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Wie äußerte sich der Widerstand der KPD im Nationalsozialismus im Rhein-Main-Gebiet - insbesondere im Kreis Offenbach?

Hausarbeit 2008 19 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verhältnis der KPD zur NSDAP vor 1933

3. Nach der Machtübernahme der NSDAP - Maßnahmen gegen politische Gegner

4. Widerstandsaktionen der KPD
4.1 Die Organisation der KPD im Rhein-Main-Gebiet
4.2 Widerstand der KPD im Rhein-Main-Gebiet
4.3 Wie äußerte sich der Widerstand der KPD im Kreis Offenbach?

5. Osthofen – Sammelstelle für politische Gegner
5.1 Das Konzentrationslager Osthofen
5.2 Wie wurde verhaftet?
5.3 Der Alltag der Häftlinge
5.4 Politischer Widerstand in Haft

6. Ausblick und Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am Anfang der Verfolgungspraxis des NS-Regimes stand die Zerstörung der politischen Parteien sowie der sozialen Netzwerke der Arbeiterbewegung. Zentrale Zielsetzung der NSDAP war es, eine deutsche 'Volksgemeinschaft' bestehend aus Führung und Gefolgschaften herzustellen und alle Klassenkonflikte zu beseitigen.

Zu den am meisten verfolgten politischen Personengruppen des NS-Regimes zählten die Mitglieder und Anhänger der KPD und ihrer Nebenorganisationen.

Der Widerstand der KPD unterscheidet sich hinsichtlich seiner Intensität und Kontinuität von dem aller anderen antinazistischen Parteien. Der Kampf gegen die Nationalsozialisten wurde über die Dauer der gesamten NS-Diktatur verfolgt. Auch quantitativ übertrafen die Kommunisten andere gegen das NS-Regime gerichtete Oppositionen.

Wie äußerte sich nun der Widerstand der KPD und wie gingen die Nationalsozialisten damit um?

Im Folgenden sollen zunächst die Beziehung der KPD zur NSDAP vor 1933 sowie die Maßnahmen der NSDAP gegen politische Gegner nach der Machtübernahme Hitlers beschrieben werden. Anschließend werden die Organisation und der Widerstand der KPD im Rhein-Main-Gebiet zu Beginn des NS-Regimes, insbesondere der Widerstand im Kreis Offenbach, dargestellt.

Da viele politische Widerstandskämpfer aufgegriffen wurden und das Konzentrationslager Osthofen als eine Sammelstelle insbesondere für politische Gegner galt, soll das KZ Osthofen kurz vorgestellt werden. Des Weiteren soll die Praxis wie verhaftet wurde und die Situation der Häftlinge im Lager näher untersucht werden.

Auch während der Haft leisteten die Inhaftierten Widerstand gegen das NS-Regime. Stellvertretend für den Widerstand in Osthofen sollen die Widerstandshandlungen des Offenbachers Johann Lossa, der zusammen mit anderen Häftlingen die illegale Lagerleitung bildete, vorgestellt werden.

Abschließend wird ein Ausblick darauf gegeben, wie die KPD nach 1934 Widerstand leistete sowie ein Fazit zum Besuch des Seminars „Gedenkstätten zum Nationalsozialismus in und um Hessen“ erstellt.

2. Verhältnis der KPD zur NSDAP vor 1933

Die KPD hatte seit ihrer Gründung 1918 konsequent gegen Imperialismus und Militarismus gekämpft. Zu Beginn der zwanziger Jahre war sie die erste politische Kraft, die sich mit dem Faschismus auseinander zu setzen begann.[1] Die Inflationskrise 1923 hatte zur wohl größten Erschütterung des sozialen Gefüges im Deutschen Reich geführt. Die Währung war zusammen gebrochen, die Löhne wurden niedriger und der Mittelstand verarmte. In der Arbeiterbewegung stieg der Einfluss der radikalen Linken, während sich in weiten Teilen des Reiches die monarchistisch-militärische Reaktion zur völkisch-faschistischen Massenbewegung entwickelte. Das Kleinbürgertum schwankte nun zwischen faschistischen und kommunistischen Sympathien. Die KPD wurde zu einem Sammelbecken aller Unzufriedenen und erhielt einen großen Mitgliederzuwachs. Am 29. Juli 1923 veranstaltete die KPD einen großen Anti-Faschisten-Tag.[2]

Die gesamte Weimarer Republik über setzte sich dieses Ringen zwischen Kommunisten und Faschisten fort. Obwohl seit 1929 die nationalsozialistische Bewegung immer stärker voran schritt, konzentrierte sich die KPD mehr auf den 'Sozialfaschismus'. Die eigentliche faschistische Gefahr war der KPD überhaupt nicht bewusst und sie versteifte sich auf die Bekämpfung dieses 'Sozialfaschismus'.[3] Der Wiederaufstieg der NSDAP wurde von den Kommunisten erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1929 wahrgenommen.[4]

Im Frühjahr 1932 wurde die von Ernst Thälmann initiierte Politik der Antifaschistischen Aktion, des Zusammenschlusses aller werktätigen Hitlergegner, weiter entwickelt.[5]

Der nationalsozialistische Terror wuchs trotz 'Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold', der 'Eisernen Front' und 'Antifaschistischer Aktion' dennoch täglich. SA und SS beherrschten die Straßen und die Zahl der Opfer entsprach der bürgerkriegsmäßiger Verhältnisse.[6]

3. Nach der Machtübernahme der NSDAP - Maßnahmen gegen politische Gegner

Nach der Machtübernahme Hitlers war dessen vorrangiges Ziel die Abschaffung der Parteien mit Ausnahme der NSDAP.

„Die 'Ausrottung des Marxismus mit Stumpf und Stiel', der verstärkte Kampf gegen die Arbeiterbewegung ließ dann auch nicht lange auf sich warten.“[7]

Kurz nach dem 30. Januar 1933 begann eine sich ständig verstärkende Welle des Terrors, insbesondere gegen politische Gegner und Juden.

Am 1. Februar wurden über einen Funkspruch die Regierungen und Polizeibehörden dazu aufgerufen, Verbots- und Überwachungsmaßnahmen gegen die KPD durchzuführen.[8]

Der Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 führte zu einer Verschärfung der gesamten Verfolgungspraxis des NS-Regimes. Die Reichstagsbrandverordnung, die 'Verordnung zum Schutz von Volk und Staat', schuf eine neue legale Grundlage zur Verhaftung der Kommunisten.[9] In der Präambel wurden die Hauptgegner des NS-Regimes eindeutig definiert: „Auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsverfassung wird zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte folgendes verordnet (...)“[10].

Am selben Tag fanden zahlreiche Verhaftungen statt, für die maßgeblich die Einschränkung des Artikels 114 der Reichsverfassung verantwortlich war. Durch diesen wurde die Unverletzbarkeit der Person garantiert und er ließ nur eine 'Schutzhaft' von maximal 48 Stunden zu. Die Festgenommenen konnten nun auf beliebig lange Zeit und ohne jede Einspruchsmöglichkeit inhaftiert bleiben oder nach verbüßter Strafe bzw. nach einem richterlichen Freispruch erneut verhaftet werden.[11]

Mit dem Inkrafttreten der 'Reichstagsbrandverordnung' erfolgte im gesamten Reich eine konzentrierte Verfolgungswelle durch Polizei und NS-Verbände.

4. Widerstandsaktionen der KPD

4.1 Die Organisation der KPD im Rhein-Main-Gebiet

Die KPD war Ende der Weimarer Republik reichsweit in 24 Bezirke gegliedert. Das heutige Bundesland Hessen bestand aus den Bezirken Hessen-Frankfurt und Hessen-Waldeck. Diese Bezirke umfassten außerdem noch Teile Rheinland-Pfalz und des südlichen Niedersachsens.[12]

Der Bezirk Hessen-Waldeck bildete mit seinen 3000 Mitgliedern einen der schwächsten des gesamten Reichsgebiets, wohingegen die Bezirksleitung in Frankfurt 1932 für 16762 Mitglieder zuständig war. Das hochindustrialisierte Rhein-Main-Gebiet bildete mit den Städten Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und Hanau den Kern des Bezirks. Hier hatte die KPD ein dichtes Netz von Organisationen und gewann insbesondere 1929/30 bei jungen, erwerbslosen Arbeitern an Masseneinfluss. In den schwer von Arbeitslosigkeit betroffenen Kreisen Hanau-Stadt und -Land war sie bei den Reichstagswahlen 1932 jeweils stärkste Partei.[13]

Vorrangiges politisches Ziel der NSDAP war die Zerschlagung der KPD, was sie mit zahlreichen Verordnungen zu erreichen versuchte. Im Raum Hanau wurden auf Grund der 'Verordnung zum Schutze des deutschen Volkes' vom 4. Februar 1933, in der im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Reichstagswahlkampf Überwachungsmaßnahmen und Verbots- sowie Strafandrohungen gegen politische Gegner verallgemeinert wurden, 45 KPD-Funktionäre verhaftet, die überwiegend Kandidaten für die bevorstehenden Reichstags- und Kommunalwahlen waren.[14]

1933 erging im vormaligen Volksstaat Hessen auf Weisung des Reichsinnenministers ein Erlass, in dem jedes Auftreten der KPD im Wahlkampf verboten wurde und die Reichsämter den Auftrag erhielten, kommunistische Publikationen und Plakate einzuziehen. Auf Anordnung des Staatskommissars für das Polizeiwesen in Hessen, Werner Best, wurden Mitte März 1933 'Schutzhaft'-Befehle gegen alle kommunistischen Reichs- und Landtagswahlkandidaten erlassen.[15]

Die Frankfurter Bezirksleitung wurde seit dem Frühjahr 1933 durch Verhaftungen in Serie schwer getroffen. 1935 wurden allein im Raum Frankfurt, Offenbach, Hanau und Darmstadt etwa 400 der noch 1000 im ganzen Parteibezirk tätigen Kommunisten verhaftet.[16]

Hauptsächliches Ziel der Kommunisten war es, die Verbindungen zwischen der Parteiführung und den Bezirken, welche auf Grund der zahlreichen Festnahmen abgerissen waren, neu zu knüpfen. Nur so war es überhaupt möglich, dass die Anweisungen, die die konspirative Landesleitung in Berlin erteilte, die Bezirksorganisationen, Unterbezirks- und Ortsleitungen überhaupt erreichen konnten. Allerdings wirkte sich die Fixierung auf die Anweisungen „von oben“ sehr hinderlich auf die rasche Formierung effektiver kommunistischer Widerstandsstrukturen aus. Die Landesleitung verlor mehr und mehr an Bedeutung. Ab 1934 erfolgte die Anleitung des straff hierarchisch organisierten Parteiapparates verstärkt von außen durch die Auslandsleitung in Paris sowie durch die nach Prag und Moskau ausgewichenen Mitglieder des Politbüros.[17]

Eine wichtige Schaltstelle zwischen den obersten Leitungsgremien der KPD und dem Widerstand im faschistischen Deutschland bildeten die entlang der Reichsgrenze eingerichteten Stützpunkte, die man später zu Abschnittsleitungen ausbaute. Bis Anfang 1935 war der Posten im Saargebiet für das Rhein-Main-Gebiet zuständig.[18]

[...]


[1] Vgl. Flechtheim, Ossip K.: Die Kommunistische Partei Deutschlands in der Weimarer Republik, Offenbach 1945, S. 11.

[2] Vgl. ebd., S. 87f.

[3] Vgl. ebd., S. 172.

[4] Vgl. Striefler, Christian: Kampf um die Macht. Kommunisten und Nationalsozialisten am Ende der Weimarer Republik, Berlin 1993, S. 51.

[5] Vgl. Flechtheim, Ossip K.: Die Kommunistische Partei Deutschlands in der Weimarer Republik, S. 11.

[6] Vgl. ebd., S. 181.

[7] Grünewald, Paul: KZ Osthofen. Materialien zur Geschichte eines fast vergessenen Konzentrationslagers, Frankfurt am Main 1979, S. 31.

[8] Vgl. Form, Wolfgang: Der politische Widerstand im Spiegel der NS-Justiz in Hessen, in: POLIS 46. Analysen-Meinungen-Debatten. Politischer Widerstand gegen die NS-Diktatur in Hessen. Ausgewählte Aspekte, hrsg. von Renate Knigge-Tesche, Wiesbaden 2007, S. 42.

[9] Vgl. Engelke, Rolf und Form, Wolfgang: Kommunistischer Widerstand und NS-Verfolgungspraxis in Hessen, in: Verfolgung und Widerstand in Hessen. 1933-1945, hrsg. von Renate Knigge-Tesche und Axel Ulrich, Frankfurt am Main 1996, S. 220.

[10] Zitiert nach: Engelke, Rolf; Form, Wolfgang: Kommunistischer Widerstand und NS-Verfolgungspraxis in Hessen, S. 220.

[11] Vgl. ebd., S. 220.

[12] Vgl. Engelke, Rolf; Form, Wolfgang: Kommunistischer Widerstand und NS-Verfolgungspraxis in Hessen, S. 214.

[13] Vgl. ebd., S. 214f.

[14] Vgl. Ulrich, Axel: „Weg mit Hitler!“ - Politischer Widerstand gegen das „Dritte Reich“ im Rhein-Main-Gebiet, in: POLIS 46. Analysen-Meinungen-Debatten. Politischer Widerstand gegen die NS-Diktatur in Hessen. Ausgewählte Aspekte, hrsg. von Renate Knigge-Tesche, Wiesbaden 2007, S. 42f.

[15] Vgl. Engelke, Rolf; Form, Wolfgang: Kommunistischer Widerstand und NS-Verfolgungspraxis in Hessen, S. 221.

[16] Vgl. Ulrich, Axel: „Weg mit Hitler!“, S. 21f.

[17] Vgl. Ulrich, Axel: Politischer Widerstand gegen das „Dritte Reich“ im Rhein-Main-Gebiet, Wiesbaden 2005, S. 102.

[18] Vgl. ebd.

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640201426
ISBN (Buch)
9783640671021
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117922
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Seminar für Didaktik der Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
Widerstand Nationalsozialismus Rhein-Main-Gebiet Kreis Offenbach Hauptseminar

Autor

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