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Die Fußballberichterstattung im Pay-TV

Ein Struktur- und Angebotsvergleich zwischen PREMIERE und arena

Diplomarbeit 2008 145 Seiten

Sport - Medien und Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

III Vorwort

1 Einleitung
1.1 Fragestellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Pay-TV
2.1 Pay-TV als Oberbegriff
2.2 Erscheinungsformen des Pay-TV
2.2.1 Pay-per-Channel
2.2.2 Pay-per-View
2.2.3 Video-on-Demand
2.2.3.1 Interaktivitätslevel
2.2.3.2 Near-Video-on-Demand
2.2.3.3 True VoD
2.2.3.4 Enhanced VoD (DtO)
2.3 Status Quo des Pay-TV
2.3.1 Frankreich
2.3.2 Großbritannien
2.3.2.1 Pay-TV in England
2.3.2.2 Exkurs: Rupert Murdoch
2.3.3 Italien
2.3.4 Deutschland
2.4 Historische Entwicklung zum Forschungsgegenstand
2.4.1 Premiere AG
2.4.1.1 Organisation und Struktur
2.4.1.2 Beteiligungen
2.4.1.3 Chronologie
2.4.2 Arena Sport Rechte und Marketing GmbH
2.5 Systemunterschiede Free- und Pay-TV
2.5.1 Finanzierung
2.5.2 Übertragungswege und technische Reichweiten
2.5.3 Programminhalte
2.6 Zusammenfassung

3 Fußball
3.1 Fußball Weltgeschichte
3.1.1 Ts’uh küh
3.1.2 Antikes Hackysack
3.1.3 Das steinerne Tor
3.1.4 Italiener wollten imponieren
3.1.5 Einmal über die Kirche und zurück
3.1.6 Wiege des europäischen Fußballs
3.2 Deutschland
3.2.1 Die Geschichte eines Fußballpioniers – W. Bensemann
3.2.2 Fußballdeutschland in Epochen
3.2.2.1 Fußballdeutschland erwacht
3.2.2.2 Dem Hakenkreuz untergeordnet
3.2.2.3 Elf Freunde müsst ihr sein
3.2.2.4 Der Mann mit der Mütze
3.2.2.5 Fußball gearbeitet
3.2.2.6 Der Kaiser geht, der Terrier folgt
3.2.2.7 Ein neuer Kurs
3.2.3 Die Fußball Bundesliga
3.2.3.1 Die Liga – Fußballverband e.V
3.2.3.2 Ausrichtung – die Deutsche Fußball Liga GmbH (DFL)
3.2.3.3 Die Lage der Liga
3.2.4 Interesse am Fußball
3.2.5 Übertragungslizenzen
3.3 Zusammenfassung

4 Empirische Grundlagen der Untersuchung
4.1 Untersuchungsziele
4.1.1 Forschungsleitende Fragen
4.1.2 Hypothesenkatalog
4.2 Untersuchungsgegenstand und -zeitraum
4.3 Methode
4.3.1 Inhaltsanalyse
4.3.2 Begründung der Methodenwahl
4.3.3 Entwicklung des Kategoriensystems
4.4 Pretest
4.4.1 Objektivität
4.4.2 Reliabilität
4.4.3 Validität
4.5 Durchführung
4.6 Methodenkritik
4.7 Zusammenfassung

5 Präsentation und Interpretation der Ergebnisse
5.1 Rahmenberichterstattung
5.2 Sendung
5.3 Moderation
5.3.1 Studiogäste und Experten
5.3.2 Spielanalysen
5.3.3 An- und Abmoderation
5.4 Interview
5.5 Werbung
5.6 Grafik
5.7 Journalistische Darstellungsformen
5.8 Live-Schaltungen
5.9 Unterschneidungen
5.9.1 Teilbereiche der Sendung
5.9.2 Inhalte
5.9.3 Technische Bildelemente
5.10 Zusammenfassung

6 Hypothesendiskussion

7 Schlussbetrachtung

8 Ausblick

IV Literaturverzeichnis

V Abbildungsverzeichnis

VI Tabellenverzeichnis

VII Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

An dieser Stelle möchte der Verfasser seine persönliche Motivation zum Ausdruck bringen, die ihn zu dieser Arbeit bewegt hat:

Verschiedene, auch studienbegleitende Tätigkeiten im, um und mit dem Sport, prägen meinen Lebenslauf bis zur Diplomarbeit. Schon im Kindesalter konnte ich mich für verschiedene Sportarten, von Volleyball über Schwimmen bis hin zum Fußball, begeistern. Diese Zuneigung für den Sport begleitete mich in der Schule weiter, als ich mich für den Leistungskurs Sport entschied. Nach dem Abiturabschluss ergab sich die Möglichkeit durch ein Praktikum im Marketing des FC Valencia (Spanien) bereits erste Erfahrungen im Bereich Profifußball zu sammeln und im Studium der Sportwissenschaft manifestiere sich schließlich mein Zuneigung für Sport vollends. Neben dem Studium arbeitete ich studienbegleitend bei der IMP Innovative Medientechnik und Planung AG[1] als Grafikregisseur für Fußballbundesligaspiele, Partien der UEFA Champions League, sowie bei Länderspielen der FIFA Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Durch diese Tätigkeit, kam ich häufig mit den Studiosendungen der Premiere Fernsehen GmbH & Co. KG[2] in Berührung. Nach dem großen Umbruch der Fußballbundesliga durch einen neuen Pay-TV Sender, der arena Sport Rechte und Marketing GmbH, konnte ich die Geburt eines neuen Senders live miterleben, da die IMP AG nun auch die Grafiken für arena produzierte und ich die Studiosendungen sozusagen Backstage erlebte. Hier entstand erstmals die Idee für einen Vergleich der Studiosendungen des „alten Herren“ Premiere und dem „Jungspund“ arena. Diese Arbeit erstellt genannten Vergleich und zeigt weiterführende Thesen auf.

1. Einleitung

1.1 Fragestellung und Zielsetzung

Die Geschichte des Fußballspiels reicht bis weit vor 2000 v. Chr. zurück. Damals stellte Huang-ti, der chinesische „Gelbe Kaiser“, vermutlich die ersten Fußballregeln auf[3]. Kaiser Huang-ti ließ seine Soldaten zur Wehrertüchtigung, einen mit Federn gefüllten Ball treten, um Tugenden wie Geschicklichkeit oder Ausdauer zu schulen[4].

Heute besteht der Ball aus Polyurethan[5] und ist laut Hersteller runder denn je. Die Maschinerie hinter der Sportart Fußball ist ein gigantisches Imperium mit stetig steigender Anhängerzahl[6]. Fußballbegegnungen werden zu großen Events stilisiert und Sportevents gleichen einer Show. Auch das Fernsehen weicht von diesem Trend nicht ab. Die für Anhänger dieser Sportart faszinierenden Bilder, die riesigen Nahaufnahmen, zeitnahe Wiederholungen und aufklärende Zeitlupenbilder sind Elemente, mit der das audio-visuelle Medium seine eigene Realität schafft und damit eine Art „neue Welt“ – nämlich die des Fernsehens – forciert.

Zentraler Koordinationspunkt der einzelnen Fußballbegegnungen bei der Fernsehübertragung ist das Studio: Bei arena die „Bundesliga-Show“ mit eigenem Dome[7] und bei Premiere schlicht „Fußball Bundesliga“ genannt. Es gab Ende Dezember 2005 einen großen Umbruch im Bereich der Fußballübertragung im Fernsehen: Der Pay-TV Sender Premiere[8], welcher im deutschen Fußball schon als ein Synonym für die Übertragung des Profifußballs galt, wurde durch arena abgelöst. Mitarbeiter wurden abgeworben, Produktionsplätze wurden geschaffen und neue Häuser errichtet. Auch die Sendung selbst musste neu konzeptioniert werden. Die Produktionsstätte der Plazamedia[9] in Ismaning hat sich nicht geändert, jedoch die Technik, sowie Leitungen, Übertragungswege und die Personen hinter dem Schalter wurden ausgetauscht. Arena stand in der Saison 2006/2007 auf dem Prüfstand und ganz Fernsehdeutschland schaute zu. Deutsche Fußballfans sind nicht gerade zimperlich, wenn es um Ihr „Baby“ – den Fußball geht. Es muss alles stimmen, kein falscher Bildschnitt, keine unnötige Information, nicht zu viel Werbung – alle Beteiligten müssen 100 Prozent geben.

Diese Arbeit stellt einen objektiven Vergleich an, um die Situation nach dem möglichem Wechsel vom Monopol zum Duopol darzustellen. Dabei ist klar, dass arena seine erste Saison produzierte. Jedoch war dies beim Erwerb der Live-Übertragungsrechte mit einzubeziehen und so, warb arena viele Mitarbeiter von Premiere ab um den Frontalaufprall zu verhindern.

„Wir wollen eine neue Sendeplattform neben Premiere in Deutschland aufziehen. Aus dem Monopol soll ein Duopol werden“, so arena-Chef Bernard de Roos in einem Interview am 29. Dezember 2005 mit der Süddeutschen Zeitung.

Der Vergleichskampf des David gegen Goliath hatte begonnen. Kann arena die jahrelange Erfahrung durch Tiefpreise aufwiegen und sich im harten deutschen Pay-TV Markt behaupten? Mit dem Launch dieses neuen Pay-TV Senders in Deutschland tritt die Unity Media[10] mit dem Erwerb der Übertragungslizenzen einen kostspieligen und gefährlichen Drahtseilakt an, welcher großen Unternehmen (Leo KirchGruppe) schon das letzte Hemd kostete.

Gelingt Unity Media mit arena dieser Drahtseilakt?

1.2 Aufbau der Arbeit

Für eine umfangreiche Beantwortung dieser Fragen und um dem Bestreben nach Totalität gerecht zu werden, geht der empirischen Untersuchung eine themenspezifische Auseinandersetzung zu den elementaren Grundlagenbereichen Pay-TV und Fußball voraus. Nach Vorstellung der theoretischen Basis erfolgt im empirischen Teil dieser Arbeit mit Hilfe der TV Inhaltsanalyse die Klärung der Frage, ob arena eine Chance hat neben Premiere zu bestehen und akzeptiert zu werden. Hierzu werden im Kapitel 4 die Untersuchungsgegenstände detaillierte beschrieben und auf die Auswahl der Methode, um eine Einschätzung über die Zukunft beider Pay-TV Anbieter aufzuzeigen, werden in Kapitel 5 die gesammelten Erkenntnisse dargestellt. Kapitel 6 geht auf die gestellten Hypothesen ein und Kapitel 7 und 8 zeigen mit einer Schlussbetrachtung Zukunft, Chancen und Ausblick in diesem Bereich auf und schließt mit einem persönlichen Fazit ab.

2 Pay-TV

Zunächst erfolgen Abgrenzung und Erscheinungsformen des Oberbegriffs „Pay-TV“, bevor dessen Entwicklung in Frankreich, Großbritannien und Deutschland skizziert und eine genauere Ausführung von Premiere und arena vorgenommen wird. Anschließend wird der Unterschied zwischen Pay-TV und Free-TV anhand von drei Kriterien verdeutlicht.

2.1 Pay-TV als Oberbegriff

Das Wesensmerkmal des Pay-TV ist bereits in seinem Namen verankert – die Eigenschaft der Gebühr. Der Duden definiert Pay-TV mit folgendem Wortlaut:

„[‘pe‘ti:vi:], das; - [engl. pay TV, zu: engl. to pay = bezahlen u. TV]: Fernsehprogramm eines Privatsenders, das gegen Zahlung einer bestimmten Gebühr mithilfe eines zusätzlich benötigten Decoders empfangen werden kann“[11]

So verdeutlicht auch Diesbach (1998, S.19), dass Pay-TV „in seiner Gesamtheit keine Bezeichnung für eine besondere technische Variante des Mediums Fernsehen“ ist, sondern eher eine Variante der „Finanzierung aus Gebühren oder Werbung“ beschreibt. Die Grenze zwischen den Finanzierungsmöglichkeiten des Free-TV durch Rundfunkgebühr und die durch das Entgelt des Pay-TV werden später genauer erläutert.[12] Auch die Prognos AG (1995) betont, dass das in Deutschland unter dem Namen „Bezahlfernsehen“ verbreitete Medium nur gegen eine gesonderte Gebühr bezogen werden kann.

Um zu gewährleisten, dass nur ein zahlender Zuschauer das Programm verfolgen kann, wird das Signal durch verschiedene Systeme[13] verschlüsselt. Die Verschlüsselung dient zudem der Absicherung gegen Piraterie. Für die Decodierung ist ein sog. Digital-Receiver[14] nötig, welcher das jeweilige Zugangsberechtigungssystem (Conditinal Access System) unterstützt und entweder gekauft oder gemietet werden muss. Unter Verwendung einer Smartcard wird das verschlüsselte Fernsehsignal decodiert. Dieser Aspekt ist der für die Öffentlichkeit spürbarste Faktor, aber nicht das wesentliche Merkmal des Pay-TV. Das Bezahlfernsehen entwickelte sich fortan zu einer Art „individuellem Fersehen“. Laut Bullinger (1980, S.43) ist dies der Hauptanwendungsfall des Pay-TV. Die Entwicklungen der großen Pay-TV Anbieter zeigen einen Trend zu einer Vollindividualisierung des Bezahlfernsehens. Die steigende Anzahl an Programm-Bouquets[15] von Premiere unterstreicht diese Intention deutlich, da der Zuschauer sein eigenes Programm zusammenstellen kann.

2.2 Erscheinungsformen des Pay-TV

Das Pay-TV existiert in verschiedenen Formen und lässt sich anhand zweier Kriterien unterscheiden. Zum einen durch die Abrechnungsmodalität, zum anderen durch die Möglichkeit des Zuschauers, das Programm selbst gestalten zu können (vgl. Diesbach, 1998, S. 20).

2.2.1 Pay-per-Channel (PPC)

Diese Form wird im allgemeinem Sprachgebrauch auch als Pay-TV, Bezahlfernsehen oder Abonnementfernsehen verstanden. Die Premiere AG beschreibt diese Art des Fernsehens folgendermaßen: „Fernsehen zum Abonnieren ist das Hauptgeschäft von Premiere. Unsere Kunden stellen sich ihr Wunschprogramm aus einem umfassenden Gesamtangebot zusammen.“ (Premiere AG - Geschäftstätigkeit, 2007). Der Rezipient zahlt also nur für sein individuelles Programm während eines bestimmten Zeitraums, meist 24 Monate, unabhängig von seiner individuellen Nutzungsdauer (Schrape, K. [Prognos AG], 1995, S. 27).

2.2.2 Pay-per-View (PPV)

Wörtlich übersetzt bedeutet dies „Zahlen pro Ansicht“. Der Rezipient bezahlt nur für das, was er bestellt hat. Diesbach (1998, S.21) verdeutlicht, dass „die Höhe der vom einzelnen Zuschauer zur erbringenden Summe – neben der Grundgebühr – von dessen tatsächlicher Nurtzungsdauer abhängig ist.“ Die Abrechnung erfolgt entweder durch die kontinuierliche Abwertung der Smart-Card (bzw. PREMIERE Flexcard), oder durch eine monatliche Abrechnung der individuellen Nutzungsdauer. Die PPV-Anbieter strahlen permanent ihre Inhalte aus. Generell werden die Inhalte, wie im normalen TV-Programm auch, hintereinander ausgestrahlt – jedoch verschlüsselt. Erst wenn der Endkunde einen PPV-Inhalt (Sport, Filme, Erotik etc.) beim Anbieter frei schaltet, wird der Inhalt entschlüsselt und somit sichtbar. Die Freischaltung löst mehr oder weniger nur eine Entschlüsselung der Daten für einen bestimmten Zeitraum aus. PPV ist also ein Einzelabruf-Verfahren.

Zwei Problembereiche sind bei dieser Unterscheidung zu erkennen. Einerseits die Vermischung bzw. Kombination aus verschiedenen Entgeltformen, welche bei einigen Angeboten auch wahrscheinlich sind. Andererseits kann es vorkommen, dass es für den Rezipienten nicht mehr klar erkennbar ist, wofür er welche Entgelte bezahlt (vgl., Klaus Schrape [Prognos AG], 1995, S. 27f). Zu erwähnen sei an dieser Stelle noch, dass PPV und On-Demand-Dienste zwar die gleiche Abrechnungsmodalität im PPV-Sinne erfahren, aber dennoch nicht gleichgesetzt werden können. Bei PPV handelt es sich grundsätzlich um die Frage der Abrechungsmodalität, bei On-Demand-Diensten um die Einflussmöglichkeit des Zuschauers auf die Sendung selbst[16] (vgl. Diesbach, 1998, S. 22).

Eine spezifische Abgrenzung soll im Folgenden unternommen werden.

2.2.3 Video-on-Demand (VoD)

Diese von Anbietern favorisierte Methode beschreibt die Möglichkeit, digitales Videomaterial auf Anfrage von einem Internetangebot oder -dienst herunterzuladen (downloaden), oder über einen Video-Stream direkt mit einer geeigneten Software zu jedem beliebigen Zeitpunkt anzusehen (Live-Stream). Im Gegensatz zum PPV liegt beim VoD das Signal nicht permanent beim Rezipient, sondern wird nur auf Anfrage hergestellt.

2.2.3.1 Interaktivitätslevel

Im Zusammenhang mit VoD fällt auch oft der Begriff Interaktivitätsstufen. Schrape (1995, S. 28) schreibt dazu: „Wenn man im weitesten Sinne Interaktivität als das Bestehen einer prinzipiellen Rückkopplungsmöglichkeit des Zuschauers mit dem Angebot begreift, so ergibt sich eine Vielzahl von Beispielen“. Demnach sei „ein sinnvoller Ansatz“ nur über die konkreten kommunikativen Möglichkeiten erzielbar. Folgende Stufen der Interaktivität werden von Scharpe (1995, S. 28) angeführt:

- Level 0: An-/ Ausschalten des Gerätes und Programmwechsel

(Zapping)

- Level 1: Ein Angebot besteht aus mehreren zeitversetzt

ausgestrahlten Kanälen, zwischen denen der Zuschauer auswählen kann

- Level 2: Ausstrahlung von wahlweise nutzbarer

Zusatzinformation zum Fernsehsignal, mit oder ohne Programmbezug (Videotext)

- Level 3: Jede Form des individuellen Abrufens von

gespeicherten Inhalten

- Level 4: Kommunikative Interaktion, aktive Benutzerorientierung

(direkter Rückkanal), Zwei-Wege-Kommunikation (Bildtelefon, interaktive Dienstleistungen)

2.2.3.2 Near-Video-On-Demand

Near-Video-On-Demand, auch Video-Near-Demand genannt, ist die einfachste Form der On-Demand-Dienste und bietet nur geringe individuelle Möglichkeiten. Es ist eine Technik, bei welcher der Abspielzeitpunkt nicht beliebig, sondern nur zu vorgegebenen Anfangszeiten gewählt werden kann. Diese Intervalle, z. B. zu jeder Viertelstunde, können vom Anbieter festgelegt werden (Interaktivitätslevel 1).

2.2.3.3 True VoD

True Video-on-Demand stellt dem Kunden die Möglichkeit offen, wann er den Inhalt rezipieren möchte. Das gewünschte Programm liegt auf einem Server des Anbieters und wird lokal abgerufen. Falls die technische Ausstattung einen Rückkanal erlaubt, stehen weitere Funktionen (wie beim Videorekorder) zur Verfügung (Interaktivitätslevel 2).

2.2.3.4 Enhanced VoD

Enhanced VoD, oder auch Download-to-Own (DtO)[17], ruft den Programminhalt vom Server des Anbieters ab und speichert diesen lokal[18]. Der Kunde kann somit voll entscheiden, wann und wie oft er den Inhalt rezipiert (Interaktivitätslevel 3).

Beiden Formen liegt die Abrechnung nach dem PPV Prinzip zugrunde. Die Vielzahl und Vielfalt des inhaltlichen Angebots richtet sich nach Angebot und Nachfrage.

Interaktivitätslevel 4 wird derzeit noch von keinem angebotenen Dienst erreicht. Dieser Stand ist momentan nur durch das Internet[19] zu erzielen. Es sind aber von mehreren TV-Anbietern schon, durch die Vermischung von TV und Internet, entsprechende Ansätze erkennbar und Pläne vorhanden. Die deutsche Telekom (T-Home), HanseNet Telekommunikation GmbH (AliceHomeTV) und ARCOR (Arcor-Digital TV) sind die ersten Unternehmen, die in Deutschland als Vorreiter für das IPTV gelten. Dabei geht es nicht zwingend um die Infiltrierung des Pay-TV Marktes, sondern die Anbieter zielen, mit dem sogenannten „Tripple-Play“, auf die Kundenpotentiale des Internet, Fernsehen (unter anderem auch Pay-TV) und der Telekommunikation gleichermaßen ab.

Die rasante Entwicklung der On-Demand-Dienste hat gezeigt, dass diese Technik wohl nicht mehr lange auf sich warten lässt. Auch das Fraunhofer-Institut behauptete noch „vor rund zehn Jahren, dass eine Umsetzung von Video-on-Demand nicht mit realistischem Aufwand machbar [sei, und die] (…) Kosten, die aufgrund des hohen technischen Aufwands entstehen, (…) [stünden] in keinem Verhältnis zu den Preisen, die von den Zuschauern für die Möglichkeit zur individuellen Programmzusammenstellung akzeptiert werden‘“ (Kaufmanns & Siegenheim, 2006, S. 622).

2.3 Status Quo des Pay-TV in Europa

Ohne Analogien zu anderen internationalen Fernsehmärkten anzuregen, sollen im Folgenden die digitale Fernsehlandschaft ausgewählter Länder wie Frankreich, Großbritannien und Italien näher beleuchtet werden. Einige der im folgenden Kapitel erläuterten Medienriesen[20] betreiben seit einigen Jahren erfolgreich Pay-TV in oben genannten Ländern und dominieren den europäischen Markt in diesem Bereich. Nun haben Sie sich das Ziel gesetzt im deutschen Fernsehmarkt Fuß zu fassen.

2.3.1 Frankreich

In Frankreich gibt es einen der größten Pay-TV Anbieter Europas, die Canal Plus Group, welchen sowohl im analogen als auch im digitalen Bereich weit fortentwickelt ist. Sie besteht aus zwei Hauptgeschäftsbereichen (Canal Plus und CanalSat) welche zusammen auf über 8 Millionen Abonnenten kommen. Insgesamt zählt die Canal Plus Group[21] in allen Geschäftsbereichen laut eigenen Angaben über 10 Millionen Abonnenten. Die Zahlen des Fernsehgiganten Canal Plus lassen erahnen, welch ein schwieriges Geschäft Pay-TV ist. 1997 verzeichnete das Unternehmen noch 55 Mio. DM (ca. 28,13 Millionen Euro) Verlust, 1998 kam es dann zu einem Reingewinn von 456 Mio. DM (233,15 Millionen Euro), 2006 konnte das Unternehmen 42 Millionen Euro erwirtschaften.

Bereits seit 1984 bietet Canal Plus ein analoges Pay-TV-Vollprogramm auf terrestrischen Frequenzen an. Am 27. April 1996 startet mit CanalSatellite in Frankreich das erste Bouquet mit zehn digitalen Kanälen und einer Reihe von Spartenkanälen. Im selben Jahr noch kann CanalSatellite bereits auf 700 Tsd. Abonnenten zurückgreifen und der Mutterkonzern fusioniert mit der niederländischen Nethold Gruppe. So entsteht einer der bis dato größten Fernsehkonzerne Europas ( vgl. Paukens & Schümchen, 2000, S. 22f.). 1996 treten die Konkurrenten TPS und AB SAT auf dem französischem Markt auf. TPS entwickelt sich gut und besitzt bis Ende 1997 bereits 350 Tsd. Abonnenten. Das Unternehmen wird jedoch Ende 2005 durch das bald landesweit frei verfügbare DVB-T-Angebot der Arbeitsgemeinschaft Digitale Terrestrische Fernsehens (TNT - Télévision Numérique Terrestre)[22] und das in Frankreich stärker werdende IP/DSL-Fernsehen (IPTV) zu einer Fusion mit CanalSat getrieben. TPS bringt 1,35 Millionen Abonnenten und CanalSat etwa 8 Millionen Abonnenten in die Verschmelzung ein (Klein, 2005).

Die AB SAT, das dritte konkurrierende Unternehmen, welches der Group AB angehört, kann bis Ende 1997 lediglich 50 Tsd. Abonnenten locken. Aufgrund dieser Entwicklung entsteht eine weitere Kooperation der Canal Plus Group, zwischen AB SAT und CanalSatellite, die daraufhin ihre Decodersysteme miteinander kompatibel machen.

2.3.2 Großbritannien

Die englische Fernsehhistorie ist eng mit dem Lebenswerk des Medienmoguls Rupert Murdoch verbunden. Zudem war er und ist seit kurzem wieder Teil des Deutschen Pay-TV. Deshalb wird im Folgenden zuerst die Pay-TV Situation im britischen Königreich erörtert und danach Murdochs Werdegang dargelegt.

2.3.2.1 Pay-TV in England

Seit 1990 bietet der englische Pay-TV Anbieter BskyB ein analoges Programm mit verschiedenen Programm-Bouquets. Durch die Einigung der gesamten Branche auf einen gemeinsamen Decoder Standard und den erfolgreichen Sportrechtehandel, wie beispielsweise im Fußball oder Rugby, kann sich das Unternehmen aus der ersten wirtschaftlichen Krise retten. Das Angebot wird im Oktober 1998 durch die Verbreitung von 140 Pay-TV Kanälen erweitert und kann im August 1999 schon durch eine erfolgreiche Akquise auf 1,2 Millionen Abonnenten zurückgreifen (vgl. Paukens & Schümchen, 2000, S. 23f). Durch die Herausgabe kostenloser Decoder (es wird lediglich eine Installationsgebühr erhoben) gewinnt die Plattform monatlich fast 200 Tsd. Abonnenten und erfasst zur Jahrtausendwende schon auf 3 Millionen Abonnenten. Ein Jahr später erreicht der Konzern sein anvisiertes Ziel von 5 Millionen Kunden und schaltet daraufhin die analoge Übertragung ab. Ende 2006 überschreitet das Unternehmen die 8 Millionen Abonnenten Grenze und verzeichnet immer noch steigendes Wachstum (vgl. BskyB, 2006).

Andere englische Anbieter waren weniger erfolgreich. Granada und Carlton, die beiden kräftigsten Fernsehunternehmen in England, gründen im November 1998 einen digitalen Pay-TV Dienst, genannt "ONdigital", welcher später in "ITV digital" umbenannt wird und 2002 aufgrund eigener „Managementfehler[n] und (…) der gnadenlosen Konkurrenz des marktdominanten BskyB“ (Woldt, 2002, S. 538) Insolvenz anmelden muss. Um eine englische Pay-TV Krise abzuwenden übernimmt im Oktober 2002 die BBC zusammen mit einem Konsortium aus Sendenetzbetreibern und BSkyB die Führung. Man benennt es erneut um in "Freeview" und bietet frei zugängliche Programme über das terrestrische Digitalnetz an (vgl. ebd., S. 539).

2.3.2.2 Exkurs: Rupert Murdoch

Keith Rupert Murdoch wird am 11. März 1931 in Melbourne (Australien) als Sohn des renommierten Journalisten und Zeitungsverlegers Sir Keith Murdoch geboren. Nach seinem Abitur und dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Oxford, arbeitet er als Junior Reporter in Birmingham und absolviert ein Praktikum in London. Als sein Vater 1952 stirbt, erbt der damals erst 21-Jährige die australischen Zeitungen „Adelaide Post“ und „Sunday Mail“ (vgl. Who’s Who, 2007, 19. November). Mit Hilfe dieser Unternehmen baut sich Murdoch ab 1955 eines der weltgrößten Medienkonglomerate auf. 1964 gründet er seine erste landesweite australische Tageszeitung und geht 1968 mit dem Kauf der Massenblätter „News of the World“ und „The Sun“, auch auf den britischen Markt über. Letzteres strukturiert er zum Sensations- und Boulevardblatt um, welches sich daraufhin zum profitabelsten Bereich seines Unternehmens entwickelt. Fünf Jahre später beginnt er, mit dem Kauf der „San Antonio Express News“ und kurz darauf mit der Übernahme der angeschlagenen „New York Post“, den US-Medienmarkt zu annektieren. Erst 1979 ist die tatsächliche Geburtsstunde der heutigen News Corporation Ltd. (News Corp.) im australischen Sydney. Mit der Übernahme der „Times“ und der „Sunday Times“ im Jahr 1980 erreicht der Konzern erstmals ein Portfolio mit Weltformat. Die 20th-Century-Fox Filmstudios sind der erste Schritt, der bisher nur als Verlagsriesen bekannten News Corp., in das Terrain von Film und Fernsehen. 1948 erstellt er aus dem Kauf sechs lokaler TV-Sender die amerikanische Fox Broadcasting und 1989 geht in England mit Europas erstem Satelliten-Fernsehen Sky Television (Sky) auf Sendung. Eineinhalb Jahre später fusioniert Sky mit der schwächelnden British Satellite Broadcasting zum heutigen dominierendem BskyB (vgl. Krönig & Barthel, 2008, #Geschichte und Profil). Die News Corp. rangiert derzeit mit 28,650 Mrd. US-Dollar (24,880 Mrd. Euro) unter den Top 5 der internationalen Medienunternehmen. Mit Deutschland assoziiert der Medienmogul allerding wohl seine größte Niederlage. Nach dem Flop des Gemeinschaftsprojektes „Super-Zeitung“ im Jahr 1992 zusammen mit dem Hubert Burda Verlag kann ihn auch seine Beteiligungen an Vox (Bertelsmann Gruppe) und TM3 (Kirch Gruppe) nicht überzeugen und er verkauft sie wenig später wieder. Mit rund 1,7 Mrd. Euro wird Murdochs Abschreibung beziffert, welche er nach der Isolvenz des Kirch Imperiums tätigen muss. Lange Zeit blieb Deutschland ein dunkler Punkt auf der „weltumspannenden Murdoch-Karte“ (Krönig & Barthel, 2008, #Engagement in Deutschland), bis er im September mit dem Mehrheitskauf des Klingelton-Vertreibers Jamba einen neuen Versuch startet. Sein neuester Coup ist der Erwerb des Aktienpakets der Unity Media (rund 15 Prozent) im Januar 2008. Hier konnte er gleichzeitig seinen Konkurenten die Videndi S.A., welche ebenfalls an dem Paket Intresse hatte, ausstechen und zum größten einzelnen Teilhaber der Premiere AG werden (vgl. ebd.).

2.3.3 Italien

In Italien beginnt das Bezahlfernsehen Anfang der 90er Jahre mit der Verbreitung der Fernsehkanäle Télépiù (1 bis 3) durch Silvio Berlusconi. Zunächst werden die Programme auf drei unterschiedlichen Kanälen (1=Film, 2=Sport, 3=Kultur) ausgestrahlt, im August 1997 wird das Angebot zu drei Programm-Bouquets (weiß, blau und schwarz) umstrukturiert, wobei jeder Kanal alle Bereiche abdeckt. Diese können wahlweise terrestrisch oder per Satellite empfangen werden.

1996 startet der Pay-TV Anbieter Télépiù digital mit einem Programmangebot, welches neben den üblichen Bereichen erstmals internationale Angebote impliziert und über das Satellitensystem Hotbird empfangen werden kann.

Im Oktober 2002 entsteht durch die Fusion der Anbieter Stream und Télépiù Digitale der Pay-TV-Sender Sky Italia. Dem australischen Medientycoon Rupert Murdoch gelingt es 1999 noch 50 Prozent des Unternehmens Stream zu kaufen und ist deshalb an der Fusion maßgeblich beteiligt (vgl. Woldt, 2002, S. 537). Bereits der Name („Sky“) verrät schon unter welcher Federführung der Konzern steht – nämlich der Feder des Rupert Murdoch. Bis Juni 2007 kann der neue Konzern eine Abonnentenzahl von 4,7 Millionen (vgl. Krönig & Barthel, 2008, #Geschäftsfelder) vorweisen. Sky Italia bietet rund 200 TV-Programme, 25 Radiosender und mehrere interaktive Dienste. Zusätzlich zum Pay-TV gibt es auch Pay-per-View-Kanäle. Es werden zahlreiche Sport-, Spielfilm- und Musikkanäle angeboten und die Sparten Nachrichten, Kinder und Kultur sind ebenfalls abgedeckt. Unter anderem gibt es hier den Kanal Fox News, Discovery Civilisation, MTV Brand New und den Disney Channel. Darunter sind auch einige frei empfangbare Sender wie beispielsweise HSE Italia.

Murdoch[23] plante, sich die Überragungsrechte der Italienischen Fußballligen A und B für drei Jahre zu sichern. Dies scheiterte aber an einem Dekret der italienischen Regierung namens „Lex Murdoch“[24].

2.3.4 Deutschland

Diesbach (1998, S. 31) bezeichnet den „zögerlichen Beginn des Pay-TV“ sowie den „ausgeprägten Konkurrenzkampf“ zwischen der Kirch-Gruppe und der Bertelsmann AG als charakteristisch für die deutsche Entwicklung des Bezahlfernsehens. Woldt (2002) führt die Lage im deutschen Pay-TV als „schwieriges Feld“ an, da in Deutschland über Satellit und Kabel ein breites Spektrum an freien Kanälen zu empfangen ist. Zudem ist „das duale Fernsehsystem in Deutschland“ durch sein Angebot als das „Leistungsfähigste in Europa“ bekannt (Woldt, 2002).

Die Grundsteinlegung des analogen Pay-TV in Deutschland sieht Witt (2003, S. 2) im Jahre 1985, als der Schweizer Spielfilmkanal TELECLUB in Deutschland auf den Markt kommt. Der von Leo Kirch gegründete Sender kommt jedoch aufgrund dürftiger Abonnentenzahlen schnell in eine wirtschaftliche Sackgasse und endet 1991 in einem Gemeinschaftsprojekt namens „PREMIERE“, welches am 28. Februar 1991 den Sendebetrieb aufnimmt. An dem Projekt sind die KirchGruppe, der französische Pay-TV Sender CANAL Plus und die CLT-UFA beteiligt (vgl. ebd.). Letztere entstand Anfang 1997 aus der Verschmelzung der Universum Film AG kurz UFA (Filmproduktion, Verleih und Kino innerhalb der Bertelsmann Gruppe) und der Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion (CLT), welche wiederum im April 2000 mit Pearson TV fusionierte und bis heute unter dem Namen RTL Group bekannt ist (vgl. Universum Film AG, 2007).

Am 28. Juli 1996 startet Leo Kirch mit der Digitalen Fernsehen GmbH & Co.KG (kurz DF1) den nächsten Versuch auf dem deutschen Pay-TV Markt, diesmal digital. Auch dieser Pay-TV Anbieter bleibt mit den Abonnentenzahlen weit hinter der anvisierten Marke von 200 Tsd. bis Ende 1996. Bis Mitte 1997 hat DF1 lediglich 40 Tsd. Kunden werben können und erst im Januar 1999 verzeichnet der Kirch-Sender 300 Tsd. Abonnenten in Deutschland und 20 Tsd. in Österreich. Bertelsmann und die CLT geben kurz nach dem Start von DF1 bekannt, ihr digital Programm „Club RTL“ vorerst aufgrund „geringer wirtschaftlicher Entwicklungschancen“ (Paukens & Schümchen, 2000, S. 11) zurückzustellen. DF1 baut sein Programm-Bouquet kontinuierlich weiter aus, so kommt im Juli 1996 der Dokumentarsender der Discovery Channel Betriebs GmbH dazu, und ein Jahr später lässt die MultiThématiques GmbH zwei Spartenprogramme („Seasons“ und „Planet“) über die DF1 Plattform verbreiten. Am 1. November 1997 beginnt auch bei Premiere das digitale Zeitalter mit „Premiere digital“. Darin enthalten waren ein Hauptkanal, zwei Spielfilmkanäle und ein Dokumentationsprogramm. Im Jahr 1998 entscheiden sich die Universal Studios Networks Deutschland (13th STREET) und kurz darauf auch der Disney Channel für eine Ausstrahlung über Premiere (vgl. Paukens & Schümchen, 2000). Im März 1999 deuteten Aussagen des seinerzeit designierten Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann Gruppe, Thomas Middelhoff, auf einen Ausstieg des Unternehmens aus dem deutschen Pay-TV Geschäfts hin. Als Hauptgründe werden die „wettbewerbsrechtliche Untersagung der MMBG[25] “, die negative Presse um die Monopolstellung mit der KirchGruppe und „eine Neubewertung des Potentials des Pay-TV gegenüber Free-TV, Internet und Computer“ (Witt, 2003, S. 3f) genannt. Aufgrund dieses Rückzugs und dem Verkauf der Anteile von Premiere an die KirchGruppe fusioniert im Oktober 1999 DF1 mit Premiere zu Premiere World. Die KirchGruppe hat währenddessen auch eine weitreichende Veränderung erfahren. Im Schatten der TaurusFilm GmbH wurden seit Anfang 1999 alle Kirch-Unternehmungen und Beteiligungen im Stilen vereint und unter einem Dach organisiert (vgl. Paukens & Schümchen, 2000).

2.4 Historische Entwicklung zum Forschungsgegenstand

Es folgt nun eine Abgrenzung der Hauptakteure der Untersuchung. Die zwei Unternehmen, die Premiere AG und die arena Sport Rechte und Marketing GmbH, sollen im Folgenden genauer vorgestellt und Abgrenzungen, sowie Abhängigkeiten verdeutlicht werden.

2.4.1 Premiere AG

Die Premiere AG ist die Dachgesellschaft zahlreicher, namhafter Unternehmen der Medienbranche und nicht nur in Deutschland mit den Standorten in Schwerin (Service Center) und der Zentrale in München angesiedelt, sondern hat ihren Hauptsitz von Premiere Österreich in Wien.

Der Vorstand setzt sich zusammen aus: Michael Börnicke (CEO), Alexander Teschner (CFO), Carsten Schmidt (Chief Sports & New Business Officer) und Hans Seger (Chief Fiction & Special Interest Officer).

2.4.1.1 Organisation und Struktur

Die Organisation der Teilbereiche wird in Abbildung 1 veranschaulicht:

Auffällig ist hierbei, dass alle Anstrengungen rund um den Kunden (Bindung, Ansprache, Betreuung und Gewinnung) direkt dem CEO unterstellt sind. Neben dem Revisions-, Recht und Regulierungs- und Projektbereich auch die Kommunikation. Außerdem ist das Resort Gastronomie und Hotels mit dem Tochterunternehmen Premiere Hotel Entertainment sowie auch allen Sportbars ebenfalls hier angesiedelt. Der Bereich Finanzen implementiert das Controlling, die Investor Relations, die gesamte Mitarbeiterregulierung samt Organisation und das Informationsmanagement. Sport & New Business verantwortet die gesamten Sportbelange, einschließlich des Sportrechteeinkaufs, die Erweiterung der Angebote über die sog. „neuen Medien“[26], sowie Sportwetten und Gewinnspiele. Premiere Österreich wird ferner hier gesteuert. Fiction & Special Interest umfasst die Bereiche Rechte- und Lizenzeinkauf, Programrecherche, sowie Programm- und Sendeplanung. Die Abteilung Technology (HDTV oder Digital Rekorder-Technik) und die jüngsten Unternehmenstochter Premiere Star mit einem umfangreichen Angebot an Special-Interest-Programmen werden desgleichen hier verwaltet. Damit sind die Verantwortungen klar verteilt (vgl. Premiere AG - Organisation, 2007).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Organisation Premiere AG Quelle: (Premiere AG - Organisation, 2007)

2.4.1.2 Beteiligungen

Der Knoten unter dem Gipfel der Premiere AG gliedert sich in vier Unternehmen auf, davon sind drei Firmen, die Premiere Interacitve GmbH, die Premiere On Demand GmbH, sowie das Herzstück des Unternehmens die Premiere Fernsehen GmbH & Co.KG, jeweils 100 prozentige Töchter des Dachunternehmens.

Die am 1. Februar 2007 gegründete Premiere Interactive GmbH soll „die Etablierung und Umsetzung neuer Geschäftsmodelle und Kommunikationskonzepte für den Ausbau der interaktiven Medien und Distributionskanäle“ (Premiere AG - Beteiligungen, 2007, #Premiere Interactive) garantieren. Zweck der Premiere On Demand GmbH sind Konzeption, Vermarktung, Aufbau und Betrieb der Programm-Abrufdienste.

Hinzu kommt die Home of Hardware GmbH & Co.KG, welche im Mai 2007 mehrheitlich mit 65 Prozent von der Premiere AG übernommen wird[27] und zu den führenden[28] deutschen Onlineshops für Informationstechnologie, Telekommunikation und Entertainment gehört. Letztlich schließt die TESC Test Solution Center GmbH, an der die Dachgesellschaft mit 10 Prozent beteiligt ist und der Zertifizierung von Digital-Receivern dient, die Reihe der direkten Tochtergesellschaften ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Premiere AG – Beteiligungen Quelle: (Premiere AG - Beteiligungen, 2007)

Die Premiere Fernsehen GmbH & Co.KG, welche den gleichnamigen Bezahlsender betreibt, beherbergt wiederum sechs Tochtergesellschaften, von denen vier (Premiere Fernsehen GmbH Österreich, Premiere Service Center Schwerin GmbH und Giga Digital Television GmbH) zu 100 Prozent im Besitz der Premiere Fernsehen GmbH & Co.KG sind. Die Premiere Hotel Entertainment GmbH, sowie die Premiere Star GmbH befinden sich mehrheitlich (97,5 und 85 Prozent) im Besitz selbiger. Die Premiere Fernsehen GmbH Österreich ist, wie der Name schon vermuten lässt, der österreichische Ableger mit Sitz in Wien. Seit Oktober 2002 wird neben den gängigen Premiere Programmen auch der eigene Kanal Premiere Austria ausgestrahlt und vermarktet. Als Vermarktungsgesellschaft im Bereich Pay-TV in Deutschland und Österreich betreut die Premium Media Solutions GmbH den Werbezeitenverkauf für Premiere, sowie die Internet Angebote premiere.de und premiere.at. Im Januar 2008 wird die Premium Media Solutions GmbH mehrheitlich (75,2 Prozent) von der CU TV-Medien Beteiligungsgesellschaft übernommen. Das Service Center in Schwerin mit 440 Kundenbetreuern, sowie die Giga Digital Television GmbH, welche sich in ihren Sendungen mit Digital Lifestyle, Games und eSport Themen befasst, runden das Portfolio der Premiere AG ab (vgl. Abbildung 2).

2.4.1.3 Chronologie

Aufgrund der geschichtlichen Analogie von Premiere und der Entwicklung des Pay-TV in Deutschland, sollen hier nun einmal die wichtigsten Eckdaten der Premiere AG aufgelistet werden.

Im Jahr 1990 wird der Abo-Sender Premiere als Gemeinschaftsprojekt von CLT-UFA, Canal Plus und der KirchGruppe gegründet. Rund ein Jahr später geht der Sender am 28. Februar 1991 auf Sendung und wird ab 1997 auch digital ausgestrahlt. Als Bertelsmann sich aus dem Abo-Sender zurückzieht, kauft Leo Kirch die Anteile auf und lässt DF1 mit Premiere fusionieren – es entsteht Premiere World. Alle 306 Spiele der Bundesliga werden ab der Saison 2000/2001 live bei Premiere gezeigt. Nachdem Dr. Georg Kofler Anfang 2002 die Geschäftsführung übernommen hat, beginnt für das Unternehmen eine umfassende Neustrukturierung.

Das neue Einstiegsangebot PREMIERE START für fünf Euro senkt die Einstiegsbarriere bei Neukunden. Im Mai desselben Jahres stellt die KirchPayTV Holding einen Insolvenzantrag, dennoch billigen die Bayerische Landesbank wie auch die HypoVereinsbank dem Unternehmen Premiere eine neue Kreditlinie zu, und sichern so die Zukunft der Premiere AG. Bei der Muttergesellschaft KirchPayTV wird das Insolvenzverfahren eröffnet und es beginnt ein langer Kampf für den Gründer Leo Kirch. Dieser macht den damaligen Deutsche Bank Chef Rolf Breuer aufgrund seiner öffentlichen Aussage, dass er die Liquidität des Unternehmens bezweifle, für die Pleite verantwortlich. Premiere schreitet derweil mit der Restrukturierung voran und startet am 26. Oktober 2002 Premiere Austria, dem Pendant zum deutschen Abo-Sender. Das Jahr endet mit dem besten Weihnachtsgeschäft in der Unternehmensgeschichte. Anfang 2003 landet Premiere mit dem Erwerb der Formel-1-Übertragungsrechte auf vier Jahre einen Coup und ist damit weltweit der einzige Sender, welcher die Rennen live auf sechs Kanälen zeigt. Ab März desselben Jahres verbreitet Premiere sein Programm nur noch digital, die analogen Frequenzen werden stillgelegt. Für das Unternehmen geht es weiter bergauf. So erwirbt es im März 2004 die Liverechte zur Ausstrahlung der ersten und zweiten Bundesliga bis 2006 und kann ebenfalls die FIFA WM 2006 mit allen Spielen, davon acht exklusiv, übertragen. Im folgenden Jahr schreibt Premiere erstmals in der Unternehmensgeschichte schwarze Zahlen und kann den Börsengang am 9. März 2005 als Erfolg verbuchen. Der Emissionspreis der Premiere AG Aktie liegt bei 28 Euro und wird bis 8. März mehr als 12-fach überzeichnet. Das Unternehmen baut sein Netzwerk weiter aus und gründet im folgenden Jahr das Premiere Service Center und die Premus Logistik und Service GmbH. Im Dezember 2005 stellt der Verlust der Bundesligarechte das Unternehmen vor eine schwere Zerreißprobe, der Aktienkurs verliert nach Bekanntgabe der DFL, die Übertragungsrechte an ein Konsortium an Kabelnetzbetreibern (Unity Media[29] ) zu vergeben, um mehr als 40 Prozent an Wert. Premiere spezialisiert sich darauf hin mehr auf ausländische Ligen (Serie A – Italien, Primera Division – Spanien, Premiere League – England), auf Spielfilme, sowie andere Sportarten. Im Mai 2006 kann Premiere wieder Fußball Bundesliga übertragen. Die gekauften Onlinerechte der Deutschen Telekom billigen eine Verbreitung über das Internet per IPTV[30]. Aufgrund dieser Technik kann Premiere seinen Kunden wieder Bundesliga live anbieten. Die Idee das IPTV auch über Satellit (Sat) oder Kabel anzubieten, scheiterte offiziell an den rechtlichen Grenzen der von der DFL vergebenen Onlinelizenz[31]. Im Juli 2006 gelingt es Premiere mit arena einen Distributions- und Vermarktungsvertrag abzuschließen. Dieser ermöglicht es Premiere auch im Kabelnetz von ish, iesy und Tele Columbus (Unity Media) anzubieten. Im Gegenzug vermarktet Premiere jetzt auch arena im Gebiet von Kabel Deutschland. Im Februar 2007 wird dieser Vertrag noch um das Medium Satellit vergrößert. Zudem erwirbt das Unternehmen die nationalen arena Vermarktungsrechte für Sportbars, jedoch wird schon im April die Vermarktung von arena über Satellit nach Gesprächen mit dem Bundeskartellamt wieder auf Eis gelegt. Im Juli schließlich gibt das Unternehmen bekannt: „Die Bundesliga ist wieder zu Hause bei Premiere“: Aufgrund des hohen Verlustgeschäfts von arena, (Medien sprechen von einem operativen Fehlbetrag (Ebitda) von 132,4 Millionen Euro)[32] entschloss sich die Muttergesellschaft Unity Media den teuren Kostenblock Bundesliga durch eine Sublizenz an Premiere zu verkaufen. Bereits im August hat Premiere 45 Tsd. Bundesliga Abos an Neu- und Bestandskunden verkauft.

Die Abonnentenzahlen entwickelten sich beinahe stetig monoton steigend wie Abbildung 3 zeigt. Deutlich zu erkennen ist der Kundenrückgang nach dem Verlust der Liveübetragungsrechte der Fußball Bundesliga im Dezember 2005. Der damalige Vorstandsvorsitzende Dr. Georg Kofler kommentierte die Situation im August 2006 gegenüber dem Magazin FOCUS folgendermaßen:

„Angesichts der öffentlichen Diskussion über den Verlust der Bundesligarechte von Premiere, der dadurch ausgelösten Verunsicherung der Abonnenten und der außergewöhnlichen Marketinganstrengungen des neuen Wettbewerbers Arena ist dieser Rückgang als moderat zu bewerten“ (Sievers, 2006)

Der außergewöhnliche Anstieg, (+20,2 Prozent) von 3,47 Millionen Abonnenten auf 4,17 Millionen Abonnenten zwischen Juli und November 2007, gelang nach dem Bekanntwerden der exklusiven Rechte-Sublizenzierung von arena an Premiere für die Spielzeit 2007/2008 und 2008/2009. Premiere zahlt für diese Sublizenz ca. 100 Millionen Euro pro Jahr und zudem erhält Unity Media 16,4 Millionen Aktien im Wert von ca. 280 Millionen Euro (vgl. Finanznachrichten.de (DJG/nas), 2007).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Entwicklung der Premiere Abonnentenzahlen Quelle: e. D.

2.4.2 Arena Sport Rechte und Marketing GmbH (arena)

Die arena Sport Rechte und Marketing GmbH ist eine 100 prozentige Tochter des Kabelnetzbetreibers Unity Media. Die Unity Media ist ein Zusammenschluss der regionalen Kabelnetzbetreiber iesy (Hessen), ish (NRW) und Tele Columbus West GmbH in den deutschen Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Hessen.

Erstmals bekannt wurde arena (ehemals S4ALL GmbH mit Sitz in Hamburg) im Dezember 2005, als der Sender unter der Führung von Bernard de Roos von der Deutschen Fußball Liga (DFL) die audiovisuellen Verwertungsrechte der Fußball-Bundesliga von 2006 bis 2009 zugesprochen bekommt. Anfangs lässt ein Sprecher des Unternehmens noch verlauten, dass arena „in den breiten Massenmarkt einsteigen [wolle] und das Produkt Bundesliga nicht so klein und exklusiv halten [werde] wie Premiere“[33], jedoch gelingt es arena nicht jenen breiten Massenmarkt für sich zu mobilisieren. Nachdem das Unternehmen 100 Tsd. Abonnenten kurz nach dem Start vorweisen kann, steigen die Zahlen des Unternehmens zwar bis Oktober 2006 auf 900 Tsd. und bis Mitte 2007 auf knapp 1,1 Millionen Abonnenten, aber der Break-Even-Point wird auf ca. 2,5 Millionen Abonnenten geschätzt.[34] Diese Entwicklung ist zwar beachtlich, jedoch macht die Muttergesellschaft hohe Verluste (Juli 2006 bis März 2007: 189 Millionen Euro zzgl. Lizenzgebühr). Schließlich führte die kartellrechtlich untersagte Kooperation zwischen arena und Premiere sowie den hohen Verlusten im Sommer 2007 zum Verkauf der Bundesligarechte als Sublizenz an Premiere. Arena setzt seither als arenaSAT weiter auf Pay-TV und die Bundesliga, jedoch wird diese wieder von Premiere produziert. Arena bleibt dennoch weiterhin Vertragspartner der DFL und muss pro Jahr 220 Millionen Lizenzgebühr zahlen.

2.5 Systemunterschiede Free- und Pay-TV

Die bisherigen Ausführungen haben hauptsächlich auf den Unterschied zwischen Free- und Pay-TV im Bereich der Entgeldfinanzierung hingewiesen. Im Nachstehenden wird das Free-TV unter Berücksichtigung sonstiger Merkmale vom Pay-TV abgegrenzt. Zunächst ist noch wichtig anzuführen, dass die Begriffe Free- und Pay-TV leicht irreführend sein können, denn es darf nicht aus der Polarität der Wortbedeutungen geschlossen werden, dass Free-TV grundsätzlich kostenfrei zu beziehen ist. Der Begriff Free-TV sollte also nicht im Kontext des entgeltlichen Charakters zu sehen sein, sondern vielmehr auf die Möglichkeit zum freien Zugang einer Sendung hinweisen. Diesbach (1998) stellt fest, gemeinsames Merkmal der Free-TV-Sender ist der freie Zugang und somit unter dem Begriff sowohl der Öffentlich-rechtliche als auch der private Rundfunktveranstalter subsummiert sind. Zu unterscheiden sind diese in Bezug auf die Finanzierungsarten, Übertragungswege, technische Reichweiten und Programminhalte. Aufgrund der Komplexität der einzelnen Bereiche ist der Verfasser gezwungen, diese sinnvoll einzugrenzen und nur verkürzt darzustellen.

2.5.1 Finanzierung

Die Finanzierungsmöglichkeiten der TV-Anbieter stimmen in einigen Punkten überein und sind dennoch völlig verschieden. Die Öffentlich-rechtlichen (Ö-r) Rundfunkanstalten finanzieren sich primär und maßgeblich durch die Rundfunkgebühren (§13 Abs. 1 RStV). Diese Mittel werden durch den Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag (RFinStV) festgelegt. Hier prüft und ermittelt eine dazu eigens seit 20. Februar 1975 eingesetzte unabhängige Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) auf Grundlage des Rundfunkgebührenstaatsvertrags (RGebStV) die Gebührenerhebung für Rundfunkgeräte (§ 8) und die Verteilung derer (§§ 9 und 10). Derzeit (Februar 2008) belaufen sich die Gebühren, bestehend aus Grundpauschale (5,52 Euro) und Fernsehpauschale (17,03 Euro), auf insgesamt 22,55 Euro (§ 8 RFinStV). Hiervon werden laut GEK (Gebühren Einzugszentrale) zurzeit 21 Fernseh- und 57 UKW-Radioprogramme finanziert. Eine zweite, aber ebenso wichtige, Finanzierung erfolgt durch Werbeeinnahmen, welche unter §§12 und 13 RStV festgelegt sind. Auch die besondere Form der Kooperation bzw. Werbung, dem Sponsoring, welcher unter §8 RStV geregelt ist, kommt mehr und mehr zum Zug und wird als ernst zunehmende Möglichkeit in Betracht gezogen. So stiegen die Erträge aus Werbung und Sponsoring in der Bundesligasaison 2005/2006 abermals um 0,5 Prozent von 415,6 Millionen Euro auf 417,7 Millionen Euro.[35]

Hieraus ergibt sich für den Ö-r Rundfunk eine Mischfinanzierung mit Schwerpunkt auf die Gebühren. Private Free-TV Veranstalter haben laut §42 RStV kein Anrecht auf einen Teil der Rundfunkgebühren, deshalb stellen Sponsoring und Werbung ihren „finanziellen Lebensnerv“ (Diesbach, 1998, S. 35) dar. Zum Ärgernis dieser, sind sie im gleichen Maß an die Regelungen des RStV gebunden, obwohl diese keine „staatliche Stütze“ (Diesbach, 1998, S. 35) erhalten. Pay-TV Anbieter greifen primär auf Entgelte durch Abonnements mit monatlichen bzw. nutzungsabhängigen Zahlungen zurück (vgl. ebd.). Somit sollte es den Pay-TV Anbietern besser als den privaten Veranstaltern gehen, jedoch ist, gerade in Deutschland mit einem kostenpflichtigen Programm auch eine enormes Anspruchsdenken verbunden, welches die Bezahlsender durch den Einkauf teurer Kinofilme oder Sportlizenzen und -übertragungen zu erfüllen versuchen. So schreiben Paukens & Schümchen (2000, S. 63) in einem Fazit, dass es unter „programmstrategischer Anbieterperspektive, genügend großer attraktiver Programmressourcen (…) [bedarf], um attraktive Programmplattformen auf dem deutschen Fernsehmarkt zu etablieren.“ Spielfilm- und Sportrechten kommt dabei eine „besondere Rolle“ zu, so Paukens & Schümchen (2000) weiter. Wie schwer dieser Drahtseilakt ist, wird an dem Beispiel des einstigen deutschen Medienmoguls Leo Kirch deutlich, welcher kurz vor seiner Insolvenz auf einem Schuldenberg von rund 6 Mrd. Euro saß. Später bezifferte eine interne Studie der Gläubigerbanken die Forderungen mit mindestens 13 Mrd. Euro mehr als doppelt so hoch (vgl. Gedlicka, 2002).

2.5.2 Übertragungswege und technische Reichweiten

Die technische Reichweite ist, zusammen mit den Einschaltquoten, in der Fernsehbranche das Maß aller Dinge. Beide stehen zugleich im direkten Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Erfolg eines TV-Unternehmens. Die technische Reichweite gibt die theoretische Gesamtzahl von Haushalten eines Gebietes, die einen Fernsehsender empfangen können, in Millionen oder Prozent an. Hierbei wird außer Acht gelassen, ob alle Haushalte innerhalb der technischen Reichweite ein Fernsehgerät besitzen oder den betroffenen Sender ansehen.

Nicht nur die Öffentlich-rechtlichen (Ö-r) sondern auch private Free-TV Anbieter nutzen alle Möglichkeiten der Übertragung zur Verbreitung ihres Formates aus. Es sind aber bei der einzelnen Gewichtung einschlägige Unterschiede erkennbar. Während die Ö-r über die terrestrische Verbreitung praktisch eine Vollversorgung erreichen, greifen private Sender überwiegend auf die Verbreitung per Kabel oder Satellit zu. Hier muss man allerdings Folgendes differenzieren: im Rahmen des Grundversorgungsauftrags der Ö-r stellt die erwähnte Vollversorgung einen zwingenden technischen Aspekt dar, während sich die Private bei ihrer Auswahl von wirtschaftlichen Kriterien leiten lassen. Man muss jedoch anführen, dass auch große private Sender (Pro7, Sat1, RTL) bemüht sind, terrestrische Übertragung auszubauen. Die Vorzüge der digitalen Übertragungstechnik des DVB-T[36], die komplette deutschlandweite Umstellung auf ein Digitales terrestrisches TV-Signal ist seit November 2002 im Gange und soll planmäßig bis 2010 abgeschlossen sein, hat sicherlich einen großen Beitrag dazu geleistet.

Aus Abbildung 4 wird ersichtlich, dass alle digitalen Übertragungswege durchweg Steigerungen erfahren haben, jedoch diese beim Kabel mit zwei Prozent deutlich kleiner ausfällt als bei Satellit und Terrestrik (DVB-T) mit jeweils rund fünf Prozent.

[...]


[1] Im Mai 2006 wurde die IMP Innovative Medientechnik und Planung AG zu IMPIRE AG umfirmiert

[2] Eine 100%ige Tochter des Dachunternehmens der Premiere AG

[3] Vgl. Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband (2002), S. 1

[4] Vgl. Siemes (2002), S. 1

[5] bezogen auf den offiziellen FIFA WM 2006 Ball Teamgeist von Adidas

[6] In der Saison 2004/2005 kamen 10,8 Millionen Besucher zu einer Bundesligabegegnung. In der Saison 2005/2006 stieg die Anzahl um 8,55 % auf 11,7 Millionen.

[7] Der arena Dome ist ein eigens für arena konzipiertes mobiles Studio.

[8] Gemeint ist die Premiere Fernsehen GmbH & Co.KG

[9] Die PLAZAMEDIAGruppe ist ein Zusammenschluss führender Unternehmen in der Sport- und Medienproduktion.

[10] Kabelkonsortium welches hinter der arena Sport und Marketing GmbH steht.

[11] (Duden, 2007)

[12] Siehe Punkt 2.5: Systemunterschiede des Free- und Pay-TV, S. 24ff.

[13] Nachdem die Premiere AG nach eigenen Schätzungen 2003 von bis zu einer Million Schwarzsehern ausging, wechselte das Unternehmen im Herbst 2003 das Verschlüsselungssystem von Betacrypt 1 zu Nagravision (vgl. Ihlenfeld, Premiere: Neues Verschlüsselungssystem ab Herbst, 2003). Im Jahre 2005 wurde auch das System Nagravision des Schweizer Softwarehauses Kudelski angeblich geknackt. Dies gelang mittels einer speziellen Smartcard namens Cerebro, welche durch eine spezielle Software bespielt wird und somit Premiere ohne reguläres Abo freischaltet (vgl. Ihlenfeld, Premiere-Verschlüsselung angeblich geknackt, 2005).

[14] Vor dem digitalen Zeitalter (am 28. Februar 2003 stellte Premiere seine analoge-Verbreitung ein und sendet seitdem nur noch digital) wurden die Geräte einfach Decoder genannt. Heutzutage können Digital-Receiver nicht nur weiterentwickelte Decoder, sondern auch mediale Knotenpunkte für Internet, Fernsehen und Telefon sein (Set-Top-Box) und reichen Preislich von monatlich 9,90 € als Miete (Premiere) bzw. 399 € einmalig als Kauf.

[15] Waren dies 1997 bei Premiere Digital noch vier sind dies seit dem 01. Januar 2008 mit Premiere Blockbuster, Premiere Fußball Plus, Premiere HD, Premiere Austria, Premiere Entertainment, Premiere Sport, Premiere Thema und Discovery HD bereits acht. Hinzukommen verschiedenste Extras wie zum Beispiel: Premiere Star, Premiere Türk.

[16] z.B.: Beginn der Sendung, Vor- und zurückspulen, Standbild oder Zeitlupe.

[17] Der Begriff wurde durch die grundsätzliche Neuerung beim Enhanced VoD geprägt. Die Möglichkeit sich einen Inhalt auf sein eigenes (Own) Speichermedium zu speichern (downloaden).

[18] Neuere Set-Top-Boxen (Decoder) kommen mit integrierter Festplatte (Speichermedium)

[19] IPTV stellt dem Nutzer individuelle Möglichkeiten des Interaktivitätslevels 4 zur Verfügung. „Unter IPTV (Internet Protocol Television) wird die digitale, auf dem Internetprotokoll basierende Übertragung von audiovisuellen Inhalten auf das Fernsehgerät verstanden.“ (Breunig, 2007, S. 478).

[20] Canal Plus Group, Vivendi oder die News Corporation

[21] Am 5.1.2007 würde die Übernahme durch den Medienkonzern Vivendi abgeschlossen.

[22] Die Arbeitsgemeinschaft TNT ist ein Verein welcher aus 18 Mitglieder des öffentlichen und privaten Fernsehens besteht und im August 2002 gegründet wurde.

[23] Mehr zu Keith Rupert Murdoch siehe Punkt 2.3.3.2

[24] Demnach darf eine einzelne Fernsehgesellschaft nicht über 60 Prozent aller A- und B-Ligaspielen erwerben.

[25] Die Multimedia-Betriebsgesellschaft wird im August 1995 gegründet und ist ein Gemeinschaftsprojekt (unter anderen der RTL Group, deutschen Telekom AG, Canal Plus Group, ARD und ZDF) welche die Infrastruktur, d.h. Decoder und Abrechnungsverfahren zur Verfügung stellt. Nach der Kartellrechtlichen Untersagung des Beitritts der Kirch-Gruppe, löst sich die MMBG im September 1996 wieder auf.

[26] Gemeint sind hier Internet, Mobilfunk und TV

[27] Gründer war 1997 heutiger Geschäftsführer Martin Wild

[28] Laut eigenen Unternehmensangaben

[29] Weitere Informationen unter Punkt 2.4.2

[30] Das auch als „Internet Fernsehen“ bekannte Mediumdienst überträgt Fernsehsignale über das Internet Protokoll (IP). Zwingende Voraussetzung ist aber auf Grund der Menge an Datensätzen eine extrem schnelle Internetverbindung (VDSL). Dieses Internet Fernsehen rangiert dabei, je nach Anbieter, auf einem Interaktivitätslevel zwischen 3 und 4!

[31] Die deutsche Telekom AG verpflichtet sich nach langen Verhandlungen mit der DFL, diese Möglichkeit nicht in Betracht zu ziehen. Im Gegenzug wird die Telekom exklusiver Partner der Fußball Bundesliga.

[32] Vgl. manager-magzin.de, 2007

[33] Spiegel Online, 2005, #Nicht mehr als 20 Euro pro Monat

[34] Laut Frank Ewerdwalbesloh, Partner beim Telekommunikationsberater Goetzpartners in einem Artikel des „Manager Magazins“ (Bold & Preissner, 2006)

[35] Quelle: Bundesligareport (2007), Zur Lage der Liga, S. 38

[36] Die Abkürzung "DVB-T" steht für den internationalen Standard "Digital Video Broadcasting - Terrestrial" und kennzeichnet das über Antenne ausgestrahlte digitale Fernsehen, das sog. "ÜberallFernsehen". Daneben gibt es noch die DVB-Verbreitung über Satellit (DVB-S) und Kabel (DVB-C).

Details

Seiten
145
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640200436
ISBN (Buch)
9783640206070
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117656
Institution / Hochschule
Technische Universität München
Note
1,7
Schlagworte
Fußballberichterstattung Pay-TV Fußball Medien Kommunikation PPV

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Titel: Die Fußballberichterstattung im Pay-TV