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Netzwerkstrukturen der heutigen Gesellschaft und deren Abbild anhand der Internetplattform xing.com

Magisterarbeit 2008 177 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 EINGRENZUNG DES FORSCHUNGSFELDES

3 BEGRIFFSERKLÄRUNG UND -EINGRENZUNG
3.1 Herleitung der Begriffe Organisation, Vertrag und Netzwerk
3.2 Definition des Begriffes „Organisation“
3.3 Definition des Begriffes „Vertrag“
3.4 Definition des Begriffes „Netzwerk“
3.5 Ähnlichkeiten und Unterschiede des Begriffes „Netzwerk“ zu den Begriffen „Organisation“ und „Vertrag“
3.5.1 Netzwerk vs. Organisation
3.5.2 Netzwerk vs. Vertrag
3.6 Netzwerkanalyse
3.6.1 Geschichte der Netzwerkanalyse
3.6.2 Ansätze der Netzwerkanalyse

4 TYPOLOGIE VON NETZWERKEN
4.1 Netzwerktheoretische Herleitung des Kategorienschemas
4.1.1 Unterteilung in strukturelle und handlungsbezogene Merkmale
4.2 Strukturelle Merkmale
4.2.1 Netzwerkgröße
4.2.2 Diversität
4.2.3 Rangigkeit
4.2.4 Stufen von Netzwerken
4.2.5 Regeln innerhalb von Netzwerken
4.3 Handlungsbezogene Merkmale
4.3.1 Austauschbeziehungen
4.3.2 Verbindungen
4.3.3 Grad der Beziehungen
4.3.4 Anzahl der Partner
4.3.5 Synergiegehalt
4.3.6 Intensität
4.3.7 Personale Kontakte
4.3.8 Verbundenheit
4.3.9 Breite der tatsächlichen Aktivitäten
4.3.10 Qualität
4.3.11 Stufen der Kommunikation
4.3.12 Richtung des Informationsaustausches
4.4 Steuerungsform von Netzwerken
4.5 Netzwerktypen
4.6 Hierarchiearten von Netzwerken

5 THEORIEN DES NETWORKING
5.1 „Kleine-Welt-Phänomen“ von Stanley Milgram
5.2 „Stärke der schwachen Links“ von Mark Granovetter
5.3 „Theorie der Konnektoren“ von Malcolm Gladwell
5.4 „Skalenfreie Netze“ von Albert-Laszlo Barabasi
5.5 „Das Prinzip der gemeinsamen Aktivitäten“ von Brian Uzzi

6 GESCHICHTE UND FUNKTION VON XING.COM
6.1 Gründer und Firmenchef Lars Hinrichs
6.2 Die Geschichte von openbc.com/xing.com

7 UNTERSUCHUNG DES VIRTUELLEN NETZWERKES XING.COM
7.1 Allgemeine Merkmale von xing.com
7.1.1 Identifikation der Mitglieder mit dem Netzwerk
7.1.2 Mitgliedschaft
7.1.3 Die Profilseite – der perfekte Ort für Selbstdarsteller
7.2 Strukturelle Merkmale
7.2.1 Netzwerkgröße
7.2.2 Diversität
7.2.3 Rangigkeit
7.2.4 Stufen von Netzwerken
7.2.5 Untersuchung der Regelbereiche des Netzwerkes
7.3 Handlungsbezogene Merkmale
7.3.1 Austauschbeziehungen
7.3.2 Verbindungen
7.3.3 Grad der Beziehungen
7.3.4 Anzahl der Partner
7.3.5 Synergiegehalt
7.3.6 Intensität
7.3.7 Personale Kontakte
7.3.8 Verbundenheit
7.3.9 Breite der tatsächlichen Aktivitäten
7.3.10 Qualität
7.3.11 Stufen der Kommunikation
7.3.12 Richtung des Informationsaustausches
7.4 Steuerungsformvon Netzwerken
7.5 Netzwerktypen
7.6 Hierarchiearten von Netzwerken
7.7 Angewandte Theorien des Networking
7.7.1 „Vernetzte Progression“ oder „small world“-Phänomen
7.7.2 Starke und schwache Verbindungen innerhalb der Plattform
7.7.3 Umsetzung der Theorie der gemeinsamen Aktivitäten

8 DER NETZWERKCHARAKTER VON XING.COM

9 GESCHICHTE DES NETWORKING 129

10 AUFBAU VON NETZWERKEN
10.1 Netzwerk-Zugang
10.2 Pflege eines Netzwerkes
10.3 Werkzeuge des Networking
10.3.1 Das persönliche Adressbuch
10.3.2 Handy und Mobilbox
10.3.3 E-Mail
10.4 Die Reziprozität - der Schlüssel zu guten Beziehungen

11 FOLGEN DES NETWORKING FÜR DIE GESELLSCHAFT
11.1 Chancen und Probleme des Networking
11.2 Chancen und Probleme des virtuellen Networking

12 LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Grad von Beziehungen

Abbildung 2: Starke und schwache Verbindungen

Abbildung 3: Die Geburtsstunde eines skalenfreien Netzes

Abbildung 4: Zufällige und skalenfreie Netze

Abbildung 5: Profilseite

Abbildung 6: xing-Logo

Abbildung 7: Das ganze Leben besteht aus Beziehungen

1 Einleitung

Beziehungen spielen in unserem Leben jeden Tag eine bedeutende Rolle. Jeder Mensch in der heutigen Gesellschaftsstruktur ist auf Beziehungen angewiesen, er braucht sie, um zu überleben. Denn der Mensch ist ein Sozialwesen und braucht sowohl die Kommunikation als auch die Verbindung zu anderen seiner Spezies. Jeden einzelnen Tag unseres Lebens bauen wir, bewusst aber auch unbewusst, Beziehungen oder synergetische Verbindungen zu anderen auf.

Eine Beziehung aufzubauen erfordert vor allem Qualität, die auf Tiefe und Intensität in der zwischenmenschlichen Beziehung beruht. Eine starke Bindung zu einem anderen Menschen herzustellen, erfordert Vertrauen, Zeit, Geduld und persönlichen Einsatz. Denn sich auf eine Verbindung einzulassen, ist immer ein dynamischer Prozess. Die Energie zwischen den Individuen, den Kontexten, die Lebensumstände, diese Faktoren müssen immer wieder neu betrachtet und überdacht werden.1

„Manus manum lavat!“2 Als freie Übersetzung bedeutet es: eine Hand wäscht die andere – genau nach diesem Muster funktionieren Netzwerke. Hermann Scherer3, seinerseits Management–Trainer, vertritt die Meinung: „Von einem Beziehungskonto kann nur der abheben, der auch einzahlt“ . Aus diesem Grund ist er der Überzeugung, dass eine aussichtsreiche Interessensgemeinschaft auch nur langfristig funktioniert. Man merke sich: wer zusammenarbeitet, erreicht sein Ziel schneller und effektiver. Schon der griechische Gelehrte Sokrates wusste: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. 4

Ein weiteres Prinzip im Zusammenhang mit Netzwerken ist die Tatsache, dass sich Beziehungen immer wieder verändern. Man muss sie meiner Meinung nach als lebendige Gebilde betrachten. Man trifft jeden Tag neue Leute und knüpft jeden Tag neue Beziehungen. Das Beziehungsnetzwerk ändert sich ständig und ist immer den jeweiligen Lebenssituationen angepasst. Es kommen immer wieder neue Verknüpfungen hinzu und verbinden sich mit den alten zu einem wertvollen Beziehungsgebilde.5

In der heutigen Zeit, in der neue Informationstechnologien immer mehr in den Vordergrund rücken, ist meiner Meinung nach ein stabiles Netzwerk wieder von wachsender Bedeutung für die Gesellschaft. Kommuniziert wird schon lange nicht mehr nur von Angesicht zu Angesicht, sondern über neuen Medien, wie Mobiltelefone, Computer, mit speziellem Blick auf die weltweite Verknüpfung durch das Internet, etc.

Die organisierte Kommunikation, also die Kommunikation über oder durch ein Hilfsmittel, in dieser Arbeit im Speziellen das Hilfsmittel Internet, nimmt neben der face-to-face Kommunikation einen immer größeren Stellenwert innerhalb der Gesellschaft ein, denn sie fungiert mittlerweile als ein weiteres Bindeglied zwischen den Mitgliedern eines Systems (einer Organisation). Mit dieser Hypothese beschäftigen sich zahlreiche Studien, und auch ich werde in meiner Arbeit versuchen zu beweisen, dass organisierte Kommunikation zu einem festen und teilweise unbewussten Bestandteil des Alltags geworden ist.

Dies wirft natürlich einige Fragen (auch organisationstheoretische) auf, die in dieser Arbeit Beachtung finden werden.

Im nachfolgenden Kapitel dieser Arbeit wird eine Erklärung abgegeben, aus welchem Forschungsgebiet bzw. aus welchen Forschungsgebieten sich meine Arbeit ableiten lässt, da sich der Bereich rund um das Thema Netzwerk innerhalb der Forschung aus mehreren Strömungen der Wissenschaften zusammen setzen kann (eine diesbezügliche Ergänzung findet sich auch in Kapitel 3.6.1 Geschichte der Netzwerkanalyse ).

In Punkt 3 Begriffserklärung und -eingrenzung wird eine Begriffsdefinition von Organisation, Vertrag und Netzwerk dargeboten, da diese drei Elemente in der Betriebswirtschaftslehre und in etlichen Organisationstheorien ein Stück weit als untrennbar empfunden werden.6 Anschließend wird von mir ein Versuch unternommen, diese Begriffe untereinander abzugrenzen und Unterschiede, aber auch Ähnlichkeiten, aufzuzeigen, um den Begriff des Netzwerkes im Einzelnen weiter behandeln zu können. Als ein Unterpunkt wird auch ein kurzer Einblick in die Netzwerkanalyse7 und ihre Entstehungsgeschichte gegeben, um dem Leser ein besseres Verständnis des Forschungsfeldes zu ermöglichen.

Der nächste Abschnitt wird sich mit der theoretischen Typologie eines Netzwerkes beschäftigen, wobei zuerst versucht wird, ein Kategorienschema, auf welchem der praktische Teil der Arbeit aufgebaut ist, herzuleiten. Danach werden die einzelnen Merkmale eines Netzwerkes vorgestellt und teilweise mit Beispielen zur Verdeutlichung unterlegt.

Das Kapitel 5 Theorien des Networking stellt einige wichtige Thesen von Forschern wie Stanley Milgram, Mark Granovetter, Albert-Laszlo Barabasi etc. dar, die aufzeigen, wie wichtig und universell „netzwerken“ eingesetzt werden kann und dass es sich bei diesem Begriff keinesfalls um ein Modewort handelt, sondern unseren gesellschaftlichen Alltag bestimmt.

Das darauf folgende Kapitel 6 gibt einen kurzen Einblick in die Entstehungsgeschichte und Funktion der im praktischen Teil zu untersuchenden Internetplattform openbc.com bzw. xing.com sowie eine Biografie des Erfinders Lars Hinrichs.

Als nächstes folgt bereits die Untersuchung der virtuellen Plattform xing.com, angelehnt an die Theorieteile (siehe hierzu Punkt 4 Typologie von Netzwerken , Punkt 5 Theorien des Networking ), und mit einer weiteren Betrachtung auf die Begriffsabgrenzung Organisation und Vertrag (siehe auch Punkt 3 Begriffserklärung und -eingrenzung ), um der Frage nachzugehen, ob es sich bei der Internetplattform überhaupt um die Kategorie Netzwerk handelt.

Anschließend wird der Netzwerkcharakter von xing.com zusammenfassend resümiert und aufs Neue ein Blick hinter die Verknüpfungen und Verkettungen der Mitglieder geworfen.

Networking vorgestellt (vgl. dazu Granovetter, Barabasi, Uzzi, Gladwell, Milgram)

Die nächsten zwei Kapitel 9 und 10 beschäftigen sich einschließlich mit der Geschichte des Networking sowie dem Netzwerk-Aufbau. Hier werden vor allem im Abschnitt Aufbau von Netzwerken auf den Zugang und die Pflege eines Netzwerkes eingegangen sowie einige Werkzeuge und der Begriff der Reziprozität genau hinter fragt.

Das letzte Kapitel Folgen des Networking für die Gesellschaft umfasst die Frage, was Networking in der heutigen Gesellschaftsstruktur für Konsequenzen mit sich bringt. Diese Frage wird sowohl von einem positiven als auch von einem negativen Aspekt heraus aufgegriffen und hinterfragt werden.

Besonders im letzten Punkt fällt eine leichte Anlehnung an die Systemtheorie von Luhmann8 auf, der soziale Systeme unterteilt in Gesellschaft, Interaktion und Organisation.

In diesem Punkt gehe ich einen Schritt weiter wie Luhmann und unterteile diese Elemente nicht, sondern gehe von der Annahme aus, dass sie sich speziell in meiner Arbeit vermischen werden. Denn innerhalb der Gesellschaft herrscht eine ständige Interaktion und auch Organisationsstrukturen lassen sich im kleinsten Subsystem (wie innerhalb einer Familie beispielsweise) feststellen.

Nach dieser ausführlichen Einleitung und einem kurzen Blick auf die einzelnen Abschnitte dieser Arbeit und ihrer Inhalte möchte ich nun mit der Eingrenzung des Forschungsfeldes in Bezug auf Netzwerke für den anstehenden Theorieteil und die Untersuchung beginnen.

2 Eingrenzung des Forschungsfeldes

In diesem Kapitel möchte ich allen Lesern und Leserinnen klarmachen, aus welchem Gebiet bzw. welchen Gebieten der Forschung ich für meine Untersuchung in dieser Arbeit Bezug nehmen werde.

Im Laufe der Arbeit habe ich herausgefunden, dass kein spezielles Forschungsfeld existiert, aus dem die Netzwerkanalyse hervorgeht. Vielmehr setzt sie sich aus mehreren Gebieten der Forschung und den darin enthaltenen Teilbereichen zusammen. Die Schwierigkeit einer Eingrenzung liegt meiner Meinung nach auch in der Tatsache, dass die Netzwerkanalyse nicht eindeutig einem bestimmten Bereich der Wissenschaft zugeordnet werden kann. Je nach Verwendungszweck und –methode kann sie in unterschiedlichen Gebieten verwendet werden.

Daher zielt meine persönliche Eingrenzung auch bereits auf den Inhalt der Arbeit ab.

Da diese Diplomarbeit aus der Studienrichtung Publizistik und Kommunikationswissenschaft stammt, beginne ich in diesem Bereich meine Eingrenzung. Hier wiederum ist der Begriff eines Netzwerkes vor allem in dem Teilbereich der Organisationskommunikation wieder zu finden und auch anzusiedeln.

Organisationskommunikation beschreibt im Allgemeinen die Kommunikation von und in Organisationen und wird in dieser Arbeit vor allem als Kommunikation in Organisationen abgeleitet.9 Das heißt, ich werde mich im Speziellen mit den internen Kommunikationsvorgängen (organisierte Kommunikation) auf der Internetplattform beschäftigen und wie sie sich auf die Gesellschaft der Moderne auswirkt.

Man muss jedoch beachten, wenn wir hier von Organisationen sprechen innerhalb des Forschungsgebietes der Organisationskommunikation, dass wegen des Begriffes Organisation auch betriebswirtschaftliche Strömungen einfließen müssen. Für meine Arbeit habe ich mich also mit dem Begriff des Netzwerkes innerhalb der Betriebswirtschaft auseinander gesetzt und eine Art

„Dreierbeziehung“ der Begriffe Netzwerk, Vertrag und Organisation (hergeleitet von Williamson und Powell, siehe auch Kapitel 3) entdeckt. Während der Recherche, die Betriebswirtschaft betreffend, stieß ich auch auf Organisationstheorien, die sich teilweise mit meinen Vermutungen und Hypothesen Netzwerke betreffend deckten, also flossen auch diese zum Teil in meine Arbeit ein.

Um es bisher zusammenfassend zu beschreiben, stecke ich im Forschungsbereich der Organisationskommunikation mit Verästelungen der Betriebswirtschaft.

Was die Netzwerkanalyse angeht, darf jedoch auch die geisteswissenschaftliche Seite nicht außer Acht gelassen werden: die Soziologie, mit besonderem Augenmerk auf die Sozialwissenschaften. In der Soziologie befasst man sich hauptsächlich mit dem Aspekt des sozialen Zusammenlebens von Menschen in Gruppen bzw. Gesellschaften, also nach dem Sinn, den Strukturen und dem Handlungsmuster jedes Einzelnen, aber auch des Kollektives fragend.

Im Gebiet der Soziologie lassen sich wiederum Parallelen zu Organisationstheorien herstellen. Für meine Arbeit behandle ich sowohl das Individuum als auch das Kollektiv. Die Soziologie würde diese Bereiche unterteilen in Mikro- und Makrosoziologie. Die Mikrosoziologie beschäftigt sich lediglich mit dem einzelnen Akteur und seinem Handeln, die Makrosoziologie dahingegen mit dem Kollektiv, der Gesellschaft, den Strukturen, also dem gesamten System. Innerhalb der Makrosoziologie fließen auch die Organisationstheorien mit ein: Systemtheorie und Strukturalismus beispielsweise. In der Soziologie spielt das Verhalten der Menschen miteinander eine Rolle und davon abgeleitet, die verschiedensten Formen der Kommunikation. Wobei wir hier wieder in das Gebiet der Organisationskommunikation zurückkehren können, da hier das Augenmerk auf interne Kommunikationsvorgänge, speziell organisierte Kommunikation, gerichtet ist, sprich Kommunikation über moderne Medien, die den heutigen Kommunikationsalltag für viele stark beeinflussen und damit erleichtern.

Grob gesagt lässt sich also definieren, dass die Netzwerkanalyse aus dem Bereich der Kommunikationswissenschaft, dem Gebiet der Kulturwissenschaft untergeordnet, stammt. Die Netzwerkanalyse weist jedoch Verästelungen mit der Betriebswirtschaftslehre und den darin enthaltenen Organisationstheorien auf, und enthält auch Elemente der Soziologie wie der Ethnologie und der Anthropologie (siehe auch Radcliffe-Brown in Kapitel 3.6.1 Geschichte der Netzwerkanalyse, der als erster 1940 den Begriff des Netzwerkes als Metapher einführte10 ).

Die Netzwerkanalyse kann je nach Untersuchungsumgebung jedoch auch anderen Forschungsgebieten der Wissenschaft zugeordnet werden, im Falle meiner Arbeit und der damit verbundenen Untersuchung jedoch werde ich hier nicht weiter ausholen.

Nach dieser kurzen Eingrenzung des Forschungsfeldes, bezogen auf diese Arbeit, werde ich nun übergehen zu den Begriffserklärungen von Vertrag, Organisation und Netzwerk, die sich eher im Bereich der Betriebswirtschaft bewegen werden, um von diesem Forschungsgebiet aus den Begriff eines Netzwerkes in die Kommunikationswissenschaft zurückzuführen.

3 Begriffserklärung und -eingrenzung

In diesem Abschnitt werde ich die drei als untrennbar miteinander verbundenen Elemente Organisation, Vertrag und Netzwerk (siehe auch in diesem Kapitel die Theorien von Powell11 und Williamson12 ) zuerst herleiten, dann genauer erklären und anschließend wird ein Versuch unternommen, sie voneinander zu unterscheiden, es wird eine so genannte Ebenendifferenzierung vorgenommen.

Dies stellt einen wichtigen Bestandteil der nachfolgenden Arbeit dar und ein erster Schritt dahingehend, den Begriff des Netzwerkes deutlich hervorzuheben, ihn in mein Forschungsgebiet einzugliedern und demzufolge Überschneidungen der Definitionen und Verständlichkeit zu vermeiden.

Denn der Begriff des Netzwerkes kann lediglich im Kontext des Organisationsbegriffes und des Vertragsbegriffes verstanden werden.

Netzwerke sind, sofern die Netzwerkpartner Institutionen sind, aus recht- licher Sicht meist „hybride“ Organisationen, d. h. sie entstehen oftmals in einer Gemengelage, „die Elemente aus Netzwerk, Vertrag und Organisati- on in sich vereinigt“.13

Doch bevor ich auf diese Unterscheidung näher eingehe, werde ich mit einer Herleitung beginnen, um zu erklären, wie die Vorgeschichte der drei Begriffe Organisation, Vertrag und Netzwerk begann und geprägt wurde.

3.1 Herleitung der Begriffe Organisation, Vertrag und Netzwerk

Für die Vorgeschichte der Begriffe Organisation, Vertrag und Netzwerk muss innerhalb der soziologischen und betriebswirtschaftlichen Organisationsforschung geblättert werden. Um diesen drei Begriffen näher zu kommen, muss ein Blick hinter die Kulissen der neuen institutionenökonomischen Theorie innerhalb der Organisationstheorie geworfen werden. Denn hier wird eine erste Differenzierung von Markt, Hierarchie und Netzwerk vorgenommen.

Der Amerikaner Ronald Coase führte als erster die Transaktionskostentheorie in die Institutionenökonomie ein, denn er beschäftigte sich mit der scheinbar einfachen Frage, warum es überhaupt Unternehmen gibt?14 Durch seine Forschungen innerhalb dieses Gebietes wurde immer deutlicher, dass Unternehmen als spezielle Organisationsform zu verstehen sind und auch eine gewisse Transparenz nach innen und außen aufweisen.15

Hiermit begann eine Entmythstifizierung von starren Unternehmungen.

Die Neue Institutionenökonomie beschäftigt sich mit den Strukturen, den Verhaltenswirkungen, dem Wandel, etc. von Institutionen und verbindet somit die Wirtschafts- mit den Organisationstheorien.

Jedoch auch hier konnte man sich bislang auf keine Theorie einigen, daher wird diese in drei Ansätze unterteilt: in die Theorie der Verfügungsrechte, die Agenturtheorie und die Transaktionskostentheorie.16

Da ich hier jedoch eine Herleitung zu den drei Begriffen Organisation, Vertrag und Netzwerk herstellen will, wird hier nur die Transaktionskostentheorie von Belang sein.

Innerhalb dieser wird häufig darauf hingewiesen, dass der Begriff des Netzwerkes eine Hybridstellung bzw. eine Kombinationsform aus Vertrag und Organisation darstellt. Ich greife hier aus dem Grunde unterschiedliche Thesen auf, da eine einheitliche Netzwerktheorie bis zum heutigen Tage nicht existent ist. Hier wird später eine Unterscheidung erfolgen und meinen eigenen Vorstellungen angepasst.

Greifen wir noch einmal die Hybridstellung bzw. Kombinationsform auf: Nach Williamson17 und Powell18 kann innerhalb der neuen Institutionenökonomie zwischen Markt, Hierarchie und Netzwerk unterschieden werden.19

Diese drei Formen unterscheiden sich lediglich in den Möglichkeiten, wie Transaktionen abgewickelt werden. Was laut der Transaktionskostentheorie (zur TAK-Theorie siehe Kapitel 2.5.2) bedeutet, dass unterschiedliche Kosten bei Transaktionen bestehen, die eine ähnliche Ausgangslage hatten.

Für den Markt spricht beispielsweise ein Güter- und Warenaustausch, denn die Anpassungen der Transaktion können jeweils über den Preis reguliert werden, die einzelnen Akteure im Marktgeschehen passen sich den jeweiligen Bedingungen eigenständig an. Der Austausch von Ressourcen innerhalb der Hierarchie setzt auf hochspezifische und strategisch bedeutsame Aufgabenstellungen und gilt in diesem Bereich als effiziente Form.20 Der Netzwerkbegriff findet sich zwischen den Begriffen Markt und Hierarchie wieder, denn er besitzt sowohl von dem einen wie auch dem anderen Elemente, ist jedoch nicht lediglich als Kombinationsform zu verstehen, wie ich in einem späteren Punkt deutlich machen werde.

Doch nun zur Definition und Abgrenzung der drei Elemente im Einzelnen und im Konkurrenzverhältnis zueinander.

3.2 Definition des Begriffes „Organisation“

Innerhalb der Betriebswirtschaftslehre wird die Definition von Organisation auf unterschiedliche Weise gehandhabt. Für meine Verhältnisse muss hier also der Versuch unternommen werden, einen mehr oder weniger einheitlichen Begriff herauszuarbeiten.

In der Literatur führte Wiedmann diesen Begriff am umfangreichsten aus. Er beschrieb Organisation als ein intentionales System von Vorgängen, in dem auch interpersonale Arbeitsteilung eine wesentliche Rolle einnimmt bzw. dass mit bewusst gestalteten Verhaltens- und Funktionsregeln gearbeitet wird.21

Mit dem Begriff der Arbeitsteilung sind gewisse Einschränkungen des Handlungsspielraumes, die Mitglieder der Organisation betreffend, gemeint.

Innerhalb des Organisationsbegriffes wird in dieser Arbeit zwischen der Organisation als Instrument und der Organisation als Institution eine Unterscheidung getroffen, da es für die spätere Definition und Herleitung des Begriffes Netzwerk unumgänglich ist.

Im Nachfolgenden werden diese beiden Begriffe erklärt und herausgefiltert, welcher der beiden Organisationsformen am ehesten mit dem eines Netzwerkes zu vergleichen ist.

Instrumentelle Organisation

Das Ziel des instrumentellen Organisationsbegriffes ist es, organisatorische Regelungen aufzustellen, um damit die Produktionsabläufe zu rationalisieren und damit wiederum den Leistungsprozess zu steuern.

Die instrumentelle Organisation wird von zwei Konzeptionen geprägt, dem funktionalen und dem konfigurativen Organisationsbegriff.22

Der funktionale Begriff wird von Schreyögg und Werder folgendermaßen aufgefasst:

Nach dem funktionalen Verständnis wird Organisation als eine Funktion der Unternehmensführung gesehen, also als eine Aufgabe, die wahrgenommen werden muss, um die Zweckerfüllung der Unternehmung sicherzustellen.23

Innerhalb des Begriffes der Organisation als Instrument darf auch Gutenberg nicht außer Acht gelassen werden. In seinem Ansatz lässt sich die Organisation mit der Aufgabe des Vollzuges bzw. der Realisierung einer Ordnung gleichsetzen, sie fungiert hier als reines Umsetzungsinstrument.24 Gutenberg fasst damit in seinem Ansatz alle Regelungen der Umsetzung unter die Definition der Organisation zusammen, er begreift Organisation als Geflecht eines Regelwerkes.25

Innerhalb des konfigurativen Organisationsbegriffes wird Organisation als eine […]dauerhafte Strukturierung von Arbeits- und Autoritätsprozessen, d.h. ein festes Gefüge von generellen Regeln (Konfigurationen) […] (verstanden d.V.).26

Der Begriff Organisation wird hier meiner Meinung nach per definitionem als eine endgültig gedachte Strukturierung angesehen bzw. fungiert in diesem Fall als

Gehäuse oder Skelett einer Unternehmung. Diese bezieht sich in den meisten Fällen auf einen längeren Zeitraum, ohne jedoch die Struktur im Groben zu verändern.

Institutionelle Organisation

Bei diesem Organisationsbegriff tritt das gesamte System, die Institution, in den Mittelpunkt, so spricht man hier beispielsweise von Unternehmen, Verbindungen, Vereinen, etc.

Die Organisation als Institution vereint drei zentrale Elemente:

- die Ausrichtung der Institution verfolgt dauerhaft einen bestimmten Zweck; der Zweck der Organisation muss sich nicht mit dem Ziel der Mitglieder decken (lose Koppelung)27 ;
- die Erwartungshaltung der Institution der handelnden Mitglieder gegenüber und
- die Grenzziehung von Innen- und Außenwelten und damit verbundener überschaubarer Mitgliederzahl

Der institutionelle Organisationsbegriff gibt nicht nur den Blick frei für die organisatorische Strukturierung, die formale Ordnung, sondern für das ganze soziale Gebilde, die geplante Ordnung und die ungeplanten Prozesse (und d.V.) die Funktionen […]28

Größtenteils beruht das Regelwerk von Organisationen auf Erwartungen, Verhalten und Handlungsweisen, die Teilnehmer/Teilnehmerinnen betreffend.29 Die Regeln werden mit der Unterzeichnung eines Arbeitsvertrages anerkannt und treten ab diesem Zeitpunkt in Kraft. Bei Regelverstößen oder –brüchen drohen Sanktionsmaßnahmen.

Zusammenfassend liegt der Unterschied des institutionellen und des instrumentellen Organisationsbegriffes in der Tatsache, dass der instrumentelle sowohl nur Teilbereiche der Organisation betrachtet als auch die Handlungen der Mitglieder völlig ausblendet, während der institutionelle das System als Ganzes in Augenschein nimmt. Dies hat natürlich zur Folge, dass der instrumentelle Organisationsansatz sehr viele Erscheinungen und Funktionsbedingungen nicht erfasst und sie dadurch unbearbeitet bleiben.

Für unsere angehende Analyse wird in diesem Fall also der institutionelle Organisationsbegriff herangezogen werden, da die Handlungen der Akteure in unserem Fall nicht ausgeblendet werden können und dürfen, was in den Unterpunkten noch genauer erläutert wird (siehe beispielsweise Punkt 4.3 Handlungsbezogene Merkmale ).

Aber zuerst werfen wir noch einen Blick auf die Definition des Begriffes

„Vertrag“, bevor ich den Begriff des Netzwerkes für meine Zwecke versuchen werde zu fixieren.

3.3 Definition des Begriffes„Vertrag“

Verträge dienen im Allgemeinen dazu, menschliche Interaktionen als zwei- oder mehrseitig angelegte Tauschgeschäfte zu modellieren.

Die dazugehörige Vertragstheorie beschäftigt sich mit dem ökonomischen Design von Anreizmechanismen,30 ausgehend von den menschlichen Individuen als Handlungsträgern, um seine eigene Position innerhalb eines Gefüges zu verbessern, aufgrund von gegebenen oder erwünschten Anreizen.

Die Regeln eines Vertrages

[…] fixieren, welche Rechte und Pflichten sich die einzelnen Mitglieder einer durch den jeweiligen Vertrag bestimmten sozialen Einheit wechselseitig zugestehen bzw. zumuten.31

Verträge stellen also Regeln dar, die verschiedene Beziehungen der Betroffenen untereinander regeln sollen.

Sie begrenzen persönliche Entscheidungsräume und dienen der Koordination von Interaktionen […]32

Laut der oben genannten Definition kann also meiner Meinung nach abgeleitet werden, dass durch das Eingehen eines Vertrages eine gewisse gegenseitige Abhängigkeit unter den beteiligten Akteuren entsteht.

Hier stellt sich mir dennoch die Frage, ob es bei Tauschgeschäften nicht immer zu einer Abhängigkeitssituation kommt? Diese Frage wird in einem späteren Punkt jedoch noch genauer besprochen.

Man könnte auch sagen, laut den obigen Definitionsversuchen, dass Verträge koordinieren, definieren und beeinflussen bzw. ermöglicht ein Vertrag, dass in der heutigen Gesellschaft der knappen Ressourcen das höchste Maß an Befriedigung der Bedürfnisse eines jeden Individuums erlangt wird.33

Im ökonomischen Sinne wird ein Vertrag als eine bindende explizite wie auch implizite Vereinbarung begriffen. Diese wird über den Tausch von Waren, Dienstleistungen oder anderen Ressourcen zwischen Individuen definiert, die sich, indem sie der Vereinbarung des Vertrages zugestimmt haben, eine Verbesserung ihrer jetzigen Position erhoffen.

Die Vertragstheorie beschäftigt sich mit der individuellen Nutzenmaximierung, der zweckmäßigen Anpassung der jeweiligen Situation und der begrenzten Rationalität unter den Vertragsmitgliedern.34

Unter Nutzenmaximierung versteht man, dass jede Handlungsalternative mit einem differenzierten Nutzen in Verbindung steht und die Akteure des Geschehens sich meist für die Alternative entscheiden, die den größtmöglichen

Nutzen mit sich und vor allem für sie bringt. Die Akteure orientieren sich somit am persönlichen Nutzen.

Weiters besteht hier nun die Möglichkeit der Annahme, dass die Individuen ihren Nutzen auch auf Kosten anderer erreichen wollen.

Diese Annahme spiegelt das opportunistische Verhalten wider und lehnt sich somit an den Begriff der Ausbeutung anderer, was jedoch nicht im Sinne eines gut funktionierenden Netzwerkes steht.

Die Rationalität unter den handelnden Vertragsmitgliedern ist eine eingeschränkte. Denn ihr Verhalten findet nicht unter Berücksichtigung aller vorhandenen Informationen statt, sondern ihre Handlungsweise beschränkt sich nur auf die ihnen bekannten Informationen.35

Es gibt die unterschiedlichsten Arten von Verträgen: vollständige und unvollständige, verbindliche oder unverbindliche, kurzfristige oder langfristige, etc.

In einem vollständigen Vertrag beispielsweise werden alle Vertragsbedingungen exakt festgehalten.36 Dieses Modell ist jedoch in der Realität schwer umzusetzen aufgrund eines hohen Abstraktionsgrades.

Gängiger ist der unvollständige Vertrag, da die meisten Vertragsbeziehungen sich als nicht vollständig klassifizieren lassen und somit den Vertragspartnern Verhaltens- bzw. Entscheidungsfreiräume zur Verfügung stehen.

Für die Analyse in meiner Arbeit wird der Begriff „Vertrag“ in einem weiteren Unterpunkt (siehe Absatz 3.5.2) mit dem eines Netzwerkes verglichen und einer Differenzierung unterzogen werden.

Der Begriff des Vertrages soll hier nur kurz erklärt werden, da dies lediglich zum besseren Verständnis führen soll, wie er sich in der Betriebswirtschaft entwickelte und wie er in die Kommunikationswissenschaft zurückzuführen ist.

Doch nun zum eigentlichen Begriff eines Netzwerkes.

3.4 Definition des Begriffes „Netzwerk“

Für den Begriff des Netzwerkes existieren die verschiedensten Definitionen und Auslegungen. In diesem Punkt muss ich ein wenig weiter ausholen, um den roten Faden, der sich stets mit dem Thema Netzwerke beschäftigt, nicht aus den Augen zu verlieren.

Um also kurz auf die Herleitung zurückzukommen, bin ich in meiner Arbeit der Ansicht, dass der Ansatz von Powell, ein Netzwerk als drittes und eigenständiges Element zu betrachten,37 auch auf mein zu analysierendes Netzwerk, xing.com, zutrifft. Vielfach wird in diesem Punkt die Meinung entstehen, dass es eine Kombinationsform darstellt (wie auch Williamson der Meinung war), es lässt sich jedoch meiner Ansicht nach von den anderen zwei Elementen unterscheiden, was ich auch in einem späteren Unterpunkt beweisen werde.

Nun jedoch zu der Definition des Begriffes Netzwerk.

Auf der Organisationsebene stellt ein Netzwerk eine unternehmensübergreifende Zusammenarbeit dar. Diese wird aus einer Vielzahl verschiedener Unternehmungen zusammengefasst, die wiederum in unterschiedlicher Weise miteinander verbunden sind.

Die teilnehmenden Unternehmen bzw. Organisationen interagieren eigenverantwortlich und rechtlich selbstständig, Teilbereiche oder diverse Aufgaben betreffend.38

Man unterscheidet auf dieser Organisationsebene grob zwei verschiedene Arten von Netzwerken:

1. Die virtuelle Unternehmung – Darunter versteht man ein temporäres Netzwerk von rechtlich selbstständigen Unternehmen, die sich für ein gewisses Projekt oder eine Aufgabe zusammenfinden, die Arbeit erledigen und sich meist nach Beendigung wieder auflösen. Die einzelnen eingebundenen Unternehmen, Gruppen oder auch Einzelpersonen fungieren wie Bausteine, die in gewisse Problembereiche flexibel integriert werden, da ihr Vorteil darin besteht, unterschiedliche Stärken und Ressourcen einbringen zu können;39

2. die Business Webs – Diese sind typisch für Branchen mit Netzeffekten. Sie produzieren Produkte und Dienste mithilfe technischer sowie menschlicher Ressourcen, um einen höheren Wert der Verwendung zu erzeugen.40 Je mehr Unternehmen mit unterschiedlichen Dienstleistungen sich vereinigen, desto höher der Wert des Netzwerkes und eine steigende Attraktivität für Kunden und Konsumenten.

Der Unterschied zwischen einer virtuellen Unternehmung und einem Business Web liegt also so gesehen in der Form der Zusammenarbeit und der vereinbarten Zielsetzung. Zum besseren Verständnis werde ich diesen Gedankengang näher ausführen.

Während virtuelle Unternehmungen eine explizite Zusammenarbeit pflegen (d.h. Zusammenschluss für das Erreichen eines Zieles), setzen Business Webs auf implizite Zusammenarbeit (beispielsweise primär Nutzung einer gemeinsamen Plattform via Internet).41

Im nachfolgenden Absatz werde ich genauer auf die Unterschiede, aber auch Ähnlichkeiten der drei Begriffe Organisation, Vertrag und Netzwerk eingehen, um bei der späteren Analyse Verwechslungen und Verwirrungen auszuschließen und vor allem um meine These zu untermauern, dass meiner Meinung nach der Begriff des Netzwerkes ein eigenständiges Element darstellt.42

Darum beschäftigt sich das nächste Kapitel mit den Ähnlichkeiten, aber auch den gegensätzlichen Wesensmerkmalen der drei Begriffe und führt zum Schluss noch eine gravierende Unterschiedlichkeit der Elemente Vertrag und Organisation zur Definition des Netzwerkes an.

3.5 Ähnlichkeiten und Unterschiede des Begriffes „Netzwerk“ zu den Begriffen „Organisation“ und „Vertrag“

In den nachfolgenden zwei Unterpunkten wird aus meiner Sicht versucht, die Ähnlichkeiten aber auch Unterschiede zwischen Netzwerk und Organisation sowie Netzwerk und Vertrag zu verdeutlichen. Dies wird anhand der oben bereits angeführten Unterkapitel (siehe Abschnitt 3.2, 3.3 sowie 3.4) und mit Hilfe der darin angeführten Literatur bewerkstelligt werden.

3.5.1 Netzwerk vs. Organisation

Vom Organisationsbegriff her lässt sich meiner Meinung nach ein Netzwerk mit der Form einer Organisation als Institution vergleichen. Denn der institutionelle Organisationsbegriff betrachtet nicht nur die Struktur, sondern sieht das soziale Gebilde als ein Ganzes innerhalb eines funktionierenden Systems an.

Auch Jansen vertritt in diesem Punkt meine Überlegung:

In einer dynamischen Perspektive müssen Netzwerkstrukturen als Institutionen begriffen werden, die aus den Strategien der Akteure und den vorgängigen Strukturen erwachsen.43

Sydow sieht Organisationen ebenso als ein System von miteinander vernetzten Akteuren, die einerseits zwar nicht alle miteinander verbunden sein müssen, jedoch andererseits durch multiple Beziehungen untereinander vernetzt sind.44 Dies untermauert meine weitere Behauptung, dass ein Netzwerk einer institutionellen Organisation am ähnlichsten kommt. Denn beim instrumentellen

Begriff werden erstens nur Teilbereiche genauer durchleuchtet und zweitens die Handlungen der Akteure gänzlich ausgeklammert. Dies spielt jedoch bei der Analyse eines Netzwerkes, besonders in meiner Arbeit, eine entscheidende Rolle.

Die drei zentralen Elemente einer Organisation können aus meiner Sicht ebenso auf ein Netzwerk umgelegt werden:

- ein Netzwerk und seine Mitglieder verfolgen den Zweck der Vernetzung als Mittel der Erreichung der eigenen Ziele
- die Erwartung eines Netzwerkes der Mitglieder gegenüber ist beispielsweise ein bestimmter Grad an Vernetzung bzw. eine Erweiterung;
- was die Grenzziehung betrifft, kann gesagt werden, dass in manchen Netzwerken eine Grenze generell vorhanden ist, jedoch gestaltet sich dies bei den heutigen Netzwerkstrukturen zunehmend schwieriger

Auch das Reglement einer Organisation weist Parallelen zu einem Netzwerk auf. In einer Organisation werden die internen Regeln mit der Unterzeichnung des Arbeitsvertrages anerkannt.45 In einem internen Netzwerk wie xing.com stimmt man bei der Registrierung den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu, in einem Verein oder Verbund existieren ebenso Regeln und selbst in einem privaten Netzwerk aus Freunden und/oder Familie herrschen ungeschriebene Gesetze. Sanktionsmaßnahmen werden zwar überall individuell gehandhabt, jedoch können hier generell Vergleiche mit einer Organisation gezogen werden.

Im obigen Teil wurde bereits angegeben, dass ein Netzwerk über eine Grenzziehung verfügt. Dies ist jedoch nur zum Teil richtig. Es existieren zahlreiche Netzwerke, die keine Grenzziehung zulassen. Man denke hier an das persönliche Netzwerk, das nicht nur schwer einzugrenzen ist, sondern auch von der Mitgliederanzahl weniger bis gar nicht mehr überschaubar ist.

Andere Netzwerke dagegen, wie das in dieser Arbeit analysierte Netzwerk xing.com, verfügen über eine überschaubare Anzahl von Mitgliedern. Dies wird durch eine schriftliche (virtuelle) Anmeldung zum Netzwerk ermöglicht und grenzt somit das Innere der Gemeinschaft von der Außenwelt ab.

Eine Besonderheit von Netzwerken gegenüber Organisationen liegt demnach in der Komplexität der Struktur, d.h. sie ist nicht vollständig penetrabel. Trotz dieser

Undurchdringbarkeit der Struktur bringen Netzwerke kollektive Strategien hervor.46

3.5.2 Netzwerk vs. Vertrag

Werden die zwei Begriffe im ökonomischen Sinne verglichen, drehen sich beide um den Tausch von Dienstleistungen und Waren, um eine persönliche Besserstellung zu erreichen.

Der Vertrag ist eine allgemeine, Kulturen und Zeiten übergreifende Rechtsvorstellung, die sich mit dem vereinbarten Austausch von Waren und Leistungen unter Personen befasst. Der Vertrag ist damit ein Phänomen gesellschaftlichen Verkehrs und gründet im Tausch. […] (Er d.V.) regelt somit ein soziales Verhältnis.47

Kein Netzwerk kann ohne Tauschgeschäfte irgendeiner Art existieren. Denn durch den Handel von Informationen und weitere Ressourcen würde die Struktur an Dynamik verlieren und keinen Nutzen mehr für die Teilnehmer/Teilnehmerinnen aufweisen. Denn lediglich durch den Ressourcenaustausch profitiert jedes einzelne Mitglied vom Gebilde eines Netzwerkes.

Auch der Vertragsbegriff klinkt sich, wie schon der Organisationsbegriff, beim Thema Regelwerk ein. Die Parallelen liegen hier in den Regeldefinitionen eines Vertrages, denn es wird explizit auf die Beziehung zwischen Individuen hingewiesen, jedoch erfolgen diese mit Einschränkungen.48

Die Ähnlichkeiten finden sich in der Definition, denn sowohl in einem Vertrag als auch in einem Netzwerk existieren Regeln und Pflichten, welche den sozialen Umgang der Mitglieder untereinander festlegen. Als Beispiel könnte man in diesem Fall die ungeschriebenen, internen Regeln oder aber auch die festgesetzten AGB nennen.

Als eine weitere Eingrenzung des Vertragsbegriffes wird eine Beschränkung von persönlichen Entscheidungsräumen genannt. Hier erkennt man einen der gravierenden Unterschiede zwischen Vertrag und Netzwerk. Innerhalb eines Netzwerkes sollte es keine Begrenzung von persönlichen Entscheidungen bzw. Entscheidungsräumen geben, denn eine solche würde die Dynamik und die Einzigartigkeit eines Netzwerkes gefährden. Auch kann in diesem Fall davon ausgegangen werden, dass der Ausstieg aus einem Netzwerk jeder Zeit eine Chance bzw. Alternative darstellt.

Grob kann die Struktur eines Netzwerkes also mit einem unvollständigen Vertrag verglichen werden. Regeln und Pflichten sind in jedem Netzwerk vorhanden, auch wenn sie nicht explizit ausgelagert werden (man denke hier nur an allgemein gültige Benimmregeln, etc.). Die hier zu bemerkende Ähnlichkeit liegt in der Tatsache, dass die Verhaltens- und Entscheidungsfreiräume bei dieser Vertragsart weiter gesteckt wurden und somit eine unerwartende Dynamik das Netzwerk in einem Gleichgewicht hält und für Neuerungen offen bleibt.

Einen weiteren Unterschied führt Professor Doktor Günther Teubner in seiner Schrift an:

„In Netzwerken gilt nicht einfach der Vorrang des Kollektivinteresses vor den Einzelinteressen wie im Gesellschaftsrecht, sondern das Prinzip des

„Profit sharing“, das aus ökonomischer Sicht die Sonderstellung der Netzwerke gegenüber Vertrag und Organisation ausmacht.“49

Der gravierendste Unterschied meiner Meinung nach ist, sowohl was den Vertrag als auch die Organisation betrifft, dass ein Netzwerk immer von zwei Seiten betrachtet werden kann: einmal liegt das Augenmerk auf den einzelnen Akteure innerhalb des Netzwerkes und ein anderes Mal kann das komplette Netzwerk herangezogen werden. Durch diese zwei unterschiedlichen Betrachtungsweisen können verbesserte Umweltbeziehungen unterhalten werden, da ein und dasselbe Netzwerk sowohl den Einzelakteur als auch einen so genannten Kollektivakteur, jedoch mit abgrenzbarer Identität, zu bieten hat.

Am Schluss möchte ich nur noch einmal deutlich machen, dass es sich bei den drei Begriffen in meiner Arbeit um drei abgrenzbare Elemente handelt, obwohl die Grenzen teilweise ineinander zu verschwimmen scheinen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass ich mit obigen Definitionen und Abgrenzungsversuchen meine Behauptung und die von Powell50 untermauere, dass es sich nicht um eine Kombination, sondern um drei eigenständige und voneinander gut trennbare Elemente handelt.

Da ich nun meine Ansichten über die drei Elemente vorgebracht und erklärt habe, möchte ich mich in dieser Arbeit nun der Entstehungsgeschichte der Netzwerkanalyse, ein paar ihrer Ansätze und den Begründern zuwenden. Dies sollte vor allem bei der Analyse des praktischen Teils von Nutzen sein, da man hier erkenne sollte, aus welchem übergeordneten Gebiet der Forschung meine Gedanken entstanden sind.

3.6 Netzwerkanalyse

Die Erforschung von Netzwerken stellt keine modische Erscheinungsform innerhalb der Wissenschaften dar, sondern liegt einer langen Forschungstradition zu Grunde, die ich hier kurz anführen möchte.

Die Netzwerkanalyse stellt einen Ansatz zur Erforschung sozialer Strukturen innerhalb der Gesellschaft dar, sie bildet einen Ausschnitt sozialer Wirklichkeit ab,51 welche für meine weiterführende Analyse innerhalb dieser Arbeit relevant sind.

Sie analysiert soziale Strukturen aus den Beziehungen zwischen einer definierten Menge von Akteuren und sieht die Strukturmuster ihrer Beziehungen als bedeutsam für das Verhalten der Akteure an. Die Akteure (oder genereller die sozialen Einheiten) betrachtet sie als ‚Knoten’ und die sie verbindenden sozialen Beziehungen als ‚Linien’.52

Dieser Ansatz von Windeler kann wiederum auf Überlegungen des Soziologen Georg Simmel zurückgeführt werden, der sich als einer der ersten mit dem Thema

„Netzwerkanalyse“ beschäftigte. Daher zuerst ein kurzer Einblick in die

Geschichte der Netzwerkanalyse .

3.6.1 Geschichte der Netzwerkanalyse

In diesem Kapitel werde ich mich ausschließlich mit der historischen Entstehung der Netzwerkanalyse beschäftigen.

Hier wird noch einmal deutlich, aus welchen Richtungen, Bereichen und Strömungen der Wissenschaften die Netzwerkanalyse entstanden ist und welche Bewegungen im Laufe der Zeit für das heutige Endprodukt verantwortlich sind.

Die Geschichte der Netzwerkanalyse beginnt mit dem deutschen Soziologen und Philosophen Georg Simmel. Er befasste sich vordergründig mit den Wechselwirkungen zwischen Individuen und beschäftigte sich mit der Frage, ob die Größe eines Netzwerkes eine relevante Komponente wäre.53

Nach Simmel ging die Erforschung rund um das Thema Netzwerke weiter und diverse Ansätze wurden aus einer anderen Perspektive aufgegriffen und ausgearbeitet. Jedoch ging der Netzwerkanalyse eine vorherige Geschichte mit Hilfe verschiedener Disziplinen und Forschungsfelder voraus. In diesem Kapitel wird die Entstehung genau beschrieben.

Die Historie der Netzwerkanalyse durchlief die verschiedensten Disziplinen und Forschungsfelder bis zu ihrem heutigen Erscheinungsbild.

Ein Anfang kann in der sozialpsychologischen Entwicklungslinie gesehen werden. Eine wesentliche Rolle kommt hier dem Begriff der Gestalt zu, also dem Ganzen, welche den Elementen im Einzelnen ihre Bedeutung zuweist.

An dieser Stelle für die Entwicklung der Netzwerkanalyse wichtig ist die Gestalttheorie vom österreichischen Psychologen Wolfgang Köhler. Er vertrat durch Lernexperimente mit Affen die Theorie, dass sowohl das Tier als auch der

Mensch Aufgaben sowie Probleme stets als Ganzes ansehen und dies wiederum in Beziehung zueinander setzen.54

Hieraus entwickelte sich nun die Feldtheorie für die Sozialwissenschaften von Kurt Lewin. Seiner Auffassung nach findet menschliches Handeln in Feldern statt und wird von diesen mitgeprägt. Dieses Argument beinhaltet einen strukturellen, auf die Einbettung der Akteure nehmenden Bezug. Diese Theorie hatte jedoch die Schwachstelle, dass es sich bei diesen psychologischen Feldern um Vorstellungen der Akteure über die Umwelt handelte, die sich von der Realität weit entfernen konnten.55

Das Soziogramm von Jacob Moreno war die erste grafische Darstellung, die sich mit Beziehungen von Individuen in Kleingruppen beschäftigte und gilt als einer der Vorläufer der Netzwerkanalysetechnik.56 Die Soziometrie, Messung von sozialen Beziehungen, wurde vornehmlich für die psychologische Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Gruppenmitgliedern herangezogen.57 Die damaligen Diagramme waren den heutigen sehr ähnlich. Die Personen wurden als Punkte dargestellt und ihre Beziehungen zueinander als Linien.58 Die Soziogramme konnten jedoch nur auf Kleingruppen angewendet werden und dienten vorrangig der Darstellung von sozial-emotionalen Strukturen, dadurch war es nicht möglich, sie als Analyseinstrument heranzuziehen.59

Als nächstes kann Fritz Heider genannt werden, der sich mit der Balancetheorie auseinander setzte. Er interessierte sich für die Frage, wie Individuen ihre Einstellung zu einem anderen Individuum bzw. Dingen in eine kognitive Balance bringen. Er untersuchte dafür die positiven wie negativen Beziehungen in einem Triple.60 Bildlich erklärt würde das bedeuten, wenn eine Person A Person B mag, und Person B mag Person C, dann mag auch Person A Person C. Dies kann als Beispiel für eine positive Balance gesehen werden.

Einen Durchbruch für die heutige Netzwerkanalyse stellt die Anwendung der mathematischen Graphentheorie auf die Balancetheorie durch Cartwright und Harary dar.61

Denn sowohl das Abbild einer Netzwerkstruktur grafisch gesehen wie auch die Analyse mit graphentheoretischen Modellen ist eine Grundausstattung der heutigen Netzwerkanalyse.

Rapoport und Coleman ging es dagegen schon weniger um die Balance innerhalb einer Gruppe, als um die Ausbreitung von Informationen bzw. Krankheiten innerhalb eines großen Netzwerkes. Für diese Untersuchungen waren

Soziogramme ungeeignet, da sie sich lediglich für kleine Netzwerke eigneten. Daher entwickelten sie eine statistische Methode zur Analyse großer Netzwerke.62

Die Netzwerkanalyse kann jedoch auch von der anthropologischen Entwicklungslinie her betrachtet werden.

Der Unterschied der anthropologischen zur sozialpsychologischen Entwicklungslinie liegt in der Tatsache, dass auf das Funktionieren von größeren Einheiten Wert gelegt wird und man an Prozessen von Kleingruppen nicht interessiert ist.

Der erste Anhaltspunkt lässt sich in einen amerikanischen und englischen Strang zerlegen.

Der gemeinsame Nenner beider Stränge ist Radcliffe-Brown, der zusammen mit Malinowski als einer der „Väter“ der funktionalistischen Betrachtungsweise in der Soziologie gilt.63

Radcliffe-Brown war auch der erste, der 1940 den Begriff des Netzwerkes als Metapher in die Wissenschaft einführte.64

Im Anschluss daran kann die „Manchester Group“ um Gluckman, Barnes, Bott, Nadel und Mitchell genannt werden, die in den 50er und 60er Jahren den Netzwerkansatz weiterentwickelten. Diese Gruppe interessierte sich für die

[…] in normalen und kritischen Alltagssituationen beobachteten und erfragten Beziehungen Einzelner innerhalb relativ abgegrenzter und für Forschungszwecke überschaubar gewählter Sozialzusammenhänge […].65

Vor allem Mitchell formulierte den Netzwerkbegriff in den 60er/70er Jahren weiter aus, um den bis dahin nur als Metapher genutzten Begriff des Netzwerkes eine analytische Dimension zu geben.66 Unter der Nutzung der Graphentheorie entwickelten Mitchell und Barnes ein Instrumentarium zur Beschreibung von Netzwerkstrukturen.

Vor allem Barnes, Bott und Mitchell ging es um die direkten Beziehungen von Individuen zu ihrer erlebten Umwelt.67

Nun betrachten wir den amerikanischen Strang der Netzwerkgeschichte. Auch in diesem Strang wird vom Anthropologen Warner und dem Psychologen Mayo auf Radcliffe-Brown zurückgegriffen. Sie analysierten in den 30er Jahren Gemeinden und Industriebetriebe mit der Methode der ethnografischen Feldforschung und versuchten die sozialen Strukturen in diesen Kontexten zu erfassen. In der Hawthorne-Studie erkannten sie die Bedeutung der formalen Gruppenorganisationen und setzten den Grundstein für die Human Relations Bewegung innerhalb der Disziplin Industriesoziologie. Die Studie beschäftigte sich mit dem Zusammenhang von informellen Gruppenbeziehungen und dem Leistungsniveau innerhalb einer Gruppe von Arbeitern, welche in einem weiter entwickelten Soziogramm dargestellt wurden.68 In einer weiterführenden Studie ging es um die Integration von Menschen in lokalen Gemeinschaften, wobei hier das Augenmerk auf Cliquenbeziehungen lag.69

Der Durchbruch der Netzwerkanalyse gelang schließlich den Harvardstrukturalisten um Harrison C. White mit ihrer Blockmodellanalyse. Durch dieses Modell konnten sie die Forschungsrichtung der Netzwerkanalyse erst etablieren. White und seine Forschungsgruppe ergänzten in den 70er Jahren die graphentheoretischen Modelle mit algebraischen Modellen der Gruppentheorie unter Verwendung der Matrixalgebra. Die daraus entwickelte Blockmodellanalyse war in der Lage, Daten von großen Netzwerken zu verarbeiten und aus Beziehungsdaten auf der Ebene der Akteure auf gesamtgesellschaftlicher Positions- und Rollenstrukturen zu schließen.70

Wenn ich in einem Satz zusammenfassen müsste, würde ich die Idee von Sydow71 und Weyer72 zum Thema Netzwerkanalyse aufgreifen und behaupten, dass die heutige Netzwerkanalyse eine universelle Methode zur Beschreibung von Interaktionsstrukturen zwischen Individuen bzw. Akteuren darstellt.

Mit diesem persönlichen Definitionsversuch zum Thema Netzwerkanalyse möchte ich zum jetzigen Status der Wissenschaft noch eine Anmerkung tätigen.

Die heutige Netzwerkanalyse etabliert sich immer mehr als eigene Disziplin in der Forschung. In den USA und Kanada ist der Bereich um die Netzwerkanalyse laut Jansen und anderer Autoren bereits institutionell verankert, in Deutschland beispielsweise ist sie im Kommen. Die verschiedenen Forschungsfelder erstrecken sich über die verschiedensten Disziplinen, von der Soziologie über Politikwissenschaft, usw.

In Punkt 3.6.2 Ansätze der Netzwerkanalyse widme ich mich im Speziellen Ansätzen der Netzwerkforschung, da sich auch hier Verbindungen zur Organisationstheorie erkennen lassen, die sich für die weitere Analyse nicht unerheblich außer Reichweite schieben lassen.

3.6.2 Ansätze der Netzwerkanalyse

Da der Bereich „Netzwerke“ seinen festen Platz in der Wissenschaft noch nicht gefunden hat, existieren die unterschiedlichsten Ansätze rund um die Netzwerkdiskussion.

Hier wird vor allem deutlich, wie sehr die Netzwerkanalyse mit den Organisationstheorien verbunden ist und mit dem Begriff Gesellschaft und Individuum jongliert.

In diesen Teil der Arbeit fließen somit lediglich Ansätze ein, die eine Definition im Sinne dieser Untersuchung eingrenzen können beziehungsweise zu einem besseren Verständnis der Analyse dienen.

Formaler Netzwerkansatz

Der formale Netzwerkansatz stellt einen spezifischen Forschungsansatz dar. Die angewandte Methode konzentriert sich auf die Bestimmung von Beziehungsstrukturen zwischen Akteuren. Die Kritik dieses Ansatzes liegt in der beschreibenden Vorgehensweise, was bedeutet, dass die gesellschaftliche Dynamik von Netzwerken hier weitgehend unbeachtet bleibt.73

Unter dem Punkt des formalen Netzwerkansatzes kann unter anderem auch die Soziometrie genannt werden. Die Methode beschäftigt sich mit der Messung sozialer Beziehungen.

Sie dient weniger dem Zweck einer Analyse als vielmehr der Darstellung der Strukturen in einem Netzwerk.74

Der formale Netzwerkansatz wäre in diesem Sinne also eher für die strukturellen Merkmale (siehe auch Abschnitt 4.2) geeignet als für die handlungsbezogenen. Jedoch wird unterschwellig auch in meiner Arbeit versucht, die Darstellung von Strukturen hervorzuheben.

[...]


1 Vgl. Kremer (2001), S.34.

2 Seneca (1986), S.48.

3 Vgl. Scherer (2006).

4 Vgl. Rohleder/Hirzel (2006), S.85f.

5 Vgl. Kremer (2001), S.55ff.

6 Siehe dazu die Thesen von Powell und Williamson in Bezug auf Hybridstellung bzw. Kombinationsform

7 Wichtige Begründer werden in Unterkapitel 3.6 Netzwerkanalyse erwähnt (vgl. dazu Simmel, Radcliffe-Brown, Moreno, etc); die moderneren Theorien werden in Unterkapitel 5 Theorien des

8 Vgl. Martens/Ortmann (2006), S.431ff.

9 Vgl. Theis-Berglmaier (2003), S.18f.

10 Vgl. Schenk (1984), S.2f.

11 Vgl. Powell (1990).

12 Vgl. Williamson (1991).

13 Elsholz et al. (2006), S.50.

14 Vgl. Gilbert/Kreikebaum/Reinhardt (2002), S.28f.

15 Vgl. Storn (2003), o.S.

16 Vgl. Ebers/Gotsch (2006), S.247.

17 Vgl. Williamson (1991), S.269ff.

18 Vgl. Powell (1990), S.243ff.

19 Hier soll lediglich erwähnt werden, dass die Begriffe Markt und Hierarchie später unter den Begriffen Vertrag und Organisation wieder gefunden werden können.

20 Vgl. Neuburger/Wolff (1995), S.84.

21 Vgl. Wiedmann (2004), S.978.

22 www.stefan-kreher.de

23 Schreyögg (1999), S.5.

24 Vgl. Gutenberg (1983), S.235.

25 Vgl. Schreyögg/v.Werder (2004), S.968.

26 ebenda, S.969.

27 Vgl. Rottenburg (2002), S.101.

28 Schreyögg/v.Werder (2004), S.970.

29 Vgl. Beck/Schulz (2002), S.142ff.

30 Vgl. Schmidt (2006), S.1.

31 Graßmann/Wolff (2004), S.1588.

32 Graßmann/Wolff (2004), S.1588.

33 Vgl. Flessner/Kötz (1996), S.7.

34 Vgl. Ebers/Gotsch (2006) S.259ff.

35 Vgl. Graßmann/Wolff (2004), S.1589.

36 Vgl. Ripperger (2003), S.32.

37 Vgl. Powell (1996), S.213ff.

38 Vgl. Staber (2004), S.932.

39 Vgl. Schreyögg (2004), S.899f.

40 Vgl. Heuser (2006), S.2.

41 Vgl. Schreyögg (2004), S.900.

42 Zu dieser These vergleiche am Schluss Powell (1996), S.213ff.

43 Vgl. Jansen (2003), S.271.

44 Vgl. Sydow (1993), S.75.

45 Vgl. Schreyögg/v.Werder (2004), S.971.

46 Vgl. Payer (2002), S.23.

47 www.adlexikon.de

48 Vgl. Graßmann/Wolff (2004), S.1588f.

49 Teubner (2004), S.13.

50 Vgl. Powell (1996), S.213ff.

51 Vgl. v. Kardoff (1989), S.32.

52 Windeler (2001), S.91.

53 Vgl. de Brün/Klapdor (2004), S.2.

54 Vgl. http://wkprc.eva.mpg.de

55 Vgl. Lewin (1963), S.209ff.

56 Vgl. Sydow (1993), S.121.

57 Vgl. Jansen (2003), S.40.

58 Vgl. Scott (1991), S.10.

59 Vgl. www.soziogramm.com

60 Vgl. Jansen (2003), S.40.

61 Vgl. Scott (1991), S.12.

62 Vgl. Jansen (2003), S.41f.

63 Vgl. ebenda, S.42f.

64 Vgl. Schenk (1984), S.2f.

65 v. Kardorff (1989), S.35.

66 Vgl. Pappi (1987), S.13.

67 Vgl. Jansen (2003), S.43f.

68 Vgl. Scott (1991), S.18.

69 Vgl. Jansen (2003), S.45ff.

70 Vgl. Jansen (2003), S.47.

71 Vgl. Sydow (1992), S.121.

72 Vgl. Weyer (2000), S.17.

73 Vgl. Hellmer/Friese/Kollros/Krumbein (1999), S.55.

74 Vgl. de Brün/Klapdor (2004), S.3.

Details

Seiten
177
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640196487
ISBN (Buch)
9783640196562
Dateigröße
3.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v116919
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
3
Schlagworte
Gesellschaft Netzwerk Netzwerkstruktur Internet xing Netzwerkanalyse Typologie von Netzwerken Steuerungsform von Netzwerken Netzwerktypen Hierarchiearten von Netzwerken Kleine Welt Phänomen Stärke der schwachen Links Skalenfreie Netze Geschichte des Networking Aufbau von Netzwerken Werkzeuge des Networking Reziprozität

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