Lade Inhalt...

Das Angerkloster in München im Mittelalter

Seminararbeit 2008 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Gliederung

A. Der Anger heute und damals

B. Das Angerkloster in München im Mittelalter
I. Die Ordensstifter
1. Hl. Franz von Assisi
2. Hl. Klara von Assisi
II. Das Kloster in München
III. Der Anger vor den Franziskanern
1. Pilgergeschichtlicher Blickwinkel
a. Hl. Jakobus
b. Pilgerweg
c. Das Patrozinium
2. Missionarischer Blickwinkel
a. Iro-schottische Mission
b. Patrozinium
3. Fazit

C. Ausblick

Literaturverzeichnis

A. Der Anger heute und damals

Im Jahr 2008 feiert die „heimliche“ Hauptstadt München ihren 850. Geburtstag.

Vor allem in der Altstadt wird viel gefeiert und gerade im Zentrum am Marienplatz finden sich oft kleinere oder größere Veranstaltungen, die die Geschichte der Stadt und ihre Entwicklung unterhaltsam aufbereiten.

Schlendert man von dort auf der Suche nach den Spuren der Vergangenheit, über Rindermarkt ins Rosenthal, gelangt man rechts an den Sankt-Jakobs-Platz im Angerviertel.

Dort steht das Theresia-Gerhardinger-Gymnasium, eine Mädchenschule unter der Leitung der Armen Schulschwestern Unserer Lieben Frau.

Betrachtet man dieses Gebäude wird einem nicht viel auffallen. Recht unscheinbar und keineswegs altertümlich steht es zwischen Blumenstraße und dem Unterem Anger. Aber man darf sich nicht täuschen lassen, der Platz hat eine lange und ereignissreiche Geschichte.

Damals lag er vor den Stadtmauern und hieß noch nicht Sankt-Jakobs-Platz sondern Anger, was nichts anderes bedeutet als Wiese.

Eine Wiese vor der Stadt, die erst im Zuge der Stadtentwicklung und - erweiterung Bedeutung bekommt und heute, 850 Jahre nach Gründung der Stadt im Zentrum liegt.

Aber was hat es mit der Geschichte dieses Angers auf sich? Lange bevor für die jungen Mädchen eine Schule eingerichtet wurde, stand genau an dieser Stelle ein Kloster.

Ich möchte nun in meiner Arbeit auf eben dieses Kloster, das Angerkloster in München, eingehen.

Bevor die Geschichte des Klosters dargestellt wird, soll auf die Klosterorden am Anger geblickt werden, wobei der Fokus auf den Ordensgründern liegt.

Anschließend gehe ich der Frage nach, ob die Geschichte des Angers, speziell die dort vorgefundene Kapelle, mit den ersten Franziskanermönchen beginnt oder vielleicht schon früher anzusetzen ist.

B. Das Angerkloster in München im Mittelalter

I. Die Ordensstifter

Im Mittelalter bewohnten zwei Orden das Angerkloster. Beide zählen zum Bettelorden, auch Minoritenorden genannt. Zuerst kamen die Franziskanermönche, gefolgt von den Klarissinnen, dem Frauenorden der Franziskaner.

1. Hl. Franz von Assisi

Franziskus, der „seraphische Heilige“, wird 1182 in Assisi in Italien, als Sohn des Kaufmanns Pietro Bernadone geboren. Ursprünglich auf den Namen Johannes getauft, wird er erst später Franziskus genannt.

Als Sohn reicher Eltern erhält er eine gute Bildung und verbringt eine lebensfrohe Jugend.

Im Jahr 1204 wird er durch schwere Krankheit und Gefangenschaft geläutert und beschließt sein Leben zu ändern. Er will in der Nachfolge Christi leben und verkündet seine Braut sei von nun an die „Armut“.

Inspiriert wurde Franziskus dabei von der Jüngeraussendung Matth. 10, 6-14: „Machet die Kranken gesund, reinigt die Aussätzigen, weket die Toten auf, treibet die Teufel aus (...) weder Gold noch Silber sei in euren Gürteln, traget weder Röcke noch Schuhe (...) umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebet es auch“.

Durch seine Predigten und seine vorbildliche, tugendhafte Lebensweise findet der „Barfüßer“ schnell Anhänger, die sich „Mindere Brüder“ nannten. 1209/10 gründet er den „Orden der Minderbrüder“.

Grundprinzipien des Minoritenordens sind dabei strikte Armut, Nächstenliebe und Predigt, gemäß der apostolischen Lebensform.

Jahre später zieht sich Franz 1224 aus dem Amt der Ordensverwaltung zurück und erfährt die Stigmatisation. Am 3.Oktober 1226 stirbt Franziskus in Assisi. Bereits 1228 wird er von Papst Gregor IX. heilig gesprochen.

Schon zu Lebzeiten war Franziskus, auch „Bruder Immerfroh“ genannt, und sein Orden hoch angesehen, sodass zahlreiche Minoritenklöster entstanden. Ausgehend von Umbrien verbreiteten sich die Konvente über die Alpen in ganz Europa. Sogar auf Zypern und nördlich vom schwarzen Meer lassen sich Gründungen nachweisen. Diese Klöster nahmen in den Städten zentrale Bedeutung für Armenpflege, Predigt und Seelsorge ein.

Franz von Assisi zählt zu den wichtigsten Reformer der mittelalterlichen Kirche. Wegen seines Lebens in der Nachfolge Christi gehört er zu den wichtigsten christlichen Heiligen. Er ist u.a. Schutzpatron für Kaufleute, für die Armut an sich und wird angerufen gegen die Pest und Kopfschmerzen. Außerdem ist er der Hauptpatron für Italien.

2. Hl. Klara von Assisi

Wie bereits oben beschrieben war Franziskus sehr beliebt und fand schnell zahlreiche Anhänger.

Bei einer seiner vielen Predigten hörte ihm die junge, adlige Chiara Offreduccio zu und war sofort begeistert.

Klara, lateinisch die „Glänzende“[1], wurde 1194 in Assisi geboren und entschloss sich schon in jungen Jahren ihr Leben Gott zu widmen. Als sie Franziskus kennen lernt, findet sie schnell Zugang zu dessen Armutsgedanken und beschließt dem Prediger zu folgen.

Sie wendet sich von ihrer Familie ab und legt bei Franziskus das Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab. Sie nennt sich selbst die „kleine Pflanze des heiligen Vaters Franziskus“.

Zusammen gründen die beiden den „zweiten Orden der armen Frauen“, der sich später Klarissenorden nennen wird. Der Frauenorden zählt zu dem franziskanischen Bettelorden und untersteht dessen geistlicher Leitung.

Die Schwestern leben, wie die Minoritenbrüder, in strenger Armut und tragen Sorge für Bedürftige, vor allem für Witwen und alleinstehende Frauen. Ein großer Unterschied besteht allerdings. Während die Brüder stark in der Öffentlichkeit stehen, leben die Nonnen in strenger Klausur. Da sie deswegen nicht betteln können, dürfen Klarissinnen seit 1263 -10 Jahre nach Klaras Tod - eigenen Besitz haben, was allerdings nicht Klaras eigenen Ansätzen entspricht.

Am 11.August 1253 stirbt die Äbtissin Klara in ihrem Kloster St. Damiano bei Assisi. 1255 wird sie von Papst Alexander IV. heilig gesprochen.

Wie auch der Franziskanerorden, ist der Klarissenorden noch zu Lebzeiten der Heiligen sehr beliebt und sowohl in Italien, als auch nördlich der Alpen stark verbreitet.

Waren es 1253 schon 111 Klöster, stieg die Zahl Klaras Anhänger im Laufe der Zeit immer stärker an. Kurz nach Klaras Tod erreichen die Klarissinnen auch Deutschland und finden schnell große Verbreitung.

Im Jahr 1258 wird in Söflingen bei Ulm ein Kloster gegründet. 29 Jahre später, im Jahr 1287, ziehen von dort 4 Klarissinnen nach München und beziehen dort das Angerkloster.

[...]


[1] Eine Legende besagt, Klaras Mutter habe bei der schweren und gefährlichen Geburt die Worte vernommen: „Fürchte dich nicht, du wirst ein Licht gebären, welches mit seinem Glanz die arme Welt erleuchten wird“.

Details

Seiten
15
Jahr
2008
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118005
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Bayerische Geschichte
Note
2,00
Schlagworte
Angerkloster München Mittelalter Proseminar

Autor

Zurück

Titel: Das Angerkloster in München im Mittelalter