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Quelleninterpretation von "Mein Kampf"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 19 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sachanalyse

3. Interpretationsmodell

4. Die Quelle „Mein Kampf“ (Adolf Hitler)
4.1. Arbeitsfragen geordnet nach den Anforderungsbereichen
4.2. Quelleninterpretationen
4.2.1. Interpretation des Quellenauszuges „Völkischer Staat und Rassenhygiene“
4.2.2. Interpretation des Quellenauszuges „Notwendigkeit der Massenversammlung“
4.2.3. Interpretation des Quellenauszuges „Schlusswort von Mein Kampf“

5. Rezension von „Mein Kampf“

6. Zusammenfassung

7. Literatur
Quelle
Fachliteratur
Didaktische Literatur

1. Einleitung

Eines der bekanntesten und zugleiviellch gemiedenen Bücher unserer Zeit ist das Hauptwerk Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Das Buch ist in aller Munde und jeder kennt in groben Zügen seinen Inhalt. Doch bei näherer Betrachtung des Werkes erkennt man schnell, dass man beim Lesen an seine Grenzen stößt. Aus der vermeintlichen Erhabenheit, resultierend aus besagter grober Kenntnis von „Mein Kampf“, wird stille Verzweiflung. Stil, Schreibweise und Inhalt von „Mein Kampf“ sind erschreckend und kaum erschließbar. Die Perversität und Entsagung jeglicher Menschlichkeit im Werk lassen den Leser zusammenzucken. Und dieses grausame Schauspiel erstreckt sich beinahe über 800 Seiten in zwei Bänden. Doch man kann „Mein Kampf“ auch nicht „einfach so lesen“, es bedarf verschiedener Sekundärliteratur, um irgendetwas aus dem Buch für sich interpretieren zu können. Ohne die Aufklärung über die einzelnen im Werk diskutierten Theorien durch ausgewählte Autoren, würde ein Leser früher oder später verzweifeln und kapitulieren. Wenn man an dieser Stelle all diese Aspekte miteinander verknüpft, fragt man sich, wie ob die Hauptfrage dieser Arbeit angemessen ist oder anders formuliert, ob der Anspruch der Arbeit überhaupt realisierbar wäre. In den folgenden Kapiteln sollen drei Auszüge aus „Mein Kampf“ ausgewählt und interpretiert werden. Mit den Interpretationen sollen gleichzeitig Arbeitsfragen gefunden werden, die man im Geschichtsunterricht so einsetzen könnte, dass auch Schüler eine Interpretation eines Quellenauszuges aus „Mein Kampf“ bewältigen könnten. Neben den drei zu interpretierenden Quellen soll des Weiteren ein Interpretationsmodell dargestellt werden, mit welchem man den Interpretationen folgen kann. In einem letzten Arbeitschritt erfolgt dann eine Rezension, die neben einer knappen Inhaltsangabe auch die Verwendung der Quelle im Geschichtsunterricht diskutiert. Hauptaugenmerk liegt aber tatsächlich auf der Frage nach der Kompatibilität der Quelle mit dem heutigen Geschichtsunterricht und vor allem mit dem Schüler.

2. Sachanalyse

„In libris mortuos quasi vivos invenio; in libris futura praevideo; in libris res bellicae disponuntur; de libris prodeunt iura pacis…“ - „In Büchern finde ich die Toten, als ob sie noch lebten; in Büchern sehe ich die Zukunft voraus; in Büchern werden Kriege entschieden, und aus Büchern erwachsen die Gesetze des Friedens…“ (Richard de Bury 1281-1345, Bischof von Durham, „Philobiblon“, Capitulum I)

Dieses Zitat beinhaltet wesentliche Aspekte, die all jenes beschreiben, was eine Analyse von „Mein Kampf“ in der Geschichtswissenschaft befürwortet. Hitlers Hauptwerk ist gewissermaßen die „Bibel“ der nationalsozialistischen Bewegung. In „Mein Kampf“ werden Aussagen getroffen, die dem Leser dieses Werkes das Dritte Reich und Adolf Hitler nachvollziehen lassen. Ohne das zweibändige Werk Hitlers wäre die nationalsozialistische Bewegung nicht verstehbar. „Mein Kampf“ ist regressiv und prophezeiend zugleich. Hitler beschreibt also Vergangenes und gibt gleichzeitig Ausblick auf die Zukunft. Die enorme Bedeutung des Werkes für das Verständnis des Dritten Reiches lässt darauf schließen, dass man auch von einer ungemeinen Resonanz auf „Mein Kampf“ in der Fachliteratur ausgehen kann. Tatsächlich gibt es eine Vielzahl von Untersuchungen in verschiedenen Ländern, wie zum Beispiel in der Schweiz oder England.[1] Die Untersuchungen tangieren dabei die unterschiedlichsten Aspekte. Die reichhaltigen Ansätze resultieren aus der Vielseitigkeit des Werkes. „Mein Kampf“ ist nicht nur Autobiographie, sondern auch politisches Fundament der Bewegung, also gewissermaßen politisches Manifest. Zudem verstecken sich in ihm unzählige entlehnte und entartete theoretische Ansätze großer Persönlichkeiten, allerdings ohne jeglichen Quellenverweis. Das Werk selbst entsteht während der Festungshaft Hitlers nach dem Putschversuch vom 9. November 1923 in München. Hitler wird wegen Hochverrat zur besagten Festungshaft verurteilt und beginnt, befreit von aktiven politischen Tätigkeiten, sein Hauptwerk zu schreiben. Er schreibt allerdings nicht selbst, sondern diktiert seine Visionen zunächst seinem Chauffeur, später seinem persönlichen Sekretär Rudolf Hess.[2] Wie schon erwähnt, besteht „Mein Kampf“ aus zwei Bänden. Band 1 „Eine Abrechnung“ erschien am 18. Juli 1925, der zweite Band „Die nationalsozialistische Bewegung“ knapp ein Jahr danach am 11. Dezember 1926.[3] Der erste Band tangiert vor allem den Werdegang Adolf Hitlers. Explizit beschreibt Hitler seine Kindheit, Jugend und die Zeit beim Militär. Er gibt weiterhin Aufschluss über die Entstehung seiner antisemitischen Ideologie. Der zweite Band beschreibt ausschließlich die Entstehungsgeschichte der Partei und der entsprechenden Grundsätze. Hitler zeigt in gleichem Zuge seine persönliche Ideologie auf.[4] „Mein Kampf“ zeigt insgesamt das Revolutionäre, Primitive und Brutale des Nationalsozialismus auf. Hitler spricht ganz offen und deutlich über seine Weltanschauung und lässt auf Zukünftiges schließen.[5] Bis 1945 werden über 10 Millionen Exemplare aufgelegt und in 16 Sprachen übersetzt. Auch wenn Hitler der Überzeugung ist, dass das gesprochene Wort dem geschriebenen Wort überwiegen sollte, repräsentiert „Mein Kampf“ für Hitler die grundsätzliche Niederlegung seiner Ideen, gewissermaßen die Legitimierung der Selbigen. Nach 1945 wird „Mein Kampf“ in Deutschland nicht mehr neu aufgelegt und aus dem Handel genommen. Die Rechte für eine hypothetische Neuauflage gingen an den Freistaat Bayern über.[6] Das Bundesland verzichtet allerdings darauf das Buch wieder in den Handel einzuführen. Zu groß sind die mit dem Werk verbundenen Geschehnisse, zu erdrückend die moralischen Bedenken. Auch in der Geschichtswissenschaft bestätigen Autoren diese Zweifel. Zudem ist „Mein Kampf“ nur schwer zu lesen. Um das Werk nicht vollkommen unlesbar zu machen verzichten die Autoren auf umfassende Kommentierungen und fokussieren vielmehr ihre Analysen auf ausgewählte Passagen. Zu umfassend sind die Inhalte von „Mein Kampf“, als das man ein Resümee beider Bände treffen könnte. Dennoch kann sich auch die Wissenschaft nicht dem Machwerk Hitlers entziehen. Die im Werk besprochenen Themen sind zu brisant und provozierend, als das man diese einfach ausblenden könnte für alle Zeiten. Die Inhalte erregen nach wie vor die Gemüter und das Manifest der Nationalsozialisten wirft auch heute noch einen starken Schatten auf die gesamte Weltgemeinschaft. Immer wieder wird das Werk aufgegriffen und zitiert.

3. Interpretationsmodell

In der diesbezüglichen Literatur existieren verschiedene Modelle zur Bearbeitung einer Quelle.

1. Rohlfes, Joachim (1986), entwickelte einen Katalog aus zehn Arbeitsschritten:

1. Quellenkritik (Herkunft, Informationswert, Authentizität), 2. Bestimmung der Quellengattung, 3. Entlastung semantischer Schwierigkeiten, 4. Sicherung des Sachverständnisses, 5. Rekonstruktion des historischen Umfeldes, 6. Bestimmung von Urheber und Adressat, 7. Erfassung der Aussagen und Intentionen, Absichten (Inhaltsangabe), Schwerpunkte, 8. Ermittlung des Zuverlässigkeitsgrades, Geltungsbereiches, der Verallgemeinbarkeit der Quellenbefunde, 9. Erklärung/Deutung, Diskussion der Befunde: Leitfragen und Quintessenz, Fazit und thesenartige Zusammenfassung, 10. Einordnung der Quelle in den historischen Kontext und Forschungsstand.

2. Pandel, H.-J. (2004), mit folgenden Interpretationsregeln:

1. historische Frage (Leseabsicht, Zusammenhang), 2. Heuristik, 3. Kritik, 4. Interpretation mit expliziten Fragen (Autor, Text/Gattung und Sprachgestalt, Semantik, Wirkung/Pragmatik, Adressat, Multiperspektivität und Wirkung).

3. Diere, H. (1968), stellt folgende Arbeitschritte zusammen:

1. Ursprung/Einordnung der Quelle, 2. Form der Quelle, 3. wörtliche Auffassung des Inhaltes der Quelle durch den Schüler, 4. Verarbeitung des Quelleninhaltes, 5. Bewertung, 6. historischer Kontext.

4. Ackermann, Winfried (1970) meint:

1. Lesen und Betrachten der Quelle, 2. Zerlegen und Gliederung, 3. Prüfen und Vergleichen des Sinnes, 4. Diskutieren und Beurteilen des Wertes und der Wirkung, 5. Formulieren und Sichern des Wertes der Quelle, des Ergebnisses.

[...]


[1] Lange, Karl: Hitlers unbeachtete Maximen, Mein Kampf und die Öffentlichkeit, Stuttgart 1968, S. 9

[2] Zentner, Christian: Mein Kampf, Eine kommentierte Auswahl, München 1974, S.9 und Maser, Werner: Hitlers Mein Kampf, München 1966, S, 20ff

[3] der ursprünglich geplante Titel des ersten Bandes „Viereinhalb Jahre Kampf gegen Lüge, Dummheit und Feigheit“; siehe Zentner, Christian, S. 9

[4] Meint Hitlers Weltanschauung, Rassenlehre und Antisemitismus

[5] Lange, Karl: Hitlers unbeachtete Maximen, „Mein Kampf“ und die Öffentlichkeit, Stuttgart 1968

[6] Zentner, Christian: Mein Kampf, Eine kommentierte Auswahl, München 1974

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640171071
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115755
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Geschichte
Note
2,5
Schlagworte
Quelleninterpretation Mein Kampf Interpretationskompetenz Adolf Hitler Didaktik

Autor

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