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Der Roman im Französischunterricht

Am Beispiel Azouz Begag: Le gone du chaâba

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 23 Seiten

Didaktik - Französisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Buch und Film

3 Motivation und Begründung der Textwahl

4 Zielstellungen der Textbehandlung und Vorbesprechung.

5 Sprach- und Sachanalyse des Romans

6 Didaktisch-methodische Grobplanung für die Unterrichtseinheiten

7 Feinplanung
7.1 Gestaltung der ersten Stunde.
7.2 Feinplanung der dritten Unterrichtsstunde.

8 Schlussbemerkung

9 Literatur/Quellen

Anhang

1 Einleitung

La littérature, où que ce soit en didactique, reprend une place importante, parce que, finalement, les apprenants, eux, contrairement aux didacticiens, ne savaient pas qu’elle n’était qu’une vieillerie… (Porcher,1987: S.41).

Die vorliegende Arbeit befasst sich umfassend mit der Behandlung von Romanen im Unterricht. Hierzu wurde der Roman Le gone du Chaâba von Azouz Begag ausgewählt. Ziel dieser Arbeit ist es eine Unterrichtsplanung für eine geeignete Klassenstufe zu entwerfen. Das Entwerfen eines solchen Plans erfordert sehr viele Vorüberlegungen. In vorhergehenden Kapiteln wird sich zunächst mit diesen Vorüberlegungen auseinandergesetzt. Dazu gehören die didaktischen Ziele und Motivationsmöglichkeiten. Ebenso wichtig ist eine Auseinandersetzung mit dem Inhalt und der Sprache um sich für eine geeignete Klassenstufe zu entscheiden und um eventuelles Voraussetzungswissen in vorherigen Stunden einzuführen oder zu wiederholen.

Einen wesentlichen Teil bildet die Grobplanung eines Unterrichtsentwurfes über mehrere Stunden. Hier soll überlegt werden, wie das Lesen des Romans organisiert werden soll, welche Stellen übersprungen werden und welche Stellen intensiver zu lesen sind. Die Grobplanung setzt sich aber auch mit der Behandlung der Sprache und des Themas auseinander und gibt einen Überblick, welche Ziele im Laufe der Behandlung des Buches erreicht werden sollen. Anhand eines Beispiels soll im letzten Teil eine Stunde genauer betrachtet werden um auf einzelne didaktisch-methodische Ziele eingehen zu können.

2 Buch und Film

Le gone du Chaâba ist ein autobiografischer Roman von Azouz Begag, welcher 1986 erschienen ist. Er beschreibt das Leben eines kleinen Jungen namens Azouz. Azouz ist zwar in Frankreich geboren, dennoch ist er aufgrund der Herkunft seiner Eltern Algerier. Er lebt mit seiner algerischen Familie in einem Armutsviertel am Stadtrand von Lyon, in einem Bidonville. Dort wird er mit alltäglichen Problemen konfrontiert. Seine Eltern sind Analphabeten und leben in großer Armut in Baracken. Der tägliche Kampf ums Überleben wird in diesem Buch dargestellt. Hinzu kommen die typischen Schwierigkeiten eines Jugendlichen beim Erwachsenwerden. Im Vordergrund der Handlung steht der innere Konflikt des jungen Protagonisten. Einerseits ist Azouz sehr stolz auf seine Herkunft und sein Leben. Andererseits möchte er auch zu den Franzosen dazu gehören und Freunde unter ihnen finden. Um dieses Ziel zu erreichen, bemüht er sich um gute Schulnoten, was ihm nach einer Weile auch gelingt. Aus diesem Grund distanzieren sich seine algerischen Freunde von ihm und nennen ihn einen Franzosen, der nicht mehr zu ihnen, den Algeriern, dazu gehören kann. Sie fühlen sich von ihm verraten.

Dieses Buch von Azouz Begag ist ein autobiografisches Werk. Begag wurde 1957 in Lyon geboren. Seine Familie und seine Lebensverhältnisse ähneln den beschriebenen Verhältnissen in seinem Buch. Heute ist er docteur en économie, Schriftsteller und Forscher in sozialen Wissenschaften. Er ist ein bedeutender Vertreter der Integration.

1998 verfilmte Christophe Ruggia das Buch: „C’est un film que j’ai fait pour les enfants. Quand je l’ai fait, je pensais aux 8-12 ans, moment décisif pour la lecture et l’écriture.“ (http://www.kultur-frankreich.de/cinefete/2/dossiers/Dossiers_Le_gone.pdf) Dieser Film lässt sich für eine Arbeit mit dem Roman hervorragend verwenden und ist ab einem Sprachniveau von mindestens drei Lernjahren gut zu verstehen.

3 Motivation und Begründung der Textwahl

Seit 1996 organisiert der Ernst Klett Verlag Lesungen in Schulen, im Institut Français und in Büchereien mit Azouz Begag. Als ein Vertreter der Integration von Randgruppen beschreibt Azouz Begag mit viel Wärme und Humor die Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen, zwei Sprachen und zwei Identitäten. Durch seine witzige Schreibweise eignet sich dieses Buch besonders für Kinder und Jugendliche. In seinem Werk werden wesentliche Themen, die heute immer noch sehr aktuell sind, behandelt. Die Ausländerproblematik spielt hier eine wesentliche Rolle. Damit verbunden werden das Thema der Integration sowie die innerliche Zugehörigkeit aufgegriffen. Das Buch bietet eine Vielzahl weiterer wichtiger Themen, die als Diskussionsgrundlagen dienen können, wie zum Beispiel Toleranz, Armut, Elternkonflikte, Religion, Aberglaube, Tradition, Ehre, Benehmen, Liebe und Sexualität. Nebenher läuft das Thema einer interessanten Lexik, die je nach Gesprächspartner einen anderen Charakter annimmt. Diese Themen sind Gebiete, die die Schüler etwas angehen und sie teilweise sogar persönlich betreffen können. Aufgrund dessen bietet dieses Buch eine gute Möglichkeit über gewisse Problematiken zu sprechen. Einen wesentlichen Grundsatz in der heutigen Pädagogik bildet die Interkulturelle Pädagogik. Lehrer werden dazu angehalten ihren Schülern ein Verständnis von Multikulturalität zu vermitteln. Ursache hierfür sind die immer größer werdenden Vorurteile Ausländern gegenüber. Mit diesem Buch kann es dem Lehrer gelingen seine Schüler für diese Problematik zu sensibilisieren um Vorurteile für eine Chancengleichheit zu beseitigen. Dennoch lässt sich darüber diskutieren, in welcher Altersstufe dieses Buch behandelt werden sollte. Der Inhalt für sich dargestellt bietet auf den ersten Blick keine großen Schwierigkeiten. Die Geschichte handelt von dem Leben eines kleinen 12 jährigen Jungen, so dass sich ältere Schüler eventuell nicht angesprochen fühlen oder sich mit der Hauptfigur nicht identifizieren können. Dennoch sind bei einer tiefgründigeren Analyse die genannten Themen, die im Buch angesprochen werden, durchaus äußerst anspruchsvoll und setzen somit ein höheres Alter voraus. Ich habe mich für eine Behandlung in der 12. Klasse entschlossen, da die Schüler in diesem Alter durchaus dazu in der Lage sein sollten entsprechende Themen sowie inhaltlich als auch sprachlich diskutieren zu können. Eine weitere Schwierigkeit stellt das Niveau der Sprache im Text dar. Hier wechselt das Niveau häufig. Es wird Umgangssprache des Französischen vermischt mit arabischen Elementen, wodurch die Schüler Schwierigkeiten im Verständnis haben können. Des Weiteren wird durch die Eltern des Jungen Azouz häufig lautmalerisches Französisch gesprochen, worauf die Schüler ebenfalls hingewiesen werden müssen.

4 Zielstellungen der Textbehandlung und Vorbesprechung

Flaubert n’a pas écrit „Madame Bovary“ pour les philologues ou les idéologues. Pas plus qu’il ne l’a fait d’ailleurs, comme le dira encore Pennac, pour fournir des sujets de baccalauréat à l’Education Nationale. Mais simplement, nous l’avons fortement souligné dans nos définitions préalables, pour son propre plaisir et pour le nôtre: la logique didactique que nous avons adoptée initialement et qui aspire à fonder sa légitimité sur l’idée d’authenticité, nous impose donc, maintenant, une autre orientation pédagogique qui, sans être exclusive de la première, mette l’accent sur la finalité du plaisir dans le rapport avec les textes plutôt que sur la découverte de leur sens pluriel. (Séoud, 1997: S.117)

Im Vordergrund bei der Behandlung eines Romans sollte immer das Vergnügen stehen. Als der Roman im 19 Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte, war das Ziel zu gefallen und Vergnügen zu bereiten (de plaire) das wesentliche. Dieses Ziel sollte gerade bei der Arbeit mit Schülern nicht außer Acht gelassen werden und somit, wie es im obigen Zitat von Séoud deutlich wird, wichtiger sein als alles andere.

Um die französische Sprache richtig erlernen zu können, sollten die Schüler so oft wie möglich mit ihr in Kontakt kommen, und das möglichst in authentischen Situationen. Da sich der Kontakt mit einer fremden Sprache, abgesehen von Schüleraustauschen, hauptsächlich fast nur auf das Schulbuchmaterial beschränkt, geht die Lust am Erlernen der Sprache oft verloren. Der Lehrer hat hiermit die Aufgabe dem Schüler so viele wie mögliche authentische Sprechanlässe zu geben um seine Sprachkompetenz zu verbessern und die Lernenden zu motivieren und Neugier für die fremde Sprache zu schaffen. Wichtig dabei ist immer der Realitätsbezug. Mit dem Buch „Le gone du Chaâba“ ist eine solche Grundlage geschaffen aufgrund der aktuellen Thematik und dem authentischen Bericht. Der Einsatz von original französischen Medien im modernen Fremdsprachenunterricht ist damit unumgänglich und bietet eine für den Schüler interessante Möglichkeit ihn an ein solches Werk heranzuführen. Das Medium Film hat den Vorteil, dass die schwer verständlichen Teile beziehungsweise sogar unbekanntes Vokabular durch die Visualisierung erschlossen werden können. Somit wird ein ganzheitlicher Lernprozess in Gang gebracht. Dennoch ist ein Film allein nicht ausreichend, da es hierbei zur Reizüberflutung kommen kann. Die Schüler sind leicht überfordert und verlieren das Interesse. Dazu ist eine gründliche Einführung in das Thema beziehungsweise in das zugrunde liegende Buch unabdingbar. In dieser Unterrichtskonzeptdarstellung soll der Film nur als nachträgliche Unterstützung zum Verständnis beitragen um im weiteren Leseverlauf den Überblick zu behallten. Den Film können die Schüler auch verstehen, wenn sie nicht jedes Wort verstehen oder sogar ganze Sätze nicht verstehen. Es geht darum den gesamten Handlungsverlauf nachvollziehen zu können und das Buch insgesamt mit seinen Themen und Problematiken zu verstehen. Dies ist ein wichtiger Punkt, der während der gesamten Behandlung des Buches immer wieder präsent sein soll. Die Schüler sollen dazu angeregt werden ein ganzheitliches Verständnis über den Text und das Geschehen zu erlangen und auch unverständliche Wörter und Sätze missachten.

Als weiteres Medium soll das Internet durch die Schüler für sinnvolle und eigenständige Arbeit zu Hause und in der Schule genutzt werden. Des Weiteren sollen die Schüler bei der Arbeit mit diesem Buch einen realistischen, dennoch witzigen Einblick in die Alltagsprobleme arabischer Immigrantenkinder, im erweiterten Sinn aller ausländischen Kinder, in Frankreich erhalten. Da das Buch eine Vielzahl wichtiger tiefgründiger Themen bietet, soll der Wortschatz durch entsprechendes Vokabular erweitert werden. Besonders geht es hierbei um Wortfelder der Begriffe étranger, immigration, pauvreté, etc. Die gestellten Aufgaben sollen je nach Anweisung in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit gelöst werden sowie die Ergebnisse vor der ganzen Klasse vorgestellt werden. Ein letztes wesentliches Augenmerk soll während der gesamten Arbeit mit dem Werk auf die Verbesserung der schriftlichen, aber vor allem mündlichen Sprachkompetenz gelegt werden, sowie das Hörverständnis durch entsprechende Übungen geschult werden. Um in das Buch einzuleiten und den Hintergrund der Geschichte verstehen zu können ist eine erhebliche Kontextarbeit erforderlich. Aufgrund der autobiografischen Züge des Buches können Sachverhalte über den Algerien-Krieg in Bezug auf Frankreich sowie weitere kulturell- historische Verständigungen nicht außen vor gelassen werden. Die Schüler sollen in der Lage sein die gesellschaftlichen Probleme, die in dem Buch stecken, zu erkennen und im erweiterten Sinn auf andere Nationen übertragen zu können. Landes- und kulturkundliche Erkenntnisse sind dabei unabdingbar (http://www.ph-ludwigsburg.de/html/2b-frnz-s-01/overmann/baf4/begag/legone.htm#Presentation).

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Details

Seiten
23
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640169504
ISBN (Buch)
9783640172207
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115363
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Romanistik
Note
1,7
Schlagworte
Roman Französischunterricht Beispiel Azouz Begag Literaturdidaktik Französisch Hauptseminar le gone du chaâba Unterrichstentwurf Grobplanung Feinplanung

Autor

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Titel: Der Roman im Französischunterricht