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Agrar u. Entwicklungspolitik: Interdependenzen zweier Politikbereiche

Seminararbeit 2002 17 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Gliederung

1 Einführung
1.1 Problematik
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen der Entwicklungspolitik
2.1 Die Begriffe Entwicklungs- und Industrieländer
2.2 Ursachen für die Unterentwicklung der Dritten Welt
2.3 Ziele und Gründe der Entwicklungspolitik
2.4 Zeitlicher Überblick der Entwicklungspolitik

3 Internationale Agrarpolitik
3.1 Die Agrarpolitik der USA und der EU
3.2 Arten der Exportförderungen der EU
3.3 Auswirkungen der Nahrungsmittelexporte
3.4 Beispiele für die Auswirkungen von Nahrungsmittelexporten

4 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis:

1 Einführung

1.1 Problematik

Die Agrarproduktion in den Entwicklungsländern reicht zur selbständigen Versorgung dieser Länder nicht aus. Durch technische, finanzielle und humanitäre Hilfe sollen diese Missstände behoben und eine Verbesserung der Situation herbeigeführt werden. Dabei kommt es zu Konflikten zwischen den verschiedenen Politikbereichen, die im weiteren Verlauf der Arbeit näher erläutert werden.

1.2 Aufbau der Arbeit

Nach der Einführung in Kapitel 1 sollen in Kapitel 2 Grundlagen der Entwicklungspolitik erarbeitet werden. Dabei werden die Begriffe Entwicklungs- und Industrieländer definiert und Ursachen für die Unterentwicklung erläutert. Im weiteren Verlauf werden Ziele und Historie der Entwicklungspolitik dargestellt.

In Kapitel 3 folgt die Analyse der Agrarpolitik. Hier wird insbesondere auf die USA und Europa eingegangen. Für die Europäische Union werden Agrarexportförderungen näher erläutert und deren Auswirkungen an Beispielen in Afrika erklärt. Abschließend werden die Erkenntnisse in Kapitel 4 zusammengefasst.

2 Grundlagen der Entwicklungspolitik

2.1 Die Begriffe Entwicklungs- und Industrieländer

Die Entwicklungsländer werden definiert als die Länder, deren Entwicklungsstandard hinter dem von Ländern liegt, die als Norm angesehen werden (vgl. WAGNER 1997, S. 5). Dabei hat sich die Entwicklung in der Vergangenheit auf Europa, Nordamerika, Japan und Ozeanien konzentriert. Hier leben 15% der Weltbevölkerung und die vertretenden Staaten werden als Industrienationen bezeichnet. Daraus ergibt sich folgende Aufteilung der Welt:

„Erste Welt“ (westliche Industriestaaten: USA, Kanada, Westeuropa, Japan, Australien, Neuseeland),

„Zweite Welt“ (ehemalige kommunistische Staaten in Osteuropa und Ostasien),

„Dritte Welt“ (Entwicklungsländer: alle übrigen Länder ) (vgl. WAGNER 1997, S. 6 ff.).

Die Länder der Dritten Welt haben einen wenig erfolgreichen Entwicklungsprozess hinter sich. Der Grossteil der Bevölkerung lebt hier in materieller Armut am Rande des Existenzminimums. Grundbedürfnisse können oft nur ausreichend oder mangelhaft befriedigt werden (vgl. HEMMER 1988, S. 4 ff.). Als Beispiele dieser Missstände und schlechter Lebensbedingungen werden Krankheiten, Analphabetismus, Verwahrlosung, Hunger, Unterernährung und schlechte Wohnverhältnisse angeführt. Im Verhältnis dazu sind in den Industrieländern wenige Menschen von dieser Problematik betroffen. Entwicklungsländer können als arm, rückständig und unterentwickelt bezeichnet werden. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Menschen in diesen Staaten lebt und mehr als fünf sechstel der Staaten dieser Erde Entwicklungsländer sind, tragen diese Länder sehr wenig zum Bruttosozialprodukt der Welt bei (vgl. BOHNET u. FLEISCH 1997, S. 12). Insgesamt sind diese Länder für weniger als 5% des Welthandels verantwortlich. Durch das schnelle Bevölkerungswachstum der Entwicklungsländer wird diese Tendenz weiter verstärkt. Immer mehr Menschen teilen immer weniger lebensnotwendige Güter. Das führt zu ansteigender Armut und immer schlechter werdenden Lebensbedingungen (vgl. HEIN 1998, S. 25.ff.).

Diese großen Unterschiede veranlassen die Industrienationen für einen Ausgleich der Verhältnisse zu sorgen. Somit wurden entwicklungspolitische Maßnahmen zu Gunsten der Entwicklungsländer ergriffen. Diese werden im weiteren Verlauf der Arbeit näher erläutert. Sie wirken jedoch nur in einem geringem Umfang, da die finanziellen Ressourcen knapp sind und die politische Lobby der Entwicklungsländer fehlt (vgl. HEMMER 1988, S. 6 ff.).

2.2 Ursachen für die Unterentwicklung der Dritten Welt

Wie im Kapitel 2.1 näher erläutert, gibt es die Aufteilung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Verschiedene Entwicklungstheorien versuchen Gründe für die Unterentwicklung zu finden und zu erklären, warum es zu bestimmten Entwicklungsprozessen gekommen ist.

Die natürlichen Gegebenheiten und das Klima sind Ursache für den mangelnden Fortschritt. Zum einen kann die unzureichende Faktorausstattung und Rohstoffmangel bestimmte Länder benachteiligen. Auch kann der Entwicklungsprozess durch umfangreiche Vorkommen an natürlichen Ressourcen behindert werden. Dies kommt durch das Fehlen von Anreizen zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität. Auch niedrige Rohstoffpreise sind ein Entwicklungshemmnis (vgl. INFORMATIONEN ZUR POLITSCHEN BILDUNG 1989, S. 14).

Zum anderen gibt es die Theorie, dass der Kolonialismus (äußere Ursache) verantwortlich für die Unterentwicklung ist. Der durch die Kolonialherren hervorgerufene Kulturschock behinderte die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung.

Des weiteren wird ein Grund für Unterentwicklung auch im Protektionismus der Industrieländer gesehen. Zuerst werden Entwicklungshilfeprojekte zur Förderung des Exportes von Industrieerzeugnissen und Agrarprodukten gegründet. Wenn die gewünschten Exporterfolge eintreten, werden politische Maßnahmen zur Sicherung von heimischen Arbeitsplätzen in den Industrieländern ergriffen. So kommt es zu „freiwilligen Exportbeschränkungen“ der Entwicklungsländer (vgl. LACHMANN 1994, S. 47).

Auch Kultur und Religion (innere Ursachen) können entwicklungshemmend wirken, wenn dadurch notwendige Strukturreformen ausbleiben und neue Verhaltensmuster abgelehnt werden.

Weiter ist das politische System mitentscheidend für den Wohlstand eines Landes. Wenn Anreize zur Schaffung von Privateigentum fehlen, bleiben Innovationen durch Unternehmer aus und der Fortschritt des Landes wird behindert.

Auch hemmen niedrige Preise bei Agrarerzeugnissen die Entwicklung der Landwirtschaft und damit dem wichtigsten Wirtschaftsbereich der Entwicklungsländer. Dies ist begründet durch fehlende Produktionsanreize für Bauern und niedrige Weltmarktpreise für Agrarprodukte. Dadurch entsteht in vielen Entwicklungsländern die Notwendigkeit Nahrungsmittel zu importieren. So muss ein großer Anteil der Devisen aus Exporterlösen für die Grundversorgung der Bevölkerung aufgewendet werden und kann nicht für Investitionen in die Weiterentwicklung genutzt werden. Durch diese Niedrigpreispolitik kam es insbesondere in Afrika zu einer massiven Hemmung des Entwicklungsprozesses (vgl. LACHMANN 1994, S. 49. ff.).

2.3 Ziele und Gründe der Entwicklungspolitik

Die großen Ungleichgewichte haben in der Vergangenheit zu Maßnahmen zur Förderung der Dritten Welt geführt. Die Europäische Union (EU) wollte nachhaltig die wirtschaftliche, politische und soziale Entwicklung der Entwicklungsländer verbessern. Dabei sollten die armen Staaten besser in das Geflecht der Weltwirtschaft eingebunden werden. Oberstes Ziel war die Armutsbekämpfung mit der Beschleunigung der allgemeinen Entwicklung zur Verbesserung der Lebensbedingungen. Die großen Ungleichgewichte und die dabei immer weiter wachsende Lücke (<gap>) zwischen beiden Polen sollte verkleinert werden (vgl. WAGNER u. KAISER 1995, S. 246 u. S. 257). Des weiteren wurde eine Verbesserung der Produktionsstruktur zur Steigerung der Effizienz, eine gerechtere Einkommensverteilung sowie ein Wachstum angestrebt, damit sich die Lebensumstände verbessern konnten.

Indikator für diese Missstände ist das Pro-Kopf-Einkommen (PKE) und dessen prozentualen Veränderung im Zeitablauf. Hierbei fällt das extrem niedrige PKE bei den unterentwickelten Länder auf. Dies hängt mit dem hohen Bevölkerungswachstum zusammen, das die Steigerung des Brutto-Inlands-Produktes ausgleicht (vgl. HEMMER 1988, S. 57 ff.). Es wird jedoch keine Aussage über die Verteilung des Reichtums und der Armut zwischen den einzelnen sozialen Schichten und Geschlechtern, Kern- und Randregionen, Stadt und Land gemacht (vgl. BRIESKORN 1997, S. 25).

Bei der Betrachtung des Begriffes Entwicklungspolitik gibt es zwei Perspektiven. Aus Sicht der Entwicklungsländer handelt es sich um eine Wirtschaftspolitik. Bei der Betrachtung aus Sicht der Geberländer ist es eine aktive Hilfestellung zur Entwicklung anderer Länder. Hierbei geht es um die Förderung von Projekten durch staatliche Institutionen. Dabei wird technische Hilfe, Beratung und finanzielle Förderung geleistet, insbesondere im Agrarbereich, auf den im weiteren Verlauf dieser Arbeit näher eingegangen wird (vgl. WAGNER 1997, S. 7ff.).

2.4 Zeitlicher Überblick der Entwicklungspolitik

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gab es Verhandlungen über die Struktur des internationalen Wirtschaftssystems. Dabei dominierten die USA und Großbritannien und es wurde der freiheitliche, internationale Warenhandel festgelegt.

Die negativen Erfahrungen der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 zeigten, dass es für ein funktionstüchtiges Wirtschaftssystem Kontrollorgane zur Steuerung und Überwachung geben muss. Deshalb wurden drei Institutionen,- Internationaler Währungsfond (IWF), Weltbank und das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT),- geschaffen. Der IWF ist für die internationale Wechselkursstabilität und die Austauschbarkeit von Währungen zuständig. Die Weltbank ist für Wiederaufbau und Entwicklung von Ländern verantwortlich. Sie hilft krisengeschüttelten Regionen mit Krediten, insbesondere den Entwicklungsländern, um deren wirtschaftliche Situation zu verbessern und zu stabilisieren. Das Zoll- und Handelsabkommen versucht Einfuhrbeschränkungen und Zölle abzubauen und den internationalen Handel zu stimulieren (vgl. INFORMATIONEN ZUR POLITSCHEN BILDUNG 1989, S. 16).

Die Entwicklungsländer hatten auf die Bestimmung der Aufgaben dieser Organe wenig Einfluss. Deshalb wurden keine Regelungen in dem wichtigen Bereich „Rohstoffe“ gefunden (vgl. ANDERSEN 1988, S. 17 ff.).

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638177573
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11651
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Wirtschaftsgeorafie
Note
1,3
Schlagworte
Agrarpolitk Entwicklungspolitik 3 Welt Entwicklungsländer

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