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Der Weg zur Unabhängigkeitserklärung des Kosovo

von Jan-Hendrik Schott (Autor) Ramona Will (Autor)

Seminararbeit 2008 23 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Südosteuropa, Balkan

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Die Geschichte des Kosovo
2.1 Das „Heilige Land der Serben“
2.2 Umkehrung der Machtverhältnisse
2.3 In Tito's Jugoslawien
2.4 Nach Tito’s Tod
2.5 Das Parallele System
2.6 Das Ende des gewaltfreien Widerstands
2.7 Die NATO-L

3 Das Kosovo nach dem Krieg 1999
3.1 Der Fischer-Plan
3.2 Die UN-Resolution 1244 und ihre Folgen
3.3 Die internationalen Akteure und Institutionen im Kosovo
3.3.1 Die UNMIK
3.3.2 Die Kosovo Force (KFOR)
3.3.3 Die UNHCR
3.3.4 Die OSCE
3.3.5 Die Europäische Union
3.3.6 Der Europarat
3.3.7 Die NGO's
3.4 Versäumnisse der internationalen Gemeinschaft
3.5 Der Weg zur Unabhängigkeitserklä

4 Perspektiven /Fazit
4.1 Internationale Positionen
4.2 Die kommenden Probleme mit der Unabhängigkeit
4.3 Z

5 Quellenverzeichnis
5.1 Literaturangabe
5.2 B

1 Einleitung

Am 17. Februar 2008 erklärte das Kosovo seine Unabhängigkeit. Diese Nachricht löste in der ganzen Welt Diskussionen aus. Die großen Mächte streiten darüber, ob dieser Schritt eine rechtliche Grundlage hat und ob das Kosovo als Staat anerkannt werden kann

Wir möchten in dieser Hausarbeit herausarbeiten wie es dazu gekommen ist, welche geschichtlichen Hintergründe zur Unabhängigkeitserklärung geführt haben, welche Parteien in die Statusfrage des Kosovo involviert sind und wie die Zukunft der Region aussehen könnte

Um all diesen Leitfragen auf den Grund zu gehen, möchten wir zunächst einen Einblick in die Geschichte des Kosovo und in den Konflikt zwischen Serben und Albanern in dieser Region geben. Daraufhin werden wir die politischen Umstände im Kosovo nach den NATO-Luftangriffen von 1999 bis heute erläutern. Zum Abschluss der Arbeit wollen wir dann einen Ausblick in die mögliche Zukunft des Kosovo geben und somit unser Fazit ziehen

2 Die Geschichte des Kosovo

2.1 Das „Heilige Land der Serben“

In der Mitte des 14. Jahrhunderts bildete das Kosovo das Herz des mittelalterlichen Großserbischen Reichs. Dieses erstreckte sich von Belgrad bis in Gebiete des heutigen Griechenlands. Zu jener Zeit entstanden im Kosovo eine Reihe von Klöstern der serbisch-orthodoxen Kirche. Einige von ihnen bestehen heute noch immer. 1346 wird Pec (im West-Kosovo) zum Sitz des Patriarchen der serbisch-orthodoxen Kirche

1389 kommt es zu der berühmten Schlacht auf dem Amselfeld (eine Region nahe Pristina). Hier kämpfen vorwiegend serbische Truppen, angeführt von Fürst Lazar, gegen die Osmanen unter Sultan Murat I. Die osmanischen Streitkräfte setzen sich in dieser Schlacht durch, obwohl beide Feldherren ihr Leben lassen

Die serbisch-orthodoxe Kirche spricht Lazar trotz seiner Niederlage als Märtyrer heilig. Dies begründen sie damit, dass er heldenhaft für sein Volk und den christlichen Glauben gegen den Vormarsch des Islam gekämpft hätte. Der Mythos „Amselfeldschlacht“ bewirkt, dass viele Serben das Kosovo als ihr Heiliges Land betrachten

1459 wird der Serbische Staat endgültig durch das Osmanische Reich unterworfen. Im Kosovo ist die serbische Bevölkerung zwar noch in der klaren Mehrheit, doch der Anteil der albanischen Bevölkerung steigt stetig an. Sie bringen ihre eigene Sprache und eine völlig eigene Kultur mit. Darüber hinaus konvertieren die meisten im Kosovo lebenden Albaner (die zuvor der autokephalen orthodoxen Kirche von Albanien angehörten) zum islamischen Glauben

2.2 Umkehrung der Machtverhältnisse

Im Verlauf des 19.Jahrhunderts erwacht ein nationales Bewusstsein unter den Serben. Es orientiert sich stark am Bild des mittelalterlichen Großserbischen Reichs. In dieser Vorstellung ist das Kosovo die „Wiege des Serbentums“. Die Serben, die größtenteils auch unter der osmanischen Fremdherrschaft Christen geblieben waren, werfen der albanischen Bevölkerung vor, den Glauben des Erzrivalen angenommen zu haben

Im ersten Balkankrieg von 1912 bis 1913 wird das - durch den 1911 verlorenen Italienisch-Türkischen Krieg - noch geschwächte Osmanische Reich weit aus der Balkanhalbinsel zurückgedrängt. Das Kriegsende wird am 30.5.1913 im so genannten Londoner Vertrag festgehalten, der durch die europäischen Großmächte Großbritannien, Deutschland, Russland, Frankreich, Österreich-Ungarn und Italien vermittelt wurde. Der Vertrag legt unter anderem die Staatsgrenzen des neuen, unabhängigen albanischen Staates fest. Diese umfassen allerdings nur etwa die Hälfte des albanischen Siedlungsgebietes. Das Kosovo wird hierbei Serbien zugesprochen

Nach dem Ersten Weltkrieg wird das Kosovo nun ein Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen.1929 wird dieses in das Königreich Jugoslawien umbenannt. Viele Serben sehen die im Kosovo lebenden Albaner als Störfaktor im alten serbischen Land. Deshalb verbietet die serbische Regierung den Schulunterricht, sowie das Publizieren von Schriften in albanischer Sprache. Darauf reagieren die im Kosovo lebenden Albaner mit einem Kleinkrieg gegen die serbische Armee und Polizei und mit Übergriffen auf die serbische Bevölkerung im Kosovo

Am 6. April 1941 wird das Jugoslawische Königreich im Zuge des Balkanfeldzuges von deutschen und italienischen Truppen besetzt und aufgelöst[1]. Das Kosovo fällt dabei an den von Mussolini ausgerufenen Staat Großalbanien. Dieser neue Zustand, der die erneute Umkehr der Machtverhältnisse bedeutet, führt zu einer Reihe gewalttätiger Racheakten von Albanern an Serben. Das hat zur Folge, dass rund 20.000 Serben aus dem Kosovo fliehen und viele getötet werden

2.3 In Tito's Jugoslawien

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird die Föderative Volksrepublik Jugoslawien nach sowjetisch-sozialistischem Vorbild gegründet. In diesem (/Tito's) Jugoslawien erhält das Kosovo den Status einer autonomen Provinz innerhalb der Teilrepublik Serbien

Zu diesem Zeitpunkt leben etwa 790.000 Menschen im Kosovo, davon 68% Albaner und 24% Serben

Von 1945 bis 1966 ist Aleksandar Rankovic jugoslawischer Innenminister, Chef des Geheimdienstes (OZNA) und Oberbefehlshaber der politischen Polizei (UDBA). Der Serbe Rankovic ist Mitglied der kommunistischen Partei und dafür bekannt seine Ämter mit „eiserner Faust“ auszuüben. Unter seiner Führung werden eine Reihe staatlicher Gewaltakte gegen die albanische Bevölkerung im Kosovo durchgeführt. Er ist ein Gegner der politisch-strukturellen Reform Jugoslawiens, welche unter anderem den Kosovo-Albanern mehr Autonomierechte zusprechen soll. Reformer schaffen es allerdings ihn 1966 von Tito absetzen zu lassen. Während seiner Amtszeit (1945-66) ist Rankovic für die Umsiedlung bzw. Ausweisung von etwa 200.000 als Türken registrierte, muslimische Kosovo-Albaner in die Türkei verantwortlich

1974 tritt dann die neue jugoslawische Verfassung in Kraft. Unter anderem gesteht sie dem Kosovo fast dieselben Autonomierechte zu, die die sechs jugoslawischen Teilrepubliken haben. Allerdings hat das Kosovo nicht das Recht einen eigenständigen Staat auszurufen

2.4 Nach Tito’s Tod

Am 4.Mai 1980 stirbt Josip Broz Tito in Ljubljana. Im darauffolgenden Jahr kommt es zu Unruhen im Kosovo. Die dort lebenden Albaner fordern bei gewalttätigen Demonstrationen eine Verbesserung der Lebensverhältnisse, da das Kosovo zu diesem Zeitpunkt die wirtschaftlich rückständigste Region Jugoslawiens ist[2]

In den 1980er Jahren verlassen viele Serben das Kosovo und begründen dies damit, dass sie als Minderheit von den Albanern diskriminiert werden würden. Allerdings ist die sehr schlechte wirtschaftliche Lage in der Region auch ein wichtiger Grund. Dies ist daran zu erkennen, dass in dieser Zeit auch viele Kosovo-Albaner abwandern[3]

Das rasante Bevölkerungswachstum der Kosovo-Albaner in den 1970er- und 1980er Jahren führt zu einer weiteren Auseinandersetzung. Die im Kosovo lebenden Serben werfen den Albanern vor, dass sie auf diese Weise die Mehrheitsverhältnisse zu ihren Gunsten verändern wollen. 1981 stellen die Albaner etwa 77% der 1,6 Millionen starken Bevölkerung im Kosovo, wohingegen die Serben lediglich 13% ausmachen[4]

1986 wird ein Memorandum veröffentlicht, dass die aus dem Kosovo abgewanderten Serben als Vertriebene bezeichnet. Es fordert die Wiederansiedlung von Serben im Kosovo[5]. Die entstandene nationalistische Stimmung in der serbischen Bevölkerung nutzt Slobodan Milosevic um sich 1987 zum serbischen Präsidenten wählen zu lassen. Er schafft die Provinzautonomie des Kosovo ab und schürt das Bild eines entstehenden starken serbischen Reiches. Zur Inszenierung dieses Bildes nutzt er auch den 600. Jahrestag der Amselfeldschlacht (28.06.1989). Hier kündigt Milosevic neue, auch bewaffnete Kämpfe an. Diese Nachricht erschreckt auch die anderen Völker Jugoslawiens, die sich nun in Richtung der eigenen Unabhängigkeit gedrängt sehen[6]

1990 löst Milosevic das Parlament des Kosovo auf

2.5 Das Parallele System

Ende der 1980er Jahre veranlasst die serbische Regierung Maßnahmen zur “Serbisierung”[7] des Kosovo. Hierzu werden Kosovo-Albaner die in jeglichen staatlichen Diensten angestellt sind entlassen, sowie alle Kosovo-Albanischen Kinder und Jugendliche aus dem staatlichen Bildungssystem ausgeschlossen. Als Folge dessen, gründet sich 1989 die Demokratische Liga des Kosovo (LDK). Diese koordiniert die Organisation eines Regierungs- und Bildungssystems, welches parallel zum staatlichen (serbischen) System arbeitet. Die kosovo-albanischen Schulen, sowie die Regierungsarbeit wird meist in Privathäusern abgehalten. Finanziert wird das Untergrundsystem größtenteils von Abgaben der im Ausland lebenden albanischen Bevölkerung[8]

In einem 1991 von der LDK organisierten Referendum spricht sich die große Mehrheit der Kosovo-Albaner für die volle Unabhängigkeit aus. Daraufhin wird die Republik Kosovo ausgerufenen

Sie wird allerdings nur von Albanien als Staat anerkannt. Ibrahim Rugova wird 1992 zum Präsident dieser Republik gewählt. Er strebt danach, die Unabhängigkeit auf friedlichem Weg zu erlangen[9]. Dies scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung aus dem Ausland, auf die Rugova spekuliert hatte

[...]


[1] http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/kriegsverlauf/jugoslawien/index.html (Letzter Aufruf: 13.09.2008)

[2] http://www.csdesign.ch/max/ferien/kosovo2003/kosovo-geschichte.htm - Kapitel: “Ab Tito’s Tod” (Letzter Aufruf: 13.09.2008)

[3] http://www.eurotopics.net/de/magazin/politik-verteilerseite/kosovo-2008-03/kosovo_ueberblick_geschichte/ Kapitel: “Rasantes Bevölkerungswachstum bei den Kosovo-Albanern” (Letzter Aufruf: 13.09.2008)

[4] Siehe 1, dieser S

[5] Siehe 2, dieser S

[6] Vgl. Meier, Viktor 2001: Jugoslawiens Erben. Die neuen Statten und die Politik des Westens. Beck: München. S.:83

[7] Begriff aus: http://www.eurotopics.net/de/magazin/politik-verteilerseite/kosovo-2008-03/kosovo_ueberblick_geschichte/ - Kapitel: “Systhematische Serbisierung” (Letzter Aufruf: 13.09.2008)

[8] http://www.bpb.de/themen/FP4DAK,1,0,Kosovo.html - Kapitel: “Geschichte des Konflikts” (Letzter Aufruf: 13.09.2008)

[9] http://www.20min.ch/interaktiv/Kosovo/index.html (Letzter Aufruf: 13.09.2008)

Details

Seiten
23
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640196401
ISBN (Buch)
9783640196449
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117244
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Institut für Soziologie
Note
1,1
Schlagworte
Unabhängigkeitserklärung Kosovo Konflikte Balkan Kausalität UNMIK

Autoren

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