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Schwäbische Kultur

Geschichte, Sprache, Traditionen und Stereotypen

Hausarbeit 2004 15 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

1 Überblick & Geschichte
1.1 Definitionen
1.2 Die Geschichte Schwabens

2 Sprache und Dialekt
2.1 Entstehung
2.2 Struktur
2.3 Funktionen eines Dialekts
2.4 Lokale und regionale Unterschiede des Dialekts

3 Traditionen
3.1 Schwäbische Traditionen
3.2 Funktionen von Traditionen

4 Vorurteile
4.1 Ursachen von Vorurteilen und Stereotypen
4.2 Bestehende Stereotype über Schwaben

Literaturverzeichnis

Kurzfassung

Diese Hausarbeit gibt einen Einblick in die schwäbische Kultur. Da sich die gesamte Kultur jedoch nicht im geforderten Umfang darstellen lässt, mussten große thematische Einschränkungen vorgenommen werden. Zunächst erfolgt ein Einblick in die Geschichte und Herkunft des schwäbischen Volkes, der für das Verständnis der Kultur hilfreich ist. Der Inhalt dieser Arbeit konzentriert sich jedoch auf die Aspekte der Kultur, an denen der Unterschied zu anderen am deutlichsten hervortritt. Dies ist bei den Schwaben mit Sicherheit der Dialekt, zusätzlich wurden die Traditionen und Vorurteile über Schwaben einer näheren Betrachtung unterzogen, da dies die Ausprägung eines Gesamtbildes der Kultur ermöglicht.

Schlagwörter: Schwaben, schwäbisch, Kultur, Geschichte, Sprache, Dialekt, Mundart, Traditionen, Vorurteile

1 Überblick & Geschichte

Eine Kultur wird durch sehr viele, komplexe Aspekte bestimmt. Es ist an dieser Stelle nicht möglich, jeden Aspekt in vollem Umfang zu betrachten, daher erfolgt die Konzentration auf jene Aspekte, an denen Unterschiede zu anderen Kulturen am deutlichsten in Erscheinung treten. Diese sind Sprache / Dialekt, Traditionen und Vorurteile über Schwaben. Als Hintergrundinformation für das Verständnis der Kultur ist jedoch auch die Geschichte der Volkes hilfreich.

Zunächst soll kurz auf einige grundlegende Fragen zu diesem Thema eingegangen werden:

1.1 Definitionen

Was ist Schwaben? Was ist schwäbisch?

Definition laut Duden (1997):

- Schwabe, der; -n, -n: Einwohner von Schwaben.
- Schwaben: bayr. Landesteil.
- Schwaben, die; -: dtsch. Volksstamm in Württemberg, Name deutscher Siedler in Südosteuropa.

Definition laut Microsoft Encarta (2004):

- Schwaben: ehemaliges Herzogtum, das den gesamten schwäbisch-alemannischen Sprachraum umfasste: das Elsass, Südbaden, Württemberg, die deutschsprachige Schweiz, das bayerische Schwaben, Vorarlberg und Liechtenstein; benannt ist es nach den Sweben.
- Schwaben (Regierungsbezirk): in Bayern mit dem Verwaltungssitz Augsburg. Die Fläche beträgt 9 993 Quadratkilometer, die Einwohnerzahl liegt bei etwa 1 700 000.

1.2 Die Geschichte Schwabens

Die Sweben, auch Sueben genannt, sind eine Gruppe westgermanischer Völker, der u. a. die Markomannen, die Quaden, die Alemannen und die Langobarden angehörten. Die auf Latein Suevi genannten Völker wurden erstmals im 1. Jahrhundert v. Chr. von Julius Caesar erwähnt, der sie allgemein östlich des Rheins beheimatet sah. Ursprünglich waren sie wohl an der Elbe nördlich der Mittelgebirge ansässig, daher stammt auch die Bezeichnung der „Elbgermanen“ für die Schwaben, und breiteten sich ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. Richtung Süden und Südwesten bis ins Maingebiet und nach Süddeutschland aus. Teile der Sweben gelangten unter ihrem Heerkönig Ariovist 58 v. Chr. bis nach Gallien, wurden dort allerdings von Julius Caesar zurückgeschlagen. Die direkten Vorfahren der Schwaben sind die Alemannen. Dies sind die Sweben, die sich im 3. bis 5. Jahrhundert n. Chr. im Südwesten Deutschlands ansiedelten. Suevia ist die lateinische Bezeichnung für Schwaben.

Dieses Gebiet wurde 746 nach der Auflösung des älteren alemannischen Stammesherzogtums in das Fränkische Reich eingegliedert. 917 setze sich in Schwaben Burchard I. durch und begründete das Herzogtum Schwaben neu. Mit der Einsetzung Friedrichs I. als Herzog von Schwaben 1079 etablierten sich für die nächsten knapp 200 Jahre die Staufer im Herzogtum Schwaben. Die territoriale Auflösung des Herzogtums nach dem Tod des letzten Staufers 1268, kam vor allem den Grafen von Württemberg, wie auch den Habsburgern und der erstarkten Reichsritterschaft und den Reichsstädten zugute.

1376 wurde der Schwäbische Städtebund unter der Führung Ulms gegründet, um die Reichsunmittelbarkeit gegenüber Kaiser Karl IV. zu wahren. Er sollte sich verpflichten die Städte nicht zu verpfänden oder zu verkaufen, keine überhöhten Steuern zu erheben, Privateigentum und Handel innerhalb des Bundes zu schützen und Frieden aufrechtzuerhalten. Dem Bund gehörten 89 Reichsstädte an. Karl IV. ächtete allerdings den Bund und 1388 wurde er von Graf Eberhard II. von Württemberg besiegt und löste sich letztlich ein Jahr später auf.

Zur Sicherung des Landfriedens wurde im Februar 1488 ein weiterer Bund geschlossen – der Schwäbische Bund. Ihm gehörten 20 schwäbische Reichsstädte, der Graf von Württemberg, der Erzherzog von Tirol sowie weitere oberdeutsche Städte und Fürsten und schließlich auch Kaiser Maximilian I. an. Unter Maximilian I. wurde der Bund zum Instrument der Hauspolitik der Habsburger, die in Oberdeutschland reich begütert waren. Die Spitze des Bundes bestand aus einem Bundesrat, der sich aus Vertretern der Städte, der Ritter und der Fürsten zusammensetzte. Der Bund wurde zu einer bedeutenden politischen Macht, er vertrieb beispielsweise 1519 den Herzog Ulrich von Württemberg nach dessen Bruch mit dem schwäbischen Bund. 1534 löste sich der Bund im Zug der Reformation aufgrund konfessioneller Spannungen zwischen seinen Mitgliedern auf.

Im Jahr 1495 wurde Württemberg zum Herzogtum erhoben. 1803 erhielt der Herzog von Württemberg den Rang eines Kurfürsten und 1806 die Königswürde.

1867 wurde sowohl Baden als auch Württemberg Mitglied des Norddeutschen Bundes, 1871 schlossen sich beide Länder dem Deutschen Reich an. Nach dem 1. Weltkrieg mussten die deutschen Fürsten abdanken. 1919 wurden der Freistaat Baden und die Republik Württemberg ausgerufen und jeweils eigene Verfassungen verabschiedet. 1933, unter dem nationalsozialistischen Regime, wurden die beiden Länder – wie auch die anderen deutschen Länder

– mit dem Reich gleichgeschaltet.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden Baden und Württemberg unter den Besatzungsmächten aufgeteilt und kontrolliert. 1946 wurden die amerikanisch kontrollierten Teile zu dem unabhängigen Land Württemberg-Baden zusammengeschlossen und 1947 wurde Südbaden ein eigenes Land. 1949 wurden alle Länder Teile der Bundesrepublik Deutschland. Nach einer Volksabstimmung entstand 1952 aus den Ländern (Süd-)Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern das heutige Bundesland Baden-Württemberg, obwohl sich die Mehrheit der Bevölkerung Badens gegen den Zusammenschluss aussprach.

(vgl. Encarta, 2004)

2 Sprache und Dialekt

2.1 Entstehung

Dialekte sind regionale Sprachschichten, die im Vergleich zur Hochsprache eine geringere kommunikative Reichweite und einen geringeren geographischen Geltungsbereich besitzen. Grundlegend ist die Einteilung in hochund niederdeutsche Dialekte. Diese Unterscheidung geht zurück auf die Zweite Lautverschiebung (2.-6. Jahrhundert), von der das Niederdeutsche im Gegensatz zum Hochdeutschen nicht betroffen war. Die hochdeutschen Dialekte unterteilt man in mitteldeutsche und oberdeutsche; das Mitteldeutsche hat die Lautverschiebung nur teilweise, das Oberdeutsche hat sie vollständig durchgeführt. Zum Oberdeutschen gehören das Südfränkische, das Ostfränkische, das Bairische und das Alemannische, aus dem im 13. Jahrhundert das Schwäbische hervorgegangen ist.

(vgl. Encarta, 2004)

2.2 Struktur

Der schwäbische Dialekt erscheint wohl jedem Nicht-Schwaben als ein unverständliches Durcheinander unzusammenhängender Wortbruchstücke. Diese Vermutung ist jedoch vollkommen falsch, denn auch hier gibt es bestimmte Regeln und eine Grammatik, nach welchen der Dialekt funktioniert:

- An viele Wörter, nicht nur an Substantive, wird ein „-le“ im Singular und ein „-la“ im Plural angehängt. Bsp: „Wir haben Häusla mit einem Gärtle drumrum, und wir trinken abends gerne unser eige’s Wei’le. Und wenn wir das vor uns stehen haben dann sagen wir: Sodele! Jetzetle!“
- Wie im Französischen werden alle Laute, auf die ein Nasal folgt, durch die Nase gesprochen. Bsp. „Uf e’ma grea’ a’gstrichena A’läglesbänkle sitza dirfa, isch oi’m o’gmei’ a’gne’m.“ (Hochdeutsch: „Auf einer auf einer grün angestrichenen Parkbank sitzen zu dürfen, ist ungemein angenehm.“)
- Es gibt keine säuselnden, stimmhaften Laute. Diese werden alle gezischt ausgesprochen. Das Wort „sausen“ wird so gesprochen als würde man es mit zwei „ß“ geschrieben. „Genie“ spricht man so, als sei es mit „sch“ geschrieben. „Vakanz“, als stehe am Anfang ein „f“.
- Jedes „s“ in den Lautgruppen „st“ und „sp“ wird nicht nur im Anlaut, sondern wenn sie auch im Inund Auslaut stehen, zu „sch“. Bsp: „Die beschte Mahlzeit ischt halt doch ein gutes Veschper.“

(vgl. Vogt, 1973)

2.3 Funktionen eines Dialekts

Der Gebrauch eines Dialekts kennzeichnet deren Sprecher als Teil einer Gruppe. Durch den Dialekt lassen sich Rückschlüsse auf die geographische, religiöse und ethnische Herkunft ziehen, die zu einer ersten Einschätzung der Identität des Gegenübers beitragen. Der Gebrauch von Dialekten ist historisch bedingt, die einheitliche Hochsprache entstand erst durch das Schrifttum. In der gesprochenen Sprache waren die lokalen oder regionalen Dialekte üblich, die durch die zweite Lautverschiebung entstanden. Daher muss man die Funktionen von Dialekten auch im historischen Kontext betrachten, als die Dorfgemeinschaft noch eine sehr wichtige Rolle spielte und eine Kommunikation aufgrund geringer Mobilität selbst mit Nachbardörfern oftmals eine Seltenheit darstellte und überregionale Kommunikation nur sehr wenigen Menschen vorbehalten war.

Der Gebrauch eines gemeinsamen Dialekts, sowie auch das Praktizieren gemeinsamer Rituale und Traditionen, erzeugen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Gleichartigkeit innerhalb einer Gruppe. Dies trägt zu einem altruistischen Sozialverhalten bei. Dadurch hat die Gruppe einen Vorteil gegenüber anderen Gruppen, die individuelle, gemischte Sprachen und Rituale haben, und in denen infolgedessen ein egoistischeres Sozialverhalten zu erwarten ist.

Auf der anderen Seite ist es möglich, eine nicht zur Gruppe zugehöriges Individuum zu identifizieren. Da solche oft als „Störfaktor“ für den Dorffrieden betrachtet wurden, hatten sie es vor allem früher sehr schwer sich in die Gemeinschaft zu integrieren. Ein in die Gruppe eindringendes Individuum bedeutet immer die Möglichkeit, dass neue Ideen und andere Ansichten, welche das Individuum vertritt, einen Teil der Gruppe überzeugen und damit eine Spaltung der Gemeinschaft eintritt. Dies bedeutet im historischen Kontext eine Schwächung der gesamten Gruppe gegenüber anderen Gruppen. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass Aussagen und Gesten fehlerhaft interpretiert werden, da sie sich von der Bedeutung in der Herkunftsregion des Außenstehenden unterscheiden. Dies kann zu schweren Missverständnissen auf beiden Seiten führen.

(vgl. Payer, 2000a; Encarta, 2004)

Weiterhin sagt der Grad der Ausprägung des Dialekts etwas über den sozialen Status oder zumindest die Rolle, die der Sprecher gerne annehmen will, aus:

„Argumentiert man vom Einzelfall aus, so kann man bei der Feststellung bleiben, dass die Position auf der dialektalen Stufenleiter von Situation und Rolle abhängt [...]. Aber schon der Überblick über ganz wenige Fälle zeigt, dass die Wahl der Sprechrollen keineswegs völlig oder auch nur überwiegend ins Belieben des einzelnen gestellt ist; den Begriffen Situation und Rolle gliedern sich andere, sie bedingende Faktoren an. Auch von Sprechrollen gilt, dass jeder nur ein begrenztes Rollenrepertoire hat [...]. Sprachliches Verhalten äußert sich zwar grundsätzlich in Rollen und Situationen; aber durch sie hindurch werden die Bedingungen sichtbar, welche das Niveau der Situationen, die Enge oder Vielfalt der Rollen bestimmen. Diese Bedingungen sind verschiedener Art [...] : Berufszugehörigkeit und Bildungsgrad, Geschlecht und Alter, Prestige und Sachkenntnis." (Bausinger, 1978, S. 38)

Der schwäbische Dialekt spielt im gesellschaftlichen Leben eine große Rolle: Wenn es nicht unbedingt sein muss, redet ein Schwabe kein Hochdeutsch. Ist er dazu gezwungen, so ist es jedoch fast unmöglich akzentfrei zu sprechen, genauso wie ein Hochdeutscher niemals so Schwäbisch reden kann, dass er als Schwabe angesehen würde.

Details

Seiten
15
Jahr
2004
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v116209
Institution / Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Schlagworte
Schwäbische Kultur Internationale Kommunikationskulturen

Autoren

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