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Elite durch Bildung

Eine Analyse des Zusammenhangs zwischen deutscher Macht-Elite und dem Einfluss der Bildung

Hausarbeit 2008 19 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2. Der Begriff Elite und seine soziologische Bedeutung
2.1 Elite nach Dahrendorf
2.2 Elite nach Scheuch
2.3 Elite nach Geißler
2.3.1 Die deutsche Macht-Elite
2.3.2 Elite, Schicht und Bildungszugang
2.3.3 Bildungstendenzen und Bildungschancen in Deutschland
2.3.4 Die Ursachen der Bildungsungleichheit

3. Resümee

4. Literaturverzeichnis

Abstract

Elite is a term we came to use very often in everyday life. We relate this term to many different branches of life. Without having a clear idea of what elites really are, we are talking about financial elites as well as scientific elites and sports elites. In this essay we are going to outline the sociological definition of the term elite and the emergence and recruitment of these.

1. Einleitung

Der Begriff Elite begegnet uns im alltäglichen Sprachgebrauch immer häufiger in den unterschiedlichsten Kontexten. Wir sprechen über Finanz-Eliten, Bildungs-Eliten, Sport-Eliten, etc. Eine genaue Begriffsdefinition haben wir dabei meistens nicht im Kopf. Der Begriff Elite hat sich eingebürgert und beschreibt etwas, wovon man eigentlich kein klares Bild hat, aber trotzdem Subjekte der Gesellschaft zuordnen kann. Auch über die Frage, wie sich Eliten konstituieren machen wir uns keine Gedanken, wenn wir über Eliten sprechen.

In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, was der Begriff Elite in der Soziologie überhaupt bedeutet und wie sich Eliten eigentlich rekrutieren. Zu Beginn wird der Begriff Elite unter Berücksichtigung verschiedener theoretischer Ansätze vorgestellt. Im Anschluss wird die Entstehung, bzw. Rekrutierung von Eliten genauer beleuchtet. Daran anschließend erfolgt eine Diskussion der Zugangschancen zum Bildungssystem in Deutschland und wie diese mit dem Zugang zur deutschen Macht-Elite zusammenhängen. Es werden die Ähnlichkeiten der Auswahl in beiden Systemen aufgezeigt und herausgearbeitet wie Bildungsabschlüsse den Einzug in Eliten beeinflussen.

2. Der Begriff Elite und seine soziologische Bedeutung

In diesem Teil der Arbeit wird ein Überblick über verschiedene Ansätze zur theoretischen Beschreibung von Eliten gegeben. Im historischen Verlauf haben sich viele verschiedene Autoren mit diesem Thema auseinandergesetzt. Natürlich würde der Rahmen dieser Arbeit gesprengt, wenn alle Ansätze vorgestellt würden und so beschränkt sich diese Arbeit auf die Vorstellung einiger weniger aussagekräftiger Ansätze.

Im soziologischen Kontext wird Elite als Begriff verwendet, der sich auf die politische Elite eines Landes bezieht. Der Begriff geht einher mit dem Begriff Macht und in diesem Kontext kennzeichnet er die Gruppe der Machtinhaber. Das Lexikon der Soziologie beschreibt Elite als „die Summe der Inhaber von Herrschaftspositionen, deren Entscheidungen aufgrund ihrer Positions-Rollen gesamtgesellschaftliche Folgen haben können.“ (Fuchs-Heinritz u.a. 1995: 163). In einem nächsten Schritt wird die politische Elite Deutschlands nach Dahrendorf und Scheuch kurz erklärt, die sich jeweils aus unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen mit Elite auseinandergesetzt haben. Danach wird das Modell von Geißler vorgestellt.

2.1 Elite nach Dahrendorf

Dahrendorf bezieht sich bei seinen Ausführungen auf die deutsche Elite und beschreibt diese als pluralistisch. Er erkennt keine Einheit in der Elite, die als verbindendes Merkmal die Elite kennzeichnen könnte. Diese Aussage manifestiert er durch die Anbringung des Beispiels der politischen Elite in Deutschland. Hier sei besonders gut zu erkennen, dass die Elite pluralistisch ist, da sie in unterschiedliche, gleichgestellte und unabhängige Teileliten aufgeteilt ist, die darüber hinaus untereinander in einem Konkurrenzkampf stehen (vgl. Dahrendorf 1968: 296f.).

Auch auf der sozialen Ebene stellt Dahrendorf einen Pluralismus fest. Die Eliteangehörigen weisen sehr unterschiedliche Lebensläufe auf und unterhalten zumeist keine verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Verhältnisse untereinander. Auch kulturell bildet sich keine einförmige Elite heraus, da die einzelnen Mitglieder über eigene Ansichten und Meinungen verfügen und diese auch vertreten und somit auch hier kein gemeinsamer Nenner ausgemacht werden kann (siehe hierzu Dahrendorf 1968: 258, 296).

Zur Rekrutierung von Eliten erklärt Dahrendorf, dass diese sich in den meisten Fällen selbst rekrutieren. Die Rekrutierung erfolgt häufig aus den höheren sozialen Schichten. Besonders Beamte und Juristen gehören seiner Meinung nach der deutschen Elite an. Die deutsche Elite ist „durch Positionshäufungen und informelle Beziehungen miteinander verflochten, doch reichen diese Gemeinsamkeiten seiner Meinung nach nicht aus, um die deutsche Elite zu einer etablierten, d.h.: kohärenten und monistischen Elite zu machen“ (Felber 1986: 47). Die einzige Gemeinsamkeit der Elitemitglieder ist laut Dahrendorf ihre Zugehörigkeit zur Elite. In diesem Zusammenhang spricht er auch von einer „abstrakten Elite“ (Dahrendorf 1968: 306).

Zur Erklärung des Fehlens einer kohärenten Elite in Deutschland führt Dahrendorf an, dass sich im historischen Verlauf gezeigt habe, dass die einzelnen Gruppen in Deutschland schon immer gegeneinander in einem Konkurrenzkampf gestanden hätten und so die Ausbildung einer homogenen Elite dem Kampf der Einzelnen um die Macht zum Opfer gefallen sei (vgl. hierzu Dahrendorf 1968: 297).

An diesem Beispiel wird deutlich, wie schwierig es ist, Elite zu definieren. Aus Dahrendorfs Annahmen lässt sich jedoch ableiten, dass sich Eliten durch Homogenität auszeichnen sollten. Sie sollten über einen gemeinsamen Nenner verfügen, ein Bindeglied haben und ein gemeinsames Ziel verfolgen. Dahrendorf konnte eine solche Elite in Deutschland nicht feststellen, obwohl er zugab, dass sich die Elite aus sich selbst rekrutiert. Dass also Elitemitglieder neue Mitglieder aus gleichen Schichten, also mit ähnlichen Attributen wie den eigenen, rekrutiert. Dies spricht schon für einen gemeinsamen Nenner innerhalb der Elite Deutschlands, denn die Elitemitglieder scheinen nach bestimmten Kriterien die Auswahl der neuen Mitglieder zu treffen. Innerhalb der Elite scheint es also doch einen gemeinsamen Nenner zu geben, der auch die Auswahlkriterien beeinflusst. Nur scheint dieser innerhalb Deutschlands unter den Teileliten stark zu differieren, so dass sich keine homogene Elite etablieren konnte.

2.2 Elite nach Scheuch

Den Pluralismus der deutschen Elite erklärt Scheuch systemtheoretisch-funktionalistisch. Er bezeichnet die Aufgabe der Elite als das Treffen von Entscheidungen für gesellschaftliche Gruppen, denen so Entscheidungen erleichtert und sogar abgenommen werden können. Die Elite besteht aus Menschen, die selbst nur über eingeschränkte Informationsverarbeitungs- und Entscheidungskapazitäten verfügen. Um diese Kapazitäten nicht zu überbeanspruchen, ist es eine notwendige Bedingung, dass von der Elite Entscheidungen in begrenzter Zeit mit begrenzten Informationen getroffen werden können (vgl. Felber 1986: 51). Durch die stetige Weiterentwicklung der Gesellschaft wird es für die Elite immer schwieriger zu Entscheidungen zu kommen, da die Komplexität stark angestiegen ist und die Kapazitäten der Elite immer mehr an ihre Grenzen bringt und überfordert. Die Elite reagiert auf diese Veränderungen mit einer Verringerung der Komplexität und einer Reduktion ihrer Überforderung. Scheuch spricht von einer Arbeitsaufteilung innerhalb der Elite. Es differenzieren sich Teilbereiche aus, die jeweils für bestimmte Entscheidungen zuständig sind. So kann die Komplexität deutlich verringert werden, da jeder Teilbereich nicht mehr mit der gesamten Komplexität konfrontiert wird, sondern nur noch einen gewissen Entscheidungsbereich hat, der mit den vorhandenen Kapazitäten problemloser bearbeitet werden kann. Scheuch nennt diesen Prozess der Emergenz von Teileliten die „Anpassung an die Komplexität von Aufgabenstellungen“ (Scheuch 1972, 328). Das Resultat ist jedoch eine nicht mehr homogene Elite.

Eine weitere Folge der Differenzierung innerhalb der Elite Deutschlands ist kaum Gemeinsamkeit zwischen den einzelnen Mitgliedern der Teileliten zu haben. Ihre einzige Gemeinsamkeit liegt in der Macht, die sie über die Entscheidungen in ihren jeweiligen Teilbereichen haben. „Die deutsche Elite bilde eine Kategorie von Menschen, die sich kaum kennen und in sozialer Herkunft, Selbstverständnis, kulturellen Interessen, politischen Einstellungen, Lebensführung und Umgangsformen nichts gemeinsam haben“ (Felber 1986: 52).

Die beiden vorgestellten Modelle von Dahrendorf und Scheuch beziehen sich hauptsächlich auf die politische, also die herrschende Elite. Im folgenden Kapitel wird der Begriff Elite noch einmal unter sozialstrukturellen Aspekten beschrieben, bevor dann auch die Frage nach der Rekrutierung von Eliten und den Zugangschancen einzelner zur Elite erklärt werden.

2.3 Elite nach Geißler

Geklärt werden soll sozialstrukturanalytisch die Zusammensetzung der deutschen Elite unter schichtspezifischen Gesichtspunkten. Wer bekleidet Positionen innerhalb der deutschen Elite? Welche Faktoren machen die Rekrutierung in die Elite wahrscheinlicher? Wie sieht die Chancenverteilung innerhalb der Gesellschaftsschichten aus? Diese Fragen gilt es im Folgenden zu beantworten.

2.3.1 Die deutsche Macht-Elite

Im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen der Adel gleichzeitig die herrschende Elite repräsentierte, weil nur Adelige herrschten und die Positionen der Macht innerhalb des Adels vererbt wurden, besteht die deutsche Elite nicht mehr nur aus Adeligen. Interessant erscheint aber zumindest, dass auch heutzutage noch der Adel innerhalb der Elite stark vertreten ist. Besonders häufig trifft man Adelige innerhalb der deutschen Elite im diplomatischen Dienst und der Generalität an. Dabei leben in Deutschland lediglich 60 – 70 000 Adelige. Verglichen mit dem übrigen Anteil der deutschen Bevölkerung ist das eine sehr geringe Anzahl und dementsprechend gering sollte ihr Anteil an der Elite sein. Dies ist jedoch nicht der Fall. Obwohl kaum mehr Machtpositionen in Deutschland vererbt werden, scheint der Adel noch immer einen großen Einflussfaktor darzustellen. Man könnte sagen, dass es sich durchaus um ein Rekrutierungskriterium handelt. Es lässt sich die Hypothese aufstellen, Adel erhöht die Wahrscheinlichkeit in die deutsche Elite rekrutiert zu werden. Vermutlich hängt dies auch mit dem nach wie vor in den Köpfen der Bevölkerung verhafteten Prestigedenken zusammen, das Adelstiteln grundsätzlich ein höheres Prestige unterstellt als den Bürgerlichen. Auch die Bekleidung einer Position innerhalb der Elite geht mit einem höheren Prestige einher (vgl. Dornheim 1990: 49).

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Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640181520
ISBN (Buch)
9783640181605
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v116423
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Schlagworte
Elite Bildung

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