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Die Bedeutung der Reichsklöster unter der Herrschaftspraxis der Salier

Studienarbeit 2005 20 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die politische Ausgangssituation für Heinrich IV.
2.1. Die Regentschaft Heinrichs III.
2.2. Die Zeit der vormundschaftlichen Regierung
2.3. Die selbstständige Regentschaft Heinrichs IV.

3. Die Schenkungen von 1065
3.1. Die Reichsklöster
3.2. Die Verantwortlichkeit Heinrichs IV.
3.3. Die Beschenkten
3.4. Die Vergabe - eine Verschleuderung des Reichskirchengutes?

4. Schlussbetrachtungen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema dieser Arbeit lautet:

‚Die Bedeutung der Reichsklöster unter der Herrschaftspraxis der Salier’

Als Reichsklöster werden diejenigen Abteien bezeichnet, welche unmittelbar dem Reich, beziehungsweise dem Herrscher unterstanden. Seit karolingischer Zeit traten sie durch die vom Herrscher gewährleistete Immunität und Königsschutz in ein besonderes Verhältnis zum Königtum. Die Reichsklöster leisteten ihrerseits geistliche Dienste, wie den Einschluss des Herrschers in ihre Gebete, aber auch materielle Dienste, in Form des servitium regis und des Militärdienstes, an das Königtum.

Die Beziehung der Klöster zu dem Herrscher beruhte also auf einem ‚Geben und Nehmen’ und stellte für beide Parteien einen vorteilhaften Nutzen dar.

Unter der Herrschaftspraxis des dritten Saliers, Heinrich IV., lassen sich im Jahre 1065 Schenkungen von zwölf Reichsklöstern an weltliche und geistliche Reichsfürsten datieren. Der wechselseitige Vorteil wurde dadurch aufgehoben und die Abteien der Reichsunmittelbarkeit entzogen.

Diese Übertragungen werden in der neueren Forschung diskutiert und die Gründe dafür beleuchtet:

Handelt es sich dabei um eine Verschleuderung von wertvollem Reichskirchengut, oder liegt eine herrschaftliche, politische Motivation vor?

Diese Arbeit ist bemüht, den Ereignissen der Jahre nachzugehen, um schlussendlich die Gründe der Übertragungen treffend einschätzen zu können.

Dazu ist es notwendig, auch die Geschehnisse vor der Mündigkeitserklärung Heinrichs IV. von 1065 zu betrachten, da sich unter Umständen bereits hier schon Hinweise zur Beantwortung der Fragestellung ergeben können.

Den eigentlichen Schwerpunkt der Arbeit sollen aber die Schenkungen selbst darstellen.

2. Die politische Ausgangssituation für Heinrich IV.

2.1. Die Regentschaft Heinrichs III.

Die Regierungszeit Heinrichs III. wird allgemein als Herrschaft angesehen, welche laut Egon Boshof „fraglos zu den glanzvollsten der mittelalterlichen deutschen Geschichte zu zählen ist“[1]. Die Erfolge bei Friedensverhandlungen, die großzügige Förderung der Kirchenreform und die Unterstützung des Herrschers durch den Papst gewährleisteten ein „harmonische[s] Zusammenwirken von weltlicher und geistlicher Gewalt“[2].

Doch in den letzten Jahren der Regierungszeit Heinrichs III. vermehrte sich die Missstimmung gegenüber der salischen Monarchie, besonders im Herzogtum der Billunger, dem in Sachsen herrschenden Adelsgeschlecht.

Gründe hierfür waren unter anderem die wirtschaftlichen Belastungen Sachsens durch die häufigen Aufenthalte des königlichen Hofes in den dortigen Pfalzen. Der beginnende Ausbau des Reichsgutes und die herrscherliche Bevorzugung der Reichskirchen, vor allem des Metropolitansitzes Hamburg-Bremen unter dem 1043 erhobenen Erzbischof Adalbert, trugen ebenso dazu bei. Boshof sieht den eigentlichen Grund für die Ablehnung gegenüber den salischen Herrschern jedoch besonders darin, dass das salische Königshaus 1024 die sächsische Dynastie der Liudolfinger abgelöst hatte[3]. Die Führungsposition im Reich galt somit nicht mehr dem sächsischen Stamm. Peter Johanek beschreibt die Missstimmung mit den Worten des Adam von Bremen, welcher die Differenzen der Billunger mit dem Königtum in der Intensivierung der billungischen Herrschaftsbildung sieht[4].

Zwar hatte Heinrich III. es mit der Kritik und dem Widerstand von verschieden Seiten zu tun, ob dies aber bereits eine grundsätzliche Krise der Herrschaftsordnung darstellte, lässt sich, laut Ludger Körntgen, wohl nicht entscheiden, da der König bereits 1056 verstarb[5]. Das Sachsen später „zum Zentrum der erbitterten Opposition gegen die salische Monarchie werden sollte“[6], war also in der Regierungszeit Heinrichs III. noch nicht zu erkennen.

Festzuhalten ist, dass sich unter „ruhiger Oberfläche“[7], sowohl bei den Billungern, als auch anderen adligen Oppositionen bereits eine Missstimmung gegen das salische Königtum bildete.

2.2. Die Zeit der vormundschaftlichen Regierung

Während der Minderjährigkeit Heinrichs IV. wurde die Opposition der geistlichen und weltlichen Fürsten deutlicher. Unter der Reichsregierung seiner Mutter Agnes[8] und ihren bischöflichen Beratern, später dann unter Anno von Köln und Adalbert von Hamburg-Bremen[9] konnten die Fürsten ihre Machtposition weiter ausbauen. So ging die Regentin Agnes dem Wunsch der einzelnen Bischöfe bereitwillig nach, indem sie ihnen Reichskirchenbesitz erneut bestätigte oder übertrug. Graf Rudolf von Rheinfelden bekam im Jahr 1057 das Herzogtum Schwaben übertragen, obwohl dieses unter Heinrich III. dem Grafen Berthold von Zähringen zugesagt worden war. Durch eine Heirat mit der Kaisertochter Mathilde ‚erbeutete’ Rudolf von Rheinfelden „um der Tochter Willen“[10] das Herzogtum. Berthold legte dagegen Protest ein und Agnes sah sich daraufhin gezwungen, ihm zur Entschädigung das Herzogtum Kärnten zu übertragen. Die persönlichen Machtinteressen der einzelnen Reichsgroßen schränkten die Handlungsfähigkeit der Kaiserin erheblich ein[11].

Mit der Entführung des jungen Heinrich IV. im April 1062 bei Kaiserswerth durch Anno von Köln und unter anderem Otto von Northeim, übernahm zunächst der Kölner Erzbischof die vormundschaftliche Regentschaft. Später trug auch Adalbert von Hamburg-Bremen gleiches Gewicht an der Spitze der Reichsregierung. Beide brachten ihre Verwandten auf freie Bischofsstühle und übertrugen ihren eigenen Kirchen Reichsgut und Herrschaftsrechte[12].

Die Fürsten hatten während der Regentschaft der Vormünder Heinrichs IV. ihre Machtposition ausbauen können und die salische Monarchie hatte dadurch an Autorität verloren. Eine Steigerung der schon unter Heinrich III. bestehenden Konflikte wird deutlich. Die Interessenspolitik der weltlichen und geistlichen Großen bildete also die Ausgangssituation für das weitere politische Vorgehen Heinrichs IV..

2.3. Die selbstständige Regentschaft Heinrichs IV.

Der 15-jährige Heinrich IV. erwarb am 29. März 1065 auf dem Mainzer Hoftag die rechtliche Mündigkeit und die politische Handlungsfähigkeit durch die feierliche Schwertleite.

Kurz darauf, während eines Aufenthaltes über Pfingsten in Augsburg, sagte der junge König seinen für Mai geplanten Romzug ab und vertagte ihn auf einen Termin im Herbst. Die Sicherung und Intensivierung seiner Herrschaft im Inneren hatte zunächst Vorrang vor der dortigen Kaiserkrönung[13], denn die königliche Autorität im Reich sollte wieder hergestellt werden.

Im selben Jahr berichten die zeitgenössischen Quellen von dem Beginn des Burgenbaus in Sachsen und Thüringen.

Im Raum um den Harz ließ Heinrich IV. gewaltige Höhenburgen bauen. Die Besatzungen dieser Herrschaftsburgen kamen nicht aus dem sächsischen oder thüringischen Adel, sondern es waren landfremde Dienstleute. Diesen wurden die Burgen nicht als Lehen ausgegeben, sondern blieben in unmittelbarer Verfügung des Königs. Damit war eine ständige militärische Präsenz des Königs gewährleistet[14].

Der Grund des dritten Saliers für diese Machtdemonstration war, die Eigentumsansprüche in Sachsen geltend zu machen[15]. Alle Rechte und Besitzungen wurden zurück verlangt, welche unter der vormundschaftlichen Regentschaft an weltliche und geistliche Große vergeben worden waren. Stefan Weinfurter stimmt dieser Erklärung für den Burgenbau durchaus zu. Da jedoch während der Unmündigkeit des jungen Königs relativ geringe Verluste des Königsgutes, besonders an Sachsen, zu verzeichnen waren, hält er dies nicht für den einzigen Grund der Machtdemonstration des Herrschers in Sachsen. Er sieht die ‚Revindikationspolitik’ als „gute Voraussetzung“ für eine „umfassende(...) und intensive(...) Durchdringung dieses Raumes, das heißt als territorialpolitisches Verankern und Verschieben der Königsmacht[16]. Hubertus Seibert stimmt diesem zu, indem er von einer „auf (...) herrschaftliche Verdichtung abzielende[n] Königslandpolitik“ spricht[17].

[...]


[1] Boshof, Egon, Heinrich IV., Herrscher an einer Zeitwende, (= Persönlichkeit und Geschichte, Band 108/109), 2.Aufl., Göttingen 1990, S. 7.

[2] Boshof, (wie Anm.1), S. 7.

[3] Vgl. Boshof, (wie Anm.1) S. 9.

[4] Vgl. Johanek, Peter, Die Erzbischöfe von Hamburg-Bremen und ihre Kirche im Reich der Salierzeit, in: Die Salier und das Reich, Band 2, Die Reichskirche in der Salierzeit, herausgegeben von Stefan Weinfurter, u.a., Sigmaringen 1991, S. 89.

[5] Vgl. Körntgen, Ludger, Ottonen und Salier, Darmstadt 2002, S. 83.

[6] Boshof, (wie Anm.1), S. 8.

[7] Boshof, (wie Anm.1), S. 8.

[8] Regierungsdaten: 1056-1062

[9] Beide regierten von 1062-1065.

[10] Weinfurter, Stefan, Herrschaft und Reich der Salier, Grundlinien einer Umbruchzeit, Sigmaringen 1991, S. 98.

[11] Vgl. Weinfurter, (wie Anm.10), S. 98f.

[12] Vgl. Körntgen, (wie Anm.5), S. 87.

[13] Vgl. Boshof, (wie Anm.1), S. 48.

[14] Vgl. Weinfurter, (wie Anm.10), S. 117.

[15] Vgl. Weinfurter, (wie Anm.10), S. 116.

[16] Weinfurter, (wie Anm.10), S. 118.

[17] Seibert, Hubertus, Libertas und Reichsabtei, Zur Klosterpolitik der salischen Herrscher, in: Die Salier und das Reich, Band 2, Die Reichskirche in der Salierzeit, herausgegeben von Stefan Weinfurter, u.a., Sigmaringen 1991, S. 539.

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640201617
ISBN (Buch)
9783640206612
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117950
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Geschichte
Note
1,5
Schlagworte
Bedeutung Reichsklöster Herrschaftspraxis Salier Zeitalter

Autor

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Titel: Die Bedeutung der Reichsklöster unter der Herrschaftspraxis der Salier