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Probleme der Backsteinbaukunst im 19.Jh.

Hausarbeit 2000 14 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Der künstliche Stein
2.1 Der künstliche Stein in Form und Größe
2.2 Der künstliche Stein im Mauerverband

3 Ein Blick auf Berlin des 19Jahrhunderts
3.1 Wiederbelebung der „mittelalterlichen“ Bautradition
3.2 Die Probleme bei der Herstellung der Backsteine

4 Ein Zeitzeugenbericht über den Zustand der Backsteinbauten in Berlin im 19Jahrhundert.

4.1 Die Folgen der schlechten Ziegelherstellung
4.2 Die Folgen der Eigenschaften des Mörtels
4.3 Die Folgen der schlechten Isolierung von unten und oben

5 Schlusswort.

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Wenn man vor einer jahrhundertealten Kirche steht, deren Bild vielleicht auch noch von hohen Glockentürmen geprägt ist, wundert man sich allzu oft, wie diese Kirche den Witterungen in all den Jahren standhalten konnte. Genauso überrascht ist man, wenn man bei einem sehr jungen Gebäude schon einen Zerfall feststellen kann, der ohne Vergleich ist. Und in Anbetracht der Tatsache, dass die Mauer die Basis eines jeden Gebäudes darstellt, ist es für die Kunstgeschichte und insbesondere für die Denkmalpflege wichtig, auch diesem Gegenstand Beachtung zu schenken.

Eine Mauer kann aus natürlichen oder künstlichen Steinen hergestellt werden. Künstliche Steine sind aus einer plastischen Erdart geformt. Dabei unterscheidet man zwischen solchen Steinen, die an der Sonne getrocknet und dann Lehm- oder Luftsteine genannt werden und solchen, die im Feuer gebrannt werden, den so genannten Back- oder Ziegelsteinen. Außerdem bezeichnet man allgemein als Kunststeine solche, deren Materialien bei der Herstellung eine besondere Erhärtungsfähigkeit aufweisen, beispielsweise die Schlackensteine, Zementbetonsteine oder die Kunstsandsteine.[1]

Einleitend sollen die wichtigsten Begriffe, die den künstlichen Stein betreffen, aufgeführt werden. Das Augenmerk ist allerdings vornehmlich auf den Back- bzw. Ziegelstein gerichtet, da diese Hausarbeit im Zusammenhang mit dem Thema ‚Backsteinbauten des 19. Jahrhunderts‘ steht. Deshalb soll des Weiteren im Hauptteil dieser Abhandlung zum einen die Schwierigkeiten bei der Ziegelherstellung beschrieben, zum anderen die Probleme für den Erhalt eines Ziegelrohbaus, die bei unsachgemäßer Herstellung entstehen können, beleuchtet werden. Dabei wird Berlin des 19. Jahrhunderts als Beispiel herangezogen, doch kann man davon ausgehen, dass die Schwierigkeiten zu der Zeit in anderen Städten in ähnlichem Maße vorherrschten.

2 Der künstliche Stein

2.1 Der künstliche Stein in Form und Größe

Für gewöhnlich gleicht der Stein einem Quader, es sei denn, dass der Stein für einen bestimmten Zweck eine andere Form erhält. Dann wird er Formziegel genannt.[2]

Der Zwischenraum zweier Steine, der mit einem Bindemittel, dem so genannten Mörtel gefüllt wird, trägt die Bezeichnung Fuge. Es wird dabei zwischen Stoß- und Lagerfuge unterschieden. Die erste ist zwischen zwei nebeneinander liegenden Steinen zu orten, die zweite stellt den Raum zwischen zwei aufeinander liegenden Schichten dar.[3]

In der Regel ist die Längsseite eines Steines so lang wie zwei Breitseiten und der dazwischen liegenden Stoßfuge. Wie dick der Stein ist, ist weitgehend gleichgültig, allerdings muss sich der Stein noch gut durchbrennen lassen. Deshalb war es zumindest im Deutschen Reich[4] üblich, dass ein Stein eine Dicke von 6,5 cm erhielt. Das Standardformat zu der Zeit betrug 25´12´6,5 cm (Länge´Breite´Höhe).[5] Dieses Maß entspricht dem bereits erwähnten Verhältnis der Seiten zueinander, wenn man von einer Stoßfuge von 10 mm ausgeht. Die Lagerfuge hatte dagegen sogar eine Stärke von 12 mm. Damit verschaffte man sich den Vorzug einer einfacheren Materialberechnung, denn somit kamen auf einen Meter Mauerwerk 13 Schichten Backsteine.[6]

Es ist einfach einzusehen, dass ganze Steine zum Mauern nicht ausreichen, sondern auch Teilstücke benötigt werden. Beispiele dafür sind der Dreiquartier und der Längsquartier. Beim Dreiquartier oder auch Dreiviertelstein ist die Länge auf Dreiviertel reduziert, die Breite wurde beibehalten. An diesem Beispiel wird schon das Prinzip der Benennung deutlich. Der Name bezeichnet genau das, was von der Länge eines ganzen Steins „noch übrig“ ist. Der Längsquartier stellt im gewissen Maße eine Ausnahme dar: Hier besitzt der Stein noch seine volle Länge, aber nur noch die halbe Breite. Dieses Stück wird auch Riemchen, Riemenstein oder Kopfstück genannt.[7]

2.2 Der künstliche Stein im Mauerverband

Bei der Konstruktion einer Mauer ist vor allem auf die Beschaffenheit des zu verwendenden Materials zu achten. Da Steine eine höhere Druckfestigkeit als Zug- und Biegungsfestigkeit besitzen, sollte diese Eigenschaft besonders genutzt werden. Deshalb wird bei der Lagerung darauf geachtet, dass die Steine möglichst mit der vollen Seite aufliegen. Im besten Fall sind die Flächen gänzlich eben, was aber nur bei Werksteinen[8] erreicht werden kann. Aus diesem Grund wird für den Zwischenraum der Steine der so genannte Mörtel benutzt, der die Unebenheiten der Fläche korrigiert und damit die Aufgabe der Druckübertragung erhält. Der Mörtel ist außerdem deshalb so interessant, weil er sich allmählich mit den Steinen zu einer Einheit verbindet.[9]

Nachteilig ist allerdings, dass dieser Vorgang nur langsam vonstatten geht. Damit aber das Mauerwerk von vornherein eine gewisse Standhaftigkeit erhält, ist zusätzlich auf Folgendes zu achten: Die Steine müssen so aneinander und aufeinander geschichtet werden, dass eine Stoßfuge von einem Stein der Schicht darüber und einem darunter bedeckt wird. Für den Mauerverband gibt es ganz bestimmte Regeln[10], die eingehalten werden müssen. Da auf jeden Fall die Steine verschieden gesetzt werden müssen, unterscheidet man zusätzlich die Steine nach ihrer Lage im Verband. Ist die Längsseite eines Steines sichtbar, dann wird dieser Stein Läufer genannt und eine Schicht, die nur aus solchen Steinen besteht, Läuferschicht. Ist dagegen die Breitseite zu sehen, dann spricht man von einem Binder oder Strecker und dementsprechend von einer Binder- oder auch Streckerschicht. Sind die Steine hochkant gelagert, so entsteht eine Rollschicht; der einzelne Stein wird als Roller bezeichnet. Außerdem gibt es noch Schichten in Strom- oder Kreuzlage, bei denen keine Steinfläche eben aufliegt.[11]

Zuletzt bleibt in diesem Zusammenhang noch die Mauerstärke zu erwähnen. Diese richtet sich nach dem Vielfachen einer Steinbreite. Das hat den Vorteil, daß kein unnötiger Verhau entsteht. „Man spricht demgemäß von ½ Stein, 1 Stein, 1 ½ Stein u. s. w. starken Mauern.“[12]

[...]


[1] Vgl. Warth, O.: Die Konstruktionen in Stein. 7., verbesserte und erweiterte Auflage, Stuttgart 1903, S.3f..

[2] Vgl. Wasmuths Lexikon der Baukunst. Stichwort: Ziegel, Berlin 1932, S. 743.

[3] Vgl. Breymann, G. A.: Allgemeine Baukonstruktionslehre. 1. Teil: Konstruktionen in Stein, 4., gänzlich umgearbeitete Auflage, Stuttgart 1868, S. 5f..

[4] Der Autorin liegen keine aktuellen Maße vor, so dass sie sich ausdrücklich nur auf diese stützt.

[5] Es waren auch andere Formate üblich, die von dem Deutschen Reichsformat erheblich abwichen. Um einen Eindruck zu bekommen, seien hier Formate von Bayern und Kiel aufgeführt: Bayern: 32 bis 34´16 bis 16,2´6 bis 6,7 cm und Kiel: 22´10,5´5,5 cm. Vgl. Wasmuth 1932, S. 743.

[6] Vgl. Warth 1903, S. 4.

[7] Vgl. ebd., S. 4.

[8] Werksteine sind Natursteine, die zu einer bestimmten Form zugehauen wurden. Vgl. Breymann 1868, S. 5.

[9] Vgl. Warth 1903, S. 3.

[10] Näheres dazu vgl. ebd., S. 5ff..

[11] Vgl. ebd., S. 4f..

[12] Ebd., S. 4.

Details

Seiten
14
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638178754
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11820
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Kunstgeschichte
Note
sehr gut (1,0)
Schlagworte
Backstein Baukunst Rheinland-Pfalz 19.Jahrhundert

Autor

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Titel: Probleme der Backsteinbaukunst im 19.Jh.