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StudiVZ - Studierendenverzeichnis oder Lernplattform?

Ausarbeitung des Projektes „Ob und wie ist Lernen mit StudiVZ möglich?“

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Moduleinordnung

2. Vorstellung des Projektes
2.1 Die Vorgehensweise
2.2 Die Erstellung des Profils und der Gruppen einschließlich Hindernissen
2.3 Aktivitäten in den Gruppen unsererseits und vonseiten der Nutzer

3. Theoretische Grundlagen und ihre Anwendung
3.1 Action Research
3.2 Das Projekt „Sprachen Lernen mit StudiVZ“ – Action Research?
3.3 Qualitative Forschung: Das Leitfadeninterview

4. Die Interviewvorbereitung und die Fragen

5. Die Auswertung der Interviews
5.1 Codierung
5.2 Interpretationen

6. Überprüfung des Projektes „Lernen mit StudiVZ“ auf die Gütekriterien der Forschung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Moduleinordnung

StudiVZ, Facebook und MySpace sind prominente soziale Plattformen, die in den letzten Jahren verstärkt genutzt werden und Teil des Web 2.0 sind, eines Internets, das sich durch Interaktivität und eine veränderte Massenkommunikation auszeichnet. Im Gegensatz zum Web 1.0 haben die Nutzer hier die Möglichkeit, selber zu Produzenten zu werden indem sie beispielsweise eigene Beiträge schreiben und diese wiederum veröffentlichen. Das Verhältnis der vormals kleinen Anzahl von Produzenten, die meist dazu noch offizielle Experten waren und die riesige Zahl der Konsumenten verändert sich dadurch drastisch. Ein weiteres bekanntes Beispiel für eine interaktive Plattform, auf der Wissensbestände gesammelt werden, ist Wikipedia. Diese funktioniert nach dem Prinzip der kollaborativen Wissensherstellung, sprich jeder der möchte, kann einen Artikel zu einem Thema hinzufügen oder auch schon bestehende Artikel bearbeiten. Auf sozialen Plattformen wie StudiVZ hat man die Möglichkeit, sich ein individuell gestaltbares Profil einzurichten und über verschiedene Funktionen Kontakt mit Freunden zu halten, Fotos hochzuladen oder aber auch an Lerngruppen wie Tandem-Sprachgruppen teilzunehmen. In Plattformen wie diesen ist deshalb durch die Funktion der Gruppengründung beispielsweise auch Lernen als eine Möglichkeit angelegt, jedoch auch eine große Anzahl anderer Kommunikationsmöglichkeiten. Sie unterscheiden sich deshalb von reinen Lernplattformen wie dem Bildungsportal SABA, das das Land Sachsen benutzt und CLIX, das im Gebrauch des virtuellen Hochschulverbundes Viror ist[1]. Diese haben sich in den letzten Jahren bei zahlreichen Universitäten etabliert und spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der Medienpädagogik. In unserem Projekt „Sprachen Lernen mit StudiVZ“ im Rahmen des Seminars „Grundlagen der Medienforschung“ wollten wir daher herausfinden, ob und inwiefern Nutzer von StudiVZ mit dieser eher sozialen Plattform lernen können und auch wollen. In der vorliegenden Arbeit soll das durchgeführte Projekt sowie die Ansätze der qualitativen Forschung als auch der Aktionsforschung, die Grundlagen unseres Projektes waren, vorgestellt und reflektiert werden.

Das Projekt „Sprachen Lernen mit StudiVZ“ sowie das Seminar „Grundlagen der Medienforschung“ sind Bestandteil des Modul 1 „Theorien und Forschungsmethoden zu Medien und Massenkommunikation“, Teilmodul „Forschungsmethoden, Grundlagenforschung“. Dieses soll uns unter anderem dazu befähigen, eigene Fragestellungen im Forschungskontext formulieren zu können und die dafür relevanten Forschungsmethoden auszuwählen und anzuwenden. Mit der Entwicklung der Fragestellung unseres Projektes – Ob und inwiefern ist Lernen mit StudiVZ möglich? - und der Auswahl der Methode „Leitfadeninterview“ ist unsere Arbeitsgruppe diesem Punkt gerecht geworden. In der vorliegenden Arbeit soll es im Rahmen der Anschlussfähigkeit außerdem darum gehen, das Projekt in den Forschungskontext einzuordnen und so noch einmal die Relevanz der Fragestellung aufzuzeigen. Weiterhin ist es Studienziel des Moduls, Forschungsergebnisse zu analysieren, zu reflektieren und zu bewerten. Dies war Teil unseres Projektes in Form der Auswertung der Interviews und der Beurteilung der Repräsentationsfähigkeit dieser Ergebnisse. Auf der Grundlage der genannten Kenntnisse soll im Rahmen des Modul 1 ein kleines, individuelles Forschungsprojekt geplant werden, was mit der Durchführung des Projektes zum StudiVZ geschehen ist. Die Veranstaltung „Grundlagen der Medienforschung“ und das Projekt „Sprachen Lernen mit StudiVZ“ wird somit einem großen Teil der Lerninhalte des Modul 1 gerecht.

2. Vorstellung des Projektes

2.1 Die Vorgehensweise

Um unserer Fragestellung – Ob und inwiefern ist Lernen mit StudiVZ möglich? – auf den Grund zu gehen, haben wir uns zwei verschiedene Strategien überlegt. Zum einen haben wir auf der Grundlage der Aktionsforschung ein Profil bei StudiVZ aufgebaut, von dem aus wir drei Tandemgruppen für die Sprachen Englisch, Spanisch und Russisch gegründet und verwaltet haben. Dass es sich um Aktionsforschung handelte, war uns zum Zeitpunkt der Durchführung des Projektes noch nicht bewusst worin auch eine der methodischen /planerischen Schwächen bestand. Da wir nicht wussten, auf der Basis welcher Forschungsrichtung wir unser Projekt aufbauten, konnten wir diese nicht als Grundlage bei der Durchführung nehmen. So haben wir möglicherweise wichtige Regeln der Aktionsforschung missachtet. Dies soll später noch genauer untersucht werden. Zum anderen haben wir aus dem Repertoire der qualitativen Forschungsmethoden das Leitfadeninterview ausgewählt um die Nutzer unserer Tandemgruppen nach ihren Erfahrungen zu befragen.

2.2 Die Erstellung des Profils und der Gruppen einschließlich Hindernissen

Zunächst haben wir ein Profil mit dem Namen „Sprachen Lernen“ und von dort aus die drei Sprach- Tandemgruppen gegründet. Dies erschien uns am sinnvollsten, da die Nutzer sogleich wissen, worum es sich bei dem Profil handelt. Dies trifft bei einem persönlichen Profil nicht zu, da hier zunächst die Präsentation der Person im Vordergrund steht und der Betrachter erst über Umwege wie das Einsehen der zugehörigen Gruppen auf den Zweck des Profils kommt. Beim Profil „Sprachen Lernen“ ergaben sich jedoch zwei Probleme. Zum einen identifizierte StudiVZ unser Versenden derselben Nachricht an viele StudiVZ - Nutzer als Massennachricht, welche bei StudiVZ verboten ist. Daher wurde das Versenden von Nachrichten für einige Tage gesperrt und wir konnten nicht fortfahren, Nutzer über die Gründung unserer Tandemgruppen zu informieren. Zum anderen wurde unser Profil schließlich von StudiVZ gelöscht, da es sich bei „Sprachen Lernen“ um einen Künstlernamen und nicht um eine Person handelt. Diese Regel war auch Teil der Allgemeinen Geschäftsbedingungen und unsere Gruppe als Projektinitiator hätte sich darüber informieren können. Nach dem ersten Scheitern haben wir ein neues Profil mit Alexandra Marchenkos Namen – einem Mitglied unserer Projektgruppe – aufgebaut. Da die Tandemgruppen zuvor von dem alten Profil aus verwaltet wurden, musste StudiVZ nun zunächst unsere Tandemgruppen diesem neuen Profil zuordnen, damit wir wieder Zugriff auf sie hatten. Dieser ganze Prozess hat unser Experiment verzögert und die Zeit, während der die Gruppen effektiv genutzt werden konnten, verkürzt. Dies hätte durch sorgfältigeres Informieren vorab vermieden werden können.

Innerhalb der jeweiligen Tandemgruppen haben wir zum einen einen Einleitungstext verfasst um die Mitglieder zu begrüßen und zu erklären, wie der Sprachaustausch ablaufen sollte oder könnte. Ein Beispiel für einen Einleitungstext lautet folgendermaßen:

Herzlich willkommen bei Englisch Tandem! Hier könnt Ihr einen Tandempartner zum Englisch Üben finden und Fragen zur Englischen Sprache stellen.
Es funktioniert wie folgt: Wir haben 3 Foren eingerichtet, welche jeweils ein Niveau darstellen. Schätze Dein Sprachvermögen ein und setze eine Nachricht in ein Forum oder mehr. Dort können sich dann andere Studenten melden, die einen Tandempartner suchen. Eure Sprachübungen können dann online oder offline stattfinden. Viel Spass!

Zum anderen haben wir drei Untergruppen mit den Sprachniveaus „Anfänger“, „Fortgeschritten“ und „Experte“ für jede Sprache eingerichtet um den Gruppennutzern eine Orientierung zu geben, wo sie am ehesten einen passenden Partner finden.

2.3 Aktivitäten in den Gruppen unsererseits und vonseiten der Nutzer

Nun bestand der nächste Schritt erneut in der Mitgliederanwerbung, die wir diesmal in vier verschiedenen, von StudiVZ zugelassenen Richtungen betrieben haben. Wir haben erstens Freunde und Bekannte im StudiVZ und zweitens Mitglieder anderer Sprachgruppen in unsere Gruppen eingeladen, drittens Nachrichten in Foren der Romanistik, Amerikanistik, Anglistik und Slawistik gesetzt und viertens Freundschaftseinladungen für das von uns eingerichtete Profil „Alexandra Marchenko“ versendet. Es stellte sich heraus, dass es eine Zeit lang dauerte, bis die Gruppen an Mitgliedern gewannen und dass der Sprachaustausch mit dem Aufbau der Seite alleine nicht vonstatten ging. Um die Mitglieder zu motivieren haben wir erneut eine Nachricht in die jeweiligen Gruppen gesetzt in der wir anbieten, auf Fragen zu der jeweiligen Sprache und Kultur zu antworten, dazu auffordern die Chance des Tandemlernens zu nutzen und aktiv zu werden und unsere Offenheit gegenüber Anregungen und Kritik zur Gestaltung der Gruppen betonen. Weiterhin haben wir beispielsweise in der Spanisch Gruppe einen Austausch zu dem Thema „Botellón“[2] gestartet, um die Diskussion über kulturelle Themen anzuregen. Auf diesen ist jedoch niemand eingegangen. Wir haben außerdem Nachrichten, die über Alexandras Profil eingingen und die Tandemgruppen betrafen, beantwortet. Darin ging es beispielsweise darum, dass ein spanisches Gruppenmitglied unsere Motivationsnachricht auf Deutsch nicht komplett verstand und gerne auf Spanisch übersetzt haben wollte – was auch geschehen ist. An dieser Stelle muss ich rückblickend sagen, dass unsere Gruppe daran hätte denken müssen, dass ein spanisch-deutsches Forum unter anderem spanisch- und kaum deutschsprachige Mitglieder haben kann. Möglicherweise wäre es sinnvoll gewesen, den Einleitungstext ebenfalls in die jeweilige zweite Sprache zu übersetzen. Die von uns gestartete Diskussion über das Thema „Botellón“ fand allerdings auf Spanisch statt. Die Aktivitäten der Teilnehmer beschränkten sich im Wesentlichen auf ein paar Tandempartner-Gesuche und einige wenige Antworten auf diese. Interessant war zu beobachten, dass in der Tandemgruppe mit den wenigsten Mitgliedern, der Russischtandemgruppe, der meiste Austausch stattfand. Hier kam zwischen den verschiedenen Mitgliedern ein Gespräch über ihre Russischkenntnisse in Gang und eine Teilnehmerin schlug unserer Gruppe vor, Aufgaben zu den Podcasts der Seite www.russisch-journal.de zu erstellen. Dieser Vorschlag kam jedoch erst kürzlich und nach Durchführen der Interviews. Abschließend haben wir eine Nachricht in alle drei Foren gesetzt in der wir darüber informieren, dass das Projekt vonseiten des Uniseminars beendet ist, wir jedoch gerne bereit sind, auch weiterhin Fragen zu beantworten und somit die Gruppen weiterzuführen. In der Einleitung habe ich schon angesprochen, dass uns zum Zeitpunkt des Projektaufbaus noch nicht bewusst war, dass es sich bei diesem möglicherweise um Aktionsforschung handelte. Um diese Annahme nun noch einmal genauer zu überprüfen, soll im Folgenden der Ansatz der Aktionsforschung nach dem Sage Handbuch „Qualitative Research in Psychology“[3] beschrieben werden und dessen Merkmale mit denen unseres Projektes verglichen werden.

[...]


[1] Schulmeister, Rolf: Lernplattformen für das virtuelle Lernen. Evaluation und Didaktik, Oldenburg Verlag, München, 2003, S. 5.

[2] Botellón ist eine spanische kulturelle Praxis, bei der Jugendliche sich abends in einem Park oder auf der Straße zum gemeinsamen Trinken und Feiern treffen.

[3] Willig, Carla; Stainton-Rogers, Wendy: The Sage Handbook of Qualitative Research in Psychology, Sage Publications, London 2008.

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640178704
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115454
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,8
Schlagworte
StudiVZ Studierendenverzeichnis Lernplattform

Autor

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