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Vorurteil und Stereotyp. Definition, Entstehung und Prävention

Hausarbeit 2008 17 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
Teil 1. Definitionen
1. Einführung
1.1 Vorurteil
1.2 Stereotyp
1.3 Gemeinsamkeiten und Funktionen
Teil 2. Entstehung von Vorurteilen
2. Was verursacht Vorurteile?
2.1 Soziale Kategorisierung
2.2 Die Sündenbocktheorie
2.3 Die Theorie des realen Gruppenkonfliktes
Teil 3. Intervention
3. Die Kontakthypothese

III. Resümee und Ausblick

IV. Literaturverzeichnis.

I.) Einleitung

Warum sehe ich Menschen und ordne sie in Kategorien ein ohne sie zu kennen? Wie kommt es dazu, dass ich Vorurteile gegenüber Personen oder Gruppen habe, mit denen ich keine Berührungspunkte habe? Warum glaube ich zu wissen, dass eine mir unbekannte Person, nur durch ihr bloßes Auftreten, so zu sein scheint wie ich es mir vorstelle?

Vorurteile und Stereotype finden sich in nahezu allen Bereichen und Schichten. Sie sind stark verallgemeinerte Ansichten und Einstellungen, die Konflikte hervorrufen und in unterschiedlicher Intensität auftreten können. Häufig ist uns nicht bewusst, dass unser tägliches Handeln durch vorurteilshafte Meinungen und stereotype Annahmen beeinflusst wird. Aus ihnen können Konkurrenzbeziehungen und Interessenskonflikte entstehen, die Probleme erhärten und in sich misstrauenden und feindseligen Gruppen enden können. Wie aber entstehen Vorurteile und wie ist es zu erklären, dass das soziale Miteinander durch sie so immens geprägt wird?

Gegenstand dieser Arbeit werden verschiedene Erklärungsansätze zur Entstehung von Vorurteilen sein, die sowohl zum Verständnis beitragen als auch informieren sollen. Der erste Teil wird sich mit der Definition von Vorurteil und Stereotyp beschäftigen, sowie die Gemeinsamkeiten und Funktionen darstellen. Im zweiten Teil werden die verschiedenen Erklärungsansätze aufgeführt und der Fokus wird dabei vor allem auf Gruppenprozesse und –Interaktionen gelegt. Abschließend wird die Kontakthypothese als eine Möglichkeit zur Verbesserung von Intergruppenbeziehungen vorgestellt.

Nicht nur die theoretische Ausarbeitung sondern auch die praktische Umsetzung der Thematik in der Moderation sollen bewusst machen, sensibilisieren und zum Nachdenken anregen.

II.) Hauptteil

Teil 1. Definitionen

1.) Einführung

Im Folgenden werden der Vorurteilsbegriff und die Stereotypisierung anhand ausgewählter Definitionen erklärt. Diese Bestimmungen beziehen sich insbesondere auf Gruppen und sollen einen ersten thematischen Einblick geben. Ferner sind die Erklärungen dazu gedacht, einen gedanklichen Einstieg ermöglichen, zum Nachdenken anregen und eine inhaltliche Klarheit schaffen.

1.1) Vorurteil

„Eine feindselige oder negative Einstellung gegenüber Menschen einer bestimmten Gruppe, die nur auf ihrer bloßen Mitgliedschaft in dieser Gruppe basiert“ (Aronson, E.; Wilson, T., D.; Akert, R., M.; 2004, S. 485). Diese Formulierung bezieht sich vor allem auf das negative Vorurteil bzw. auf negative Gefühle in Bezug auf andere Personen. Es sollte jedoch berücksichtigt werden, dass Vorurteile nicht nur negativ behaftet sein müssen, sondern auch immer positive Aspekte beinhalten können. Um diese Aussage zu stützen, bezieht das New English Dictonary in seiner Definition sowohl positive wie auch negative Attribute bezüglich Vorurteile mit ein:

„Ein zustimmendes oder ablehnendes Gefühl gegenüber einer Person oder Sache, das der tatsächlichen Erfahrung vorausgeht, nicht auf ihr gründet“ (Allport, G., W.; 1971, S. 20). Davon ausgehend sollte immer wieder bedacht werden, dass Voreingenommeneinheit sowohl Ablehnung als auch Zustimmung implizieren kann, wobei letzteres weniger in die Kategorie der Vorurteile eingeordnet wird. Vorurteilshafte Einstellungen betreffen vor allem die affektiven Bewertungskomponenten und sind im Gegensatz zu Stereotypen häufiger emotional gefärbt (vgl. Güttler, P., O.; 2003, S. 112).

1.2) Stereotyp

Ein Stereotyp charakterisiert die kognitive Komponente eines Vorurteils und ist fest im Individuum verankert, somit weitestgehend veränderungsresistent. Es beschreibt die „Generalisierung über eine Gruppe von Menschen, bei der man praktische allen Mitgliedern der Gruppe identische Eigenschaften zuschreibt, ohne Beachtung gegebener Variationen unter den Mitgliedern“ (Aronson, E.; Wilson, T., D.; Akert, R., M.; 2004, S. 486). Wie auch bei Vorurteilen ist zu beachten, dass Stereotype nicht nur negative Komponenten beinhalten müssen. Häufig ist es nur eine Art oder bestimmte Herangehensweise, die Sichtweise auf die Welt zu vereinfachen. Allport beschreibt Stereotypisierung als „das Gesetz der geringsten Anstrengung“ (Allport, 1954, zitiert nach Aronson, E; Wilson, T., D.; Akert, R., M.; 2004, S. 486). Seiner Meinung nach ist die Welt zu komplex für den Menschen, als dass dieser über jeden Sachverhalt eine differenzierte Meinung haben kann (vgl. Aronson, E; Wilson, T., D.; Akert, R., M.; 2004, S. 486). Stereotype stellen somit eine vereinfachte Repräsentation der sozialen Umwelt dar, beziehen sich auf die effektive Informationsverarbeitung sowie schnelle Orientierung innerhalb dieser Umwelt. Zudem sind sie als eine Methode zu verstehen, die uns komplexe Ereignisse besser verstehen lässt (vgl. Güttler, P., O.; 2003, S. 113).

1.3) Gemeinsamkeiten und Funktion

Vorurteile und Stereotype sind verfestigte Urteile, die auf Erfahrungen basieren, aber nicht immer der Realität entsprechen müssen. „Beide sind sozial geteilte, stabile, konsistente, änderungsresistente, starre, rigide, inflexible Urteile über andere Personen, soziale Gruppen oder soziale Sachverhalte“ (Güttler, P., O.; 2003, S. 114). Zudem bieten Vorurteile und Stereotype einen Selbstwertschutz und dienen der Stabilisierung des eigenen Selbstwertgefühls. Sie bieten die Möglichkeit zur Abgrenzung oder Aufwertung der Eigengruppe und können die Informationsaufnahme bzw. Informationsverarbeitung erleichtern (vgl. Güttler, P., O.; 2003, S. 114). Hierbei wird deutlich, dass vorurteilhaftes Denken, wie bereits erwähnt, nicht nur negativ behaftet sein muss, sondern auch zum Schutz des Individuums genutzt werden kann. Jedoch ist der Grad zwischen Selbstwertschutz und gefestigter Voreingenommenheit sehr schmal, so dass es einer hohen Aufmerksamkeit bedarf um zu sehen, welche Intention hinter der Handlung steckt. Darüber hinaus können Vorurteile eine Verhaltenssicherheit herstellen und Unsicherheiten reduzieren. Bezug nehmend auf Gruppen können Vorurteile sowohl die Funktion haben, die Eigengruppe positiv gegenüber anderen Gruppen darzustellen als auch andere Personen für Fehler verantwortlich zu machen. Zudem kann das Bereitstellen von Sündenböcken eigenes Handeln legitimieren und stabilisieren.

Im Folgenden soll nun der Frage nachgegangen werden, wie Vorurteile entstehen und wodurch sie verursacht werden können.

Teil 2. Entstehung von Vorurteilen

2.) Was verursacht Vorurteile?

Ausgehend von der Frage, was Vorurteile verursacht, sollen Gründe für vorurteilsvolle Verhaltensweisen näher beschrieben werden. Bisher konnte wissenschaftlich noch nicht geklärt werden, „(…) ob Vorurteile ein lebenswichtiger und notwendiger Teil unserer biologischen Ausstattung sind oder nicht“ (vgl. Aronson, E; Wilson, T., D.; Akert, R., M.; 2004, S. 490). Somit kann es sein, dass Kinder Vorurteile von ihren Eltern aufnehmen, diese aber nicht notwendigerweise beibehalten müssen. Ferner besteht auch die Möglichkeit Kindern Vorurteile beizubringen, in dem man sie direkten Erfahrungen mit Stereotypisierung und Diskriminierung aussetzt. Die direkte und unmittelbare Konfrontation mit Stereotypisierung und Diskriminierung hat bei Kindern oftmals einen ebenso einschneidenden wie bleibenden Effekt. Im Folgenden soll anhand von drei theoretischen Analyseperspektiven einen ersten Versuch der Konkretisierung für die Verursachung von Vorurteilen unternommen werden. Hierbei wird auf die soziale Kategorisierung und persönlichkeitstheoretische Perspektive sowie auf das Intergruppen-Phänomen eingegangen.

2.1) Soziale Kategorisierung

Die Kategorisierung von einzelnen Personen zu einer Gruppe bezeichnet den ersten Schritt zur Entstehung von Vorurteilen. Es ist zu beachten, dass man sich die Welt durch solche Kategorisierungen verständlich macht und sowohl der Nutzen als auch die Notwendigkeit verdeutlicht wird. Jedoch müssen die Folgen dieses kognitiven Prozesses beachtet werden (vgl. Aronson, E.; Wilson, T., D.; Akert, R., M.; 2004, S. 492). Hierbei spielen vor allem zwei Gründe eine Rolle. Zum einen handelt es sich um die „Eigen-Gruppen-Bevorzugung“ und zum anderen um die „Fremd-Gruppen-Homogenität“.

Aber wir kommt die Bevorzugung und besondere Behandlung der Eigengruppe und die eher ablehnende Haltung gegenüber der Fremdgruppe zustande?

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640187607
ISBN (Buch)
9783668143760
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v116959
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Pädagogik
Schlagworte
Vorurteil Stereotyp Moderation Konzepte Methoden

Autor

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