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Sozialpraktikumbericht im Rahmen der Lehrerausbildung an der Uni-Greifswald

Praktikumsbericht / -arbeit 2008 8 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Das erste dreiwöchige abzuleistende Sozialpraktikum sollte in einem Kinder- und Jugendheim stattfinden. Mir persönlich war es wichtig, gerade dort mein Praktikum zu absolvieren, weil mich die pädagogische Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen aus zerrütteten Familienverhältnissen interessierte. Schon vor dem Antritt meines Sozialpraktikums ergaben sich verschiedene Fragen: Wie ist der Tagesablauf in einem solchen Heim organisiert? Welche pädagogischen Mittel sind notwendig, um diese jungen Menschen zu befähigen, ihr eigenes Leben selbstständig zu organisieren? Mit Spannung und leichter Aufgeregtheit begann Anfang März ein für mich unvergessliches Sozialpraktikum in der Kinder- und Jugendstätte H. Die Jugendstätte befindet sich zwischen Harz und Saale. Das schloßähnliche Gebäude gehörte seit August 1952 zum Sommersitz des Freiherrn von Knigge. Zu DDR-Zeiten wurde das gesamte Gebäude mit Außenanlage für Waisenkinder eingerichtet. Seit dem Jahr 2002 gehört das Heim zum Landkreis Mansfeld-Südharz und ist somit eine öffentliche Anstalt. Zu den Kinder- und Jugendstätten gehören noch diverse Wohngemeinschaften, Bildungs- und Erholungsstätten sowie Jugendhäuser. Insgesamt verfügt das Jugendheim H. circa 32 Mitarbeiter, einschließlich: Erzieher bzw. Betreuer, Hausmeister, Verwaltungsfachangestellte und Betriebsleiter. Die verschiedenen Arbeitsfelder werden vom pädagogischen Personal übernommen und vollzogen, dies sind unter anderem: Planung und Durchführung von Freizeitaktivitäten, sozial-pädagogische Arbeit im schulischen Bereich, Betreuung von jungen Menschen, Beförderung der Kinder und Jugendlichen zur Schule und anderen Vereinen (z.B. Feuerwehr), die Organisation von Turnieren, Förderung von Hobbies und Interessen im außerschulischen Bereich. Im Kinder- und Jugendheim werden Jungen und Mädchen ab einem schulfähigen Alter aufgenommen. Das gilt auch insbesondere für sozial benachteiligte junge Menschen die sich an den örtlichen Träger der Jugendhilfe wenden. Die Wohnbereiche sind nach der traditionellen Form der Heimerziehung nach Paragraph 34 SGB VII konzipiert. Dies entspricht einer räumlichen Lage die in drei familienähnlichen Wohnbereichen aufgeteilt ist. Damit verfügt jeder Wohnbereich maximal 8 Zimmer (Ein- und Zweibettzimmer) für Kinder oder Jugendliche und jeweils eine Mutter-Kind Betreuung. Weiterhin sind in den Bereichen eine Küche, Wohnzimmer und ein Erzieherzimmer, die in regelmäßigen Abständen renoviert und modernisiert werden, integriert. Somit stellt jeder Wohnbereich eine abgeschlossene Wohneinheit dar.

Das weiträumige Außengelände ist begünstigt in ihrer Abgeschlossenheit und umfasst die Sport- und Freizeitanlage der jungen Menschen. Haus und Park lassen genug Platz für Freunde und Eltern, die zu Besuch kommen. Fahrrad fahren und Betätigung in der hauseigenen Werkstatt, Tierhaltung und Ballspiele gehören selbstverständlich zur gängigen Freizeitgestaltung. Die Herangehensweise der Mitarbeiter ist stark auf das Gemeinschaftsleben, Teamdynamik, freizeitpädagogische und ergotherapeutische Arbeit, Sport und Spiel ausgerichtet. Tradition ist, dass grundsätzlich Erzieher und Kinder in ihren Wohnküchen die Mahlzeit gemeinsam zubereiten und einnehmen. Außerdem wird erwünscht, dass die Kinder wenn sie aus der Schule kommen, zunächst in der Gemeinschaft essen. Neben erzieherischem Einwirken direkter und indirekter Form, soll den Kindern und Jugendlichen folgende Möglichkeiten geboten werden: Freiräume sinnvoll und kreativ zu nutzen, sich auszutesten und eigene Fähigkeiten zu trainieren, Schwächen zu überwinden und Ängste abzulegen, positive Gedanken für ihr weiteres Leben zu entwickeln. Für jedes Kind, bevor es in das Jugendheim tritt, wird eine Persönlichkeitsanalyse vorgenommen, die ganz bestimmte Schwerpunkte vorsieht: persönliche Daten, physische Entwicklung, Verhaltensbeobachtungen, Betätigungsfelder, Erfolgs- und Misserfolgserlebnisse, Leistungsbereich Schule / Beruf, selbstständiges Handlungsvermögen (Fähigkeit). Die Kinder erleben nach der Aufnahme in den Wohnbereichen des Hauses H. Geborgenheit, im Sinne eines geordneten Umfelds, einen organisierten Tagesablauf, Vermittlung von Werten und Normen, Hilfe bei der Bewältigung ihrer Probleme und Sorgen sowie Stärkung ihres Selbstwertgefühls.

Der strukturierte Tagesablauf ist im pädagogischen Sinn organisiert und verläuft wie folgt:

- wecken der Kinder und Jugendlichen ab 6 Uhr;
- anschließend Körperhygiene und Einnahme von Mahlzeiten;
- fahrt ab 6:35 Uhr in die nahe gelegenen Schulen;
- ab 13 Uhr Rückführung in das Kinder- und Jugendheim H. durch den jeweiligen Betreuer oder die Benutzung des Schulbus;
- um circa 13:30 Uhr beginnt die Mittagsmahlzeit;
- nach dem Mittagessen kurze Ruhephase;
- danach wird die regelmäßige Hausaufgabenzeit für alle Beteiligten eine ganze Stunde durchgeführt;
- die Nachmittagsgestaltung insbesondere das Spielen, Einkaufen oder gemeinschaftliche Unternehmungen, können gemeinsam oder individuell gestaltet werden.

Die therapeutischen-pädagogischen Angebote fließen in die allgemeine Lebensorganisation, Nachmittagsgestaltung oder Wochenendvorhaben ein. Der Erzieher hat hier die Aufgabe, universelle Prozesse der Gestaltung des Alltaglebens allein auf das Kind bzw. Jugendlichen einzugehen. Lob und Kritik gehören zu den Instrumentarien des Umgangs miteinander. Das Hauptaugenmerk wird auf die Stärkung der Persönlichkeit im Sinne von Anstand, Ehrlichkeit, Kameradschaft und menschenwürdigem Gemeinschaftsleben gelegt. Die Abendmahlzeit ist festgelegt auf 18 Uhr. Danach führen die Kinder bzw. Jugendlichen ihre zugewiesenen ‚Ämter’(beispielsweise Reinigung der Küche, das Staubsaugen der verschiedenen Etagen, Bäder durchwischen etc.) aus. In der Zeit von 19:30 Uhr beginnt für einige die Abendzeit, eingeschlossen ist damit Fernsehen oder Karten spielen. Generell gehen die jungen Menschen um 20:30 Uhr zu Bett.

Meine sozial-pädagogische Arbeit war angelegt im schulischen und außerschulischen Bereich. Die Kinder und Jugendlichen waren von der Alterstypik sehr unterschiedlich, angefangen vom 11. bis 17. Lebensjahr. So war ich für die Heimkinder eine Kontakt- und Vertrauensperson (z.B. Hilfe bei Problemen und Konflikten) und stand über dies hinaus als Unterstützung in der Hausaufgabenzeit zur Seite. Dazu gehörte auch die Einzelfallhilfe in Form von einem Ausgleich vorhandener Lerndefizite. So weit wie möglich versuchte ich den Kindern und Jugendlichen mehrere Lernmethoden beizubringen, die eine Förderung der Schulmotivation zum Ziel hatte. So ergab sich weiterhin eine Wissensvermittlung im spielerischen Sinn. Darüber hinaus probierte ich Maßnahmen aus, die zu einer Stärkung der Konzentrationsfähigkeit führen sollte, die - nach meinem Empfinden - nur sehr schwach ausgeprägt schien. Die eben skizzierten Aufgabenbereiche wurden täglich wiederholt. Mein täglicher Arbeitsbeginn war um 13 Uhr und endete um 21 Uhr. Da vorwiegend im Kinder - und Jugendheim im Schichtbetrieb gearbeitet wird, musste ich mich darauf einstellen, auch am Wochenende eingesetzt zu werden. Zur Unterstützung der aufgetragenen Aufgaben stand mir immer eine geduldsame kompetente Erzieherin beiseite. Bei dem Mittagessen lernte ich die einzelnen Kinder und Jugendlichen vereinzelt kennen, somit hatte ich einen ersten groben Gesamtüberblick gewonnen. Nach dem Einnehmen der Mittagsmahlzeit begann die regelmäßige Hausaufgabenzeit. Nun bekam ich von meiner Erzieherin den Auftrag, mich um einen 11-jährigen Schüler bei den Hausaufgaben zu kümmern. Bei der ersten Begegnung verhielt er sich zurückhaltend, skeptisch, sogar etwas ablehnend, was aus seiner Haltung auch teilweise abzulesen war. Nur langsam versuchte ich mich vorzutasten und fragte ihn, in welche Schule und Klasse er momentan ging. Ohne zu zögern antwortete er prompt; er geht in eine ganz normale Grundschule der 4 Klasse. Weiter sollte er mir vortragen, welche Hausaufgaben er zu erledigen hatte. Offensichtlich freute er sich, dass nun jemand da war, der sich um seine Hausaufgaben intensiv kümmere. Schnell stellte er aber fest, dass er keine ausreichenden Arbeitsmaterialien mehr in der Federmappe besaß. Ich besorgte den Schlüssel für den Materialraum und besorgte ihm die fehlenden Utensilien. Nach einer kurzen Weile kehrte ich zurück und sah wie er die Deutschbücher aufschlug. Er begann ein kurzes Gedicht in sein Heft zu übertragen. Doch die Schreibschrift war so miserabel, dass man kaum die Buchstaben erkennen konnte. So forderte ich ihn auf, mir bitte den Füller zu überreichen, damit ich ihm die richtige Schreibweise vorzeigen konnte. Geduldig schrieb ich die einzelnen Buchstaben des Alphabets auf ein einzelnes Blatt Papier. Der 11-jährige Schüler tat so, als ob ihn das alles nicht besonders interessiere. Mehrmals lenkte er von den Hausaufgaben ab, indem er ständig irgendwelche Spielsachen ergriff. Ich erinnerte ihn daran, dass er erst seine Hausaufgaben zu erledigen hat und dann spielen könne; doch die Aufforderung blieb unerwartet. Augenscheinlich bekam ich mit, dass seine Leidenschaft den Spielzeugautos galt. Abgekommen von den Hausaufgaben erzählte er mir, dass jene Autos für ihn sehr wichtig sind und er später einmal damit Geld verdienen wolle. Sein Interesse schien ungebremst anzuhalten, so dass er mich aufforderte, mit seinen Autos - den bekannten ,Matchbox’ - zu spielen. Aufgeschlossen ergab ich mich in die Situation hinein. Unter diesem Gesichtspunkt kam mir eine einleuchtende Idee: So versprach ich ihm, bevor er heute Abend ins Bett gehen musste, zusammen mit seinen Autos zu spielen, wenn er jetzt das Gedicht sauber und ordentlich in sein Heft überträgt. Wahrscheinlich gab es in ihm einen Motivationsimpuls, dass er an seinem Schreibtisch zurückkehrte und jenes Gedicht abschrieb. Diese Situation zeigte mir, wie schwierig es ist, mit Schülern umzugehen, die eine größere Konzentrationsschwäche besitzen. Man benötigt ziemlich viel Geduld und ein gewisses Maß an Verständnis für die vielfältigen Interessen des Kindes. Es ist aber auch notwendig, eine gewisse Zeit zu opfern, um bestimmte Lerndefizite zu mindern oder zu beseitigen. Gerade von Seiten der Grundschule kam es ständig zu Beschwerden hinsichtlich seines Verhaltens. Aus Unterredungen vom Erzieher bzw. Betreuer wusste ich, dass der Grundschüler in einer sehr großen Grundschulklasse lernen muss. In größeren Grundschulklassen - etwa 25-30 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse - ist es kaum möglich, speziell auf Kinder mit Konzentrations- und Lernstörungen individuell einzugehen. So gibt es Überlegungen, derartige Schüler vielleicht in eine Ausgleichsklasse - mit maximal 8 Schülern in einer Klasse - zu überführen, um eine bessere pädagogische Förderung zu erzielen. Sein sauberes abgeschriebenes Gedicht zeigte er seiner Lehrerin am nächsten Tag in der Schule und bekam einen lobenden Eintrag in sein Hausaufgabenheft. Für mich war dies der Beweis, dass die regelmäßige Beschäftigung mit dem 11-jährigen Schüler einen kleinen Lernerfolg mitbrachte. Im weiteren Verlauf des Praktikums konnte ich das anfangs angespannte Verhältnis auflockern und es begann sich umzuwandeln in ein offenes vertrauensvolles Verhältnis zwischen Praktikant und Heimkind. Meines Erachtens ist es unabdingbar, die Kinder und Jugendlichen vorerst in ihrem Verhalten und Lebenseinstellungen zu akzeptieren. Ist ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen Praktikant und Kinder in einer gewissen Zeit aufgebaut, können pädagogische Maßnahmen durchaus zum Erfolg führen.

Nach der vorgesehenen Hausaufgabenzeit bekommen die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit ihre Freizeit individuell zu gestalten. Die Außenanlage gab es her, auf einem großen Fußballfeld zu spielen. Es dauerte auch nicht lange, da standen 4-6 Schüler schon auf dem Feld. Begeistert teilten sie sich untereinander auf und schon war ein emotionsgeladenes Spiel im vollen Lauf. Anfangs zeichnete sich schon sehr schnell eine gewisse Rangordnung ab. Die älteren Jugendlichen versuchten durch ihre eigenen Regeln das Spiel zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Die jüngeren Mitspieler gaben ohne große Gegenwehr den Druck der Älteren nach. Aus dieser Situation heraus entstand ein unfaires Spiel. Als ich die offensichtliche Situation erkannte, wechselte ich von der Spielerposition hin zur Schiedsrichterrolle. Damit erzeugte ich wenig Gegenliebe auf der Seite der (unfairen) Spieler. So hatte ich das hinsichtlich der Regeln jetzt selber in der Hand. Es dauerte nicht lang, da kam es zu einer Konfliktsituation zwischen einem 12-jährigen Schüler und einer 15-jährigen Schülerin. Beide erkämpften den Ball und stießen sich anschließend zornig voneinander weg. So kamen sie in einen Konflikt mit gegenseitigen Beschuldigungen. Um eine aggressive Haltung der Beteiligten abzuwehren, stellte ich mich zwischen ihnen und vermittelte in diesem Konflikt. Ich erklärte ihnen mit erhobener Stimme, dass es sehr unsportlich sei, ihre Mitspieler zu unterdrücken, nur weil sie vom Alter viel jünger wären. Doch auch für mich war es eine neue Situation, mit der ich bis jetzt noch nicht konfrontiert war. Sie zu meistern, verlangte von mir sehr viel Durchsetzungsfähigkeit und Einfühlungsvermögen ab. Nach dieser Aufforderung begann das Spiel erfreulicherweise in eine faire Richtung zu gehen, dennoch gab es einzelne Mitspieler, die permanent die Regeln verletzten. Diese wurden jetzt von ihren eigenen Mitspielern fast schon zwangsweise diszipliniert, um das Fußballspiel nicht noch zu verlieren. Im weiteren Verlauf entstand nun ein begeistertes Fußballspiel, mit regelrechter Selbstdisziplinierung und Teamfähigkeit untereinander. Dieses Beispiel zeigte mir exemplarisch vor Augen, dass die unterschiedliche Alterstypik der Kinder bzw. Jugendlichen bei der Ausübung von pädagogischen Handlungen berücksichtigt werden muss. Wenn es zu keiner Gleichberechtigung innerhalb der Gruppe kommt, dann entsteht ein Ungleichgewicht der Verhältnisse. Die jüngeren Mitspieler (11-14 Jahre) empfinden dieses Spiel als ,Machtgehabe’ der Großen; sie stehen nicht mehr in dem Mittelpunkt der Geschehnisse. Sie wirken verängstigt, angegriffen und teilweise ausgegrenzt von ihren (älteren) Mitspielern. Damit eine solche Schieflage nicht passiert, müssen vorab gewisse Regeln des fairen Miteinanders gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern diskutiert werden. Um diese festgesetzten Regeln zu gewährleisten bzw. zu kontrollieren, ist es erforderlich, dass sich der Erzieher zeitweilig in die Schiedsrichterrolle begibt.

Die nächsten Tage wollten die Heimkinder immer wieder mit ihrem Praktikanten Fußball spielen. Aus den oben geschilderten Erfahrungen wusste ich nun, worauf es ankam. Klärte vor dem Spiel demokratisch die Regeln ab, so dass es nur noch zu wenigen Zwischenfällen kam. In einem ganz anderen Fußballspiel beteiligte sich ein lernbehindertes Kind. Seine Position war aufgrund der Behinderung, wie man sich vielleicht vorstellen kann, sehr schwierig. Jetzt kam es darauf an, ihn in ein solches Spiel vollwertig als Mitspieler zu integrieren. Doch dieses Vorhaben gelang mir nur sehr bescheiden. Daraufhin regte ich zusammen mit meiner Betreuerin eine Gruppendiskussion an - die auch dankend angenommen wurde -, um dieses Problem mit der Heimgruppe zu thematisieren. Wir einigten uns innerhalb der Gruppe auf gegenseitigen Respekt, sowie seien alle indiskutablen Äußerungen gegenüber dem behinderten Kind (12 Jahre) zu unterlassen. Weiterhin wurde vereinbart, dass die aufgestellten Regeln, nicht nur auf dem Fußballplatz gelten, sondern auch außerhalb und innerhalb der Jugendstätte.

Im weiteren Verlauf meiner Tätigkeit konnte man nun beobachten, dass die Regeln im Großen und Ganzen von der Gruppe akzeptiert worden sind. In diesem Zusammenhang muss man betonen, dass eine Integration von lernbehinderten Kindern in einer heterogenen Wohngruppe außerordentlich problematisch ist. Diese Kinder benötigen sehr viel Aufmerksamkeit und erhöhte Zuwendung teils rund um die Uhr. Dies zeigte sich beispielsweise darin, dass ich dem lernbehinderten Kind fast jede Minute – von ihm aus - schenken sollte: was sich letztlich kaum als machbar herausstellte. Aufgrund der geistigen Behinderung ist eine spezielle Förderung im schulischen Bereich nur von entsprechenden ausgebildeten Pädagogen zu leisten.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass es zwar sehr schwierig ist mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, dennoch hilft es einem persönlich, seine eigenen Stärken und Schwächen herauszufinden. Die Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen bzw. Betreuern war sehr lobenswert und sie gaben mir ihre volle Unterstützung in jeglicher Art und Weise. Das Sozialpraktikum im Kinder- und Jugendheim war für mich deshalb so eindruckvoll, weil ich hautnah miterleben durfte, wie die Kinder bzw. Jugendlichen mir persönlich ihre eigenen Lebenslagen, Wünsche oder auch Hoffnungen mitteilten. Mit der Zeit entwickelte sich eine Art Verbundenheit zwischen Praktikant und seinen Schützlingen. Darunter erhielt ich einen kurzen Ausschnitt was ihre Familienverhältnisse anging. Erschrocken bekam ich immer wieder mit, dass der Bezug zwischen Eltern und ihren Kindern, trotz familieninterner Schwierigkeiten, dennoch immer verbunden bleiben wird. Viele von ihnen kommen aus asozialen Verhältnissen und kennen keinerlei Liebe und Geborgenheit. Um so wichtiger ist es, den Kindern und Jugendlichen in einem solchen Heim jegliche Zuwendung und Unterstützung, die sie für ihre weitere Entwicklung benötigen, zu geben. Für mich war dieses Praktikum sehr lehrreich und zeichnete mir auf, dass eine pädagogische - psychologische Ausbildung bei den Lehrämtern unverzichtbar ist und sollte noch mehr als bisher im Laufe des Studiums berücksichtigt werden. Mein bisheriger Berufswunsch wurde gerade durch ein solches Sozialpraktikum verstärkt.

Details

Seiten
8
Jahr
2008
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115972
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Erziehungswissenschaft
Note
gut
Schlagworte
Sozialpraktikumbericht Rahmen Lehrerausbildung Uni-Greifswald Einführung Sozialpraktikum

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