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Eiszeiten - Naturräumliche Ausstattung und Bodenbildung in glazial und periglazial geprägten Landschaften Norddeutschlands

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Geologie, Mineralogie, Bodenkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eiszeit
2.1 Entstehung von Eiszeiten
2.2 Bildung von Inlandeis
2.3 Zeitliche Gliederung der Gletschervorstöße
2.4 Der eustatische Meeresspiegelanstieg

3. Oberflächenformen der ehemals vergletscherten Gebiete
3.1 Glaziale Serie
3.2 Periglaziale Überformungen

4. Typische Bodengesellschaften in Norddeutschland
4.1 Marschen und Flussauen
4.2 Jungmoränenland
4.3 Altmoränenland
4.4 Lößlandschaften

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Hausarbeit soll die Entstehung und Auswirkung der glazialen und periglazialen Prozesse auf die naturräumliche Ausstattung und der damit verbundenen differenzierten Bodenbildung aufgezeigt werden.

Die Landschaft Norddeutschlands unterlag, insbesondere seit Mitte des Pleistozäns, einigen für die heutige Gestalt verantwortlichen klimatogenen Prozessen. Diese zeigten sich durch Wechsel von Kalt- und Warmzeiten in Verbindung mit der Formung des Reliefs. Daraus entstanden sehr verschiedene Ausgangssituationen für die im Holozän stattfindenden und heute bedeutsamen Bodenbildungsprozesse.

2. Eiszeit

Eiszeiten sind relativ kurze Zeitabschnitte der (jüngeren) Erdgeschichte, die für die Landschaft, Vegetation und Tierwelt jedoch entscheidende Faktoren darstellen. Am bekanntesten sind jene der jüngeren Erdgeschichte, in welchen weltweit niedrige Temperaturen auftraten, die zu Gletschervorstößen und Inlandeisbildungen führten. Ausgangspunkte waren die höheren Breiten und die globalen Hochgebirge. Ein Beleg für die prähistorische Existenz von Kaltzeiten sind die Relikte der glazialen Landschaftsformung. Diese eiszeitlichen Formen finden wir in Moränenlandschaften. Moränen sind Ablagerungen von Gletschern, die Material transportieren, das ein Gemisch aus Sand, Kies, Schotter und Gesteinsbrocken ist. Eine Eiszeit besteht aus einer Aufeinanderfolge von Kaltzeiten, die von wärmeren Zwischenperioden, den Interglazialen, unterbrochen werden. Eiszeiten haben somit typische Landschaftsformen bilden können. Gerade das Norddeutsche Tiefland ist stark glazial geprägt worden und lässt sich somit von umliegenden Landschaften eindeutig abgrenzen (Leser 2003: 277f.).

2.1 Entstehung von Eiszeiten

Es gibt viele Theorien zur Entstehung der Eiszeiten. Der serbische Astrophysiker Milutin Milankovitch war der Ansicht, dass Veränderungen der Erdbahngeometrie, durch wechselseitige Gravitationskräfte im System Erde-Mond-Sonne, für wiederkehrende Eiszeiten verantwortlich waren. Folgen dieser Kräfte sollten die Formveränderung der elliptischen Erdumlaufbahn um die Sonne (Exzentrizität), der Neigungswinkel der Rotationsachse (Schiefe der Ekliptik) und die Veränderung der Kreiselbewegung der Rotationsachse (Präzession) sein, wodurch die Eiszeiten in Abständen von 100.000 Jahren kontinuierlich auftraten. So entstanden die Milankovitch-Zyklen, die eine verminderte Sonneneinstrahlung auf die nördliche Hemisphäre bewirken (Bauer et al. 2002: 50).

Weitere Theorien sind: Kontinentaldrift mit Verschiebung der Pole, Veränderung der CO2-Gase in der Atmosphäre, interstellare Wolken und Sonnenflecken (Strahler & Strahler 2005: 497; Bauer et al. 2002: 51).

2.2 Bildung von Inlandeis

Die Bedingung für die Bildung von Gletschereis ist, dass durchschnittlich im Winter mehr Schnee fällt, als im Sommer durch Abschmelzen und Verdunstung verloren geht. Also: Akkumulation > Ablation. Der gefallene Schnee muss dabei verschiedene Zustandsformen durchlaufen, ehe er zu Eis umgewandelt wird. Der Schnee wechselt zwischen Tauen und Gefrieren und bildet dabei den Altschnee, der sich später zu körnigem Firn umwandelt. Zwischen dem Firn befinden sich noch Schneereste. Kommen diese mit Schmelzwasser in Berührung, bildet sich das Firneis. Der weiter fallende Schnee presst die darunter liegenden Eisschichten immer mehr zusammen, sodass sich schließlich Gletschereis mit hoher Dichte bildet. (Strahler & Strahler 2005: 470)

2.3 Zeitliche Gliederung der Gletschervorstöße

Während des Pleistozäns im Quartär gab es in Norddeutschland drei große entscheidende Inlandvereisungen: Elster-, Saale- und Weichseleiszeit. Durch den Temperaturrückgang sank die klimatische Schneegrenze um 1200-1500 m, sodass sich in Skandinavien ein 2-3 km dicker Eispanzer bildete, der seinen weitesten Vorstoß während des Drenthe Stadiums in der Saale-Eiszeit hatte und ungefähr bis Düsseldorf, an den Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges und an den Harz reichte (Abb. 1). Diese einzelnen Kaltzeiten wurden von Warmzeiten (Interglazialen) unterbrochen. (Bauer et al. 2002: 178)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abb.1: schematische Darstellung der jeweils maximalen Gletschervorstöße der drei letzten Eiszeiten im norddeutschen Tiefland:
rote Linie = Eisrandlage der Weichselkaltzeit;
gelbe Linie = Eisrandlage der Saalekaltzeit;
blaue Linie = Eisrandlage der Elsterkaltzeit

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:EisrandlagenNorddeutschland.png

Elstereiszeit

Die Elster-Kaltzeit ist zeitlich gleichzusetzen mit der Mindel-Vergletscherung der Alpen. Sie war die älteste Vergletscherung, die im nordeuropäischen Vereisungsgebiet nachgewiesen werden konnte. Diese war vor etwa 350.000 bis 250.000 Jahren. Im Zuge der Vereisung wurde das Entwässerungssystem entscheidend geändert. Norddeutsche und polnische Flüsse wurden von dem vorstoßenden Eis aufgestaut oder nach Westen oder Osten abgelenkt (Ehlers 1994: 172).

In Norddeutschland lag der weiteste Elstereisvorstoß östlich von Paderborn. Weiter ostwärts bedeckte er das Thüringer Becken und reichte bis in das Elbsandsteingebirge und in das Zittauer Gebirge, aber blieb westlich von Paderborn zurück und verlief über Osnabrück zur niederländischen Provinz Drehnte (Liedtke & Marcinek 1994: 267). Erstmals gelangten dabei Gletscher aus Skandinavien bis an den Rand der Mittelgebirge.

Zu der heutigen Oberfläche trug die Elstereiszeit wenig bei, denn ihre Spuren wurden durch die nachfolgenden Eiszeiten stark verwischt.

Saaleeiszeit

Nach der Elstereiszeit folgte die Holsteinwarmzeit, sie umfasste eine Zeitspanne von etwa 15.000 bis 16.000 Jahren. Danach schloss sich die Saaleeiszeit in dem Zeitraum von circa 235.000 v. Chr. bis 125.000 v. Chr. an. Diese ist mit der Riß-Kaltzeit der alpinischen Vereisung gleichzusetzen. Sehr große Teile Nordwestdeutschlands und des Mittelgebirgevorlandes entstanden in ihrer Grundform durch diese Eiszeit. „Damals stieß das Inlandeis in Nordwestdeutschland bis über den Rand der Elstereiszeit hinweg bis an das Rheinische Schiefergebirge, östlich von Paderborn bis an den Harz, blieb aber weiter östlich deutlich hinter der Ausdehnung des Elstereises zurück.“ (Liedtke & Marcinek 1994: 268).

In Nordwestdeutschland können innerhalb der Saaleeiszeit drei durch Schmelzwassersande voneinander getrennte Moränen unterschieden werden. Diese werden aber von verschiedenen Autoren in unterschiedlicher Weise zu zwei Stadien, das Drehnte-Stadium und das Warthe-Stadium, zusammengefasst. Der weiteste eiszeitliche Vorstoß ist der Drehnte-Vorstoß dieser Saaleeiszeit. Er bedeckte fast das gesamte Niedersachsen (Liedtke & Marcinek 2002: 391).

Nach der Saaleeiszeit folgte die Eemwarmzeit, diese Warmzeit umfasste einen Zeitraum von etwa 10.000 bis 13.000 Jahren.

Die saaleeiszeitlichen Landschaftsformen sind, durch die periglazialen Prozesse der Weichseleiszeit, stark verwischt und von Flugsanden überdeckt worden.

Weichseleiszeit

Zeitlich ist die Weichseleiszeit von etwa 115.000 v. Chr. bis 8.000 v. Chr. einzuordnen. Dieses Inlandeis drang im Vergleich zu den anderen Eiszeiten am wenigsten weit in Richtung Süden vor. Die Elbe wurde nicht mehr überschritten. In Schleswig-Holstein wurde nur der Osten mit Eis bedeckt. In den Südwesten von Mecklenburg drang das Eis nicht mehr vor. Während dieser Eiszeit entstanden in Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Brandenburg die typischen Formen der Jungmoränenlandschaften. Diese sind in ihrem ursprünglichen Zustand noch gut zu erkennen (Liedtke & Marcinek 1994: 269). Der typische Formenschatz einer Jungmoränenlandschaft entstand erst im letzten Eisvorstoß vor ca. 25.000 bis 12.000 Jahren.

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Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640207138
ISBN (Buch)
9783640207459
Dateigröße
824 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117755
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Schlagworte
Eiszeiten Naturräumliche Ausstattung Bodenbildung Landschaften Norddeutschlands Eiszeit Niedersachsen Periglazial Glazial glaziale Serie

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Titel: Eiszeiten - Naturräumliche Ausstattung und Bodenbildung in glazial und periglazial geprägten Landschaften Norddeutschlands