globus, auf das Mittelmeer, die Karibik und das Chinesische Meer. Damit gilt der Bade- und Erholungstourismus immer noch als absoluter Spitzenreiter unter den weltweiten Urlaubsformen gilt, auch wenn dessen Anteil am gesamten Tourismusaufkommen aufgrund der neu entstehenden Tourismusformen sinkt[249]. Die Tourismuspsychologen begründen die Beliebtheit dieser Urlaubsform mit den drei magischen S für "Sun, Sand and Sea": Dienen diese Faktoren heute als "Surrogate der verlorenen Unschuld der Natur"[250], so ist ihre Magie freilich ein Produkt der Schwärmerei der Seefahrer und Literaten des 18. Jahrhunderts.

Betrachtet man das Verhalten eines typischen deutschen Urlaubers, so fällt das besondere Interesse für den weißen Strand unter Palmen auf, wogegen das Zielland und seine Bevölkerung wenig beachtet wird; darum wird auch der Urlaub in Clubs und Ferienanlagen besonders bevorzugt[251]. Die Angehörigen dieser Urlaubergruppe, die gegenwärtig etwa 30 % des deutschen Reiseaufkommens ausmacht (1980 waren es noch 60 %), entstammen überwiegend der mittleren Bildungsschicht, sie legen im Urlaub hohen Wert auf Integration: Konformität wird positiv bewertet, während Fremdes eher skeptisch betrachtet wird.

Neben dem reinen Badeurlaub ist mittlerweile auch der kombinierte Bade- und Sightseeing-Urlaub weit verbreitet (30 % des deutschen Auslandstourismus). Auch in diesem Fall besteht eine deutliche Tendenz zu organisierten Reisen, doch wird bei diesem Typ den touristischen Attraktionen des Ziellandes gleichsam als Ergänzung zum Badeaufenthalt ein gewisses Interessen entgegengebracht[252]. Weil es bei diesem Urlaubstypus zu relativ intensiven Kontakten des Reisenden mit der Wirklichkeit des Alltags im Gastland kommt, zählen die Besichtigungstouristen zur wichtigsten Zielgruppen für eine praktische Reiseethik.

3.2.2. Besichtigungstourismus

In der antiken Welt galt das Unterwegssein als der angemessene Zustand für einen Philosophen.[253]

Eric Leed

Historisch gesehen waren die Besichtigungs- oder Bildungstouristen die Pioniere des Reisens; sie sind es noch, was in bislang wenig erschlossenen Destinationen die Anreiz- und Vorreiterfunktion für den nachfolgenden Massentourismus anbelangt. Ägypten ist dafür ein herausragendes Beispiel, wo nach langen Jahren des Bildungstourismus nun auch der Badetourismus boomt[254]. Seit Jahren weist der Bildungstourismus selbst in Phasen der Rezessionen konstante Zuwachsraten auf, was auf ein Klientel mit beachtlichem, frei verfügbarem Einkommen deutet. Betrug der Anteil der Bildungsreisen am internationalen Tourismus Anfang der achtziger Jahre noch weniger als 20 %, so hat er sich mittlerweile fast verdoppelt[255].

Dieser Boom rührt aus der weitgehenden Modernisierung der klassischen Bildungsreise, die früher durch ihre eher asketische Suche nach Bildung und Wissen gekennzeichnet war. Der neue Typ des Besichtigungstourismus hingegen ist durch ein viel weiteres Feld an Inhalten gekennzeichnet: Durch das breite Spektrum an zusätzlichen Attraktionen, wie Erholung und Unterhaltung, wie Abenteuer und Shopping oder einfach Geselligkeit, wird ein breiteres Reisepublikum angesprochen. Überhaupt scheint es, als werde dieser Reisetyp in hohem Maße den Erwartungen des Hybridtouristen gerecht. So spielt etwa Bildung von der Motivreihung her überhaupt nur noch eine unbedeutende Rolle, während die Befriedigung der Neugier und die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit im Vordergrund stehen[256]. Insofern ist die klassische Bildungsreise heute zur "bildenden Erlebnisreise"[257] geworden, wobei dem Reiseleiter die zunehmend schwierigere Rolle eines 'Animateurs mit Hochschulbildung' zufällt.

Trotz dieses inneren Wandels sind die äußeren Kennzeichen des Bildungstourismus, häufig in Form von Pauschalreisen, im wesentlichen gleich geblieben, nämlich in der Organisationsform der Gruppenreise mit dem Reiseleiter als Fachmann, mit festem Besichtigungs- und Vortragsprogramm und der Rundreise mit fast täglichem Ortswechsel; als Anbieter fungieren durchwegs Spezialveranstalter, die Komplettarrangements mit sämtlichen notwendigen Leistungen anbieten.

Der typische Bildungsreisende gilt als aufgeschlossen und unabhängig, ist reiseerfahren, an sozialen, kulturellen und politischen Aspekten des Gastlandes interessiert und sucht auch Kontakte zur einheimischen Bevölkerung. Etwa die Hälfte dieser Klientel bevorzugt organisierte Pauschalreisen, während die andere Hälfte ihre Reise bis auf Teilleistungen selbständig organisieren. Dabei werden zwar kleine einheimische Hotels und Restaurants bevorzugt, ohne jedoch auf jeglichen Komfort zu verzichten.

Ein weiteres Merkmal des Bildungsreisenden ist seine relativ große Bereitschaft, sich schon vor der Reise über das jeweilige Land zu informieren, nicht zuletzt auch in Hinblick auf die Zielentscheidung. Wurde die Entscheidung für ein bestimmtes Land getroffen, so richtet sich das Hauptinteresse vorerst nur auf allgemeine Informationen hinsichtlich der Reisevorbereitung (Ausrüstung, Gesundheitsvorsorge etc.). Erst wenn der Kunde solche Fragen abgeklärt hat, öffnet er sich für die eigentliche Information über Land, Sitten, entsprechendes Gastverhalten und sonstige Besonderheiten[258]. Gemäß meiner eigenen Erfahrungen als Reiseleiter (RL) dienen solche Informationen in der Praxis allerdings mehr der Unterhaltung im Sinne des "Infotainments"[259] denn als Anleitung zum verantwortungsbewussten Verhalten

Die häufigste Form des Besichtigungstourismus in Entwicklungsländer ist die Abenteuerreise zu nennen. Bei den Reisezielen handelt es sich oft um relativ schwierig erreichbare Gebiete, weshalb die Bewältigung schwieriger Routen als Erlebnis einen wesentlichen Bestandteil solcher Reisen ausmacht. Kleine Gruppen, angepasste Verkehrsmittel, ein hoher Improvisationsgrad, minimaler Komfort und gewisse körperliche Anforderungen[260] sind typisch für solche Reisen. Dafür werden in Entwicklungsländer eindrucksvolle Naturlandschaften und kultureller Reichtum geboten;, die einheimische Bevölkerung wird zudem quasi als Teil des touristischen Produkts präsentiert.

Die landläufige Kritik am Besichtigungstourismus, wonach die "Sehenswürdigkeiten" aus dem Zusammenhang gerissen und ohne besonderes Interesse betrachtet werden[261], verfehle jedoch laut HENNIG das Wesen dieser Tourismusform. Der Akt der Besichtigung habe nämlich gleichsam einen rituellen Charakter und diene insofern weniger der Erkenntnis der Fremde als viel mehr der Bestätigung der eigenen Imaginationen[262]. Dies wäre eine plausible Erklärung für das Phänomen, dass selbst erfahrene Touristen das jeweilige Reiseland mit ihrer Kamera "archaisch" porträtieren: Typische Zeichen der Moderne werden ausgeblendet, um eine Welt darzustellen, wie sie der kollektiven Vorstellung bzw. den kollektiven Bedürfnissen der eigenen Gesellschaft entspricht: Eine Wüste ohne Dünen ist - aus touristischer Sicht - eben keine Wüste, obwohl z. B. die Sahara zu weniger als 20 Prozent von Dünen bedeckt ist[263].

3.2.3. All-inclusive-Tourismus

Wir schlafen wie Wilde, wir speisen wie Fürsten. Wer den Club wählt, vergißt seine Herkunft.[264]

Leitbild der Club Mediterranée-Gründer, 1950

Über 200 Anlagen bietet der Reisekonzern Neckermann weltweit an, gefolgt von TUI mit 165 Anlagen, wobei sich die meisten dieser Einrichtungen mit "Rundumversorgung hinterm Stacheldraht"[265] in der Karibik befinden, angeführt von der Dominikanische Republik. Den Anfang hatte diese Entwicklung im Jahr 1950 mit der Gründung des Club Mediterranée genommen. Schon damals "blieb das Land als Kulisse draußen, während man sich 'drinnen' im künstlichen Südseeparadies duzte, mit Perlen zahlte, lediglich ein Hüfttuch trug und alle damaligen Sportarten der Reichen und Schönen wie Segeln oder Wasserschifahren genießen konnte."[266] Auch heute ist für den All-inclusive Urlaub das reiche Angebot an Sportarten, Animation und Buffet zu einem alles umfassenden Gesamtpreis charakteristisch. Hinzu kommen die Ghettosituation der Bungalowanlage und die darin herrschende, synthetische Urlaubswelt mit einer lückenlosen Organisation des Ferienalltags.

Mit Entspannung hat diese Tourismusform jedoch wenig zu tun, denn die Überfülle an Angeboten zu bürgerlichen Preisen ist nur durch Unterordnung unter ein striktes Reglement rentabel. "Nicht der Gast, sondern die Notwendigkeiten der Organisation bestimmen den Tagesablauf aus Essen, Sport und der akustisch und optisch allgegenwärtigen Animation. (...) Nicht als Refugium elitärer Einfachheit, sondern als durchorganisiertes Schlaraffenland für jedermann machte der deutsche Cluburlaub Karriere."[267]

BURNS verweist auf die Parallelen zwischen der Charakteristik solcher Destinationen und dem Entwicklungsethos der großen westlichen Einkaufsparadiese, den Shopping Malls, betreffend die fundamentale Ausrichtung auf Konsum als zentrale Antriebskraft. Im Fall der Clubs verbindet sich gleichsam die soziale Funktion des bargeldlosen Shoppings mit jener des Urlaubens[268].

Seitens der deutschen Klientel wird auch weiterhin ein enormes der Nachfragewachstum erwartet, weil die gebotene Rundumversorgung dem Umstand gerecht wird, dass jeder dritte Bundesbürger, mit sich allein gelassen, "sich selbst auf die Nerven geht"[269]. Dass die Menschen nichts mehr mit ihrer freien Zeit anfangen können, sei Ausdruck des Triumphzugs der protestantischen Arbeitsethik, wonach sogar schon die freie Zeit mit Werten der Arbeit gefüllt werden müsse[270].

Neben dem rasanten Wachstum dieser Urlaubsform findet insbesondere ihre wirtschaftliche Bedeutung kritische Beachtung. Als positiv beurteilt etwa eine Studie der Caribbean Tourism Organization (CTO) u. a. die hohe Rentabilität solcher Anlagen und auch den hohen Werbeeffekt für das Zielgebiet. Volkswirtschaftlich hingegen fällt die Bilanz höchst negativ aus: Wegen des Wegfalls von Trinkgeldern, dem kontrollierten Aufenthalt der Gäste bei gleichzeitig strengen beschränktem Zutritt für die einheimische Bevölkerung fällt für die Anrainer äußerst wenig ab. Denn außerhalb des Ressorts geben Gäste praktisch nichts aus. Verdienstmöglichkeiten bleiben den Einheimischen nur in Form schlecht bezahlter Hilfsdienste oder als Prostituierte[271]. Und auch die Deviseneinnahmen für den jeweiligen Staat sind - in Abhängigkeit von Inhaberstatus, Vertragsabschlüssen und steuerlichen Konditionen - zumeist äußerst bescheiden[272].

Gerade in den hohen Gewinnspannen der Investoren liegt das ökonomische Motiv der Touristiker, um den Ausbau solcher Anlagen zu forcieren. So wurden etwa in Jamaika in der Saison 1989/90 pro Hotelbett des All-inclusive Sektors um 81 % höhere Gewinne erzielt als pro Hotelbett in herkömmlichen Beherbergungsbetrieben. Zudem erzwingen die luxuriösen Bedürfnisse der verwöhnten Gäste umfangreiche Importe von Luxusgütern, was den wirtschaftlichen Nutzen für die Destination abermals reduziert. Diese Umstände brachten die Regierung Gambias dazu, All-inclusive Tourismus ab November 1999 zu verbieten.[273]

Anderen Ländern wiederum kommt dieser Tourismustypus gerade aufgrund der spezifischen Ghettosituation sehr gelegen. So kann etwa Kuba von den Devisen profitieren, ohne gleichzeitig von den "kapitalistischen" Werten westlicher Urlauber penetriert zu werden. Noch heute werden kubanische Einwohner, die Touristen begleiten, von der Polizei angehalten und überprüft[274].

Die Kritik an All-inclusive Touristen zeigt in geradezu amüsanter Weise, wie widersprüchlich, Ideologie geprägt - und damit unglaubwürdig - Tourismuskritik zuweilen betrieben wird. Denn gerade jenes heute so verdammte Touristenghetto wurde noch gegen Ende der 80er-Jahre als Allheilmittel gegen die kulturelle Verseuchung der Destinationen gefordert. So hatte André Heller 1989 in Lausanne vor internationalen Tourismusexperten aus 30 Ländern dem Tourismus als "grölende Ausflugsnotdurft" vorgeworfen, dieser ließe traditionelle Kulturen in wenigen Monaten "in eine glanzlose Anbiederung an das Portemonnaie ewig nörgelnder Sommer- und Winterfrischler" mutierten. Darum forderte HELLER für Normaltouristen, jene "modernen Barbaren", ein "Replika-Territorium aus Disney, Zisterzienserkloster und Club Med, aus Vatikan und Kreml, McDonald's und Gault-Millau". Wer hingegen die Begegnung mit der wirklichen Welt suche, müsse dafür ein allgemeines Reisepatent erwerben, bevor er als 'touristischer Privatgelehrter' hinaus in die Welt dürfe. Nur jener entspräche den "wirklichen Reisenden"[275].

Nach SCHERERS Ansicht habe HELLER mit seiner ironischen Übertreibung eine "konstruktive und vorurteilsfreie Lösung" angeboten, nämlich das von Intellektuellen verfemte Urlaubsghetto, "anstatt zynisch und vergeblich zum Daheimbleiben aufzurufen"[276]. Der internationale Boom der künstlichen Ferienwelten scheint heute nicht nur den Bedürfnissen der Urlauber nach Illusionen gerecht zu werden, sondern hätte somit auch der Forderung der Tourismuskritik Folge geleistet. Doch die Welt wie auch die Tourismuskritik selbst blieben nicht stehen, denn zum Teil ist die Furcht vor kultureller Verpestung der Erkenntnis gewichen, dass man von geschützter Kultur allein nicht leben könne[277]: Wenn schon Tourismus, dann muss er lukrativ für alle Beteiligten sein!

Dieses Axiom spricht wohl eindeutig gegen den All-inclusive Tourismus, ignoriert jedoch das zentrale Motiv dieser Tourismusform: Hier wird die Geselligkeit zwischen den "Clubbewohnern" gesucht und nicht der Kontakt mit den Landesbewohnern.

3.2.4. Kreuzfahrttourismus

Die Seefahrt mit den weißen Luxusschiffen gilt gegenwärtig als der am schnellsten wachsende Tourismussektor. So beförderte allein die deutsche Hochsee-Kreuzschifffahrt 1999 über 330.000 Passagiere, um 8 % mehr als im Jahr zuvor. Dabei wurden knapp 1,3 Milliarden Mark umgesetzt. Wie generell im internationalen Tourismus dominieren auch hier europäische Reisende mit 64 % den Markt. Die höchsten Zuwachsraten hatten jedoch Reisen in US-Gewässern und in der Karibik[278]. Für das Jahr 2000 wird bei Kreuzfahrten weltweit mit rund 9 Mio. Urlaubern und Einnahmen in der Höhe von 50 Milliarden US-Dollar gerechnet. Allein von 1992 bis 1996 wuchs die Flotte der Passagierschiffe von 190 auf über 250 Schiffe an, wobei einige der neuen wie die "Voyager of the Seas" mit Plätzen für bis zu 4.000 Menschen viermal so groß sind wie die "Titanic". Bei diesen Schiffen handelt es sich regelrecht um schwimmende Städte mit allem Komfort und jeder beliebigen Infrastruktur, inklusive einer Kunsteisbahn. Die weltweite Bettenkapazität dürfte derzeit bei über 150.000 liegen[279].

Der Vorteil des Kreuzfahrttourismus für Unternehmen liegt primär in der höheren Einnahmenquote, weil die wichtigsten Leistungsbereiche einer Reise, nämlich Transport, Unterbringung und Verpflegung, vom Unternehmen selbst erbracht werden. Den angefahrenen "Traumzielen" hingegen bleiben nur geringe Einnahmen durch Landausflüge, Imbisse, Reiseandenken und Prostitution. Um selbst diesen geringen Einnahmenabfluss zu unterbinden, bieten die Kreuzfahrtschiffe zunehmend eigene Souvenirshops an und raten ihrem Klientel gezielt von der Nutzung lokaler Taxis oder lokaler Reiseunternehmen in den angelaufenen Häfen ab. Diese Vorgangsweise hatte auf den Cayman Inseln 1994 zu massiven Protesten einheimischer Taxi- und Wassertransportunternehmen gegen die Luxusliner geführt.

Für die bereisten Regionen ist der ökonomische Nutzen aus diesem Reisetyp äußerst gering. In Jamaika lag 1992 der Anteil an “Kreuzfahrern” am gesamten Touristenaufkommen bei 42 %, trug aber nur 10 % zu den gesamten Tourismuseinnahmen bei. Auf den Bahamas erbrachten die 50 % Schiffsreisenden gar nur zu 7,6 Prozent für die Tourismuseinnahmen. Somit profitiert die Kreuzfahrtindustrie zwar von der Nutzung der lokalen Infrastruktur, ohne jedoch zum Einkommen der lokalen Wirtschaft beizutragen. Die einzige wesentliche Devisenquelle ist die pro Kopf zu bezahlende Hafensteuer, die infolge der mangelnden Koordination zwischen den betroffenen Karibikstaaten äußerst gering ist. Einzelne Versuche, höhere Gebühren zu verlangen, wurden von den Schifffahrtskonzernen durch Boykottmaßnahmen untergraben. Neuerdings werden sogar vermehrt konzerneigene private oder gepachtete Inseln angelaufen[280].

Auch was die Arbeitsplätze an Bord anbelangt, sind diese nur für das Unternehmen selbst lukrativ: Um niedrige Mindestlöhne bei unzureichendem Arbeitsschutz zahlen zu können, lassen viele Eigner ihre Schiffe in Billigländern wie in Liberia oder Panama registrieren, wodurch das dortige Arbeitsrecht an Bord gilt.

Somit entfällt das einzige Argument für diese Tourismusform, nämlich Devisen für die Dritte Welt zu bringen. Vielmehr verursacht der Kreuzfahrttourismus durch erhebliche ökologische Belastungen enorme Umweltkosten: Schon ein kleiner Kreuzer mit 1.200 Menschen an Bord produziert pro Tag 4,2 Tonnen Abfall, zuzüglich der entsprechenden Menge an Öl, Fäkalien und Abwasser. An die 1.500 Tonnen Festmüll wird jährlich allein im ostkaribischen Meer "deponiert". Zudem gefährden die Ozeanriesen Korallenriffe und andere fragile Ökosysteme[281], was dem Kreuzfahrttourismus insgesamt wenig Umwelt- und Sozialverträglichkeit bescheinigt.

3.2.5. Golftourismus

350 Golfanlagen werden jährlich rund um den Globus neu angelegt. Längst hat sich dieser ursprünglich elitäre Sport für Millionäre zum Freizeitvergnügen des Mittelstandes entwickelt: Weltweit begeistern sich gegenwärtig über 50 Mio. Golfer an dieser Sportart. 4,5 Mrd. US $ wurden 1998 für Golfreisen ausgegeben[282].

Allein in Thailand entstanden bis 1991 über hundert dieser Kunstwelten mit einer Gesamtfläche von fast 1.000 km², zumeist in den fruchtbarsten Gebieten, wodurch Konflikte mit Kleinbauern, Waldbewohnern und Naturschützern vorprogrammiert sind: Golftourismus gilt als die wichtigste Ursache von Landenteignungen und Vertreibungen in Thailand. Ähnlich präsentiert sich auch die Situation auf den Philippinen, wo 1997 bereits 60 Plätze fertig gestellt und weitere 114 in Planung waren. In der Küstenregion Nasugbu wurde zur Realisierung des gigantischen Ressortprojekts "Harbor Town" mit vier Golfplätzen die Mehrheit der rund 10.000 Einwohner vertrieben.[283]

Besonders problematisch sind die ökologischen Aspekte bei der Errichtung von Golfplätzen. Für gewöhnlich entstehen diese Anlagen in den landschaftlich schönsten und ökologisch wertvollsten Gebieten. So wurde in Thailand für den Bau des "Golden Valley Gold and Country Club" der Khao-Yai-Nationalpark kahl geschlagen. Golfprojekte in Malaysia, die auf ähnliche Weise entstanden waren, wurden sogar als "Ökotourismus" vermarktet.

Nicht minder dramatisch sind die ökologischen Belastungen infolge der Platzpflege: Ein durchschnittlicher Golfplatz in einer tropischen Region verbraucht bis zu 3.000 m³ Wasser pro Tag[284]. Damit könnten 15.000 Menschen ausreichend mit Trinkwasser versorgt oder Reisfelder mit einer Jahresproduktion von 500 Tonnen Reis bewässert werden[285]. Zusätzlich werden auf derartigen Anlagen jährlich 1500 kg Düngemittel, Pestizide und Herbizide eingesetzt, die das Grundwasser in hohem Maße belasten[286]. In Korea führte der Genuss von kontaminiertem Trinkwasser unter weiblichen Caddies[287] zur Geburt von deformierten Kindern[288].

3.2.6. Kindersextourismus

Certaines régions sous-développées deviendront le bordel des pays industrialisés.[289]

Franz Fanon

Bei einer Umfrage unter 100 Schulkindern in Sri Lanka gaben 86 Kinder an, ihre erste sexuelle Erfahrung im Alter von 12 Jahren gemacht zu haben, und zwar mehrheitlich mit fremden Touristen[290]. Manchen Schulen Kenias werden ab der siebten Klasse nur noch von Knaben besucht, während sich die Mädchen den “Touristen mit der prallen Brieftasche”[291] widmen.

Praktisch alle Regierungen, die maßgeblichen Tourismusverbänden und 94 % der Europäer lehnen diese missbräuchliche Tourismusform ab. Dies ändert nichts daran, dass jährlich und weltweit eine Million Kinder mehr der Kinderprostitution zugeführt werden. Dies geht aus einer Schätzung der EU-Kommission hervor. Allein in Thailand sind etwa 800.000 Kinder Opfer der Prostitution[292], in Brasilien rund 500.000, und in Kambodscha existierten Anfang der 90er-Jahre regelrechte Bordelldörfer wie Svay Pak, die sogar ins Busnetz der staatlichen Tourismusbehörde eingebunden waren[293]. Auch in Indien sind 40 % der Prostituierten jünger als 18 Jahre[294].

Hinter dem wachsenden Angebot steht ein vernetzter und hoch organisierter Kinderhandel mit Zentren in Kenia, Südafrika, Kambodscha und Mittelamerika. Die Klientel stammt überwiegend aus den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Australien, Schweden und der Schweiz. Grund für die steigende Nachfrage nach immer jüngeren Opfern ist die irrige Meinung, sich so vor AIDS schützen zu können, ohne dass der "Spaß" durch die Benutzung eines Kondoms beeinträchtigt werde. Die Abneigung gegen Kondombenutzung ist im Sextourismus immer noch stark verbreitet. Die jungen Opfer wiederum sind kaum in der Lage, ihre körperlich und finanziell überlegenen "Kunden" zur Kondombenutzung zu bewegen.

In Wahrheit ist die Gefahr einer HIV-Infektion durch Sex mit Kindern noch höher: Allein in Thailand sind bereits 35 Prozent der Kinderprostituierten HIV-positiv. In den 90er-Jahren führte dies jedoch lediglich zur Verlagerung der Nachfrage auf die Philippinen[295] Gerade in der Verbreitung von AIDS liegt – neben dem Verbrechen des Missbrauchs von Kindern - eine gravierende Folge des Sextourismus, wobei die Anzahl der HIV-infizierten Menschen besonders in den wichtigen Sexdestinationen explosionsartig angestiegen ist.

Die geringeren Anschaffungskosten der "Ware" führt zunehmend zum Einsatz von Kindern, was den Zuhältern hohe Gewinnspannen ermöglicht[296]. Billigst zu haben sind diese Kinder, weil sie ab dem Alter von neun Jahren von ihren mittellosen Bauernfamilien als Prostituierte zur eigenen Überlebenssicherung nach Bangkok geschickt werden[297] Bereits 1980 wurden wöchentlich allein am Bahnhof von Bangkok fünfhundert Kinder um fünfhundert Schilling von ihren Eltern verkauft[298]. Eine Untersuchung des thailändischen "Zentrums zum Schutz von Kinderrechten" im Jahre 1989 hatte ergeben, dass 63 % der Prostituierten in Bangkok durch die eigenen Eltern vermittelt worden waren; in Kambodscha waren es 55 %, wobei für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren rund 80 Dollar bezahlt wurden[299].

Im Fall der Dominikanischen Republik ist der Anstieg des Sextourismus generell und des Kindersextourismus insbesondere auch mit dem Boom des All-inclusive Tourismus verbunden. So können in manchen Etablissements auf Wunsch Kinder "geliefert" und dementsprechend zum "Vertragsbestandteil eines Ferienaufenthaltes"[300] gemacht werden.

Um den Kampf gegen dieses Verbrechen aufzunehmen, wurde 1990 in Thailand die Organisation ECPAT (End Child Prostitution, Pornography and Trafficking) gegründet. Als eine ihrer Strategien wird das Thema enttabuisiert, wie etwa letztes Jahr auf der Berliner ITB, der weltgrößten Tourismusmesse[301]. Die Tourismusindustrie ist sich zwar - gemäß einer Branchenumfrage von 1998 - der Problematik bewusst, befürwortet jedoch lediglich Informations- und Sensibilisierungskampagnen als Gegenmittel. Und selbst diese sollten durch internationale Organisationen durchgeführt werden – und das nur, wie 80 % der befragten Touristiker einschränkten, in den von Sextourismus betroffenen Reiseländern, keinesfalls aber in den Herkunftsländern der Urlauber. Generell werden Anti-Kindersex-Kampgagnen von Touristikern eher als geschäftsschädigend empfunden[302]. Immerhin ist Sextourismus eine wichtige Schiene für den wachsenden Tourismusstrom, wobei Interessierte entsprechend mit einschlägigen Informationen geködert wird. So wurde noch in den 80er Jahren in Katalogen führender Anbieter mit Hinweisen auf die “besondere Eignung für alleinreisende Herren” um entsprechende Kundschaft geworben[303].

Das Problem der Ideologisierung

Die Bekämpfung der Zwangsprostitution kann keine Erfolge aufweisen. SCHERER vermutet als Grund die starke ideologische Durchdringung des Prostitutionsthemas: "Anstatt mit gesicherten Zahlen und nüchtern untersuchten Ursachen gegen Menschenhandel und Versklavung bei der Prostitution vorzugehen, erhebt die landläufige Tourismuskritik dem immer gleichen Vorwurf"[304], nämlich dass Prostitution ausschließlich durch Sextourismus entstehe, der wiederum wesentlich von der Reiseindustrie zur Gewinnmaximierung angeregt und gefördert werde[305].

Tatsächlich war Prostitution in Thailand schon lange vor der Ankunft der US-Soldaten (im Vietnamkrieg) und der Touristen auf allen Ebenen der Gesellschaft institutionalisiert. Darum wurden durch Sextouristen, die heute nur fünf Prozent der gesamten Klientel ausmachen[306], die thailändischen Frauen keineswegs zu Sexsklavinnen erniedrigt. Vielmehr wurde den bestehenden sozialen und gesellschaftlichen Strukturen lediglich ein zusätzliches Nachfragepotential eröffnet[307]. Die meisten der etwa zwei Mio. weiblichen Prostituierten Thailands entstammen der Region Isan, die mit einem monatlichen Pro-Kopf-Einkommen von 27 US $[308] zu den ärmsten Regionen des Landes zählt. Durch ihre Arbeit als Prostituierte verdienen sie weit mehr Geld, als dies in ihrer Heimatregion oder auch in Bangkok in einem bürgerlichen Beruf jemals möglich wäre. Als Arbeiterin verdient eine Frau zwischen 5 und 20 US $, als Angestellte bis zu 50 US $. Als Prostituierte bleibt ihr sogar noch genug, um monatlich zwischen 35 und 100 US $, das sind 30 – 50 % ihres Einkommens, an ihre Familien senden können[309]. Insofern betrachten viele Prostituierte ihren Beruf als Weg zu mehr Unabhängigkeit, als Macht über Männer, als Ursache für das Ansehen seitens ihrer Familie, für gewissen Luxus und ein freizügigeres Leben, wie es für "anständige" thailändische Frauen normalerweise völlig undenkbar wäre. Darum kehren auch viele Mädchen nach einem versuchten Ausstieg in einen "normalen", aber schlecht bezahlten Beruf freiwillig und rasch wieder in ihre gewohnte Umgebung des Bordell-Etablissements zurück[310].

Die mangelnde Differenzierung zwischen freiwilliger Prostitution und Frauenhandel wird gerade von bestimmten Lobbygruppen mit dem Ziel instrumentalisiert, die freiwillige Prostitution unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Frauenhandel abzuschaffen und zu kriminalisieren. Schaden würde dies lediglich den betroffenen Frauen selbst, weil sie – in die Illegalität gedrängt - von Zuhältern und Freiern leichter kontrolliert, unter Druck gesetzt und sexuell wie finanziell ausgebeutet werden könnten. Um diese Entwicklung zu verhindern, müssen Menschen, die in der Prostitution arbeiten, mehr Rechte bekommen[311].

Die Ideologisierung des Themas hat auch seinen politischen Hintergrund: Der Zusammenhang zwischen Armut und Prostitution sei für eine prosperierende Nation wie Thailand so peinlich, dass man lieber die "perversen Fremden" für die Unzucht mit Kindern verantwortlich mache, als das Übel an der Wurzel zu bekämpfen, wie die führende Zeitung "Bangkok Post” in einem Leitartikel kritisierte[312]. Das einzige sinnvolle Mittel im Kampf gegen die Sexindustrie wäre die Überbrückung des großen Grabens zwischen den Reichen und den Armen: Was Frauen brauchten, sei nicht ein Verbot des Sextourismus, sondern bessere bezahlte Arbeitsmöglichkeiten in ihrem Land.

3.2.7. Ökotourismus

“Grün” zu reisen ist in, besonders unter Angehörigen des "Selbstverwirklichungsmilieus", das sind jüngere Menschen der gehobenen Bildungsschichten mit einem unkonventionellen Selbstverständnis und besonderer Vorliebe zu "untouristischen" und "unverdorbenen" Orten[313].

Dass “Ökotourismus” zugleich auch bedrohte Arten und Landschaften erhalten könnte, diese Idee wird bereits seit den 50er Jahren von Naturschutzorganisationen, Touristikern und neuerdings auch von staatlichen Entwicklungsagenturen[314] propagieren. "Schützen durch Nützen!" lautet die Parole des WWF, der einen jährlichen Umsatz von fast 130 Mrd. Schilling für Naturreisen in Tropenländer begrüßt. "Let's talk economics!" regt auch IUCN-Generalsekretär David McDowell an und rechnet vor, dass Zebras Goldesel seien[315]: Ohne zahlende Urlaubsgäste, hätten Gorillas in Ruanda und Nashörner in Namibia keine Überlebenschancen. Dank des touristischen Interesses habe sich jedoch die Zahl der Naturreservate weltweit innerhalb der letzten 50 Jahre mit über 9000 fast verzehnfacht.

Gleichzeitig hat die Bedeutung der Natur für den Tourismus auch auf der Ebene der internationalen Politik Fuß gefasst. Diverse Tourismuserklärungen von Organisationen wie dem WTTC und der UNWTO, aber auch internationale Konferenzen von Umwelt- und Tourismusministern stellen die ökologischen Auswirkungen des Reisens in den Mittelpunkt, im Bewusstsein, dass eine intakte Natur die wichtigste Ressource für eine dauerhafte Tourismusentwicklung ist. Seine sozialen und kulturellen Auswirkungen hingegen bleiben dabei meist im Hintergrund, entgegen dem herrschenden Verständnis von Ökotourismus.

3.2.7.1. Definitionen des Ökotourismus

Was allerdings Ökotourismus genau sei, darüber gehen die Meinungen unter allen Beteiligten grundlegend auseinander. Im Englischen wurde der Begriff "Ecotourism" erstmals 1965 für eine umwelt- und sozialverträgliche Form des Reisens verwendet. Im deutschsprachigen Raum setzte sich die heute gängige Begriffsbestimmung für "Ökotourismus" erst 1995 durch. Demnach handelt es sich um eine Form verantwortungsbewussten Reisens in naturnahe Gebiete, die negative Umweltauswirkungen und soziokulturelle Veränderungen zu minimieren sucht, zur Finanzierung von Schutzgebieten beiträgt und Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung schafft[316]. Nach der Auffassung der gzt soll Ökotourismus zudem auch “zur Schaffung von Umweltbewusstsein” beitragen[317]. ROE führt in seiner Untersuchung noch sieben weitere unterschiedliche Definitionen von Ökotourismus auf, die sich durch die jeweilige Gewichtung der berührten Bereiche unterscheiden[318].

Innerhalb dieser Definitionsvielfalt wird zwar die Umwelt- und Sozialverträglichkeit als theoretische Grundlage weitgehend akzeptiert. Für die Praxis hingegen konnte man sich bislang nicht auf einhellige Standards zur Gewinnung statistischer Kennziffern einigen. Dies hängt vor allem mit der große Vielfalt der Angebote zusammen, denen das Etikett des Öko- oder Naturtourismus verliehen wird, sobald der potentielle Tourist in irgendeiner Weise mit der Natur in Berührung komme: von Trekkingtourismus über Regenwald- und Wissenschaftstourismus bis zu Abenteuer-, Allrad- und Tauchtourismus, nicht zu vergessen den Jagdtourismus.

Zudem spielt sich Ökotourismus in praktisch allen tropischen Urlaubsländer lediglich in Form von Tagesausflüge in die "unberührte" Natur ab, wobei die so genannten Ökotouristen selbst primär klassische „SSS-Urlauber“ sind. Naturtourismus dient somit lediglich als zusätzliche Attraktion[319], weshalb Schätzungen des Anteils solcher "Naturtouristen am internationalen Tourismusaufkommen zwischen 40 und 60 % liegen[320].

3.2.7.2. Dimensionen des Ökotourismus

Ungeachtet der begrifflichen und daraus resultierenden statistischen Unklarheiten werden die weltweiten Ausgaben für Naturtourismus auf sieben bis zehn Prozent der gesamten Tourismusausgaben, also etwa 335 Mio. US-Dollar, geschätzt. Gleichzeitig ist der Naturtourismus nach Angaben des World Resources Institute die am schnellsten wachsende Urlaubsform mit jährlichen Zuwachsraten zwischen 10 und 30 %, während das gesamte Tourismusaufkommen jährlich nur um 4 % wächst[321].

Die wichtigsten Regionen für Naturtourismus sind laut der “American Society of Travel Agents” Zentralamerika, Südamerika, Kanada, die USA, die Karibik, die Antarktis und Australien. Costa Rica galt als eines der begehrtesten Ziele der Ökotouristen in den 90er Jahren. Von den knapp 800.000 Besuchern im Jahr 1996 hatten mehr als 66 % ein Naturschutzgebiet besucht[322]. Auf noch höhere Zahlen kommt Kenia mit knapp 830.000 Touristen im Jahr 1993, wovon etwa 80 % der Besucher wegen der Wildtiere kamen.[323]

3.2.7.3. Besondere Probleme durch Ökotourismus

Die Nationalpark-Idee stammt von John Muir, dem Gründer des weltweit ersten Naturreservats: 1872 wurde in den USA der Yellowstone Nationalpark mit dem Ziel eingerichtet, die Natur für spätere Generationen zu bewahren. Diese Ideologie wandelte sich jedoch sehr rasch in Richtung einer Erschließung und Nutzung der Natur zugunsten der Erbauung für wohlhabende Bürger. Durch die Einsetzung beliebter, jedoch ortsfremder Tiere, vor allem der Elche und des Rotwilds, bei gleichzeitigem Abschluss von deren natürlichen Feinden wurde das Ökosystem grundlegend zugunsten einer Bewirtschaftung mittels industrieller Methoden verändert.

Manche dieser Anlagen sind auch wirtschaftlich äußerst erfolgreich: Der 20.000 km² große Krüger Nationalpark in Südafrika bringt durch die diversen tourismusbedingten Einnahmen weit mehr ein, als wenn das gesamte Schutzgebiet landwirtschaftlich genutzt würde. Mit "Natürlichkeit" im Sinne von "Unberührtheit" hat diese Anlage mit seinen künstlichen Seen, dem 2.600 Kilometer langen Straßennetz und den 24 Camps mitsamt Flugfeld, Autovermietung etc. freilich wenig zu tun: Vielmehr werden hier Kunstlandschaften gestaltet, die den Bedürfnissen der zahlenden Besucher nach Attraktionen, gepaart mit relativ hohem Komfort, entsprechen. Darum sind Park Lodges nicht selten in der Nähe von Wasserlöchern zu finden, wo die Besucher bei einem Glas kühlem Chablis die Löwen bei der Tränke beobachten können.

Gleichzeitig leiden die Parks auch an ihrem eigenen Erfolg, nämlich unter dem massenhaften Besucheransturm. Damit droht sich der Tourismus motivierte Naturschutz sogar ins Gegenteil zu verkehren, weil sich Naturtourismus typischerweise in ökologisch äußerst sensiblen Destinationen abspielt. Die Allradfahrzeuge schädigen direkt durch Bodenerosion, durch Zusammenstöße mit Wildtieren oder durch Störung der Brut; indirekte Schäden entstehen durch die gesteigerte Nachfrage nach Tiersouvenirs und nach Erweiterung der Infrastruktur.

Was Massenansturm real bedeutet, zeigte sich im Fall der Galápagos Inseln, wo 1995 die empfohlene Obergrenze von 12.000 Besuchern pro Jahr mit etwa 50.000 weit übertroffen wurde[324]. Auch Costa Ricas 280 km² großes Monteverde Nebelwald Reservat ist ein Fall von "Regenwaldmassentourismus" geworden: Zwischen 1980 und 1995 explodierten hier förmlich die jährlichen Besucherzahl von 3.000 auf 52.000. Trittschäden und Abwässer durch Urlauber sowie Luftverschmutzung durch Touristenbusse sind die ökologischen Folgen. Nebenbei entwickelt sich das Land zu einer belieben Kindersex-Destination[325].

Das Konzept der Tierschützer und Touristiker, durch Ökotourismus die Erhaltung der Schutzgebiete zu finanzieren, konnte mancherorts tatsächlich umgesetzt werden, doch sind die unterschiedlichen Folgen höchst unterschiedlich zu beurteilen. Im Fall Kenias etwa dienen die vorhandenen 29 Nationalparks als zentraler Motor einer Tourismusindustrie, die rund 40 % aller Devisen erwirtschaftet[326] und ein Zehntel aller Arbeitsplätze hält, denn alleine im Sektor des Naturtourismus arbeiten 55,000 Menschen[327]. Durch diese ausgeprägte Monokultur ist die nationale Wirtschaft extrem abhängig und somit äußerst verletzlich.. Zudem ist der Nationalpark-Tourismus auch mit dem politisch-ethischen Problem verbunden, welche Landnutzungsform sozial vertretbar sei. So sind in Kenia trotz der hohen Bevölkerungszunahme von 2,3 % und der damit verbundenen Verknappung an Boden und Wasser und mittlerweile unzureichender Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln[328] über 13 % der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche als Naturschutzgebiete ausgewiesen und somit der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen. Auch mit umliegenden Bauern kommt es immer wieder zu Konflikten, wenn die geschützten Wildtiere deren Ernte zertrampeln oder deren Vieh reißen.

Hinzu kommt, dass trotz steigender Besucherzahlen die erzielten Einnahmen aus dem Nationalpark-Tourismus i.d.H.v. 54 Mio. US $[329] nicht ausreichen, um die Pflege der Parks und die Bezahlung der Ranger für die Bekämpfung der Wilderer zu finanzieren. Das liegt zum einen an den viel zu gering veranschlagten Nationalpark-Eintrittsgebühren, wodurch jährlich viel Geld verloren geht[330], zum anderen werden überhaupt nur 3 % der Touristeneinnahmen für die Erhaltung der Parks verwendet. Der Löwenanteil dieser Gelder landet in der Staatskasse[331].

Im Sinne des theoretischen Konzepts sollte ein fairer Anteil der Einnahmen an die Gemeinden rund um die Nationalparks verteilt werden, um die entgangene landwirtschaftliche Nutzung zu kompensieren. So sollten die betroffenen Einheimischen etwa für die neuerdings wieder eingeführte Jagd für Touristen als Begleitpersonal eingesetzt werden. In der Regel fließen allerdings nur unbedeutende Summen an solche Gemeinden, deren Wirtschaft insgesamt kaum in den Nationalpark integriert wird. Das führt häufig zum Widerstand der Bevölkerung gegen Schutzgebiete, was meist in Form der Wilderei zum Ausdruck kommt[332].

Noch bedenklicher als die mangelnde wirtschaftliche Integration der umliegenden Anrainer ist die Errichtung von Naturparks auf Kosten ihrer ursprünglichen Bewohner. Während bei der Gründung des Yellowstone Nationalpark die dort ansässigen Indianer bereits ausgerottet waren, fanden spätere Gründungen von Schutzgebieten oft ohne Rücksicht auf traditionell lebende Ureinwohner statt. Diese wurden einfach aus den gesetzlich festgelegten Zonen expatriiert. Mit solchen Methoden war die Nigerische Regierung auf Betreiben des WWF bei der Gründung des Aïr-Ténéré-Bioreservats in den 80er-Jahren gegen die dort lebenden Tuareg-Nomaden vorgegangen[333]. Diese Vorgehensweise wurde jedoch nach der Tuareg-Rebellion in den 90er Jahren dahingehend korrigiert, dass die traditionellen Bewohner nunmehr als wesentlicher Teil des Park akzeptiert und durch Förderungsprogramme gezielt integriert werden.

Bei der Errichtung des Serengeti-Schutzgebietes Mitte der 60er Jahre wurden die Massai Nomaden aus ihren traditionellen Weidegebieten in das Gebiet des Ngorongoro-Kraters umgesiedelt: Mitinitiator und treibende PR-Kraft dieser Naturschutzinitiative war übrigens der Zoologe Bernhard Grzimek. Zur besseren Überzeugung der betroffenen Stämme war sein Film "Serengeti darf nicht sterben" in Suaheli übersetzt und in afrikanischen Kinos vorgeführt worden[334]. Wenige Jahre später wurde auch das zugewiesene Exil der Massai als Naturjuwel erkannt, wiederum in einen Nationalpark umgewidmet und die Nomaden mit Waffengewalt vertrieben[335]. Heute versuchen zahlreiche Massai in traditioneller Kleidung als bezahlte Fotomotive vom jährlichen Strom der 300.000 Besucher des Ngorongoro Nationalpark zu profitieren. Das Gros der Einnahmen geht jedoch an die großen Reiseveranstalter und die Regierung[336].

3.2.7.4. Spezialform Ethnotourismus

Die Touristen kommen und glotzen uns an, als wären wir Affen.[337]

Kapupu Mutimanwa, UN-Pygmäen-Vertreter

Im Kernbereich des Naturtourismus steht der visuelle Konsum einer als unberührt empfundenen Naturlandschaft, weshalb diese - wenigstens in den Augen des (motorisierten) 'Ökotouristen' - frei von allen zivilisatorischen Elementen sein soll. Das gilt auch für Ureinwohner, weshalb diese so oft einem Nationalpark-Projekt Platz machen mussten. Beim Ethnotourismus hingegen steht die indigene Bevölkerung selbst als Objekt im Mittelpunkt des touristischen Interesses. Den Ethnotouristen geht es um die unmittelbare, authentische Erfahrung der Praktiken fremder Kulturen[338]. Je nach Grad der Unberührtheit des "Stammes" von westlichem Einfluss wird bei der Begegnung mit dem Unbekannten auch noch die Aura der Entdeckung und des "Unerforschten" vermittelt. Dadurch unterscheidet sich diese Form gegenüber dem klassischen Kulturtourismus, der sich einer Kultur auf indirektem Wege über die Begegnung mit spezifischen Kulturgütern nähert[339].

In beiden Fällen, im Kultur- wie im Ethnotourismus geht es aber letztlich um den Konsum von attraktiven Objekten oder Darbietungen: der Ethnotourist besucht die "Stämme", um die exotisch anmutenden Bräuche als attraktives Erlebnis zu konsumieren. Die auf wenige Stunden oder Tage beschränkten Kurzkontakte vermitteln zwar gewisse Einblicke in den Alltag der fremden ethnischen Gruppe, wogegen umgekehrt den "Bereisten" die Einsicht in das Alltagsleben der Kultur des Touristen praktisch nicht möglich ist. Zudem sind die "inkompatiblen Motive"[340] für diesen interkulturellen Kontakt prägend für das Wesen der Begegnung[341]. Während sich Einheimische vorwiegend aus ökonomischen Motiven für den Fremden interessieren, schwingt beim Touristen der "Rousseau-Komplex", die Suche nach "unverdorbenen" Gesellschaften, mit.

Ermöglicht - oder vielmehr: inszeniert - wird diese Begegnung häufig durch lokale Agenturen, deren Führungsdienste "eine wesentliche und problematische Rolle bei der Präsentation und Interpretation der Autochthonen spielen"[342]. Die Mehrheit der Kundschaft setzt sich in Form eines "gemilderten Wagnisses" auf eine eher spielerische und Genuss betonte Art und Weise des Abenteuers und des Entdeckens der Fremden auseinander, wobei die Sicherheit und selbstbestimmte Distanz gegenüber der bereisten Welt eine wichtige Rolle spielen. Dafür bieten die lokalen Führer eine Art "mini-environmental-bubble", innerhalb derer für alle Bedürfnisse, nämlich Unterkunft, Verpflegung, Transport, Sicherheit, Orientierung, Zuwendung, gesorgt wird. Die überwiegende Anzahl der gezielten Kulturkontakte im DW-Tourismus läuft jedoch überhaupt nur in der hybriden Form der organisierten Folkloreshows[343] ab: Nach dem Prinzip des "Ökotourismus" als industriell inszeniertes Nationalparkspektakel werden "exotische" Kulturen kurz und schmerzlos wie vorgekaute Happen konsumiert. Die "Exoten" sind zumeist professionelle Darsteller, die selbst ein modernes Leben mit einem Job im Showbusiness führen.

Individualreisende, die sich auf eigene Faust mit regionaltypischen Verkehrsmitteln einer abgelegenen Region nähern und sich damit allen ortstypischen Risiken aussetzen, bleiben die absolute Minderheit[344]. Doch auch deren Beweggründe können sich den determinierenden Motiven der Lust nach Abenteuer und Exotik nicht entziehen. Die Beliebtheit von besuchten Ethnien reduziert sich letztlich doch auf deren Funktion als Fotomotiv oder exotische Kulisse[345], weshalb solche Begegnungen im krassen Unterschied zur ethnologischen Methode der "dichten Teilnahme"[346] stehen. Hierbei ist ein Forscher während einer größeren Zeitspanne bemüht, als ein mehr oder minder angepasstes Mitglied der besuchten Gesellschaft in deren Sichtweise gleichsam hineinzuwachsen.

Mit dem Posieren für die Kamera ist die Schuldigkeit der 'Exoten' für das System Tourismus auch schon getan: Obwohl etwa TUI mit Bildern indigener Völker in seinen Katalogen wirbt und Reisen in deren Gebiete verkauft[347], hat der Reisekonzern nach eigenen Angaben bislang kein einziges indigenes Volk finanziell oder materiell unterstützt. "In der gesamten Reisebranche sind die Rechte indigener Völker bis heute kein wirkliches Thema. (Die Tourismusindustrie) wäscht ihre Hände in Unschuld und überlässt die "Drecksarbeit" den nicht immer demokratischen Regierungen."[348]

Vielmehr sind die rund 5000 indigenen Völker mit ihren rund 300 Mio. Angehörigen[349] seltener die Gewinner, häufiger aber die Opfer von touristischen Projekten: Neben den Menschenrechtsverletzungen durch Vertreibung und Zwangsarbeit stellen auch die als sozialverträglich deklarierte Tourismusformen u. a. durch eingeschleppte Krankheiten eine Bedrohung für die Betroffenen dar[350]. Diese Gefahr, aber auch das Problem der einschneidenden soziokulturellen Veränderungen ist um so größer, je abgeschiedener die "Bereisten" bisher lebten: Ein besonders trauriges Beispiel boten die sudanesischen Nuba, die aufgrund ihrer nackten Schönheit durch Berichte und Bücher Leni Riefenstahls vermarktet wurden. Dies brachte die Nuba zu einer fragwürdigen Berühmtheit[351], wodurch sie später von den Touristen überrollt wurden und der stolze Stamm verkam innerhalb weniger Jahre zum "Lumpenproletariat"[352].

Viele betroffenen Ethnien wählen heute ihr touristisches Engagement als Strategie der Flucht nach vorne. So würden etwa die südafrikanischen San, besser bekannt als "Buschmänner", zwar eine Existenz ohne Tourismus vorziehen, wie deren UN-Repräsentant betonte, "doch es gibt kein Entkommen. Deshalb müssen wir selbst aktiv werden, um weitere Ausbeutung zu verhindern."[353]

Im Fall der San ist die weitere Entwicklung und Auswirkung ihres Engagements noch keineswegs absehbar. Überhaupt ist die Nachfrage nach längeren Aufenthalten in solchen Gemeinden in Form des sozialverträglichen "Community Tourism" bislang äußerst gering[354]. Dass aber selbstbestimmter und auch gerechter Tourismus in den Gebieten autochthoner Völker wenigstens grundsätzlich möglich ist, beweisen (als bislang seltene Ausnahme) die Kuna-Indianer in Panama, welche dem Staat schon vor Jahren ein weitgehendes Autonomiestatut abgerungen haben. Mittels eines ausgefeilten Tourismusstatuts übt die lokale Bevölkerung die vollständige Kontrolle über touristische Entwicklungen und Investitionen - und damit bis zu einem gewissen Grad über den Einfluss des Tourismus auf Gesellschaft, Landschaft und biologische Vielfalt aus[355].

Weil aber Ausnahmen die Regel bestätigen, gilt Ethnotourismus weitgehend als ursächlich für den Ausverkauf der Naturvölker. Ein besonders heftiger Kritiker dieser Reiseform ist die "Gesellschaft für bedrohte Völker" (GfbV). Um das Schlimmste zu verhindern, fordert sie die qualifizierte Ausbildung der Abenteuer- und Expeditionsreiseleiter sowie ein Reiseverbot zu schutzbedürftigen, weil bedrohten Naturvölkern. Problematisch am wichtigen GfbV-Engagement für Ethnien als Tourismusopfer[356] ist jedoch der von Indifferenz geprägte Stil sowie die lautstarke Ideologie des unschuldigen, vor der Moderne zu beschützenden Ureinwohners[357]. Zudem sei das Anprangern von tourismusbedingten Menschenrechtsverletzungen allein zuwenig, kritisierten auch die Teilnehmer an der "Arbeitsgruppe für Indigene Völker der UNO" 1998 in Genf: Nötig sei vielmehr die kreative Suche nach Lösungen, wie Tourismus nachhaltig zum Wohl einer breiten Bevölkerung beitragen könne[358].

Zudem wird auch unter GfbV-Mitstreitern die eigene, berechtigte Forderung nach qualifizierten Reiseleitern[359] äußerst eigenwillig gehandhabt. So gibt es GfbV-Referenten, die ihren Lebensunterhalt durch Vermittlung, Organisation und Führung von Erlebnisreisen in die Regionen jener Ethnien bestreiten, deren offizielle Fürsprecher sie sind. Entgegen dem GfbV-Diktum verfügen diese Personen auch über keinerlei notwendige ethnologische oder sonstige Ausbildung, was ihnen auch keinesfalls nötig erscheint: Verantwortlich für den Ablauf sämtlicher Bereiche der Reise, also auch für den Kontakt zwischen Reisenden und Einheimischen seien allein die regionalen Agenturen.

Diese Verantwortungszuweisung geht jedoch an der DW-Realität völlig vorbei, weil es vielen kleinen Unternehmen in Entwicklungsländern zumeist nicht nur an der nötigen interkulturellen Kompetenz, sondern auch grundsätzlich an den Mitteln fehlt[360], eine Ausbildung als "Mediator" zu erhalten. Ähnliches gilt bereits für viel geringere Anforderungen, wie etwa eine Landes- und Kulturkenntnis[361].

3.2.7.5. Beurteilung des Ökotourismus

Definitionsgemäß stehen hinter dem theoretischen Konzept des "Ökotourismus" sehr hohe Ideale, deren bislang mangelhafte Umsetzung die Frage aufwirft, ob Ökotourismus überhaupt als echte Alternative zum klassischen Tourismus gelten kann. Grundsätzlich könnte ein umwelt-, sozialverträglicher und gerechter Tourismus wohl eine Chance zur Rettung der Biodiversivität sei. Dafür müsste er allerdings die bestehenden Tourismusformen ersetzen und nicht nur ergänzen.

Dies ist bei den herrschenden Trends jedoch nicht zu bemerken, denn die höchsten Wachstumsraten im Naturtourismus gehen von Nachfragegruppen aus, die Schutzgebieten zumeist nur als zusätzliche Attraktionen eines Strandurlaubs oder einer Kreuzfahrt besuchen[362]. Ökotourismus wird insofern von Reisekonzernen lediglich als Zusatzgeschäft betrachtet[363]. Insofern überrascht es wenig, dass erfahrungsgemäß die Entwicklungsdynamik des Naturtourismus in Schutzgebieten der Entwicklungsländer eher von der Tourismuswirtschaft als von planenden und steuernden Naturschutzbehörden[364] ausgeht.

Abgesehen davon besteht das grundsätzliche Problem des umweltfeindlichen Touristentransports: Auch die sanfteste Form von Tourismus vor Ort kann global betrachtet niemals ökologisch sein, wenn die emissionsreiche Anreise per Jet erfolgt[365]. Insofern müssen sich Ökotourismus und insbesondere Nationalpark-Projekte den Vorwurf gefallen lassen, lediglich den Effekt von Alibihandlungen zu erzielen, denn während der Ökotourismus boomt, wird am Regenwald in einem bislang unerreichten Tempo Raubbau getrieben. Noch zu Anfang dieses Jahres hatte SUCHANEK gewarnt: "Nicht wenige Tropenökologen fürchten, die Schutzgebiete könnten trockener, heißer und langfristig ein Raub der Flammen werden, wenn die Wälder um sie herum dem Kahlschlag zum Opfer fallen. Doch eben dies geschieht."[366]

Quod erat demonstrandum: Während des diesjährigen, extrem trockenen Sommers in der nördlichen Hemisphäre wurden zahlreiche Naturparks in den USA und Kanadas von den verheerendsten Waldbrände dieses Jahrhunderts heimgesucht, wobei mehr als 20.000 km2 Waldfläche zerstört wurden[367].

4. Spezifische Probleme des Dritte-Welt-Tourismus

Tourismus ist wie Gift - an einer Überdosis stirbt man.[368]

Momodou Cham, Tourismusministerium Gambia

In den 60er Jahren und in den frühen 70er Jahren hatte man innerhalb des Entwicklungsdiskurses noch große Hoffnung auf den Tourismus als "Weiße Industrie"[369] zur Stimulierung der gesamten Wirtschaft von Entwicklungsländern gesetzt. Jüngere, differenziertere Betrachtungen führen hingegen zu weit weniger euphorischen Betrachtungsweisen: Tourismus ist keineswegs die Garantie für den großen Devisensegen, von dem für die breite Bevölkerung oft nur ein paar minderwertige Arbeitsplätze bleiben, während wirtschaftliche Abhängigkeit und Wohlstandsmüll wachsen[370].

War man früher einseitig euphorisch, so neigen die Kritiker heute dazu, die Tourismusauswirkung einseitig zu verdammen. Allerdings weisen die meisten der kritisierten Phänomene zahlreiche Aspekte auf, die auch entsprechend differenziert zu bewerten sind. Denn wenn z.B. eine junge Frau in einem Entwicklungsland Arbeit in einem Hotel bekommt, ist das für sie ökonomisch positiv, kann aber für ihre Familie in soziokultureller Hinsicht negativ sein, da durch ihre Beschäftigung die traditionelle Hierarchie und damit die führende Position des Mannes untergraben wird. Dies wiederum wird zu wachsenden familiären Spannungen führen[371].

Neben dieser differenzierten Betrachtungsweise bedarf es zudem auch der Offenlegung jener Maßstäbe, die zur Bewertung der jeweiligen ökonomischen, sozialen oder kulturellen Veränderungen angelegt werden. Oftmals entpuppt sich dann wohlgemeinte Fürsprache als unüberbrückbarer und damit utopischer Widerspruch oder gar als unreflektierter Paternalismus.

Was die zu behandelnden Probleme angelangt, so sind diese keineswegs auf Entwicklungsländer beschränkt. Vielmehr werden dort all jene Sünden wiederholt, die schon in den klassischen Tourismusdestinationen Europas - entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen - immer noch begangen werden. Denn trotz langjähriger Erfahrungen mit Massentourismus ist man in Europa weit davon entfernt, grundlegende Fragen, wie jene nach maximalen Besucherzahlen, sozialen Kontrollmechanismen zur gerechten Aufteilung von Tourismusgewinnen und -kosten, lokalem Umwelt- und Naturschutz oder auch nach Mitbestimmung durch betroffene Bevölkerungsteile, befriedigend zu beantworten[372]. Die Verlockung, den Tourismus als "Cashcow" zu betrachten, ist somit international verbreitet.

Eng verbunden damit ist auch die geringe Homogenität der Reiseregionen. Darum gilt auch weiterhin die schon 1981 geäußerte Meinung Peter HASSLACHERS[373] über die Tourismusfolgen für bislang wenig erschlossene Tourismusregionen, unabhängig von ihrer Lage auf der Erde: Je intensiver der Tourismus entwickelt wird, desto bedeutender ist die Rolle der Fremden und des auswärtigen Kapitals (Finanz- wie Wissenskapitals) und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit nachfolgender ökonomischer, sozialer und kultureller Desintegration.

Das größte Problem, das Tourismus mit sich bringt, ist zweifellos das Auftreten der Besucher in Massen. Darunter leiden Natur und Mensch. Über kurz oder lang führt diese Entwicklung zum Verlust der Attraktivität einer Destination und somit zu sinkenden Touristenzahlen. Weil aber sämtliche Strukturebenen von einer solchen Entwicklung betroffen sind, handelt es sich hier um kein selbst regulierendes System, sondern vielmehr um den "Tod einer Destinationsentwicklung"[374]. Ist ein Gebiet einmal verbraucht, sucht sich die Klientel einfach die nächsten, zumeist noch weiter entfernten "Paradiese"[375]. Gegenwärtig stehen noch genügend zur Auswahl: Da nahezu jedes Land auf den Wirtschaftsfaktor Tourismus setzt, herrscht unter den potentiellen Destinationen ein enormer Konkurrenzkampf um "more and wealthier visitors"[376].

Dieser "touristische Teufelskreis"[377] von Erschließung, Nutzung und Ausbeutung müsste daher durchbrochen werden. Die Transformation dieses grenzenlosen Wachstums zu einem qualitativ dimensionierten Tourismus mit entsprechend ausgewogenen "Tragekapazitäten" (carrying capacities)[378] werden zum wichtigsten ökologischen Imperativ der Zukunft[379].

Freilich steht die jeweils zumutbare Besucherhöchstzahl einer Region in Abhängigkeit vom jeweiligen Urlaubertypus, also von der Aufenthaltsdauer, den Aktivitäten und dem Konzentrationsgrad des Auftretens der Besucher sowie der Saisondauer[380]. Doch genau hier rächt sich der bereits kritisierte Mangel an zuverlässigen statistischen Daten, deren Richtigkeit aber für eine sinnvolle Planung grundlegend wäre[381].

Wenn aber die Dimensionen des Tourismus nicht einmal klar sind, dann steht es um die Erfassung der positiven und negativen Auswirkungen auf Bevölkerung und Umwelt noch viel schlimmer[382]. Bis heute fehlt es an einer allgemein anerkannten Methode zur Bilanzierung der echten Tourismuskosten[383], weshalb auch das Gros der Entscheidungen betreffend Prioritäten und konkrete Maßnahmen zumeist nur auf Vermutungen und Wunschdenken beruht.

4.1. Ökologische Auswirkungen

Das Verhältnis des Tourismus zur Natur ist strukturell widersprüchlich: zugleich eine Beziehung der Ausbeutung und der Idealisierung.[384]

Christoph Henning

Eine intakte Umwelt ist das wichtigste Kapital für einen funktionierenden Tourismus und lebensnotwendig für die einheimische Bevölkerung. Grundsätzlich kann zwischen drei Kategorien von Umweltgütern unterschieden werden:

1. "kritisches Umweltkapital" oder nicht substituierbare Umweltgüter sind wie die Ozonschicht lebensnotwendig oder wie bedrohte Lebewesen nicht ersetzbar;
2. "konstantes Umweltkapital" oder erneuerbare Umweltgüter wachsen wie Wälder nach oder sind wie bestimmte Rohstoffe wieder verwertbar;
3. "handelbares Umweltkapital", wie Infrastruktur, entsteht durch Verarbeitung natürlicher Ressourcen[385].

Im Folgenden wird insbesondere der Verbrauch von kritischem Umweltkapital und somit das Problem irreversibler Schäden durch Tourismus behandelt.

Tourismusindizierte Umweltfolgen sind besonders eng mit dem Grad der jeweiligen Tourismusentwicklung verbunden. Entgegen den Visionen von einem "nachhaltigen", umweltneutralen Wirtschaftswachstum, wie es vom "Club of Rome"[386] und schließlich auf der UNCED ("Rio 92") als Antwort auf die "Grenzen des Wachstums"[387] gefordert wurde, ist eine Entkoppelung zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung bisher noch nicht nachweisbar[388]. Demnach gilt als Faustregel, dass mit zunehmender Intensität von Tourismuskonzentration und Kapitaleinsatz die Belastung der Umwelt, der Natur und der Anrainer wächst.

Für den jeweiligen Einzelfall ist freilich eine Fülle von Einzelfaktoren für das konkrete Ausmaß der ökologischen Wirkungen maßgeblich. So liegt die ökologische Belastbarkeit von Städten weit über jener von ökologisch fragilen Dünenlandschaften. Maßgeblich ist auch der Typ der jeweilige Urlauber: Kontemplative Reiseformen wie Wandern oder Besichtigungen tragen eher zur Erhaltung ästhetischer Strukturen bei, im Gegensatz zum Bade- oder Sporturlaub, der die Zersiedlung fördert. Andererseits findet man Öko-Urlauber zumeist in Zonen mit niederen ökologischen Belastungsgrenzen.

Über den Einzelfällen steht jedoch das ökonomische System der kapitalistischen Marktwirtschaft, nach dem jedes Bedürfnis für einen entsprechenden Preis zu befriedigen ist. Die gegenwärtigen Preise sind aus wirtschaftstheoretischer Sicht jedoch keineswegs "wahr", da sie den tatsächlich verursachten Naturverbrauch nicht widerspiegeln. Solche Faktoren fließen kaum in die Preiskalkulation touristischer Aktivitäten ein, so dass der Preis seine grundsätzliche Funktion als wirtschaftliches Regulativ einbüßt: Bei den gegenwärtigen Preisen wird der sorglose Mehrverbrauch der Ressourcen gezielt gefördert[389], anstatt rationale Verbrauchsentscheidungen durch wahre Preise zu erzwingen. Volkswirtschaftlich gelöst wird diese Rechnung, indem die entstehenden Umweltkosten einfach auf die Gesellschaft abgewälzt werden[390]. In Deutschland etwa tragen Autofahrer mit ihren Steuerabgaben lediglich 27 Prozent zu den von ihnen verursachten Kosten bei[391].

4.1.1. Verkehr - der schmutzige Weg ins Paradies

Jede Verharmlosung ist Beihilfe zum Mord an den Erholungslandschaften, zum Mord am Tourismus.[392]

Jost Krippendorf

Ist auch die genaue Bilanzierung der jeweiligen Umweltkosten unmöglich, so lässt sich eines mit Gewissheit sagen: die größte Tourismus induzierte Umweltbelastung resultiert aus dem Transport. Fast 50 % der weltweit zurückgelegten Personenkilometer entfallen auf den Freizeit- und Urlaubsverkehr[393]. Im Urlaub selbst entsteht 90 % des gesamten Energieverbrauches durch die Reise zum Urlaubsziel[394].

Darum ist die Wahl der Urlaubsdestination und des Verkehrsmittels von entscheidender Bedeutung für die ökologische Gesamtbilanz, und diese verschlechtert sich proportional zur zurückgelegten Entfernung. Der folgende Vergleich der Energiebilanz einer Urlaubswoche pro Reisegast und Tag, gemessen ab Zürich zeigt das ganz deutlich[395]:

- Radurlaub in das Burgenland, Anreise per Bahn: 80 Megajoule
- Badeurlaub in Spanien, Anreise per Flugzeug und Bustransfer: 420 Megajoule
- Skiwoche in den Rocky Mountains, Anreise per Flugzeug und Bustransfer: 3580 Megajoule

Der durchschnittliche Verbrauch an Elektrizität eines Haushalts pro Person und Tag beträgt demgegenüber ca. 30 Megajoule[396].

Die jeweilige Umweltbelastung ist abhängig vom Treibstoffverbrauch und der Auslastung der jeweiligen Verkehrsmittel. Bei durchschnittlicher Auslastung ist von folgenden Verbrauchswerten auszugehen, berechnet in Liter an Treibstoffäquivalent pro hundert Kilometer und Person:

- Personenzug im Nahverkehr: 2,3 l
- Schnellzug: 3 l
- PKW: 6,6 l
- Langstreckenflug bis 8000 km: 6,7 l
- Kurzstreckenflug bis 500 km: 10,5 l[397]

Eine DC-10 verbraucht für eine 30.000 km weite Südamerika-Rundreise über 300.000 Liter Kerosin. Während eines Fluges ist der Verbrauch bei Start- und Landevorgängen besonders hoch, weshalb Kurzflüge als außerordentlich emissionsintensiv gelten[398].

Wie intensiv die verschiedenen Verkehrsmittel genutzt werden, zeigt die folgende Statistik: 90 % aller internationalen Reisen werden per PKW (58 %) oder per Flugzeug (31 %) durchgeführt, während Bahn und Schiff (11 %) eine untergeordnete Rolle spielen[399]. Es ist zu beobachten, dass Flugreisen auf Kosten der anderen Verkehrsmittel zunehmend bevorzugt werden[400].

4.1.1.1. Flugverkehr

Der gesamte zivile Luftverkehr hatte im Jahr 1990 weltweit etwa 176 Millionen Tonnen Kerosin verbraucht, was etwa 6 % des Welterdölverbrauchs entspricht. Dadurch wurden 550 Mio. Tonnen Kohlendioxid emittiert. 50 % des Flugverkehrs sind dem Tourismus zuzurechnen. 40 % aller Flüge sind solche unter 800 km[401]. Im Jahr 1997 verursachte alleine die Lufthansa einen Verbrauch von 2,75 Mio. Tonnen Kerosin, um 9 % mehr als im Jahr zuvor. Dadurch wurden 8,7 Mio. Tonnen Kohlendioxid, 8,3 Tonnen Kohlenmonoxid, 39.000 Tonnen Stickoxyde und 1,5 Tonnen unverbrannte Kohlenwasserstoffe emittiert[402].

Kritikern des "Umweltsünders Flugverkehr" wird gerne die sinkenden Umweltbelastung durch technischen Fortschritt entgegengehalten. So verbrauche heute ein Flugzeug pro Fluggast durchschnittlich 3,2 Liter pro 100 km und damit um 26 % weniger als 1991. Weitere Reduktionen um bis zu 40 % seien technisch möglich[403]. Überhaupt sei in den letzten 15 - 20 Jahren der Flugzeugentwicklung die individuelle Emission von Lärm um 90 %, von Kohlenmonoxid um 70 % und von unverbrannten Kohlenwasserstoffen um 85 % gesunken[404]. Zudem liege der Anteil des Flugverkehrs am internationalen Kohlendioxid-Ausstoß (1992) bei "nur" 2 %[405].

Diese Argumentation geht mehrfach an gravierenden Problemen des Flugverkehrs vorbei. Zum einen liegt der Fluganteil an den gesamten für den anthropogenen Klimawandel verantwortlichen Emissionen bereits bei 3,5 %[406]. Zum anderen liegt das jährliche Wachstum bei 3 %, wodurch selbst die besten Errungenschaften in der Umwelttechnologie durch die zunehmenden Mengen überkompensiert werden. Bis 2020 wird eine Verdoppelung des gegenwärtigen Flugaufkommens erwartet[407], wodurch die fortschreitende Zerstörung der Ozonschicht bereits zur Hälfte auf das Konto des Flugverkehrs gehen wird[408].

Doch belasten nicht nur die aktiven Flugzeuge die Umwelt. Bereits der Flugzeugbau führt auf dem Wege der Rohstoffbeschaffung (Bauxit, Kupfer, Erdöl etc.) zu enormen Umweltzerstörungen. In Brasilien führte die Bauxitgewinnung zur Vergiftung ausgedehnter Regionen. Für den Bau von Wasserkraftwerken zur Stromerzeugung in Hinblick auf die energieaufwendige Aluminiumschmelze wurden in Westafrika und Südamerika Tausende von Menschen umgesiedelt und große Flächen von Regenwald abgeholzt oder geflutet. Dieser Aufwand war für die gegenwärtige internationale Passagier- und Frachtflugzeugflotte von 11.347 Maschinen (1999) notwendig. Bis 2050 wird mit annähernd 88.000 zusätzlichen Flugzeugen gerechnet[409].

Dass derartige Horrorvisionen keine Hirngespinste sind, beweist der neue Airbus A3XX: Seit Juni 2000 werden bereits verbindliche Bestellungen für das "größte, je gebaute Flugzeug" entgegengenommen. Das Ende 2005 lieferbare Flugzeug kann bei einer Reichweite von 16.000 km 555 Personen transportieren. Acht große Fluglinien haben bereits Interesse für 52 Großraumflugzeuge bekundet[410].

Tourismus, der auf Flugverkehr angewiesen ist, kann nicht nachhaltig sein. Als politische Gegenstrategie wurde darum von Verkehrswissenschaftlern nicht nur eine erhebliche Verteuerung jeglicher Vergnügungsreisen, die Besteuerung des Flugbenzins und niedrigere Flughöhen, sondern auch die Schließung von Regionalflughäfen und die Einführung eines Tempolimits von 400 km/h am Himmel gefordert[411].

Die derzeitige Aufregung um die Benzinpreise in Europa[412] rechtfertigt die Erörterung einer etwaigen Kerosinsteuer, für die eine politisch umsetzbare Lösung bislang in weiter Ferne liegt[413]:

Die geltende Steuerbefreiung für Kerosin basiert auf dem 1949 in Kraft gesetzten Chicagoer Luftverkehrsabkommen, das von fast allen Staaten der Erde unterzeichnet wurde. Für eine Reform dieses Regimes fehlen jedoch adäquate Entscheidungsstrukturen: so müsste die Internationale Zivilluftverkehrs-Organisation (ICAO) unter einen gewaltigen globalpolitischen Druck gesetzt werden, für dessen Ausübung es jedoch keine geeigneten oder geeinten Akteure gibt.

Zudem herrscht die einhellige Forderung nach einer internationalen Harmonisierung des Steuerausmaßes, um Tank-Ausweichflüge zu vermeiden. Andernfalls hätte man die paradoxe Situation, dass der Mittransport von billigerem, aber unnötigem Treibstoff die Öko-Effizienz sogar senken würde. Vor allem aber dominiert das Wachstumsargument, wonach bei durchschnittlichen Gewinnen von nur 2,6 % des Umsatzes eine Steuer von lediglich 20 % angeblich zum Ende der Billigtickets und damit zum Ende des ohnehin zweifelhaften Wachstumsmotors Flugreisenmarkt führen wurde[414].

Kritiker stellen diese Rechnung, und somit den Vorwurf der sozialen Ungerechtigkeit der Kerosinsteuer, in Fragen, weil die Treibstoffkosten im weltweiten Durchschnitt bei nur 11 % der Gesamtbetriebskosten liegen. Eine Steuer von 3,50 ATS je Liter Kerosin, das derzeit etwa 2,10 ATS kostet, würde die Flugpreise um lediglich 15 bis 20 % erhöhen[415].

4.1.1.2. Autoverkehr

Der Österreicher verbringt im Schnitt 78 Stunden pro Jahr im Stau, aber nur 62 Stunden mit Sex.[416]

Gerald John

Die Geschichte der Mobilität hat klar gezeigt, dass mit verbesserter Verkehrsinfrastruktur auch das Verkehrsaufkommen zunimmt. So stieg das generelle Verkehrsaufkommen in den vergangenen 30 Jahren von umgerechnet 18 km, die ein Österreicher täglich zurücklegte, auf 30 km. In den USA werden überhaupt 55 km pro Tag und Person zurückgelegt[417]

Weil durch diese immense Steigerung des Alltagsverkehrs zugleich auch die Attraktivität des Nahbereichs vermindert wird, drängen die Menschen um so mehr zur Erholungssuche in der Ferne: das Verkehrsaufkommen unterliegt somit einer sich selbst verstärkenden Eigendynamik[418]. Dies gilt in besonderem Maße für den Autoverkehr, der mit dem Massentourismus aufs engste verknüpft ist. "Der Reisende schafft das wieder, wovor er flieht: Überfüllung, Asphaltierung, Zersiedlung und Umweltbelastungen. Motorisierter Tourismus sägt am eigenen Ast."[419]

100 Millionen Besucher reisen jährlich mit dem PKW in die Alpen[420]. Auf Mallorca wurde im Juni 2000 mit mehr als 600 000 Autos die weltweit höchste Verkehrsdichte gemessen[421].

Was für den Flugverkehr gilt, hat für den individuellen Massenverkehr noch viel größere Bedeutung, nämlich dass die verursachte Schädigung der Umwelt nur durch ein umfassendes Verkehrsmanagement kontrollierbar gemacht werden könnte. Weil mit der Einsicht der individuellen Verkehrsteilnehmer nicht zu rechnen ist[422], sind zeitliche, örtliche und mengenmäßige Kanalisierung der Touristenströme nur durch staatliche Eingriffe durchsetzbar – etwa durch Überwälzung der externen Kosten[423] auf den Verursacher und durch verbrauchsbezogene Nutzungsgebühren. In der Verdreifachung der derzeit üblichen Treibstoffpreise und einer zusätzlichen, die tatsächliche Umweltbelastung berücksichtigende Straßennutzungsgebühr sieht POMPL längst keinen Todesstoß für den Tourismus. Vielmehr würde dies einen Impuls in Richtung umweltfreundlicherer Mobilitätsformen setzen: kürzere Reisestrecken, höhere Sitzladefaktoren der Verkehrsmittel und Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsträger. ”Der Preis spricht eine Sprache, die alle verstehen.”[424]

Wie zutreffend letzteres ist, bewiesen die europaweiten Benzinpreis-Proteste. Zugleich zeigte aber auch das Einlenken der belgischen und der französischen Regierung mittels Steuernachlässen, dass die "Sprache des Preises" von den Angesprochenen bewusst missverstanden wird[425]. Anstatt der effizienten Entlastung der Umwelt wird nur der "Raubzug auf die Brieftasche der Bürger" gesehen[426], eine Sicht, die durch Lobbys, wie dem ÖAMTC mit seinen 1,4 Mio. Mitgliedern und dem ARBÖ, "selbstlos" unterstützt wird[427].

Der Widerstand der individuellen Verursacher gegen Umweltschutzmaßnahmen in Form von höheren Treibstoffpreisen resultiert nicht zuletzt aus dem problematischen Umstand, dass die durch Emissionen hervorgerufenen Schäden weder örtlich noch zeitlich eingrenzbar sind und sich insofern nicht präzise bestimmten Verursachern zuordnen lassen. Darum wird dieser Bereich in der Politik kaum debattiert - trotz der verursachten irreparablen Folgeschäden[428]:

Verkehrsemissionen sind wesentliche Verursacher des Klimawandels, der sich in der Verschiebung der Klimagürtel, der deutlichen Erwärmung der Atmosphäre und dem damit verbunden, weltweiten Anstieg des Meeresspiegels auswirkt. Dadurch werden Inselstaaten, aber auch die Niederlande, Venedig sowie die mediterranen Badeorte akut bedroht. Vermehrte Wetterextreme führen zu Erosionen, Überschwemmungen, Versalzung von Trinkwasser und Infrastrukturzerstörung. So wurden durch vermehrte Wirbelstürme West-Samoa 1989 und 1990 verwüstet, und im November 1999 wütete ein Jahrhundertzyklon an der indischen Küste. Verminderte Niederschläge wiederum bedrohen in Form von Dürrekatastrophen sowohl Menschen als auch die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt gerade in ohnehin sensiblen Regionen. Doch nicht erst der weltweite Erdölverbrauch, schon die Förderung ist mitverantwortlich für die Verseuchung vieler Gebiete, etwa im Amazonasregenwald, am Kaspischen Meer, im Nigerdelta und - als Folge von Tankerunfälle - an zahlreichen Küsten: 14 derartige Ölkatastrophen haben sich allein von Juli 1998 bis November 1999 zugetragen[429].

Fazit

Während sich umweltverträglicher Tourismus wesentlich auf Bahn und Busse stützen müsste, wird Flugverkehr weltweit politisch gefördert. Insofern ist "eine andere Organisation des touristischen Transports (...) konkret nicht in Sicht."[430]

4.1.2. Naturverbrauch für Infrastrukturmaßnahmen

Flugzeuge müssen irgendwo landen können: Dafür existieren derzeit weltweit 3.750 Flughäfen, gleichzeitig besteht Bedarf für weitere 1.300. Dabei ist der Bodenbedarf der Flughäfen im Vergleich mit dem Straßenverkehr naturgemäß relativ gering. Im Bereich der touristischen Ferienanlagen führt die Zersiedlung der natürlichen Landschaft zur Zerstörung von Biotopen und Ökosystemen und dadurch zur Gefährdung der Biodiversivität: So wurde von 1950 bis 1990 die Hälfte der spanischen Küste für den Tourismus nutzbar gemacht. Entlang der französischen Mittelmeerküste wurden bis Mitte der 80er Jahre insgesamt 4.400 km2 für touristische Unterbringung und damit verbundene Infrastruktur verbaut[431].

Bei solchen Infrastrukturmaßnahmen werden etwa Dünengürtel eingeebnet und Korallenbänken abtragen, so zum Beispiel auf den Philippinen und den Maldiven, was zur Zerstörung der Fischbestände führte. In Thailand wiederum wurde bis 1990 fast 87 % der Mangrovenwälder zugunsten des Tourismus an den Küsten abgeholzt. Dies führt über die ökologische auch zur ästhetischen Belastungen: Die Verunstaltung der Natur gehört zu den schwerwiegendsten und am meisten verbreiteten Formen der Umweltschädigung durch den Fremdenverkehr, weil die touristischen Anlagen vorzugsweise in Landschaften gebaut werden, die besonders schön aber auch besonders sensibel sind[432].

4.1.3. Ressourcenverbrauch

In semiariden Ländern wird die Verfügbarkeit von Wasser wegen der zunehmenden Verknappung und Verschmutzung zu einem der Hauptprobleme des 21. Jahrhunderts. Standen 1850 weltweit noch 33.000 Kubikmeter Trinkwasser pro Person und Jahr zur Verfügung, so waren es 1990 nur mehr 8.500 Kubikmeter[433]. Aufgrund dieses wachsenden Bedarfs an Wasser bei gleichzeitig sinkenden Vorräten wächst in den besonders betroffenen Regionen entlang der großen Flusssysteme im Nahen und Mittleren Osten die Gefahr bewaffneter, zwischenstaatliche Verteilungskonflikte[434]. Aus ökologischer Sicht führt die Übernutzung der Wasserreserven zu einem stark sinkenden Grundwasserspiegel, was teilweise absinkende Böden, Versalzung durch nachfließendes Meerwasser, Verschmutzung vorhandener Wasserressourcen und der Austrocknung von Brunnen zur Folge hat[435].

Im Fall Tunesiens reichen die erschlossenen und verfügbaren Wasserressourcen nur noch bis zum Jahr 2020, um die Bedürfnisse der tunesischen Wirtschaft und der Bevölkerung zu befriedigen[436]. Die bereits vorhandenen Konflikte um die Nutzung der Wasserressourcen werden durch die hohen touristischen Bedürfnisse massiv verschärft: So wurde 1984 von den Touristen, die zahlenmäßig 0,45 % der Gesamtpopulation entsprachen, 4,8 % des jährlich konsumierten Wassers verbraucht. Seither stieg der Wasserkonsum kontinuierlich: wurde 1975 noch mit 300 Liter pro Tag und Person (l/d/p) gerechnet, waren 1981 bereits 600 Liter erforderlich, was sich aus der Speisung der Duschen, des Schwimmbassins und der Ziergrünanlagen erklärt. Gleichzeitig wurden aber der Bevölkerung nur 120 l/d/p zugestanden[437].

Der enorme Wasserverbrauch durch den Tourismus führte bereits zum Absinken des Grundwasserspiegels. Dadurch blieben im Sommer 1989 während der Verbrauchsspitzenzeiten, wenn Besucher nach ihrem Wüstenritt duschten, in den höher gelegenen Viertel in der Oase Douz während einiger Stunden die Hähne trocken[438]. Eine daraufhin eigens erstellte Brunnenbohrung für die Trinkwasserversorgung mit kaltem Wasser von besonders hoher Qualität sah bis zu 45 Liter pro Sekunde (l/s) für die Touristenzone (1.700 Betten) vor; davon wurden auch die Schwimmbäder gespeist. Für die einheimische Bevölkerung mit rund 25.000 Menschen sollten hingegen maximal 35 l/s zur Verfügung stehen[439].

Die vom tunesischen Tourismusministerium angestrebte Besucherzahl von 3000 Personen/Tag würden die gleiche Menge Wasser verbrauchen wie 45 ha Dattelpalmen der Spitzensorte Deglat Nour, was die Versorgung von 180 Bauernfamilien sichern würde[440], während der Tourismus diesen Menschen keinerlei Verdienst einbringt.

Auf den Kleinen Antillen benötigen Gäste pro Hotelzimmer bis zu 1.500 Liter Wasser pro Tag, während ein durchschnittlicher Haushalt nur 340 Liter benötigt. Der hohe Verbrauch resultiert auch aus dem hohen Anteil an amerikanischer Klientel, das sich zu drei mal so oft zu duschen pflegt wie Europäer. Auf Antigua mussten während der achtzehnmonatigen Trockenzeit von 1987/88 viele Haushalte wochenlang ohne fließendes Wasser auskommen, während die Hotels ihr Wasser mit Tankschiffen von benachbarten Inseln bezogen oder übergingen zur energieaufwendigen Selbstversorgung durch Meerwasser-Entsalzungsanlagen[441].

Ähnlich ist die Situation auch im Bereich der Stromversorgung, wo im tunesischen Douz Touristen ca. 13 kWh pro Person und Tag verbrauchen, was dem Bedarf von 260 Menschen der Oasenbevölkerung entspricht[442]. Im westafrikanischen Abidjan stellt das größte Hotel der Elfenbeinküste seinen Gästen nebst zwei Schwimmbädern und der üblichen Hotelinfrastruktur sogar eine Eisbahn zur Verfügung und konsumiert hierfür rund die Hälfte der landesweit vorhandenen Elektrizität[443].

Auf den Kleinen Antillen werden 25 % der vor Ort produzierten Energie von den Hotels beansprucht, nämlich 35 kWh pro Zimmer und Tag, wovon 50 % auf Klimaanlagen entfallen. Weil die Regierung vom anhaltenden Wachstum der Tourismusbranche überzeugt ist, investiert sie in den Bau von kapitalintensiven ölthermischen Kraftwerken. Darin spiegelt sich auch die wirtschaftliche Problematik des hohen Stromverbrauchs wider, dessen Wert - isoliert betrachtet - freilich nicht so hoch erscheint. So liegt der Tagesverbrauch eines Mittelklassehotels in den Schweizer Alpen bei 57,6 kWh pro Tag und Zimmer, das beheizte Hallenbad mitgerechnet[444].

In abgelegenen Regionen, wo es keinen Strom gibt, kommt es zum Kampf um den nur spärlich vorhandenen Energieträger Holz: Ein Trekking-Tourist in Nepal verbraucht zum Kochen pro Tag etwa die gleiche Holzmenge, mit der eine nepalesische Familie eine ganze Woche auskommen muss[445].

4.1.4. Abfallbelastung

Auf dem Inka-Trail nach Mach Picchu kann sich keiner mehr verlaufen: Der Wegrand ist gepflastert mit leeren Getränkedosen von den Wanderern vorher.[446]

Anonymus

Plastik und andere resistenten Materialien sind eine relativ neue Erfahrung in Entwicklungsländern, in denen die gewohnheitsmäßig anfallenden Abfälle zumeist kompostierbar sind. Darum mangelt es in Hinblick auf die neuerdings anfallenden Abfallsorten an der nötigen Infrastruktur, etwa um Kunststoffe, Metalle oder Batterien artgerecht zu entsorgen[447]. Wie schon bisher pflegen die Menschen ihre Abfälle in der Erde zu vergraben, was jedoch im Fall von Importartikeln mit unverrottbaren Verpackungsmaterialien zur Belastung der Umwelt führt. "Plastiksack-Wälder", hochinfektiöse Müllberge oder Smogbelastung durch unsachgemäße Verbrennung sind ein häufiges Phänomen in Entwicklungsländern. Eine typische Belastung durch Tourismus stellen etwa Wasserflaschen dar: Aus Angst vor Infektionen wird teuer importiertes, in Plastikflaschen abgefülltes Mineralwasser verwendet, das sowohl das Handelsdefizit als auch die Müllberge aufbläht.

In entlegenen Regionen wie in den westafrikanischen Aïr-Bergen verwenden die dort lebenden Tuareg-Nomaden Blechdosen-Abfall bislang noch als Gebrauchsgegenstände. Auf Plätzen abseits der Nomadenrouten stößt man allerdings nicht selten auf den achtlos zurückgelassenen Dosenmüll heimischer Reiseagenturen. Während dieses Problem im Fall Niger aufgrund der bislang nur 3000 jährlichen Besucher noch vernachlässigbar ist, mussten Träger in Nepal im Zuge einer Räumungsaktion Mitte der 80er Jahre eineinhalb Tonnen Touristenmüll vom Mount Everest ins Tal schleppen[448]. Fünfzehn Jahre später ließ die österreichische Organisation "Öko Himal"[449] per Hubschrauber 56.000 leere Bierflaschen und damit erst 50 % des dortigen Flaschenmülls entsorgen[450]. In Südamerika, am Wanderpfad zur Inkafestung Machu Picchu, wurden im Jahr 1983 rund 16.000 leere Dosen eingesammelt, wovon 40 % deutsche Aufschriften trugen[451].

Das Müllproblem herrscht aber nicht nur im Bereich des "Ökotourismus". Auch in den Zonen des „SSS-Tourismus“, wie im Fall der Kleinen Antillen, mangelt es vielerorts an Müllbeseitigungsanlagen, was weder von Behörden noch von Hotelmanagern als Problem empfunden wird: Der Müll wird in Buchten notdürftig verbrannt oder abgelagert[452]. Auch aus Kreuzfahrtschiffen landen pro Tag mehrere Tonnen Festabfall, Öl, Fäkalien und Abwasser im Meer[453].

Gefährlicher noch als Müll ist das in den Hotels produzierte Abwasser. Kanalisationsnetze mit gesicherter Klärung sind in Entwicklungsländern generell rar, wodurch die Umwelt ohnehin schon stark belastet ist. Hotels wären selbst für die Abwasseraufbereitung verantwortlich, pflegen aber häufig auf Kosten der Natur und der Bevölkerung zu sparen. So ist an manchen Stellen entlang der brasilianischen Küste das Schwimmen genauso gesundheitsgefährdend wie der Genuss von lokalem Fisch. Doch auch innerhalb der "vorbildhaften" EU fließen an der europäischen Mittelmeerküste noch 70 % aller von Tourismussiedlungen stammenden Abwässer ungeklärt ins Meer[454].

Am leichtesten lösbar ist noch das Müllproblem, weil dazu keine strukturellen Veränderungen notwendig sind. Ein "besseres" Verhalten der Reisenden würde schon genügen, weshalb sich große Reiseunternehmen besonders im Hinblick auf Müllvermeidung gerne medienwirksam - und billig - engagieren.

4.1.5. Gefährdung der Artenvielfalt

Die Bezeichnung "Ökotourismus" ist umso weniger Garant für ökologischen Urlaub, je mehr Ökotouristen sich für einen bestimmten Ort begeistern. So wurden auf den Galapagos Inseln 1995 über 40.000 Besucher gezählt, obwohl der nationale Umweltplan von 1990 eine jährliche Tragfähigkeitskapazität von 25.000 Besuchern bestimmte[455].

Die Schäden, die aus solchen Besuchermassen für das Ökosystem resultieren, sind äußerst vielfältig. So kommt es einerseits zur Störung der Brut und andererseits zu Unfällen zwischen Allradwagen und wildlebenden Tieren. In Kenia etwa sind Safaris dafür verantwortlich, dass Geparden vom Aussterben bedroht sind, weil die motorisierten Touristen die Jagdaktivitäten der Großkatze massiv beeinträchtigen. Die Tierliebe der Touristen bedroht auch indirekt die Objekte der Begeisterung, weil die Nachfrage nach seltenen Pflanzen und Tieren als Souvenirs wächst.

Der Naturraum selbst wird durch Erosionsprozesse gefährdet: Die sensible Vegetation - und damit in weiterer Folge auch die meist dünne Krume - leidet unter den Reifen der Allradwagen, und auch Scharen von Wanderern verursachen beträchtliche Trittschäden. Verstärkt wird der Erosionsprozess durch die Holznutzung für Bau- und Brennstoff: In Nepal führte der rasch wachsende, tourismusbedingte Holzverbrauch zu weitreichender Entwaldung[456], was Murenabgänge und Überflutungen von Nepal bis in tiefere Lagen, besonders Bangladesch, zur Folge hat.

Gefährlich ist auch die unbedachte Verunreinigung von Trinkwasser durch Trekkingtouristen, etwa wenn diese sich oder ihre Kleidung in Wasserlöchern oder bei Brunnen waschen. Im - leider nicht seltenen - Extremfall führt dies zur Kontaminierung des Brunnens, was für die betroffenen Nutzer einen lebensbedrohenden Wassermangel bedeuten kann.

[...]


[1] Zum Begriff der "Dritten Welt" vgl. Kap. II/1.

[2] Vgl. SANFTENBERG, Tourismus, DED-Brief 1/98, 4.

[3] Abschlusserklärung des Welttourismusforums in Osaka 1994. Zit. in: ebd.

[4] Vgl. Roe, Dilys; Leader-Williams, Nigel; Dalal-Clayton, Barry: Take Only Photographs, Leave Only Footprints: The Environmental Impacts of Wildlife Tourism. Wildlife and Development Series No. 10. London 1997.

[5] URRY, Tourism, 838.

[6] PROSSER, Tourism, 373.

[7] Vgl. etwa FENNEL/MALLOY, Ethics and ecotourism, Journal of Applied Recreation Research Vol. 20 Nr. 3, 1995, 163 - 183.

[8] Vgl. PROSSER, Tourism, 373 ff.; URRY, Tourism, 835 ff.

[9] Vgl. MBC, Introduction, Ethics in Tourism, Web.

[10] Vgl. LaFOLLETTE, Ethics, Index, 689 - 701.

[11] Vgl. MEGGLE, Almanach, Index, 307 - 326.

[12] BARETJE, René: Tourisme et éthique. Essai. Tome 1. Aix-en-Provence, 1994; Tome 2, ebd. 1995.

[13] Die Bibliotheque National de France hat den Verleih verweigert und die Herausgeberin, die Université du Tourisme in Aix-en-Provence, hat die Bestellung zwar angenommen aber das Werk niemals geliefert.

[14] Vgl. Evangelischer Arbeitskreis, Ethik und Tourismus, Informationen 38, August 1988.

[15] KRIPPENDORF, Jost: Die Landschaftsfresser. Bern, Stuttgart, 1975.

[16] JUNGK, Robert: Wieviel Touristen pro Hektar Strand? In: Geo 10/1980, 154 - 156.

[17] Vgl. EULER, Claus (Hrsg.): "Eingeborene" - ausgebucht. Ökologische Zerstörung durch Tourismus. ökozid Nr. 5. Giessen, 1989.

[18] Vgl. etwa die ironische Forderung von André HELLER, zit. in SCHERER, Tourismus, 96 f.

[19] Vgl. MEGGLE, Almanach, 9.

[20] Vgl. Rotpart, Michael: Vom Alternativtourismus zum Hybridtourismus. Linz, 1995.

[21] Vgl. etwa Stock, Reise in die Vergnügungsperipherie, Web.

[22] Vgl. RONNEBERGER, Macht, Rundfunk und Fernsehen 31. Jg., 1983/3-4, 261 ff.

[23] Der Begriff "glokal" stammt ursprünglich von Roland ROBERTSON (vgl: ders.: Globalization. In: FEATHERSTONE, M. u.a. (Hrsg.): Global Modernities. London 1995.) und wurde schließlich durch Ulrich BECK, von dem auch der Hinweis stammt, in den deutschsprachigen Globalisierungsdiskurs eingeführt. Vgl. BECK, Globalisierung, 88.

[24] KÜNG, Hans: Weltethos für Weltpolitik und Weltwirtschaft. München, 1997.

[25] Vgl. BECK, Globalisierung, 135 ff.

[26] Vgl. LaFOLLETTE, Ethics, 1.

[27] Vgl. SINGER, Famine, 585 ff.

[28] Vgl. SCHMIDT, Konstruktivismus, 11 ff.

[29] Vgl. SCHÜSSLER, Touristen, DED-Brief 1/98, .47.

[30] Vgl. dazu Kap. II/8.9.

[31] Meyers KONVERSATIONSLEXIKON: 13. Bd., Leipzig 1890, 703. Zit. in: BAUSINGER, Grenzenlos, 343.

[32] Näheres zur Geschichte des Tourismus in Kap. II/2.

[33] Vgl. Sanftenberg, Tourismus, DED-Brief 1/98, 4.

[34] VAN HARSSEL, J.: Tourism: an Exploration. Englewood Cliffs 1994, 3. Aufl., 3; zit. in BURNS, Introduction, 25.

[35] Vgl. BURNS, Introduction, 164.

[36] UNWTO. Hinw. in ROE u.a., Photographs, 12.

[37] Vgl. PROSSER, Tourism, 374.

[38] Vgl. Wisler, Tourismus in Entwicklungsländern. Web.

[39] Zur Frage "Massentourismus oder Individualtourismus?" siehe auch Kap. III/1.4.

[40] Als Vater des Begriffes gilt der Journalist und Zukunftsforscher Robert JUNGK in seinem legendären GEO-Essay "Wieviel Touristen pro Hektar Strand?" In: Geo 10/1980, 154 - 156.

[41] Vgl. Baumgartner, Integrativer Tourismus, Web.

[42] Vgl. WTTO, Agenda 21 for the Travel + Tourism Industry 1996. Folder.

[43] URRY, Tourism, 835. Gilt auch für die folgenden Zitate.

[44] Vgl. URRY, John: The Tourist Gaze. Leisure and Travel in contemprorary Societies. London, Newbury Park, New Delhi 1990.

[45] Vgl. BURNS, Introduction, 29.

[46] JAFARI, Jafar: Editor's page. In: Annals of tourism Research 5, i; zit. in PROSSER, Tourism, 374.

[47] Vgl. PROSSER, Tourism, 380.

[48] THEOBALD, W. (Ed.): Global Tourism: The Next Decade. Oxford 1994; zit. in PROSSER, 401.

[49] PETERMANN, Folgen, Bd. 2, 169.

[50] BERTRAM, Arm, aber glücklich..., 10.

[51] Vgl. Henning, Reiselust, 10 f.

[52] BAUSINGER, Grenzenlos, 344.

[53] Vgl. PROSSER, Tourism, 373.

[54] Hennig, Reiselust, 9.

[55] CHATWIN, Traumpfade, 222

[56] HENNIG; Reiselust, 11.

[57] Vgl. FISCHER, Warum Samoa?, 43 f.

[58] HENNIG, Reiselust, 13.

[59] Ebd., 15.

[60] Vgl. etwa die Palette von negativen Touristenbilder bei KRIPPENDORF, Ferienmenschen, 94 f.

[61] Dies ergab meine Befragung unter der Bevölkerung in Timia im Winter 99/2000. Vgl. FRIEDL, Agadez-Tourismus 2000, 20 f., Manuskript.

[62] COHEN, Eric: Who is a Tourist?: A Conceptual Classification. In: Sociological Review Nr. 22, 1974, 527 - 555. Zit. in BURNS, introduction, 44.

[63] Vgl. SMITH, Hosts, 15 ff.

[64] Vgl. Pils, Motive und Erwartungen, integra Nr. 4/1997, 3 ff..

[65] Vgl. HENNIG, Reiselust, 27 ff.

[66] ENZENSBERGER, Theorie, 179 ff.

[67] Ebd., 190.

[68] Vgl. POMPL, Megatrends, 128

[69] Vgl. Pils, Motive, integra 4/1997, 3.

[70] POMPL, Megatrends, 128.

[71] Ebd., 129.

[72] Vgl. Pils, Motive, integra Nr. 4/1997, 4.

[73] URRY spricht von einer "environmental bubble" in URRY, Tourism, 836.

[74] Näheres zur bewussten Inszenierung des Urlaubs siehe weiter unten.

[75] Vgl. Pils, Motive, integra Nr. 4/1997, 5. Siehe auch Kap. II/2.2 zur Tourismusgeschichte.

[76] Vgl. SCHULZE, Gerhard: Die Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/Main, New York 1992. Hinw. in: ebd., 5.

[77] Vester, Authentizität, 123. Siehe insb. Kap. II/2.5. über den "Hybridtouristen", eine anderen Bezeichnung für den "Post-Touristen".

[78] LEED, Erfahrung, 73.

[79] Vgl. KRAMER, Sanfter Tourismus 1989, 29.

[80] Pils, Motive, integra Nr. 4/1997, S. 5.

[81] Vgl. die Europäische Tourismusanalyse des B.A.T.-Freizeitforschungsinstituts Hamburg vom August 1993. Hinw. v. OPASCHOWSKI, Tourismus, 205.

[82] HENNIG, Reiselust, 53.

[83] Vgl. ebd., 27.

[84] Siehe dazu Kap. II/4.3.

[85] Vgl. HENNIG, Reiselust, 47.

[86] Vgl. SENS, Anfang, 150.

[87] Vgl. URRY, Tourist Gaze, 11.

[88] Vgl. HENNIG, Reiselust, 77.

[89] Ebd., 78 ff.

[90] VAN GENNEP, A.: The Rites of Passage. Chicago 1960 (1908). Dieser nennt die drei zentralen Phasen der Trennung, nämlich der persönlichen Marginalisierung ("liminality") und der neuerlichen Inkorporation nach der Rückkehr. Hinw. in BURNS, Introduction, 75.

[91] Vgl. HENNIG, Reiselust, 80.

[92] Vgl. FENDL/LÖFFLER, Man sieht nur..., 55 ff.

[93] Vgl. MACCANNEntwicklungsländerL, Tourist, 42 ff.

[94] Vgl. GRABURN, Tourism, 31.

[95] Vgl. FRIEDL, Reichtum des Schweigens, pfeil, Juli 1991, 14 f.

[96] Vgl. Pils, Motive, integra Nr. 4/1997, S. 6.

[97] HENNIG, Reiselust, 55.

[98] Vgl. etwa die Kritik von SCHERRER, Dritte Welt-Tourismus, 12 f.

[99] HENNIG, Reiselust, 55. Kursiv im Original.

[100] Diese Erfahrung habe ich als Reiseleiter oftmals gemacht

[101] Vgl. HENNIG, Reiselust, 97.

[102] Ebd., 101.

[103] Vgl. Pils, Motive, integra Nr. 4/1997, 6.

[104] Vgl. HENNIG, Reiselust, 59.

[105] Vgl. BURNS, Introduction, 96.

[106] NOHLEN, Dritte Welt, Lexikon, 184.

[107] Vgl. die Kritik in BARATTA, Fischer Weltalmanach 1996, 951,

[108] Vgl. Menzel, Ulrich: Das Ende der Dritten Welt und das Scheitern der großen Theorie. Frankfurt/Main 1992; vgl. außerdem FRIEDL, Editorial , Zum Thema Nr. 20, Web.

[109] Vgl. NOHLEN/NUSCHELER, Was heißt Dritte Welt, 17.

[110] Vgl. ders., Gruppe der 77, Lexikon, 320.

[111] Vgl. ders., Dritte Welt, Lexikon, 184.

[112] o.A., Dritte Welt, Microsoft Encarta 97 Enzyklopädie, CD-ROM.

[113] Vgl. NOHLEN, Dritte Welt, Lexikon, 184.

[114] o.A., Dritte Welt, Microsoft Encarta 97 Enzyklopädie, CD-ROM.

[115] Vgl. HARENBERG, Aktuell '95, 170.

[116] Vgl. NOHLEN, Dritte Welt, Lexikon, 184 f.

[117] Vgl. ders., Entwicklungsländer, Lexikon, 221 ff.

[118] Vgl. HARENBERG, Aktuell '95, 170.

[119] BURNS, Introduction, 162.

[120] POSSELT, Franz: Apodemik oder die Kunst zu reisen. Ein systematischer Versuch zum Gebrauch junger Reisender aus den gebildeten Ständen überhaupt und angehender Gelehrter und Künstler insbesondere. Bd. 2. Leipzig 1795. Zit. in: KUTTER; Reisende, 47.

[121] Vgl. ENZENSBERGER, Theorie des Tourismus, 180 ff.

[122] Vgl. GÜNTER, Geschichte, 27.

[123] Vor allem letzteres erscheint BURNS als zentral: "It is the sanctioning of travel within a culture that converts the use of time and resources into spatial or geographical social mobility." BURNS, Introduction, 26.

[124] Vgl. GÜNTHER, Geschichte, 8

[125] Ebd., 9.

[126] Vgl. SCHERER, Tourismus, 10.

[127] GÜNTHER, Geschichte, 10.

[128] Ebd., 12 f.

[129] Ebd., 12.

[130] Vgl. SCHERER, Tourismus, 10.

[131] GÜNTHER, Geschichte, 14.

[132] Hinw. v. ebd., 16.

[133] Vgl. SIEBERS, Lehrfahrten, 47.

[134] Ebd. 48.

[135] SCHÖLZER, August Ludwig: Entwurf einer Reise-Collegio, Göttingen 1777, 13 f. Zit. in GÜNTER, Geschichte, 19.

[136] Vgl. SIEBERS, Lehrfahrten, 50.

[137] GSTIRNER, Adolf, zit. in KRAMER, Tourismus, 24.

[138] Vgl. GÜNTER, Geschichte, 21.

[139] Vgl. KABUSCHA, Fußreise, 169.

[140] KRAMER, Tourismus, 22.

[141] Ebd., 168.

[142] Ebd., 170 f.

[143] SEUME, Johann Gottfried: Spaziergang nach Syrakus. Wien 1980.

[144] GÜNTER, Geschichte, 23.

[145] BAUSINGER, Grenzenlos, 344.

[146] GÜNTER, Geschichte, 24

[147] Zit. in ebd.

[148] Vgl. ebd., 24 f.

[149] STANGEN, Carl: Eine Reise um die Erde 1878/79, Leipzig 1880; vgl. ebd., 25.

[150] Ebd.

[151] Vgl. KNOLL, Reisen, 343.

[152] Vgl. ebd., 20.

[153] Vgl. ebd., 47.

[154] Vgl. ebd., 51.

[155] Vgl. FOLCHI, Framework, 21.

[156] Vgl. KRAMER, Tourismus., 60.

[157] Vgl. BAUSINGER, Grenzenlos, 347 f.

[158] Vgl. SCHERER, Tourismus, 14.

[159] Vgl. MARTENS, Vom Ersten Weltkrieg, 397.

[160] Vgl. Anton, Entwicklung, Web.

[161] Spode, NS-Gemeinschaft, 82.

[162] Ebd., 89.

[163] Vgl. POMPL, Megatrends, 126.

[164] KRIPPENDORF, Landschaftsfresser, 13.

[165] PRAHL/STEINECKE, Millionen-Urlaub, 160 ff.

[166] Gilt für Großbritannien. Vgl. TEARFUND, Tourism, 2.

[167] Gilt für Deutschland; vgl. petermann, Folgen, Bd. 2, 38.

[168] Vgl. GHIMIRE, Emerging Mass Tourism, 7.

[169] Vgl. Tourism Watch, Österreicher, Web.

[170] Vgl. APA, Österreicher sind Urlaubsmuffel, Der Standard, 21.

[171] Daten für 1993 vgl. HENNIG, Reiselust, 66.

[172] Vgl. SCHMIDT, Nichtreisende, 397.

[173] Vgl. NIPPER, Sicht, 47 f.

[174] Vgl. SCHERER, Tourismus, 17.

[175] Vgl. PETERMANN, Folgen Bd. 2, 98.

[176] vgl. GRUBER, Ausflug, Web. Allerdings werden auch die Grenzüberquerungen zwischen EU-Staaten gezählt, jene innerhalb der US-Staaten hingegen nicht. Zur Problematik der Statistik siehe u.a. Kap. 2.7.

[177] Vgl. MEYER-LARSEN, Erben, Spiegel special Nr. 2/1997, 34 ff.

[178] Vgl. UNWTO 1999; zit. in SUCHANEK, Ausgebucht, 10. Die Daten für 2000 und 2010 sind Schätzungen.

[179] Vgl. GHIMIRE, Emerging Mass Tourism, 6.

[180] Siehe nächstes Unterkapitel.

[181] Man denke an die EU, die NAFTA und die asiatische AFTA-Region. Vgl. PETERMANN, Folgen Bd. 2, 67.

[182] Näheres dazu siehe Kap. 3.2. zu den Formen des Ferntourismus.

[183] Vgl. SUCHANEK, Ausgebucht, 11.

[184] Vgl. PROSSER, Tourismus, 378.

[185] Pro Sieben Online, Reisen ins "Sternenstädtchen", Web.

[186] Vgl. die Aussage von MÜLLER in ders. u.a., Ökologie schnuppe, Spiegel special Nr. 2/1997, 22 ff.

[187] Vgl. SWOBODA, Tourismus: Zweite Blüte, Kleine Zeitung, 17.9.2000, 20.

[188] Vester, Authentizität, 123.

[189] Obermair, Karl: Future Trends in Tourism. AIT DELPHI Study, Wien 1998.

[190] Vgl. ebd., 83 f.

[191] Vgl. ebd., 85 ff.

[192] Vgl. schulze, Erlebnisgesellschaft, 22.

[193] Vgl. POMPL, Megatrends, 131

[194] Vgl. Rotpart, Alternativtourismus, 3. Den Begriff des "Posttourismus" bevorzugt URRY in ders., Gaze, 100.

[195] Vgl. Rotpart, Alternativtourismus, 329.

[196] Vgl. ebd. 102 ff.

[197] LUGER, Kulturen, 38.

[198] opaschowski, Tourismus, 249.

[199] Zit in BURNS, Introduction, 13.

[200] Weil für den DW-Tourismus nicht wesentlich, wird auf diese Tourismusform in der Folge nicht mehr eingegangen.

[201] HENNIG, Reiselust, 180.

[202] Vgl. ebd., 165.

[203] Ders., 170.

[204] Vgl. Pagenstecher, Immer noch brandet die Ferne, iz3w Nr. 241/1999, Web.

[205] Vgl. HENNIG, Reiselust, 179.

[206] Vgl. Rotpart, Alternativtourismus, 113.

[207] Zum Begriff der neuen Lebensabschnitts-Partnerschaften vgl. GOETSCH, Das Sonntagsblatt Nr. 22, 30.6.1997, Web.

[208] BAUMAN, Pilger, 297.

[209] Vgl. PROSSER, Tourism, 379.

[210] Vgl. GHIMIRE, Emerging Mass Tourism, 10.

[211] Vgl. Pils, Vorbereitung,, IFN-Bulletin Nr. 10/98, Web.

[212] Vgl. Tüting, Tourismus, Web.

[213] Österreich befindet sich trotz seiner begrenzten Größe auf Platz 10 mit 17,6 Mio/plus 1,6 %). Vgl. Ebd.

[214] Schätzungen von PETERMANN, Folgen, Bd. 2, 74.

[215] Vgl. GHIMIRE, Emerging Mass Tourism, 12 ff. bzw. 20 f.

[216] Vgl. OBERMAIR, Trends, 1.

[217] UNWTO 1999; zit. in SUCHANEK, Ausgebucht, 9.

[218] Vgl. Tüting, Tourismus, Web.

[219] Vgl. Kamp, Globale Trends 2000, Web. Vlg. insb. auch: Stiftung Entwicklung und Frieden (Hrsg.): Globale Trends 2000. Fakten, Analysen, Prognosen. Frankfurt/Main 1999.

[220] Vgl. OBERMAIR, Trends, 1.

[221] In Österreich ist es jeder 7. Arbeitsplatz. Vgl. GHIMIRE, Emerging Mass Tourism, 10.

[222] Vgl. KAMP, Position paper, April 1999, Web.

[223] o.A.: "Tourism 2020 Vision". A New Forecast from the World Tourism Organization. Madrid 1997. Zit. in OBERMAIR, Trends, 1.

[224] Vgl. DECKSTEIN u. a., Platz am Pool, Der Spiegel 28/2000, Web.

[225] Zit. in: Eid, Rede, Web.

[226] Vgl. GRUBER, Ausflug, Web.

[227] Vgl. Deutscher Reisebüro- und Reiseveranstalter-Verband, Fakten, Web.

[228] Vgl. GRUBER, Ausflug, Web.

[229] Vgl. HENNIG, Reiselust, 150.

[230] Goethe, Schrumpfende Ferne, Web.

[231] Vgl. ROE u.a., Photographs, 15 f.

[232] Vgl. die Kritik an Bhutan von FALCH, Masterpläne, Vortrag am 6.7.2000.

[233] Vgl. Pils, Vorbereitung, IFN-Bulletin Nr. 10, 9.1998, Web.

[234] Vgl. KIRCHNER, Entwicklungschance, Web.

[235] Galt für 1997; vgl. Poth, Faszination Reisegeschäft, Web.

[236] Vgl. UNWTO, Tourism Growth, Web.

[237] Vgl. Tüting, Tourismus wächst, Web.

[238] Vgl. PETERMANN, Folgen Bd. 2, 112.

[239] Vgl. Tüting, Tourismus wächst, Web.

[240] Vgl. Panafrican News Agency, Niger, Web.

[241] Vgl. FRIEDL, Hoffnungsfaktor Stabilität, 9.

[242] Vgl. GRUBER, Ausflug, Web.

[243] HENNIG, Reiselust, 182.

[244] KEntwicklungsländerLER, ökologische Sicht, 55

[245] Vgl. Tourism concern, Statistics. Web.

[246] Vgl. HENNIG, Reiselust, 66.

[247] Vgl. ROE u.a., Photographs, 15 f.

[248] HENNIG, Reiselust,., 11.

[249] Vgl. ebd.,, 27.

[250] SCHERER, Tourismus, 12.

[251] Vgl. Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen: Deutsche Reiseanalyse 1997. Hinw. v. PILZ, ignorant, Web.

[252] Vgl. HENNIG, Reiselust, 27 f.

[253] LEED, Erfahrung, 73.

[254] Vgl. WASCHULEWSKI, Auswirkungen, 77.

[255] Vgl. Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen: Deutsche Reiseanalyse 1997. Hinw. v. PILZ, ignorant, Web.

[256] Vgl. Koeppen, Reisen bildet, 27; bzw. GÜNTER, Bildungsreise, 355.

[257] KUBSCH, Lob der Studienreise, 28.

[258] Vgl. HARTMANN, Bildungstourismus, 33 ff.

[259] Vgl. FRIEDL, Medien-Voodoo, Zum Thema Nr.0/4, 17.01.1997, Web.

[260] Vgl. HARTMANN, Bildungsreise, 31 ff. Exemplarisch dafür sind die von mir für "Kneissl Touristik" ausgearbeiteten Reisen "Abenteuer Aïr-Ténéré-Naturpark Niger" u.a. zu den Tuareg: vgl. FRIEDL, Niger, Katalog, 75 ff.

[261] Vgl. ALBRECHT/KUNZE, Studienreise, 168.

[262] Vgl. HENNIG, Reiselust, 39 ff.

[263] Vgl. DECOUDRAS, Le Sahara, 8.

[264] Zit. in SCHERER, Tourismus, 55.

[265] TÜting, Betrachtungen zum All-inclusive-Urlaub, Web.

[266] SCHERER, Tourismus, 57.

[267] SCHERER, Tourismus, 55.

[268] Vgl. BURNS, Introduction, 63.

[269] Ebd., 59.

[270] Vgl. B.A.T.-Freizeitinstitut-Studie über Freizeitstreß der Deutschen. Zit. in: ebd.

[271] Vgl. AKT&E: Kurznachrichten 3/99. Zit. in: Goethe, Schrumpfende Ferne, Umschau 1.2000, S. 1-5.Web.

[272] Vgl., Tüting, Betrachtungen zum All-inclusive-Urlaub, Web.

[273] Vgl. AKT&E: Kurznachrichten 3/99. Zit. in: Goethe, Schrumpfende Ferne, Umschau 1.2000, S. 1-5.Web.

[274] Vgl. GRUBER, Ausflug, Web.

[275] Zit. in: SCHERER, Tourismus 96 f. Ähnlich auch in AIGNER, Ressort, 174 f. Näheres siehe Kap. III/1.1.

[276] SCHERER, Tourismus 97.

[277] Siehe dazu Kap. II/5 zur Tourismuskritik bzw. II/4.3. zu soziokulturellen Tourismusfolgen.

[278] Vgl. Schacker, Kreuzfahrtenmarkt Deutschland 1999. Web.

[279] Vgl. SUCHANEK, Ausgebucht, 16 ff.

[280] Vgl. ebd., 17 ff.

[281] Commonwealth-Report: A future for Small States. Edinburgh 1998. Zit. in ebd., 23 f.

[282] Vgl. ebd., 39.

[283] Vgl., ebd., 37.

[284] Vgl. Conseil de l'Europe, Tourisme et environnement, 17.

[285] Vgl. SUCHANEK, Ausgebucht, 41.

[286] Tourism concern, Statistics, Web.

[287] Caddy (e.): Golfschlägerträger

[288] Vgl., SUCHANEK, Ausgebucht, 42.

[289] Zit. in LANQUAR, Sociologie, 50.

[290] Vgl. Tourism concern, Statistics, Web.

[291] Vgl. AIGNER, Ressort, 169.

[292] Schätzung der Children's Rights Protection Center, 1988. Zit. in: ODZER, Patpong Sisters, 2.

[293] Vgl. Terre des Hommes, Schweiz. Zit. in SUCHANEK, Ausgebucht, 46.

[294] Vgl. SEIFERT-GRANZIN u.a., Tourismus am Scheideweg, Folder, 6.

[295] Vgl. ebd., 45 ff.

[296] Vgl. SCHERER, Tourismus, 103.

[297] Vgl. ONG, Aihwa: Industrialization and Prostitution in Southeast Asia. Southeast Asia Chronical, Jänner 1985, 96. Zit. in: ODZER, Patpong Sisters, 201.

[298] Diese Kinder verschwinden auch in Fabriken, wobei das Thailändische Arbeitsministerium die Zahl der Firmen, die allein in Bangkok Minderjährige beschäftigen, mit 3000 beziffert. Bei durchschnittlich 50 Kindern pro Fabrik ergibt das 150.000 schulpflichtige Jugendliche. Vgl. NEHBERG, Survival, 249.

[299] Vgl. Carsten, Kinder in Not, Universität Koblenz, Web.

[300] O'GRADY, Ron: Die Vergewaltigung der Wehrlosen, 1994. Zit. in SUCHANEK, Ausgebucht, 50.

[301] Vgl. Fernweh, Selbstverpflichtung, Web.

[302] Vgl. SUCHANEK, Ausgebucht, 51 f.

[303] Vgl. ebd., 55 f.

[304] SCHERER, Tourismus, 103.

[305] Vgl. etwa die einseitige Kritik in THIEMANN, Reisende Männer, 91 ff.

[306] Vgl. SCHERER, Tourismus, 104.

[307] Vgl. HANTRAKUL, Sukanya: Prostitution in Thailand. Vortrag, Melbourne, 22.7.1983. Zit. in: ODZER, Patpong Sisters, 245.

[308] Wert für 1986. Vgl. INBARAJ, Sonny: Great Expectations That End in Misery. In: The Nation, Bangkok, 21.6.1988, 31. Zit. in ebd., 81.

[309] Vgl. PHONGPAICHIT, Pasuk: From Peasant Girls to Bangkok Masseuses. Genf 1982, 23 f.. Zit. in ebd., 183.

[310] Vgl. ebd., 225.

[311] Vgl. Katins, Sexkundschaft, Web; ähnlich auch Lim, Wirtschaftliche Gründe, Web.

[312] Zit. in SCHERER, Tourismus, 105.

[313] Vgl. HENNIG, Reiselust, 69.

[314] Vgl. etwa GTZ/TÖB (Hrsg.): Nachhaltiger Tourismus und Entwicklungszusammenarbeit. Eschborn, 1997.

[315] Zit. in MIERSCH, Elefant, Web.

[316] Vgl. Baumgartner, Ökotourismus, Web.

[317] Vgl. Steck u.a., Tourismus, 23.

[318] Vgl. GOE, Photographs, 13.

[319] Vgl. WEAVER, D. B.: Ecotourism In The Less Developed World. 1998. Hinw. in SUCHANEK, Ausgebucht, 65.

[320] Vgl. TIES, Ecotourism statistical fact sheet 1998, Web.

[321] Vgl. ebd.

[322] Vgl. ECOTRAVEL, Adventurous Journey Towards Sustainability, Web.

[323] Vgl. TIES, Ecotourism statistical fact sheet 1998, Web.

[324] Vgl. Baumgartner, Ökotourismus, Web.

[325] Vgl. SUCHANEK, Ausgebucht, 73.

[326] Vgl. SCHERER, Tourismus, 74.

[327] Vgl. ECOTRAVEL. The Adventurous Journey Towards Sustainability. Web.

[328] 1993 wurden 278.000 t an Nahrungsmitteln eingeführt. Vgl. THIBAUT, Kenya, 418 f.

[329] Vgl. ECOTRAVEL, The Adventurous Journey Towards Sustainability, Web.

[330] Vgl. KRUG, Wolf: Wildtierbewirtschaftung und Biodiversivitätsschutz im südlichen Afrika. Geographische Rundschau, Heft 5, 1999. Zit. in: SUCHANEK, Ausgebucht, 71.

[331] Vgl., Eco-Source, Statistics, Web.

[332] Vgl. ROE u.a., Photographs, 36.

[333] Vgl. BOURGEOT, Touaregs, 417 f.

[334] Vgl. SCHERER, Tourismus, 70.

[335] SUCHANEK, Ausgebucht, 86 f.

[336] Vgl. Olenaingisa, Wenn Tourismus die Kultur zerstört, Web.

[337] Zit. von Suter, Urvölker im Würgegriff der Tourismusindustrie, Web.

[338] Vgl. kievelitz, Ethno-Tourismus, 29 ff.

[339] Vgl. Rotpart, Alternativtourismus, 73 f.

[340] Ebd., 74.

[341] Siehe dazu Kap. II/4.3. zu soziokulturellen Problemen durch Tourismus

[342] Rotpart, Alternativtourismus, 74.

[343] Vgl. Canestrini, Ethnic tourism, Web.

[344] So begegnete ich 1999 im abgelegenen Tuareg-Dorf Timia zwei Argentiniern, die - nur in Begleitung eines lokalen Dolmetschers - von der Stadt Agadez auf öffentlichen Lkws durch die Ténéré zur Salzoase Fachi fuhren, wo sie sich einer traditionellen Salzkarawane zurück in die Aïr-Berge anschlossen. Dabei litten sie - gleich wie die Karawanier - an Hunger, Durst und Müdigkeit und waren dem gleichen Risiko ausgesetzt, wie die Tuaregs der Karawane.

[345] Vgl. HENRY, Touaregs, 265 f.

[346] Vgl. SPITTLER, Hirtenarbeit, 55 ff.

[347] SUCHANEK, Ausgebucht, 14.

[348] Ebd., 88.

[349] Vgl. AKT&E, Tourismus, Dossier.

[350] Suter, Urvölker im Würgegriff der Tourismusindustrie, Web.

[351] Vgl. insb. FUNGER, Oswald Iten: Ein Nuba-Dorf wird ruiniert. Frankfurt/Main, Berlin, Wien 1983.

[352] Vgl. ADLER, Die Sanften, 14.

[353] Zit. in SUCHANEK, Ausgebucht, 15.

[354] Vgl. Matzken/McIntyre, One UK Tour Operator's experience, Web.

[355] Vgl. SCHMID, Hausordnung für Paradies-Besucher, mosquito Nr. 1/ 2.1997, S. 28 - 29.

[356] Vgl. etwa die aktuelle Kampagne für die Massai in Gesellschaft für bedrohte Völker, Maasai, Web.

[357] Vgl. Bogenreiter Hans: Die Touristen kommen und bam! wir sind tot. Zum Thema Nr.8, 05.09.1997, Web.

[358] Vgl. AKT&E, Tourismus, Dossier.

[359] Vgl. Gretzmacher, An den Schaltstellen müssen verantwortungsbewusste 'Guides' agieren, Web.

[360] Vgl. FRIEDL, Agadez-Tourismus, 2000, S. 18. Detailliert wird auf dieses Problem in der geplanten Dissertation über "Nachhaltiger Tourismus als Entwicklungsperspektive der Tuareg der Region Agadez/Air"

[361] Vgl. DECOUDRAS, Stage de Formation de Guides, 45 f.

[362] Vgl. Bericht des deutschen Bundesministeriums für Zusammenarbeit, 1995. Zit. von SUCHANEK, Ausgebucht, 14.

[363] Vgl. Joynson, Unit 12: Responsible Tourism, Web.

[364] Vgl. Bericht des deutschen Bundesministeriums für Zusammenarbeit, 1995. Zit. von SUCHANEK, Ausgebucht, 14.

[365] Details dazu siehe im folgenden Kapitel.

[366] SUCHANEK, Ausgebucht, 70.

[367] Vgl. o.A., Streit um Ursachen der Großfeuer, Die Presse, 18.8.2000, Web.

[368] Zit. in: HAMMELEHLE, Tourismus, 41.

[369] LUGER, Kulturen, 24.

[370] Vgl. KRAMER, Tourismus, 157.

[371] Vgl. PROSSER, Tourism, 383.

[372] Vgl. GHIMIRE, Tourism, 9.

[373] Vgl. HASSLACHER, Regionalpolitik, AVJb 1981, 170.

[374] Vgl. BUTLER, concept, Canadian Geographer Jg. 24 Nr. 1/1980, 5 ff.

[375] GEISHÜTTNER, Tourismus, 13.

[376] GHIMIRE, Tourism, 3.

[377] GEISHÜTTNER, Tourismus, 13.

[378] "Carrying capacity" definiert PROSSER als "that level of tourist presence which creates impacts on the host community, environment end economy that are acceptable to both tourists and hosts, sustainable over future time periods." PROSSER, Tourism, 383.

[379] Vgl. OPASCHOWSKI, Ökologie, 116f.

[380] Vgl. PROSSER, Tourism, 383 f. Welche Dimensionen solche Kapazitätsüberschreitungen erreichen können, zeigt sich am Beispiel von Florenz, eine der weltweit meistbesuchten Destinationen: Während der Hochsaison 1995 empfing die alte, enggassige Stadt täglich 50.000 Besucher und 500 Touristenbusse. Vgl. ebd., 392.

[381] So wurden etwa den Verantwortlichen für die Erstellung eines Tourismus-Masterplans für Buthan offiziell bewusst manipulierte Bevölkerungszahlen genannt. Vgl. FALCH, Masterpläne, Vortrag.

[382] Vgl. Pils, Vorbereitung der CSD-Konferenz 1999, Web.

[383] Vgl. Naturfreunde Internationale, Tourismus und Nachhaltigkeit, Web.

[384] HENNIG, Reiselust, 103.

[385] Vgl. Joynson, Unit 7, Web.

[386] Vgl. NOHLEN/HILLEBRANDS, Club of Rome, 154.

[387] Vgl. MEADOWS, D.: Die Grenzen des Wachstums. Stuttgart 1972.

[388] Vgl. PETERMANN, Folgen Bd. 2, 44.

[389] Vgl. GEISHÜTTNER, Tourismus, 8.

[390] Vgl. HOPFENBECK, Tourismusmanagement, 75 f, bzw. SMERAL, Entrance Fee, 144.

[391] Vgl. Joynson, Unit 7, Web.

[392] KRIPPENDORF, Landschaftsfresser, 53.

[393] Vgl. PETERMANN, Folgen Bd. 2, 59.

[394] HENNIG, Reiselust, 114.

[395] Vgl. MEZZANSALMA, Öko-Management, 42 f.

[396] Vgl. GEISHÜTTNER, Tourismus, 13.

[397] Vgl. Naturfreunde Internationale, Tourismus und Nachhaltigkeit, Web.

[398] Vgl. Wisler, Tourismus in Entwicklungsländern, Web.

[399] EU Generaldirektorat XXIII: Facts and Figures on the Europeans on Holiday 1997-1998. A Eurobarometer survey carried out on behalf of the European Commission. Brüssel 1998. Zit. in: OBERMAIR, Trends, 93.

[400] Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes, Fakten und Zahlen, Web.

[401] Vgl. Naturfreunde Internationale, Tourismus und Nachhaltigkeit, Web.

[402] Lufthansa-Umweltbericht 1997/98. Zit. in SUCHANEK, Ausgebucht, 98.

[403] Vgl. MIERSCH, Elefant, Web.

[404] The Ecotourist Society, Air Transport and the Environment, Web.

[405] Intergovernmental Panel on Climat Change: Special Report. The Regional Impacts of Climat Change: An Assesment of Vulnerability. Summery for Policymakers. Cambridge 1997. Zit. in Suchanek, Ausgebucht, 98.

[406] Ders.: Aviation and the Global Atmosphere. Cambridge 1999. Zit. in SUCHANEK, Ausgebucht, 99.

[407] Vgl. ebd., 97 f.

[408] Vgl. Tourism concern, Statistics, Web.

[409] Vgl. SUCHANEK, Ausgebucht, 105 f.

[410] Vgl. BRÄNDLE, Standard, 24./25. 6. 2000, 25.

[411] Vgl. HAMMELEHLE, Tourismus, 43.

[412] Vgl. BAUMANN, Benzinpreis, Kleine Zeitung, 20. 9. 2000, 7.

[413] Vgl. Mueller, Kerosinsteuer - ja, aber... , TW 14/1999, S. 8, Web.

[414] Vgl. Poth, Faszination Reisegeschäft, Web.

[415] Den EU-Staaten würden dadurch Steuergewinne i.d.H.v. 8 Mrd. Euro zukommen. Vgl. Naturfreunde Internationale, Rote Karte, Web.

[416] JOHN, totale Automobilmachung, 11.

[417] Vgl. ebd., 10.

[418] Vgl. VESTER, Crashtest, 162 f.

[419] KRIPPENDORF, Tagträume, 113.

[420] Naturfreunde Internationale, Tourismus und Nachhaltigkeit, Web.

[421] Vgl. DECKSTEIN/HORNIG, Platz am Pool, Spiegel 28/2000, Web.

[422] Diesen Pessimismus indiziert etwa der Mißerfolg des EU-weiten "autofreien Tages", der von der österreichischen Bevölkerung überwiegend ignoriert wurde. Vgl. o.A., "Autofreier Tag", Der Standard, Web.

[423] Diese für die österreichische Bevölkerung durch Umweltschäden, Unfälle und Staus verursachten Kosten werden auf zweistellige Milliardenziffern geschätzt. Vgl. JOHN, totale Automobilmachung, 11.

[424] POMPL, Megatrends, 130.

[425] Vgl. o.A., Panik an den Ölmärkten, Die Presse, 22.

[426] Vgl. PRÜLLER, Haßobjekt Ölpreis, Die Presse, 2.

[427] Vgl. OBERMAIR in: KNOFLACHER/OBERMAIR, pro & kontra, Kleine Zeitung, 6.

[428] Vgl. PETERMANN, Folgen Bd. 2, 41.

[429] Vgl. SUCHANEK, Ausgebucht, 102 f.

[430] HENNIG, Reiselust, 123.

[431] Vgl. PETERMANN, Folgen Bd. 2, 59.

[432] Vgl. HENNIG, Reiselust, 115.

[433] Vgl. Naturfreunde Internationale, Tourismus und Nachhaltigkeit, Web.

[434] Vgl. POSTEL, Neue Wege, 104 f.;

[435] Vgl. FISSENI, Wasser, 804.

[436] Vgl. JÄGGI, Tourismus, 64 f.

[437] Vgl. ebd., 149.

[438] Vgl. ebd., 114.

[439] Vgl. ebd. 145 f.

[440] Vgl. ebd. 162.

[441] Vgl. MARR, Optimierung, 88.

[442] Vgl. JÄGGI, Douz, 149.

[443] Vgl. Wisler, Tourismus in Entwicklungsländern, Web, S. 18.

[444] Vgl. MARR, Optimierung, 88 f.

[445] Vgl. HAMMELEHLE, Tourismus, 42.

[446] Zit. in: HAMMELEHLE, Tourismus, 41.

[447] Allerdings verfügt auch einer der führenden Anbieter im Bereich des Ökotourismus, Australien, selbst in den Nationalparks über kein Abfallmanagement. Sogar Sondermüll wie Batterien müssen Besucher wieder nach Hause mitnehmen oder über den Gesamtmüll entsorgen, wie ich auf meiner Australienreise im November 2000 feststellen mußte.

[448] Vgl. KIRCHNER, Entwicklungschance, Web.

[449] Gesellschaft für ökologische Zusammenarbeit Alpen-Himalaya: http://www.ecohimal.or.at.

[450] Vgl. Tüting, 56.000 leere Flaschen, Web.

[451] Vgl. GOETHE, Schrumpfende Ferne, Web.

[452] Vgl. MARR, Optimierung, 89.

[453] Vgl. Commonwealth-Report: A future for Small States: Overcoming Vulnerability. Edinburgh 1998. Zit. in SUCHANEK, Ausgebucht, 19.

[454] Vgl. GHIMIRE, Emerging Mass Tourism, 7.

[455] Vgl. PROSSER, Tourism, 398.

[456] Vgl. HENNIG, Reiselust, 114.

Details

Seiten
349
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638178846
ISBN (Buch)
9783638835848
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11834
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Philosophie
Note
Schlagworte
Paradies Gewissen Ethische Grundlagen Ferntourismus Ethik

Autor

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Titel: Umwelt- und sozialverträglicher Ferntourismus. Ethische Grundlagen