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Wohnen im Alter

Eine Auflistung der Wohnformen im Kontext der sozialen Lebensqualität

Seminararbeit 2008 13 Seiten

Soziologie - Alter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Was ist das „Alter“?

2 Was ist Wohnen?
2.1 Wohnbedürfnisse alter Menschen
2.2 Wohnbedarfe alter Menschen

3 Wohnformen / Wohnsituation alter Menschen
3.1 Wohnen im Privathaushalt
3.2 Betreutes Wohnen
3.3 Institutionelles Wohnen
3.4 Alternative Wohnformen
3.4.1 Integriertes Wohnen
3.4.2 Mehrgenerationenwohnen
3.4.3 Gemeinschaftliches Wohnen

4 Eigene Stellungnahme

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Wohnst du noch oder lebst du schon?“ Dieser Werbeslogan eines schwedischen Möbeldiscounters zeigt mit wenigen Worten, dass Wohnen mehr ist als einen möblierten Raum zu besitzen. Vielmehr handelt es sich um ein Stück Lebensqualität, das wir nicht nur durch die Befüllung der Wohnung mit Möbelstücken herzustellen versuchen; wichtiger ist es uns, diesen Raum mit Leben zu füllen, auf individuelle Art und Weise, die auch unser eigenes Leben ausmacht.

Soziale Kontakte sind Mittelpunkt unseres Lebens, ob wir sie nun in unserer Wohnung wahrnehmen oder uns mit Familie oder Freunden an einem anderen Ort treffen.

Wie sieht es nun aus, wenn die Mobilität nachlässt? Wenn mit zunehmendem Alter nur noch die Möglichkeit bleibt, soziale Kontakte dadurch aufrecht zu erhalten, wenn sie in unserer Wohnung stattfindet? Und wie bleiben alte Menschen in Kontakt, wenn sie ihre Wohnung altersbedingt nicht mehr oder nur mit Unterstützung bewohnen können? Gibt es ein soziales Engagement in Altenheimen und wie sieht es aus?

Welche Wohnformen im Alter gibt es und wie beeinflussen sie die Lebensqualität und Selbstbestimmung?

Beginnend mit einer Definition betreffend des Altersbegriffes und einer Standortbestimmung des Wohnbegriffes stelle ich unterschiedliche Wohnformen vor und bearbeite im folgenden Text die unterschiedlichen Möglichkeiten, die diese Wohnformen in Bezug auf den Erhalt sozialer Kontaktmöglichkeiten, Selbstbestimmung und Selbständigkeit älterer Menschen haben. Dabei erläutere ich sowohl die bereits bestehenden Wohnformen wie auch den Trend zu Alternativen, die aktuell durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Fünften Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland 2006 aufgegriffen werden. Im Zuge des „Beitrags älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen“ (BMFSFJ 2006, S.1) ist Wohnraumförderung ein aktuelles Thema, mit dem die Politik versucht, möglichst viele ältere Menschen außerhalb einer Institution wie dem Altenheim zu unterstützen.

1 Was ist das „Alter“?

Der Lebenslauf jedes Menschen beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Die Lebensphase „Alter“ endet mit dem Tod, doch ist ihr Beginn zeitlich nicht eindeutig festzulegen. War bis in die siebziger Jahre der Eintritt ins Rentenalter ein klarer Hinweis darauf, dass nun das Alter beginnt, so lässt sich dieser Zeitpunkt aufgrund verschiedener Faktoren nicht mehr genau festlegen. Vorruhestand, Erwerbslosigkeit älterer Arbeitnehmer und Berufsunfähigkeit sind mögliche Gründe, die das Renteneintrittsalter im Durchschnitt auf unter 60 Jahre senken (vgl. Backes 1998, S. 23).

Mit Beginn des Rentenalters sind zudem immer mehr RentnerInnen nicht bereit, sich selbst als „alt“ zu bezeichnen, Backes beispielsweise spricht von einer „Verjüngung des Alters“ (Backes 1998, S. 23).

Für Laslett steht das „Dritte Alter“ für Menschen, die – oft erst nach dem Eintritt in den Ruhestand – ihre „ausschließlich persönlichen Ziele verwirklichen“ (Laslett 1995, S. 277). Da diese Lebensphase sehr lange andauern kann, fügt Laslett neben einem „Dritten Alter“ ein „Viertes Alter“ hinzu. Dieses kann fünf bis fünfzehn Jahre beginnen, nachdem das Dritte Alter begonnen hat und geht mit Abhängigkeit und Altersschwäche einher (vgl. Laslett 1995, S. 277f). Da viele Menschen im zeitlich unbegrenzten „Dritten Alter“ versterben, muss nicht zwangsläufig ein Eintritt in das „Vierte Alter“ stattfinden (vgl. Laslett 1995, S. 278).

Alterstadien sind jedoch nicht nur chronologisch zu betrachten, sondern auch nach noch „vorhandenen Fähigkeiten in körperlichen, psychischen, sozialen und gesellschaftlichen Funktionsbereichen“ (Backes 1998, S. 24). Da der Mensch in jeder Funktion unterschiedlich schnell altert, entsteht eine Vielfalt von Alterungsprozessen, die nur differenziert als Teilphasen im Alter dargestellt werden können (vgl. Backes 1998, S. 24).

Mit dieser Vielfalt gehen auch die Bedürfnisse einher, die ein alter Mensch in Bezug auf seine Wohngestaltung an den Tag legt.

2 Was ist Wohnen?

„ In diesem Sinne ist die Wohnung eine Schöpfung ihres Besitzers und zugleich mehr als das: ´Dies und nichts anderes ist in seinem eigentlichen Sinne das Heim: Eine Projektion des Ichs, und die Einrichtung ist nichts anderes als eine indirekte kultische Form des Ichs´. (…) ´Der Raum wird ein Museum der Seele, ein Archiv ihrer Erfahrungen, sie liest darin von neuem ihre Geschichte´.“ (Becher 1990, S. 109)

Die Architektur und die Soziologie betrachten das Wohnen von unterschiedlichen Standpunkten aus; der Architekt hinterfragt Grundrissorganisation, Möblierung und Ästhetik während der Soziologe sich für die Lebensweise in eben diesen vorgegebenen physischen Gegebenheiten interessiert. Diese beiden Perspektiven werden zusammengefügt als eine von Häußermann und Siebel bezeichnete: „räumlich organisierte Lebensweise“ (Häußermann u. Siebel 1996, S. 11).

Im Laufe der Epochen haben sich unterschiedliche Wohnweisen herausgebildet. Die Besonderheiten der Wohnweise im 20. Jahrhundert lassen sich in vier Merkmalen festhalten:

- Funktionalität: Ort der Trennung von Wohnen und beruflicher Arbeit
- Soziale Einheit: Wohnung ist Ort der Zweigenerationenfamilie
- Sozialpsychologisch: Ort der Privatheit und Intimität, Ausschluss der Öffentlichkeit
- Individuelle Aneignung: Durch Kauf oder Miete

(vgl. Häußermann u. Siebel 1996, S. 15)

2.1 Wohnbedürfnisse alter Menschen

Wohnbedürfnisse beziehen sich auf menschliche Grundbedürfnisse wie z. B. Schutz, Sicherheit, Geborgenheit, Beständigkeit, Vertrautheit, Verfügung und Selbstentfaltung sowie Selbstverwirklichung. Sie gehen einher mit der Erfüllung der Wohnfunktion (vgl. Lenz, Rudolph, Sickendiek 1999, S. 249).

Wohnbedürfnisse alter Menschen beziehen sich hauptsächlich auf Sicherheit, Unabhängigkeit und Selbständigkeit, Kontakte und Kommunikation sowie Beschäftigung, Aufgaben und Verantwortung.

Das Sicherheitsbedürfnis, bezogen auf materielle und medizinische Versorgung, sowie das Unabhängigkeits- und Selbständigkeitsbedürfnis, bezogen auf Bewältigung des Haushaltes und der persönlichen Versorgung, werden befriedigt, wobei die Bewältigung des eigenen Haushaltes als zentraler Wunsch der meisten alten Menschen mit zunehmendem Alter auch immer mehr zunimmt (vgl. Lenz, Rudolph, Sickendiek 1999, S. 252).

Die Nicht - Erfüllung weiterer Bedürfnisse hat das Gefühl der Isolation und des Nicht-Gebraucht-Werdens zur Folge, die Lebensqualität wird subjektiv als defizitär empfunden. Dabei sollten vorhandene Fähigkeiten und Kompetenzen innerhalb des familiären und sozialen Umfeldes gefördert werden, um den Alterungsprozessen entgegen zu wirken (vgl. Lenz, Rudolph, Sickendiek 1999, S. 252).

2.2 Wohnbedarfe alter Menschen

Um den Wohnbedarf zu decken, müssen gestellte Forderungen, der sog. Wohnanspruch, an die Wohnung selbst erfüllt werden. Hierbei handelt es sich z. B. um Einrichtungsgegenstände, Installationen, Heizsystem, wobei sowohl Quantität als auch Qualität eine Rolle spielen. Wird der geforderte Anspruch erfüllt, kann Bedürfnisbefriedigung eintreten. Der Wohnbedarf ist keine konstante Größe, er verändert sich mit dem Anspruchsteller. Der Lebenslauf und die Veränderungen der Lebensbedingungen mit fortschreitendem Alter bestimmen den aktuellen Wohnbedarf (vgl. Lenz, Rudolph, Sickendiek 1999, S. 249).

3 Wohnformen / Wohnsituation alter Menschen

Die unten aufgeführte Tabelle, zu finden im Zweiten Altenbericht/Wohnen im Alter des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von 1998 zeigt die Aufteilung alter Menschen ab 65 Jahren in die bisher existierenden Wohnformen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. BMFSFJ 1998, S. 94)

Wie die Tabelle zeigt, leben 1998 93% der älteren Bevölkerung in normalen Wohnungen. Die bedeutsamste der Sonderwohnformen ist hier das Pflegeheim, das mit 3,0% über die Hälfte der Heimangebote in Anspruch nimmt (vgl. BMFSFJ 1998, S. 94).

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Details

Seiten
13
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640212903
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118150
Institution / Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz
Note
2,0
Schlagworte
Wohnen Alter Vorlesung Grundlagen Soziologie

Autor

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Titel: Wohnen im Alter