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Was ist Armut und wie kann sie bekämpft werden?

Hausarbeit 2002 17 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Gliederung

1. Problemstellung

2. Erklärungsversuche des Armutsbegriffs
2.1 Erster Darstellungsversuch - ein Überblick
2.2 Absolute vs. Relative Armut

3. Messung der Armut

4. Entwicklung der Armut
4.1 Zeitliche Entwicklung von Armut
4.2 Risikogruppen von Armut
4.3 Auswirkungen der Armut auf die Betroffenen

5. Armutsbekämpfung9

6. Resumee

A. Literaturverzeichnis

1. Problemstellung

Armut, insbesondere in der heutigen Zeit, ist mehr denn je ein soziales bzw. gesellschaftliches Problem. Diese Tatsache läßt sich daran ersehen, daß eine große Anzahl an politischen Debatten geführt werden, die dieses Problem thematisieren. Es wird nach Lösungen und Möglichkeiten gesucht, die verbreitete Armut in den verschiedensten Schichten der Gesellschaft zu bekämpfen und bestenfalls sogar versuchen zu vermeiden (vgl. Hradil 2001, S. 243). Es ist nämlich ein Trugschluß zu glauben, daß Armut lediglich auf persönliches Versagen zurückzuführen ist, denn „in einer aufgeklärten Zeit [ist] die gesellschaftliche Mitverantwortung in vielen Fällen unübersehbar“ (Neumann/Schaper 1998, S. 244).

Des weiteren handelt es sich bei der Armut um ein sehr offensichtliches und überregionales Problem. Es ist für jeden nachvollziehbar, da man des öfteren bei Spaziergängen in Ballungsgebieten der Bundesrepublik Deutschland oder bei Urlaubsausflügen in südlichen Ländern, um nur ein paar Beispiele zu nennen, mit Elend und Armut konfrontiert werden kann.

Armut ist aber nicht nur ein Problem des jetzigen Jahrhunderts, sondern war schon in der Vergangenheit ein Thema. Armut dient „seit jeher zur Kennzeichnung von Elendslagen aller Art“ (Sidler 1989, S. 114), jedoch hat sich aber die Struktur über die Zeit hinweg qualitativ und quantitativ verändert. Der Sozialstaat, das Wirtschaftswunder und die Wohlstandsexplosion führten beispielsweise zu strukturellen Veränderungen. Eine letztendliche Beseitigung konnte jedoch nicht realisiert werden (vgl. Geißler 1992, S. 166).

Diese Hausarbeit befaßt sich mit der Thematik der Armut. Ziel ist es, den Leser über die Problematik zu informieren, da die Bedeutung und die Dringlichkeit nicht von der Hand zu weisen sind. Ferner soll der Leser mit Schwierigkeiten konfrontiert werden, die sich innerhalb dieses Kontexts eröffnen.

Um dies jedoch zu gewährleisten, wird zunächst (Kapitel 2) ein Versuch unternommen, das Konstrukt `Armut` zu erklären. Das Hauptaugenmerk wird hier auf die Unterscheidung von absoluter und relativer Armut gelegt, da dies in der Literatur eine sehr weite Verbreitung gefunden hat. Anschließend (Kapitel 3) widmet sich die Arbeit der Messung von Armut und zeigt die damit verbundenen Schwierigkeiten. Nachdem dies geschehen ist, konzentriert sich das Werk darauf, dem Leser einen Überblick (Kapitel 4) über die Entwicklung von Armut zu geben. Dabei werden die Risikogruppen (Kapitel 4.2) und insbesondere die Auswirkungen der Armut (Kapitel 4.3) auf die betroffenen Personen beleuchtet. Im angliedernden Kapitel 5 wird letztendlich die Armutsbekämpfung thematisiert. Dabei ist zu vermerken, daß der Kern dieses Aufsatzes nicht alle politischen Ansatzpunkte fokussiert, da dies zu komplex und zu ausführlich wäre und somit den Rahmen dieser Arbeit bei weiten überschreiten würde. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht neben den individuellen Möglichkeiten der Bekämpfung auch das System der Sozialhilfe. Das Resumee (Kapitel 6) bildet dann den Abschluß dieser Arbeit.

2. Erklärungsversuche des Armutsbegriffs

2.1 Erster Darstellungsversuch - ein Überblick

Bei der Armut handelt es sich nicht um einen neuzeitigen Begriff. Die Wurzeln lassen sich sehr weitreichend in die Geschichte zurück verfolgen. Seit jeher beschreibt dieses Wort ganz allgemein einen Zustand des Elends bzw. des Mangels. Armut könnte man als „defizitäre Lebenslage“ (Eckardt 1997, S. 26) eines Individuums oder einer Gruppe bezeichnen. In Armut wird also nicht nur „eine finanzielle Benachteiligung gesehen, sondern eine soziale Verdrängung und Randständigkeit sowie eine Einschränkung gesellschaftlicher Teilhabe und Teilnahme“ (Adamy/Steffen 1998, S. 10).

Ursprünglich gehörte der Begriff `Armut` in die Alltagssprache, später hingegen siedelte er sich in die Wissenschaftssprache ein. Kennzeichnend aber ist die Tatsache, daß der Begriff eine genaue und klare Antwort entbehrt, was genau Armut in der Wissenschaft und in der Alltagssprache bedeutet (vgl. Sidler 1989, S. 113 - S. 114 und S. 117). Es existiert gegenwärtig „nur eine begrenzte Übereinstimmung in der sozialwissenschaftlichen Literatur darüber, wie eine zuverlässige und allgemeingültige Definition und Bestimmung der Kriterien von Armut vorzunehmen sei“ (Bieback/Milz 1995, S. 8). Eine Einigung läßt sich nur dahingehend erkennen, daß es sich um „eine negativ bewertete Situation von Menschen [handelt], die dadurch gekennzeichnet ist, daß ihnen etwas fehlt, was sie brauchen bzw. was andere haben“ (Sidler 1989, S. 117). Bei näherer Betrachtung der einschlägigen Literatur kann festgestellt werden, daß Armut unter verschiedensten Gesichtspunkten strukturiert werden kann. Eine Möglichkeit ist die Unterscheidung in die enge und weite Armut. Darunter ist auf der einen Seite „das Fehlen materieller Güter“ (ebenda, S. 117) gemeint. Voraussetzung ist eine exakt operationalisierbare Grenze, um festzulegen, ab wann der Grad des Mangels eine Armutsituation darstellt.

Auf der anderen Seite steht demgegenüber die weite Armut. Danach ist Armut nicht nur begrenzt auf die materielle Not, sondern weitere Bereiche des täglichen Lebens werden miteinbezogen. Der Begriff erstreckt sich auf die unterschiedlichsten Dimensionen des menschlichen Daseins, bspw. beinhaltet es Wohnung, Verkehr und Gesundheit. Dadurch kommt die Mehrdimensionalität des Armutbegriffs zum Ausdruck (vgl. ebenda, S. 117 - S. 118).

Der Begriff kann desweiteren ebenfalls in eine primäre, sekundäre und tertiäre Armut unterschieden werden. Die primäre Armut beinhaltet das physische Existenzminimum, d.h. einen Mangel, der sogar bis zum Tod des Betroffenen führen kann (vgl. Schäuble 1984, S. 243). Die sekundäre Armut befaßt sich mit subjektiv empfundenen Mangelgefühlen der Personen, „die sich beim Vergleich mit bessergestellten anderen einstellen (Sidler 1989, S. 119). Die tertiäre Armut hingegen schließt eher psychosoziale Mangelzustände ein (vgl. ebenda, S. 119). Es handelt sich eher „um eine relative Armutsbestimmung, die besonders für Industriestaaten geltend, auf den jeweils gesellschaftsspezifische ökonomischen, sozialen, kulturellen, medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Normalzustand bezogen werden soll“ (Schäuble 1984, S. 243)

2.2 Absolute versus relative Armut

Ein weiteres Abgrenzungskriterium der Armut ist die Möglichkeit des absoluten oder des relativen Armutsbegriffs. Diese Gliederungsmöglichkeit ist in der Fachliteratur sehr weit verbreitet.

Die absolute Armut ist eine Betrachtungsweise, die sehr einseitig die Problematik beleuchtet. Lediglich das physische Existenzminimum steht im Mittelpunkt (vgl. Huster 1996, S. 22 - S. 23). Wenn „ein Mensch, für sich betrachtet und unabhängig von dem, wie es anderen geht, also absolut gesehen, zuwenig hat, um die ihm zugebilligten Grundbedürfnisse zu befriedigen“ (Sidler 1989, S. 123), wird er als arm angesehen. Absolute Armut, bedingt durch ihre Orientierung an der physischen Existenz, „beginnt erst dann, wenn die Gefahr des Hungertods oder des Erfrierens besteht“ (Hradil 2001, S. 244). Damit ist insbesondere „ein Mangel an Mitteln zur Ernährung, für Kleidung, Unterkunft und der Gesundheitsfürsorge“ (Huster 1996, S. 22) gemeint.

Aufgrund sozialer und ökonomischer Entwicklungen in den Industrieländern ist die Wissenschaft mehr und mehr von dem absoluten Armutsbegriff abgekommen und ersetzte ihn durch die relative Armut (vgl. Geissler 1992, S. 166). Die Relativität kommt dadurch zum Ausdruck, daß ein Vergleich hinsichtlich der Benachteiligung mit der übrigen Gesellschaft vorgenommen wird. „Armut muß in Relation zum allgemeinen Wohlstand einer Gesellschaft definiert werden“ (Adamy/Steffen 1998, S. 7). Darüber hinaus ist dieser Armutsbegriff mehr denn je „an der Sicherung des jeweiligen materiellen und immateriellen Lebensbedarf orientiert und beschreibt das Unterschreiten des sozio-kulturellen Existenzminimums“ (Alisch/Dangschat 1998, S. 20). Dieses sozio-kulturelle Existenzminimum unterstreicht die möglichen negativen Folgen von Armut für den Betroffenen. Denn Armut, abgesehen vom finanziellen Aspekt, beeinflußt doch sehr stark oder besser gesagt schränkt das tägliche Leben sehr massiv ein (Mehrdimensionalität von Armut). Als in diesem Kontext erwähnenswerte Tatsache gilt folgendes: „Die Standards des jeweiligen sozio-kulturellen Existenzminimums unterscheiden sich nicht nur von Land zu Land, sie ändern sich auch im Laufe der Zeit“ (Hradil 2001, S. 244).

Innerhalb des relativen Armutsverständnisses kommt es zur Unterscheidung des Ressourcenansatzes auf der einen Seite und dem Lebenslagenansatzes auf der anderen Seite. Der Ressourcenansatz ist ein eindimensionales Konzept, während es sich bei dem Lebenslagenansatz um ein mehrdimensionales Konzept handelt.

Armut, unter dem Gesichtspunkt des Ressourcenkonzepts liegt dann vor, „wenn keine ausreichenden Hilfsmittel des Handelns, wenn insbesondere zu geringe Geldmittel vorhanden sind“ (ebenda, S, 243). In den modernen Gesellschaften kann man alles mit Geld kaufen, was zur Grundbedarfsdeckung dient. Es stellt sich heraus, der Ansatz „basiert auf einem materiellen Verständnis von Armut“ (Alisch/Dangschat 1998, S. 21).

Dem gegenübergestellt ist der Lebenslagenansatz, „der den Blick auf die Gesamtsituation der Versorgung und die hieraus resultierenden Handlungsmöglichkeiten von Menschen“ (Hradil 2001, S. 243) lenkt. Dieser Ansatz gewährleistet eine detailliertere Übersicht über die verschiedenartigen Facetten von Armut. Die Wirkungen auf das tägliche Leben bzw. auf die Lebensbedingungen werden in den Focus gestellt (vgl. Huster 1996, S. 29). Schwierig in diesem Zusammenhang erstellt sich jedoch die Datenerhebung. Es müssen entsprechende Meßverfahren entworfen werden, die alle relevanten Dimensionen von Lebenslagen mitsamt den spezifischen Unterkategorien integrieren. Mögliche Kompensationseffekte der Armut bezüglich der Lebenslagen müssen ebenfalls in der Datenerfassung ihre Berücksichtigung finden (vgl. Hradil 2001, S. 243 - S. 244).

3. Messung der Armut

Bei der Messung von Armut stellt die Armutsgrenze ein ganz allgemeines Grundproblem dar. Die Frage ist nämlich, wo die Trennungslinie zwischen den armen und nicht-armen Bevölkerungsmitgliedern gezogen werden kann (vgl. Hübinger 1991, S. 36). Als Schwellen, unterhalb deren von Armut gesprochen werden kann, lassen sich zum einen auf Basis von bestehenden Mindestsicherungssystemen definieren und zum anderen können sie wissenschaftlich abgeleitet werden (vgl. Adamy/Steffen 1998, S. 8).

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Details

Seiten
17
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638177399
ISBN (Buch)
9783640859290
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11629
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Soziologie
Note
1,3
Schlagworte
Sozialstruktur Armut Soziales System Thema Armut

Autor

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Titel: Was ist Armut und wie kann sie bekämpft werden?