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Werkanalyse: Franz Schubert - Der Doppelgänger

Aus dem Schwanengesang DV 957

Hausarbeit 2008 24 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung:

Franz Schubert: Der Doppelgänger

1. Der Text
1.1 Über den Dichter Heinrich Heine
1.2 Äußere Struktur des Gedichts
1.2.1 Strophenform
1.2.2 Versform
1.2.3 Reimschema
1.2.4 Reimart
1.2.4.1 unreine – reine Reime
1.2.4.2 männliche – weibliche Reime; Kadenz
1.2.5 Zusammenfassung und Bestimmung

2. Schwanengesang DV 957
2.1 Der Titel Schwanengesang
2.2 Entstehungszeit

3. Die musikalische Umsetzung Schuberts von „Der Doppelgänger
3.1 Das Ostinato
3.2 Der Zentralton fis
3.3 Kadenzierende Verläufe im Ostinato
3.4 Dynamik
3.5 Die Singstimme
3.6 Rhythmus
3.7 Gerüstbau
3.8 Aufbau des Liedes
3.9 Das Verhältnis von Singstimme und Gerüstbaugliedern

4. Das Schatten- und Doppelgängermotiv

5. Zusammenfassung/ Interpretation

Franz Schubert: Der Doppelgänger

Aus „Schwanengesang“ DV 957

1. Der Text

Der Doppelgänger

Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen,

In diesem Hause wohnte mein Schatz;

Sie hat schon längst die Stadt verlassen,

Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.

Da steht auch ein Mensch und starrt in die Höhe

Und ringt die Hände vor Schmerzensgewalt;

Mir graust es, wenn ich sein Antlitz sehe -

Der Mond zeigt mir meine eigne Gestalt.

Du Doppelgänger, du bleicher Geselle!

Was äffst du nach mein Liebesleid,

Das mich gequält auf dieser Stelle

So manche Nacht, in alter Zeit?

1.1 Über den Dichter Heinrich Heine

Schubert vertont mit dem Doppelgänger ein Gedicht von Heinrich Heine (1797 – 1856).

Der Dichter jüdischer Abstammung begann zwar zuerst eine kaufmännische Lehre, veröffentlichte seine ersten Gedichte jedoch bereits im Jahr 1817 unter dem Pseudonym „Hamburgs Wächter“. Nach gescheiterten Versuchen im kaufmännischen Bereich, immatrikuliert Heine sich 1819 an der Universität Bonn zum Jurastudium. Weiterhin widmet er sich seinem literarischen Talent und im August 1820 wird sein Aufsatz „Die Romantik“ im „Rheinisch-Westfälischen-Anzeiger“ veröffentlicht. In den weiteren Jahren studiert Heine an verschiedenen Universitäten (Göttingen, Bonn...), unternimmt zahlreiche Reisen (Lüneburg, Hamburg, Polen...) und bringt auch sein literarisches Schaffen weiter voran.

Im Jahr 1825 konvertiert der Dichter zum evangelischen Glauben und promoviert im Sommer des selben Jahres als Jurist. Fortan lebt er als freier Schriftsteller.

Nach weiteren Reisen wie nach England, Italien und Helgoland, siedelt Heine nach Paris über, da er mangelnde Berufsperspektiven in Deutschland sieht. Dort arbeitet er als Korrespondent für Deutsche Zeitungen und Zeitschriften. Da der Dichter Zeit seines Lebens ein großer Kritiker war, stießen seine Schriften nicht auf bedingungslose Zustimmung. So wird z.B. der Abdruck der Serie „Französische Zustände“ in der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“ nach einigen Folgen unterbunden und auch deren Buchausgabe in Preußen verboten. Im Dezember 1835 werden sogar sämtliche Schriften Heines in Preußen untersagt.

Am 10. Dezember diesen Jahres verbietet die Deutsche Bundesversammlung sämtliche gedruckten und ungedruckten Schriften des Jungen Deutschlands, an erster Stelle die von Heine. (Am 16. Februar 1836 stellt ein preußischer Erlass fest, dass Schriften, die vorher die preußische Zensur durchlaufen hatten, ausgenommen sind.)[1]

Der Schriftsteller sucht eine von der Französischen Regierung gewährten Pension auf und erkrankt in der folgenden Jahren erst an Gelbsucht und einem schweren Augenleiden.

Auch weiterhin verfasst Heine Schriften und Lyrik. Er heiratet im Jahr 1841.

Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich in den kommenden Jahren und auch in der Familie herrschen Streitigkeiten aufgrund von Erbschaftsansprüchen.

1848 arbeitet Heine erneut als Berichterstatter aus Frankreich für die Augsburger „Allgemeine Zeitung“. In diesem Jahr bricht er im Louvre zusammen. Es wird Rückenmarksschwindsucht diagnostiziert. Sein Krankenlager ist bis zu seinem Tod 1856 das „Matratzengruft“ in der Avenue Matignon, Paris. Doch auch in diesen Jahren verfasste er noch zahlreiche literarische Meisterwerke.[2]

Das von Schubert vertonte Gedicht „Der Doppelgänger“ stammt aus dem „Buch der Lieder“, Zyklus „Die Heimkehr“ und ist dort an 20. Stelle als „Still ist die Nacht“ betitelt.

Das „Buch der Lieder“ erschien erstmals 1827. Die Gedichtsammlung gibt in chronologischer Folge und in fünf Zyklen arrangiert Heinrich Heines gesamt Jugendlyrik wieder. Sie gilt auch heute noch als das bekannteste Werk des Dichters. Viele Gedichte aus der Sammlung wurden von Komponisten wie eben Franz Schubert oder Richard Wagner vertont.[3]

Die Zyklen gliedern sich in: „Junge Leiden“ (bestehend aus „Traumbilder“, „Lieder“, „Romanzen“ und „Sonette“), „Lyrisches Intermezzo“, „Die Heimkehr“, „Aus der Harzreise“, „Die Nordsee“ (bestehend aus „Erster Zyklus“ und „Zweiter Zyklus“).[4] Diesen waren teilweise vorab in Zeitschriften erschienen.

„Die Heimkehr“ entstand in den Jahren 1823/24.

1.2 Äußere Struktur des Gedichts

1.2.1 Strophenform

Das Gedicht besteht aus 3 Strophen mit jeweils 4 Versen.

1.2.2 Versform

Das Vermaß ist vorherrschend vom Daktylus (/--) und Trochäus (/-) geprägt. Heine bedient sich also vor allem dem fallenden Metrum. Dieser weist bei den meisten Versen eine Art Auftakt auf. Es handelt sich dabei um vierhebige Verse im uneinheitlichen Rhythmus, sogenannte Knittelverse.

Als das lyrische Ich jedoch Herr der Situation wird (3. Strophe ab Zeile 2) wechselt das Metrum zum Jambus (-/).

1.2.3 Reimschema

1. Strophe: ABAB
2. Strophe: CDCD
3. Strophe: EFEF

In allen 3 Strophen gleichmäßig auftretende Wechselreime.

1.2.4 Reimart

1.2.4.1 unreine – reine Reime

Heine verwendet in seinem Gedicht ausschließlich reine Reime („Gassen“ – „verlassen“, „Schatz“ – „Platz“...). Die einzige Ausnahme bildet die Assonanz „Höhe“ – „sehe“ in der 2. Strophe mit einem unreinen Reim.

1.2.4.2 männliche – weibliche Reime; Kadenz

Die einzelne Verse enden abwechselnd mit einer unbetonten bzw. betonten Silbe. Während diese dabei in der ersten Strophe noch streng in das Schema der weiblichen („Gassen“, „verlassen“) und männlichen („Schatz“, „Platz“) Reime einzuordnen sind, bleibt in den weiteren Strophen zwar der Wechsel von betonter und unbetonter Endsilbe erhalten, das männliche und weibliche Reimschema ist dabei jedoch nur bedingt erfüllt.

So enden in der 2. Strophe die erste und dritte Zeile noch mit einem weiblichen Reim („Höhe“, „sehe“), „Schmerzensgewalt“ und „Gestalt“ sind jedoch keine streng männlichen Reime.

Ähnliche verhält es sich mit der 3. Strophe („Geselle“, „Stelle“ = weiblich). Hier ist zwar die „Zeit“ (3. Strophe, 4. Zeile) noch streng männlich, aber das „Liebesleid“ (3. Strophe, 2. Zeile) bildet auch hier eine weitere Ausnahme.

Wird das Feld der männlichen Reime also ein bisschen weiter gefasst, ergibt sich folgendes Schema:

1. Strophe: wmwm
2. Strophe: wmwm
3. Strophe: wmwm

1.2.5 Zusammenfassung und Bestimmung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es handelt sich bei dem Gedicht von Heinrich Heine um Volksliedstrophen, welche für das „Buch der Lieder“ verbindlich sind. Für diese spricht sowohl die 4-Versige Anordnung, der Knittelvers, das Reimschema aber auch die Anordnung der Kadenzen (weibliche/ männliche Reime).

2. Schwanengesang DV 957

Der Schwanengesang ist kein Zyklus im eigentlichen Sinn. Unter diesem Sammeltitel hat Tobias Haslinger[5] nach Schuberts Tod dessen letzte hinterlassene Lieder zusammengefasst. Dabei handelt es sich um sieben Rellstab-Gesänge und sechs Vertonungen von Heine-Gedichten.

1. Liebesbotschaft (Rellstab)
2. Kriegers Ahnung (Rellstab)
3. Frühlingssehnsucht (Rellstab)
4. Ständchen (Rellstab)
5. Aufenthalt (Rellstab)
6. In der Ferne (Rellstab)
7. Abschied (Rellstab)
8. Der Atlas (Heine)
9. Ihr Bild (Heine)
10. Das Fischermädchen (Heine)
11. Die Stadt (Heine)
12. Am Meer (Heine)
13. Der Doppelgänger (Heine)
14. [ Die Taubenpost (Seidl)]

Um die Anzahl von 13 Liedern bei der Veröffentlichung im April 1829 zu vermeiden, wird das isolierte Seidl-Lied Die Taubenpost angehängt. Nach Josef von Spauns[6] Aussage sei das Schuberts letzte Komposition.

[...]


[1] http://www.heinrich-heine-denkmal.de/galerie.shtml

[2] http://www.heinrich-heine.net/haupt.htm

[3] http://www.fernuni-hagen.de/universitaet/aktuelles/2008/05/09-ak-bib-ausstellung-heine.shtml

[4] http://www.digbib.org/Heinrich_Heine_1797/Buch_der_Lieder?k=Aus+der+Harzreise

[5] seit 1826 Inhaber des berühmten Musikverlages Steiner

[6] Enger Freund Schuberts

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640178278
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v116185
Institution / Hochschule
Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg; Standort Nürnberg
Note
1,0
Schlagworte
Werkanalyse Franz Schubert Doppelgänger

Autor

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Titel: Werkanalyse: Franz Schubert - Der Doppelgänger