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Überblick über die gesellschaftliche Stellung der muslimischen Frau

Wie veränderte sich der Status der Frau im Laufe der Zeit und in Bezug auf die Einwanderung muslimischer Bürger in die BRD?

Hausarbeit 2006 22 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Allgemeine Informationen zum Islam

3. Die Stellung der Frau im Koran

4. Die traditionelle Stellung der Frau im Islam
a) Gesellschaftliche Position und Aufgabe der Frau
b) Die Ehe - und das weibliche Sexualitätsbild als Erklärungsansatz
c) Paradoxe Verfassungen

5. Kemal Atatürk, das Kopftuch und die moderne Frau
a) Reformversuche durch Kemal Atatürk
b) Das Bild der „modernen muslimischen Frau“

6. Muslime in Deutschland

7. Position der muslimischen Frauen in Deutschland
a) Gesellschaftliche Partizipation muslimischer Frauen
b ) Heiratsverhalten und Gemeinschaftsverständnis

8. Schlusswort

9. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die deutschen Medien beschäftigen sich schon seit längerer Zeit, besonders intensiv seit den Anschlägen in Amerika und der Debatte um den Beitritt der Türkei in die EU, mit den in Deutschland lebenden Muslimen. Die darin auftretenden Themen – Kopftuchstreit, Leitkultur, Schächtung, oder Zwangsehe – sind immer wieder Reizthemen und stellen die eigene Gesellschaft und ihren Umgang mit ausländischen Mitbürgern auf die Probe. Die der eigenen Kultur fremden Anschauungen und Lebensweisen bilden dabei den Streitpunkt, wenn es um Integrationsfragen geht.

Es stellt sich immer wieder heraus, dass die Deutschen sehr wenig über den Islam als Lebensmittelpunkt vieler Migranten wissen. Auch die Position der Frau in der muslimischen Gesellschaft ist ein Thema, das viel Raum für Interpretationen lässt. Erscheint aus westlichen Augen die verhüllte Frau schnell als rechtloses, unterdrücktes Wesen, muss man sich fragen, inwiefern eine Einschätzung von Außen möglich ist? Wie selbstbewusst und eigenständig darf eine Muslimin leben? Nach welchen Regeln muss sie sich richten? Welches Verhalten bestimmt die Tradition, Gewohnheit oder Religion und warum?

Frauen haben in der Geschichte des Islams schon immer eine bedeutende Rolle gespielt. Es heißt, der erste Mensch, der den Islam annahm, sei eine Frau gewesen: „Khadidscha“, die erste Frau des Propheten Mohammed. Der erste Mensch, der für den Islam gestorben ist, sei ebenfalls eine Frau: „Summaya“. Sie gab unter Folterungen ihr Leben für den Islam hin.

Diese Arbeit nimmt sich zum Ziel, einen Überblick über das traditionelle Bild einer muslimischen Frau bis hin zu ihrer gegenwärtigen gesellschaftlichen Stellung zu geben. Gerade der Aspekt des neuen modernen Frauenbildes und die Einbürgerung muslimischer Migranten in die BRD sollen im Folgenden im Mittelpunkt stehen. Bei der Sichtung der Literatur und der genauen Themenfestlegung ist schnell aufgefallen, wie umfangreich dieses Thema ist. Deshalb sei angemerkt, dass die vorliegende Seminararbeit nicht den Anspruch hat, alle Facetten, die das Thema der Frau im Islam betreffen, zu berücksichtigen.

2. Allgemeine Informationen zum Islam

Der Begriff „Islam“ steht im wörtlichen Sinne für „Hingabe (an Gott)“ oder auch für „Ergebung (in Gottes Willen)“.[1] Er gilt mit 1,2 Milliarden Anhängern als zweitstärkste Weltreligion nach dem Christentum mit ca. 2 Milliarden Vertretern.[2]

Von ihnen leben mittlerweile 15 Millionen Menschen in Westeuropa.[3] Der Islam ist die jüngste der drei Weltreligionen. Hauptsächlich findet man ihn im Nahen und Mittleren Osten, Asien und Afrika vor, sein geographischer Ursprung liegt in Arabien, einer Halbinsel, die in weiten Teilen aus Sandwüste besteht. Dort stellten Beduinen den größten Bevölkerungsanteil dar.

Der Islam ist nach Mohammed (arab.: der Vielgelobte) ausgerichtet, der sich in den Jahren 610 – 632 zum Propheten berufen fühlte. Mit der Verkündung der Offenbarung in „reiner arabischer Sprache“ rief er alle Menschen zum Glauben an den einzig wahren Gott Allah auf. Er selbst benennt allerdings nicht sich, sondern Gott als den Urheber der Offenbarungen. Seine Nachfolger nannten sich selbst Kalifen. Der Koran ist 15 -20 Jahre nach dem Tod des Mohammed in mündlicher Überlieferung entstanden. Neben der heiligen Schrift gibt es auf dem Gebiet der Menschenrechte noch eine weitere Hauptreferenz, die Sunna.[4] Die Taten, Traditionen und Gesten des Propheten, sind vielmehr implizite oder explizite Auffassungen, die Mohammed zugesprochen und in den Aufzeichnungen, den „Hadiths“ festgehalten wurden.

Die Sharia stellt das islamische Recht dar . Sie ist eine Ansammlung alter Texte, auf die sich der islamische Rechtsgelehrte stützt. Sie gilt weniger als ein Gesetz, als vielmehr „der Weg“, der durch Gott im Koran offenbart und als zu folgen gilt. Man könnte sagen, dass der Islam vor allem die „horizontalen Beziehungen innerhalb einer Gesellschaft kodifiziert“[5], - die Sharia hingegen ist ein Gesellschaftsvertrag zwischen den Menschen. Sie ist wie eine in den Menschen verinnerlichte moralische Verpflichtung, „die nicht der Staat auferlegt, sondern die sich dem Staat auferlegt.“[6]

Im strengen Monotheismus des Islams duldet Gott - Allah - keinen Partner neben sich. Er gilt als Schöpfer aller Wesen und Dinge und besitzt Allmächtigkeit.

„Nichts geschieht ohne seinen Willen. Er ist der Erste, der Letzte, der Ewige, der Unendliche, der Allmächtige, der Allwissende. Er ist der Schöpfer und Erhalter aller Dinge. Er ist der Gerechte, der Allerbarmer, der Gnädige, der Liebende, der Gütige, der Erhabene, Preiswürdige, der Wahrhaftige. Er ist der Inhaber und Besitzer aller vollkommenen Eigenschaften.“[7]

Am jüngsten Tag richtet er die Menschen – Ungläubige erwartet das Höllenfeuer, wohingegen Gläubige ins Paradies mit seinen Paradiesjungfrauen aufgenommen werden.

Heute ist der Islam die vorherrschende Religion im Vorderen Orient, Nordafrika, Pakistan, Irak, Iran und in Indonesien (Quelle 1992). Fast in allen Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung ist der Islam Staatsreligion. Nicht alle Gewohnheiten und kulturellen Prägungen und Eigenschaften der muslimischen Bevölkerung sind automatisch auf den Koran, bzw. auf die Religion, zurückzuführen. Viele Traditionen haben gesellschaftlichen, oder vor-islamischen Ursprung.

Die patriarchalische Struktur prägt die Gesellschaft. Ohne an dieser Stelle detaillierter darauf einzugehen, lässt sich feststellen, dass zumindest von Außen betrachtet, die Frau dem Mann untersteht und Gehorsam schuldet.

3. Die Stellung der Frau im Koran

Der Koran bildet die Hauptgrundlage für das nach dem Tod des Propheten Mohammed weiterentwickelte islamische Recht- und Moralsystem und damit das Fundament aller islamischen Gesellschaften. Möchte man Untersuchungen zur Position der Frau in der islamischen Gesellschaft durchführen, ist es sicherlich unumgänglich zunächst im Koran nach Anhaltspunkten zu suchen. Sind in den Quellen der Religion tatsächlich elementare Benachteiligungen der Frau verankert?

In einem Überblick lässt sich schnell feststellen, dass im Koran die Gleichberechtigung, oder -stellung der Geschlechter große Bedeutung findet – hauptsächlich zur vierten Sure (speziell Vers 34 ff.) existieren eine Vielzahl linguistischer Streitigkeiten, daher sollen die Zeilen an dieser Stelle zitiert werden:

„Männer sollen vor Frauen bevorzugt werden

(weil sie für diese verantwortlich sind),

weil Allah auch die einen vor den anderen mit Vorzügen begabte

und auch weil jene diese erhalten.

Rechtschaffende Frauen sollen gehorsam, treu und verschwiegen sein,

damit auch Allah sie beschütze.

Denjenigen Frauen aber,

von denen ihr fürchtet, daß (sic!) sie euch durch ihr Betragen erzürnen,

gebt Verweise, enthaltet euch ihrer,

sperrt sie in ihre Gemächer und züchtigt sie.

Gehorchen sie euch aber,

dann sucht keine Gelegenheit, gegen sie zu zürnen;

denn Allah ist hoch und erhaben.“[8]

Für den westlichen Leser sprechen diese Zeilen für sich. Sicherlich findet man hier viele Argumente für die Dominanz des Mannes durch den Koran in der von Gott gewollten Schöpfungsordnung.[9] Es scheint nicht verwunderlich, dass Sätze, wie in oben zitierter vierter Sure den Weg zu einer patriarchalischen Gesellschaft und Frauenfeindlichem Benehmen freigeben. Auch Sure 2, Vers 228 wirft Fragen auf. „Die Männer (…) stehen eine Stufe über den Frauen“. Diese vermeintliche Überlegenheit wird von manchen allerdings auch als letzte Entscheidungsgewalt in Bezug auf finanzielle Verpflichtungen den Frauen gegenüber gedeutet.

Schon lange diskutieren traditionelle und moderne Korankommentatoren über die richtige Exegese. Laut Fatema Mernissi ist die Sprache des Korans weit auslegbar – allein die Auslegung der Männer habe sie frauenfeindlich gestaltet. Bei der Koranexegese haben die Männer schon immer das absolute Vorrecht. Im Gegenzug sind aber auch viele Interpretationen darum bemüht, eine Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern darzulegen. Moderne muslimische Autoren sprechen von einer Gleichwertigkeit von Mann und Frau, die aber nicht die gleichen Rechte beinhalte. Ansätze für diese Interpretation sind in Versen, wie „Die gläubigen Männer und Frauen sind Verbündete“ oder „Die Frauen sind die Schwestern der Männer“[10] zu finden. Durch den geschichtlichen Zusammenhang, die Erläuterung der vorislamischen, Männerbeherrschten Gesellschaft soll die Macht der im Koran nicht bestreitbaren Aussagen relativiert werden. So könnte auch im Islam die Tendenz erkannt werden, das gesellschaftliche Los zu verbessern. Doch dazu gibt es wieder eine Reihe von Spekulationen, Überlegungen und vernichtende geschichtliche Beweise. Die eine Seite verweist auf die gesellschaftliche Situation der vorislamischen Zeit, in der die Frau als Eigentum des Mannes betrachtet wurde. Aus dieser Perspektive bedeuten die Worte des Islams ein erstmals gesellschaftlich verankertes Regelwerk zur finanziellen Absicherung und Anerkennung der Frau. Kritiker betonen auf der anderen Seite aber, dass die erste Ehefrau Mohammeds als Kauffrau tätig war – und das widerspräche der erstgenannten Vermutung.

Fest steht jedenfalls, dass Mohammed dem weiblichen Geschlecht im öffentlichen Leben eine herausragende Bedeutung beimaß und sie nicht nur aufgrund ihrer weiblichen Reize schätzte, sondern sie als Ratgeber ansah und in ihrer Persönlichkeit sehr ernst nahm.[11] Gleichfalls heißt es aber auch, dass er von seinen Frauen eine vollständige und dezente Kleidung verlangte, um ihren „Schmuck“ den Blicken anderer Männer zu entziehen und wie auch im Koran verlangt, als „ehrhafte“ Frau in Erscheinung zu treten.[12]

[...]


[1] Vgl. Meyers Taschen Lexikon, 1992, B.I. Taschenbuch-Verlag, Mannheim

[2] Vgl. „Islam“auf der Homepage: Wikipedia – Freie Enzyklopädie, http://de.wikipedia.org/wiki/Islam

[3] Vgl. Kandel, Johannes „Islam und Muslime in Deutschland“, in: „perspektiven des demokratischen sozialismus“ – Zeitschrift für Gesellschaftsanalyse und Reformpolitik (2001). Schüren Verlag. Marburg. (Künftig zitiert: Kandel: Islam in Deutschland)

[4] Delaunoy, Geneviève „Frauen im Islam“ (1996) Generaldirektion Wissenschaft Arbeitsdokument. Europäisches Parlament. Brüssel. S.22 (Künftig zitiert: Delaunoy: Frauen im Islam)

[5] Delaunoy: Frauen im Islam. S.22

[6] Delaunoy: Frauen im Islam. S.25

[7] „Was ist Islam“ auf der allgemeinen Homepage des Islam im Internet; http://www.islam.de/72.php

[8] Pollok, Christine „Kultur Schock Islam“ (1996). Verlag Peter Rump. Bielefeld. S.57 (Künftig zitiert: Pollok: Islam)

[9] Müller, Iris / Raming, Ida „Aufbruch aus männlichen `Gottesordnungen´“ (1998). Deutscher Studien Verlag. Weinheim. (Künftig zitiert: Müller / Raming: Männliche Gottesordnungen)

[10] Delaunoy: Frauen im Islam. S.20

[11] Müller / Raming: Männliche Gottesordnungen

[12] Pollok: Islam

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640201914
ISBN (Buch)
9783640207664
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118012
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Ethnologie
Note
2,0
Schlagworte
Stellung Frau Proseminar Verwandtschaftssysteme“

Autor

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Titel: Überblick über die gesellschaftliche Stellung der muslimischen Frau