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Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Manische Depression
2.1 Begrifflichkeiten
2.1.1 Die unipolare Depression
2.1.2 Die bipolare Depression
2.2 Geschichte der manischen Depression
2.3 Ursachen der manischen Depression
2.4 Behandlungsmethoden der manischen Depression

3 Manische Depression und Kreativität
3.1 Wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema
3.1.1 Methodik
3.1.2 Durchführung
3.1.3 Ergebnis
3.2 Kreativitätsfördernde Symptome

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Themenkomplex „Melancholie, Depression und Kreativität“ hatte mich im Seminar spontan aufhorchen lassen. „Endlich mal ein Thema, dass sich nicht mit dem jung-dynamischen, erfolgreichen und vor Gesundheit und Kreativität strotzenden Übermenschen beschäftigt“ schoss es mir durch den Kopf. In unserem von der Hochglanzwerbung stark beeinflussten Studiengang schien mir dieses Thema ein menschlicher Lichtblick zu sein.

Als ich dann glühenden Eifers die Grundlagenliteratur verschlang, war ich zunächst ein bisschen enttäuscht. Die historische Abhandlung des Themas hatte mir zu wenig persönlichen Bezug. Bis ich dann auf den Essay von Kay Jamison gestoßen bin. Die Wissenschaftlerin erforscht als selbst Betroffene das Thema „Manische Depression und Kreativität“. Warum hatte mich dieses Thema so spontan gefesselt? Ist sie eine Gleichgesinnte? Ich selbst leide seit meiner Pubertät unter extremen Stimmungsschwankungen. Bin ich etwa selbst manisch depressiv? Und ist meine mir des öfteren „attestierte“ Kreativität etwa ein Kind dieser Krankheit? Mein Erkenntnisinteresse wuchs und resultierte in dieser Arbeit über „Manische Depression und Kreativität“.

Erst einmal wollte ich genaueres über diese Krankheit wissen. Wie äußert sie sich? Ist sie ein Kind unserer Zeit oder existiert sie seit Menschengedenken? Wodurch wird sie ausgelöst? und Wie kann man sie behandeln?

Mit diesem Grundlagenwissen fühlte ich mich für die nächsthöhere Stufe der wissenschaftlichen Diskussion gewappnet. Wie beeinflusst die manische Depression die Kreativität?

Da das Thema für einen psychologischen Laien wie mich sehr schwer zugänglich war (zumal die gesamte Literatur mit psychologischen Fachtermini auf Englisch verfasst war) und sich zudem als äußerst komplex erwies, beziehe ich mich in meiner Arbeit in erster Linie auf die Erkenntnisse von Kay Jamison.

Ich habe mich im Nachhinein dafür entschieden, auf wörtliche englische Zitate zu verzichten, da diese den Lesefluss zu sehr behindert haben.

2 Manische Depression

2.1 Begrifflichkeiten

Das Wort Depression kommt aus dem Lateinischen: „Depressio“ = Niederdrücken, Senkung. „Die Depression ist eine psychische Erkrankung mit starker seelischer Verstimmtheit, die durch tiefe Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit sowie körperliche und seelische Antriebshemmung gekennzeichnet ist“.[1] Es gibt unterschiedliche Formen der Depression. Man unterscheidet z.B. die unipolare von der bipolaren Depression.

2.1.1 Die unipolare Depression

Die unipolare Depression ist die uns als „klassische Depression“ geläufige Erkrankung, in der dem Patienten die Welt dunkel, freudlos und nicht mehr lebenswert erscheint. Der depressive Patient ist apathisch und lethargisch, er kann sich schlecht konzentrieren und hat ein schlechtes Gedächtnis, seine Motorik und sein Denken sind verlangsamt und er plagt sich mit Hoffnungslosigkeit, Selbstmordgedanken, Selbstzweifeln und Schuldgefühlen[2].

Die Symptome müssen über mindestens 2-4 Wochen kontinuierlich auftreten, um als klinische, zu behandelnde Depression eingestuft zu werden. Außerdem müssen die entsprechenden Kriterien, die für eine Diagnose herangezogen werden, erfüllt werden. Ein weiteres Differenzierungsmerkmal zwischen „krankhafter Depression“ und normalen temporären Stimmungstiefs besteht in dem Maß, in dem die Symptome das Alltagsleben des Menschen beeinflussen[3].

2.1.2 Die bipolare Depression

In einer bipolaren Depression oder manischen Depression wechseln sich depressive und euphorische Phasen ab. Es werden hierbei zwischen unterschiedlichen „Schweregraden“ unterschieden: Diese reichen von der milden Form der manischen Depression, der Cyclothymie, bei der zwar deutliche Schwankungen in der Stimmung, im Verhalten usw. auftreten, die aber das Alltagsleben der Patienten nicht so gravierend beeinflussen bis hin zu den extremen Formen, die einen lebensbedrohlichen und psychotischen Charakter besitzen[4].

“In depressiven Phasen sieht der Patient die Welt durch ein dunkles Glas, in manischen durch ein Kaleidoskop, leuchtend aber zerbrochen.“[5]

Die depressiven Phasen einer bipolaren Störung werden nach den gleichen Kriterien wie die der unipolaren Depression diagnostiziert. In manischen Phasen hingegen sind die Symptome nahezu gegenteiliger Natur zur depressiven Phase.

Der Patient ist hyperaktiv und euphorisch. Seine Stimmung ist überdurchschnittlich gut und sein Selbstvertrauen extrem hoch. Obwohl er wenig schläft, schäumt er über vor Energie. Seine Produktivität steigt. Seine Sprache ist schnell, nervös, gereizt und aufdringlich und er springt schnell von einem Thema zum nächsten. Der Patient ist extrem überzeugt von der Wichtig- und Richtigkeit seiner Ideen. Dieser „Größenwahn“ kann sein Urteilvermögen schwächen und ihn zu impulsivem Verhalten anleiten. Die beruflichen und persönlichen Beziehungen von Manikern sind oft chaotisch. Sie gehen fragwürdige wirtschaftliche Risiken oder sexuelle Affären ein. Sie sind leichtsinnig, indem sie z.B. Geld verprassen oder nicht angeschnallt Auto fahren.

Auch bei der Manie gibt es unterschiedliche Ausprägungsgrade. Sie reichen von der milde Form der Manie, der Hypomanie bis hin zu schweren Formen, die durch Wahnvorstellungen, Paranoia und Halluzinationen gekennzeichnet sein können[6].

Laut Kay Jamison ist das Auftreten einer manischen Depression relativ weit verbreitet. Ihrer Einschätzung nach leidet eine Person von Hundert unter einer schweren Form der bipolaren Störung und eine weitere unter der milden Variante, der Cyclothymie. 5% leiden unter einer unipolaren Depression. Die Wahrscheinlichkeit, an einer bipolaren Störung zu erkranken, ist bei Männern und Frauen etwa gleich hoch, wohingegen bei einer unipolaren Depression doppelt so viele Frauen betroffen sind. Das Durchschnittsalter eines von manischen Depressionen betroffenen Patienten liegt bei etwa 18 Jahren. Unipolare Depressionen treten im Durchschnitt später auf, etwa ab 27 Jahren[7].

Wichtig für das weitergehende Verständnis der manisch-depressiven Erkrankung und ihren möglichen Einfluss auf die Kreativität ist das Bewusstsein, dass die manischen und depressiven Symptome an sich zwar polarer bzw. entgegengesetzter Natur sind, aber beide nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können. „Gerade die Überschneidungen, Schwankungen und Übergangsstadien zwischen beiden Phasen sind von enormer Bedeutung“[8].

[...]


[1] http://www.mcmedicine.ch/live/mcmedicine/krankheiten/psyche/depression/depression_ definition.htm

[2] Vgl. K. Jamison: Manic Depressive Illness and Creativity , Scientific American, 1995

[3] Vgl. K. Jamison: Manic Depressive Illness and Creativity , Scientific American, 1995

[4] Vgl. K. Jamison: Touched with fire, New York 1994, S. 13

[5] K. Jamison: Manic Depressive Illness and Creativity , Scientific American, 1995

[6] Vgl. K. Jamison: Manic Depressive Illness and Creativity , Scientific American, 1995

[7] Vgl. K. Jamison: Touched with fire, New York 1994, S. 16f

[8] K. Jamison: Touched with fire, New York 1994, S. 34

Details

Seiten
16
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783640169627
Dateigröße
682 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115388
Institution / Hochschule
Universität der Künste Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Manische Depression Kreativität
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Titel: Manische Depression und Kreativität