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Fehlanpassung AD(H)S - Umgang und Behandlungsmöglichkeiten

Seminararbeit 2006 13 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Umgang mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern
2.1 Was Eltern im Alltag tun können
2.2 Wie Lehrer sich im Unterricht verhalten sollten

3. Behandlungsmöglichkeiten / Therapiemaßnahmen
3.1 Psychologische Behandlung (Verhaltenstherapie)
3.2 Medikamentöse Behandlung

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der hyperaktive Zappelphilipp aus Struwwelpeter von H. Hoffmann[1]

1. Einleitung

„ ,Ob der Philipp heute still

wohl bei Tische sitzen will?’

Also sprach im ernstem Ton

der Papa zu seinem Sohn

und die Mutter blickte stumm

auf dem ganzen Tisch herum.

Doch der Philipp hörte nicht, was zu ihm der Vater spricht.

Er gaukelt

Und schaukelt,

er trappelt

und zappelt

auf dem Stuhle hin und her.

‚Philipp, das missfällt mir sehr!’ “

Auch wenn er es nicht so genannt hat, beschrieben hat der Frankfurter Nervenarzt und Autor des Struwwelpeters Heinrich Hoffmann mit dem „Zappelphilipp“ die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf eindrucksvolle Weise.

Solch eine Störung ist gekennzeichnet durch die Symptome „motorische Unruhe“ (Zappeligkeit), „Störung der Impulskontrolle“ (Handeln ohne zu Denken) oder „Störungen der Aufmerksamkeit“. Bei der Aufmerksamkeits-Defizit-Störung ohne Hyperaktivität (ADS) zeigt das Kind keine unruhigen Verhaltensweisen, sondern fällt meistens durch häufige Tagträumereien auf.[2]

Aufgrund der zunehmenden Anzahl der Kinder in Deutschland, bei denen ADS bzw. ADHS diagnostiziert wurde, wird es für Eltern, Lehrer und anderer Personen, die mit diesen Kindern arbeiten, immer wichtiger, sich mit dem Krankheitsbild vertraut zu machen. Wie die folgende Karrikatur auch verdeutlicht, wissen viele Menschen im Umfeld eines aufmerksamkeitsgestörten Kindes nämlich meist gar nichts über diese Erkrankung.

Meine Arbeit richtet sich ganz speziell an Eltern und Lehrer, wobei es mir darum geht, ihnen nützliche Hilfen für den Umgang mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern zu vermitteln.

Eltern sollen Möglichkeiten kennen lernen, ihrem Kind im alltäglichen Leben selbst zu helfen und somit eine Grundlage für ein harmonisches Zusammenleben zu schaffen. Auch Lehrern werde ich einige hilfreiche Verhaltensregeln für den Unterricht vorstellen, die in Anwesenheit eines aufmerksamkeitsgestörten Kindes beachtet werden sollten.

Zusätzlich werde ich noch darauf eingehen, wie AD(H)S professionell behandelt werden kann. Dabei werde ich die beiden häufigsten Behandlungsmethoden genauer vorstellen.

2. Der Umgang mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern

2.1 Was Eltern im Alltag tun können

Viele Eltern, gerade in der heutigen Zeit, leiden sehr unter dem Verhalten ihrer Kinder, was mittlerweile sogar schon in diversen Fernsehserien thematisiert wird. Darunter fallen besonders auch die Kinder, die ein unruhiges und hyperaktives Verhalten aufweisen. Sie sitzen nicht ruhig am Tisch, stehen ständig auf und hören nie zu. Die Folgen daraus liegen auf der Hand: Die Eltern sind genervt, stehen unter Stress und geben dem Kind die Schuld an dem gereizten familiären Zusammenleben. Die Frage die sich daraufhin direkt stellt ist: Wie kann man so einem Kind helfen bzw. Wie sollten Eltern mit der Situation umgehen, damit Probleme vermieden werden können und eine entspannte Atmosphäre einkehrt?

Dabei gibt es viele Aspekte, die berücksichtigt werden sollten, wobei ich mich hier lediglich auf die wichtigsten konzentriere:

Zu Beginn ist es erstmal wichtig, die Beziehung zwischen einem aufmerksamkeitsgestörten Kind und seinen Eltern zu verbessern, da diese durch z.B. Wutausbrüche oder Trotzen des Kindes und den daraus resultierenden unangemessenden Reaktionen der Eltern, meistens sehr belastet ist. Typisch für die meisten Eltern ist, dass sie ständig damit beschäftigt sind, darauf zu achten, was ihnen nicht gefällt. Sie sind so sehr auf das Fehlverhalten des Kindes fixiert, dass sie das positive Verhalten überhaupt nicht bemerken.[3]

Die folgende Situation verdeutlicht dies noch konkreter:

Ein Kind und seine Eltern sitzen gemeinsam am Frühstückstisch. Das Kind ist unruhig, bleibt nicht ordentlich auf seinem Stuhl sitzen und turnt die ganze Zeit herum. Die Eltern tadeln, ermahnen und bestrafen das Kind, obwohl dieses den Wünschen der Eltern, sich ruhig zu verhalten, kaum nachkommen kann, was sie allerdings nicht berücksichtigen.

Am nächsten Tag sitzen die Eltern erneut mit dem Kind am Tisch. Dieses Mal verhält es sich jedoch ganz ruhig. Für die Eltern ist dieses Verhalten aber so selbstverständlich, dass sie gar nicht darauf eingehen und das Kind dementsprechend nicht loben. Das bedeutet, dass die positiven Ansätze beim Kind überhaupt keine Beachtung erhalten. Für das Kind bedeutet das, dass die Anstrengung, sich so zu verhalten, wie die Eltern es möchten, sich nicht lohnt oder es nur Aufmerksamkeit durch negatives Verhalten bekommt. Die Konsequenz wäre dann, dass das Kind keinen Grund darin sieht, sich angemessen zu verhalten und es wird „alles daransetzen, Aufmerksamkeit im negativen Sinn zu erregen.“[4]

Dem kann entgegengewirkt werden, indem man dem Kind nach einem erwünschten Verhalten direkt (!) eine positive Rückmeldung gibt und ihm auch Aufmerksamkeit schenkt ohne dass es zuvor ein unerwünschtes Verhalten gezeigt hat. Eine sehr einfache und dennoch sehr wirksame Methode wäre, dass die Eltern sich täglich 20 – 30 Minuten intensiv Zeit für das Kind nehmen und sich mit ihm beschäftigen. In dieser Zeit sollte das Kind nicht ermahnt, sondern nur gelobt werden. Dadurch wird es schnell merken, dass die Eltern ihm auch Aufmerksamkeit schenken, obwohl es kein negatives Verhalten gezeigt hat. Lob und gemeinsames Spielen schaffen eine entspannte Atmosphäre zwischen den Eltern und dem Kind und sind die Grundvoraussetzungen, die für ein unbeschwertes Zusammenleben erforderlich sind.[5]

Des Weiteren ist es für aufmerksamkeitsgestörte Kinder sehr wichtig, dass sie einen strukturierten Tagesablauf haben. Durch das Aufstellen von Regeln oder das Einkehren von Routine wird Klarheit in das Leben des Kindes geschaffen, welches dann wiederum das Zusammenleben erleichtert. Hat man eine für die Familie passende Strukturierung gefunden, wie z.B. zu bestimmten Zeiten zu essen, danach die Hausaufgaben erledigen etc., muss diese natürlich eingehalten werden. Das Kind erhält so einen festen Rahmen, in dem es sich sicher bewegen kann.[6]

Außerdem sollten dem Kind klare Regeln gesetzt und diese auch konsequent eingehalten werden. Dabei ist es wichtig, dass diese realistisch sind und keine zu großen Anforderungen an das Kind gestellt werden.[7] Wenn die Regeln nicht eingehalten werden, sollten die Eltern die vorher vereinbarten Konsequenzen strikt einhalten. Würde dies nämlich nicht passieren, könnte es z.B. so aussehen, dass die Eltern das Kind zu etwas auffordern, das Kind reagiert aber nicht. Die Eltern fordern es wiederholt auf und das Kind reagiert immer noch nicht. Irgendwann würden die Eltern aufgeben und das Kind merkt: Ignorieren wirkt! Da das nicht das angestrebte Ziel ist, sollte demnach konsequent gehandelt werden.

An diesen genannten Aspekten knüpft nun auch direkt der nächste Punkt an.

2.2 Wie Lehrer sich im Unterricht verhalten sollten

Viele Lehrer, Referendare oder auch Praktikanten kennen sicherlich Kinder, die sich während des Unterrichts mit den verschiedensten Dingen beschäftigen, sich aber auf das „Eigentliche“ nicht konzentrieren können. Sie spielen mit einem Bleistift, lenken den Nachbar ab oder träumen vor sich hin und sind nicht bei der Sache. Das bedeutet nicht, dass jedes dieser Kinder AD(H)S hat, es lässt sich aber durch diesen Vergleich leichter vorstellen, wie sich AD(H)S-Kinder annäherungsweise verhalten. Für die Lehrenden kann der Unterricht mit einem AD(H)S-Kind sehr anstrengend sein. Doch auch wenn die Situation schon sehr festgefahren scheint, kann das Kind durch verschiedene Maßnahmen der Lehrperson in den Unterricht integriert und gleichzeitig indirekt behandelt werden.

Da Kinder mit AD(H)S ein gut strukturiertes Umfeld brauchen, sollte ein stützendes Schulumfeld geplant und geschaffen werden, in dem sich das AD(H)S-Kind wohl, geschätzt und verstanden fühlt.[8]

[...]


[1] Hoffmann, 1992

[2] Trott, Badura: Informationen für den Lehrer, 1999, S.3

[3] Lauth, Schlottke, Naumann, 1998, S.70

[4] Holowenko, 1999, S.59

[5] Lauth, Schlottke, Naumann, 1998, S.72

[6] Holowenko, 1999, S.61 Lauth, Schlottke, Naumann, 1998, S.76-78

[7] Holowenko, 1999, S.64

[8] Holowenko, 1999, S.44

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640211111
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117888
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Psychologisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Fehlanpassung AD(H)S Umgang Behandlungsmöglichkeiten Entwicklungsrisiken

Autor

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