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Die Stärke der Grünen in deutschen Großstädten - Postmaterielle Werte im urbanen Kontext

Magisterarbeit 2003 86 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Theoretischer Bezugsrahmen
1.3 Hypothesen
1.4 Methodenauswahl

2 Wertewandel in Großstädten
2.1 Werte
2.2 Wertewandel
2.3 Wertewandel in Großstädten
2.4 Träger des Wertewandels
2.5 Indikatoren eines Wertewandels
2.5.1 Themenpräferenzen
2.5.2 Bürgerschaftliches Engagement
2.5.3 Zufriedenheit und Lebensbedingungen
2.6 Zwischenfazit

3 Wahlverhalten in Großstädten – Die GRÜNEN als starke Kraft
3.1 Die GRÜNEN – Repräsentanten des Wertewandels
3.2 Wahlergebnisse bei Bundestagswahlen von 1980-
3.3 Wahlverhalten nach altersspezifischen Gesichtspunkten
3.4 Wahlverhalten nach sozialstrukturellen Merkmalen
3.4.1 Bildung
3.4.2 Beruf
3.5 Zusammenhang zwischen Wertewandel und Wahlverhalten
3.6 Zwischenfazit

4 Gründe für die Stärke der GRÜNEN – eine empirische Studie am Beispiel der Großstadt Freiburg im Breisgau
4.1 Grüne Hochburg
4.2 Bundestagswahl
4.3 Sozialstrukturanalyse
4.4 Individualdatenanalyse
4.4.1 Stichprobe und Rücklauf
4.4.2 Bürgerumfragen in Freiburg
4.4.2.1 Bürgerumfrage
4.4.2.2 Bürgerumfrage
4.5 Zwischenfazit

5 Die Stärke der GRÜNEN im urbanen Kontext
5.1 Frankfurt am Main
5.2 Stuttgart
5.3 Hannover
5.4 Köln
5.5 Zwischenfazit

6 Zusammenfassung

7 Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Jahre 1983 gelang es der erst drei Jahre zuvor gegründeten Partei der GRÜNEN, in den Deutschen Bundestag einzuziehen: In ihrer Entwicklung von einer radikal-system-oppositionellen Bewegung zu einer pragmatisch-reformerischen Regierungspartei konnte sich Bündnis 90/DIE GRÜNEN - wie die Partei seit der Fusion von ostdeutschem Bündnis und westdeutschen Grünen im Jahre 1993 heißt[1] - zu einer etablierten Größe im deutschen Parteiensystem entwickeln.

Obwohl die Partei bei Wahlen auf allen Ebenen überwiegend mit Ergebnissen nur knapp über der ‚existentiellen’ 5%-Hürde abschneidet, erzielt die zur drittstärksten Kraft avancierte Partei der Bundesrepublik Deutschland in Großstädten der alten Bundesländer oftmals überdurchschnittlich hohe Stimmenanteile.

1.1 Fragestellung

Aus politikwissenschaftlicher Sicht ergibt sich daraus die interessante Fragestellung, weshalb die GRÜNEN gerade in Großstädten wie Freiburg, Stuttgart, Hannover, Köln oder Frankfurt besonders erfolgreich sind.

Hohe Stimmenanteile erhält die Partei in den Wohnquartieren der gehobenen Sozial-milieus, in den Wohnstandorten in Universitätsnähe und in den Innenstadtbezirken mit starken Anteilen jüngerer Bevölkerung. Parteiensoziologisch ausgedrückt, erreichen die GRÜNEN in Gebieten mit einer starken Bevölkerungsdichte den Status einer Mittelpartei. Bei der Bundestagswahl 2002 erzielte die Partei in Großstädten überwiegend Ergebnisse über 10% der Zweitstimmen: Hamburg (16,2%), Bremen (16,0%), Stuttgart (16,2%), Köln (16,5%), Frankfurt am Main (18,5%) und Freiburg (20,4%).

Möglicherweise verfügen die GRÜNEN vorzugsweise in Universitätsstädten und Dienstleistungsmetropolen mit ihren hohen Anteilen junger und besser gebildeter Bürger über ein beachtliches Potential verlässlicher Stammwähler. Dieser These gilt es nach-zugehen.

Zweifellos profitieren die GRÜNEN seit ihrem Bestehen von einem tiefgreifenden Veränderungsprozess, der in den 1970er Jahren in den Studentenbewegungen sowie den Neuen Sozialen Bewegungen (Umwelt-, Friedens- und Frauenbewegung) seinen Ursprung hatte und in der Forderung nach einer ‚Neuen Politik’ seinen Ausdruck fand.

Bei diesem Prozess handelte es sich um einen fundamentalen Wandel handlungsleitender politischer Zielvorstellungen in den nachwachsenden Generationen, der in den Sozialwissenschaften gemeinhin als Wertewandel bezeichnet wird. Eine erste sozialwissenschaftliche Erklärung der Ursachen des gesellschaftlichen Wertewandels wurde in den 1970er Jahren von dem amerikanischen Politikwissenschaftler Ronald Inglehart in seiner Theorie der ‘Silent Revolution’[2] formuliert.

Ziel der Untersuchung ist vor diesem Hintergrund die Frage, wer in westdeutschen Groß-städten grün wählt und warum.

Um über sozialstrukturelle Zusammensetzung und Motive der grünen Wählerinnen und Wähler[3] hinreichende Erklärungen anzuführen, muss dieser Frage eine Theorie voran-gestellt werden.

1.2 Theoretischer Bezugsrahmen

Die Forschung zum Wertewandel ist von Ingleharts Postmaterialismus-Theorie am stärksten geprägt und dient für die Arbeit als theoretischer Bezugsrahmen ; selbst wenn andere, diese Theorie kritisierenden Ansätze nicht unerwähnt bleiben dürfen.

Inglehart führt den Wertewandel auf zwei Hypothesen zurück. Demnach hat ein allmählicher Wechsel von materialistischen zu postmaterialistischen Ansprüchen gegen-über Staat und Gesellschaft eingesetzt:

- Zum einen ist er davon überzeugt, dass die in der Nachkriegszeit in einer Phase materiellen Wohlstands sozialisierten Generationen über einen anderen Werte-haushalt verfügen als ältere Generationen, bei denen der Mangel die prägende Kategorie darstellte (Knappheitshypothese). Demnach wären diese älteren Genera-tionen materialistischer eingestellt als später sozialisierte Generationen. Besteht materieller Wohlstand, so geht Inglehart davon aus, dass übergeordnete postma-terielle Werte wie etwa das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung zunehmen und zur prägenden Konstante einer Gesellschaft werden.

- Der Knappheitshypothese stellt er die Sozialisationshypothese zur Seite, in der er davon ausgeht, dass individuelle Wertorientierungen im Kindes- und Jugendalter erworben werden und sich im Laufe der weiteren Persönlichkeitsentwicklung nur noch unwesentlich verändern. Mit dieser Vermutung könnten die starken Stimmen-zuwächse der GRÜNEN bei den letzten Wahlen in der Altersgruppe der über 35-jährigen Wähler bestätigt werden.

Inglehart unterstellt beiden Hypothesen eine kontinuierliche Zunahme postmaterieller bei gleichzeitiger Abnahme materieller Wertorientierungen und vernachlässigt dabei die Aus-prägungen sogenannter Mischformen, die auch eine Synthese beider Wertetypen zulassen.

Ein weiterer theoretischer Erklärungsansatz ist die der Sozialisationshypothese wider-sprechende, von Helmut Klages vertretene Lebenszyklusthese, nach der die Menschen in Anpassung an sich im Lebensverlauf verändernde Rollenanforderungen ihre politischen Einstellungen verändern, und zwar dahingehend, dass sie den idealistischen Elan der Jugend ablegen und verstärkt pragmatisch-realistische Vorstellungen herausbilden. Auch dieser Ansatz soll in der vorliegenden Arbeit berücksichtigt werden.

1.3 Hypothesen

Ob nun ein kausaler Zusammenhang zwischen postmaterialistischen Wertorientierungen und einem Wahlverhalten, das den GRÜNEN in westdeutschen Großstädten hohe Stimmenanteile beschert, besteht, wird mit Hilfe zweier Hypothesen (H) analysiert werden.

- H 1: In westdeutschen Großstädten existiert ein hohes Potential an postmaterialis-tischer Gesinnung. Aufschluss über die zu erklärende Variable ‚postmaterialistische Wertorientierung’ könnte man mit Hilfe der erklärenden Variablen ‚Sozialstruktur’, ‚Themenpräferenzen’ bzw. ‚Problemwahrnehmung’ und ‚bürgerschaftliches En-gagement’ erhalten. Es wird zugrunde gelegt, dass Jugendliche und Beamte mit höherer Bildung (z.B. Akademiker, Beamte) die bedeutendsten Träger des Wertewandels sind und überwiegend in Städten leben. In Befragungen müssten Bürger von Großstädten, vor allem wenn sie materiell abgesichert und mit ihrem Leben insgesamt zufrieden sind, postmateriellen Werten einen vergleichsweise hohen oder gar höheren Stellenwert als eher materiellen Issues (wie öffentlicher Sicherheit, Wirtschaftsförderung usw.) einräumen. Ein hohes Maß an ‚bürgerschaftlichem Engagement’ spräche ebenfalls für ausgeprägte post-materialistische Zielvorstellungen. Aufbauend auf dieser Hypothese H 1 wird eine zweite Vermutung formuliert.

- H 2: Aufgrund der Vielzahl von Postmaterialisten in westdeutschen Großstädten haben sich die GRÜNEN auf überdurchschnittlichem Niveau etablieren können. In dieser Hypothese geht es um den eigentlichen Einfluss eines Wertewandels auf das Wahlverhalten. Es wird vermutet, dass die GRÜNEN beispielsweise in Stadtteilen mit sehr hoher postmaterialistischer Gesinnung besonders stark profitieren könn-ten.

Die Vermutung H 2, dass Wähler mit postmaterialistischer Wertepriorität auch tatsächlich die GRÜNEN wählen, muss empirisch belegt werden. Zu diesem Zweck wird das Wahlverhalten am Fallbeispiel der Großstadt Freiburg im Breisgau untersucht und in einem weiteren Schritt mit ähnlich strukturierten Großstädten verglichen.

1.4 Methodenauswahl

Verlässliche Informationen zu einer derartigen Kausalität erhält man nur in Form einer Kontextanalyse von Aggregatdaten und Individualdaten.

- Aggregatdatenanalyse:

diese auf die Variablen ‚Alter’, ‚Geschlecht’ und ‚Sozialstruktur’ beschränkte Daten-erhebung kann die Frage beantworten, wer die GRÜNEN wählt. Eine wichtige Datenquelle ist für die empirische Studie der Stadt Freiburg das dortige Amt für Statistik und Einwohnerwesen.

- Individualdatenanalyse:

nur in einer solchen qualitativen Analyse, die mittels Umfragen nach Motiven für die Wahl der GRÜNEN forscht, kann die Frage geklärt werden, wer die Partei wählt und warum.

Eine solche Individualdatenanalyse in Form von Umfragen kann natürlich nur eine aktuelle Bestandsaufnahme zum jeweiligen Zeitpunkt sein. Trotzdem sollen mit den daraus gewonnenen Ergebnissen Veränderungsprozesse aufgezeigt werden, die möglicherweise Auswirkungen auf das Wahlverhalten haben.

Im Untersuchungsfall Freiburg wird auf die Bürgerumfragen von 1999 und 2001 des Statistischen Amtes zurückgegriffen, bei denen Zufriedenheitswerte der Bürger der Stadt in den Bereichen Soziales und Politik ermittelt wurden.

Die Methodenauswahl der Untersuchung bezieht sich somit auf diese beiden Analyseebenen, wobei auf eigene Primärerhebungen verzichtet werden muss.

Ein Wandel von Wertorientierungen und Wahlverhalten kann nun nicht isoliert betrachtet werden. Vielmehr veränderten sich auch programmatische Inhalte und Handlungsoptionen der GRÜNEN in ihrem Werdegang von einer anfänglichen Anti-Parteien-Partei bis hin zur staatstragenden Regierungspartei. Die GRÜNEN sind nicht mehr nur eine Bewegungs-partei, die lediglich für eine ökologische Wende steht.

Die Evolution der Partei impliziert auch einen Wandel des Wählerverhaltens: während viele ehemalige Stammwähler sich mit den GRÜNEN nicht mehr identifizieren und folglich ihre Unterstützung versagen, kamen und kommen andere Wählerschichten hinzu, die dem mittlerweile etablierten realpolitischen Kurs ihre Zustimmung erteilen.

Der grundsätzlich feststellbare Wandel der Partei, die in der wirtschaftlichen Krisenperiode der 1970er Jahre sich selbst als ausschließliche Vertreterin einer ‚Neuen Politik’ proklamierte, orientiert sich - auch unter einem gewissen Regierungszwang - zunehmend auch an eher ‚materiellen’ Werten wie nationaler Sicherheit, Wirtschaftswachstum und Wirtschaftsförderung.

Ostdeutsche Großstädte finden, aus Gründen des gebotenen Rahmens der Arbeit, keine Berücksichtigung. Diese eingeschränkte Vorgehensweise ist sinnvoll, da in der ehemaligen DDR kein dem Westen vergleichbarer Wertewandel stattgefunden hat.

2 Wertewandel in Großstädten

2.1 Werte

Werte im gesellschaftspolitischen Kontext können zum einen als individualistische Vorstellungen des Wünschbaren definiert werden, die jedoch zum anderen einen hohen Grad allgemeiner Verbindlichkeit aufweisen müssen, um zumindest in einer größeren Bevölkerungsgruppe potentiell Anerkennung zu finden. Werte weisen eine doppelte Verankerung in der Persönlichkeits- und Sozialstruktur auf. Dabei sind gerade gesell-schaftliche bzw. politische Werte, die einmal in der Jugendphase erworben wurden, von einer dauerhaften Stabilität bis ins Erwachsenenalter geprägt (Sozialisationshypothese), die aber im Laufe der persönlichen Entwicklung einen strukturellen, dem eigenen sozialen Status entsprechenden Wandel erfahren können (Lebenszyklusthese).

Eine sich herausbildende positive Haltung gegenüber bestimmten Werten führt zu Wertorientierungen, die in einem Prozess der Internalisierung Bestandteil des individuellen Überzeugungssystems werden.

Aufgrund des höheren Allgemeinheitsgrades sowie der relativ stabilen und tiefen Ver-ankerung von einmal erworbenen Wertorientierungen sind diese von sozialen Normen und Einstellungen zu unterscheiden. Gerade letztere zeichnen sich durch einen Mangel an Stabilität und gesellschaftlicher Verbindlichkeit aus. Wertorientierungen haben nicht nur für ein Individuum Geltung, sondern auch für eine größere Anzahl von Einzelpersonen. Sie steuern individuelles und kollektives Verhalten und zeichnen sich durch ihre integrierende Funktion aus. Da sie nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen zutreffen, bestehen zwischen bestimmten Bevölkerungsgruppen zueinander widersprüchliche Werte, die nebeneinander in Konkurrenz stehen. Den sozialen Gruppen wird es ermöglicht, Präferenzen zwischen verschiedenen Wünschbarkeiten zu entwickeln.

Je nach gesellschaftlicher Verankerung kann diesen gruppenspezifischen Wert-orientierungen eine mehr oder weniger ausgeprägte Gewichtung beigemessen werden. Auf das individuelle Wahlverhalten wirken sich Wertorientierungen in einem Zusammenspiel mit anderen Einflussfaktoren wie ‚Position in der Sozialstruktur’, ‚ideologische Dispositionen’, ‚Parteiidentifikation’, ‚Kandidatenorientierung’ und ‚Themenpräferenzen’ aus.

Lipset und Rokkan ordneten mit ihrer Cleavage-Theorie gesellschaftliche Wert-orientierungen langfristigen politischen Hauptspannungslinien (cleavages) zu. Dabei dominierte in der sozialwissenschaftlichen Forschung der 1950er Jahre die Vorstellung eines Links-Rechts-Schemas zur Beschreibung der grundlegenden, in einer Gesellschaft dominierenden sozialpolitischen Wertorientierungen. Ihren Ausdruck fand diese Interpretation in einem von den beiden Volksparteien CDU und SPD seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland polarisierten Parteiensystem, das durch zwei Konflikt-dimensionen bestimmt wurde: den sozio-ökonomischen Konflikt sowie einen solchen zwischen traditionell-religiösen und individuell-säkularen Wertvorstellungen.

Der amerikanische Politikwissenschaftler Inglehart führte in den 1970er Jahren seine These der ‘ Silent Revolution’ der postindustriellen Gesellschaften in die sozialwissen-schaftliche Diskussion ein und machte in seinen empirischen Analysen auf einen seit den 1960er Jahren stattgefunden habenden Wertewandel aufmerksam. Inglehart etablierte in der Terminologie eine Kategorisierung in materialistische und postmaterialistische Werte bzw. Politikziele.

2.2 Wertewandel

Unter materialistischen Werten versteht Inglehart ökonomisch-wohlfahrtsstaatlich begründete Forderungen nach stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen, Wirtschafts-wachstum und Preisstabilität sowie nach innerer und äußerer Sicherheit. Als postmaterialistische Werte bezeichnet er dagegen immaterielle, am Kriterium der Lebens-qualität orientierte Forderungen nach persönlicher Selbstbestimmung und Partizipation, nach sozialer Achtung und nach Verwirklichung ideell-ästhetischer Bedürfnisse wie schönere Städte oder Erhalt der Natur.

Ingleharts Konzept der Eindimensionalität versteht „den Werteraum als bipolares Kontinuum, an dessen Enden zwei als unvereinbar betrachtete Wertbereiche angesiedelt sind“[4]. Nach Ingleharts Überzeugung handelt es sich um die Pole Materialismus und Postmaterialismus. In einem in den 1960er Jahren initiierten Prozess soll ein Wertewandel begonnen haben, in dem bestehende materialistische von postmaterialistischen Werten in der Gesellschaft seither kontinuierlich abgelöst werden. Die zur Erhebung von Wertorientierungen erforderlichen Befragungen, über deren Format in der empirischen Sozialforschung kontrovers diskutiert wird, richten sich bei Inglehart durchweg nach Maßgabe ihrer Wünschbarkeit. Im sog. Inglehart-Index (Tabelle 2.1), dem wichtigsten und am häufigsten angewandten Instrument zur Erfassung von Wertorientierungen, werden in empirischen Umfragen seit 1977 Befragte aufgefordert, Wertindikatoren in ihrer Bedeutung nicht einzeln zu beurteilen, sondern Rangordnungen zu erstellen (Ranking-Verfahren).[5] Dabei lässt Inglehart folgende materialistische (M) und postmaterialistische (PM) Ziele nach ihrer Priorität bewerten:

A - Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in diesem Lande (M),
B - mehr Einfluss der Bürger auf die Entscheidungen der Regierung (PM),
C - Kampf gegen die steigenden Preise (M),
D - Schutz des Rechts auf freie Meinungsäußerung (PM).

Als reiner Materialist gilt ein Befragter, der die Ziele A und C als wichtigstes und zweitwichtigstes Ziel bewertet, während als reiner Postmaterialist definiert wird, wer in einer Befragung die Ziele B und D auf den ersten beiden Rangplätzen einordnet. Mischtypen (-), die A oder C und B oder D auf den Rangplätzen 1 und 2 verorten, treten zwar auf, doch führt dies laut Inglehart nicht zu einer mehrdimensionalen Erweiterung der Wertorientierungen, da er eine solche Form lediglich als ‚Durchgangsstadium’ betrachtet.

In dieser sehr vereinfachten Skalierung, so die viel zitierte und durchaus berechtigte Kritik, könne eine differenzierte Analyse des Wertewandels nur schwer ermöglicht werden. Klages, Wilhelm Bürklin und Markus Klein - um nur einige der zahlreichen Kritiker des Modells von Inglehart zu nennen - bestreiten die Validität des Ranking-Verfahrens Ingleharts schon deshalb, weil es nicht Wertorientierungen, sondern Wertprioritäten misst.

Aber auch mit Hilfe eines erweiterten Indexes um weitere Politikziele, wie sie Inglehart beispielsweise in einem World-Value-Survey 1990 in 15 westlichen Nationen vorgenom-men hat[6], könne das ganze Spektrum gesellschaftlicher Wertorientierungen nicht lediglich auf die beiden Basiskategorien Materialismus und Postmaterialismus reduziert werden.

Tabelle 2.1: Inglehart-Index

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bürklin, W.: Wählerverhalten und Wertewandel, Opladen 1988, S. 114.

Ziel der folgenden Untersuchung soll jedoch auch nicht sein, eine stringente Bipolarität von Wertorientierungen aufzuzeigen, zumal eine Mehrdimensionalität zur Beschreibung eines in der sozialwissenschaftlichen Forschung unbestrittenen Wertewandels seit etwa Mitte der 1960er Jahre als realistischer erscheint.

Die Speyrer Forschergruppe um Klages, die in eigenen empirischen Erhebungen einen bis etwa 1975 auf ungefähr 15 Jahre begrenzten Wertewandelschub konstatiert, geht von einem Rückgang von - den materialistischen Werten Ingleharts vergleichbaren - sog. nomozentrischen Pflicht- und Akzeptanzwerten (gesellschafts- und selbstbezogene Werte) bei gleichzeitiger Zunahme von sog. autozentrischen Selbstentfaltungswerten (idealistisch-gesellschaftskritische, hedonistische und individualistische Werte), die den post-materialistischen Werten Ingleharts entsprechen, aus.

Im Unterschied zu Inglehart könne jedoch, so Klages, hinsichtlich der Dimension der Wertentwicklung keine eindeutige Richtung zugunsten bzw. zuungunsten einer bestimm-ten Wertegruppe ausgemacht werden. Vielmehr seien vier verschiedene Wertetypen möglich:

Tabelle 2.2: Werttypen nach Klages

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schlöder, B.: Soziale Werte und Werthaltungen. Eine sozialpsychologische Untersuchung des Konzepts sozialer Werte und des Wertewandels, Opladen 1993, S. 190.

Neben den ‚materialistischen’ Konventionalisten (Typ I; positive Ausprägung: Pflicht-werte, negative Ausprägung: Selbstentfaltungswerte) sowie den ‚postmaterialistischen’ Idealisten (Typ II; negative Ausprägung: Pflichtwerte, positive Ausprägung: Selbstentfal-tungswerte) existieren weitere Mischtypen:

- die perspektivlos Resignierten (Typ IV): dieser Typus favorisiert weder Pflicht- noch Selbstentfaltungswerte und weist eine geringe Engagementbereitschaft auf. Er ist, wie es Gerd Hepp richtig formuliert, durch Wertverlust, Schwankungen der Wertausprägung sowie durch Labilität und Identitätsschwäche charakterisiert. Als sehr zweifelhaft muss jedoch die Einschätzung Hepps beurteilt werden, dass es sich um den dominierenden Typus in der Gesamtbevölkerung seit dem Wertewandelschub handelt[7].
- die aktiven Realisten (Typ III): diese zeichnen sich sowohl durch eine hohe Pflicht- und Akzeptanzbereitschaft als auch durch ausgeprägte Selbstentfaltungsbestrebungen und Engagementbereitschaft aus.

Die von Klages analysierte Zweidimensionalität unterscheidet sich von der Postmaterialismus-Theorie Ingleharts in ihrer Komplexität sowie der Differenzierung in Mischformen von Wertorientierungen. Dass der Wertewandel selbst sich in einem kontinuierlichen Veränderungsprozess befindet, zeigt sich beispielsweise an der Ausdifferenzierung einer neueren und eigenständigen Dimension aus Materialismus und Hedonismus.

Dieser seit den 1980er Jahren auftretende Typus des hedonistischen Materialisten, der überproportional bei Jugendlichen im Alter von 14-23 Jahren, vorzugsweise bei Haupt-schülern und Lehrlingen, verbreitet ist, hält die Realisierung hedonistischer Ziele nur auf der Basis eines hohen Lebensstandards für möglich. Deshalb vereint der Hedomat sowohl Pflicht- als auch Selbstentfaltungswerte, beide jedoch nur geringfügig und mit dem Ziel der Befriedigung seiner einseitig individualistischen Zielorientierungen.

Zum einen ist dieser Wertetyp für die angestrebte Hypothesenprüfung vordergründig zwar von eher marginaler Bedeutung. Andererseits verlieren die GRÜNEN bei Wahlen beinahe kontinuierlich ihre ehemals hohen Stimmenanteile bei jugendlichen Wählern. Dies könnte ein Indiz für vermehrte Stimmenrückgänge bei dieser Wählerschicht sein, da überwiegend jugendliche Hedomaten eher als politikverdrossen gelten und Wahlen in zunehmendem Ausmaß fern bleiben.

Klages’ Beschreibung des Wertewandels in Form einer komplexen Wertsynthese kommt gegenüber der vereinfachenden Theorie Ingleharts eines eindimensionalen, intergeneratio-nellen Wertewandels zum Postmaterialismus der Realität sicherlich näher. Zudem hat sich die Prognose Ingleharts, dass sich bereits zu Beginn der 1990er Jahre die Bevölkerung mehrheitlich zu Postmaterialisten entwickelt haben wird, nicht bestätigt. Klein verweist in dieser Hinsicht auf empirische Daten aus den Eurobarometer-Umfragen der Europäischen Kommission, aus denen sich differenziertere Schlüsse ziehen lassen:

1. Die Anzahl der Postmaterialisten ist zwar bis 1988 (25%) stetig angestiegen, seitdem jedoch - mit sogar eher sinkender Tendenz - relativ konstant geblieben.
2. Die ‚reinen’ Materialisten sind kontinuierlich rückläufig.
3. Der überwiegende Teil der Bevölkerung vereint in seinen Wertorientierungen sowohl materialistische als auch postmaterialistische Ziele.[8]

Dennoch erscheint es sinnvoll, beide theoretischen Konzepte miteinander zu verknüpfen, da a priori die Möglichkeit einer Überlagerung der Sozialisationsthese Ingleharts mit der Lebenszyklusthese Klages’ nicht auszuschließen ist. Beide Thesen würden sich in ihrer Konsequenz auf das Wählerpotential der GRÜNEN unterschiedlich auswirken:

- Sozialisationsthese:

individuelle Wertorientierungen werden insbesondere in der formativen Phase des jugendlichen Sozialisationsprozesses erworben und verändern sich im Laufe der weiteren Persönlichkeitsentwicklung nicht mehr grundsätzlich. Aufgrund der „intra-individuellen Stabilität“[9] einmal erworbener Wertorientierungen würde ein Wandel des gesellschaftlichen Wertesystems über nachwachsende Generationen mit gewandelten Wertprioritäten stattfinden. Den GRÜNEN, die von den jugendlichen Hauptträgern des Wertewandels noch immer die höchsten Stimmenanteile erhalten würden, eröffneten sich mit der These sehr positive Zukunftschancen: alle nachwachsenden Generations-einheiten mit einer erhöhten Affinität zu den GRÜNEN, die sich im weiteren Lebensverlauf stabilisiert, würden der Partei ein stetig wachsendes Wählerpotential bescheren.

- Lebenszyklusthese:

im Unterschied zur Sozialisationsthese sind Veränderungen von Wertorientierungen nach der Adoleszenzphase möglich, ja sogar wahrscheinlich, da insbesondere nach dem Ende der schulischen bzw. universitären Ausbildung und dem darauf folgenden Eintritt in das Erwerbsleben das Maß an sozialer Verantwortung und Integration in das bestehende Gesellschaftssystem gemeinhin anwächst. Derartige „lebenszyklische Etablierungseffekte“[10] bedeuteten eine Verringerung idealistischer Wertorientierungen aus der formativen Lebensphase. Theoretisch könnten die GRÜNEN, vorrangig die Partei der nicht etablierten Jugendlichen, in Zukunft „keine dramatischen Zuwächse“[11] mehr erwarten. Vielmehr würden sich die Stimmenanteile der Partei stabilisieren, vorausgesetzt, es käme zu keinen weiteren gravierenden Geburtenrückgängen oder zu zunehmend stärkeren Wählerverlusten bei den Jugendlichen, wie sie sich seit geraumer Zeit abzeichnen.

Die oben genannten lebenszyklischen Etablierungstendenzen der mittleren Jahrgänge, die Klages zur Stützung seiner These anführt, dürfen jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Denn die Partei der GRÜNEN hat sich im deutschen Parteiensystem selbst zu einer etablierten Größe entwickelt: von einer anfänglichen Protestbewegung mit starken fundamentalistischen Strömungen über eine gesamtdeutsche Oppositionspartei bis hin zur reformorientierten, links-libertären Regierungspartei mit realpolitischer Ausrichtung. Die Partei folgte dem allgemeinen ‚Drift zur Mitte’ im deutschen Parteiensystem, weshalb Wählerwanderungen nicht ausblieben: einerseits verweigerten viele ehemalige Wähler aufgrund der Auflösung des fundamentalistischen Flügels der Partei ihre Unterstützung, andererseits konnten mit dem realpolitischen, entradikalisierten Reformkurs neue Wählerschichten hinzugewonnen werden.

Ein in der sozialwissenschaftlichen Forschung unbestrittener gesellschaftlicher Wertewandel, der sich in der Entstehung neuer Wertorientierungen manifestierte, dient als theoretischer Bezugsrahmen in Form einer Synthese der Postmaterialismus-These Ingleharts mit der These einer Wertsynthese, wie sie Klages vertritt. Auf andere Ansätze, wie der von Elisabeth Noelle-Neumann formulierten These eines gesellschaftlichen Werteverfalls, wird in der Untersuchung nicht eingegangen.

Bei der Wahl der Terminologie entschied sich der Verfasser für das in der Literatur üblicherweise verwendete Begriffspaar Materialismus/Postmaterialismus[12] zur Klassifizierung von Wertorientierungen. Die den beiden Polen nicht eindeutig zuzuordnenden Typen werden als Mischformen bezeichnet.

2.3 Wertewandel in Großstädten

Es herrscht in der Literatur Einigkeit darüber, dass der Wertewandel in allen westlichen Wohlfahrtsstaaten stattgefunden hat. Er ist als gesamtgesellschaftliche Entwicklung zu begreifen. Dies trifft auch im Falle der Bundesrepublik Deutschland zu.

Mit Vollendung der Wiedervereinigung haben sich jedoch zwei Populationen mit sehr unterschiedlich ausgeprägten politischen Kulturen zusammengefügt. Insbesondere im Fall der beiden Teile Deutschlands besteht in der Literatur ein breiter Konsens in Bezug auf Diskrepanzen in den politischen Einstellungen und Wertorientierungen von Ost- und Westdeutschen.[13]

Die Voraussetzungen für einen Wandel, wie er in den westlichen Wohlfahrtsstaaten in den späten 1960er Jahren Einzug fand, fehlten in der ehemaligen DDR gänzlich, so dass in den neuen Bundesländern ein Defizit an postmaterialistischen Wertorientierungen gegenüber den alten Bundesländern besteht.

Ein ost-westdeutscher Vergleich steht jedoch nicht im Vordergrund der Untersuchung und wird nur am Rande erwähnt.

Der Wertewandel hat - so die Vermutung des Verfassers - darüber hinaus in westdeutschen Großstädten einen stärkeren Schub erfahren als beispielsweise in ländlichen Regionen, in denen traditionelle (z.B. religiöse) Werte noch einen fest verankerten Stellenwert in der dortigen Bevölkerung einnehmen.

Bevor jedoch eine Kausalität der beiden in der Einleitung genannten Hypothesen überprüft wird, ist zunächst zu klären, welche Personengruppen Träger des Wertewandels sind.

2.4 Träger des Wertewandels

Ein Umbruch des Wertesystems wurde ausgelöst, indem „ein ganzes Bündel von Faktoren für heftige Turbulenzen im Wertesystem großer Teile der Bevölkerung“[14] sorgte.

Thomas Gensicke[15] nennt dafür verschiedene Ursachen:

- ein sich etablierender Wohlstand sowie der Ausbau des Sozialstaates,
- eine steigende Tertiärisierung, d.h. eine Zunahme des Dienstleistungssektors,
- eine Abnahme der Anzahl von Arbeitern bei gleichzeitigem Anstieg der Anzahl von Angestellten und Beamten,
- eine Expansion des Bildungssektors.

Statistische Daten belegen diese zum Teil gravierenden sozio-ökonomischen Entwicklungstrends. So hat sich die absolute Zahl der Erwerbstätigen im tertiären Dienst-leistungssektor im Zeitraum von 1970 bis 2000 von 10,9 Mio. auf 19,2 Mio. nahezu verdoppelt, während die Zahl der Beschäftigten im sekundären Industriesektor der Produktverarbeitung im gleichen Zeitraum um etwa ein Viertel zurückging.[16] Dies hat zur Folge, dass im Jahre 2000 beinahe die Hälfte der Erwerbstätigen Angestellte waren, während im Jahre 1950 noch die große Mehrheit der Arbeiter diesen Wert erreichte.[17]

Die Zunahme von überwiegend gut qualifizierten Angestellten und Beamten hängt insbesondere zusammen mit der Aufwertung des Bildungssektors in den 1970er Jahren. So stieg folglich auch bis 1994 kontinuierlich die Anzahl der Studenten an. Waren es im Jahre 1970 noch 422.000 eingeschriebene Studenten, erhöhte sich die Anzahl bis zum Jahre 2000 auf das mehr als 4fache.[18]

Zwei Bevölkerungsgruppen, denen eine „besondere Rolle bei der Veränderungs-bereitschaft von Wertorientierungen“[19] zukommt, sind für den Wertewandel von Bedeutung: die sog. ‚neue Mittelschicht’[20] von Angestellten und Beamten sowie Jugend-liche, die von verbesserten Studienbedingungen an Hochschulen profitieren können.

Vor allem Jugendliche gelten gemeinhin als maßgebliche Träger des Wertewandels, „da sie das Neue an der Kultur wertempfänglich und sensibel aufnehmen und [...] Wert-wandlungstrends andeuten“[21].

Dennoch hat der Wertewandel alle Bevölkerungsgruppen - wenn auch in unterschiedlicher Intensität und ältere Generationen bisher oftmals nur marginal - erfasst, so dass mit einer Klassifizierung in Lebensabschnitte, wie sie beispielsweise Yvonne Hammes vornimmt, die Dimension unterschiedlicher Wertprioritäten in den einzelnen Gruppen aufgezeigt werden kann. Inwieweit Wertträger postmaterialistischen gegenüber materialistischen Werten eine ebenbürtige, möglicherweise gar größere Bedeutung beimessen, hängt ganz entscheidend von den soziodemographischen Merkmalen Alter und Bildung ab. So halten zwar Jugendliche an sich das Thema Umweltpolitik, ein sehr stark ausgeprägtes postmaterialistisches issue, für besonders wichtig. Doch trifft dies eher auf Jugendliche mit einem höheren Schulabschluss (Abitur) zu.[22]

Es wird die These zu prüfen sein, ob noch nicht etablierte und in einer höheren Ausbildung (Abitur, Studium) befindliche Jugendliche wie auch Angestellte und Beamte mit höherer schulischer und beruflicher Qualifikation vermehrt postmaterialistische Wertorientierungen vertreten.

In Großstädten, so die Annahme, ist der Anteil dieser Gruppen an der Gesamtbevölkerung besonders hoch. Zum einen befinden sich dort die großen Dienstleistungszentren, zum anderen sind Großstädte stets Standort von Hochschulen (Universitäten, Fachhochschulen). So ist der in den für die Untersuchung relevanten Städten relative Anteil von Studenten an der gesamten Bevölkerung überwiegend hoch: Frankfurt 7,5%, Freiburg 12,9%, Köln 8,4%.

Großstädte stellen keine idealistischen homogenen Gebilde dar, in denen sich die diversen Bevölkerungsgruppen integrativ miteinander vermischen. Sie bieten für die wissenschaft-liche Forschung den Vorteil, einzelne Bevölkerungsgruppen nach ihrer sozial-räumlichen Struktur zu differenzieren. Zahlreiche Soziologen beschäftigen sich diesbezüglich seit dem Aufkommen der Lebensstilforschung der 1980er Jahre sowie seit der aus einer sozial-räumlichen Polarisierung resultierenden Überlagerung der größer werdenden sozialen Ungleichheit in Großstädten explizit mit der Teildisziplin der Stadtsoziologie.

Die Soziologen Hartmut Häußermann und Markus Ottersbach heben übereinstimmend die Problematik der zunehmenden Entwicklung zur sog. ‚ sozialen Segregation ’ in Großstädten hervor[23]. Segregation bedeutet in diesem Zusammenhang die räumliche Konzentration von Personen und Haushalten, die in Städten oft zu sozialen Problemen wie Marginalisierung, Polarisierung und Quartilsbildung von Gruppen führen können. Doch soziale Segregation - so Häußermann[24] - bleibt nicht nur auf problematische soziale Milieus wie Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Migranten usw. beschränkt. Auch exklusivere Wohngebiete sind üblicherweise extrem segregiert, d.h. von anderen Bevölkerungsgruppen abgesondert. Dies trifft - in allerdings geringerem Ausmaß - beispielsweise auch auf Studenten zu. Diese wohnen zumeist verstärkt in Alt- bzw. Innenstädten.

In der empirischen Aggregatdatenanalyse Freiburgs war es möglich, eine Typologisierung von urbanen Wohngebieten mit Hilfe der sozialstrukturellen Merkmale ‚Bildung’ und ‚Beruf’ vorzunehmen (vgl. Kapitel 4.3).

2.5 Indikatoren eines Wertewandels

Die für die Wahlforschung unentbehrlichen Aggregatdaten dienen dazu, das Wahlverhalten nach den sozialstrukturellen Merkmalen Alter, Bildung und Beruf zu analysieren. Aggregatdaten weisen jedoch gegenüber der qualitativen Individualdatenerfassung mittels Befragungen den Nachteil auf, keine Auskünfte über die entsprechenden Wahlmotive und Einflussfaktoren liefern zu können.

Wertorientierungen, Einflussfaktoren unter zahlreichen anderen, prägen in nicht un-erheblichem Maße das individuelle Wahlverhalten. Der Verfasser geht davon aus, dass in westdeutschen Großstädten gerade die oben aufgeführten Bevölkerungsgruppen neuen, nicht als traditionell einzustufenden Werten offen gegenüber stehen und letztlich bei Wahlen von postmaterialistischen Wertorientierungen beeinflusst werden können. Inwieweit die These Ingleharts, nach der die Anzahl von Postmaterialisten kontinuierlich zunimmt und die der Materialisten abnimmt, zutrifft, wird in dieser Arbeit nicht untersucht, zumal entsprechende Längsschnittdaten oftmals nicht zur Verfügung standen.

Interessant ist vielmehr, ob und in welchem Umfang sich der Postmaterialismus in Großstädten etabliert hat und wie dieser messbar ist. Ein Befragter wird sich, will man etwas über seine Wertorientierungen erfahren, kaum selbst als Materialist bzw. Postmaterialist einschätzen, zumal er sich unter den Begriffen wenig vorstellen kann. Definiert man den Wertewandel üblicherweise als einen Bedeutungsverlust traditioneller Sicherheits-, Erhaltungs- und Prosperitätsziele zugunsten neuer partizipativer, egalitärer, selbstverwirklichungs- und lebensstilorientierter Ziele, so führte eben dieser Bedeutungs-zuwachs postmaterialistischer Ziele, in Form der Entstehung neuer politischer Themen, auch zu Veränderungen der Politikpräferenzen.

In Befragungen ist es üblich, die Wichtigkeit einzelner politischer Themen bewerten zu lassen. Im weiteren Verlauf der Untersuchung werden diese Themen dann - so weit dies möglich war - als materialistisch bzw. postmaterialistisch eingestuft.

2.5.1 Themenpräferenzen

In der empirischen Wahlforschung haben sich unterschiedliche Erklärungsansätze für das Wahlverhalten herausgebildet, die Bürklin anschaulich darstellt.[25] Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der sozialpsychologische Ansatz von Angus Campbell, auch Ann-Arbor-Modell[26] genannt, der drei Einstellungsdimensionen als Bezugspunkte für Wahlentscheidungen definiert: ‚Parteiidentifikation’, ‚Kandidatenorientierung’ und ‚Themenorientierung’ (Abbildung 2.1):

Abbildung 2.1: Wechselbeziehungen zwischen Parteiidentifikation, Kandidaten und Sach-fragen nach Campbell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bürklin, W., 1988, S. 57.

Die Dimension Themenorientierung, die häufig in nationalen und neuerdings auch in kommunalen Umfragen (Bürgerbefragungen) ermittelt wird, gibt Aufschluss über Präferenzen zu bestimmten politischen Themen, sog. ‚ Issues’.

Issues sind als politische Sachfragen zu verstehen und geben die Einstellungen zu tagespolitischen Problemen wieder. Im Gegensatz zu früheren erklärungstheoretischen Ansätzen Campbells, wonach insbesondere die Dimension Parteibindung eine gegenüber der Dimension Themenorientierung höherrangige Position einnimmt, ist ein Bedeutungs-zuwachs von meist kurzzeitigen Issues - auch bedingt durch nachlassende Parteibindungen mit der allmählichen Auflösung traditioneller cleavages (Konfliktlinien) und einem daraus resultierenden Rückgang struktureller Bindungen in der Wählerschaft (Dealignment) - für das Wahlverhalten unverkennbar.

Wie stark der Einfluss solcher, meist mediengerecht gestalteter und transformierter Schlagthemen sein kann, zeigte die im Vorfeld der Bundestagswahl 1998 von der Parteispitze der GRÜNEN aufgestellte Forderung nach einem Benzinpreis von fünf Mark. Diese damals als unrealistisch verurteilte Forderung in ihrem Wahlprogramm kostete die GRÜNEN nach den Umfragen der Forschungsgruppe Wahlen innerhalb eines knappen Jahres einen Vertrauensverlust bei potentiellen Wählern von etwa 4%.[27]

Issues können damit zum einen von den Parteien selbst artikuliert werden, indem diese sie in ihr Wahl- oder Parteiprogramm aufnehmen und in die öffentliche Debatte einbringen. Einen bedeutenden Einfluss auf dieses Agenda-Setting von Themen üben dabei die Medien aus, die zunächst die Aufmerksamkeit auf politische Themen richten, um sie dann als mehr oder weniger lösungsbedürftig einzustufen.[28] Je nach Art und Dringlichkeit der politischen Streitfragen entscheidet sich der Wähler letztlich für die Partei, welcher er eine größere Problemlösungskompetenz zutraut.

Oscar W. Gabriel[29] fasst drei elementare Bedingungen zusammen, nach denen Issues einen Einfluss auf die Wahlentscheidung haben können:

- das Issue wird vom Wähler wahrgenommen (issue familiarity),
- es wird von ihm als bedeutsam empfunden (intensity of issue opinion),
- es wird vom Wähler mit den Positionen einer Partei in Verbindung gebracht (issue position of parties).

Der Wertewandel hat die Allgemeinheit für Themen sensibilisiert, die ergänzend zu denen der Alten Politik (vgl. Tabelle 2.3) hinzukamen. Mit dem Aufkommen von Bürger-initiativen, die aus den Aufbruch- und Politisierungsjahren der späten 1960er Jahre hervorgingen, und Neuen Sozialen Bewegungen entstanden neue Politikziele, die auf breite Unterstützung stießen. Diese neuen postmaterialistischen Werte waren auch Ausdruck immaterieller Bedürfnisse nach Mitwirkung, Mitbestimmung sowie der Geschlechter-gleichstellung.

Mit der zunehmenden Luftverschmutzung, hohen Schadstoffbelastungen in Flüssen, einer Beschleunigung des Waldsterbens durch sauren Regen sowie einer potentiellen Gefahr durch die Nutzung der Atomenergie wurde zudem vor allem das Thema Ökologie aufgrund der möglichen Gefährdung für Mensch und Natur politisiert und nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl im Jahre 1986 mit der Schaffung eines eigenständigen Umwelt-ministeriums institutionalisiert.

Aufgrund der Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit von umweltpolitischen Problemen[30] hat sich Umweltpolitik als ein eigenständiges Politikfeld etabliert.

Viele ökologische Problemfelder gelten zwar als neu, gehören jedoch seit langem zu kommunalen Aufgaben. Wie Gabriel und Frank Brettschneider feststellen, wurden beispielsweise die Abfall- und Abwasserbeseitigung lange als „technische Probleme“ ver-standen, während sie mittlerweile dagegen „primär unter umweltpolitischen Gesichts-punkten thematisiert“ werden.[31] Dies trifft auch auf den Energiesektor zu, da regenerative Energiequellen aus Wind, Sonne und Wasser aufgrund ihrer besseren Umweltverträglich-keit steigenden Zuspruch finden.

Das Politikfeld Umweltpolitik mit seinen je nach Legislaturperiode dominierenden Themen spielt in der Problemwahrnehmung von Bürgern eine nicht unbedeutende Rolle. Insbesondere die GRÜNEN profitieren von einem gestiegenen ökologischen Bewusstsein, da ihnen, gemäß ihrem Image als Öko-Partei, in diesem Bereich eine sehr hohe Problem-lösungskompetenz zuerkannt wird.

Neben postmaterialistischen Issues, zu denen nicht nur Umweltthemen, sondern auch die Belange der Kulturförderung, der Energieversorgung und des Öffentlichen Nahverkehrs hinzugezählt werden können, werden in Umfragen die traditionellen, im Sinne Ingleharts als materialistisch bezeichneten Sachthemen nach ihrer Wichtigkeit bewertet. Dabei handelt es sich in erster Linie um ökonomische Fragen und die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, daneben aber auch um soziale Aspekte, die Förderung des Gesund-heitswesens und den Wohnungsbau.

In einer im Herbst 1994 vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Stuttgart durchgeführten Telefonumfrage wurden Bürger der Großstadt Stuttgart unter anderem zu verschiedenen Wertorientierungen und Politikpräferenzen befragt. Aus Gründen der Anschaulichkeit wurde die tabellarische Übersicht der einzelnen kommunalen Themen, strukturiert nach ihrer theoretischen Zuordnung in Alte Politik (materialistische Werte) und Neue Politik (postmaterialistische Werte), übernommen. Tabelle 2.3 soll jedoch nur einen groben Überblick über tendenziell in Umfragen formulierte Themen bieten.[32] In den Bürgerbefragungen werden, je nach Großstadt, unterschiedliche Themenschwerpunkte gesetzt.

Tabelle 2.3: Theoretische Zuordnung von Politikpräferenzen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Gabriel, O. W. et al. (Hrsg.), 1997, S. 60.

2.5.2 Bürgerschaftliches Engagement

Ein Wertewandel muss nicht nur anhand der Tatsache, dass Bürger neuen Themen offen gegenüber stehen, nachweisbar sein. Ein durch den Wertewandelschub gestiegenes Bedürfnis nach Mitbestimmung müsste auch an einer Zunahme bürgerschaftlichen Engagements erkennbar sein. In der empirischen Untersuchung wird zu unterscheiden sein zwischen Engagementbereitschaft und tatsächlichem Engagement.

Doch was ist unter bürgerschaftlichem Engagement überhaupt zu verstehen?

Es muss auf freiwilliger Basis erfolgen und darf „nicht aus der unmittelbaren Notwendigkeit des Erwerbs oder des Lebensunterhalts motiviert”[33] sein. Es ist somit un-entgeltlich oder nur mit geringer Aufwandsentschädigung verbunden. Damit sind bürger-schaftliches und ehrenamtliches Engagement im Prinzip gleichzusetzen. Ausgeübt werden sie in Organisationen, Vereinen, Gruppen und Initiativen. Es geht jedoch nicht um reine Spaß- und Erholungsaktivitäten oder um passive Vereins- und Organisationsmitglied-schaften.

2.5.3 Zufriedenheit und Lebensbedingungen

Da Fragen nach der individuellen Zufriedenheit mit den allgemeinen und kleinräumigen Lebensbedingungen in Großstädten stets zentraler Bestandteil von regionalen Bürger-befragungen sind, werden diesbezügliche Datenerhebungen analysiert.

Wertewandel-Theorien, gleich welcher Urheberschaft, begründen das Aufkommen neuer immaterieller Werte mit der für Wohlstandsgesellschaften typischen weitgehend erreichten Sättigung materieller Grundbedürfnisse der Bevölkerung. Ein hoher Lebensstandard ließe demnach Tendenzen eines Anstiegs postmaterialistischer Gesinnung in den Antworten der Umfragen erwarten. Diese käme folglich in der Einschätzung, mit den eigenen und den umgebenden Lebensverhältnissen zufrieden zu sein, zum Ausdruck.

[...]


[1] Vereinfachend wird die Partei im Folgenden nur ‚die GRÜNEN’ genannt.

[2] Inglehart, R.: The Silent Revolution, Princeton 1977.

[3] Wenn in dieser Arbeit nur die männliche Form verwendet wird, so dient dies der Vereinfachung und Lesbarkeit des Textes, soll jedoch Männer wie Frauen gleichermaßen betreffen.

[4] Vgl. Bürklin, W. et al.: Dimensionen des Wertewandels. Eine empirische Längsschnittanalyse zur Di-mensionalität und der Wandlungsdynamik gesellschaftlicher Wertorientierungen, in: Politische Viertel-jahresschrift, B 35 (1994), S. 581.

[5] Kritische Anmerkungen zum Ranking-Verfahren von Klein, der das Rating-Verfahren favorisiert. Vgl. dazu ebd, S. 585 sowie Klein, M./Arzheimer, K.: Ranking- und Rating-Verfahren zur Messung von Wertorientierungen, untersucht am Beispiel des Inglehart-Index, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51 (1999), S. 550ff.

[6] Vgl. Inglehart, R.: Modernisierung und Postmodernisierung. Kultureller, wirtschaftlicher und politischer Wandel in 43 Gesellschaften, Frankfurt am Main 1998, S. 158-188.

[7] Vgl. Hepp, G.: Wertewandel. Politikwissenschaftliche Grundfragen, München 1994, S. 22.

[8] Zur Entwicklung gesellschaftspolitischer Wertorientierungen im Zeitraum von 1970 bis 1997 vgl. die tabellarische Übersicht von: Klein, M./Pötschke, M.: Gibt es einen Wertewandel hin zum „reinen” Postmaterialismus? Eine Zeitreihenanalyse der Wertorientierungen der westdeutschen Bevölkerung zwischen 1970 und 1997, in: Zeitschrift für Soziologie, 29 (2000), S. 214.

[9] Vgl. Bürklin, W. et al., 1994, S. 583.

[10] Ebd, S. 584.

[11] Vgl. Klein, M./Falter, J.W.: Der lange Weg der Grünen. Eine Partei zwischen Protest und Regierung, München 2003, S. 147.

[12] Eine andere Wertklassifizierung haben Hildebrandt und Dalton vorgenommen, indem sie zwischen „Alter Politik” und „Neuer Politik” differenzierten. Neue Politik bezieht sich dabei primär auf nicht-materielle, also postmaterielle Ziele und findet insbesondere bei Jüngeren Zuspruch, während Ältere mehr traditionelle Ziele der Alten Politik befürworten. Vgl. dazu Hildebrandt, K./Dalton, R. J.: Die neue Politik. Politischer Wandel oder Schönwetterpolitik?, in: Kaase, M. (Hrsg.): Wahlsoziologie heute. Analysen aus Anlaß der Bundestagswahl 1976, Opladen 1977, S. 230-256.

[13] Vgl. Meulemann, H.: Werte und Wandel im vereinten Deutschland, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 37-38 (2002), S. 13-22; Zelle, C.: Soziale und liberale Wertorientierungen. Versuch einer situativen Erklärung der Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 41-42 (1998), S. 24-36; Klages, H./Gensicke, Th.: Bürgerschaftliches Engagement im Ost-West-Vergleich, in: Klages, H./Gensicke, Th.: Wertewandel und bürgerschaftliches Engagement an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, Speyer 1999, S. 53-72.

[14] Gensicke, Th.: Sozialer Wandel durch Modernisierung, Individualisierung und Wertewandel, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 42 (1996), S. 9.

[15] Vgl. ebd, S. 9f.

[16] Vgl. Datenreport 2002. Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland, Bonn 2002, S. 91.

[17] Ebd, S. 94.

[18] Ebd, S. 68.

[19] Hammes, Y.: Wertewandel seit der Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland, Frankfurt am Main 2002, S. 60.

[20] Rainer Geißler hält diesen Begriff für veraltet und klassifiziert die überwiegende Mehrheit der Angestellten, Beamten und Selbständigen vielmehr als Dienstleistungsmittelschichten. Von neuer Mittelschicht oder neuem Mittelstand könne man eigentlich schon deshalb nicht sprechen, weil diese Beschäftigten nicht mehr neu und ständische Traditionen „stark verblaßt” sind. Besondere Bedeutung haben diese Schichten durch die Tertiärisierung des sekundären Sektors erlangt. Vgl. Geißler, R.: Die Sozialstruktur Deutschlands. Zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Zwischenbilanz zur Vereinigung, Opladen 1996, S. 146.

[21] Hammes, Y., 2002, S. 60.

[22] Vgl. hierzu Deutsche Shell (Hrsg.): Jugend 2002. Zwischen pragmatischem Idealismus und robustem Materialismus, Frankfurt am Main 2002, S. 164ff.

[23] Vgl. hierzu die beiden Aufsätze zur sozialräumlichen Entwicklung in Großstädten von Häußermann, H.: Die Krise der „sozialen Stadt”, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 10-11 (2000), S. 13-21 sowie von Ottersbach, M.: Die Marginalisierung städtischer Quartiere in Deutschland als theoretische und praktische Herausforderung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 28 (2003), S. 32-39.

[24] Vgl. Häußermann, H., 2000, S. 18.

[25] Vgl. Bürklin, W., 1988, S. 49-60.

[26] Zu den Konzepten des Ann-Arbor-Modells, vgl. Gabriel, O. W.: Parteiidentifikation, Kandidaten und politische Sachfragen als Bestimmungsfaktoren des Parteienwettbewerbs, in: Gabriel, O. W. et al. (Hrsg.) Parteiendemokratie in Deutschland, Bonn 2001, S 229-236.

[27] Vgl. Klein, M./Falter, J.W., 2003, S. 129.

[28] Zum Beispiel war im ersten Halbjahr 1994 Umweltpolitik ein beherrschendes Medienthema. Vor allem aufgrund der damals hohen Ozonbelastungen haben die Medien mit Hilfe zahlreicher Nachrichten-sendungen eine breite Aufmerksamkeit in der Bevölkerung erzeugt, was zur Folge hatte, dass dieses Thema als besonders dringlich bewertet wurde. Vgl. dazu: Dörner, Ch.: Do Media Matter? - Zur Reichweite des Agenda-Settings, in: Dörner, C./Erhardt, K.: Politische Meinungsbildung und Wahl-verhalten, Opladen 1998, S. 119-149.

[29] Vgl. Gabriel, O. W., 2001, S. 229.

[30] Beispielhaft sind gesundheitsgefährdende Ozonbelastungen, kontroverse Diskussionen um einen möglichen Klimawandel und die komplizierte und aufwändige Entsorgung von Atommüll.

[31] Gabriel, O. W./Brettschneider, F.: Werte, Ideologien und Politikpräferenzen, in: Gabriel, O. W. et al. (Hrsg.): Politische Kultur und Wahlverhalten in einer Großstadt, Opladen 1997, S. 59.

[32] Die hier genannten neutralen und problematischen Themen sind weder als materialistisch noch als post-materialistisch klassifizierbar.

[33] Gensicke, Th.: Das bürgerschaftliche Engagement der Deutschen. Image, Intensität und Bereiche, in: Klages, H./Gensicke, Th., 1999, S. 78.

Details

Seiten
86
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640187737
ISBN (Buch)
9783640189021
Dateigröße
776 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117014
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,8
Schlagworte
Stärke Grünen Großstädten Postmaterielle Werte Kontext

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Titel: Die Stärke der Grünen in deutschen Großstädten - Postmaterielle Werte im urbanen Kontext