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Die Antrittsreden als Reichspräsident von Friedrich Ebert und Paul von Hindenburg

Inhaltlicher und formeller Vergleich

Referat / Aufsatz (Schule) 2008 2 Seiten

Didaktik - Deutsch - Erörterungen und Aufsätze

Leseprobe

Inhaltlicher und formeller Vergleich zweier Texte

1.) Friedrich Ebert (1871-1925): Antrittsrede als Reichspräsident (11.02.1919)
2.) Paul von Hindenburg (1847-1934): Antrittsrede als Reichspräsident (12.05.1925)

Bei den Texten handelt es sich um die Antrittsreden der beiden großen Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Paul von Hindenburg und Friedrich Ebert.

Die Rede von Ebert wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und nach seiner Wahl durch die Nationalversammlung in Weimar am 11. Februar 1919 gehalten. Hindenburg hielt seine Rede als Eberts indirekter Nachfolger nach dessen Tod am 12. Mai 1925. Man kann die Reden bezüglich ihrer inhaltlichen und formellen Gemeinsamkeiten und Differenzen in verschiedenen Punkten analysieren. Aus den Aussagen der Autoren lässt sich auf ihre grundlegenden, auch geschichtlich belegbaren Charakterunterschiede schließen.

Beide Texte sind in Prosa geschrieben und in mehrere Absätze unterteilt, wobei am Anfang der Amtseid und am Ende die Ziele der Autoren dargestellt werden. Sie sind auf einem hohen sprachlichen Niveau und in einer Weise geschrieben, die den Zuhörer von der Kompetenz und den guten Absichten des neugewählten Regierungsoberhauptes überzeugen soll.

Es fällt auf, dass die Absätze bei Ebert gezielt thematisch geschlossen sind, wobei sich bei Hindenburg nur schwer eindeutige Abschnitte erkennen lassen. Die äußere Form stimmt hier nur teilweise mit dem Inhalt überein.

Hindenburg adressiert außerdem viel differenzierter das deutsche Volk und stellt so eine besondere Verbindung zu den Menschen und ein Gemeinschaftsgefühls zwischen den Menschen her (u.a. z. 15-21), während Ebert lediglich seine Verbundenheit zu „dem Volk“ als homogene Menge (mit Ausnahme der Arbeiter) darstellt.

Die inhaltlichen Gemeinsamkeiten sind die folgenden:

Beide geloben, ihr Amt „unparteilich“ (Ebert (E.) z. 2; Hindenburg (H.) z. 5-8) und neutral zu führen, die Verfassung zu schützen und zu wahren und so ihren Amtseid zu erfüllen. In ihren Zielen gibt es ebenfalls Übereinstimmungen: Sie haben sich beide dem Frieden verschrieben, der dem deutschen Volk Freiheit (H. z. 33) und das Selbstbestimmungsrecht (E. z. 17) sichern soll. Hindenburg spricht von „wahrem Frieden“ als anzustrebendes Ziel, womit wohl die Freiheitseinschränkungen des Versailler Vertrages gemeint sind, da Deutschland trotz der Kapitulation und dem folgenden „Frieden“ durch dieses Abkommen erheblich negativ beeinflusst wurde. Außerdem ist es das Ziel beider Redner, dem Volk sein „täglich Brot“ zu sichern (H. z. 28; E. z. 19).

Die Texte weisen jedoch auch erhebliche Unterschiede auf:

So bekennt sich Ebert im zweiten Abschnitt klar zu seiner sozialistischen Einstellung und seiner Vergangenheit als „Sohn des Arbeiteraufstandes“(z. 6) sowie dazu, dass er der Arbeiterklasse eine „gewaltige Bedeutung …für die Aufgaben der Zukunft“ (z.11) zuspricht. Er widerspricht so etwas seiner Aussage im ersten Abschnitt, wo er seine Unabhängigkeit von den Parteien proklamiert. In Anbetracht der Tatsache, dass er der ehemalige Vorsitzende der SPD war, kann man diese Darstellung seiner Gesinnung nachvollziehen.

Hindenburg stellt zwar keine direkte Verbindung zu einer politischen Richtung her, stellt aber dennoch seine sich sehr von der Eberts unterscheidende Gesinnung dar. Er vertraut auf den „Beistand des ewigen Gottes“ (z. 8) und bezieht sich auf die (fragliche) „stolze ruhmreiche Vergangenheit“, in der sich die „unsterblichen Lebenskräfte der deutschen Nation“(z.10) bewährt hätten. Er vertritt also eher eine patriotische und konservative Haltung: Dies wird umso klarer, wenn man sich bewusst macht, dass Hindenburg während des Ersten Weltkriegs die Oberste Heeresleitung inne hatte und als Vertreter der Dolchstoßlegende gilt, die besagt, dass das deutsche Heer aus dem Krieg unbesiegt hervorging und der Krieg nur durch das Wirken der Novemberrevolutionäre (wozu er auch Ebert zählte) verloren wurde.

Details

Seiten
2
Jahr
2008
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117746
Note
1,0
Schlagworte
Antrittsreden Reichspräsident Friedrich Ebert Paul Hindenburg

Autor

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Titel: Die Antrittsreden als Reichspräsident von Friedrich Ebert und Paul von Hindenburg