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Politische Gewalt und Terrorismus nach Donatella della Porta

Makro-, Meso- und Mikro-Perspektiven als einzige Erklärungsansätze?

Referat (Ausarbeitung) 2008 8 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Abstract

Donatella della Porta untersucht in ihrem Aufsatz „Politische Gewalt und Terrorismus: Eine vergleichende und soziologische Perspektive“ (vgl. della Porta 2006) die Ursachen insbesondere linksgerichteter politischer Gewalt und des Terrorismus von RAF und Roten Brigaden mehrdimensional aus den Forschungsperspektiven von Makro-, Meso- und Mikro-Ebene. In dieser Ausarbeitung erkläre ich zunächst ihr Vorgehen, um schließlich zu diskutieren, ob dies ausreicht, oder es nicht angebracht wäre, auch den politisch-philosophischen Wurzeln und Einflüssen der Außerparlamentarischen Opposition, welche insbesondere in der Kritischen Theorie liegen, nochmals größere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, da diese in nicht geringem Maße verdeutlichen, wie politischer Fundamentalismus auf dem Papier geboren wird. Ich belege dies durch Textstellen aus Theodor Adornos „Minima Moralia“ (vgl. Adorno 1976).

1. Erklärungsansätze nach Donatella della Porta

Della Porta kritisiert zunächst, dass sich herkömmliche Erklärungsansätze zur politischen Gewalt beständig selbst beschränken, indem sie nur eine der drei analytischen Ebenen von Makro-, Meso- und Mikro-Bedingungen heranziehen (vgl. della Porta 2006: 36 ff.). So fragen Makro-Analysten üblicherweise nur nach gesellschaftlichen Bedingungen und Einflüssen, Meso-Analysten suchen nach Eigenheiten politischer Organisationen, die sie zur Gewalt führen und Mikro-Analysten interessieren sich für individuelle psychologische Faktoren, die die Nutzung des Mittels politischer Gewalt begünstigen (vgl. ebd.: 38). Zwar sei keine dieser analytischen Blickwinkel falsch, jedoch führe die ausschließliche Beschränkung auf einen dieser Blickwinkel zur defizitären Ergebnissen. Della Porta schlägt daher „ein Modell vor, in dem systemische, organisatorische und individuelle Perspektiven (...) in Betracht gezogen werden“ (ebd.: 38), da aus ihrer Sicht Interdependenzen zwischen allen drei Ebenen bestehen: „Unterschiedliche analytische Ebenen können somit verschiedene Phasen der Entwicklung radikaler Gruppen ‚dominieren’“ (ebd.: 38). Im Folgenden wird näher auf della Portas Anwendung der einzelnen drei Ebenen auf die Problematik eingegangen werden.

1.1 Makro-Ebene

Als eine relevante Makro-Bedingung macht della Porta die Entwicklungen in postfaschistischen Gesellschaften wie Deutschland, Italien und Japan aus, in denen die Konfrontation der alten, teilweise wieder eingesetzten politischen Eliten mit den jungen Oppositionellen ein Misstrauensverhältnis geschaffen hatte, bei dem beide Seiten „jeweils fürchteten, die anderen würden die (...) Prinzipien der Demokratie verraten“ (ebd.: 39). Dieses Misstrauen wurde von den Oppositionellen in „störender“, auffallender Form artikuliert: „Diese Aktionsformen trafen auf eine Überreaktion des Staates (und der öffentlichen Meinung)“ (ebd.: 39). Nicht zu vergessen sind hier auch die Reaktionen von Teilen der Massenmedien, ohne die eine Überreaktion der öffentlichen Meinung innerhalb einer funktional differenzierten Gesellschaft kaum stattfinden würde oder könnte. Sowohl die Aktionen der einen als auch die Reaktionen der anderen Seiten wurden wiederum in Teilen als eine Rückkehr antidemokratischen Denkens und Handelns interptiert, was abermals ein „Hochschaukeln“ und eine Emotionalisierung des Konfliktes zur Folge hatte. Die Spitze war schließlich mit den prominent gewordenen Fällen des von der Polizei getöteten Benno Ohnesorg und dem Anschlag auf Rudi Dutschke erreicht. Hier „schaffte staatliche ‚Repssion’ Märtyrer und Mythen. (...) Diese Art von Polizeiaktionen delegitimisierten den Staat in den Augen der Aktivisten“ (ebd.: 41; Hervorhebungen vom Autor entfernt). Politische Mittel hätten innerhalb eines illegitimen „Unrechtsstaates“ gewissermaßen ein Anpassen, ein Einfügen in den Staat bedeutet, so dass für Aktivisten, die tatsächlich von einer totalen Delegitimierung ausgingen, in der Konsequenz die Bekämpfung des Staates und damit politische Gewalt die einzige Option bedeutete. Die Forderungen nach „Hardliner-Taktiken“ (vgl. ebd.: 42) seitens Konservativer und ihre stellenweisen Umsetzungen wie Berufsverbot und das Verbot der KPD (vgl. ebd.: 43) hatten weiteren Anteil daran, Ängste vor staatlicher Repssion und die Überzeugung von der Notwendigkeit der Bekämpfung eben dieser zu schüren.

Im Gegenzug trugen nicht zuletzt die revolutionäre Rhetorik der Bewegungen im Kontext des Kalten Krieges und die radikalen Pläne der Aktivisten zur politischen Veränderung dazu bei, dass sich „die Regierungseliten der jungen Demokratien in Italien und Deutschland besonders gefährdet“ (ebd.: 43) fühlten. Die Angst vor Extremismus und seinen Folgen war groß, und dementspchend energisch war auch die Reaktion, welche dadurch oftmals als Repssion rezepiert wurde.

Details

Seiten
8
Jahr
2008
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117489
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Fakultät für Soziologie
Note
2.0
Schlagworte
Politische Gewalt Terrorismus Donatella Porta Terroristische Gruppen Jahre Vergleich

Autor

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Titel: Politische Gewalt und Terrorismus nach Donatella della Porta